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Ein Sprung ins kalte Wasser

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Neue Aufgaben bringen mehr als Verantwortung mit sich…

Noah kümmert sich das erste mal um einen frischen Auszubildenden. Nie im Leben hätte er damit gerechnet, was das sich dadurch alles ändern würde. Nicht nur einmal wurde er überrumpelt und wagte den Sprung ins ungewisse.

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97–146 Minuten
Mein neuer Azubi

»Hey Noah, jetzt wird es endlich Zeit, dass du dich einmal eigenständig um einen neuen Azubi kümmerst«, waren die Worte meines Chefs. Ob ich dazu bereit war oder nicht, mir blieb keine Ausrede.

Für mich selbst war es, als wäre mein Abschluss gerade erst gestern gewesen, dabei waren schon drei Jahre vergangen. Obwohl ich mit Bravour abgeschlossen hatte, fiel mir die Vorstellung schwer, schon mit 23 für jemanden eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Jens, mein damaliger Mentor, war kurz vor der Rente. Er konnte mit einer Menge an Arbeitserfahrung prahlen und stand mir bei jeglicher Frage immer zur Seite. Immerhin beherrschte ich meinen Job und könnte jemandem anderen in meinem Tätigkeitsfeld wenigstens einiges beibringen. So kam auch schnell der Tag, an dem mein neuer Schützling bei uns anfing.

Als ich am Morgen die Firma betrat, kannte ich nur seinen Namen – Florian. Schon als ich zur Glastür reinkam, wurde ich direkt von unserer Empfangsdame abgefangen.
»Guten Morgen, Noah. Du sollst dich bitte gleich beim Chef melden. Dein Schützling ist schon drin«, flötete Monika und erntete direkt einen genervten Blick von mir.
»Jo«, meinte ich grummelnd und machte mich auf den Weg.
Statt mich umzuziehen und mir meinen Kaffee zu ziehen, stand ich kurze Zeit später vor dem Büro und klopfte.
»Herein«, dröhnte die Stimme meines Chefs durch die Tür, und sobald ich eintrat, ging er in die Offensive über.
»Perfektes Timing. Wir sind gerade mit allen Unterlagen durch. Florian, das ist Noah. Er wird in deiner Ausbildungszeit dein Mentor sein, also solltest du irgendwelche Fragen haben, wende dich an ihn.«

Zu Wort kam ich zwar nicht, aber mein Blick fiel schnell auf den recht unscheinbaren jungen Mann, der mich schüchtern und unsicher ansah. Er erinnerte mich an meinen ersten Tag hier in der Firma, und ich konnte noch gut nachempfinden, wie er sich in diesem Moment fühlte.
»So, und jetzt los. Die Arbeit macht sich nicht von allein. Zeig ihm alles, damit er ein Gefühl dafür bekommt, was ihn bei uns erwartet«, bekam ich die Anweisung von meinem Chef.
»Geht klar. Dann komm mal mit«, richtete ich mich erst an meinen Chef und dann an Florian.
Ohne ein weiteres Wort verließ ich das Büro und bog in den Gang zu den Umkleiden ein. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass Florian mir folgte, und ein paar Augenblicke später erreichten wir unser erstes Ziel.

»So, das hier sind die Umkleiden. Deine Spindnummer müsstest du ja schon haben. Da findest du auch passende Arbeitskleidung«, sagte ich und ging auf meinen Spind zu.
Wie gewohnt zog ich mich bis auf die Boxershorts aus und verstaute meine Klamotten. Als ich jedoch einen kurzen Blick auf Florian werfen wollte, starrte dieser mich wie ein Auto an und fummelte an seinem T-Shirt rum.
»Na los. Ich schaue dir schon nichts weg. Alternativ gibt es dort hinten auch eine Umkleidekabine.«
Mein Ton war etwas schärfer als beabsichtigt, aber ich brauchte dringend einen Kaffee, sonst würde ich den Tag nicht überstehen. Florian hingegen sah noch bedröppelter drein als vorher, aber wenigstens fing er endlich an, sich umzuziehen, und ich tat es ihm gleich. Mit seinen fünfzehn Jahren war er mir eindeutig zu jung, aber ganz niedlich war er schon, vor allem seine stahlblauen Augen waren verdammt hübsch. Dennoch war er noch minderjährig. Mir saß unsere Arbeitskleidung wie angegossen und betonte meinen Körper. An ihm wirkte sie, als wäre sie eine Nummer zu groß, was bei seinem schlaksigen Körperbau aber kein Wunder war.

Ich deutete ihm an, mir zu folgen, und wir gingen herüber in unseren Pausenraum. Dort wartete endlich mein ersehntes schwarzes Gold auf mich. Wie automatisch steuerte ich die Kaffeemaschine an und drückte mir einen Kaffee heraus.
»Willst du auch etwas?«, warf ich in Florians Richtung, doch bekam keine Antwort.
»Im Kühlschrank findest du Wasser und andere Getränke. Du kannst dich hier jederzeit bedienen, wenn du etwas brauchst. Es wird alles täglich aufgestockt.«
Mit der Ansage setzte ich mich an einen freien Tisch und trank in Ruhe meinen Kaffee. Zu meiner Überraschung hatte er sich zögernd ein Wasser genommen und nuckelte an der Flasche herum. Meinem Blickkontakt wich er die ganze Zeit über gekonnt aus. Ich zweifelte schon an meiner eigenen Kompetenz, denn wenn es so zäh zwischen uns weiterginge, würde ich durchdrehen.

Wenigstens war meine Laune nun angenehmer und wir konnten starten. Nachdem ich ihm alles Weitere gezeigt hatte, konnten wir ins Detail gehen. Sobald wir uns in ein Thema vertieften, taute Florian ein wenig auf. Nun stellte er auch vorsichtig Fragen und ich versuchte, ihm diese so gut es ging zu beantworten. Was ich jedoch unterschätzte, war die Zeit, die dafür draufging, und ich hing meiner eigentlichen Arbeit weit hinterher. Daher schickte ich ihn allein in die Mittagspause, damit ich wieder etwas aufholen konnte. Wie abgesprochen kam er danach direkt wieder zu mir und die Stunden bis zum Feierabend vergingen wie im Flug.

»Und wie fandest du deinen ersten Arbeitstag bei uns? Hast du es dir so vorgestellt?«, fragte ich ihn, als wir wieder in der Umkleide waren. Schließlich interessierte es mich auch, ob ich ihm seinen zukünftigen Arbeitsplatz schmackhaft machen konnte.
»Interessant und ja«, war das Einzige, was er herausbrachte.
»Alter, geht das auch ein wenig ausführlicher, oder muss ich dir jedes Wort aus der Nase ziehen? Oder konnte ich dir deine Fragen nicht beantworten?«, wollte ich genervt von ihm wissen.
»Doch schon …«, kam zögerlich von ihm, und schon wieder sah er aus wie ein Reh, das in Scheinwerferlicht blickte.
»Aber?«, hakte ich nach.
»Naja, heut’ Morgen warst du sehr genervt, wie jetzt auch, aber bei der Arbeit warst du total entspannt und da fiel es mir leichter, mit dir zu reden«, druckste er herum.
»Uff, sorry. Vor meinem ersten Kaffee kann ich unausstehlich sein. Das hatte nichts mit dir zu tun. Du bist auch mein erster Azubi und für mich ist das ganze Thema neu. Deshalb brauche ich auch dein Feedback, sonst bekommen wir beide einen auf den Deckel, wenn wir verkacken. Am besten, wir starten morgen nochmal neu und du darfst mich jederzeit mit Fragen löchern. Abgemacht?«, erklärte ich mich, und zum ersten Mal entspannte sich Florian etwas.
»Passt«, kam von ihm, und ich bekam zum Abschied ein schwaches Lächeln.

Die Zeit danach wurde von Tag zu Tag angenehmer. Flo taute langsam auf und wir wurden ein gutes Team. Zwar wurde er in der Firma nur als mein Schatten betitelt, aber immerhin konnten wir darüber lachen. Wir fanden sogar heraus, dass wir beide viele gemeinsame Interessen teilten. Wir zockten die gleichen Games, schauten dieselben Serien und Filme und hörten dieselbe Musik. Der große Unterschied bestand darin, dass er auf Frauen stand und ich durch und durch schwul war. Er hatte zwar versucht, über die Zeit herauszufinden, auf welchen Typ Frau ich stehe oder ob ich jemanden an meiner Seite habe, aber dies winkte ich immer mit der Aussage, dass ich aktuell nicht an einer Beziehung interessiert war, ab.

So passierte es, dass wir in seinen ersten zwei Ausbildungsjahren auch nach der Arbeit viel Zeit miteinander verbrachten. Meistens nahm ich ihn mit zu mir nach Hause, wo wir Filme oder Serien schauten, gemeinsam zockten oder einfach nur chillten. Früh fragte er mich auch, wie ich mich so fit hielt, und schnell hatte ich so einen neuen Trainingspartner im Gym. Seine Fortschritte konnten sich sehen lassen und mit seinen neuen Muskeln wuchs auch sein Selbstvertrauen. Der Kleine ließ nichts anbrennen, und teilweise half ich ihm auch als Wingman, ein paar Mädels abzuschleppen. So hatte ich auch Zeit, meiner eigenen Befriedigung nachzugehen, wenn er mit einer seiner Flammen unterwegs war.

Unsere Beziehung zueinander wurde immer enger und für mich war er schon wie ein kleiner Bruder, welchen ich niemals hatte. Allgemein musste ich schon früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, da mich meine Erzeuger, sofort nachdem sie erfuhren, dass ich schwul war, auf die Straße setzten. Wirklich als Eltern konnte ich sie nicht mehr sehen. Beide waren Sozialempfänger und haben den ganzen Tag nur auf der faulen Haut gelegen. Dazu durfte ich noch das meiste meines mickrigen Azubigehaltes an sie abdrücken, damit sie sich Alk und Kippen kaufen konnten. Da war mir das betreute Wohnen lieber und ich konnte selbst über mein hart verdientes Geld bestimmen. Meine Bude war klein, aber fein und sie gehörte nur mir.

Die Geburtstagsparty 

»Ey, Noah, was machst du am Wochenende?«, riss mich Flo aus meinen Gedanken, als ich tief gebückt in einer Maschine hing und mir fast den Kopf angestoßen hätte.
»Nichts, wieso? Was steht an?«, stellte ich mich dumm.
Ich wusste genau, was los war, denn Flo kannte seit Wochen kaum ein anderes Thema.
»Alter, Party bei mir. Endlich achtzehn.«
»Ach stimmt, da war ja was. Der Kleine wird erwachsen«, neckte ich ihn.
»Idiot. Das ›Kleine‹ kannst dir stecken«, protestierte er.
»Passt schon. Wann steigt denn deine Party?«
»Neunzehn Uhr und meine Adresse kennst du ja.«

Seine Adresse war mir bekannt, da ich ihn ab und zu nach Hause brachte, wenn es mal etwas später wurde, doch bei ihm daheim war ich bisher noch nie. Ich wusste nur, dass er in dem Haus allein mit seinem Dad wohnte. Ein wenig neugierig war ich schon.

Für meine Pünktlichkeit war ich nie bekannt, und obwohl ich mir diesmal vorgenommen hatte, pünktlich zu sein, verspätete ich mich wieder um eine gute halbe Stunde. Der laute Bass war schon an der Haustür zu hören, als ich die Klingel betätigte. Es dauerte etwas, bis Flo mir die Haustür öffnete.

»Alter, endlich. Ich wollt’ dir gerade schreiben, wo du bleibst. Komm rein, ich stelle dir alle vor«, bekam ich eine schnelle Begrüßung und nahm schon eine leichte Alkoholfahne bei ihm wahr.

Viel Zeit, um mich umzuschauen, hatte ich nicht, da ich mich ranhalten musste, um mit ihm Schritt zu halten. Kurz darauf standen wir schon im Garten, wo die Party in vollem Gange war. Die Truppe bestand aus einigen seiner Berufsschulkollegen und irgendwelchen Mädels, die sie mit anschleppten. Obwohl die Party erst dreißig Minuten lief, hatten ein paar schon ordentlich einen sitzen. Wundern tat es mich jedoch nicht, denn dafür waren ja die Partys zum Achtzehnten berühmt. Das erste Mal stärkerer Alkohol als Bier, und schon mussten sie es übertreiben. Ein Mädel stellte er mir auch als seine aktuelle Flamme vor und steckte ihr ungeniert seine Zunge in den Hals. Ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz, und da ich nun alle kannte, entschuldigte ich mich damit, dass ich mir was zu trinken holen würde. Auf dem Weg in den Garten konnte ich schon die Getränke auf dem Küchentresen erspähen, doch außer Alkohol war dort wenig zu finden, und da ich mit dem Auto gekommen war, fiel das flach. Ich versuchte mein Glück beim Kühlschrank und fand tatsächlich eine einsame Flasche Wasser für den Anfang.

»Dad, das ist mein Kumpel Noah von der Arbeit«, hörte ich hinter mir sagen, und mir wäre fast die Wasserflasche aus der Hand gefallen, als ich die Kühlschranktür schloss und Flos Vater sah.
Jetzt wusste ich, von wem Flo diese krassen Augen geerbt hatte. Nicht nur das, denn diese waren stahlblau und hatten mich fest im Blick. Noch bevor wir etwas sagen konnten, bemerkte Flo die Flasche in meiner Hand, was ihm wohl nicht gefiel.

»Du willst doch nicht ernsthaft Wasser saufen?«, protestierte er.
»Doch ich muss später schließlich noch fahren.«
»Vergiss es. Du kannst bei mir pennen, und jetzt trink was Anständiges«, warf er ein und griff schon nach einer der Wodka-Flaschen.
»Kümmere dich mal um deine anderen Gäste. Ich werde schon etwas für Noah finden«, schaltete sich nun sein Dad ein, und wie aufs Kommando war Flo mit der Flasche im Garten verschwunden.
»Komm, Noah, ich habe etwas Besseres für uns. Von dem Zeug bekommt man nur einen Schädel«, meinte er, und wie in Trance verfolgte ich diesen gutaussehenden Mann ins Wohnzimmer.

Hier hatte er wohl seine private Bar, schenkte, ohne mich zu fragen, zwei Gläser ein und stand kurz darauf mit einem Tausend-Watt-Lächeln vor mir und hielt eines der Gläser vor sich. Fuck, war ich in diesem Moment aufgeregt und wusste nicht einmal genau, wieso. Vorsichtig griff ich nach dem Glas, wobei sich unsere Finger berührten.
»Ich bin Andy und du bist dann wohl der berühmte Noah, von dem Flo pausenlos spricht. Freut mich«, stellte sich sein Dad vor und stieß mit mir an.

Mein Körper lief wie auf Autopilot und ich nahm automatisch einen Schluck aus dem Glas. Ich kannte mich mit Alkohol zwar nicht gut aus, aber das musste wirklich das gute Zeug gewesen sein. Es schmeckte nicht so beißend wie das billige Gesöff, sondern ging die Kehle hinunter ohne Brennen und widerlichen Nachgeschmack. Andy behielt mich dabei genau im Blick.
»Also, magst du?«, fragte er strahlend, und ich konnte nur nicken.
»Setz dich, oder willst du lieber zu den Kids nach draußen?«, fragte er mich, als er schon dabei war, sich in einen der Sessel am Fenster zu setzen.
»Ne«, stotterte ich fast und nahm ihm gegenüber Platz.

Ich verhielt mich genauso wie Flo an seinem ersten Tag bei uns, nur hatte ich vor seinem Dad keine Angst. Im Gegenteil, sah er in dem engen Shirt und der kurzen Leinenhose einfach nur sexy aus. Noch nie war es vorgekommen, dass mich eine Person so sehr verunsicherte wie er. Genau wie ich schien er mich mit seinem Blick abzuscannen, oder bildete ich mir das nur ein? Wahrscheinlich schon, denn er hatte ja immerhin einen Sohn und dieser hatte definitiv seine Gene. Zum Glück durchbrach er die unangenehme Stille und ich war dankbar für seine Neugier. Anfangs fragte er mich über die Arbeit aus, wobei ich mich entspannte und auf andere Gedanken kam. Gleich darauf folgten Fragen über mein Verhältnis zu Flo und was wir so nach der Arbeit trieben. Auch das war recht harmlos, und mehr und mehr entwickelte sich ein anregendes Gespräch zwischen uns. Möglicherweise lag es aber auch am Alkohol, dass unser Gespräch immer lockerer wurde, beziehungsweise ich lockerer wurde, denn bei einem Drink ist es nicht geblieben.

Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass wir die Party im Garten ausgeblendet hatten, und erst das Geschrei aus dem Garten riss uns heraus.
»Wichser, pack meine Alte nicht an!«, schrie jemand, und darauf setzten die kreischenden Mädels ein.

Das war unser Stichwort, einmal nachzusehen, was dort abging, und als wir zur Tür herauskamen, war die Prügelei schon im Gange und zwei von den Halbstarken gingen aufeinander los. Der Pegel musste wohl eine Grenze überschritten haben.
»Hilf mir mal kurz, Noah. Ich nehme den rechten, du den linken, und dann raus mit ihnen aus dem Haus«, sagte Andy kurz angebunden und ging schon auf den Kerl zu.

Ich ging gleich hinterher und fast zeitgleich packte sich jeder von uns einen der Streithähne, was ihnen so gar nicht passte. Nun wollte der Typ auf Andy losgehen, doch dieser wehrte ihn ab, stolperte und der Idiot landete mit einem lauten Platscher im Pool. Meiner brüllte, da ich ihn am Kragen gepackt hatte, aber er registrierte schnell, dass er keine Chance hatte.

»So, Leute. Damit ist die Party zu Ende, und jetzt seht zu, dass ihr euch verzieht«, knurrte Andy, und ich hatte schon auf den Protest von Flo gewartet, aber dieser blieb aus.
Ich schubste meinen Typen zur Terrassentür und gab ihm noch mit auf den Weg, dass er sich schnell verziehen sollte, bevor sein Kollege wieder aus dem Pool kommt. Danach suchte ich gleich nach Flos neuer Flamme und fand sie schließlich schlafend auf einer der Poolliegen.

»Wo ist Flo?«, fragte ich sie, nachdem ich sie wachgerüttelt und ihr noch dreimal dieselbe Frage gestellt hatte.
»Garten. Hinten. Pissen.«, bekam sie lallend heraus.
Ich ließ sie von ihren Freundinnen nach draußen begleiten und sah im Anschluss nach Flo. Als ich ihn fand, musste ich mir jedoch das Lachen verkneifen. Flo lag mit heruntergezogener Hose und Boxershorts in der hintersten Ecke des Gartens im Gras und pennte. Er muss wohl beim Pinkeln umgekippt sein und muss so dicht gewesen sein, dass er sofort weggepennt war.
»Andy, ich brauch’ mal deine Hilfe«, meldete ich mich, und auch er musste sich ein Lachen verkneifen, als er seinen Sohnemann so dort liegen sah.

Gemeinsam schafften wir es, Flo ins Haus zu bugsieren. Wir wollten ihn nach oben bringen und ihn einfach ins Bett schmeißen, aber da wachte er plötzlich auf.
»Wo sind alle hin? Ich wollte doch nur pissen.«
»Die Party ist vorbei, Großer. Ihr habt es ordentlich krachen lassen«, meinte Andy, und Flo hing dabei wie ein nasser Sack an mich gepresst.
»Geil. Noah?«
»Jo, was gibts, du Partygranate?«
»Bringst mich hoch? Kannst bei mir pennen.«
»Du musst auch nicht kotzen? Sonst nehme ich das Sofa«, meinte ich lachend, und endlich half mir Andy wieder, ihn zu stützen.

Auf dem Weg flößten wir ihm noch ein Glas Wasser ein und brachten ihn hinauf in sein Zimmer. Andy nahm den Absturz seines Sohnes mit Humor und wünschte uns eine gute Nacht, bevor er Flos Zimmer verließ. Ich bugsierte ihn auf die Bettkante und stützte ihn so lange, bis er allein sein Gleichgewicht halten konnte und umständlich anfing, sein Shirt auszuziehen.

