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Ein Blick hinter den Vorhang

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Manchmal zählt nicht der erste Eindruck…

Pascal hatte einen Traum, doch leider scheiterte er schon bei der Aufnahmeprüfung. Doch dann geriet er mit Leon und seiner Truppe aneinander.

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74–111 Minuten
Vorhang auf – Jetzt komme ich!

»Och ne, Pascal, schau, da kommen die schon wieder«, sagte mir meine Freundin Rebecca, als die angehenden Musicalsternchen die Bar betraten. Uns wurde schnell klar – jetzt würde der Abend wieder bergab gehen, bis wir den Heimweg antraten. Wie jeden Samstag trafen wir uns in der Karaoke-Bar in der Innenstadt. Klar hätte ich meine Zeit auch in einem Szeneschuppen verbringen und mir jemanden aufreißen können, aber ich verbrachte die Zeit lieber mit meiner besten Freundin genau hier. Wir sangen gerne und hatten einfach unseren Spaß daran. Sicher, wenn ich davon jemandem erzählte, wurde es gleich als Klischee betitelt, dass ein schwuler Kerl gerne sang und auf Musicals stand. Aber wenn schon, selbst trauten sie sich nicht auf die Bühne und gaben ihr Bestes. Also Klappe halten.

Wir fanden in unserer Stammbar auch immer schnell Anschluss an andere Begeisterte und verbrachten einen großartigen Abend. Manchmal ging es auch bis in die frühen Morgenstunden. Die Gemeinschaft hier war super. Es zählte der Spaß und nicht, wie perfekt man an das Original herankam. Leider änderte sich dies vor ein paar Monaten. Die Studenten der Musical Academy sind auf unseren Laden aufmerksam geworden und kamen seitdem jeden Samstag. Sollte eigentlich nichts Schlimmes dran sein, aber von wegen. Es waren alles hochnäsige, eingebildete Idioten. Nur sie waren in ihren Augen die Besten. Alle anderen fingen sie so lange an auszubuhen und auszulachen, bis sich keiner mehr in die Nähe der Bühne traute.

Angeführt wurde ihre zwölfköpfige Truppe von Leon, einem zwanzigjährigen, hochnäsigen Arschloch. Ja, er hatte eine verdammt schöne Stimme und sah dazu auch noch heiß aus. Ich weiß nicht, was die in der Academy mit ihren Studenten anstellten, aber einige davon sahen aus wie Models. Gerade eher mit seinem blonden, perfekt frisierten Undercut, seinen blauen Augen, dem stylischen Bart und seinem Wahnsinnslächeln. Doch umso besser er aussah, desto hässlicher war sein Charakter.

Schon bei ihrem zweiten Besuch bin ich aufs Heftigste mit ihm aneinandergeraten, weil seine Gruppe auf Rebecca losging. Da sind mir einfach alle Sicherungen geplatzt und am liebsten hätte ich ihm seine hübsche Visage poliert. Für den Anfang beließ ich es aber bei ein paar derben Beschimpfungen gegen ihn und seine Leute. Ich hätte damit rechnen können, dass die Lackaffen sich auf der Stelle um mich versammelten und ich nun Ziel ihrer Beleidigungen wurde.

Futter dafür gaben ihnen meine sehr tiefe Sprechstimme und dass ich es bisher vermieden hatte, vor ihnen aufzutreten. Sie betitelten mich direkt als Niemand. Wunderten sich, was jemand wie ich in einer Karaoke-Bar zu suchen hatte. Erst als mich Leon gehässig als Straßenköter betitelte, landete aus Versehen mein Drink in seinem Gesicht und über seinen Klamotten. Ich fand den begossenen Pudel-Look witzig, aber er leider nicht und wollte auf mich losgehen. Dabei rannte er ungünstig in meine Faust und kassierte sich ein blaues Auge. Bevor seine Anhänger auf mich losgehen, konnte sich der Barbesitzer einmischen. Da wir uns mittlerweile gut kannten, bat er mich, die Bar für heute zu verlassen. Er mochte das Verhalten der Truppe selbst nicht, aber eine Schlägerei wollte er auch nicht in seinem Lokal haben. Verständlich.

Insgeheim hoffte ich ja, dass sie nach dem Vorfall nicht mehr auftauchen würden oder sich wenigstens zusammenreißen, aber Fehlanzeige. Sie kamen trotzdem wieder, so auch an diesem Samstag. Pünktlich betraten sie die Bar und versauten schnell wieder die Stimmung. Ich störte mich schon nicht mehr an den Blicken, welche sie mir zuwarfen, nachdem sie mich entdeckten. Statt aber wieder meine Fäuste sprechen zu lassen, fingen wir sie stattdessen an auszubuhen und sogar ein paar andere Stammgäste stiegen mit ein. Das passte ihnen so gar nicht, aber selbst das war kein Grund für sie, zu verschwinden. Dafür kratzte es ganz schön an ihrem Ego. Sie sangen dafür nur noch öfter und lauter.

Mich nervte ihr Verhalten dermaßen und ich wollte nur, dass sie allemal verschwinden. So blöd es klang, aber es war unsere Bar und wir wollten wieder unseren Spaß ohne diese Trottel haben.

»Hey Becca, was hältst du eigentlich davon, dass wir diesem Fatzken mal eine Lektion erteilen?«, fragte ich meine Freundin und erklärte ihr meinen Plan.

»Abgemacht!«, sagte sie begeistert und ich ging zu unserer Lieblingstruppe herüber.

»Schau mal, Leon, da ist dein Fanboy wieder. Kannst wohl nicht genug von ihm bekommen, was, du Straßenköter?«, trällerte die brünette Schönheit zu seiner Rechten und obwohl mein Auge bei dem Straßenköter leicht zuckte, riss ich mich zusammen. »Fanboy, das hätte er wohl gerne.«

»Was willst du? Mir wieder eine verpassen, fragte Leon lässig.

Tatsächlich hätte ich das sehr gerne, aber nicht heute.

»Nein ich will euch einen Deal vorschlagen. Jeder singt zwei Songs. Frei wählbar. Das Publikum entscheidet und der Verlierer verlässt die Bar«, sagte ich und alle fingen an zu lachen.

»Und wer soll unser Gegner sein? Du etwa? Dann könnt ihr auch gleich gehen«, wollte er überheblich wissen.

»Meine Freundin und ich«, machte ich ihm klar und seine Leute fingen noch lauter an zu lachen.

»Ha, wenn ihr die Blamage unbedingt wollt. Das wird ein Kinderspiel«, wiegte sich Leon in Sicherheit, doch sie würden ihr blaues Wunder erleben.

Wir einigten uns darauf, dass sie gerne starten durften, und wie erwartet suchten sie sich nur zwei Balladen raus, damit sie richtig glänzen konnten. Der Applaus war gut, aber verhalten, obwohl die Bar um diese Zeit randvoll war. Niemand der Gäste wusste von unserem kleinen Wettstreit, damit es unparteiisch blieb. Jetzt waren Becca und ich dran. Bisher hatten sie nur Becca einmal singen gehört. Statt eine Ballade zu singen, starten wir mit „Bad Romance“ und das kam schon gut bei den Leuten an. Mit „Raise Your Glass“ setzten wir noch einen drauf. Unsere Stimmen harmonierten gut miteinander und den Idioten standen die Mäuler offen, aber der Rest tanzte und unser Applaus übertraf den von Leons Leuten um ein Vielfaches.

Es war eine Genugtuung, sie zurechtzuweisen, weshalb ich auch mit einem fetten Grinsen zu ihnen herüberging.

»Ich würde sagen ihr habt verloren, also verzieht euch«, rieb ich ihnen unter die Nase und Leon baute sich vor mir auf.

»Das war nicht fair. Ihr habt keine Balladen gesungen.«

Ich konnte nicht anders und fing an zu lachen.

»Wer bitte hat etwas von Balladen gesagt? Ihr hattet die freie Auswahl und seid auf Nummer sicher gegangen. War aber klar, dass ihr schlechte Verlierer seid.«

Bei meiner letzten Aussage verringerte er den Abstand zwischen uns und baute sich noch mehr auf. Er sah richtig wütend aus.

»Was jetzt? Willst du mir verpassen? Du weißt, wie das ausgeht«, gab ich ihm zu bedenken, bevor er etwas dummes tat.

»Ich will eine Revenge!«, platzte es stattdessen aus ihm heraus.

»Von mir aus, du willst eine Ballade? Bitte. „Dream On“. Nacheinander. Du legst vor und wenn ich gewinne, verschwindet ihr endlich!«, sagte ich ihm meine Hand entgegenstreckend. 

Als er einschlug, wusste ich, dass dies sein Untergang war.

Seine Stimmrange kannte ich jetzt bereits, aber er leider nicht meine. Ich hatte jahrelang Gesangsunterricht und habe mich selbst dieses Jahr um ein Stipendium bei der Akademie beworben. Leider bekam es jemand anderes und ich wollte mich nicht hoch verschulden, um mir die Ausbildung zu finanzieren. Er fing an und die ersten Töne traf er mit Leichtigkeit, aber bei den Hohen hatte er wie erwartet keine Chance und sang sie gleich eine Oktave tiefer.

»Den hast du sowas von in der Tasche«, grinste mich Becca schon schief von der Seite an.

Ich will nicht angeben, aber das hatte ich wirklich, und nachdem das Publikum mich zum Sieger kürte, verließen sie ohne ein Wort die Bar. Die Stimmung wurde sofort besser und die anderen Gäste trauten sich auch wieder auf die Bühne. Sogar der Barbesitzer spendierte uns den Abend ein Getränk nach dem anderen. Wir hatten die ganze Nacht gefeiert und alle hatten wieder ihren Spaß.

Warum mich das »Straßenköter« dieser Truppe so leicht aus der Fassung brachte, war einfach. In gewisser Hinsicht war ich einer. Unter der Woche hielt ich mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ich hatte damals zwar eine Ausbildung begonnen, aber als mein Chef herausfand, dass ich auf Kerle stand, hatte er mich im dritten Lehrjahr angefangen zu belästigen. Ich fand ihn widerlich, ging nicht auf seine Angebote ein und er fing an, mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich sah keinen anderen Ausweg, als die Ausbildung abzubrechen. Danach war es schwierig, wieder eine neue Ausbildung zu finden. Also lieferte ich mit dem Fahrrad Essen aus oder erledigte sonstige Botengänge und ging nebenbei Regale im Supermarkt einräumen. So konnte ich mir wenigstens ein Dach über dem Kopf finanzieren und saß nicht auf der Straße. Der wenige Rest ging für Essen drauf und in der Bar lud mich meist Becca auf ein Getränk ein, sonst hätte ich es mir nicht leisten können. Kurzum, mein Leben war sehr einfach, aber ich beschwerte mich nicht.

Eltern gab es auch keine, die mich unterstützen könnten. Ich weiß nicht einmal, wer sie sind, und kann mich auch nicht an sie erinnern. Ich wuchs in Pflegeeinrichtungen auf und mit achtzehn wurde ich aus dem betreuten Wohnen entlassen und war seitdem auf mich allein gestellt. Die Akademie war immer mein Traum gewesen und auch wenn ich es dieses Jahr nicht geschafft hatte, würde ich es nächstes Jahr noch einmal versuchen.

Nach einer harten Woche freute ich mich riesig auf die Samstage und nach ihrer Niederlage traf ich mich voller Vorfreude mit Becca in der Bar. Es war mein Highlight der Woche und tatsächlich schienen sie zumindest an dem Tag fernzubleiben. Als ich von der Toilette wiederkam, stand Leon bei Rebecca und unterhielt sich mit ihr.

»Was wollte der von ihr und wo war sein ganzer Anhang?«, fragte ich mich selbst.

Er hatte mich nicht kommen sehen. Ich stellte mich hinter ihn und verschränkte die Arme.

»Willst du dich nochmal blamieren oder was willst du hier?«, grollte ich.

Er zuckte vor Schreck zusammen und drehte sich um. Hätten Blicke töten können, wäre ich auf der Stelle umgefallen.

»Ich soll dir mitteilen, dass du am Montag um zehn im Büro der Akademie erscheinen sollst. Du Idiot hältst es nicht mal für nötig, an dein beschissenes Handy zu gehen«, blaffte er und verschwand auf der Stelle.

Ich konnte mit seiner Information nichts anfangen. Was bitte sollte die Akademie von mir wollen? Es war auch kein Wunder, dass sie mich nicht erreichen konnten, denn ich musste meinen Vertrag kündigen und besaß die Nummer schon lange nicht mehr. Ich sprach den ganzen Abend mit Rebecca darüber, was sie von mir wollen würden, aber sie meinte, ich sollte einfach hingehen und dann wüsste ich es. Was hatte ich schon groß zu verlieren? Sie hatte recht und so stand ich nun um kurz vor zehn vor dem Büro der Direktorin. Nur war ich dieses Mal nicht aufgeregt, ob ich das Stipendium erhalten würde, sondern unsicher, wieso ich diesmal antanzen sollte.

Pünktlich um zehn ging die Tür auf und sie bat mich herein. Nach einer kurzen Begrüßung legte sie direkt los.