»Warte, ich helf’ dir«, meinte ich und zog ihm das Shirt über den Kopf.
»Hose auch«, murmelte er, und auch die hatten wir schnell aus.
»So, und jetzt wird gepennt und ausgenüchtert«, sagte ich und zog mir auch mein Shirt und die Hose aus, bevor ich mich in sein breites Bett legte.

Flo ließ sich einfach nach hinten fallen. Er landete mit seinem Kopf direkt auf meinem Bauch und nahm mir kurz die Luft.
»Sorry. Alter, ich trink’ nie wieder was. Mein Kopf dröhnt«, jammerte er.
»Dann bist du das nächste Mal einfach schlauer und übertreibst es nicht so.«
»Egal, trotzdem war der Abend geil, aber ich glaube, mein Vater steht auf dich. Hab euch beobachtet«, sagte er, und ich hatte mich sicher nur verhört.
»Ja, sicher«, war nur mein Kommentar dazu, und ich musste lachen, was Flo gar nicht passte.
»Hör auf, da wird mir schlecht. Dad steht auf Kerle. Hätte dich vorwarnen sollen. Hoffe, hast kein Problem damit«, haute er einfach so heraus, und ich traute meinen Ohren nicht.
»Erzähl keinen Mist, dann würde es dich ja schlecht geben.«

»War Unfall. Teenager …«, kam noch, und danach gab er nur noch unverständliche Worte von sich, die in leises Schnarchen übergingen.

Der wollte mich doch verarschen, ging es mir durch den Kopf. Gerade als es spannend wurde, ist er einfach auf mir eingepennt. Am liebsten wäre ich aufgestanden und der Sache auf den Grund gegangen, aber am Ende hätte ich mich nur blamiert, weil Flo irgendeinen Mist erzählt hatte. Außerdem half es eh nichts, denn bei meiner kleinsten Bewegung hielt er sich an mir fest. Mir blieb also nichts weiter übrig, als mit meinem Gedankenkarussell einzuschlafen. Da war es mir auch egal, dass ich eine Latte bekam, als das Bild von seinem Dad hinter meinen geschlossenen Augen auftauchte.

Am nächsten Morgen wurde ich allein in Flos Bett wach. Erst einmal musste ich mich kurz orientieren, wo ich überhaupt war, und zog mich anschließend an. Auf dem Weg nach unten konnte ich Geräusche aus der Küche hören und sah nach.

»Guten Morgen. Gut geschlafen?«, wurde ich von Andy begrüßt, der dabei war, das Chaos zu beseitigen.
»Morgen. Ich kann nicht klagen, aber wo ist Flo und darf ich mir einen Kaffee machen?«
»Sicher, bediene dich, und Flo hat die Nacht auf dem Klo verbracht und sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen«, klärte mich Andy auf.
»Und du hast ihn einfach da liegenlassen?«, fragte ich ihn etwas schockiert, aber er fing an zu lachen.
»Nein, ich habe ihm eine Decke und Kissen gebracht. Zwar nicht so bequem wie dein Bauch und das Bett, aber er wird es überleben.«
»Woher?«, bekam ich nur heraus und lief rot an.
»Ich habe nochmal nachgesehen bei euch, ob alles gut ist. Wenn ich nicht wüsste, dass er eine Freundin hat, könnte man fast denken, ihr wärt ein Paar. Oder läuft da doch mehr zwischen euch?«, knallte er mir vor die Füße und schaute mich neugierig an.
»Was? Nein, wir sind echt nur gute Freunde und er ist für mich mehr wie ein kleiner Bruder«, verteidigte ich mich und half ihm beim Zusammenräumen.

Meine Bewegungen waren schon panisch, denn ich wusste, dass unser Gespräch damit nicht beendet war. Kurz hatte ich auch überlegt, dass ich mich schnell aus dem Staub mache, aber da stand Andy reflexartig vor mir und schaute mir in die Augen.
»Aber du stehst auf Männer, oder?«, fragte er mich, und mir fehlten die Worte.
Zwischen uns nur wenige Zentimeter. So wenig, dass ich seinen Duft wahrnehmen konnte. Etwas Herbes, Anziehendes, was meinen Puls beschleunigen ließ. Gepaart mit seinem verschmitzten Grinsen, umrahmt von seinem perfekt gestutzten Dreitagebart.

»Morgen«, kam es gequält aus Richtung der Küchentür, und wie ertappt sprangen wir voneinander weg.
Flo betrat die Küche, rieb sich die Augen und gähnte. Es hatte nicht viel gefehlt und er hätte miterlebt, wie ich seinen Dad geküsst hätte. Auf einer Seite wollte ich es unbedingt, aber er war immerhin der Vater meines besten Freundes. Warum musste der Kerl nur so verdammt heiß sein? Ich hatte schon einige Bekanntschaften gemacht, aber so angezogen hatte mich bislang niemand.

Den Rest des Vormittages haben wir damit verbracht, Flo wieder aufzupäppeln und das Chaos zu beseitigen. Nachdem alles wieder im Normalzustand war, habe ich mich dann auch verabschiedet und die Flucht ergriffen, denn ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn Andy noch einmal die Initiative ergriffen hätte. Es stand zumindest fest, dass mir Flo die Nacht keinen Schwachsinn erzählt hatte.

Nachdem ich nun endlich allein in meiner Wohnung war, kreisten meine Gedanken nur noch um eine Person – Andy. Ich malte mir die wildesten Geschichten mit ihm aus, und obwohl zwischen uns nicht mehr passiert war als eine kurze Berührung, reichte der bloße Gedanke an ihn aus, mir einen Dauerständer zu bescheren. Egal wie oft ich mir an dem Tag einen runterholte, wurde ich kurze Zeit später wieder geil. Ab dem Zeitpunkt war er ein fester Bestandteil meiner Fantasie geworden.

Ein Nachmittag am Pool 

Wenigstens hatte Flo die nächste Woche Berufsschule und wir hatten uns erst am Wochenende zum Zocken verabredet. Mit der Arbeit konnte ich mich gut ablenken, doch insgeheim wollte ich wissen, was nun an Flos Story dran war. Die Bruchstücke, welche er mir in der Nacht zugeworfen hat, ergaben für mich nur bedingt Sinn.

Das Wochenende kam daher für meinen Geschmack viel zu schnell, und schon am frühen Nachmittag stand Flo freudestrahlend vor meiner Tür. Es schien so, als würde er vor Neuigkeiten platzen, und sobald er zur Tür herein war, fing er auch schon an, wie ein Wasserfall zu quatschen. Ich brauchte gar nicht viel zu sagen. Die meiste Zeit ging es darum, wie legendär doch seine Party war und dass mich wohl einige der Mädels so heiß fanden, dass sogar deren Kerle neidisch wurden. Ich für meinen Teil war in Gedanken versunken, wie ich ihn auf die Nacht ansprechen konnte, dass ich seine letzte Frage wohl überhört hatte, was ihn stutzig machte.

»Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?«, sagte er ein wenig beleidigt und schaute mich vorwurfsvoll an.
»Ähm ja, klar, sicher. Wieso?«, stammelte ich, als er meine Aufmerksamkeit wieder hatte.
»Weil ich keine Antwort von dir bekomme.«
»Sag mal, Flo, was ist eigentlich das Letzte, woran du dich bei deiner Party erinnerst?«, fragte ich vorsichtig, und er fing an zu überlegen.
»Hmm, dass ich mit Nadine geknutscht habe, pissen musste und in den Garten ging. Danach muss mir wohl schlecht geworden sein, denn ich bin im Badezimmer aufgewacht. Ist irgendwas passiert?«
»Naja, zwei deiner Kumpels wollten sich den Schädel einschlagen, und da haben dein Dad und ich alle rausgeschmissen«, fing ich vorsichtig an.
»Ja, das hat mir mein Dad auch erzählt. Manchmal sind sie halt komplette Idioten.«
»Danach haben wir dich halb nackt hinten im Garten aufgelesen und nach oben gebracht«, fuhr ich fort, und nun wurden seine Augen groß.
»Halb nackt?«, presste er erschrocken hervor.
»Sagen wir es so: Deine Hose und Boxer hingen dir in den Kniekehlen.«

Als er das hörte, lief er sofort knallrot an und presste ein »Fuck« hervor. Was folgte, war eine recht peinliche Stille zwischen uns. Er wollte immer etwas sagen, brach jedoch sofort ab und überlegte wieder.
»Das muss dir nicht peinlich sein. Außer deinem Dad und mir hat es niemand gesehen. Aber du kannst dich nicht mehr daran erinnern, was du mir im Bett erzählt hast, nachdem du meinen Bauch als Kopfkissen verwendet hast?«, fiel ich nun gleich mit der Tür ins Haus und schon folgte sein nächstes »Fuck«.
»Nein, keine Ahnung. Sorry Noah, das wollte ich echt nicht. Daran kann ich mich nicht erinnern. Shit, auch wenn ich es eigentlich nicht wissen möchte, aber was habe ich dir erzählt?«
»Dass dein Dad wohl auf mich stehen würde und er schwul wäre und dann irgendetwas von einem Unfall und Teenagern«, sprach ich aus, und in dem Moment wurde Flo kreidebleich.
»Ich habe ihn extra gebeten, sich zurückzuhalten, und dass meine Freunde Tabu für ihn sind. So eine verdammte Scheiße. Hat er irgendetwas gemacht?«, wollte er panisch wissen.
»Nein, gar nichts. Ich habe es nur nicht erwartet, weil er ja dich hat. Das passte nicht so ganz zusammen«, erklärte ich ihm.

»Das ist eigentlich ganz einfach. Mit vierzehn hatte er mal etwas mit einem Mädel. Sie waren noch unerfahren und sein erster Schuss war gleich ein Treffer. Das meinte ich wohl mit Unfall. Danach hat er schnell gemerkt, dass Mädels nichts für ihn sind. Ist das ein Problem für dich?«
»Mit vierzehn? Kein Wunder, dass er so jung aussieht. Dein Dad ist gerade einmal sechs Jahre älter als ich. Krass, und was ist mit deiner Mum?«, platzte es aus mir heraus.
»Weiß ich nicht. Sie waren beide sehr jung und Dad hat mir zwar mal ihren Namen gesagt, aber sie wollte mich wohl zur Adoption freigeben. Das hatte er nicht zugelassen und ich bin bei meinen Großeltern gemeinsam mit ihm aufgewachsen. Jetzt kennst du meine verkorkste Familiengeschichte«, plauderte er heraus und wirkte dabei unangenehm berührt, weil es ihm wohl peinlich zu sein schien.
»Respekt. Sei froh, dass du so einen Vater hast. Meine Eltern haben mich einfach rausgeschmissen und wollen nichts mehr von mir hören. Da hast du wohl das bessere Los gezogen.«

Damit hatte Flo wohl absolut nicht gerechnet, aber es war nur fair, es ihm auch zu erzählen.
»Nicht dein Ernst? Alter, was hast du so Schlimmes verbrochen?«, wollte er nun wissen, und mir war klar, dass ich damit mein letztes Geheimnis preisgeben würde.
»Weil ich auch auf Männer stehe und somit der Letzte wäre, der damit ein Problem mit der Sexualität deines Vaters hätte«, sagte ich frei heraus und war auf Flos Reaktion gespannt, aber der grinste mich nur an.
»Was für Wichser, aber das habe ich mir irgendwie eh schon gedacht.«
»Du hast also kein Problem damit?«, war nun mein Bedenken.
»Nein, solange du mir jetzt nicht deine große Liebe gestehst, passt alles«, sagte er nur lachend, aber auch mit einer Spur Zweifel in der Stimme.
»Was? Spinnst du? Du bist für mich wie ein kleiner Bro. Da wird nie was laufen«, bestätigte ich ihm.

Wie aus Reflex sprang er mich an und umarmte mich. Es war, als würde eine Last von uns beiden abfallen. Ich brauchte mich ab sofort nicht mehr zu verstellen und er wusste, dass ich ihn für seine Familie nie verurteilen würde. Am Ende hat uns dieses Gespräch nur noch mehr zusammengeschweißt. Nachdem das Thema vom Tisch war, hatten wir noch einen genialen Nachmittag. Wir zockten, bestellten uns etwas zu essen und schauten noch einen Film, bis ich ihn spät abends nach Hause brachte.

Die nächste Woche verlief sehr unspektakulär. Nach der Arbeit textete ich mit Flo und wir brachten uns gegenseitig auf den neusten Stand. Ich erzählte ihm, was in der Firma so abgelaufen war, und er kotzte sich bei mir über die Berufsschule aus oder fragte mich, wenn er etwas nicht ganz verstanden hatte. Eigentlich wie immer, aber am Freitag fragte er mich, ob ich ihn nicht Samstagvormittag abholen könnte. Den Grund wollte er mir nicht nennen. Es sollte eine Überraschung sein. Ich machte mir dabei also keinen großen Kopf und stand wie bestellt um elf Uhr bei ihm vor der Haustür.

An diesem Tag schien er an der Tür gelauert zu haben, denn ich brauchte noch nicht einmal zu klingeln, da flog die Haustür schon auf.
»Hey Noah, komm rein. Mein Dad hat eine Überraschung für dich«, wurde ich überschwänglich begrüßt, und was hatte jetzt bitte sein Dad damit zu tun?
Das mit Andy verwunderte mich, aber er führte mich direkt wieder in den Garten, und da sah ich Mr. Sexy schon am Grill stehen.
»Hallo Noah. Alles klar bei dir? Wir wollten uns bei dir für deine Hilfe beim Aufräumen bedanken. Ich hoffe, du hast Hunger mitgebracht«, begrüßte mich auch Andy.
»Hey, ja schon, aber das wäre nicht nötig gewesen«, meinte ich und wurde schon von Flo gebeten, mich an den Tisch zu setzen.

Etwas unwohl war mir schon, aber aus der Nummer kam ich nun nicht mehr raus. Andy grillte mit einer Seelenruhe und Flo sprang nur raus und wieder rein, um den Tisch zu decken. Wie ein eingespieltes Team machten sie alles fertig. Flo deckte den Tisch, und als er mit den Getränken herauskam, war Andy auch mit dem Fleisch und den Würsten fertig.

»Na dann hau mal rein«, bekam ich von Flo die Anweisung, und wir stürzten uns auf die leckeren Dinge. Im Nachhinein war das Essen wirklich entspannt und richtig lecker, doch es entging mir nicht, dass Andy mich immer wieder mit einem kurzen Blick musterte. Ich erwischte mich sogar dabei, wie ich mir wünschte, dass Flo doch für eine Stunde verschwinden würde, verwarf diesen Wunsch aber schnell wieder.

An dem Tag war es verdammt heiß und wir lümmelten uns nach dem Essen auf den Sonnenliegen herum und verdauten unsere Mahlzeit. Meine Nervosität hatte sich gelegt und ich konnte komplett abschalten. Wäre sogar fast eingeschlafen, wenn Flo nicht die ganze Zeit über von irgendwelchen Weibern gefaselt hätte.

»Hast Bock auf Pool?«, kam plötzlich die Frage von ihm.
»Witzig. Ich habe keine Badesachen mit, weil jemand hieraus ja ein riesen Geheimnis machen musste«, knurrte ich, da mir wirklich heiß war und das ein verlockendes Angebot war.
»Wozu brauchst du Badesachen? Ein Handtuch haben wir auch und sehen tut dich hier eh niemand. Wir gehen immer nackt schwimmen, oder bist so verklemmt?«, verspottete er mich, und ich dachte, ich hörte nicht richtig.
»Alter, gehts noch?«, platzte es aus mir heraus.
»Was denn, meinen Schwanz kennst seit meiner Party eh und falls du ’nen Ständer bekommst, juckt das auch keinen.«
»Spinnst du? Dein Dad ist auch da.«
»Und? Der hat sicherlich schon mehr gesehen als du, oder schämst du dich für irgendwas?«, stichelte Flo weiter.

Im Gegenteil, meine Ausstattung konnte sich sehen lassen, aber etwas unwohl fühlte ich mich bei dem Gedanken dennoch. Flo hingegen wartete gar nicht auf eine Reaktion von mir, sondern zog sich ungeniert aus und sprang mit dem blanken Arsch voran ins kühle Nass.
»Los, komm jetzt«, forderte er mich auf und spritzte mir einen ordentlichen Schwung Wasser entgegen.
»Ey! Na warte.«

Jetzt hatte er mich so weit und auch ich riss mir die Klamotten herunter und sprang ihm hinterher. Zwischen uns entstand eine Rangelei und jeder versuchte, den anderen unter Wasser zu drücken. Das Ganze ging einige Zeit, bis er meinen Schwanz packte und mich daran zog.
»Pfoten weg. Meine Klöten sind für dich Tabu«, motzte ich ihn an.
»Sorry, wollte deinen Arm greifen. Oder macht es dich an?«

Ich brachte nur ein Knurren zustande und stürzte mich sofort wieder auf ihn und die Rangelei ging weiter, bis plötzlich sein Handy losging. Flo hievte sich sofort aus dem Pool und ging heran. Dadurch, dass er selbst nicht viel sagte, konnte ich nicht verstehen, worum es ging. Nur das »Alles klar, ich komm’ schnell rüber« machte mich hellhörig.

»Was ist los?«, fragte ich ihn, nachdem er aufgelegt hatte.
»Ich muss schnell zu Nadine. Irgendein Drama. Konnte ich gerade nicht so richtig verstehen. Ich brauche aber nicht lange, warte einfach so lange hier und chill ’ne Runde«, waren seine Worte, und direkt danach verschwand er im Haus.

Mit der Aktion hatte er mich jetzt komplett überrumpelt. Nun war ich allein in seinem Pool, dazu noch nackt, und er hatte nicht einmal das versprochene Handtuch gebracht. Natürlich hätte ich auch einfach schnell herausspringen und mir meine Boxershorts anziehen können. Die wäre sicher bis zum Abend auch wieder trocken gewesen, aber dazu war die Abkühlung gerade viel zu angenehm.

Resigniert lehnte ich mich also einfach an der Poolkante zurück, schloss die Augen und versuchte, mich zu entspannen.
»Hast du etwas dagegen, wenn ich mich auch kurz abkühle?«, erschreckte mich Andy, und als ich die Augen öffnete, stand er direkt über mir.
Verdammt, so wie er mich ansah, kribbelte alles in meinem Körper, und die Tatsache, dass er oberkörperfrei dastand, tat ihr Übriges. Sonnengebräunte Haut. Eine rasierte, tätowierte Brust mit einem coolen Tigermotiv. Ein Sixpack zum Schwachwerden und ein feiner Streifen dunkler Haare, welcher im Bund seiner Shorts verschwand. Angezogen war er schon heiß, aber bei dem Anblick brauchten meine Gehirnzellen etwas länger, um die Informationen zu verarbeiten.

»Nein, ist ja schließlich dein Pool«, stammelte ich und glotzte ihn weiter wie ein Trottel an.
»Klasse«, kam nur von ihm, und wie sein Sohn streifte er sich die Shorts runter und machte einen Köpper über mich in den Pool.
Selbst wenn ich gewollt hätte, wäre mir der Blick auf seine Ausstattung nicht entgangen. Wie bitte sollte ich mich da zusammenreißen? So kalt war das Wasser auch nicht, dass es verhinderte, dass ich eine fette Latte bekam. Mein Glück war nur, dass Andy dabei war, einfach Bahnen zu schwimmen, und sich nicht auf mich konzentrierte. Ich schloss also wieder die Augen und versuchte, mich auf etwas anderes als Mr. Sexy zu konzentrieren, welcher nur wenige Meter von mir nackt seine Bahnen zog.

Es funktionierte nicht, denn meine Gedanken kreisten nur noch um ihn. So gab ich schließlich auf, öffnete die Augen und sofort traf mich wieder sein Blick. Grinsend lehnte Andy mir gegenüber am Beckenrand und beobachtete mich genau. Die nassen, dunklen Haare klebten in seinem Gesicht und ließen seine Augen nur mehr strahlen. Vollkommene Stille zwischen uns. Nur sein Blick, welchem ich versuchte standzuhalten. Mein Atem wurde schneller und ich musste tief schlucken. In dem Moment sprang er nach vorn, tauchte unter und direkt vor mir auf. Wie beim letzten Mal in der Küche waren wir wenige Zentimeter voneinander entfernt, nur diesmal konnte er genau spüren, welche Wirkung er auf mich hatte. Mein Schwanz presste sich hart gegen seinen Unterbauch, aber auch ihm erging es nicht anders.

Ich verlor mich in seinem Blick. Die Zeit schien stillzustehen. Noch immer sagte keiner von uns ein Wort. Gespannt, wer von uns den ersten Schritt wagen wird. Es reichte ein Wassertropfen, welcher sich an seinem Haaransatz bildete, seine Stirn herablief, an der Nase vorbei und an seinem Bart hängenblieb. Doch mein Blick schweifte weiter und blieb auf seinen schönen Lippen hängen. Das war wohl für ihn das Zeichen, mich endlich zu küssen. Nicht nur das, denn er umschloss mich mit seinen Armen und presste mich, sobald seine Lippen meine trafen, eng an seinen Körper. Über mich brach eine Flut von Gefühlen herein und auch ich schlang meine Arme um ihn. Meine Beine zitterten immer mehr, je intensiver unser Kuss wurde.

Wir konnten gar nicht mehr aufhören. Einmal drückte er mich gegen die Kante des Pools und im nächsten Moment war ich es, der ihn gegen die Wand presste. Selbst das Wasser schaffte es nicht mehr, unsere heißen Körper zu kühlen. Am Ende legte er noch seine Arme fest um meinen Nacken und umklammerte meine Hüfte mit seinen Beinen. Es hätte nicht viel gefehlt, dass ich versucht hätte, ihn direkt im Pool, in genau dieser Stellung zu nehmen.

»Ich hab’s gewusst. So viel zu: Meine Freunde sind tabu«, erklang plötzlich Flos Stimme und brachte mich wieder in die Realität zurück.
Aus Reflex befreite ich mich aus Andys Armen, schubste ihn von mir und brachte schnell Abstand zwischen uns.
»Fuck, Flo, verdammt. Sorry … das«, versuchte ich mich zu erklären, wusste aber selbst, dass es dafür keine Entschuldigung gab. Doch statt uns anzuschreien, lachte Flo lauthals und setzte sich auf eine der Liegen.
»Alter, entspann dich, aber ich hoffe, ihr habt gerade nicht gevögelt, sonst geh’ ich nie wieder in den Pool.«
»Was? Du bist nicht sauer?«, fragten Andy und ich im Chor.

»Ich habe Augen im Kopf. Auf der Party habt ihr stundenlang zusammen gequatscht und nicht einmal realisiert, was hier draußen abging. Heute beim Essen war ich wie Luft für euch. Außerdem hat mich Dad nach eurem ersten Zusammentreffen jeden Tag gelöchert, wann du mal wieder bei uns vorbeikommst und wie es dir geht«, erklärte Flo und wirkte tatsächlich sehr gelassen von dem, was er zuvor zu sehen bekam.
»Dann darf ich deinen Freund heute Abend auf ein Date entführen? Also nur, wenn er darauf Lust hat, natürlich«, sagte Andy zu Flo, aber hielt mich dabei schon wieder im Arm und schaute mich an.
»Klar, Nadine war eh schon sauer, dass ich wieder gefahren bin.«
»Sehr gerne«, bestätigte ich Andy, und auf der Stelle verschlossen sich unsere Lippen wieder.
»Alles klar, schönen Abend euch, und Leute: Keinen Sex im Pool! Kapiert?«, gab uns Flo noch mit auf den Weg, bevor er sich wieder zu seiner Flamme aufmachte.

»Na dann komm, ich habe schon eine gute Idee für uns zwei«, meinte Andy und zog mich an der Hand aus dem Pool unter die Outdoor-Dusche.
Das Wasser war so arschkalt, dass es unsere Triebe mit einem Mal wegspülte und meine Gedanken wieder klarer machte. Ich hatte wirklich ein Date mit diesem umwerfenden Mann vor mir und konnte es kaum erwarten. Nach der Dusche peilte ich die Liege mit meinen Klamotten an, aber Andy hielt mich zurück.
»Ich bezweifle, dass du etwas Schickeres im Auto hast, und für das, was ich mit dir vorhabe, brauchen wir etwas Vornehmeres. »Komm, ich leihe dir was von mir«, sagte er nur, und wir gingen hinauf in sein Schlafzimmer.

Als Erstes warf er mir ein Handtuch zu, damit ich mich abtrocknen konnte, gefolgt von einer Boxershorts, einer kurzen Leinenhose und einem dunkelgrünen Hemd.
»Das passt bestimmt gut zu deinen hübschen Augen«, kommentierte er seine Auswahl, und tatsächlich standen mir seine Sachen wirklich gut.
»Du siehst verboten sexy aus. Ich kann es kaum erwarten, dir die Sachen später wieder auszuziehen«, bekam ich schon das nächste Kompliment, gefolgt von einem Kuss.
»Warum warten? Du kannst sie mir auch gerne gleich ausziehen«, meinte ich noch und schmiegte mich enger an ihn, doch wurde abgewiesen.
»Nicht so stürmisch, Hübscher. Wenn du mehr von mir möchtest als nur Sex, sollten wir es richtig angehen, oder bist du nur auf ein wenig Spaß aus?«
»Definitiv nicht«, sagte ich schnell und wahrheitsgemäß, denn irgendetwas faszinierte mich an diesem Kerl und zog mich vom ersten Aufeinandertreffen zu ihm hin.
»Siehst du, und da Flo Bescheid weiß, sollten wir auf Nummer sicher gehen, dass wir keinen blöden Fehler machen«, erklärte er mir, und in dem Punkt musste ich ihm recht geben, denn es stand immerhin auch meine Freundschaft mit Flo auf dem Spiel.
Also machten wir uns noch geschwind fertig und wenig später saßen wir in seinem Cabrio.

Was Überraschungen anging, war er genauso hart wie sein Sohn und gab keine Hinweise preis. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was er mit mir vorhatte, doch unsere Fahrt dauerte länger als gedacht. Raus aus der Stadt, auf die Autobahn und Richtung Norden.

Schon kurz vor der Autobahn hatte er eine Nummer gewählt und uns irgendwo einen Tisch reserviert. Wo, wollte er aber partout nicht verraten. Meinetwegen hätten wir auch nur herumfahren können. Andy hielt während der Fahrt meine Hand, wir hörten Musik und quetschten uns gegenseitig mit Fragen aus. Es war herrlich unbeschwert, jetzt, nachdem der Knoten geplatzt war und jeder mit offenen Karten spielte. Irgendwann konnte ich am Horizont das Meer sehen und war innerlich schon begeistert. Ich liebe das Meer, und da unsere Stadt nur circa zwei Stunden entfernt lag, fuhr ich privat auch manchmal am Wochenende hin. Sogar Flo hatte ich ein paarmal mitgenommen. Doch ich musste feststellen, dass es mit dem Cabrio noch einmal ein besseres Feeling war, als wir an der Strandpromenade vorbeifuhren. Dann hatten wir unser Ziel erreicht und Andy hielt auf einem Parkplatz eines wirklich schicken Lokals. Nun verstand ich auch, wieso ich meine ollen Alltagsklamotten gegen seine tauschen sollte.

Dies war für mich wie eine andere Welt. Klar, er als Immobilienmakler war Gehobeneres gewohnt als ich. Nun war es jetzt kein absoluter Nobelschuppen, aber dennoch für mich ein Highlight. Der Kellner brachte uns auf die Terrasse zu unserem Tisch und die Aussicht war der Wahnsinn.
»Ich hoffe, ich habe die richtige Wahl getroffen?«, fragte mich Andy grinsend, obwohl mein Gesicht wohl Bände gesprochen hatte.
»Absolut. Ich liebe das Meer«, meinte ich begeistert und schaute mich weiter um.
»Ich weiß, das hat mir Flo nach eurem ersten Trip erzählt. Apropos, du bist eingeladen. »Bestell, worauf du Lust hast, ok?«, sagte Andy, und ich war begeistert. Nicht über die Einladung, sondern dass er sich an so ein kleines, unwichtiges Detail erinnern konnte. Der erste Trip mit Flo war nämlich schon zwei Jahre her.

So gut wie an diesem Tag hatte ich noch nie gegessen. Erst das Grillen und dann das hier. Wir ließen uns viel Zeit im Restaurant, redeten, lachten und erzählten uns Geschichten aus unserem Leben. Kurz gesagt: ein gelungenes erstes Date. Als es langsam anfing zu dämmern, die Lichter angingen und der Kellner uns eine Kerze brachte, rundete es die romantische Stimmung ab. Das war auch der Moment, als ich merkte, dass meine Schwärmerei für diesen Kerl tiefer ging.

»Magst du noch ein Stück am Strand spazieren gehen?«, fragte er mich, und wie konnte ich da bitte nein sagen.
Ich nickte ihm nur freudestrahlend zu. Nach dem Zahlen verließen wir das Restaurant und gingen zum Strand. Als wir ihn erreichten, zog ich sofort meine Schuhe, samt Socken, aus und gab einen befriedigten Ton von mir, als meine nackten Füße den noch warmen Sand darunter spüren konnten. Andy tat es mir gleich und so gingen wir Hand in Hand am Meer entlang, bis wir einen Steg erreichten. Am Ende angekommen, setzte ich mich auf die Kante, ließ mich nach hinten fallen. Mit verschränkten Armen hinter meinem Kopf blickte ich in die Sterne.

»Das ist das schönste Date, das ich jemals hatte«, sagte ich in die Dunkelheit und lauschte dem Rauschen des Meeres.
»Du bist aber nicht sehr anspruchsvoll«, meinte Andy, während er sich dicht neben mich legte, sodass sich unsere Seiten berührten.
»Oh doch schon, zumindest was meine Gesellschaft betrifft.«
»Dann erfülle ich alle Kriterien?«, fragte er mich, drehte sich auf die Seite und sah mich mit funkelnden Augen an.
»Du übertriffst sie«, gab ich ihm lächelnd zurück, bevor ich ihn mit einem Arm an mich zog.

So konnte er sich nun richtig an meine Seite kuscheln. Andy gab ein zufriedenes Brummen von sich, als er es sich mit seinem Kopf in meiner Armbeuge gemütlich machte. Still genossen wir unsere Zweisamkeit, bis mein Rücken meinte, dass ihm der harte Untergrund nicht mehr gefiel.

»Ich möchte den Augenblick ungern zerstören, aber langsam wird der Steg unbequem«, sagte ich leise.
»Och, ich kann mich nicht beklagen«, kicherte Andy und kraulte zur Bestätigung noch meinen Bauch.
»Ich stehe dir später gerne wieder als Kissen zur Verfügung, aber dann bitte auf einem bequemeren Untergrund.«
»Na dann würde ich sagen, schnell ab nach Hause«, meinte er, gab mir einen Kuss und wir machten uns auf den Rückweg.

Es war schon nach Mitternacht, als wir auf die Auffahrt vor die Garage fuhren. Flo musste bei seiner Freundin übernachten, denn sein Auto war nicht zu sehen. Die Haustür war kaum zugefallen, da hing Andy wild und fordernd an meinen Lippen. Er machte sein Versprechen wahr, denn schon im Windfang fielen unsere Hemden zu Boden, dicht gefolgt von unseren Hosen.
»Schlafzimmer«, hauchte er mir nur gegen die Lippen, was dazu führte das wir die Treppe hinauf rannten.

Im Schlafzimmer angekommen, warf er mich direkt aufs Bett, hakte seine Finger in den Bund der Boxershorts, und mit einer fließenden Bewegung lag ich nackt vor ihm. Andy ließ auch die letzten Hüllen fallen, bevor er zu mir aufs Bett sprang. Statt mich zu küssen, machte er sich gleich über meinen Körper her. Es war wie ein Rausch. Überall konnte ich seine Hände und Lippen spüren. Er war kaum zu bremsen. Ehe ich mich versah, hatte er meinen Kolben komplett in seinem Rachen verschwinden lassen. So einen geilen, intensiven Blowjob hatte mir bislang niemand verpasst. Es war der Wahnsinn, wie er dabei an meinen Eiern spielte oder mir mein Loch massierte. Schon da lag ich laut stöhnend vor ihm. Dachte, jeden Moment zu kommen, aber es erreichte den Höhepunkt, als er mit seinen Fingern in mich eindrang und meine Prostata traf. Ich hatte keine Chance, ihn zu warnen, denn in dem Moment schoss ich ihm meine Ladung tief in den Rachen.

»Fuck, Andy, das war abnormal. Sorry, ich konnte dich nicht vorwarnen«, entschuldigte ich mich nach seinem leidenschaftlichen Kuss.
»Ich hätte sowieso nicht aufgehört«, bekam ich nur als Antwort und einen erneuten Kuss.
Nun war ich endlich an der Reihe, seinen perfekten Körper zu verwöhnen, und war gerade dabei, seinen Schwanz zu blasen, als er sich mir entzog.
»Warte kurz, Süßer. Bin gleich wieder da«, meinte er, stand auf und verschwand aus dem Schlafzimmer.

So schlecht war der Blowjob nun auch nicht, denn sein Vorsaft floss reichlich und war köstlich. Ich hatte mich schon auf seine Ladung gefreut und verstand nicht, wieso er mich unterbrochen hatte.
»Habe mich nur kurz frisch gemacht«, entschuldigte er sich, als er wieder in der Tür erschien und aufs Bett sprang.
»Und jetzt nimm mich. Tob dich richtig aus. Ich will dich so sehr«, fügte er gleich dazu und präsentierte mir seinen Prachtarsch.

Fuck, bei den Worten schoss mir das Blut in den Schritt und ich war einsatzbereit für ihn. Irgendwie war ich zwar darauf eingestellt, dass ich ihm meinen Hintern hinhielt, aber zu der Einladung hätte ich niemals nein gesagt.

So positionierte ich mich hinter ihm, aber anstatt gleich meinen Schwanz ins Spiel zu bringen, verwöhnte ich ihn nach allen Regeln der Kunst mit meiner Zunge. Sein Stöhnen war wie Musik in meinen Ohren und wurde lauter, je intensiver ich ihn leckte oder mit der Zunge in ihn eindrang. Ich bearbeitete ihn so lange, bis er regelrecht bettelte, meinen Schwanz endlich spüren zu dürfen.

»Wo hast du Gleitgel und Kondome?«, wollte ich von ihm wissen, während ich mich aufrichtete.
»Shit! Ich habe Gleitgel, aber keine Kondome. Brauchen wir denn welche?«, fragte er mich, als er zur Nachttischschublade robbte und das Gleitgel herauskramte.
»Naja, meinetwegen nicht. Ich bin getestet und gesund.«
»Gott sei Dank. Ich auch, dann bitte Noah, nimm mich endlich«, bettelte er schon wieder und brachte sich in Position.

Das war nun auch eine Premiere für mich. Bislang habe ich immer ein Kondom benutzt und hätte niemals einem Fremden vertraut, aber bei Andy hatte ich seltsamerweise überhaupt keine Bedenken. So schmierte ich sofort sein Loch mit dem Gleitgel ein, verteilte es mit meinen Fingern in ihm und schmierte mir den Rest an meinen Schwanz, bevor ich meine Eichel an sein Loch ansetzte. Das Gefühl, langsam in ihn einzudringen, war so verdammt geil. Andy war so eng und schloss sich fest um meinen brettharten Schwanz. Er brauchte etwas, bis er mich ganz in sich aufnehmen konnte, doch mit etwas Geduld schafften wir es und er hatte sich komplett auf mir aufgespießt. Ich gab ihm einen kurzen Moment, sich an mich zu gewöhnen, und küsste seinen Nacken. Vorsichtig versuchte ich, mich langsam in ihm zu bewegen, und tatsächlich ging sein Keuchen langsam in ein tiefes Stöhnen über. Sogar beim Griff an seinen Schwanz spürte ich, wie er immer härter wurde.

Nach ein paar tiefen Stößen hatte er sich komplett an mich gewöhnt und ich konnte mein Tempo steigern, wichste ihn sogar im Takt meiner Stöße. Doch ich wollte ihm in die Augen sehen, wenn er kommt, und zog mich kurz aus ihm zurück.
»Dreh dich bitte um«, bat ich ihn, und gleich darauf lag er vor mir auf dem Rücken und zog seine Beine an sich heran.
Ich konnte nicht anders, als ihm einen intensiven Kuss zu geben und dabei meinen Schwanz in Position zu bringen. Ohne Probleme rutschte ich in einem Zug komplett in ihn hinein und er stöhnte mir heiß in den Mund. Nun kannte ich kein Halten mehr und zeigte ihm, was ich draufhatte. Dieser Anblick war kaum in Worte zu fassen. Andy fixierte mich mit seinen Augen und hielt dem Blickkontakt stand, während er bei jedem meiner Stöße laut stöhnte und seine Augen verdrehte, wenn ich gegen seine Prostata stieß. Je schneller ich wurde, desto lauter wurde er und bettelte nach mehr. Der Griff an seinen prallen Schwanz und die kurzen Bewegungen reichten, dass er regelrecht auf seinem Oberkörper explodierte. Dafür fühlte sich mein Schwanz wie in einem Schraubstock gefangen an und ich versetzte ihm schnell noch einige tiefe Stöße, bis seine letzten Zuckungen mich regelrecht molken.

Erschöpft, außer Atem und befriedigt ließ ich mich auf Andy fallen, der mich mit seinen Beinen noch umklammerte. Küssend und eng umschlungen verteilten wir seine Sahne zwischen uns, bis wir uns beide wieder beruhigt hatten und mein Schwanz aus ihm flutschte.
»Duschen?«, wollte Andy wissen.
»Oh ja, die haben wir dringend nötig«, bestätigte ich, und wir gingen zusammen ins Badezimmer.
Gegenseitig seiften wir uns ein und gaben uns eine leichte Rückenmassage. Auch das hatte er verdammt gut drauf und es tat unsagbar gut.

»Bleibst du über Nacht?«, fragte mich Andy ungewohnt leise, als wir dabei waren, uns abzutrocknen.
»Willst du, dass ich gehe?«, entwich mir, ohne groß zu überlegen, meine Gegenfrage.
»Was? Nein! Im Gegenteil«, bekam ich schnell seine Antwort und wir schauten beide so dämlich, dass wir lachen mussten.

Bevor wir schlafen gingen, holte Andy uns von unten noch etwas zu trinken und ich machte es mir im Bett gemütlich. Eigentlich schon witzig, denn zwei Wochen zuvor lag ich noch einen Raum weiter und die Gedanken an den Abend brachten mich zum Schmunzeln.
»Woran denkst du gerade?«, fragte mich Andy, als er zurück ins Schlafzimmer kam, und als ich es ihm erzählte, erhellten sich auch seine Gesichtszüge.
»Darf ich wieder, oder brauchst du beim Schlafen deinen Freiraum?«, wollte er wissen und deutete auf meine Brust.
»Dann hätte ich auch daheim schlafen können, also komm gefälligst her«, meinte ich, und sein Lächeln wurde noch breiter.
Andy gab mir noch einen Gute-Nacht-Kuss, bevor er sich an meine Seite schmiegte und seinen Arm um mich legte. Auch ich schloss meine Arme um ihn und mit diesem schönen Gefühl fielen mir schnell die Augen zu.

Ich musste mich in der Nacht gedreht haben, denn als ich wach wurde, lag ich auf der Seite und Andy schmiegte sich an meinen Rücken. Ganz deuten konnte ich nicht, ob er schon wach war. Seine Lippen lagen an meinem Nacken und er brabbelte etwas. Auch bewegte er sich leicht. Doch sein Schwanz war definitiv wach, denn der rieb hart an meinem Hintern und hinterließ eine feuchte Spur. Mit seinem Arm hielt er mich fest im Griff, und immer, wenn seine Eichel über meinen Eingang rieb, jagte er mir einen wohligen Schauder durch den Körper und turnte mich damit gewaltig an. Ich presste mich ihm entgegen, und spätestens da wusste ich, dass er wach sein musste, denn seine Bewegungen wurden schneller und präziser. Bei seiner Menge an Vorsaft wurde sogar das Gleitgel unnötig, und als seine Eichel wieder in Position war, drückte ich mich stärker dagegen, bis er den Widerstand überwand und in mich eindrang. Andy wollte zwar vorsichtig sein und arbeitete sich mit kleinen Stößen vorwärts. Ich hingegen wollte ihn endlich ganz spüren und kam ihm bei jedem Stoß entgegen, bis er mich schließlich mit seiner ganzen Länge ausfüllte.