»Sie fragen sich sicher, wieso ich sie herbestellen ließ. Ich habe leider auch nicht viel Zeit und mache es kurz. Mir wurden Videos von Ihnen gezeigt und ich habe sie sofort wiedererkannt. Mit diesem Auftritt hätten Sie damals das Stipendium in der Tasche gehabt. Ihnen fehlten nur drei Punkte. Aber egal, ich habe mit dem Aufsichtsrat gesprochen. Wenn Sie Interesse haben, würden wir Ihnen gerne einen Platz anbieten. Sie würden noch im diesjährigen Jahrgang starten, aber hätten eine Menge nachzuholen. Falls Sie sich das zutrauen, werden alle Kosten samt Verpflegung und Unterbringung von uns übernommen. Sie könnten sogar gleich morgen starten. Was sagen sie dazu?«

Ich bin nicht auf den Mund gefallen, aber das verschlug selbst mir die Sprache. Sie schob mir einen Vertrag herüber und sah mich fragend an.

»Sie meinen das wirklich ernst?«, presste ich heraus, aber sie nickte nur.

»Sie müssen nur hier unterschreiben und sich danach bei der Anmeldung melden.« Natürlich unterschrieb ich und stand kurz darauf fassungslos vor ihrem Büro. Bevor ich zur Anmeldung ging, schrieb ich noch schnell Rebecca, was gerade passiert war. Schon machte ich mich auf den Weg. Die Direktorin musste damit gerechnet haben, dass ich zusage, denn die Dame an der Anmeldung überreichte mir direkt einen Umschlag.

»Ihr Zimmerpartner hat die gleichen Kurse wie sie. Er wird ihnen alles zeigen. Herzlich willkommen bei uns und viel Spaß bei Ihrer Ausbildung«, gab sie mir mit auf den Weg.

Ich konnte mein Glück nicht fassen. Ich musste jetzt schnellstmöglich meine Klamotten packen und war zum ersten Mal froh, dass ich nicht viel besaß. Es passte alles in eine große Reisetasche. Meine Vermieterin war auch so eine kleine nette Frau, mit der ich sehr gut zurechtkam. Sie verlangte nicht einmal, dass ich weiter die Miete zahlen musste, und gab mir sogar einen Teil vom jetzigen Monat wieder. Für den Start meines neuen Lebens, meinte sie, bevor sie mir noch viel Glück wünschte. So fing ich an, meine Sachen zu packen, und brachte den winzigen Raum wieder in den Zustand, wie ich ihn damals bezogen hatte. Auch Rebecca rief mich zwischendrin an, kreischte mir ins Ohr und drohte mir, ja nicht so ein Arschloch wie die anderen zu werden. Da brauchte sie aber keine Sorge zu machen.

Am späteren Nachmittag machte ich mich mit der Reisetasche bepackt und meinem Fahrrad auf den Weg zur Akademie. Mein Fahrrad vertaut, begab ich mich auf die Suche nach meinem neuen Zimmer und wurde auch recht schnell fündig. Ich begegnete auch einigen Studenten auf dem Weg, die mich musterten und anfingen zu tuscheln, als sie an mir vorbeigingen. Da stand ich schon seit Jahren drüber und es störte mich nicht. Bevor ich mich aber weiter umsah, wollte ich zunächst die Tasche loswerden und schloss die Zimmertür auf. Den Schlüssel dafür fand ich in meinem Umschlag, doch kaum war ich zur Tür rein, wollte ich es am liebsten rückwärts wieder verlassen. Auf einem der Betten vor mir lag Leon und blickte finster von seinem Handy auf, als er mich sah.

»Das ist jetzt nicht deren Ernst. Ausgerechnet mit dir muss ich mir ein Zimmer teilen?«, platzte es aus mir heraus.

Aber klar, irgendeinen Haken musste es ja wieder geben. Jeder wäre mir lieber gewesen.

»Halt’s Maul, ich könnte mir auch was Besseres vorstellen. Es gibt gleich Abendessen. Im Schrank findest du Klamotten. Zieh dich um, denn so lasse ich mich nicht mit dir blicken«, blaffte er mich in seinem typischen Ton an.

»Wichser«, dachte ich mir, aber fand tatsächlich im Schrank Sachen von der Akademie.

Ich genierte mich nicht und zog mich einfach vor ihm aus und schlüpfte in die Sachen. Meine Klamotten waren meist immer ein bis zwei Nummern zu groß, doch es waren die besten, die ich in dem günstigen Second-Hand-Shop finden konnte. Diese saßen dafür perfekt und betonten sogar meinen Körper. Durch das ganze Radfahren war ich gut in Form gewesen und die Natur hat mich auch gut bestückt. Es sah zwar gut aus, aber ich fühlte mich fremd in diesen Sachen.

»Sag mal, müssen die Klamotten so eng sein oder gibt’s die auch eine Nummer größer?«, fragte ich Leon, der wieder von seinem Handy aufsah und anfing, mich zu mustern.

»Nein. Warte, bis du die Ballettkleidung anziehst, die ist noch enger. Können wir jetzt endlich? Ich habe Hunger«, meinte er, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte.

Wir gingen durch die Akademie und auf dem Weg zum Speisesaal zeigte er mir noch andere Räume, welche auf unserem Weg lagen. Ich war sogar froh, als er mich einfach links liegen ließ, als wir unser Ziel erreicht hatten. Das Essensangebot hier war der Wahnsinn. Die Auswahl war so umfangreich, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte. Nur wollte ich es auch nicht übertreiben und entschied mich für die Lasagne.

Nachdem ich mein Essen bekam, wurde ich von ein paar Leuten an den Tisch gewunken. Ich befürchtete, dass sie genauso drauf waren wie die Gruppe aus der Bar, aber es stellte sich heraus, dass sie alle sehr freundlich waren. Sie gingen alle in meine Stufe und kannten auch die Videos, weswegen ich jetzt hier saß und sie mich über mich ausfragten. Sogar wegen Leon wurde ich bemitleidet. Sie mochten ihn von Anfang an nicht, da er sich immer in den Mittelpunkt drängte und sein Talent zwar groß, aber sein Auftreten die reinste Katastrophe war. Ich erfuhr dabei auch, dass er es war, der mein Stipendium damals ergattert hatte. Da verstand ich noch weniger, wieso man sich wie ein Großkotz aufführen musste. Aber ich war beruhigt und glaubte, mir könnte es hier tatsächlich gut gefallen.

Nach dem Essen unterhielt ich mich noch lange mit meinen neuen Studienkollegen. Ich wollte genau wissen, was gerade anstand und worauf ich mich einstellen musste. Eine von ihnen, Manuela, erklärte sich auch bereit, mich an Leons Stelle unter ihre Fittiche zu nehmen und mich zu den Kursen zu begleiten. Dafür war ich verdammt dankbar, denn ich hatte sowieso keine Lust auf diesen Idioten. So beschränkte es sich darauf, dass wir nur das Nötigste miteinander kommunizieren mussten und eben gemeinsam in einem Zimmer schliefen.

Nach einem Monat hatte ich mich auch sehr gut dort eingelebt. Die Kurse machten mir Spaß und das Vergangene aufzuholen war gar nicht so schlimm. Nach den Kursen ging ich trotzdem noch weiter Essen ausliefern, einfach um mir etwas nebenbei zu verdienen. Jetzt konnte ich Rebecca wenigstens auch mal einladen, wenn wir uns am Wochenende trafen. In der Schule hing ich meist mit Manuela und ihren Freundinnen ab. Sie hatte tatsächlich versucht, sich an mich ranzumachen, aber als ich ihr erklärte, dass ich mit Frauen nichts am Hut hatte, wurde ich für sie zum „Projekt“. Besser gesagt für die ganze Gruppe.

Sie lagen mir damit in den Ohren, dass sie gerne ein berüchtigtes Make-over an mir veranstalten wollten. Bisher fehlte mir dafür immer das nötige Geld, aber jetzt hatte ich ein wenig und ließ mich schließlich überreden. So kam es dazu, dass wir uns einen gesamten Samstag dafür Zeit nahmen. Somit gingen wir alle gemeinsam in die Innenstadt. Ich nannte ihnen mein Budget, was ich für Klamotten zum Ausgeben bereit war, und sie legten los. Meine einzige Aufgabe bestand nur darin, in der Umkleidekabine zu warten und die Sachen anzuprobieren, welche sie für mich anschleppten.

Leider musste ich gestehen, dass es mir sogar richtig Spaß machte, wie engagiert die Mädels dabei waren. Sie hatten Geschmack und ich konnte mich gar nicht entscheiden, was ich nehmen sollte. Irgendwie gefiel mir alles. Vielleicht lag es auch daran, zum ersten Mal keine gebrauchten, ausgewaschenen Klamotten zu kaufen. Es half nichts und ich ließ die Mädels die Auswahl treffen. Manuela brachte mir auch eine Lederjacke und, fuck, stand die mir gut. Darin fand ich mich selbst heiß, aber zweihundert Euro wollte ich dafür nicht ausgeben. Am Ende hatte ich drei neue Outfits im Korb und holte mir endlich neue enge Boxershorts, denn meine waren reif für die Mülltonne.

Danach ging es gleich weiter zum Friseur. Ich selbst trug meine braunen langen Haare immer als Pferdeschwanz zusammengebunden. Ich mochte sie nicht, aber so standen sie wenigstens nicht in alle Himmelsrichtungen ab und ich war morgens schnell fertig. Meine Augenbrauen und mein Bart konnten auch nicht als gepflegt bezeichnet werden. Wir gingen in einen kleinen netten Laden in einer Seitenstraße und Manuela umarmte die Frau hinter dem Tresen. Es stellte sich heraus, dass es ihre große Schwester war und sie es war, die sich um mich kümmern sollte.

Ich sagte gleich zu Anfang, dass ich keine wirklichen Vorstellungen hatte und ihnen freien Spielraum ließ. Nur bloß keine Farbe, war meine einzige Bedingung. So fingen sie gleich an zu tuscheln und sich gegenseitig ihre Handys vor die Nase zu halten. Sie schienen sich einig zu sein und ich bekam den Befehl, mich auf den Stuhl zu setzen. Manuela hatte die glorreiche Idee, den Spiegel abzuhängen, damit ich nichts sehen konnte. Ich wusste nur so viel. Meine Haare wurden definitiv um einiges kürzer, denn mein Pferdeschwanz fiel als erstes der Schere zum Opfer und wurde wie ein Heiligtum präsentiert. Ich kam mir etwas vor wie in einer Folge von „Beauty & The Nerd“, nur ohne den „Beauty“ an meiner Seite. So schloss ich einfach die Augen und ließ sie machen.

Als ich fast fertig war, kramte mir Manuela noch ein Outfit heraus und ich sollte mich hinten umziehen gehen. Sicher wollte ich ihnen auch diesen Spaß gönnen, war aber selbst neugierig und versuchte irgendwie, einen Blick zu erhaschen. Doch bei den Weibern keine Chance. Selbst im kleinen Aufenthaltsraum war nirgends ein Spiegel, also zog ich mich schnell um. Da war nun der große Moment gekommen und als der Spiegel enthüllt wurde, war ich selbst überrascht. Der Kerl sah mir nicht mehr ähnlich. Ihre Schwester hatte mir einen „Short Textured Quiff“ verpasst. So nannte sie es zumindest. Meine Augenbrauen hatten eine Form und auch meinen Bart haben sie sehr gekürzt und in Form gebracht.

Ihr „Make-over“ hat mich umgehauen. Dass ich mal so aussehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Ich war so fasziniert, dass ich nicht mitbekam, dass Manuela neben mir stand.

»Los, die musst du auch noch anziehen«, sagte sie und hielt mir eine Tüte hin. Als ich sie öffnete, war darin die teure Lederjacke. Ich blickte sie deswegen nur ungläubig an und wollte ihr die Tüte wiedergeben, aber sie holte nur die Jacke raus und riss das Preisschild ab.

»Das ist ein Geschenk von uns allen. Du sahst darin einfach so sexy aus. Mach schon, zieh sie an«, sagte sie und hielt sie mir schon zum Reinschlüpfen bereit.

Die Geste überforderte mich etwas, aber blieb mir eine andere Wahl? Also zog ich sie an und sah in den Spiegel. Sie hatte recht. Ich sah jetzt selbst aus, als wäre ich aus einer Modezeitschrift entsprungen. Ich bedankte mich bei allen und nahm die Jacke nur an, wenn ich sie dafür heute Abend alle in der Bar auf einen Drink einladen durfte. Damit waren sie mehr als einverstanden und ich bezahlte noch schnell bei ihrer Schwester, bevor wir zurück zur Academy gingen. Dort angekommen machten wir uns für eine Stunde später einen Treffpunkt aus und jeder ging sich für den Abend fertig machen.

Ich für meinen Teil wollte nur schnell die neuen Sachen ins Zimmer bringen und danach mir in der Cafeteria noch in Ruhe einen Kaffee gönnen. Leider war Leon nicht unterwegs und lag wieder in seinem Handy vertieft auf seinem Bett, als ich ins Zimmer kam. Ich würdigte ihn keines Blickes und verstaute die Klamotten im Schrank.

»Falsches Zimmer, Bro«, meinte er plötzlich.

Anscheinend hatte der Idiot mich in den neuen Klamotten nicht erkannt.

»Nein, leider das Richtige, wenn du Affe hier drinnen rumlungerst«, sagte ich und wandte mich ihm zu.

Sein Blick war Gold wert, als er kapierte, dass ich vor ihm stand. Ich hatte Angst, dass ihm gleich die Augen rausfielen, so hatte er gestarrt. Doch statt auf einen dämlichen Kommentar von ihm zu warten, warf ich nur die letzte Tüte in den Schrank und verließ das Zimmer.

Ich machte mir keinen Kopf über seine seltsame Reaktion, da ich viel zu aufgeregt war, was Rebecca zu meinem neuen Auftreten sagen wird. Nacheinander kamen auch die Mädels in die Cafeteria und als wir vollzählig waren, machten wir uns auf den Weg.

Als wir hineingingen, sah mich Becca auch an, aber winkte nicht direkt wie sonst, sondern sah wieder zurück auf den Tisch. Wir gingen zu ihr herüber, bis ich neben ihr stand.

»Sag mal, habe ich mich so stark verändert, dass selbst du mich nicht erkennst?«, wollte ich von ihr wissen, woraufhin sie genau den gleichen Gesichtsausdruck aufsetzte wie Leon vorhin.

»Pascal?«, fragte sie ungläubig und musterte mich.

»Die Mädels hier meinten, ich hätte mal eine Typveränderung nötig gehabt. Was sagst du?«, meinte ich grinsend und drehte mich.

»Einfach nur wow«, brachte sie heraus.

»Komm, sag schon, dass er verdammt sexy aussieht“, meldete sich nun Manuela zu Wort und Becca war nur imstande zu nicken.

Nach dem ersten Schock stelle ich ihr die Mädels vor und ich bestellte uns eine Runde Getränke. Die Stimmung war wie immer klasse und ich war so froh darüber, dass sich Becca mit den anderen sehr gut verstand.

Wir hatten alle unseren Spaß und meine Truppe behandelte alle anderen Gäste fair. Genau da ging die Tür auf und Leon kam mit seinen Anhängern hinein. Seit er mir die Mitteilung überbrachte, war er nie wieder hier aufgetaucht. Also, wieso gerade heute? Wenigstens hielten sie die Klappe und buhten niemanden aus. Er schaute immer wieder zu uns herüber und ich fragte mich langsam, was er damit bezwecken wollte. Doch da stand er auf und kam auf mich zu.

»Ich möchte noch ein Duell mit dir!«, sagte er zuversichtlich.

Ich verstand nicht, was das sollte, aber von mir aus sollte er eines bekommen.

»Ok, aber was habe ich davon?“, fragte ich ihn provokant.

»Wenn du gewinnst, lasse ich dich ein für alle Mal in Ruhe und suche einen Zimmerwechsel bei der Verwaltung an. Wenn ich gewinne, habe ich einen Wunsch bei dir frei«, war seine Antwort darauf.

Mir war egal, was er von mir wollte, aber die Aussicht, ihn loszuwerden, reizte mich sehr. Damit stand unser Deal und das Battle konnte beginnen.

Dieses Mal wollte er das Lied aussuchen. Nur jetzt wusste er, mit wem er sich anlegte, und wählte Weise. Hohe und tiefe Töne waren nicht mein Problem, aber die Mitte. Da verrutschte mir ab und zu etwas. Er legte mit Bravour vor und als ich an der Reihe war, hatte ich meine Schwierigkeiten. Er stand, während ich sang, dicht neben mir, so dass sich unsere Arme berührten. Dann legte er auch noch seinen Arm um mich und legte seine Hand auf meine Hüfte. Das irritierte mich so sehr, dass ich mich nicht richtig auf den Text konzentrieren konnte und mir Töne im Hals stecken blieben. Ich war fertig mit dem Song und sauer auf mich selbst, dass mich seine Berührungen so aus dem Konzept brachten. Natürlich hatte er gewonnen, aber im Gegensatz zu ihm war ich ein fairer Verlierer.

»Also, was ist dein Wunsch?«, fragte ich ihn zähneknirschend, als wir von der Bühne runter waren.

»Das wirst du noch früh genug erfahren«, meinte er grinsend und ging zurück zu seinen Leuten.

»Was war das denn?«, fragten mich meine Mädels, doch ich konnte ihnen keine konkrete Antwort geben. Ich wusste es selbst nicht.

Den restlichen Abend zerbrach ich mir den Kopf, was er wohl von mir verlangen würde. Seine Blicke waren dabei nicht sehr hilfreich. Ich war froh, als sie endlich die Bar verließen, und konnte noch ein wenig abschalten. Mir war aber bewusst, dass wir spätestens im Wohnheim wieder aufeinandertrafen. Hoffentlich würde er schon schlafen, wenn ich ins Zimmer kam. Ich versuchte, den Abend so lang es ging hinauszuzögern, aber um kurz vor zwei wollten dann alle endgültig aufbrechen. Ganz leise schlich ich mich ins Zimmer, aber Fehlanzeige. Leon lag auf seinem Bett und grinste mich triumphierend an. Im Mondlicht funkelten seine Augen wie die eines Raubtiers, das seine Beute fest im Blick behielt.

Ich hatte keine Lust mehr auf seine Spielchen.

»Also raus damit, was willst du nun von mir? Soll ich das Zimmer wechseln?«, wollte ich es endlich von ihm wissen.

Statt mir zu antworten, stand er auf und stellte sich provokant vor mich hin. So dicht, dass ich automatisch einen Schritt nach hinten machte und mit dem Rücken gegen die Zimmertür stieß. Er hatte nur seine Boxershorts an und sah mir direkt in die Augen.

»Ich will einen Kuss!«, sagte er nach einer gefühlten Ewigkeit.

»Das ist dein geheimnisvoller Wunsch? Ein einfacher Kuss?«, fragte ich ihn verwundert, denn den hätte er von mir aus direkt in der Bar haben können.

Klar mag ich ihn nicht, aber mein Gott, wir sind nicht mehr im Kindergarten. So gab ich ihm einen schnellen, kurzen Kuss auf die Lippen, als er zur Bestätigung nickte, und dachte: Damit hatte es sich erledigt.

»Das nennst du einen Kuss? Ich meinte schon einen richtigen.«

Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie er sich an mich presste und anfing, mich intensiv zu küssen. Für einen kurzen Moment setzte mein Gehirn aus, denn er konnte verdammt gut küssen und ich hatte ihn sogar erwidert. Irgendwann lösten wir uns wieder voneinander und die Realität brach wieder über mich herein, dass ich ihn abgrundtief verabscheute.

»Und, bist du jetzt zufrieden? Darf ich jetzt endlich pennen?«, fragte ich unbeeindruckt.

Kein Plan, was er sich mit dieser Aktion erhoffte. Für einen Moment sah er verunsichert aus, als hätte er mit etwas anderem gerechnet. Dass ihm der Kuss gefiel, konnte ich klar und deutlich spüren. Auch bei mir hatte er seine Spuren hinterlassen. Da Leon nichts mehr sagte, schob ich ihn zur Seite, zog mich aus, legte mich ins Bett und drehte ihm den Rücken zu. Sicher fand ich Leon heiß und anscheinend stand er auch auf Kerle, aber sein Charakter war zum Kotzen.

Leon stand noch lange wie angewurzelt im Zimmer. So schnell konnte ich dann auch nicht einschlafen, dass ich es nicht mitbekam. Ich selbst musste meinen Verstand nach dem, was passiert war, ordnen. Für mich beschloss ich, diesen Kuss einfach auszublenden, denn schon morgen würde er mir sowieso wieder den nächsten Spruch drücken. Doch da sollte ich mich täuschen. Die nächsten Wochen verhielt er sich mir gegenüber anders als gewohnt. Keine blöden Sprüche mehr. Er stellte sich in den Kursen nicht mehr in den Mittelpunkt und war für seine Verhältnisse sogar sehr zuvorkommend. Auch die anderen fingen an, sich zu fragen, was mit ihm los war. Er kam jetzt samstags auch allein in die Bar, setzte sich in eine Ecke und beobachtete uns still. Sogar sein ganzer Anhang verabschiedete sich nach und nach von ihm und hatte schnell einen neuen Anführer. Dafür wurde Leon zum Einzelgänger und saß beim Essen immer allein.

Ich versuchte es so gut es ging zu ignorieren und war froh mir seine Beleidigungen nicht mehr anhören zu müssen, das ich stinken würde, wenn ich von meinem Lieferjob spät abends ins Zimmer kam. Oder meine Eltern so arme Schlucker wären, dass sie nicht einmal ein paar Kröten für ihren Sohn übrig hätten. Leider war ich aber ein sehr einfühlsamer Mensch und je trauriger er wirkte, desto mehr tat er mir Leid. Mir kam es sogar vor, als hätte ich ihn nachts leise schluchzen hören. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht bei ihm. Genauso wie an diesem Abend.

»Leon, ist bei dir alles in Ordnung?«, fragte ich in die Dunkelheit, aber sofort war totale Stille.

Vielleicht hatte ich mich getäuscht und versuchte wieder zu schlafen, aber dann fing es erneut an. Also setzte ich mich auf und schaltete das kleine Nachtlicht an. Ich sah zu ihm herüber und tatsächlich kam es von ihm.

»Los, raus damit. Ich merke doch, dass mit dir etwas nicht ganz und gar nicht stimmt«, sagte ich so freundlich wie möglich.

Endlich drehte sich um und sah mich mit seinen verheulten Augen an.

»Wie schaffst du es das dich alle mögen?«, schluchzte er.

Die Frage überraschte mich doch sehr und ich gab ihm meine offensichtlichste Antwort.

»Weil ich mich nicht wie ein Arschloch verhalte und einfach ganz normal zu meinen Mitmenschen bin. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich meine Meinung. Mich mag auch nicht jeder und das ist auch vollkommen gut so. Außerdem kannst du mich auch nicht leiden, oder dein ganzer Anhang.«

»Vergiss es, die wollte auch nur noch, dass ich dich ihnen vorstelle, weil wir Mitbewohner sind«, meinte er, aber das juckte mich weniger.

»Aha, aber die eigentliche Frage ist doch, wieso du so ein Arsch bist und dich für etwas Besseres hältst?«

Das hatte gesessen und er wurde plötzlich wütend.

»Du siehst doch, was passiert, wenn ich nett bin. Alle Kapseln sich von mir ab und ich stehe am Ende allein da. Mein Vater hatte damit recht, dass man mit Freundlichkeit nicht weit im Leben kommt.«

»Uff, du bist verkorkster als ich dachte. Du kannst einem sogar fast leidtun«, war meine Ansage.

Da wurde er nur noch wütender, sprang aus dem Bett auf und ballte seine Hände zu Fäusten.

»Du bist so ein Wichser«, spie er aus, doch ich blieb komplett entspannt und lehnte mich zurück, bevor ich ihm die Tatsache erklärte.

»Siehst du, schon schmeißt du mit Beleidigungen um dich. Dein Vater wird mit seiner Art wohl nicht sehr erfolgreich sein, denn sonst bräuchtest du kein Vollstipendium. Außerdem denkst du ernsthaft, dass, wenn du plötzlich nett zu deinen Mitmenschen bist, sie sofort vergessen, wie du sie davor behandelt hast? Müsste ich mir mit dir kein Zimmer teilen, würde ich auch kein Wort mit dir reden. Du kapierst gar nicht, was du mit deinen Worten anrichtest oder wie verletzend sie sind.«

»Bist du so ne Pussy? Du tust so, als hätte ich dich aufs Tiefste beleidigt«, meinte er erneut abwertend, sodass ich sauer wurde.

»Wenn ich mir nicht jeden Tag den Arsch aufgerissen hätte, wäre ich wirklich auf der Straße gelandet. Ich habe es haarscharf geschafft, dem zu entgehen. So viel zum Straßenköter. Ja, ich müffle vielleicht, wenn ich durch die halbe Stadt wieder und wieder mit dem Rad fahre, um mir etwas Geld zu verdienen. Ich habe keine Eltern mehr und bin für mich selbst verantwortlich. Also entschuldige meinen Gestank, wenn ich mir auch ein paar kleine Dinge leisten können möchte«, machte ich mir Luft und seine Gesichtszüge entglitten.

Jetzt hatte ich ihm den Wind aus den Segeln genommen. So schnell seine Wut aufflammte, war sie wieder erloschen. Er sank zurück auf sein Bett und blickte zu Boden.

»Fuck, sorry, das wollte ich nicht«, wurde er ganz kleinlaut.

»Mensch Leon, ich weiß nicht, was man dir eingetrichtert hat, aber dein Verhalten ist Bullshit. Niemand wird dich dafür mögen oder jemals respektieren. Du musst für dich entscheiden, ob du weiterhin ein Ekel bleiben willst oder nicht, aber beides, sehen wir ja, bekommt dir nicht«, versuchte ich, ihm zu erklären.

»Meinst du nicht, dafür ist es jetzt zu spät? Was soll ich denn bitte noch machen?«, fragte er frustriert, und es gab eine einfache Antwort.

»Vielleicht fängst du damit an, dich für dein Verhalten zu entschuldigen!«

Er wollte schon bei mir damit anfangen, aber ich blockte ihn gleich ab.

»Bei den anderen! Jetzt sollten wir schlafen, denn wir müssen morgen den ganzen Tag an der Stange rumhüpfen.«

Ich machte das Licht aus, legte mich wieder hin und ließ ihn mit seinen Gedanken allein. Möglicherweise war er doch kein so schlechter Kerl, wie ich dachte.

Bis zum Mittag hatte er sich meine Worte anscheinend zu Herzen genommen und sich bei allen entschuldigt. Klar waren sie skeptisch, aber man merkte, dass sie versuchten, ihm eine Chance zu geben. Beim Mittagessen steuerte er schon einen leeren Tisch an.

»Komm, setz dich mit zu uns«, sagte ich, weil ich direkt hinter ihm war.