Eine seiner Hände packte meinen harten Schwanz und die andere legte er um meinen Oberkörper. So fixierte er mich genau in der Position und fing an, mich langsam zu nehmen. Ich brauchte nicht mehr, als mich fallen zu lassen und zu genießen. Es war der Wahnsinn, die Kontrolle abzugeben und mich von Andy nach allen Regeln der Kunst vögeln zu lassen. Meinen Nacken küssend trieb er sich wie von Sinnen in mich hinein, und ohne Zurückhaltung stöhnte ich meine Lust heraus.

Sein Atem und seine Stöße wurden härter und unkontrollierter. Er musste also nicht mehr weit vom Höhepunkt entfernt sein. Ich spannte mein Loch etwas an und Andy gab mir noch einen letzten tiefen Stoß, bis sein Schwanz anfing, in mir zu zucken, und ich spürte, wie er mich abfüllte. Er blieb weiterhin in mir, bis sich sein Atem wieder normalisierte. Noch immer fest in seinem Griff, kümmerte er sich nun um mich. Mit kurzen, zielsicheren Stößen wichste er mich meinem Orgasmus entgegen, bis ich es einfach nicht mehr zurückhalten konnte. Mit einem lauten, langgezogenen »Fuck« schoss meine Ladung aus mir heraus und erwischte mich am Bauch, doch das meiste verteilte ich auf dem Bettlaken neben mir.

Erst nachdem auch ich zur Ruhe kam, zog sich Andy aus mir zurück und gab mich aus seinem Griff frei. Endlich konnte ich mich umdrehen, nur um sofort wieder an seine Brust gezogen zu werden, damit er mich küssen konnte.
»Sorry, ich konnte einfach nicht anders. Es war zu verlockend«, wollte sich Andy nach unserem langen Kuss entschuldigen.
»Meinetwegen darfst du mich jeden Morgen so wecken. Das war verdammt geil«, strahlte ich ihn an, und er grinste bis über beide Ohren.

Wir schmusten noch etwas, bis Andy beschloss, dass wir schnell duschen sollten und er sich anschließend um ein ordentliches Frühstück kümmern wollte. So saß ich kurze Zeit später in einer seiner Jogginghosen am Küchentresen und beobachtete ihn dabei, wie er mit Pfannen und Messern hantierte. Zwar hatte ich ihm meine Hilfe angeboten, aber wurde liebenswürdig mit einem Kuss und einer Tasse Kaffee auf den Barhocker verwiesen. Mich hätte es weitaus schlimmer treffen können. So hatte ich eine großartige Aussicht auf seinen heißen, nackten Oberkörper und den Knackarsch in seiner Hose. Dazu noch eine frische Tasse Kaffee – also, was wollte man mehr?

»Ich habe nichts dagegen, dass ihr vögelt, aber muss es wirklich so laut sein?«, kam noch verschlafen Flos Stimme hinter mir, und ich hatte mich so erschrocken, dass ich fast vom Barhocker gefallen wäre.
»Was machst du hier? Ich dachte, du bist bei Nadine«, sagte Andy erschrocken, und ihm wäre dabei fast die Pfanne aus der Hand gefallen.
»Nein. Wir hatten was getrunken und ihr Vater hat mich nach Hause gefahren. Er war nicht davon begeistert, dass ich bei ihr penne«, klärte er uns auf.
»Das heißt, du hast …?«, fing ich an, aber es war mir viel zu peinlich, es auszusprechen.
»Alles klar und deutlich gehört. Die Nacht und vorhin«, beendete er meinen Satz.

Nach der Aussage wäre ich am liebsten im Boden versunken und auch Andy erging es nicht anders.
»Euer Gestöhne war heftiger als in ’nem Porno und unter der Dusche habt ihr gekichert wie zwei verliebte Teenager. Muss ja ordentlich zwischen euch gefunkt haben. Also wird das jetzt öfter vorkommen?«
Flo war dafür bekannt, immer das zu sagen, was er dachte, aber in dem Moment verschlimmerte er unsere peinliche Situation nur noch mehr, denn ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Ja, gefunkt hatte es gewaltig zwischen uns und sowohl der Abend als auch die Nacht mit Andy waren der Wahnsinn, doch wir hatten noch nicht wirklich darüber geredet, wie es weiterging.

Andy muss meine Verzweiflung wohl in meinem Blick gesehen haben, denn gleich darauf kam er zu mir herüber und legte einen Arm um mich.
»Naja, wenn du weiterhin nichts dagegen hast, würde ich mich freuen, wenn Noah ab sofort mehr Zeit bei uns verbringt und vor allem mit mir.«
Wie gestern im Pool galt die Aussage weniger Flo, denn er sah mich dabei an und streichelte meinen Rücken.

»Meinen Segen habt ihr, aber lasst mich euch bitte niemals beim Vögeln erwischen und seid etwas leiser. Zumindest wenn ich zu Hause bin«, bekam ich nur am Rande mit, da ich nur Augen für Andy hatte, welchen ich debil angrinste und das wohl Antwort genug für ihn war.
»Dann ist das ja geklärt. Gut, Jungs, dann lasst uns jetzt mal frühstücken«, meinte er gelassen, nachdem er mir noch einen flüchtigen Kuss gegeben hatte.

Verdammt, war ich happy. Für mich war es die perfekte Beziehung. Nicht nur, dass ich einen wahnsinnig gutaussehenden Freund gefunden hatte, wir passten auch persönlich wie Arsch auf Eimer. Bei ihm stimmte einfach das Gesamtpaket und dazu war sein Sohn auch noch mein bester Kumpel. Ich hatte mich nie wirklich mit dem Beruf des Immobilienmaklers auseinandergesetzt, aber bei Andys Arbeitszeiten musste es der Job wohl doch in sich haben. Gestört hatte es mich eigentlich nie. Wenn er mal länger machen musste, verbrachte ich die Nachmittage mit Flo, bis er spät nach Hause kam. Danach hatte ich ihn den restlichen Abend nur für mich allein. Falls Flo mal Zeit mit seiner Freundin verbrachte, schlief ich einfach mal eine Nacht in meiner Wohnung, was jedoch selten der Fall war. Dennoch war meine Wohnung praktisch, wenn Flo und ich an den Samstagen beschlossen, feiern zu gehen. Die Wege zu den Clubs waren kürzer und keiner von uns musste fahren. So pennten wir gleich dort. Andy hatte damit absolut kein Problem, dass ich die Samstagabende mit Flo verbrachte. Er machte schnell klar, dass er daran kein Interesse hatte, mit uns loszuziehen, wünschte uns aber immer einen schönen Abend. Anfangs fand ich es schon schade, dass er nicht mitkam, doch freute mich umso mehr, dass wir dafür an den Sonntagen immer etwas gemeinsam unternahmen.

»So glücklich wie mit dir habe ich meinen Dad die ganzen Jahre nicht erlebt«, meinte Flo einmal zu mir, als wir gerade an einer Maschine rumschraubten.
Zu dem Zeitpunkt waren wir nicht einmal zwei Monate ein Paar gewesen, aber es freute mich natürlich zu hören, denn mir erging es ja nicht anders. Doch irgendetwas in meinem Hinterkopf nagte schon die ganze Zeit an mir. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur noch nicht was.

Gibt es doch Ärger im Paradies? 

So vergingen die Tage und ganz langsam veränderte sich Andy. Es fing damit an, dass er in der Woche viel öfter als sonst länger arbeiten musste. Er wirkte genervt, wenn er eine Nachricht auf dem Handy bekam, und teilweise sogar niedergeschlagen. Auf meine Frage, was denn mit ihm los sei, antwortete er immer wieder, dass alles gut sei und momentan nur so viel Arbeit anstehen würde. Dass er nach der Arbeit direkt duschen ging, verstand ich auch nicht. Als ich eines Tages zufällig an der Haustür mit ihm zusammentraf, als er von der Arbeit kam, und ihm einen Kuss zur Begrüßung geben wollte, stieß er mich mit den Worten »Jetzt nicht« von sich und verschwand im Badezimmer. Zwar hatte er sich dafür im Nachhinein bei mir entschuldigt, aber dennoch hinterließ es einen bitteren Nachgeschmack.

Ich konnte spüren, dass etwas nicht stimmte, aber bekam kein einziges Wort aus ihm heraus, wo das Problem lag. Zumindest, wenn er sich beruhigt hatte und wir allein waren, war alles wie immer. Ich konnte also nur hoffen, dass es wirklich nur der Stress von der Arbeit war.

Den Vogel schoss dann noch Flos Freundin ab. Ich hatte mit Andy einen wundervollen Tag am Meer verbracht, und als wir zur Tür reinkamen, fanden wir Flo tränenüberströmt im Wohnzimmer. Nadine hatte mit ihm Schluss gemacht, weil sie sich in jemanden anderen verknallt hatte, welcher ihr angeblich mehr Aufmerksamkeit schenkte als er. Mein Bauchgefühl hatte bei ihr also doch recht behalten, denn ich konnte ihre überhebliche Art vom ersten Moment an nicht leiden. Doch für Flo war es seine erste große Liebe gewesen. Demnach verbrachten wir den restlichen Tag damit, Flo gut zuzureden und ihn zu trösten.

Allgemein lag der Fokus nun mehr auf Flo und wir versuchten, ihn so gut es ging abzulenken, und es gelang uns, ihn schnell wieder aufzubauen. Beziehungsweise schaffte er es selbst. Er sah halt wie sein Dad aus und hatte schnell die nächste Flamme an der Hand, wobei er von Beziehungen erst einmal geheilt war.

Es war also wieder Samstag und Flo wollte unbedingt wieder um die Häuser ziehen. Schon seine Nachricht am Nachmittag machte mich stutzig.
»Treffen uns um neun bei dir. Riesenüberraschung. Zieh was Gescheites an!«, schrieb er, und auf meine Frage, was er geplant hatte, bekam ich natürlich keine Antwort.
Immerhin half er mir bei seinem Dresscode etwas und meinte, Hemd und Jeans sollten passen. Davon hatte ich ja auch so eine Menge. Meine Alltagskleidung bestand aus T-Shirts, Jeans und Sportklamotten. Das einzige Hemd, das ich besaß, war das grüne von meinem ersten Date mit Andy. Er hatte es mir danach geschenkt, weil er fand, dass ich darin einfach umwerfend aussah. Seitdem hing es auch bei mir im Schrank. Somit fehlte nur noch eine passende Jeans und mein Outfit war komplett.

Pünktlich um neun klingelte es an der Tür, und als Flo vor mir stand, wedelte er mit zwei Armbändchen vor meiner Nase rum.
»Was soll das sein?«, fragte ich ihn verdutzt, da ich keinen blassen Schimmer hatte, wofür die sein sollten.
»Sieh mal genauer hin«, meinte er und drückte sie mir in die Hand.
Ich dachte, ich träumte, denn das Logo auf den Bändern gehörte zum Max, einem exklusiven Szene-Nachtclub.
»Alter, wo hast du die her? Die sind doch sauteuer«, platzte ich heraus.
»Tja, Connections eben. Ein Kollege aus der Berufsschule kennt jemanden, der wieder wen kennt und so weiter. Du hattest mir mal erzählt, dass du gerne mal hinmöchtest, und da hab’ ich uns eben zwei besorgt. Sieh es als verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Sind sogar VIP-Tickets“, klärte er mich auf, und ich konnte es noch immer nicht fassen, denn die Partys dort waren berühmt.
»Geil. Danke, aber du weißt schon, dass es ein Szene-Club ist?«
»Voll, aber wenn mich jemand anmacht, sage ich einfach, dass du mein Freund bist. Passt doch. Jetzt komm, lass uns noch irgendwo vorglühen und dann Party machen.«

Noch immer überrumpelt von seiner krassen Überraschung zogen wir los und genehmigten uns in einer naheliegenden Bar ein paar Drinks, bevor wir uns zum Max aufmachten. Schon beim Hereingehen hatte es eine andere Klasse als bei unseren sonstigen Clubs. Kein Anstehen und finster dreinblickende Türsteher, sondern ein Portier, welcher unsere Armbänder kontrollierte und uns den Weg zum VIP-Bereich wies. Der Club war der Wahnsinn und die Musik genau nach unserem Geschmack. Weshalb es uns direkt auf die Tanzfläche zog. Wie erwartet, zog Flo einige Blicke auf sich und wurde von einem Typen angetanzt. Sobald ihm aber jemand zu nahekam, signalisierten wir einfach, dass wir zusammengehörten, und sie zogen Leine.

»Komm, lass uns was trinken gehen«, meinte Flo, als die Musik umschwenkte, und wir gingen das erste Mal in den VIP-Bereich, in der Hoffnung, dort schneller einen Drink zu bekommen. Tatsächlich war hier die Bar auch etwas leerer, aber der eine Barkeeper hatte gut zu tun, die Partymeute zu versorgen. Zeit genug, dass ich mir die Karte anschauen konnte, was die Bar so zu bieten hatte.

»Na, Süßer, ganz allein hier?«, wurde Flo von der Seite angequatscht.
»Nein, mit meinem Freund«, sagte er schnell und stieß mir hilfesuchend gegen den Arm.
»Wow, ihr seid ja ein hübsches Paar. Ich bin Marco«, stellte sich uns der Fremde vor, und ich musste gestehen, dass dieser Mann wirklich attraktiv war.

Auch wir stellten uns bei ihm vor und kamen kurz ins Gespräch. Er hatte eine charmante Art, die mir aber zu aufgesetzt wirkte. Doch bisher ging keine Gefahr für uns aus, dass der Kerl uns an die Wäsche wollte.
»Habt ihr Jungs nicht Lust, mit meinem Freund und mir etwas zu trinken? Dann können wir noch etwas quatschen. Ich lade euch ein. Bestellt, was ihr möchtet. Es geht auf mich.«
Ich wollte schon dankend ablehnen, da kam mir Flo zuvor und rief gleich den Barkeeper zu uns. Ich ließ mir einen alkoholfreien Cocktail bestellen, für den Fall, dass der Typ doch etwas im Schilde führte, und kurz darauf hatten wir auch schon unsere Getränke.

»Ist das nicht krass, Noah? Mir hat noch nie ein Kerl ’nen Drink spendiert«, flüsterte er mir zu, bevor wir uns auf den Weg zu Marcos Freund machten.
Ich checkte noch kurz mein Handy, da es auf der Tanzfläche vibriert hatte, und fand eine Nachricht von Andy.
»Viel Spaß heut’ Abend und ich freue mich schon, dich morgen zu sehen«, dahinter ein Kuss- und Herz-Smiley.
Auf dem Weg schrieb ich ihm noch schnell zurück, dass ich ihm auch einen schönen Abend wünschte, mich riesig auf ihn freute und ihn vermisste.

»Hey Schatz, was hängst du denn schon wieder am Handy? Schau mal, wen ich an der Bar kennengelernt habe«, sagte Marco, als er sich neben seinen Freund setzte, der nach unten gelehnt in sein Handy starrte.

Grinsend blickte er auf, doch sein Blick veränderte sich schlagartig, als er mich ansah.
»Dad?«, platzte es geschockt aus Flo heraus, und in mir zog sich alles zusammen.
»Was macht ihr hier?«, brachte Andy kaum die Worte zustande.
»Feiern natürlich. Sag mir lieber, was du hier treibst«, sagte Flo, und an seinem Ton konnte man raushören, wie wütend er gerade wurde.
»Wir auch und ein wenig rummachen«, säuselte Marco Andy entgegen, küsste seinen Hals und fuhr mit der Hand unter sein Shirt.
»Wie lange seid ihr denn schon zusammen?«, presste ich die Frage zwischen meinen Zähnen hervor.
»Noch nicht so lange. Es müssten jetzt fast neun Monate sein«, verkündete Marco stolz.

Mehr wollte ich nicht hören und es war für mich das Zeichen, zu verschwinden. Eine Szene hätte hier nichts mehr geändert, und so stellte ich in aller Ruhe das Glas ab, drehte mich um und ging. Sobald ich sichergehen konnte, außer Sichtweite zu sein, beschleunigten sich meine Schritte, bis ich schließlich aus dem Club rannte. Ich habe Ausdauersport immer gehasst, aber mein Verstand raste, also rannte auch ich, bis meine Lunge brannte und ich nicht mehr konnte. An einer Hauswand lehnend brach alles über mich herein. Andy hatte mich von vorn bis hinten verarscht. Mit meinen Gefühlen gespielt. Von wegen, beim ersten Date auf Nummer sicher gehen. Damit wollte er mich wahrscheinlich nur in Sicherheit wiegen. In meinem Kopf setzten sich Szenarien zusammen, was er wohl getrieben hatte, wenn er länger arbeiten musste, oder in der Zeit, als ich mit Flo unterwegs war. Ich wurde wütend. Auf Andy und mich selbst. Wie konnte man bitte so blind und naiv sein?

Mein Atem beruhigte sich wieder, aber dafür brachen meine Gefühle über mich herein. Stumm rannen mir die Tränen über die Wange, denn ich liebte diesen Wichser wirklich. Selbst in der kurzen Zeit hatte er Gefühle in mir hervorgerufen, wie kein anderer zuvor. Es fühlte sich so perfekt an. Ich verstand einfach rein gar nichts mehr und wollte nur noch nach Hause. Leider hatte ich keinen blassen Schimmer, wo ich war, und schaute auf meinem Handy nach. Seinen Namen und sein Bild auf meinem Sperrbildschirm zu sehen, versetzte mir sofort den nächsten Stich. Er und Flo hatten mir unzählige Nachrichten geschickt. Seine öffnete ich erst gar nicht, sondern löschte sie direkt und blockierte ihn anschließend. Flo ignorierte ich und sah endlich nach, wo ich war. Wenigstens gab es in der Nähe eine S-Bahn-Station, und fast eine Dreiviertelstunde später sprang mir Flo entgegen, als ich meinen Hauseingang erreichte.

»Noah, endlich! Dir gehts gut«, fiel er mir mit den Worten um den Hals und klammerte sich an mich.
»Jo, gut, passt schon.«
»Sorry, ich hab’ befürchtet, dir ist was passiert oder du machst irgendeinen Blödsinn.«
»Was? Meinst, ich tue mir etwas an, weil ich wieder von jemandem verlassen wurde, dem ich glaubte, etwas zu bedeuten? Das haben meine Erzeuger nicht geschafft, dann schafft es dein Vater auch nicht. Wieso bist du überhaupt hier und nicht einfach nach Hause gefahren?«
Meine Stimme war dabei genauso kalt, wie ich mich innerlich fühlte. Flo war mir trotz der Geschichte sehr wichtig, aber eigentlich wollte ich gerade lieber allein sein.

»Alter, Noah, du bist neben meinem Dad die wichtigste Person in meinem Leben. Seine Aktion ist einfach zum Kotzen und ich habe gewaltigen Mist gebaut, weshalb ich gerade Angst habe, euch beide zu verlieren.«
Bisher stand ich nur da wie eine Salzsäule, doch als ich Flos stumme Tränen spürte, legte ich auch meine Arme um ihn.
»Na dann komm«, gab ich mich geschlagen, und wir gingen nach oben in meine Wohnung.

Eigentlich war ich derjenige, der Trost brauchte, aber stattdessen lag ein heulender Flo in meinen Armen, den es galt, zu beruhigen.
»Du brauchst keine Angst zu haben. Auch wenn dein Dad mir das Herz gebrochen hat, heißt das nicht, dass es etwas zwischen uns verändert. Okay, ich werde zwar nicht mehr bei euch vorbeikommen und will deinen Dad nie wiedersehen, geschweige denn etwas von ihm hören. Wir sehen uns aber auf der Arbeit und du kannst jederzeit mit zu mir kommen.«
»Danke«, brachte Flo hervor und verstärkte seine Umarmung, sodass er mir die Luft aus den Lungen presste.