Er fing an zu lächeln. Kein aufgesetztes, sondern dies kam von Herzen und sah wirklich süß aus. Am Nachmittag traf ich mich noch mit den Mädels auf einen Kaffee und nahm ihn einfach mit. Ich war überrascht, wie gut man sich mit ihm unterhalten konnte, wenn er sich nicht gleich über einen lustig machte. Leon war mit den anderen in ein Gespräch über den letzten Kurs vertieft, als mich Melanie in die Seite boxte.

»Sag mal, was hast du denn mit dem gemacht? Der ist wie ausgewechselt seit dem Abend in der Bar«, flüsterte sie mir zu und ich musste schmunzeln.

»Wachgeküsst«, meinte ich nur, aber genau in dem Moment, als ich es sagte, waren alle still und bekamen es mit.

Alle starrten auf mich und da ich Leon ansah, stieg ihm die Röte ins Gesicht. Ich musste ganz schön in die Trickkiste greifen, um aus der Nummer wieder herauszukommen, obwohl ich wusste, dass es Melanie sowieso austratschen würde.

Nach dem Kaffee schmiss ich mich aufs Fahrrad, um Geld zu verdienen. Es war heute auch einiges los gewesen und ich kam richtig ins Schwitzen. Erst nach eins schlich ich leise ins Zimmer, um mir saubere Klamotten zu holen. Da war noch alles still und dunkel, auch als ich vom Duschen zurückkam.

»Hast du ihr von dem Kuss erzählt?«, erschreckte mich Leon zu Tode und ich hatte mir vor Schreck den kleinen Zeh am Bettgestell angehauen. Ich brauchte einen Moment, bis der Schmerz nachließ.

»Alter, bist du wahnsinnig? Das nächste Mal warte bitte, bis ich im Bett liege, bevor du mich erschreckst. Nein, ich habe niemandem von dem Kuss erzählt«, sagte ich, während ich mich ins Bett legte.

»Schämst du dich dafür?«, kam es kurz darauf aus der Dunkelheit.

»Nein, du wolltest einen Kuss als Gewinn und hast einen bekommen. Ich habe mich zwar gefragt, warum, aber wollte auch nicht nachfragen«, bekam er meine ehrliche Antwort und ich wollte eigentlich nur noch schlafen.

»Naja, hättest du mich geküsst, wenn ich dich einfach danach gefragt hätte?«, hakte er nach und es klang diesmal sehr nah. Ich war gerade dabei, mich umzudrehen, da legte er sich neben mich. Ich war so perplex, dass ich seine Frage vergaß.

»Also, hättest du?«, fragte er erneut und ich konnte seine Fahne riechen.

»Nein, und sag mal, bist du betrunken?«

Ich lag da wie erstarrt, ehe er sich an mich schmiegte und seinen Kopf auf meine Brust legte.

»Also ich hätte dich am liebsten schon das erste Mal geküsst, als ich dich in der Bar gesehen habe«, meinte er leise, schmatzte kurz und schlief ein.   

Ich war froh, dass ich von der Schicht so ausgelaugt war, denn sonst hätte ich kein Auge zubekommen. Der Kuss hatte mich leicht verwirrt, aber diese intime Nähe war eine andere Nummer. Am Morgen hoffte ich, dass es nur ein blöder Traum war, denn von Leon fehlte jede Spur. Erst beim Frühstück sah ich ihn wieder. Er war bereits fertig und als ich mich setzte, stand er auf und verließ den Saal.

»Habt ihr euch gestern gezofft?«, fragte mich Manuela, als sie sich zu mir setzte.

»Nö. Keine Ahnung, was er hat«, meinte ich, aber ich konnte mir bei seinem schüchternen Blick schon denken, wieso er sich so verhielt.

Den Rest des Tages wechselte er sofort die Richtung, wenn ich ihm zu nah kam. Meine Fresse, ich war kein Monster und selbst wenn es ihm peinlich war, konnte er mit mir darüber reden. Oder hatte er Angst, dass ich es jemandem erzählte und er gemobbt werden würde? Ich hatte keine Zeit, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, denn gleich nach dem Unterricht stand meine Schicht an. Zum Glück ging sie nicht so lange und als ich ins Zimmer kam, daddelte er gerade an seinem Handy. Er zuckte richtig zusammen, als er mich sah.

»Ich geh schnell duschen und dann will ich für heute eine Erklärung«, sagte ich forsch und verschwand wieder.

Kaum war ich wieder zur Tür rein, kam er auf mich zu und fing an, sich hektisch zu erklären und zu entschuldigen. Es war so ein Durcheinander, dass ich gar nicht folgen konnte.

»Stop, Sitz und Luft holen«, meinte ich und setzte mich auf mein Bett ihm gegenüber.  Wo war bitte der selbstbewusste, harte Kerl geblieben? Die Arroganz war weg, dafür wirkte er nun verletzlich und liebenswürdig. Den letzten Gedanken wischte ich erst einmal beiseite, aber nun starrte er mich nur an und brachte kein Wort heraus. Also ergriff ich die Initiative.

»Also, ich komme nicht mehr mit. Erst gehst du auf mich los. Dann überlistest du mich zu einem Kuss und wandelst dich um 180 Grad. Gestern legst du dich zu mir ins Bett, kuschelst dich an mich und erzählst mir, dass du mich schon bei unserer ersten Begegnung küssen wolltest. Heute gingst du mir den ganzen Tag aus dem Weg«, sagte ich, verunsichert von seinem Anblick, wie er mich mit großen Augen ansah.

Die Tatsache, dass er nur Boxershorts anhatte, machte es auch nicht besser, denn zum ersten Mal sah ich ihn mir auch genauer an.

»Es ist kompliziert und ich würde einiges davon gerne rückgängig machen.«

»Na dann bitte, erklär es mir, denn so geht’s nicht«, bat ich ihn.

»Können wir bitte das Licht ausmachen? Ich kann das nicht, wenn du mich so ansiehst.«

»Wenn dir das hilft«, meinte ich, schaltete das Nachtlicht aus, legte mich mit verschränkten Armen hinter dem Kopf aufs Bett und starrte in die Dunkelheit.

»Ich fand dich schon bei der Audition umwerfend. Nicht nur deinen Auftritt, sondern auch dein Lächeln, als du dich davor mit dem anderen unterhalten hattest. Irgendetwas an dir zog mich an. Dann habe ich dich in der Bar wiedergesehen. Es fiel mir schwer, so fies zu dir zu sein, und mein Verhalten war echt das Letzte. Ich kann jetzt auch verstehen, wieso du mir eine verpasst hast. Dass ich dir deinen Platz hier nur ganz knapp weggeschnappt hatte, wusste ich, und deswegen habe ich der Direktorin deine Videos gezeigt, damit sie dein Potential erkennt und es vielleicht möglich macht, dass du doch ein Stipendium bekommst.«

»Das warst du? Aber warum?«, platzte ich in seinen Monolog.

»Weil ich hoffte, dir dadurch näherzukommen, wenn du hier anfängst, und ich die Möglichkeit hätte, einfach mal ganz allein mit dir zu sprechen. Doch du hattest von Anfang an so einen Hass auf mich und wir haben uns nur weiter gegenseitig hochgeschaukelt.

»Du hättest doch wenigstens versuchen können, mit mir zu reden«, ließ ich meinen Gedanken heraus.

»Und hättest du mir etwas geglaubt, dass ich dir gegenüber nie so sein wollte? Wohl eher nicht, dafür warst du aber jeden Tag in meiner Nähe. Dazu kamst du nach deiner Typveränderung rein und sahst so wahnsinnig sexy aus. Daher mein Plan, mir wenigstens einen einzigen Kuss von dir zu stehlen, wenn auch nicht ganz fair«, beendete er seine Erklärung.

Warum ließ sein Geständnis mein Herz schneller schlagen?

»Hast du dich danach wegen mir so verändert?«, brannte es mir auf der Zunge.

»Ja und nein. Die Sache mit dir brachte mich ins Grübeln und ich fühlte mich so dermaßen schlecht, als du mir erklärt hast, wieso dich meine Worte so verletzt haben. Ich wollte keinen Menschen mehr so verletzen und entschied mich, mein Verhalten zu ändern. Das ging gewaltig nach hinten los und ich stand allein da. Ich weiß auch, dass du nur nett zu mir warst, weil ich dein Mitbewohner bin, aber es hat mir geholfen, dass du mir die Augen geöffnet hast. Die letzten zwei Tage waren um Längen angenehmer als das ganze Schuljahr.«

»Siehst du, was eine Entschuldigung bewirken kann? Aber was ist gestern Nacht in dich gefahren?«, war das Letzte, was mir noch auf der Seele brannte.  

»Oh Gott, also. Nachdem du weg warst, fingen die Mädels an, mich auszufragen, was du mit „Wachgeküsst“ meintest. Sie hatten versucht, ein Geständnis aus mir herauszubekommen, aber ich sagte nur, dass wir miteinander geredet hatten. Sie haben wohl mehr erwartet und wir sind noch etwas trinken gegangen. Ich hatte damals gemerkt, dass der Kuss auch an dir nicht spurlos vorbeiging, und ich weiß auch nicht. Ich habe nicht nachgedacht. Sorry dafür und es kommt nie wieder vor, versprochen«, klärte er mich weiter auf und wirkte plötzlich so traurig.

Wenn ich damals gewusst hätte, wie er wirklich war, bräuchte er keinen Plan schmieden, damit ich ihn küssen würde.

»Vielleicht sollten wir uns nochmal duellieren und ich könnte mir einen Kuss wünschen«, versuchte ich mein Glück.

Ich drehte meinen Kopf zu ihm herüber und erkannte im Mondlicht, dass er mich ansah.

»Meinst du das ernst, oder willst du mich damit nur verarschen? Verdient hätte ich es«, kam verblüfft und etwas scheu von ihm.

Obwohl es gerade sehr gemütlich war, stand ich auf, ging vor ihm in die Hocke und legte meine Hände auf seine Knie.

»Mir gefällt der neue Leon sehr und dass du sexy bist, brauche ich dir ja bestimmt nicht zu sagen. Brauchen wir ein Duell oder …«

Anscheinend brauchten wir keines, denn er ließ mich nicht einmal ausreden, bevor er seine Lippen mit meinen verschloss. Unser Kuss war um ein Vielfaches besser, wenn man die Gefühle zuließ. Dazu legte er auch seine Arme um meinen Hals und streichelte meinen Rücken. Verdammt, tat das gut, und meinetwegen könnte er mich die ganze Nacht so küssen.

Leider waren meine Muskeln vom Radfahren noch so beansprucht, dass ein plötzlicher stechender Schmerz in meinem Oberschenkel uns in die Quere kam. Ich spürte den Krampf zwar kommen, doch wollte mich nicht von Loen lösen. Nun hatte ich keine Wahl. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf und belastete das schmerzende Bein, in der Hoffnung, der Krampf würde schnell wieder nachlassen. Leider ohne Erfolg. Einmal wäre ich fast vor Schmerzen umgefallen. 
»Komm mal näher zu mir«, meinte Leon und ich humpelte zu ihm herüber.

Ohne ein Wort fing er an, meinen Oberschenkel zu massieren und langsam den Krampf zu lösen. Anfangs zischte ich noch vor Schmerz, aber je mehr er mich bearbeitete, desto angenehmer wurde es. Dafür entwickelte sich ein neues Problem in meinem Schritt. Seine Berührungen ließen mich alles andere als kalt. Ob er mit Absicht meine Eier beim Massieren streifte oder nicht, aber er bescherte mir damit einen gewaltigen Ständer.

Ich war recht ordentlich ausgestattet, sodass sogar die Boxershorts Schwierigkeiten hatten, meine Erektion zu verbergen. Es half auch nicht, dass es dunkel war, denn meine weißen Boxershorts reflektierten das Licht so gut, dass alles klar erkennbar war. Leons Bewegungen wurden zurückhaltender und er schaute mich scheu von unten herauf an.

»Ist alles ok?«, vergewisserte ich mich, weil mir irgendetwas an seinem Verhalten sagte, dass etwas nicht stimmte.

»Meinst du, ich kann heute einfach wieder, wie gestern, nur in deinen Armen einschlafen?«, fragte er ganz leise und schüchtern.

»Sicher. Gehen wir zu dir oder zu mir?«, meinte ich Spaßeshalber und bekam ein Lächeln.

Anstatt einer Antwort legte er sich hin und rutschte an die Wand, um mir Platz zu machen. Ich legte mich zu ihm und sobald die Position angenehm war, zog ich Lown in meine Arme. Er war einen ganzen Kopf kleiner als ich und konnte sich perfekt an mich schmiegen. Sein Kopf ruhte auf meiner Brust und er fing an, meinen Bauch zu streicheln. Zwischendrin verteilte er kleine Küsse auf meiner Brust, was immer kleine Blitze durch meinen Körper jagte. Vom Schlafen waren wir so weit entfernt, denn erstens war er nicht weniger erregt als ich, sondern seine Behandlungen machten mich nur noch mehr an.

»Es fühlt sich klasse an, was du da bei mir machst, aber so kann ich definitiv nicht an Schlaf denken«, sagte ich schmunzelnd und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

»Sorry, ich kann einfach nicht widerstehen …«, fing er an und kam ins Stocken.

»Aber? Irgendetwas stimmt doch nicht. Raus damit«, versuchte ich, ihn zu motivieren.

»Ich hatte noch keinen Sex«, gestand er mir plötzlich leise und musste sich wohl dafür schämen.

»Du meinst mit einem Mann?«, hakte ich vorsichtig nach, weil das konnte ich mir sonst gar nicht vorstellen bei ihm.

»Nein, allgemein. Keine Sorge, ich stehe schon auf Kerle, aber bisher ergab sich nie die Gelegenheit. Ich kenne Sex nur aus Pornos und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass du mich. Deiner ist schon sehr gewaltig«, brachte er schüchtern und bruchstückhaft heraus.  

»Na, so viel kleiner ist das, was sich gegen meinen Oberschenkel presst, aber auch nicht«, sagte ich und versuchte, sein Selbstvertrauen wieder herauszulocken.

»Ja, aber deiner ist trotzdem größer.«

Ich fühlte mich wie damals in der Schule beim Schwanzvergleich unter pubertierenden notgeilen Jungs. Da war ein großer Schwanz von Vorteil, weil sich jeder mit dir messen wollte.

»Gott, die zwei, drei Zentimeter machen den Bock auch nicht fett«, versuchte ich ihn zu beruhigen, aber er beschwerte sich weiterhin.

»Dann musst halt ein Lineal holen und nachmessen, wenn du es mir nicht glaubst. Es sind und bleiben einundzwanzig und nicht mehr«, sagte ich aus Spaß, weil er meinte, ich hätte mindestens dreißig Zentimeter in der Hose.

Ich dachte, ich sterbe, als er aufsprang und zum Schreibtisch ging, um tatsächlich nach einem Lineal zu suchen.

»Das machst du jetzt nicht ernsthaft, oder?«, fragte ich verdutzt und konnte mir mein Lachen nicht verkneifen.

»Klar doch«, erklang es dicht neben mir, ehe er das Nachtlicht anschaltete.

Scheiße, war das hell und für einen Moment konnte ich nichts sehen. Doch als sich meine Augen an das Licht gewöhnten, traute ich meinen Augen nicht. Vor mir stand Leon nackt und presste seinen stahlharten Schwanz auf das Lineal. Fuck, sah er geil aus.

»Achtzehn mal … Ich würde sagen, irgendwas zwischen vier und fünf. So jetzt du«, sagte er mit wippendem Schwanz und hielt mir das Lineal hin.

Ich lag auf dem Bett und wusste nicht, wie mir geschah. Vor mir dieser heiße Kerl mit fetter Latte und ernstem Blick. Das Lineal in der Hand. Die Situation war geil und witzig zugleich.

»Nur wenn du mir beim Ausziehen hilfst«, meinte ich herausfordernd und hielt seinem Blick stand.

Da war nun nichts mehr von Zurückhaltung zu spüren, wie er mir meine Shorts vom Arsch riss, mich auf die Füße zog, meinen Schwanz packte und seine Messung durchführte.

Fuuuuuuck, musste er mich dabei auch noch wichsen. Einen Moment gab ich ihm noch, aber dann nahm ich ihm das Lineal weg, schmiss es aufs Bett, zog Loen in einen innigen Kuss und wichste unsere Kolben zusammen. Es war kein Wunder, dass wir kurze Zeit später fast zeitgleich uns gegenseitig heftig anspritzten.

»Sorry, aber sonst wäre ich allein gekommen, so wie du angepackt hast. Das wäre peinlich gewesen«, war meine Entschuldigung.

Er sah zu, wie die Wichse an unseren Oberkörpern herablief und auf den Boden tropfte.

»Deiner ist trotzdem drei Zentimeter länger und etwas breiter«, meinte er schmollend, aber mit einem befriedigten Grinsen auf den Lippen.

Er sah so süß aus, mit den noch leicht roten Wangen und wie er sich auf die Lippe biss. Ich konnte nicht anders, als ihn wieder in meine Arme zu ziehen.

»Pass auf. Wir müssen absolut nichts überstürzen. Wie du gemerkt hast, können wir uns auch anderweitig befriedigen. Wir lassen uns einfach Zeit und testen uns ran. Absolut kein Stress«, machte ich ihm klar, und er war sichtlich froh darüber.

Die riesige Menge an Erfahrung hatte ich zu der Zeit zwar selbst noch nicht, aber schon ein wenig mehr als er.

Mit meiner Shorts beseitigte ich schnell noch unsere Spuren und sobald wir wieder im Bett lagen, klebte er regelrecht an mir. Diesmal schafften wir es nach einer kurzen Knutscherei aber zu schlafen.

Was war das Beste daran, sich mit seinem Lover ein Zimmer zu teilen? Allein schon der Morgen begann heiß. Leon schien letzte Nacht Mut gefasst zu haben. Er weckte mich damit, dass er zärtlich an meiner Eichel saugte und mir die Eier massierte. Als ich dies realisierte, signalisierte ich ihm, dass er sich umdrehen sollte, und er verstand schnell. Schon lagen wir da und lutschten uns gegenseitig an den Morgenlatten, bis unsere erste Ladung im Rachen des anderen verschwand.

»Hmmmm, geiler Start in den Tag und jetzt ein ordentliches Frühstück?«, fragte ich meinen neuen Freund, welcher mit meiner Idee einverstanden war.

Wir waren gerade auf dem Weg zum Frühstück, als ich seine Hand nahm und ihn näher an mich zog.

»Ist es dir nicht peinlich, dich jetzt schon so mit mir zu zeigen?«, fragte er überrascht.

»Nein, warum? Oder ist es dir peinlich, mit dem Straßenköter gesehen zu werden?«, konterte ich mit einem Lächeln im Gesicht und er blieb überrascht stehen.

»Du weißt, dass ich das nicht so gemeint habe«, sagte er niedergeschlagen, und ich zog ihn in meine Arme, bevor ich ihm mitten im Gang einen Kuss gab.

»Weiß ich doch, und jetzt komm, ich habe echt Hunger. Alternativ kann ich auch an dir knabbern«, meinte ich, flüsterte den letzten Teil aber in sein Ohr und knabberte an seinem Ohrläppchen.

»Spinner, hör auf, das macht mich heiß«, stieß er mich leicht von sich.

Gut zu wissen, dachte ich mir, grinste ihn an und wir gingen endlich zum Speisesaal.

Auch wenn wir beim Frühstück nicht aneinanderklebten oder uns berührten, haben unsere Blicke uns wohl verraten.

»Ich wusste es. Ihr habt doch was miteinander!«, stellte Manuela nach kurzer Zeit aufgeregt fest, nachdem sie sich alle zu uns gesetzt hatten.

Bei ihrer Lautstärke wusste es auf Anhieb unser gesamter Jahrgang, aber es war auch gut so. Es gab keinen Grund, uns zu verstecken. Bei meinen Studienkollegen machte ich mir auch weniger Sorgen, wie sie es auffassen würden, als bei Rebecca. Sie hasste schließlich Leon genauso wie ich noch vor ein paar Tagen. Ein wenig Bammel hatte ich daher schon, als ich ihn am Samstag mit in die Karaoke-Bar nahm, aber er gehörte jetzt genauso zu meinem Leben wie sie. Vor der Bar spürte sogar Leon meine Nervosität und schlug vor, dass er wieder zurück zur Academy ging. Ich hatte ihm vorher erzählt, wie wichtig mir meine beste Freundin war und dass sich ihre Begeisterung von uns wohl in Grenzen halten würde.

»Nein, bitte bleib. Irgendwann wird sie es eh erfahren, wenn nicht von mir, dann von den Mädels, also Augen zu und durch«, sagte ich und wir betraten Hand in Hand die Bar. Leon ging ein Stück hinter mir, was ihn zuerst vor ihrem Blick schützte, aber als wir uns begrüßten, sah sie ihn schließlich.

»Was will der bitte hier? Pascal, bitte sag mir nicht, dass er jetzt auch zu deinem Freundeskreis gehört«, fragte sie entsetzt, und mich verwunderte ihre Reaktion kein Stück.

»Naja, also Freundeskreis nicht direkt«, meinte ich, zog Leon an meine Seite und hielt unsere verschränkten Hände in die Höhe.

»Du willst mich doch verarschen? Ihr beide? Was bitte ist passiert, dass du mit so einem Wichser zusammenkommst?«, kam es geschockt von ihr und Leon zuckte bei ihrer Beleidigung zusammen.

Bevor sie noch weiter auf ihn losging, klärte ich sie über die letzte Zeit auf. Selbst Leon hatte sich für sein ekliges Verhalten auch bei ihr entschuldigt und trotzdem erntete er von ihr noch einen bösen Blick. So ganz traute sie dem Braten nicht und stellte sich auf stur, bis sich Manuela einschaltete.

»Becca, es stimmt wirklich. Wir haben in den letzten Tagen auch mehr Zeit mit ihm verbracht. Er ist ein lieber Kerl. Anscheinend hat Pascal einen sehr guten Einfluss auf ihn«, bestätigte sie meiner besten Freundin.

Endlich entspannte sie sich, aber baute sich im nächsten Moment vor meinem Freund auf.

»Damit eins klar ist. Wenn du Pascal wehtust, dann bekommst du es mit mir zu tun und glaub mir, ich finde dich«, drohte sie ihm, aber Leon blieb ganz ruhig und versicherte ihr, dass es niemals vorkommen wird.

»Können wir nun endlich was trinken und endlich Spaß haben?«, beendete ich ihre dramatische Vorstellung und gab meinem Freund einen Kuss.

Becca merkte schnell, dass sich Leon verändert hatte. Zwar wurden sie keine besten Freunde, aber sie kamen miteinander klar und das beruhigte mich ungemein. In der Akademie wurde er jetzt behandelt wie jeder andere und wir wurden immer vertrauter, auch unser Sexualleben wurde gewagter. Leon konnte gar nicht genug davon bekommen und in jeder freien Minute machten wir miteinander rum. Wie er erst dabei abging, wenn ich ihn leckte oder sogar einen meiner Finger in ihm versenkte, während ich ihm blies, war wahnsinnig geil. Doch vor dem nächsten Schritt hatte er noch gewaltigen Schiss.

An einem Abend war er dabei, mich nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen. Ich machte ihm schnell klar, dass er bei mir auch ruhig mehr seiner Finger ins Spiel bringen durfte, und das tat er auch. Mit meinem Schwanz in seinem Rachen und drei seiner Finger in mir wollte er mir einen geilen Abgang bereiten. Er hätte es auch ohne Probleme geschafft, aber ich wurde ungeduldig und wollte endlich mehr. Ihn unter den Achseln packend, zog ich ihn zu mir herauf in einen Kuss.

»Würdest du mich bitte ficken? Ich halte es nicht mehr aus«, bettelte ich in unseren Kuss hinein.

Ich schlang sogar meine Beine um ihn und hob meinen Hintern an, sodass sein Schwanz zwischen meine Arschbacken rutschte. So hart und feucht, wie er war, konnte er davon nicht abgeneigt sein.

»Darf ich wirklich?«, fragte er erregt, da seine Eichel über mein Loch rieb und es zucken ließ.

»Jaaa, nimm mich«, stöhnte ich schon, weil ich mich gegen ihn presste und er sich ein Stück in mich bohrte.

»Fuck, ist das geil. So eng und warm«, kam begeistert von Leon, als er sich tiefer in mich schob.

So geil hatte selbst ich das Gefühl nicht mehr in Erinnerung. Erst recht nicht, als er komplett in mir steckte und mich ausfüllte. Es war so intensiv und bei jedem seiner Stöße stöhnte ich vor Lust. Leider machte es Leon so unbeschreiblich geil, dass er es nicht lange aushielt und urplötzlich laut aufstöhnte und gewaltig in mir abrotzte. Sein Druck dahinter war so heftig, dass ich jeden Schwall spüren konnte. Ich dachte schon, dass es damit vorbei war. Umso besser fand ich es, als er anfing, sich wieder in mir zu bewegen, nachdem er sich wieder beruhigt hatte.

Das zweite Mal hielt er länger durch und vögelte mir das Hirn raus, bis auch ich kam, ohne mich überhaupt zu berühren. Als Extra obendrauf bekam ich gleich darauf seine zweite Ladung in mich. Verschwitzt, befriedigt und außer Atem lagen wir uns in den Armen und küssten uns.

»Das war der absolute Wahnsinn. Warum haben wir das nicht schon viel eher gemacht«, kam begeistert von meinem Schatz.

»Ich hoffe, jetzt muss ich nicht mehr betteln, dass du mich nimmst«, meinte ich nur lachend und schon sah er mich mit gierigem Blick an.

»Noch ne Runde?«

Es war keine Frage, denn seitdem konnte er nicht genug davon bekommen. Seitdem endete jeder Tag damit, dass er mich in jeder uns möglichen Position nahm, und ich genoss es.    

Als ich eines Nachts von meiner Arbeit ins Zimmer kam, muss ich Leon überrascht haben, denn er lag nackt auf seinem Bett und war dabei, sich selbst zu befriedigen. Es kam schon öfter vor, dass er mich so empfing, aber noch nie steckten dabei seine Finger in seinem Loch. Ich stand neben ihm und sein Anblick machte mich so heiß.

»Runter mit den Klamotten. Ich möchte dich endlich auch mal in mir spüren“, sagte er nur und trieb sich seine Finger tief rein.

»Erst … ich … duschen … stinke«, brachte mein überreiztes Gehirn nur zustande, denn ich wollte gerade nichts lieber als über ihn herfallen.

»Scheiß drauf und jetzt mach endlich«, kam mehr ein Befehl als eine Bitte.

In Windeseile riss ich mir die Klamotten vom Leib und es brauchte kein Vorspiel, denn mein Schwanz stand bretthart von meinem Körper ab.