»Und was hast du für Mist gebaut?«, wollte ich natürlich wissen.
»Ich hab’ dem Kerl gedrückt, dass mein Dad mit dir zusammen ist und er in meinen Augen der größte Wichser überhaupt wäre, gleichzeitig zwei Kerle am Start zu haben. Daraufhin ist er komplett ausgerastet. Schrie mich an, ich sollte gefälligst die Klappe halten, und dann fingen beide an, sich zu zoffen, bis sie mich anschrien, ich sollte verschwinden. So habe ich meinen Dad noch nie erlebt, egal welchen Mist ich auch gebaut hatte«, erklärte mir Flo und fing wieder heftiger an zu schluchzen.
»Dann weiß der Typ wenigstens auch Bescheid und ich bin nicht allein der Idiot. Das mit deinem Dad wird sich aber bestimmt wieder einrenken.«
»Kein Plan. Darf ich vielleicht ein paar Tage bei dir bleiben? Ich bin so wütend auf ihn und würde ihn eh nur wieder anschreien.«
»Meinetwegen«, sagte ich, was Flo beruhigte.

So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Ich wollte mich am liebsten nur verkriechen und meinen Kummer allein in mich hineinfressen, aber wenigstens brauchte ich mich vor Flo nicht zu verstellen. Gleich am nächsten Morgen schepperte sein Handy pausenlos. Wer der Anrufer war, wusste ich, ohne auf sein Display zu sehen.
»Geh entweder ran oder mach es aus«, blaffte ich ihn an.
Ich hatte die Nacht nicht viel geschlafen und selbst Kaffee half nicht, meine Laune nur eine Spur zu verbessern. Flo hingegen versuchte wirklich alles, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Zwar half es nur bedingt, aber es war besser, als in Selbstmitleid zu versinken.

Wir hatten kurz überlegt, ihm ein paar Klamotten von zu Hause zu holen, den Gedanken aber schnell wieder verworfen. Er sollte sich einfach an meinem Kleiderschrank bedienen, und auch wenn ihm meine Sachen etwas zu groß waren, zogen wir uns auf der Arbeit eh wieder unsere Arbeitsklamotten an. Die Arbeit und der Sport lenkten mich die Woche über am besten ab. Ich konnte mich auf etwas anderes fokussieren und schob die Gedanken an Andy beiseite. Flo gab natürlich auch sein Bestes, nur war er nun mal fast eine Kopie seines Vaters, welchen ich dadurch noch mehr vermisste. Am schlimmsten aber waren die Nächte. Ich träumte von den Erlebnissen mit Andy und natürlich, wie wir uns küssten oder miteinander schliefen. Sobald aber Marco mit in den Träumen erschien, wachte ich panisch und schweißgebadet auf. Einmal weckte mich sogar Flo, da ich wohl wild um mich geschlagen hatte.

Flo belastete die Funkstille mit seinem Dad sehr. Er wollte es nicht zugeben, als ich ihn darauf ansprach, aber man sah es ihm an. So konnte es auch nicht weitergehen und ich wollte endlich einmal Zeit für mich allein.
»So, jetzt hattest du Zeit, dich zu beruhigen. Ich bring’ dich nach dem Frühstück nach Hause und dann kannst du alles mit deinem Dad klären. Ignoriere die Sache zwischen ihm und mir. Wir hätten von Anfang an nicht zusammenkommen sollen, um genau diese Situation zu vermeiden. Kapiert? Sollte es doch eskalieren, kommst einfach wieder her«, schubste ich ihn ins kalte Wasser, aber bekam zur Bestätigung ein kurzes Nicken.

Schon als wir in die Straße einbogen, konnte ich Andys Cabrio in der Auffahrt stehen sehen. Er musste daheim sein, und die Tatsache ließ Flo einmal nervös ausatmen.
»Wird schon gutgehen und wir sehen uns spätestens Montag in der Firma«, ermutigte ich ihn, doch er machte keine Anstalten, aus dem Auto auszusteigen.
»Du kommst klar?«, fragte er stattdessen.
»Jo, und jetzt raus mit dir.«
Endlich stieg er aus, und sobald die Autotür zu war, fuhr ich davon, bevor er es sich noch einmal anders überlegte.

Wieder in meiner Wohnung angekommen, fand ich keine Ruhe. Nun hatte ich nicht nur Liebeskummer, sondern machte mir noch Sorgen um Flo. Was wäre, wenn sie sich so stritten, dass Andy ihn rauswarf oder Schlimmeres? Fuck, die beiden raubten mir den letzten Nerv. Schreiben wollte ich ihm auch nicht und beschloss, ins Gym zu fahren. Mein Handy ließ ich im Spind liegen und machte mich gleich an meine Übungen. Diesen Tag ging ich an mein Limit und darüber hinaus. Mein gesamter Körper brannte, doch ich hatte es den ganzen Tag geschafft, nicht im Selbstmitleid zu versinken. So schnappte ich meine Sachen und fuhr wieder heim. An Flo und Andy hatte ich beim Training keinen Gedanken verschwendet. Ich war so fertig, dass ich nur noch duschen und ins Bett wollte.

Nach der wohltuenden Dusche schmiss ich mich aufs Bett und erst jetzt sah ich, dass mir Flo vor zwei Stunden eine Nachricht geschrieben hatte.
»Würdest du vorbeikommen? Dad möchte unbedingt mit dir reden«, stand darin.
»Ich aber nicht mit ihm! NIE WIEDER!«, bekam er meine Antwort, und ich schmiss mein Handy beiseite.
Für mich gab es nichts mehr zu reden. Ich wollte nur eins: schlafen. Es war auch die erste Nacht, in der ich seit einer Woche durchschlafen konnte. Obwohl am nächsten Morgen meine Muskeln brannten, fühlte ich mich erholt.

Beim Kaffee checkte ich wieder mein Handy und wie erwartet gab es neue Nachrichten von Flo. Er flehte mich regelrecht an, zu ihnen zu kommen und mit seinem Dad zu reden, aber ich blieb stur.
»Misch dich da nicht ein, und wenn dir unsere Freundschaft wichtig ist, lass mich mit dem Thema in Ruhe«, schrieb ich ihm zurück.
Insgeheim wusste ich, dass er nicht locker lassen würde, und kam auf die Idee, den Tag am Meer zu verbringen. So packte ich schnell ein paar Sachen. Schaltete das Handy aus und machte mich auf den Weg.

Der Tag war Balsam für meine Seele. Sicher hatten die Erinnerungen mit Andy am Meer einen bitteren Beigeschmack, aber selbst diese schafften es nicht, mich herunterzuziehen. Bis in die Nacht chillte ich am Strand, ging schwimmen oder beobachtete die Leute beim Baden. Sogar ein paar Mädels luden mich ein, ihnen Gesellschaft zu leisten. Sie flirteten mit mir, was das Zeug hielt, nur hatten sie keinen blassen Schimmer, dass ihre Flirtversuche bei mir ins Leere verliefen. Dennoch war es mit ihnen ein angenehmer Zeitvertreib.

Ein klärender Brief 

Am nächsten Morgen wurde ich durch den Lärm der Müllabfuhr wach, aber die kam doch sonst immer erst nach neun und da war ich schon lange aus dem Haus. Schlagartig war ich hellwach und griff nach meinem Handy. Verdammte Scheiße, ich hatte vergessen, es wieder anzuschalten. Tatsächlich war es schon fast halb zehn. Wie vom Blitz getroffen sprang ich auf, zog mich an und raste zur Arbeit. Es war mir so unangenehm, meinem Chef am Eingang in die Arme zu laufen, denn das ist mir noch nie passiert.

»Ach hallo Noah, hast dich doch entschieden, herzukommen?«, sagte er, wirkte aber nicht so, als würde er mir gleich den Kopf abreißen.
»Sorry, mein Handy hat gesponnen und der Wecker ging nicht. Kommt nicht wieder vor«, verteidigte ich mich, und er grinste nur.
»Ich nehme dich beim Wort. Jetzt geh dich umziehen und dann ran an die Arbeit«, gab er mir mit auf den Weg, und ich rannte zur Umkleide.

»Morgen«, begrüßte ich Flo, der gerade in einer Maschine hing, und erschreckte ihn.
»Noah!«, sagte er, zuckte zusammen und stieß sich heftig den Kopf, als er sich aufrichten wollte.
Es tat einen ordentlichen Schepperer und Flo hielt sich am Hinterkopf.
»Scheiße, Flo, alles gut?«, fragte ich ihn, stürzte zu ihm herüber und sah mir seinen Kopf an.
»Ja, hab’ ’nen harten Schädel. Aber das sollte ich dich lieber fragen. Wo warst du und wieso hast du dich nicht mehr gemeldet?«, kam vorwurfsvoll von ihm zurück.
»Hab’ verpennt. War gestern am Meer und hatte mein Handy ausgeschaltet. Blöd nur, dass ich vergessen habe, es wieder anzuschalten«, erklärte ich ihm.
»Idiot, warum hast du mich nicht mitgenommen?«
»Weil ich Zeit für mich brauchte, und jetzt lass uns arbeiten, sonst bekomm’ ich wirklich noch einen Anschiss vom Chef.«

Damit war das Thema vorerst erledigt. Flo wirkte auf mich, als hätte er sich mit seinem Dad wieder zusammengerauft, aber sobald er mich darauf ansprechen wollte, blockte ich ihn sofort ab. Irgendwann gab er auf und wir machten einfach unseren Job.
»Kann ich noch mit zu dir?«, fragte er mich, als wir dabei waren, uns umzuziehen.
»Heute nicht. Gönn mir noch einen Tag Ruhe. Morgen gerne.«
»Okay, dann nimm wenigstens den hier«, sagte er etwas niedergeschlagen und hielt mir einen Umschlag hin.
»Wieder eine Überraschung?«
»Nein, ein Brief von meinem Dad«, klärte er mich auf.
»Dann kannst du ihn gerne behalten oder wegschmeißen«, knurrte ich ihn an und schlug seine Hand mit dem Brief weg.
»Bitte Noah, wenn nicht für ihn, dann lies ihn wenigstens für mich. Solltest du danach noch immer nichts von ihm wissen wollen, lasse ich dich für immer mit dem Thema in Ruhe«, bettelte er mich an.
»Weißt du, was drinsteht?«
»Ja, also bitte lies ihn«, drängte er und ich gab mich geschlagen.

Ich verstand zwar nicht, was ein Brief an der Situation ändern sollte, nahm ihn entgegen und wollte es gleich hier hinter mich bringen.

 Lieber Noah, 

ich habe gewaltigen Mist gebaut und ich kann verstehen, dass du am liebsten nichts mehr mit mir zu tun haben möchtest. Doch wenigstens eine Erklärung bin ich dir mehr als schuldig. 

Dass ich in der renommiertesten Immobilienagentur der Stadt arbeite, ist dir bekannt. Was du nicht weißt, ist, dass Marco der Inhaber ist und somit mein Chef war. Mein Liebesleben habe ich für Flo immer zurückgestellt und meine Aufmerksamkeit galt immer ihm. Dann hatte ich Marco zufällig in einem Gay-Club getroffen und zwischen uns entstand anfangs nur eine leichte Abmachung. Es mochte daran liegen, dass mir die Befriedigung fehlte, und er gab mir die Befriedigung, welche ich suchte. So passierte es, dass wir ab und an nach der Arbeit miteinander schliefen, doch zumindest von meiner Seite waren dabei keinerlei Gefühle im Spiel. Das waren sie nie. 

Wir lernten uns kennen und schon an dem ersten Abend wollte ich nichts sehnlicher, als dich zu küssen und mehr Zeit mit dir zu verbringen. Obwohl du der beste Freund von meinem Sohn warst, gingst du mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Nach diesem fantastischen Date mit dir, wollte ich dich nicht mehr hergeben.

Das nächste Mal, als Marco mit mir schlafen wollte, wimmelte ich ihn ab und erklärte ihm, dass ich nicht mehr mit ihm schlafen wollte. Er machte eine gewaltige Szene, doch ließ mich schlussendlich gehen. Das Resultat bekam ich dafür gleich am nächsten Tag zu spüren, als er mich in sein Büro zitierte. Für ihn war es in der Zeit wohl mehr als ein Vergnügen geworden, und er verstand nicht, wieso ich so plötzlich nichts mehr von ihm wissen wollte. Ich habe ihm nie gesagt, dass es an dir lag, aber es hätte an der Situation auch rein gar nichts geändert. 

Sein Einfluss in der Branche ist gewaltig und er stellte mich vor eine Wahl. Entweder wir machten weiter so wie bisher, oder er veranlasst, dass ich alles verlieren werde. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass er damit recht behalten sollte. Noch am selben Tag schickte ich Bewerbungen an alle umliegenden Immobilienbüros raus, doch genauso schnell, wie ich die Bewerbungen rausschickte, kamen die Absagen zurück. Es frustrierte mich von Tag zu Tag mehr. Als mich Marco dann noch nach der Arbeit abfing und mir erklärte, dass er dahintersteckte und mich überall schlechtmachte, wusste ich, dass er seine Drohung wahrmachte. Er kannte meine Lebensumstände genau und wusste, dass ich ohne den Job unser Haus nicht halten konnte.

Damit fing er an, mich zu erpressen. Entweder ich spielte nach seinen Regeln oder wir würden auf der Straße sitzen. Ohne Job hätte ich auch nie eine neue Bleibe für uns gefunden. So beschloss ich, sein Spiel mitzuspielen. In der Zwischenzeit wollte ich mir einen Plan überlegen, wie ich aus der Sache herauskam. Ich habe schon überlegt, mich umschulen zu lassen, aber auch da wusste ich nicht, wie ich die Zeit finanziell überbrücken sollte.

Obwohl es eine Qual war, mit ihm zu schlafen, gab ich die Hoffnung nicht auf, irgendwann die Lösung für mein Dilemma zu finden, und betete, dass du bis dahin an meiner Seite bleiben würdest. Ich konnte dir nicht davon erzählen, denn auch dann hätte ich alles zwischen uns zerstört. 

Es gibt keine Entschuldigung auf der Welt, die ausreichen würde, dass du mir verzeihst, aber du sollst wissen, dass ich dich wirklich sehr geliebt habe. Du hast mich in unserer kurzen Zeit verdammt glücklich gemacht.

 In Liebe, Andy

Nachdem ich diese Zeilen gelesen hatte, starrte ich schweigend mit Tränen in den Augen auf den Brief. Der ganze Hass und die Wut auf Andy verpufften. Sicher war ich davon angewidert, dass er mit diesem Wichser gevögelt hatte, aber was tat man nicht alles, wenn seine gesamte Existenz, oder was man sich erarbeitet hatte, auf dem Spiel stand.

»Ist das wahr?«, brachte ich krächzend zustande und sah Flo an.
»Leider ja. Dad ist am Boden zerstört. Wir haben lange am Samstag geredet und ich habe ihn vor die Wahl gestellt. Entweder er kündigt oder ich haue ab. Er hat sich für die Kündigung entschieden. Kein Plan, was aus dem Haus wird und wie es weitergeht, aber ich will nicht, dass er sich prostituiert, nur damit ich ein Dach über dem Kopf habe«, erklärte Flo traurig.
»Dann kommt zu mir«, flogen die Worte regelrecht aus meinem Mund, ohne groß darüber nachgedacht zu haben.
»Bisschen klein für drei, oder sollen wir alle in einem Bett schlafen? Da lehne ich dankend ab«, meinte Flo und brachte halbwegs ein Lächeln zustande.

»Sorry, da war mein Mund schneller als mein Gehirn«, sagte ich resigniert, da mich die neuen Informationen doch ganz schön mitnahmen.
»Bedeutet es aber, dass du meinem Dad vielleicht noch eine Chance gibst? Er ist eigentlich ein toller Kerl.«
»Meinst du, es ist eine gute Idee? Ich habe ihn schon sehr geliebt, aber du hast selbst mitbekommen, was für ein Drama zwischen uns dreien entstand«, gab ich ihm zu bedenken.
»Meine Fresse, dann seht einfach zu, dass es nicht noch einmal dazu kommt. Komm einfach mit zu mir und dann siehst du selbst, wie mein Dad unter eurer Trennung leidet. Dir geht es nicht anders, und dann sehen wir weiter.«
Eigentlich gab er mir keine andere Wahl, denn er schnappte sich seine Sachen und zog mich regelrecht zu meinem Auto. 

Ein mulmiges Gefühl hatte ich schon im Magen, als wir vor dem Haus hielten. Andererseits freute sich auch ein Teil in mir, Andy wiederzusehen, doch mit dem Anblick hätte selbst ich nicht gerechnet. Nachdem wir zur Tür hereinkamen, fanden wir Andy auf dem Sofa sitzen. Er schaute auf, nachdem er die Schritte hörte, und mir stockte der Atem. Nichts mehr war von dem selbstbewussten, atemberaubenden Kerl übrig. Müde, verquollene Augen, sein Bart ungepflegt und die Haare standen wüst in alle Himmelsrichtungen ab. Als sein Blick mich jedoch traf, kam Leben in seinen Körper. Von einer Sekunde auf die andere sprang er vom Sofa auf, und mit einem »Noah, es tut mir alles so leid« fand ich mich in einer Umarmung seinerseits wieder. Damit hatte ich nicht gerechnet und wurde von ihm überrumpelt, doch seine Nähe tat für einen Moment unglaublich gut. Zumindest so lange, bis er mich reflexartig losließ und Abstand zwischen uns brachte.

»Sorry, ich war … Es ist einfach schön, dich zu sehen«, stammelte er verlegen und blickte auf den Boden.
Es war mal wieder eine meiner Kurzschlussreaktionen, doch im nächsten Moment zog ich ihn in meine Arme und war es, der ihn fest an mich presste.
»Ich glaube, ich lasse euch mal allein«, kam es von Flo, der sich daraufhin still zurückzog.
Andy hielt mich fest, als würde er mich nie wieder loslassen wollen, und entschuldigte sich bei mir in einer Tour. Seine Tränen durchnässten dabei mein Shirt.

»Du müffelst und siehst aus wie ein Frack«, brachte mein dämliches Gehirn zustande, doch Andy nahm es zum Glück mit Humor und löste sich von mir.
»Ich gehe schnell duschen, aber versprich mir, dass du hier auf mich wartest«, meinte er bloß, und ich gab ihm mein Wort.
Es dauerte ein wenig, bis Andy wieder herunterkam, aber bis auf die leichten Augenringe sah er wieder umwerfend aus.
»Besser?«, fragte er mich und hatte ein vorsichtiges Lächeln auf den Lippen.
»Viel besser«, bekam er von mir als Antwort.

Danach machte er uns einen Kaffee und erzählte mir seine ganze Geschichte noch einmal detailliert. Ich saß nur da, hörte ihm aufmerksam zu und ließ ihn sich alles von der Seele reden.
»Tja, und das wäre alles. Ich würde verstehen, wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben möchtest. Ich kann mir selbst kaum in die Augen blicken. Es freut mich aber sehr, dass du hergekommen bist und ich es dir persönlich erzählen durfte«, beendete er seine Erklärung und suchte erst jetzt wieder den Blickkontakt.

»Dieser Marco ist einfach widerlich. Mich stört nicht, was ihr vor meiner Zeit miteinander getrieben habt. Ich kann es auch nachvollziehen, denn er sieht heiß aus. Das Problem ist die Zeit, in der wir zusammen waren«, fing ich meine Erklärung an und wurde von Andy unterbrochen.
»Es hat mir nie etwas bedeutet und ich hatte daran absolut kein Vergnügen. Ich wollte nur, dass er fertig wurde, damit ich gehen konnte«, warf er ein.
»Dir ist schon bewusst, dass dies sexuelle Nötigung ist und an eine Vergewaltigung grenzt? Du kannst den Wichser anzeigen«, warf ich in den Raum, aber Andy lehnte sich kapitulierend zurück.
»Daran habe ich auch schon gedacht. Ihm sogar damit gedroht, aber er hat so einen großen Einfluss, dass ich damit nicht durchkommen würde. Angeblich hätten es schon andere probiert, nur er wäre noch immer an der gleichen Position und trüge keine Konsequenzen davon.«

»Für so ein Weichei hätte ich dich nicht gehalten, dass du so leicht aufgibst«, stichelte ich ihn an, und es zeigte Wirkung.
»Was soll das denn jetzt bitte bedeuten?«, sagte er und seine Stimme wurde wieder härter.
»Recherchiere. Such die anderen und geht gemeinsam gegen das Arschloch vor. Anscheinend bist du nicht der Einzige, mit dem er so einen Dreck in der Vergangenheit abgezogen hat.«
»Das hat doch keinen Zweck. Ich habe aktuell andere Sorgen, um die ich mich kümmern muss«, wies er meinen Vorschlag ab.
»Das zeigt sich erst, wenn du es versuchst, und für deine Sorgen finden wir schon eine Lösung.«
»Wir?«, fragte er perplex und sah mich mit großen Augen an.
»Du meinst …«, begann er und konnte es anscheinend nicht zu Ende führen.
»Ja, ich gebe dir noch eine Chance, aber verbock sie diesmal nicht. Klar?«

Schon nach dem Ja strahlte er mich mit seinem Tausend-Watt-Lächeln an. Direkt darauf fand ich mich unter ihm auf dem Sofa liegend wieder und er küsste mich. Wahnsinn, wie ich das vermisste. Noch war ich mir unsicher, ob ich diese Entscheidung nicht bereuen würde, doch für den Moment genoss ich es einfach, meinen Andy wiederzuhaben.

»Stör ich? Wie es aussieht, habt ihr euch ja wieder vertragen«, meldete sich Flo zurück.
»Du hast echt ein Talent, uns immer dazwischenzufunken«, knallte ich ihm an den Kopf, und wir mussten lachen.
»Selbst schuld, wenn ihr überall rummacht, wo ich euch erwischen kann. Außerdem hab’ ich Hunger.«
»Hier, bestell uns was zu essen, dafür verschwinden wir kurz, bis das Essen hier ist«, meinte ich, fischte mein Handy aus der Hosentasche und warf es ihm herüber.
Er hatte schon öfter für uns bestellt, wenn er bei mir war, und den Geschmack seines Vaters müsste er ja kennen.
»Aber seid nicht so laut«, rief uns Flo noch hinterher, als wir bereits die Treppe hochliefen.

Wild küssend fielen wir aufs Bett und wälzten uns, als würden wir ringen. Da waren sie wieder. Seine weichen Finger auf meiner Haut. Er erkundete jeden Zentimeter mit Präzision, als wollte er keinen Fleck auslassen. Unsere Shirts fanden schnell den Weg auf den Schlafzimmerboden. Uns wurde heiß und die ersten Schweißtropfen bildeten sich auf unserer aufgeheizten Haut, nur um gleich von den Händen oder der Haut des anderen verwischt zu werden. Mit meiner Hand fuhr ich hinten in Andys Jogginghose und musste feststellen, dass er keine Unterwäsche trug. Noch besser, denn so hielt ich direkt seinen blanken Hintern in den Händen, weshalb meine zweite Hand sofort folgte.

Ich strich über sein Loch und entlockte ihm ein tiefes Stöhnen, was mich nur noch mehr anturnte. So weit wie möglich zog ich seinen Hosenbund nach unten, den Rest strampelte er sich von den Beinen. Mit seiner Vorsaftproduktion beeindruckte er mich jedes Mal aufs Neue, und auch da zog seine Eichel bereits feuchte Spuren über mein Sixpack. Wieder drehten wir uns und ich lag auf ihm. Nun war es meine Jeans, welche er mir samt meiner Boxershorts vom Hintern streifte. Es war umständlicher, sie auszuziehen, und wir mussten eine minimale Pause einlegen, aber endlich lagen wir küssend, nackt und fest umschlungen im Bett. Wild rieben wir uns aneinander und stöhnten gegenseitig in unsere Küsse.

Es musste dringend Erlösung her, und als Andy mal wieder unter mir lag, packte ich unsere harten Schwänze und wichste sie gemeinsam. Anscheinend waren wir beide so ausgehungert, dass es nicht lange dauerte, bis erst er und anschließend ich eine gewaltige Ladung zwischen uns verteilte. Das mit dem Leise sein. mussten wir echt noch üben, denn von seinem Orgasmus hatten sicherlich auch die Nachbarn etwas. Gut, zu seiner Verteidigung war meiner auch nicht zu verbergen gewesen.

Stirn an Stirn grinsten wir uns außer Atem an.
»Da hätte ich mir die Dusche vorhin ja sparen können«, sagte er noch immer glücklich lächelnd.
»Glaube ich nicht, sonst würde ich das jetzt sicher nicht machen«, sagte ich, rutschte nach unten und ließ seinen Schwanz in meinem Mund verschwinden, um ihn sauber zu lecken.
Dies ließ ihn erneut aufstöhnen, und als ich fertig war, leckte ich auch noch den Rest unserer Sahne von seinem heißen Körper. Alles nur, um ihn anschließend zu küssen.
»So, jetzt sollten wir zum Essen sauber genug sein.«
Bevor wir aber nach unten gingen, kuschelten wir noch, bis wir die Türklingel hörten und Flo »Essen!« nach oben schrie.

Hand in Hand gingen wir zu Flo in die Küche, der uns nur kopfschüttelnd und mit strengem Blick empfing.
»Was?«, wollte ich belustigt wissen, aber konnte es mir schon denken.
»Das versteht ihr unter leise? Wenigstens hat diesmal keiner den anderen angebettelt, ihn zu vögeln«, beschwerte er sich.
»Was nicht ist, kann ja noch werden«, foppte ihn Andy und gab mir einen Kuss.
»Ey, Leute, echt nicht. Das sind Dinge, die will ich nicht wissen«, sagte er und verzog das Gesicht.
»Ich leihe dir für später meine Kopfhörer«, schlug ich ihm zur Güte vor, und damit war er einverstanden.

Schon beim Essen war alles wie sonst, wenn wir zusammensaßen. Wir machten Witze, zogen uns gegenseitig auf, lachten viel und quatschten dummes Zeug. Die Pizza war vertilgt und nun wollte ich einmal wissen, wie ernst die Lage wirklich war, und Andy klärte uns beide im Detail auf. Mit seinen Ersparnissen würde er noch ein paar Monate über die Runden kommen. Danach müsste man sehen. Sogar Flo bot seinem Dad an, sein Gehalt beizusteuern, doch das deckte gerade mal so die Kreditrate für das Haus. Andy beschloss doch, meinem Plan nachzugehen und herauszufinden, ob Marco noch andere genötigt hatte. Weiterhin wollte er sich schnellstmöglich irgendeinen Job suchen und Geld in die Kasse bringen.

»Zur Not bin ich auch noch da. Ich unterstütze euch auch so gut ich kann«, sagte ich, und beide schauten mich mit großen Augen an.
»Ich liebe dich so sehr«, rutschte es plötzlich Andy heraus, und diese Worte hatte er bis dahin noch nie so direkt ausgesprochen. Umschrieben ja, aber das hatte eine noch tiefere Bedeutung.
»Dann zieh doch einfach bei uns ein. Zu dritt schaffen wir es doch easy, das Haus zu erhalten, und du hast vorher auch schon so gut wie hier gewohnt«, warf Flo den Vorschlag ein.

Damit rutschte Andys Gefühlsbekundung in den Hintergrund und ich stand vor einer neuen Entscheidung. Sicher hatte Flo recht damit, dass ich in der Zeit während unserer Beziehung sehr selten in meiner Wohnung war.
»Das wären immerhin fast tausend Euro. Ob ich die nun meinem Vermieter zahle oder hier reinstecke. Es wäre einiges an Last, die wegfallen würde«, dachte ich laut vor mich hin.
»Was gibts da noch zu überlegen? Sag einfach ja«, meinte Flo euphorisch.
»Wäre das überhaupt für dich in Ordnung?«, fragte ich vorsichtig an Andy gerichtet, aber auch dieser nickte nur eifrig.
So ganz wohl fühlte ich mich nicht dabei, sofort eine endgültige Entscheidung zu treffen, kehrte in mich und rang mit mir selbst um eine Antwort.
Ich erschrak, als Andy seine Arme von hinten um mich legte und mich auf die Wange küsste.
»Hey Süßer, du musst nicht sofort eine Entscheidung treffen. Das Angebot steht, und selbst wenn du noch nicht dazu bereit bist, kann ich es vollkommen verstehen«, nahm er mir den Druck von den Schultern.
»Danke«, sagte ich leise und war froh darüber, dass er mir die Zeit gab, darüber in Ruhe nachzudenken.

Wir entschlossen uns dazu, noch gemeinsam einen Film anzusehen, und Andy kuschelte sich dabei an meine Seite.
»Ihr seid echt kitschig«, kam Flo’s Kommentar zu unserer Liegeposition, aber für mich war es das Beste am ganzen Film, ihn so nah bei mir zu haben.
»Ich gehe in mein Zimmer. Wo sind die versprochenen Kopfhörer?«, fragte Flo, als der Film vorbei war und er ausgetrunken hatte.
»Im Kofferraum steht mein Rucksack. Vorderes Fach. Autoschlüssel liegt in der Küche.«
Ich hatte einfach keine Lust, aufzustehen und Andy loszulassen. Dafür war es gerade viel zu gemütlich.
Wir warteten nicht, bis er mit seiner Beute wieder hereinkam und nach oben verschwand, sondern verfielen wieder in eine Knutscherei. Nur für das obligatorische »Gute Nacht« trennten sich unsere Lippen kurz voneinander.

Wie erwartet dauerte es nicht lange, bis Andy auf meinem Schoß saß und sich mein Ständer gegen seinen Hintern presste. Andy rieb sich an mir, aber es geisterte die ganze Zeit über eine Frage in meinem Kopf herum.
»Hat er dich oder du ihn?«, sprudelten die Worte aus mir heraus, und augenblicklich hielt Andy still.

»Spielt das eine Rolle?«, stellte er mir leise die Gegenfrage, und ich nickte unsicher.
»Unterschiedlich, aber zum Ende hin hat nur er mich genommen. Ich wurde nicht einmal hart, weil er mich so anwiderte«, gestand er mir ehrlich.
»Dann will ich, dass du mich nimmst.«
»Den Wunsch erfülle ich dir mehr als gerne, aber lass uns hochgehen«, knurrte er erregt, und schon lag ich wieder nackt unter ihm auf dem Bett.

Er wusste genau, welche Knöpfe er bei mir drücken musste, bis ich ihn anflehte, mich zu nehmen. Potenzschwierigkeiten konnte ich bei ihm keine feststellen, so prall und hart sein Schwanz mich ausfüllte. Im Gegenteil, er genoss es regelrecht, mich mit jedem tiefen Stoß weiter an meinen Höhepunkt zu treiben. Wir gaben uns gar nicht erst die Mühe, auf unsere Lautstärke zu achten, als wir beide fast gleichzeitig abspritzten. Er füllte mich ab und hielt meinen Schwanz dabei so, dass meine Sahne nach oben schoss. Ein Teil klatschte zurück auf meinen Body und der Rest blieb an ihm hängen und floss seinen verschwitzten Oberkörper herab.

»Wollen wir noch eine Runde schwimmen gehen? Es ist zwar nicht das Meer, aber eine angenehme Abkühlung.«
»Bin dabei, aber sollten wir nicht vorher die Sauerei beseitigen?«, meinte ich und zeigte auf meinen und seinen Oberkörper.
»Warte«, sagte er und war schon dabei, die Spuren von meinem Körper zu lecken, was mich zum Lachen brachte.
Auch säuberte ich ihn und ging vorher noch schnell aufs Klo, bis wir uns im Pool abkühlen gingen. Die Nacht war angenehm warm, und danach kuschelnd unter dem Sternenhimmel zu liegen, war wunderschön. Es war wieder genau dieser Moment des Glücks, welchen ich schon vorher oft gespürt hatte, wenn ich mit Andy zusammen war.
»Ich liebe dich auch«, kam es mir nun ganz leicht über die Lippen, denn es war genau das, was ich gerade tief in mir fühlte.

Schwiegereltern zu Besuch 

Fast täglich lag mir Flo nach dem Tag in den Ohren, dass ich doch bei ihnen einziehen sollte. Jedes Mal vertröstete ich ihn, dass er mir doch noch etwas Zeit zum Nachdenken geben sollte, aber wenn ich ehrlich war, stand meine Entscheidung schon länger fest. Meine Wohnung hatte ich die letzten zwei Wochen genau einmal gesehen und das auch nur, um mir einige meiner Klamotten einzupacken. Andy war auch so süß und hatte mir einen Teil seines Schrankes freigemacht, damit ich sie verstauen konnte. Deswegen hatte ich es mir die letzten Tage schon vorgenommen, mit ihm noch einmal darüber in Ruhe zu reden, doch hatte immer kurz vorher den Schwanz eingezogen. Den Freitag nach der Arbeit nahm ich es mir fest vor es endlich ansprechen, nur als wir nach Hause kamen, war Andy am Telefon.

»Oh, warte, Mum, sie sind gerade zur Tür rein. Hier, deine Oma ist dran«, sagte Andy und drückte Flo sein Handy in die Hand, der gleich darauf in den Garten verschwand.
»Hallo mein Schatz«, begrüßte mich Andy, und wir gingen zu Flo in den Garten.
»Cool, dann sehen wir uns ja morgen. Bis dann«, sagte Flo und legte auf.
»Morgen?«, fragte ich etwas verwirrt.
»Ja, meine Eltern kommen uns morgen spontan besuchen. Sie sind in der Nähe und fragten, ob wir Zeit haben. Was hältst du von Grillen?«, wollte er euphorisch von mir wissen, aber in mir stieg das Grauen auf und mir wurde schlecht.

»Hey Noah, ist alles gut?«
»Ja! Nein! Ich mein, weiß nicht. Ich habe keine guten Erfahrungen mit Eltern und bin bisher immer davongekommen, die Erzeuger meines Freundes kennenzulernen«, erklärte ich meine Panik.
»Da brauchst du keine Angst zu haben. Meine Eltern verurteilen dich sicher nicht, dass du Männer liebst. Sieh mich an. Ich bin wohl das beste Beispiel«, versuchte er mich zu beruhigen.
»Genau. Oma und Opa sind mega. Die sind noch lockerer drauf als Dad«, gab Flo seinen Senf dazu.
»Was Flo damit sagen will, ist, dass du sie bestimmt mögen wirst, und ich bin mir sicher, sie dich auch. Also grillen?«, fragte Andy erneut und bekam von Flo ein lautes »Sicher« und ich zuckte nur mit den Schultern.

Mein Plan, mit Andy zu reden, verpuffte und mit mir war den Rest des Tages nicht mehr viel anzufangen. Andy gab sein Bestes, mich mit Aufmunterungen aubzulenken, aber es wurde nicht besser. Die Nacht war die reinste Katastrophe und ich malte mir Szenarien aus, was passierte, wenn seine Eltern mich nicht mögen würden. Wäre ich dann auch abgeschrieben? Würden sie Andy dazu überreden, mit mir Schluss zu machen? All so ein Dreck ging mir durch den Kopf und führte dazu, dass ich gerädert am nächsten Morgen aufwachte. Andy war nicht mehr im Bett und beim Blick aufs Handy wurde mir übel. Es war kurz vor zehn und um elf wollten seine Eltern kommen. Ich drehte fast durch und verfing mich in meinen Gedanken. Damals wusste ich nicht, dass ich eine gewaltige Panikattacke bekam. Bis dato wusste ich nicht einmal, dass ich so etwas bekommen konnte.

Es musste für Andy ein Schock gewesen sein, mich zusammengekauert und heulend im Bett vorzufinden. Wie aus Reflex sprang er zu mir, nahm mich fest in den Arm und sprach beruhigend auf mich ein.
»Bitte verlass mich nicht«, brabbelte ich, als er mich halbwegs wieder beruhigt hatte.
»Wieso sollte ich dich denn verlassen? Das würde mir im Traum nicht einfallen.«
»Aber wenn sie mich nicht mögen oder ich nicht gut genug für dich bin.«
»Wie kommst du auf den Quatsch? Ich habe ihnen von dir erzählt. Wie gut du mir tust und was für ein lieber Mensch du bist. Wie du dich um Flo gekümmert hast. Sie mögen dich doch jetzt schon«, erzählte er, hatte Erfolg und drang zu mir durch.
»Sie wissen, dass wir ein Paar sind, und haben nichts dagegen?«
»Absolut nicht, mein Schatz, und jetzt komm. Ab mit dir unter die Dusche, und dann kannst du dich selbst davon überzeugen«, raffte Andy mich auf und scheuchte mich mit frischen Klamotten ins Badezimmer.

Seine Worte hatten die dunklen Gedanken tatsächlich etwas vertrieben. Angst hatte ich dennoch, seinen Eltern zu begegnen. Herausgeputzt ging ich nach unten zu meinem Schatz in die Küche und es stand schon eine Tasse Kaffee für mich bereit. Die beiden hatten alles so weit vorbereitet und Andys Aufmerksamkeit galt allein mir.

»Soll ich nicht doch lieber schnell noch heimfahren?«, sagte ich aus purer Verzweiflung.
»Du bist zu Hause. Hab’ keine Angst. Es wird alles gut gehen, und wenn du dich unwohl fühlst, bin ich sofort bei dir. Okay?«
»Okay«, ergab ich mich in mein Schicksal.
Selbst der Kaffee schmeckte fad und half nur bedingt. Gerade als ich wieder klar denken konnte, ging die Türklingel und mein Körper versteifte sich.

Rückblickend kam ich mir so unendlich bescheuert vor. Die ganze Aufregung war für’n Arsch gewesen. Sobald seine Eltern Andy und Flo begrüßt hatten, war ich an der Reihe. Seine Mum begrüßte mich überschwänglich mit einer festen Umarmung und Küsschen auf die Wange. Sie freute sich richtig, mich endlich einmal kennenlernen zu dürfen, nachdem sie so viel von mir gehört hatte. Sie betonte sogar, wie hübsch sie mich fand, was mich knallrot anlaufen ließ. Selbst sein Vater zog mich in eine feste Umarmung mit den Worten: »Komm her, mein Junge. Gehörst ja jetzt schließlich zur Familie.« Für mich war diese Erfahrung neu, aber wahnsinnig schön. Seine Eltern waren klasse, und je mehr wir erzählten, desto wohler fühlte ich mich in ihrer Gesellschaft. Beim Essen kam auch das Thema zu meinen Erzeugern auf. So schnell wie möglich brachte ich es hinter mich, sie darüber zu informieren, doch als ich fertig war, herrschte komplette Stille am Tisch.

Hilfesuchend schaute ich zu Andy, doch seine Mum legte in dem Moment ihre Hand auf meine und drückte sie fest.
»Das tut mir wahnsinnig leid für dich. Vergiss die Spießer. Jetzt hast du uns«, sagte sie, und ich bekam einen gewaltigen Kloß im Hals.
»Danke«, wollte ich sagen, aber es war mehr ein Krächzen.
Noch nie ist mir dieses Thema so nahegegangen, aber in Kombination mit ihrer liebevollen Geste schossen mir die Tränen in die Augen. Andy war schon dabei, zu mir herüberzukommen, aber seine Mum war schneller und schloss ihre Arme um mich. Das verschlimmerte meinen Gefühlsausbruch nur noch mehr, fühlte sich aber gleichzeitig schön an.

»Krass, das ist das erste Mal, dass ich dich heulen sehe. Selbst als dich Dad verarschte, hast du keine Träne vor mir verdrückt«, sagte Flo und hielt sich sofort den Mund zu, als er realisierte, was er da gerade gesagt hatte.
»Flo!«, grollte Andy.
Daraufhin wurden seine Eltern hellhörig und er erzählte ihnen alles.