Als ich mich zwischen seinen Beinen positionierte, verteilte er schon Gleitgel an seinem Loch, das restliche schmierte er an meinem Schwanz. Kurz verzog er das Gesicht, als er meine Eichel an seinem Loch positionierte und sich dagegenpresste. Ich wollte langsam machen, aber er kam mir plötzlich entgegen. Schon rutschte meine Eichel in ihn. Er stöhnte laut auf, aber wir waren immer noch im Wohnheim, also verschloss ich schnell meinen Mund mit seinem. Es brachte mich um meinen Verstand, wie er heiß in meinen Mund stöhnte, während ich tiefer in ihn vordrang. Überrascht, wie einfach es ging, in ihn einzudringen, bohrte ich mich in ihn. Er muss gute Vorarbeit geleistet haben. Als ich komplett in ihm steckte, gab ich ihm die Zeit, bis er von selbst anfing, sein Becken zu bewegen. Das war für mich der Startschuss und ich konnte anfangen, meinen heißen Freund zu ficken. Ich dachte, ich wäre der Erste, der von uns beiden abspritzen würde. Das Gefühl, diesen engen, geilen Arsch zu vögeln, und sein heißes Stöhnen brachten meine Eier zum Kochen. Da fing aber sein Schwanz an zu zucken. Er schrie beinahe und krallte sich in meinen Rücken, bevor er seine Ladung nur so aus seinem Schwanz zwischen uns feuerte. Das brachte auch mich dazu, ihm meine Ladung tief in seinen Arsch zu spritzen.

»Nein, mach weiter, das Gefühl ist der Hammer«, hielt er mich auf, als ich mich aus ihm zurückziehen wollte.

Er hätte nichts Besseres sagen können, denn ich wollte auch mehr. So gab ich ihm, was er wollte, und kostete es richtig aus. Als wir fertig waren, mussten wir definitiv duschen, denn überall an unseren Oberkörpern klebte seine Sahne und meine lief schon an seinem Bein herunter. Er war so unersättlich, dass er mich gleich noch einmal unter der Dusche wollte, bevor wir komplett fertig ins Bett fielen. 

Die restliche Studienzeit war einfach genial. Wir hatten eine wunderbare Zeit und waren unzertrennlich auf der Akademie. Aus Hass entstand eine wahnsinnig großartige Liebe. Unseren Abschluss machten wir beide mit Bravour. Dadurch bekamen wir im Anschluss auch gleich unsere ersten Arrangements, aber leider in verschiedenen Produktionen. Anfangs einigten wir uns darauf, eine Fernbeziehung zu führen, aber es war einfach nicht dasselbe und wir litten beide sehr darunter. Die Sehnsucht nach Nähe war einfach zu groß. So beschlossen wir nach zwei Jahren doch, unsere Beziehung zu beenden, denn in diesen Jahren hatten wir uns nur dreimal sehen können. Er war meine erste richtig große Liebe und ich seine, aber es schien für uns kein Happy End zu geben. Ich litt schlimm darunter und heulte mich anfangs jeden Abend bei Becca aus. Sie hielt unsere Entscheidung für falsch, aber wie sagt man so schön. Die Zeit heilt alle Wunden, auch ein gebrochenes Herz.

Vorhang auf für einen neuen Lebensabschnitt

Die Zeit nach meiner Trennung von Pascal war für mich der Horror. Es war abzusehen, dass sie kommen würde, denn diese ständige Sehnsucht belastete uns beide. Der Kontakt wurde dadurch weniger und wir vergaben uns beide in Arbeit. Irgendwann kam dann das klärende Gespräch und wir waren uns einig, dass es besser wäre, es zu beenden und lieber Freunde zu bleiben. Es fiel uns sehr schwer, aber wir hofften, dass wir dadurch nach vorn blicken konnten. Ich versuchte, das Telefonat über mich zusammenzureißen, aber sobald wir aufgelegt hatten, heulte ich mir die Augen aus. Tatsächlich war dieser Schritt um Längen drastischer als nur die Sehnsucht nach ihm. Sogar nach elf Jahren schaffte er es noch, sich in meine Träume und Gedanken zu schleichen.

Zuletzt hatten wir uns vor drei Jahren gesehen. Wir bekamen beide in einer neuen Produktion ein Arrangement, aber keiner von uns wusste, dass wir gemeinsam auf der Bühne standen. Am ersten Tag der Proben bekam ich einen Schock. Ich war gerade ins Skript vertieft, als er den Raum betrat. Es war seltsam. Sicher freute ich mich, ihn nach so langer Zeit wiederzusehen, aber gleichzeitig versetzte es mir einen Stich ins Herz. Ich versuchte einfach, so normal wie möglich mich mit ihm zu unterhalten. Für einen Moment dachte ich, dass er sich genauso nach mir sehnte wie ich, und hoffte, dass wir noch eine Chance hätten. Doch als ich ihn in einem schwachen Moment küssen wollte, verriet er mir, dass er in einer Beziehung war.

Wir nahmen wieder Abstand zueinander und standen nur auf der Bühne zusammen. Ich war froh, wenn meine Zweitbesetzung übernahm, denn seine Nähe machte mich fertig. Nach den Aufführungen ging jeder seine Wege und es war befreiend, als endlich die letzte Show stattfand. Natürlich habe ich mich in der Zwischenzeit auch mit anderen getroffen, aber sobald es ernst wurde, zog ich mich zurück, weil ich ihn noch immer liebte. Am schlimmsten war es, ihn mit seinem neuen Partner zu sehen. Wie er ihm Blumen überreicht und ihn küsste. Diese Produktion wurde damit die letzte, in der wir gemeinsam auf der Bühne zu sehen waren. Bei jedem neuen Arrangement erkundigte ich mich zuvor, welche weiteren Künstler noch angefragt wurden. Sobald ich seinen Namen las oder hörte, lehnte ich ab oder nahm nur teil, wenn er ablehnte.

Ein Jahr später traf ich tatsächlich jemanden, der es schaffte, dass ich bei ihm blieb. Ich mochte ihn sehr und wir wurden ein Paar. Das Ganze ging sogar fünf Jahre gut und wir waren irgendwie glücklich, doch dann hat er mir überraschend einen Antrag gemacht. Ja, ich liebte ihn auf eine Weise, doch es wäre falsch gewesen, „Ja“ zu seinem Antrag zu sagen. Selbst nach den Jahren hatte ich noch immer manchmal das Bild von Pascal vor mir, wenn ich ihn küsste, in seinen Armen lag oder mit ihm schlief. Ich versuchte, Pascal so gut wie möglich zu verdrängen, aber es gelang mir nie ganz. Mag auch daran liegen, dass mein Freund viele Ähnlichkeiten mit ihm hatte. Einmal hatte ich ihm sogar davon erzählt, als ich in seinen Armen anfing zu weinen. Er war damals so verletzt, dass ich nie wieder ein Wort darüber verlor und meine Gefühle in mich hineinfraß.

Da stand er voller Freude vor mir, wartend auf meine Antwort. Selbst hier kamen mir die Tränen, doch leider nicht vor Freude. Insgeheim wusste er genau, was los war.

»Du liebst ihn noch immer. Ich werde wohl nie diesen Platz in deinem Leben ausfüllen können«, sagte er verletzt.

Damit war unsere Beziehung beendet. Er verließ das Restaurant und mein Leben. Für die Klatschpresse war dies ein gefundenes Fressen und es erschien überall. Viele Magazine wollten danach eine Stellungnahme von mir, denn sie würden gerne den wahren Grund für den gescheiterten Antrag erfahren. Ich hingegen bat mein Management, niemanden an mich heranzulassen, und vergrub mich in meiner Wohnung. In drei Wochen stand noch ein einziger Auftritt bei einer Gala an und ich schwor mir danach, eine Pause zu gönnen, bis sich die Medien beruhigt hatten.

Am Tag des Auftritts machte ich klar, dass ich mit keinem Reporter oder sonstigen Personen sprechen wollte. Weder vor noch nach dem Auftritt. Es funktionierte und so wurde ich kurz vor dem Auftritt inkognito in die Location geschleust. Ich ging in die Garderobe, machte mich schnell fertig und stand kurz danach auf der Bühne für die Eröffnungsnummer. Als wir fertig waren, begann mein Kollege mit der Moderation und mich wunderte es schon, dass wir nur zu dritt auf der Bühne standen. Die Erklärung folgte aber prompt.

»Wir müssen leider bekanntgeben, dass es eine kurzfristige Änderung in unserem Cast gibt, aber wir konnten dafür einen Special Guest auftreiben. Jetzt bitte ich sie für einen Riesenapplaus für …«

Da sah ich ihn. Er stand am Bühnenrand und lächelte mich an. Pascal!

Er sah umwerfend aus. Sah er immer, aber er war nicht mehr der Junge, sondern ein richtiger Mann mit einer gewaltigen Ausstrahlung. Fuck, mein Fluchtinstinkt kickte und am liebsten wäre ich wie ein dummes Kind von der Bühne gerannt. Das wäre jedoch hochgradig unprofessionell gewesen. Nun musste ich wohl oder übel den Abend hinter mich bringen. Die gefühlvollen Lieder, welche ich mit ihm im Duett singen musste, hörten sich bestimmt wunderschön an. Es waren genau die gleichen Gefühle, welche ich tief in mir noch immer für ihn empfand. Die Tränen dabei in meinen Augen waren für jeden sichtbar, auch für ihn. Der Applaus danach war gewaltig. Nach der Zugabe flüchtete ich regelrecht von der Bühne und aus dem Gebäude. Ich wollte bloß weg, bevor mich der Zusammenbruch traf. Ich schaffte es sogar bis zum Auto, ohne dass mich ein Reporter sah oder mich jemand verfolgen konnte. Als ich den Wagen startete, wurde die Beifahrertür aufgerissen und Pascal sprang hinein.

»Wir müssen reden! Wenn du nicht willst, dass uns jemand Fragen stellt, wieso ich dir nachgelaufen bin, dann fahr schnell los!«, sprach er schnell außer Atem und automatisch gab ich Gas.

Wie ferngesteuert fuhr ich direkt zu mir nach Hause. Erst als das Garagentor geschlossen war, brach der ganze Abend über mir zusammen.

»Fuck«, schrie ich und schlug gegen das Lenkrad.

»Was machst du hier?«, schrie ich erneut in einer Mischung aus Wut und Trauer.

Ich konnte meine Gefühle nicht mehr zurückhalten und die Tränen schossen mir in die Augen. Pascal blieb ruhig wie immer und legte mir nur seine Hand auf den Rücken. In unserer Beziehung war er immer der Ruhepol gewesen, wenn meine Gefühle mit mir durchgingen.

»Komm, lass uns reingehen. Ich möchte das nicht hier im Auto mit dir besprechen«, sagte er ruhig, und wir stiegen aus dem Auto.

Ohne ein Wort zu sagen, gingen wir nach oben. Sobald wir in meiner Wohnung standen, zog er mich fest in seine Arme. Sofort machte sich das Gefühl von damals in mir breit, aber ich war noch zu sehr aufgewühlt und es dauerte lange, bis ich mich beruhigt hatte.

»Also, über was willst du mit mir reden?«, fragte ich ihn direkt, nachdem ich wieder Herr über meine Sinne war.

»Über uns«, warf er mir nur diese zwei Brocken zu.

Insgeheim gab es für mich nur eins, was ich von ihm hören wollte, wenn es um uns ging.

»Wenn du nicht hier bist, um mir zu sagen, dass du mich noch immer liebst, dann geh bitte gleich wieder. Das halte ich sonst nicht aus«, sagte ich ehrlich, doch er nahm nur meine Hand und zog mich zur großen Loungelandschaft.

»Das war mein Plan, also hör mich bitte an.«

Hatte ich das gerade richtig gehört? Pascal drückte mich herunter auf die Couch und setzte sich mir gegenüber, als er anfing zu reden.

»Unsere Trennung war der größte Fehler meines Lebens. Ich dachte anfangs, dass ich über dich hinweg wäre, aber als du mich damals bei der Produktion versucht hast zu küssen, wollte ich nichts mehr als das. Nur konnte ich auch meinen Freund nicht betrügen. Nachdem er uns zusammen auf der Bühne sah, bekam er Zweifel und sprach mich direkt auf dich an. So erzählte ich ihm von dir und auch, dass du meine erste große Liebe warst. Ich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass da nichts mehr zwischen uns wäre, aber belog am Ende nur mich selbst. Es ging noch einige Zeit lang gut, aber dann trennten wir uns. Danach hatte ich versucht, dich zu erreichen, aber du musst deine Nummer geändert haben, denn ich kam nicht durch. Dein Management wollte mir auch nicht weiterhelfen. Anscheinend wolltest du nichts mehr mit mir zu tun haben, zumindest war es deren Aussage. Das verletzte mich zutiefst. Zufällig bin ich dann auf einen Beitrag von dir und deinem Ex gestoßen. Du warst also in einer neuen Beziehung und da ich nicht zwischen euch stehen wollte, gab ich auf. Vor drei Wochen las ich dann von eurem Beziehungsaus nach gescheitertem Antrag. Ich fasste neuen Mut, aber hatte noch immer keine Möglichkeit, dich zu kontaktieren. Vorgestern plötzlich die Anfrage für den Auftritt. Ich wusste, dass du dabei sein würdest. Dies war meine Gelegenheit. Genauso war mir aber klar, wenn sie etwas zu dir sagen, springst du ab, deswegen die Geheimhaltung. Ich wollte danach in Ruhe mit dir reden, aber du bist sofort weggerannt und ich bin dir gefolgt. Also ja, Leon, ich liebe dich noch immer«, beendete er seinen Monolog und sah mich freudestrahlend an.

Mein Gehirn brauchte etwas, um diese großartigen Neuigkeiten zu verarbeiten. Doch sobald es bei mir angekommen war, dass er die ganzen Jahre über die gleichen Gefühle wie ich hatte, sprang ich ihm ruckartig entgegen und landete in seinen Armen. Unser erster Kuss versetzte mich sofort wieder zurück in das kleine Zimmer auf der Akademie, wo unsere Welt noch in Ordnung war. Ich konnte es noch gar nicht fassen, dass ich nach so vielen Jahren endlich wieder in seinen Armen lag. Wir klammerten uns fest aneinander. Noch einmal werde ich ihn sicher nicht gehen lassen.

»Hey, nicht so fest. Ich bekomme kaum noch Luft«, protestierte er, und ich lockerte meinen Griff etwas.

»Keine Sorge. Diesmal mache ich nicht denselben Fehler«, meinte er anschließend, bevor er mich in einen Kuss zog.

Den ganzen Abend und die Nacht verbrachten wir auf der Couch, in den Armen des andern. Kuschelten, küssten, erzählten und waren glücklich, dass wir uns endlich wieder hatten.

Ich hatte schon Angst, dass alles nur ein schöner Traum war, doch als ich aufwachte, lag ich noch immer auf seiner Brust. Pascal schien noch friedlich zu schlafen. Meine Klamotten klebten unangenehm an meinem Körper und nach meinem Körpergeruch zu urteilen, brauchte ich dringend eine Dusche. Danach würde ich uns ein nettes Frühstück zaubern. Ich stand also langsam auf, damit ich ihn nicht aufweckte, und ging ins Badezimmer. Das warme Wasser tat gut und ich war dabei, mir die Haare zu waschen, da schmiegte sich plötzlich Pascal von hinten an meinen Rücken, küsste meinen Hals und knabberte vorsichtig an meinem Ohrläppchen.

»Du hättest mich ruhig wecken und mitnehmen können.«

Es war nur ein Wispern, aber mein Blut war schon in tiefere Körperregionen geschossen und bescherte mir in Sekundenbruchteilen einen Ständer. Auch sein Rohr presste sich fordernd gegen meinen Rücken. In einer fließenden Bewegung drehte er mich um, hob mich auf seine Hüften und küsste mich.

Seit unserer Trennung durfte mich keiner mehr nehmen. Es war für mich zu intim und sobald es jemand versuchte, hatte ich sein Bild vor mir und die Lust war dahin. Diesmal war es aber selbst und ich wollte nichts sehnlicher als das.

»Bitte nimm mich, aber sei vorsichtig, du warst der Letzte in mir«, hauchte ich gegen seine Lippen und ein tiefes Grollen drang aus seiner Kehle.

Sogar seine Stimme hatte noch die gleiche Wirkung auf mich wie damals. Seine Eichel rieb schon über mein Loch und ich war voller Vorfreude, aber anstatt in mich einzudringen, stellte er das Wasser an und fragte mich nach dem Weg zum Schlafzimmer. Er ließ mich nicht herunter und trug mich mit Leichtigkeit durch den Flur. Egal, ob wir noch nass waren, ließ er mich aufs Bett fallen und bahnte sich küssend über meinen Oberkörper herab zu meinem Schwanz und anschließend zu meinem Loch. Ewig bearbeitet er mich mit seiner Zunge und seinen Fingern, bis ich bettelte, ihn endlich spüren zu dürfen. Endlich setzte er seine Eichel an und drang in mich ein. So ausfüllen konnte mich nur er. Hier brauchte ich nicht leise sein und konnte meine Lust hinausstöhnen, als er mich nahm. Ich klammerte mich nur an ihn und ließ ihm die Führung. Als er wieder anfing, meinen Hals zu küssen, war es vorbei und mein Orgasmus traf mich mit einem Schlag. Das Riss auch Pascal mit und er kam. Laut und heftig stöhnte er mir ins Ohr. Erst da fiel mir auf, dass wir nie laut beim Sex waren. Auch nach der Akademie rissen wir uns zusammen. Doch verdammt war dieses tiefe Stöhnen heiß.

Ich war etwas verwundert, dass er seinen Schwanz aus mir herauszog, denn sonst legte er gleich noch eine Ladung nach.

»Na, wirst du alt, dass du mit einem Mal genug hast?«, neckte ich ihn, aber er grinste mich nur dreckig an.

»Vergiss es. Jetzt bist du dran«, sagte er und schmiss sich neben mich auf den Rücken.

Wie auch er bearbeitete ich ihn kurz und schob anschließend meinen Schwanz in ihn.

Die Geräuschkulisse war neu, aber ich liebte diese Stellung mit ihm. So konnte ich ihn ficken, dabei das Spiel seiner Bauchmuskeln ertasten und seinen Schwanz wichsen, bis er kam. Nur damit ich ihn, wenn er abspritzte, schnell und hart ficken konnte, bis auch er meine Ladung tief in sich aufnahm.

Um die Dusche danach kamen wir nicht herum und außerdem wollte ich uns noch Frühstück machen. Gut, es wurde nur ein Kaffee, denn beim Blick in meinen Kühlschrank blickte mir nichts Ansprechendes entgegen. Dafür zog er mich auf seinen Schoß, während wir den Kaffee tranken.

»Ich wusste gar nicht, dass du solche Laute beim Sex von dir geben kannst. Das ist echt heiß«, sagte ich ihm und er fing an zu lachen.

»Tja, aber du bist auch nicht besser. Jetzt können uns keine Mitschüler mehr hören«, meinte er, und ich fühlte, wie er schon wieder hart wurde.

»Und noch genauso unersättlich wie damals. Gefällt mir!«, neckte ich ihn und statt einer Antwort bekam ich nur ein Knurren und einen Kuss.

Mein Magenknurren hielt uns von einer weiteren Nummer ab. Pascal bekam auch Hunger und wir beschlossen, etwas essen zu gehen. Ich war einfach so glücklich gewesen, dass ich nicht nachdachte, und als wir zur Haustür rauskamen, drängten sich Menschen um uns herum. Sie fingen an, Fotos von uns zu machen und Fragen zu stellen. Selbst unsere Welt liebte ihren Klatsch und Tratsch. Mich wunderte es nur, woher sie meine Adresse kannten. Pascal hingegen beantwortete ruhig ihre Fragen und gab mir einen Kuss für das perfekte Foto. Danach ließen sie uns auch in Ruhe. Ich mochte diesen Trubel nie, aber Pascal meinte, je schneller man ihre Fragen beantwortete, desto eher hatte man seine Ruhe, und von ihm aus sollen ruhig alle wissen, dass wir zusammengehörten.

Wir genossen den Tag miteinander und es war, als wären wir nie getrennt gewesen. Mit ihm an meiner Seite fühlte sich nach langer Zeit alles wieder richtig an.

»Hättest du was dagegen, wenn wir uns mit Becca treffen? Ich habe ihr versprochen, dass ich mich melde, sobald ich mal in der Stadt sein sollte«, fragte er mich.

Im Gegensatz zu ihm bin ich hier nie weggezogen. Ich hatte absolut nichts dagegen und so trafen wir uns zwei Stunden später in unserer alten Stammbar. Sie freute sich riesig, Pascal wiederzusehen, und fiel ihm direkt um den Hals. Mich zu sehen, war für sie ebenso eine Überraschung, aber auch ich bekam eine feste Umarmung von ihr.

Wir setzten uns an einen Tisch und erzählten uns, was wir die Jahre über so getrieben hatten.

»Ich habe mich schon gefragt, wann ihr wieder zusammenkommen würdet. Doch habe ich nicht gedacht, dass es so lange dauern würde. Ich hoffe, diesmal funktioniert es. Nochmal halten es meine Nerven nicht aus, wenn sich Pascal tagelang die Augen vor mir ausheult«, sagte sie in ihrem bekannten strengen Ton und Pascal wirkte verlegen.

»Nie im Leben würde ich so einer Trennung wieder zustimmen«, bestätigte ich ihr, und damit war das Thema erledigt.

Am späten Abend hörte mein Handy in meiner Hosentasche nicht mehr auf zu vibrieren. Es war mein Management und ich hatte gerade absolut keine Lust, mit ihnen zu telefonieren, bis es mich nervte.

»Was ist so wichtig, dass ihr so einen Terror macht?«, ging ich ran, als es erneut klingelte.

»Bist du wahnsinnig? Ihr seid Gesprächsthema Nummer eins. Check mal deine Mails«, wies mich eine meiner Agentinnen an.

»Schon gut, mach ich. Melde mich morgen. Bye«, verabschiedete ich mich und legte auf.

Wie versprochen öffnete ich meine Mails und schon von der ersten Schlagzeile wurde ich erschlagen.

»Nach nur drei Wochen in den Armen der Jugendliebe – War er Auslöser für den gescheiterten Antrag?«, stand dort in Großbuchstaben.

Daneben waren Bilder von mir und Pascal zu sehen, aber das größte zeigte unseren Kuss.

»Das ging schnell. Deswegen rede ich ungern mit der Presse«, sagte ich, nachdem ich mir den recht süß geschriebenen Artikel durchgelesen hatte und ihn in die Runde zeigte.

»Wie könnt ihr nur so verdammt gut auf Fotos aussehen, das ist doch unfair«, war Beccas Kommentar.

»Meinst du, sie schicken uns die Originalfotos?«, fügte Pascal noch hinzu.

Becca hingegen holte auch ihr Smartphone raus und tippte etwas herum.

»Krass, die Kommentare erst. Deinen Ex scheinen die Leute nicht so zu mögen«, gab sie kurz darauf von sich und hielt mir ihr Handy entgegen.

Wir beide waren in der Szene sehr bekannt und die meisten Kommentare handelten davon, wie toll wir zusammen aussahen. Ein regelrechtes Traumpaar. Eine schrieb sogar, dass sie mich noch nie so glücklich gesehen hätte. Aber leider hatte Becca recht und mein Ex kam in manchen wirklich nicht gut weg.

»Den hätte ich auch vorgezogen, so heiß wie der ist.«

»Wie kann man so ein Idiot sein und einen Antrag machen, wenn man weiß, dass er an seiner Jugendliebe hängt?«

»Ich hätte ihn auch sitzen lassen.«

Solche Aussagen und noch mehr waren darunter vertreten und ich bekam ein schlechtes Gewissen. Auch wenn meine Gefühle für ihn nicht ausreichten, hatte er sowas nicht verdient.

Schnell griff ich nach meinem Handy und wollte mich bei ihm entschuldigen, dass er so davon erfahren hatte, doch meine Nachrichten gingen nicht durch. Ich probierte, ihn anzurufen, aber auch dabei scheiterte ich. Er musste mich bereits überall blockiert haben, wie ich es damals bei Pascal tat.

Damit hatte sich der Abend für mich erledigt und ich fühlte mich schlecht. Ich hatte es wieder geschafft, jemanden zu verletzen. So verabschiedeten wir uns kurz drauf von Rebecca und machten uns auf den Heimweg. Pascal entschuldigte sich hundertmal, dass er den Medien so ein Futter geliefert hatte, aber ich gab ihm keine Schuld. Es war eine Kurzschlussreaktion gewesen und irgendwann hätten sie sowieso davon Wind bekommen.

»Kennst du ein gutes Hotel in der Nähe?«, fragte mich Pascal plötzlich von der Seite. »Wofür brauchst du denn jetzt ein Hotel?«, wollte ich von ihm wissen und war verwirrt von seiner Frage.

»Naja, wir haben noch nicht drüber gesprochen, wie es jetzt weitergeht und …«

»Du kommst natürlich mit zu mir. Glaubst du ernsthaft, ich lass dich gehen? Außer du willst natürlich.«

Hörbar erleichtert atmete er aus.

»Liebend gern komme ich mit zu dir«, meinte er und sein Kuss beruhigte mich wieder.

Daheim angekommen bat ich Pascal, sich aufs Sofa zu setzen, und ich besorgte uns zwei Drinks. Wenigstens dafür hatte ich alles im Haus. Mein schlechtes Gewissen schob ich beiseite, denn mir wurde klar, dass ich zu der Uhrzeit eh nichts mehr geradebiegen konnte. Außerdem wartet im Wohnzimmer der Mann, den ich über alles liebte, auf mich, und ich wollte nichts mehr, als den restlichen Abend mit ihm zu genießen. Allein schon, wie er mich anstrahlte, als ich das Wohnzimmer betrat, fegte alle dunklen Gedanken beiseite.

»Danke, dass ich bleiben darf. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht zu gehen«, sagte Pascal, hielt mich fest in seinen Armen und kraulte meinen Bauch.

»Ich weiß nicht, wie du auf die Schnapsidee kommst, dass ich dich freiwillig in ein Hotel gehen lassen würde.«

»Na, es ist doch viel Zeit vergangen und ich konnte mich schlecht selbst einladen«, meinte er und drückte mich umso fester an sich.

»Meinetwegen brauchst du gar nicht mehr zu gehen. Zieh einfach hier ein. Die Wohnung ist groß genug und Rebecca würde sich sicher auch freuen, wenn du bleiben würdest«, schlug ich vor, ohne groß darüber nachzudenken. 
Für mich war es die sinnvollste Entscheidung.