»Warum hast du nichts gesagt? Wir hätten euch doch unterstützt und du hättest diesen Mist nicht ertragen müssen, mein armer Liebling. Hast du das Schwein wenigstens angezeigt?«, wollte seine Mum wissen.
»Noch nicht, aber wir sind dran. Es ist leider etwas komplizierter.«
»Okay, aber wenn ihr etwas braucht, ruft uns bitte an.

Auch wenn das Thema scheiße war, hatte ich mich wieder unter Kontrolle und wir verbrachten noch einen schönen Nachmittag miteinander, bis sich seine Eltern gegen siebzehn Uhr verabschiedeten.
»Kommt uns bald mal besuchen, und falls du mal einen elterlichen Rat brauchst, darfst auch du uns jederzeit anrufen«, gab mir seine Mum noch mit auf den Weg, neben einer festen Umarmung, und ließ mich über beide Ohren strahlen.

»Siehst du. Ich sagte doch, sie würden dich lieben. Scheinbar gehörst du schon zur Familie«, meinte Andy zu mir, als wir wieder allein waren.
»Ja, sie sind wirklich liebenswert. Sorry, dass ich so ein Drama aus ihrem Besuch gemacht habe. Bei so etwas gehe ich immer gleich vom Schlimmsten aus«, entschuldigte ich mich.
»Schon in Ordnung. Dafür freust du dich jetzt genau wie wir, wenn sie sich wieder auf den letzten Drücker ankündigen.«
Damit sollte er sogar recht behalten.

Nachdem wir aufgeräumt und den Abwasch erledigt hatten, setzten wir uns drei wieder in den Garten. Ein paar Familiengeschichten durfte ich schon von seinen Eltern hören, aber die beiden packten noch eine Menge neuer aus. Es war schon weit nach Mitternacht, als sich Flo zurückzog und wir allein waren.

»Wollen wir auch reingehen, oder magst du noch etwas hier draußen bleiben?«, fragte mich Andy und schaute mich von der Seite an, da er wieder an mich gekuschelt auf der Gartenliege lag.
»Ich würde dich gerne etwas fragen, aber möchte, dass du ehrlich zu mir bist«, traute ich mich langsam heran.
»Ich verspreche es. Was hast du denn auf dem Herzen?«
»Wäre es für dich wirklich okay, wenn ich hier bei euch einziehe?«, fragte ich vorsichtig.
»Du wohnst doch schon längst bei uns«, sagte er grinsend und streichelte mir mit dem Daumen über die Wange.
»Eben nicht. Noch habe ich meine eigene Wohnung und übernachte hier. Ich könnte jederzeit gehen.«
»Willst du das denn?«, fragte er stattdessen, und ich kam mir langsam dämlich vor.
»Nein! Man, Andy, ich möchte doch nur eine klare Antwort von dir.«
»Wenn das so ist. Ja! Ja, ich würde sehr gerne, dass du hier bei uns einziehst. Schon als Flo es sagte, fand ich es eine grandiose Idee, und ich hätte mich niemals getraut, dich nach meiner Aktion zu fragen. Also hast du es dir überlegt und ziehst wirklich zu uns beiden Chaoten?«
Er bekam von mir ein Nicken und ich dafür einen langen, wundervollen Kuss. Damit wurde mein Umzug besiegelt.

Als wir Flo am nächsten Tag die Neuigkeiten mitteilten, ist er vor Freude ausgerastet. Er wollte sogar gleich losfahren und anfangen, meine Sachen zu packen.
»Die Konsolen und den Fernseher können wir alle in meinem Zimmer unterbringen«, bot er uns gleich an, natürlich ohne Hintergedanken.
»Ach, deswegen wolltest du also, dass ich unbedingt so schnell wie möglich bei euch einziehe?«
»Was? Nein. Ich brauch’ meinen Bro ja schließlich zum Zocken und hier unten ist eh kein Platz«, versuchte er sich schnell zu verteidigen und brachte uns alle zum Lachen.
»Wir können sie aber holen fahren, wenn du magst. Ob sie nun bei mir rumstehen oder wir sie hier haben, ist auch egal«, bot ich ihm an, und am Ende sind wir doch alle drei mit zwei Autos zu meiner Wohnung gefahren.

Während Flo seine geliebten Konsolen sorgfältig einpackte, half mir Andy dabei, meine wichtigsten Klamotten im Auto zu verstauen, und damit war wenigstens ein Teil aus meiner alten Bude raus. Den Rest erledigten wir dann Stück für Stück. Zwar hatten wir drei Monate Zeit, meine Wohnung auszuräumen, aber schon nach nicht einmal einem Monat war alles draußen.

Ein unerwarteter Gast 

Andy hatte in der Zwischenzeit einen Job bei der Post angenommen. Die zahlten gar nicht mal so übel und irgendwie sah er in der Uniform sehr scharf aus. Die Suche nach weiteren Opfern von Marco gestaltete sich leider etwas schwieriger. Wir haben zwar einige Namen von Andys alter Kollegin bekommen, nachdem wir sie über Marcos Machenschaften aufgeklärt hatten, aber an den Adressen trafen wir niemanden von ihnen an. Anscheinend sollte Andy recht behalten und wir konnten nichts gegen diesen Wichser ausrichten. Da wir nun aber alles im Griff hatten, ließen wir die Recherche schweifen.

Gerade als ich mir mit Flo ein heftiges Match auf der Playstation lieferte, klingelte es mehrmals hintereinander an der Haustür. Wir pausierten unsere Partie und gingen nach unten. Vor der Tür erwartete uns ein aufgelöster, hübscher Kerl im Anzug.

»Hi, ist einer von euch Andy?«, wollte er von uns wissen.
»Nein, worum geht es? Ist alles in Ordnung?«, fragte ich ihn, und er wirkte auf einmal noch niedergeschlagener.
»Fuck, Anne sagte, ich würde ihn hier finden. Ist er umgezogen und wisst ihr zufällig wohin?«
»Er wohnt hier. Seine Schicht müsste gleich vorbei sein. Doch du meinst nicht zufällig Anne aus Marcos Immobilienagentur?«

Bei Marcos Namen zuckte er zusammen und ich konnte mir schon denken, worum es sich handelt.
»Ich muss dringend mit ihm reden. Ich geb’ euch meine Nummer. Würdet ihr sie ihm bitte geben?«, meinte er und suchte seine Taschen wahrscheinlich nach etwas ab, worauf er sie notieren konnte.
»Willst du nicht reinkommen und auf ihn warten? Wie gesagt, seine Schicht müsste gleich vorbei sein und es dauert nicht mehr lange, bis er heimkommt«, bot ich dem armen Kerl an, und er ging dankend auf mein Angebot ein.

Wir führten ihn ins Wohnzimmer und baten ihn, sich zu setzen. Ich holte ihm ein Glas Wasser und setzte mich zu ihm.
»Ich bin Noah und das ist Flo«, stellte ich uns erst einmal vor.
»Sören«, brachte er nur auf den Fußboden starrend hervor.
»Alles klar, Sören. Hat dich das Schwein auch erpresst?«, fragte ich ihn frei raus.
»Ihr wisst davon?«
»Ja. Du und Andy seid nicht die Einzigen. Wir versuchen schon länger, noch andere zu finden, aber bisher hatten wir wenig Erfolg. Wie hat er es bei dir abgezogen?«, wollte ich wissen, und Sören fing an zu erzählen.

»Ich habe erst vor zwei Monaten dort angefangen, weil ich mit meinem Mann hierhergezogen bin. Das Bewerbungsgespräch lief einfach super und ich habe mich wohlgefühlt. Auch dass er mit meiner Sexualität kein Problem hatte, war für mich ein großer Pluspunkt. Die Kollegen waren alle freundlich, nur rieten sie mir von Anfang an, zu Marco nicht mehr als ein geschäftliches Verhältnis aufzubauen und ihm besser aus dem Weg zu gehen. Aber auf meine Frage, wieso, wichen sie nur aus. Ich fand ihn sehr sympathisch und ignorierte ihre Warnung. Nach kurzer Zeit wies er mir auch schnell die Top-Immobilien zu. So viele, dass ich bis spät am Abend den Papierkram erledigen musste, bis nur noch wir im Büro waren. Manchmal hatte er mich danach auch noch auf einen Drink eingeladen, weil er angeblich von meiner Arbeitsmoral begeistert war. Alles war gut. Mehr noch, die Arbeit machte mir einen riesigen Spaß, bis er mich eines Abends in sein Büro bestellte.

Er schenkte uns einen Drink ein und wir stießen auf einen großen Abschluss an. Danach sollte ich mich setzen und er fing an, meinen Nacken zu massieren. Er wickelte mich mit seiner charmanten Art regelrecht um den Finger und lobte mich in den höchsten Tönen. Schon da hätte ich aufstehen und gehen sollen, aber die Massage tat wahnsinnig gut. Ich entspannte mich und schloss die Augen, nur nutzte er diesen Moment aus, um mich zu küssen. Ich fand ihn vom ersten Tag an wahnsinnig heiß und bereue zutiefst, darauf eingegangen zu sein. Nur mein Gehirn setzte einfach aus und wir schliefen miteinander.

Erst als ich aus dem Büro rauskam, traf mich mein schlechtes Gewissen wie ein Schlag. Ich liebe meinen Mann abgöttisch und wollte ihn nicht wegen so eines dummen Ausrutschers verlieren. Also hielt ich dicht und ließ mir nichts anmerken. Ich schwor mir, dass es mir nicht noch einmal passierte, und ich wollte standhaft bleiben, nur zitierte mich Marco ein paar Tage später wieder in sein Büro. Es war schnell klar, dass es sich um keine Besprechung handelt, sondern er mir gleich an die Wäsche wollte. Diesmal wies ich ihn sofort ab und erklärte, dass es für mich nur ein Ausrutscher war und nie wieder vorkommt. Dies passte ihm absolut nicht und plötzlich war er gar nicht mehr so charmant. Er würde meine gesamte Existenz ruinieren und meinem Mann alles erzählen, bis ich am Ende mit nichts dastehen würde.

Meine Existenz war mir egal, doch mein Mann nicht. Da bekam ich Panik und meinte, dass ihm mein Mann niemals glauben würde, dass ich mit ihm fremdgegangen wäre. Nur da ging er einfach zu seinem Computer, tippte etwas herum, und als er den Bildschirm zu mir drehte, brach eine Welt für mich zusammen. Er hatte uns dabei gefilmt und mich damit in seiner Hand …«

»Moment, er filmt es? Weißt du, ob es noch mehr Aufnahmen gibt?«, platzte ich in seine Schilderung hinein.
»Keine Ahnung. Gut möglich, aber mir hat er nur unsere Aufnahme gezeigt«, sagte Sören, und ich hatte einen Hoffnungsschimmer, dass wir vielleicht doch mehr in der Hand hätten, als wir dachten.
»Sorry, dass ich dich so unterbrochen habe, aber wenn wir Glück haben, ist es genau das, was uns gefehlt hat. Danach hat er dich wahrscheinlich öfter genötigt, mit ihm zu schlafen, oder?«

»Ja, genau. Ich versuche zwar, abends schnell aus der Arbeit zu verschwinden, aber es funktioniert nicht immer, und wenn ich mal die Zeit vergesse, nutzt er es sofort aus. Ich kann das nicht mehr und weiß nicht, was ich machen soll. Matthias merkte auch, dass etwas nicht stimmte, und lag mir damit in den Ohren. Ich kann kaum noch schlafen und heute hatte mich Anne zu sich gerufen und irgendwie wusste sie von dem ganzen Dreck und gab mir eure Adresse«, brachte er noch heraus, bevor er einen emotionalen Zusammenbruch erlitt.

»Was ist denn hier los?«, fragte Andy, als er zum Wohnzimmer hereinkam und mich neben Sören sitzen sah.
Dieser heulte sich die Seele aus dem Leib und meine Hand lag tröstend auf seinem Rücken.
»Marco hat wieder zugeschlagen und ich denke, wir haben gute Chancen, ihn dranzukriegen«, sagte ich und bat ihn, sich zu setzen.
Danach brachten wir Andy auf den neusten Stand. Das mit den Videos war auch für ihn neu, aber er war auch der Meinung, dass wir damit eventuell Glück haben könnten.
»Würdest du denn mit mir vor der Polizei aussagen?«, fragte Andy Sören.
»Schon, aber was ist mit Matthias?«, war seine größte Sorge.
»Vielleicht ist er ja genauso ein großherziger Trottel wie ich und verzeiht dir. Die Wahrheit hat er dennoch verdient, und am besten, bevor er es von jemand anderem erfährt«, riet ich ihm, und er gab mir recht.
»Kann er herkommen? Dann können wir danach meinetwegen gleich zur Polizei gehen«, sagte er zu uns und wir waren einverstanden.

Nach einem kurzen Telefonat mit seinem Mann war dieser eine halbe Stunde später bei uns. An seiner Stelle wäre ich genauso verwirrt gewesen, wenn ich Andy heulend bei drei fremden Typen sitzen gesehen und er mir so etwas erzählt hätte.
»Das Schwein mache ich kalt«, war Matthias’ Ansage, nachdem er alles gehört hatte. Sicher ließ ihn die Tatsache, dass Sören ihn das erste Mal betrogen hatte, nicht kalt, aber er konnte sehen, wie sehr er darunter litt.
»So, wir beruhigen uns jetzt alle und fahren anschließend los aufs Revier«, sprach Andy ein Machtwort, aber vor allem, um Matthias zu beruhigen.

Auf dem Revier dauerte es ewig. Andy und Sören sprachen mit den Beamten und ich saß mit Matthias im Wartezimmer.
»Ich hoffe ernsthaft, dass sie dieses Schwein drankriegen. Sonst knöpfe ich ihn mir vor«, meinte er zu mir, und ich hatte sofort das Bild von Matthias vor mir, wie er mit einer Axt auf Marco losging, wegen seines Holzfäller-Looks.
»Das wird schon. Ich bin nur froh, dass du zu ihm stehst und ihn nicht verlassen hast.«
»Wir sind schon so lange zusammen, dass es mal passieren kann. Bin ja selbst einmal fast schwach geworden. So wie ich Sören kenne, war das auch das erste und letzte Mal. Zumindest werde ich ihm das klar machen«, sagte er entspannt.
»Wirfst ihn dann über die Schulter und schleifst ihn in irgendeine verlassene Berghütte, wenn er nur auf den Gedanken kommt?«, versuchte ich, einen Scherz zu machen, weil mein Gehirn schon wieder Bilder in meinen Verstand projizierte.
»Pass auf, Kleiner, sonst findest du dich gleich in einer wieder«, bekam ich ernst zurück.
»Schon gut, bin ruhig«, kam schnell von mir, und Matthias fing an zu lachen.

Bis wir unsere zwei Männer wiederhatten, quatschten wir und ich fand ihn sehr sympathisch. Auch wenn er nach außen wie der harte Kerl aussah, war er sehr nett. Ich war froh, als wir am späten Abend endlich wieder daheim waren. Der Tag hatte mich ganz schön geschlaucht und langsam hatte ich genug von diesem ganzen Drama. Doch es freute mich sehr für Andy, dass endlich etwas gegen Marco unternommen wurde. Ich konnte spüren, dass mit seiner Aussage eine Last von ihm abgefallen war, denn er war ungewöhnlich fröhlich.

»Danke, dass du mich dazu ermutigt hast und das mit mir durchziehst. Ich liebe dich so sehr«, sagte er, während wir unter der Dusche übereinander herfielen.
Ich steckte auch gerade bis zum Anschlag in ihm, als wir es wild an die Badezimmertür klopfen hörten.
»Macht hinne. Ich muss dringend pissen«, maulte uns Flo gleich darauf an.
»Dann geh in Garten«, grölte Andy zurück, verschloss darauf gleich wieder unsere Lippen und presste sich auf mich.

»Wenn ihr so weitermacht, such’ ich mir ’ne eigene Bude. Das hält ja keiner aus«, wurden wir von Flo empfangen, als wir aus dem Bad kamen.
»Sei nicht so spießig. Wie es aussieht, hättest du es auch mal wieder nötig«, meinte Andy, da seine Boxershorts seinen Ständer nicht verbergen konnte.

»Wundert es dich bei eurem Gestöhne nicht, dass man nur ans Vögeln denkt? Hier kann ich keine mitbringen, was soll die bitte denken?«, motzte er.
»Wie klingt Samstag sturmfreie Bude für dich? Ist das ein Deal?«, versuchte Andy, ihn zu besänftigen.
»Freitag und Samstag!«, hielt Flo dagegen.
»Meinetwegen, aber lass bitte das Haus stehen. Na, Schatz, hast du Lust auf ein Wochenende am Meer?«, fragte er mich, und ich war sofort davon begeistert.

Diese Auszeit mit ihm war ein Traum. Es gab nur uns und wir mussten auf niemanden Rücksicht nehmen. Es war noch eine Steigerung zu unserem ersten Date. Andy hatte zwar Bammel, dass Flo in unserer Abwesenheit eine fette Party schmeißen würde, aber als wir am späten Sonntagnachmittag zurück waren, sah das Haus so aus, wie wir es verlassen hatten. Nur das Mädel in der Küche neben Flo war neu.

»Miriam, das sind meine zwei Dads«, stellte er uns seiner neuen Freundin vor, was mich sehr überraschte, und wir gaben Miriam die Hand.
»Noah, freut mich, und eigentlich bin ich nur der Freund von seinem Dad«, korrigierte ich, als ich ihr die Hand gab.
»Kommt für mich aufs Gleiche raus«, sagte Flo nur und zuckte mit den Schultern.
»Ich bring’ Miriam eben nach Hause. Bis später«, meinte Flo, nachdem wir noch gemeinsam etwas erzählt hatten. Danach verschwanden die beiden

»Na, Dad«, zog mich Andy auf, nachdem er sich bei mir ankuschelte.
»Jetzt hör auf, da fühle ich mich gleich alt.«
»Da siehst du mal, wie es mir dabei geht, aber bei deinem Gesichtsausdruck vorhin musste ich mir schon ein Lachen verkneifen«, meinte Andy und holte es dafür jetzt nach.
»Kein Plan, was Flo dabei geritten hat, mich so bei seiner neuen Flamme vorzustellen.«
»Warum? Er hat doch recht. Ich bin sein Vater und du mein Mann. Ergo sein Stiefvater«, wollte er mir klarmachen.
»Falsch, ich bin dein Freund. Wir sind nicht verheiratet«, klärte ich ihn auf.
»Wäre das nicht unser nächster großer Schritt?«
»Willst du mich heiraten?«, fragte ich verdutzt, und Andy fing noch mehr an zu lachen.
»War das gerade ein Antrag?«
»Was? Nein? Ey, wir sind nicht einmal ein ganzes Jahr zusammen. Spinnst du?«, fing ich an, mich zu rechtfertigen.
»Beruhig dich. Das war nur ein Scherz, aber ich kann mir schon irgendwann vorstellen, zu heiraten. Du nicht?«
»Doch irgendwann, aber jetzt noch nicht.«
»Na siehst du, dann sind wir ja auch einer Meinung. Daaaaad«, zog er mich gleich wieder auf.

»So, das reicht jetzt«, sagte ich lachend, stand auf, packte mir Andy und warf ihn samt Klamotten in den Pool.
»Das hast du nun davon, wenn du mich Dad nennst«, meinte ich triumphierend, als er wieder auftauchte, und stand mit verschränkten Armen an der Beckenkante.
Damit, dass er aus dem Wasser schnellt, mich am T-Shirt packt und auch in den Pool zieht, hatte ich nicht gerechnet.
Das war es, was ich an Andy liebte. Andere wären beleidigt gewesen oder hätten rumgemault, doch er machte daraus einen Spaß und wir rauften uns, bis wir beide außer Atem voreinander standen. Schon trafen sich unsere Lippen und wir streiften uns gegenseitig die nassen Klamotten von unseren Körpern. Wild knutschend hing Andy wieder an mir und mein Schwanz rieb an seinem Hintern.

»Nimm mich, Schatz«, bat er mich.
»Wir sollen doch nicht im Pool. Lass uns hochgehen.«
»Scheiß drauf, Flo braucht sicher noch, und ich will dich jetzt«, forderte er und brachte selbst meine Eichel in Position.
Ich brachte nur ein Knurren zustande und versuchte, in ihn einzudringen, doch leider erschwerte es uns das Chlorwasser. Es war so gut wie unmöglich, auch nur ein Stück in ihn einzudringen, ohne, dass es für uns beide unangenehm wurde.
»Fuck, das wird nix. Doch nach oben?«, schlug ich vor, aber Andy konnte es wohl nicht abwarten.

Er ließ mich los, zog sich an der Poolkante herauf, schmiss sich rücklings auf die Sonnenliege, zog seine Beine an und präsentierte mir sein Loch. Ich sprang ihm gleich hinterher und vergrub mein Gesicht in seinem Hintern. Mit viel Spucke leckte ich sein Loch schön weich und nun konnte ich mich ohne großen Widerstand in ihm versenken. Diese Stellung mit ihm macht mich am meisten an. Seinen geilen Body vor mir. Sein Blick und sein stahlharter Schwanz in meiner Hand. Ich versuchte, so leise wie möglich zu sein und mein Stöhnen zu unterdrücken, aber Andy ließ es einfach heraus. Ich musste ihm den Mund zuhalten, sonst hätten wir noch eine Anzeige der Nachbarn riskiert. Dafür entließ ich seinen Schwanz und rammte mich nur so in ihn. Er zog meine Hand von seinem Mund und mich zu sich herunter. Sobald sich unsere Lippen trafen, ging ein Beben durch seinen Körper. Gedämpft durch unseren Kuss stöhnte er seinen Höhepunkt heraus und durch seine Kontraktionen riss er mich mit.

Ich wollte mich schon aus ihm zurückziehen, aber er hielt mich mit seinen Beinen und Füßen in Position.
»Nein, mach einfach langsam weiter«, bat er mich.
In der Position küssten wir uns weiter und ich bewegte mich nur langsam in ihm. Als ich drohte, einen Krampf in der Wade zu bekommen, wechselten wir die Stellung und er ritt mich stattdessen.

Plötzlich ging im Haus das Licht an und Andy sprang auf. Mein Schwanz ploppte aus seinem Loch und er zog mich an der Hand nach oben. Bevor Flo uns sehen konnte, sprangen wir schnell in den Pool und taten so, als würden wir noch eine Runde im Wasser chillen.

»Ihr habt aber nicht …?«, fragte er tadelnd.
»Nein, wir hatten keinen Sex im Pool, wenn es das ist, was du wissen wolltest«, konterte Andy.
»Und warum sind eure Klamotten im Pool?«
»Ich habe Noah damit aufgezogen, dass du ihn als Daaaaad bezeichnet hast, und als Strafe hat er mich in den Pool geschmissen«, meinte Andy und funkelte mich bei dem Wort Dad wieder schelmisch an.
»Meine Fresse, dann sag’ ich das nächste Mal eben Lebensgefährte und nur noch Dad, wenn ich dich ärgern will«, grinste nun auch Flo.
»Willst du auch im Pool landen?«
»Erwischst mich eh nicht, Daaaad«

Auch wenn ich mir nackt mit ihm eine Verfolgungsjagd durch den Garten liefern musste, landete er schlussendlich wie angekündigt im Wasser. Schon startete die nächste Rangelei, bis wir alle k. o. aus dem Wasser stiegen.

Endlich Gerechtigkeit 

An dem darauffolgenden Mittwoch kam Andy freudestrahlend von der Arbeit.
»Schatz, Anne hat mich vorhin angerufen. Sie haben wohl heute Marcos Computer konfisziert. Er muss wohl vor Wut sein halbes Büro zertrümmert haben«, berichtete er mir, und wir setzten auch gleich Sören darüber in Kenntnis.

Zwei Tage später musste auch die Presse Wind davon bekommen haben und stürzte sich auf diese prekären Neuigkeiten. Das hatte Marco nun davon, dass er sich immer im Kreis der Reichen und Schönen tummeln musste. Dort erfuhren wir auch, dass schon einmal eine Anzeige gegen ihn gestellt wurde, diese aber wegen fehlender Beweise eingestellt wurde. Darunter war sogar ein Aufruf der Polizei nach weiteren Opfern von Marco.

Nach dieser Schlagzeile wurde es eine Zeit lang wieder still um Marco, bis uns Sören eine neue Anzeige schickte. Das Bild zeigte Marco, wie er von Polizeibeamten abgeführt wurde. Darunter war zu lesen, dass er sich von seiner Sekretärin ein One-Way-Ticket nach Kuba buchen ließ, aber diese rechtzeitig die Polizei informierte. Dazu hatte er noch eine große Menge Bargeld bei sich getragen. Als wir das lasen, war uns klar, dass wir diesen Drecksack dranbekommen hatten. Wieso sonst hätte er sich absetzen wollen? Sicher war dies noch kein Sieg, aber für uns ein gewaltiger Schritt, und wir trafen uns noch am selben Abend mit den beiden, um anzustoßen.

Danach vergingen einige Monate und wir glaubten schon, dass sich die Sache im Sand verlaufen hatte. Außerdem war ich damit beschäftigt, mit Flo zu büffeln und ihn auf seine Abschlussprüfung vorzubereiten. Daher stand uns allen der Kopf gerade ganz woanders, als unerwartet ein Brief vom Gericht im Postkasten lag. In zwei Wochen sollte die Verhandlung sein und ich reichte gleich am nächsten Tag Urlaub dafür ein, um Andy zu begleiten.

Mit gemischten Gefühlen betraten wir das Gebäude und den Verhandlungssaal. Unter den Anwesenden entdeckte Andy ein paar bekannte Gesichter, darunter auch Marcos Vater. Marcos Verteidiger hatte in diesem Prozess nicht den Hauch einer Chance. Von jedem seiner Übergriffe hatte er die Videoüberwachung auf seinem Rechner gespeichert. Wie wir im Laufe der Verhandlung erfuhren, konnte man nicht nur den Akt selbst, sondern auch jede einzelne Erpressung nachverfolgen. Tatsächlich hatten sich auch mehr seiner Opfer gemeldet und konnten dank der Videos identifiziert werden. Mit Andy und Sören waren es noch fünf weitere Kerle, deren Zukunft Marco mit seinen Machtspielchen zerstört hatte. Nachdem alle Zeugen befragt worden waren, zog sich der Richter kurz zurück und verkündete wenig später sein Urteil. Aufgrund der Anzahl und Schwere mancher Übergriffe bekam Marco volle zehn Jahre aufgebrummt. Bewährung: Fehlanzeige. Ich war nicht schadenfroh, aber diesem Wichser gönnte ich es aus tiefstem Herzen, dass er das meinem Schatz angetan hatte.

Beim Herausgehen plauderten wir noch kurz mit Sören und Matthias. Auch sie waren froh, dass der Spuk nun ein Ende hatte, und wir verabredeten uns am Abend zum Essen.
Vor dem Gebäude wurden wir von Marco Senior abgefangen, welcher Andy ungewöhnlich herzlich mit einer Umarmung begrüßte.

»Andy, mein Junge. Es tut mir so leid, was Marco dir und den anderen angetan hat. Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass er zu so etwas fähig wäre«, entschuldigte er sich aufrichtig bei ihm.
»Ist schon gut, Holger. Du kannst von uns allen am wenigsten dafür. Schade ist es nur, dass ich dafür meinen Traumjob opfern musste, aber meinen Traummann behalten durfte«, sagte Andy und legte einen Arm um meine Hüfte.
»Ich habe es nicht verstanden, wieso du gekündigt hast. Seit ich dich ausgebildet hatte, warst du immer einer der besten Leute gewesen. Bei Marco habe ich mich immer nach dir erkundigt, wie es dir geht und wie du dich machst, nachdem ich in den Ruhestand ging. Für mich warst du immer wie mein zweiter Sohn. Aber nach heute verstehe ich, warum. Würdest du vielleicht wieder zurückkommen?«
»Ist das dein Ernst? Steigst du dann auch wieder mit ein?«, platzte Andy fast vor Freude.

»Oh Gott, Junge, nein. Ich genieße meinen Ruhestand, aber ich bräuchte jemanden, der das Büro für mich leitet. Mein werter Sohn wird es von da aus, wo er jetzt hingeht, nicht mehr können.«
Andy bekam kein Wort heraus, sondern sah nur abwechselnd zu Holger und zu mir.
»Jetzt sag schon endlich zu«, meinte ich und gab ihm einen Schubs.
»Ja, sobald ich bei der Post gekündigt habe.«
»Das höre ich gern. Sobald du kannst, melde dich einfach bei Anne. Ich lasse alle Verträge schnellstmöglich anfertigen, und als allererstes schickst du mir bitte alle Namen von den Betroffenen. Ich werde mich darum kümmern, dass sie eine angemessene Abfindung erhalten. Es macht das Geschehene nicht wieder gut, aber sie haben es verdient. Das gilt auch für dich.«
»Danke Holger, das ist sehr großzügig von dir, und ich verspreche, so schnell es geht, den Posten anzutreten.«
Damit war alles geklärt und wir verabschiedeten uns. Andy war überglücklich, schlang seine Arme um mich und gab mir einen langen Kuss. Das musste anscheinend unser Glückstag sein.

Andy bekam es so geregelt, das er schon eine Woche später seinen Posten in der Agentur antreten konnte. Allein sein Grundgehalt, das ihm Holger zahlen würde, war immens, aber dass er ihn sogar mit dreißig Prozent am Gewinn beteiligen wollte, sprengte alles. Von so einem Gehalt hätte ich nur träumen können, aber dafür hatte er nun auch einiges mehr an Verantwortung. Flo legte dazu noch einen grandiosen Abschluss hin und mein Chef beschloss, ihn weiterhin in der Firma zu beschäftigen, was auch mich riesig freute. Somit blieb alles beim Alten.

Ein unvergesslicher Geburtstag 

Die Jahre vergingen und mein dreißigster Geburtstag stand vor der Tür. Mich störte die Zahl absolut nicht, denn ich hätte glücklicher nicht sein können. Mit Flo, meinem Traummann, und seinen Eltern hatte ich meine eigene, kleine, perfekte Familie. Es fehlte uns an nichts und dank Andys Gewinnbeteiligung war das Haus sogar so gut wie abbezahlt. Die ganze Woche über machte mein Schatz schon Andeutungen, dass er für meinen Geburtstag am Samstag etwas Großes geplant hätte. Jedoch ließ er mich im Dunkeln tappen. Ich bekam einfach nichts aus ihm heraus, dabei habe ich ihnen extra gesagt, dass sie mir nichts schenken sollten.

Der Samstag begann schon ungewöhnlich. Bisher weckten wir uns immer gegenseitig und es wurde ein heißer Start in den Tag, aber genau an diesem Tag war Andy ohne mich aufgestanden. Also ging ich allein duschen und ging nach unten, wo mich Flo schon erwartete.
»Happy Birthday, alter Sack«, gratulierte er mir freudestrahlend, umarmte mich und überreichte mir einen Muffin mit einer brennenden Kerze.
»Das merke ich mir. Mal sehen, wie es dir schmeckt, wenn du dich von der Zwanzig verabschiedest. Aber danke dir. Wo ist dein Dad?«, brannte es mir auf der Zunge.
»Der musste leider früh ins Büro. Irgendein Notfall. Sorry Noah, aber ich soll dich bei Laune halten, bis er fertig ist«, erklärte er, und ein wenig enttäuscht war ich schon, aber gut, es kam öfter einmal vor, dass er am Samstag kurz in die Agentur musste. Normalerweise dauerte es auch nicht lange.
»Also bekomme ich heute von dir den Guten-Morgen-Sex. Bist lieber aktiv oder passiv?«, revanchierte ich mich für seinen alten Sack, ging einen Schritt auf ihn zu und sein Blick war unbezahlbar.
»Bah, Alter, Pfoten weg. Dafür bin ich nicht zuständig«, plärrte er und ich konnte mich vor Lachen nicht halten.
»Zieh dich lieber an und pack dir Badeklamotten ein. Dann können wir los«, bekam ich schnell die Anweisung.

Dank des Hinweises konnte ich mir schon denken, wohin uns unsere Reise führte. Flo hatte mittlerweile ein eigenes Auto und ich konnte mich auf der Fahrt entspannt zurücklehnen. Wie erwartet fuhren wir ans Meer, doch womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass wir am Parkplatz auf Andys Eltern trafen. Allein das war schon eine schöne Überraschung und sie überreichten mir einen liebevoll gepackten Picknickkorb. Auch seine Eltern wollten wissen, wo ihr Sohn steckte, und Flo erklärte ihnen das Gleiche wie mir. Es war ein sehr schöner Nachmittag am Meer, doch je später es wurde, desto mehr fragte ich mich, wann Andy endlich dazustoßen würde. Auf meine Nachrichten reagierte er nicht und langsam machte ich mir sogar Sorgen.

»Dad ist bald da. Wir sollten uns langsam umziehen«, meinte Flo und warf mir einen Rucksack zu.
»Was soll ich damit? Kommt er nicht hierher?«, fragte ich verwirrt.
»Nein, wir treffen uns gleich beim Restaurant, und da kannst du ja schlecht mit Badeklamotten auftauchen«, sagte er nur und war schon selbst auf dem Weg zur Umkleide.

Ich ergab mich meinem Schicksal und folgte ihm. Das grüne Hemd schien mich zu verfolgen, denn es war das Erste, was ich erblickte, als ich den Rucksack öffnete, und auch die kurze Leinenhose kam mir bekannt vor. Nur die weißen Sneaker waren neu. So zogen wir uns um und in der Zwischenzeit hatten Andys Eltern alles zusammengepackt. Wir brachten die Sachen ins Auto und in der Zwischenzeit wechselten sie ihre Kleidung.

»Aus dem Ganzen hättet ihr aber nicht so ein Geheimnis machen müssen«, meinte ich, als wir alle an den Autos versammelt waren.
»Warum? Ist doch schöner, überrascht zu werden. Mit meinen Großeltern hättest du niemals gerechnet«, sagte Flo.
»Stimmt schon, aber können wir jetzt bitte losfahren?«
»Meine Fresse, bist du ungeduldig, aber meinetwegen«, meinte Flo, tippte noch etwas auf seinem Handy und wir machten uns auf den Weg.

Natürlich war es das Restaurant von unserem ersten Date, und ich konnte Andy schon davorstehen sehen, als wir auf den Parkplatz fuhren. Sobald der Wagen stand, sprang ich auch schon aus der Tür, rannte meinem Schatz entgegen und sprang in seine Arme.
»Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz«, gratulierte er mir, als wir unseren Kuss lösten.
»Wo warst du so lange? Ich habe mir echt Sorgen gemacht, weil du nicht zurückgeschrieben hast«, beschwerte ich mich bei ihm.
»Sorry, ich hatte einiges vorzubereiten und mein Handy im Auto liegenlassen«, entschuldigte er sich, und ich war einfach nur glücklich, dass er endlich da war.
»Komm, lass uns reingehen«, meinte er, und wir betraten das Restaurant.

Von außen hätte ich wetten können, dass es geschlossen war. Bis auf unsere Autos war der Parkplatz leer und auch im Innenraum war bis auf das Personal keine Menschenseele. Schon das kam mir seltsam vor. Dafür stand heute nur ein großer Tisch auf der Terrasse. Er war wunderschön gedeckt. Darum waren Blumen mit Kerzen arrangiert und ich war überwältigt.
»Ich hoffe, es gefällt dir«, sagte mein Schatz, und ich war sprachlos.
»Danke«, brachte ich nur zustande und fiel ihm um den Hals.
Das war das Schönste, was jemals jemand für mich getan hatte, und der Grund, wieso Andy heute schon so früh aufgebrochen war. Nur um das alles hier zu arrangieren. Für mich!
Allein das Menü, welches er für uns ausgesucht hatte, schmeckte himmlisch. Sogar eine Torte bekam ich zum Nachtisch.

»Danke für diesen wundervollen Abend und die schönen Überraschungen«, bedankte ich mich in die Runde, aber vor allem bei meinem Schatz.
»Für dich würde ich alles tun, nur um dich glücklich zu machen«, meinte er und hielt meine Hand.
»Glaub mir, glücklicher könnte ich nicht mehr sein. Allein schon wegen dir.«
»Na dann«, sagte Andy, stand auf, drehte meinen Stuhl und ging vor mir auf die Knie.
»Ich liebe dich seit dem ersten Mal, als wir in diesem Restaurant waren, und möchte seitdem keinen Tag mehr ohne dich verbringen. Noah, willst du mich heiraten?«, fragte er mich ganz offiziell.
Er holte bei seiner Rede ein kleines Kästchen aus seiner Hosentasche und präsentierte mir den Ring darin.

Mein »Ja« kam ohne Zögern oder nur einen Funken darüber nachzudenken aus meinem Mund, denn mir ging es ja nicht anders als ihm.
Bei unserem Kuss hatten wir beide vor Freude Tränen in den Augen.
»Siehst‘, Oma, ich wusste, dass er ›Ja‹ sagt«, meldete sich Flo zu Wort.
»Ihr wusstet alle davon?«, fragte ich in die Runde, als wir von allen euphorisch umarmt wurden. Selbst das Personal hat für uns applaudiert.
»Na sicher, sonst hätten wir dich den Tag über nicht so lange hinhalten können, bis Dad fertig ist«, sagte Flo stolz, weil der Plan aufgegangen war.  

Ein Jahr darauf fand auch in genau diesem Restaurant unsere Hochzeit statt. Sie war recht unspektakulär, weil uns bei der Planung auffiel, dass wir so viele Freunde gar nicht hatten, die wir einladen konnten. Sicher, Arbeitskollegen gab es einige, aber keinen, den wir wirklich dabeihaben wollten. Unsere Gesellschaft bestand so nur aus Andys Eltern, Flo, Sören, Matthias, Anne mit ihrem Mann. Holger haben wir auch mit seiner Frau eingeladen, weil wir dank Andys neuer Position schon ein engeres Verhältnis zu ihnen geknüpft hatten. Es zählte für uns nicht die Menge, sondern die Tatsache, dass wir einen Bund schließen. Für uns wurde der Tag auch so unvergesslich und wunderschön.
»Jetzt bist du letztendlich doch mein Dad, auch wenn du es nicht hören magst«, konnte sich Flo einfach nicht in seiner Ansprache verkneifen und brachte damit alle zum Lachen.

Ab dem Zeitpunkt trug ich Andys Nachnamen und für mich hatte es etwas Befreiendes, meinen abzulegen. Die Bürokratie und Rennerei auf die Ämter nervten zwar, aber auch das war schnell erledigt. Den Vogel hatte aber meine Personalchefin abgeschossen, als ich bei ihr im Büro stand und mitteilte, dass sich mein Nachname geändert hatte.
»Na, das hatten wir auch noch nie«, sagte sie, als ich ihr meinen neuen Meldezettel übergab.
»Was meinst du? Dass jemand heiratet?«, fragte ich verwundert.
»Das nicht, aber du und Florian. Ich mein, die Gerüchteküche hat um euch schon lange gebrodelt, erst recht, als ihr zusammengezogen seid, aber meine Glückwünsche, dass ihr den Schritt gewagt habt«, gratulierte sie mir euphorisch, und ich brach in Gelächter aus.
»So, die Gerüchteküche, verstehe. Ich bin mit seinem Dad verheiratet und nicht mit Flo«, klärte ich sie auf, und es war ihr ein wenig unangenehm.

Unser Glück war komplett, und auch wenn Flo kurz nach unserer Hochzeit sich eine eigene Bude suchte, behielten wir unser enges Verhältnis. Miriam blieb an seiner Seite und die beiden kommen uns oft besuchen. Manchmal lohnte es sich doch, jemandem eine zweite Chance zu geben. Bis heute habe ich es keinen Tag bereut.

ENDE

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4 Kommentare zu „Ein Sprung ins kalte Wasser“

  1. Hatte die ersten Teile bei mfm gelesen und habe den Rest hier in einem Rutsch „inhaliert“. Das ist ganz grosses Kino und verdient für jedes einzelne Wort jeweils 5 Sterne.

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