»Ich liebe dich«, bekam ich nur als Antwort auf mein Angebot und fand mich in einem atemberaubenden Kuss wieder.

»Das nehme ich dann als Ja auf und das kann ich nur zurückgeben.«

Die Drinks hätte ich nicht herrichten brauchen, denn diese standen am nächsten Morgen noch genauso unangetastet auf dem Couchtisch, wie ich sie hingestellt hatte.

Pascal trug mich auf Händen und das nicht nur im übertragenen Sinne. Er trug mich wirklich ins Schlafzimmer und wir verbrachten eine Wahnsinnsnacht zusammen. Wir hatten damals so oft und viel herumexperimentiert, dass er genau wusste, welche Knöpfe er bei mir zu drücken musste. Er hatte es auch, wie ich zu spüren bekam, nicht vergessen und brachte mich schneller und heftiger zum Höhepunkt als jeder andere. Unsere Sehnsucht war so gewaltig, dass es kein Wunder war, wie wir uns die ganze Nacht gegenseitig von einem Höhepunkt zum nächsten trieben. Erst als uns fast die Augen vor Erschöpfung zufielen, ließen wir es gut sein. Sogar die Dusche verschoben wir auf den nächsten Morgen. Ich konnte nicht mehr sagen, wie oft wir gekommen waren, aber die Sauerei musste bis morgen warten. Für mich zählte nur eines. Ich lag in den Armen meiner großen Liebe und war kurz davor, auf seiner Brust einzuschlafen.

»Hättest du bei mir eigentlich Ja gesagt, wenn ich dich an seiner Stelle gefragt hätte?«, bekam ich noch Pascals Frage irgendwo am Rand mit und säuselte nur ein einfaches »Ja«, bevor ich einschlief.

Gleich am nächsten Tag fuhren wir mit meinem Auto los, um einige Klamotten aus seiner Wohnung zu holen. Interessanterweise hatte er immer noch die Angewohnheit, nur das Nötigste zu besitzen. Es war schon mehr als damals, als er ins Wohnheim kam, aber mit drei Koffern war der Großteil seiner Klamotten verstaut. Über seine Menge an Kondomen habe ich mich doch etwas gewundert und ihn gefragt, was er hier bitte veranstalte. Wir hatten darüber offen gesprochen, dass wir gesund waren und auch nach den Jahren der Trennung immer aufgepasst hatten. Er hatte mir aber erklärt, dass er sie günstig im Netz geschossen hatte. War vielleicht auch nicht verkehrt, dass wir welche einsteckten, denn man wusste ja nie, wann es einen überkam. Das erste davon brauchten wir sogar schon auf der Rückfahrt. Ich hätte mich sonst nicht mehr auf die Straße konzentrieren können.

Mittlerweile besaßen wir beide einen Namen in der Branche und waren nicht mehr auf jeden kleinen Job angewiesen. So konnten wir beide gleichzeitig an derselben Produktion teilnehmen und mussten uns nicht über einen längeren Zeitraum trennen. So konnten wir, egal wo wir eingesetzt wurden, unsere Zeit miteinander verbringen. Über Rollen brauchten wir uns nie streiten. Er liebte es, den Helden zu spielen, und ich fand die Rollen der Widersacher immer interessanter. Sogar kleine Konzerte gaben wir gemeinsam oder traten bei einer Gala auf, wenn mal kein Job in Sicht war. Kurz gesagt, war es das Leben, welches wir uns damals für uns beide gewünscht hatten. Nur den kleinen Umweg hatten wir dort noch nicht auf dem Plan.

Ich durfte in meiner Karriere schon in viele Rollen schlüpfen, aber in unserer aktuellen Produktion fand ich meine Bestimmung. Ich ging förmlich in ihr auf und es wurde meine absolute Traumrolle. Ein ganzes Jahr durfte ich sie spielen und dementsprechend niedergeschlagen war ich, als die letzte Show bevorstand. Es wurde schon gemunkelt, dass sie die Produktion in ein oder zwei Jahren in einer neuen Stadt wieder aufführen wollten, aber dennoch war es irgendwo ein kleiner Abschied.
»Ich will nicht, dass es schon zu Ende geht«, lag ich Pascal traurig am Morgen der Dernière sagend in seinen Armen.

»Ich weiß, aber ein Grund, es richtig krachen zu lassen. Wer weiß, was heute Abend noch so passiert«, baute er mich auf.

Klar, würde sich danach wieder etwas Neues ergeben. Ich verstand auch, dass es kein Weltuntergang war, aber er wusste, wie viel mir diese Rolle bedeutete.

Es half alles nichts. Krankmelden war keine Option, denn ich wollte meiner Zweitbesetzung nicht meinen Platz überlassen. Wenn wollte ich mein Bestes geben und mich gebührend verabschieden. Wir verbrachten also einen schönen gemeinsamen Vormittag, bevor wir uns auf den Weg zum Theater machten. Zum Einsingen traf sich das ganze Ensemble hinter der Bühne. Normal war die Stimmung an so einem Tag immer etwas gedrückt, aber heute waren alle besonders aufgeregt, was ich seltsam fand. Sogar Pascal war nervös, obwohl er immer die Ruhe in Person war.

»Habe ich irgendwas nicht mitbekommen? Was ist heute mit dir und den anderen los?«, flüsterte ich meinem Schatz zu.

»Dir bedeutet das Stück so viel und da hast du mich wohl mit deiner Nervosität angesteckt«, erklärte er mir, was ich schon wieder verdammt süß fand von ihm.

Nach dem Einsingen verschwanden wir alle in unseren Garderoben und machten uns langsam für die Show fertig. Dabei wurde ich wieder melancholisch, aber spätestens nach dem Make-up musste ich mich zusammenreißen. Die Arbeit wollte ich nicht durch Tränen ruinieren. Die Zeit zog sich heute wie Kaugummi, aber endlich ging es los. Auf ein paar der Gags war ich ja vorbereitet und fand sie grandios, aber Pascal erwischte mich kalt. In diesem Stück spielten wir Rivalen und die Nummer vor der Pause war ein gewaltiges Duett zwischen uns. Wir duellierten uns dabei und sangen, wie sehr wir den anderen doch verabscheuten, bis wir außer Atem uns gegenüberstanden. Dann sahen wir uns so lange in die Augen, bis sich der Vorhang schloss. Nur nicht heute. Der Vorhang begann sich zwar zu schließen, aber plötzlich bewegte sich Pascal, zog eine weiße Rose hervor und hielt sie mir entgegen. Gott, ich wäre fast aus der Rolle gefallen und explodiert vor Lachen. Das Publikum ist es zumindest.

»Schatz, spinnst du? Dazu noch dein grenzdebiler Gesichtsausdruck. Ich wäre fast gestorben«, beschwerte ich mich grinsend, sobald wir von der Bühne runter waren.

»Dein Gesicht war Gold wert und ich hätte nie gedacht, dass du durchhältst«, meinte er und konnte sich kaum halten vor Lachen.

»Hoffentlich war das die einzige böse Überraschung für mich heute. Das war echt fies.«

»Sorry Schatz, aber wenn du es gewusst hättest, wäre es nur halb so lustig geworden«, entschuldigte er sich, aber ich fand die Idee ja selbst genial.

»Sag mal, täusche ich mich, oder sitzt Becca in der zweiten Reihe?«, fragte ich ihn, als wir in der Garderobe waren.

Ich war mir nicht hundertprozentig sicher. Immerhin waren wir fast zweihundert Kilometer von zu Hause entfernt.

»Ja. Sie wollte uns unbedingt spielen sehen und war noch nie bei einer Dernière. Sie wollte dich nachher überraschen.«

»Mich überraschen? Ihr seid doch beste Freunde«, meinte ich verwundert.

»Sicher, aber über die Jahre hat sie dich anscheinend genauso liebgewonnen wie ich dich.«

Es kam mir dennoch komisch vor, aber ich hatte dafür jetzt keinen Kopf und bereitete mich auf den zweiten Akt vor.

»So, jetzt noch einmal alles geben und danach geht’s in den wohlverdienten Urlaub«, dachte ich mir, bevor der erste Takt erklang.

Es wurde schlimm. Wirklich schlimm. Sie hatten echt ein paar fiese, unerwartete Dinge für mich vorbereitet, die mir einiges abverlangten. Was hatte ich ihnen bitte getan, dass sie alle auf mich losgingen? So hatte ich mir meine letzte Vorstellung bestimmt nicht vorgestellt. Dementsprechend froh war ich, als das Stück vorbei war und der Schlussapplaus anfing. Nacheinander gingen die einzelnen Gruppen auf die Bühne, um sich zu verbeugen. Warum hatten alle weiße Rosen in der Hand? Wo hatten sie die her und brauchte ich auch eine? Zeit darüber nachzudenken hatte ich keine, denn da erklang mein Name. Nun, ohne Rose ging ich auf die Bühne, verbeugte mich und reihte mich bei den anderen ein. Als Letzte waren die Hauptdarstellerin und Pascal an der Reihe, aber wieso kam sie allein? Wo war Pascal?

Was war bitte heute nur los? Ich verstand nichts mehr. Das war die seltsamste Dernière, welche ich bislang erlebt hatte, und wo um alles in der Welt war mein Freund? Plötzlich sahen mich alle an. Das Publikum applaudierte fröhlich weiter und die Musik ging los. Alle meine Kollegen fingen an zu tanzen und die Hauptdarstellerin kam auf mich zu, gab mir ein Küsschen auf die Wange und zerrte mich in die Bühnenmitte. Da setzte der Gesang ein und ich kannte das Lied genau. Es war »Marry You« von Bruno Mars, aber nicht in der Originalversion. Es war eindeutig Pascals Stimme und er kam im Frack von hinten auf die Bühne mit einem riesigen Strauß Rosen in den Händen. Da wurde mir klar, was die ganzen eingebauten Gags sollten. Sie hatten alle etwas mit dem Thema Hochzeit zu tun und jeder Anwesende hier wusste anscheinend Bescheid. Als das Publikum Pascal sah, brach es in Jubel aus, aber er stand da, sah mich an und sang für mich diesen Song.

Als das Lied vorbei war und er vor mir auf die Knie ging, wurde auch das Publikum still.

Er legte den Blumenstrauß zur Seite, holte eine Ringschachtel aus seiner Tasche, öffnete sie und hielt sie vor sich. Schon als er meinen Namen sagte, ging ich auf die Knie und fiel ihm küssend um den Hals. Sie mussten mein Mikro aufgedreht haben, denn mein »Ja« war im ganzen Saal zu hören und das Publikum klatschte, jubelte und pfiff zustimmend. Nun schloss sich auch der Vorhang und der gesamte Cast gratulierte uns.

»Hattest du echt keinen Verdacht?«, fragte er mich, als wir allein in der Garderobe waren.

»Absolut nicht. Ich war viel zu sauer auf euch, als dass ich das kapiert hätte, aber es erklärt so einiges.«

»Du liebst dieses Stück und ich dich. Ich wollte, dass der Abend für dich unvergesslich wird«, gestand er mir, und ich konnte nicht anders, als ihn dafür zu küssen.

»Diesen Abend werde ich niemals vergessen können«, sagte ich und betrachtete den schönen Ring an meinem Finger.

Wir brauchten recht lange, bis wir uns umgezogen hatten, weil ich nicht aufhören konnte, meinen Verlobten zu küssen. Verlobter! Irgendwie konnte ich es nicht ganz fassen, aber ich war überglücklich. Als wir endlich ins Foyer, zur Aftershowparty kamen, wurden die Stimmen lauter. Alle jubelten uns zu und Rebecca sprang erst Pascal in die Arme und anschließend mir. Von wegen, sie wollte sie einmal zusammen auf der Bühne sehen. Sie wollte ihrem Freund beistehen, je nachdem, wie der Antrag ausging. Als hätte ich zu meinem Traummann nein sagen können. Die Party war auf so viele Weisen gelungen. Unsere Verlobung stand im Vordergrund und wir mussten mit allen anstoßen und Fotos machen. Vom Veranstalter wurden wir gefragt, ob wir in einem Jahr wieder bei dieser Produktion auf der Bühne stehen würden und ob wir nicht Rollen in seinem nächsten Stück spielen wollten. Für nächstes Jahr haben wir ihm gleich zugesagt, aber bei der neuen wollten wir uns erst einmal das Skript anschauen. Es war einfach genial und ausgelassen feierten wir bis in die frühen Morgenstunden.

Eine Woche später ging es für uns in unseren ersten richtigen gemeinsamen Urlaub. Bisher hatten wir nur immer kurze Wochenendtrips veranstaltet, weil unser Terminkalender nichts anderes zuließ. Doch diesmal wollten wir mehr. Zwei Wochen Ruhe, Sonne und nur wir zwei allein. Unser Reiseziel: Gran Canaria. Ein kleiner Bungalow mit Meerblick und Pool. Weit und breit keine Nachbarn oder neugierigen Menschen. Es war der reinste Traum. Mit dem Mietwagen konnten wir, wann immer wir wollten, losziehen und waren an keine festen Essenszeiten gebunden. Nach unserer Ankunft kauften wir uns noch eine Flasche Wein und ein paar Snacks für den Abend. Wir machten es uns auf der großen Loungegarnitur auf der Terrasse gemütlich und sahen zu, wie die Sonne langsam im Meer versank. Nur um danach unter dem Sternenhimmel den Tag ausklingen zu lassen.

Klamotten kannten wir in unserer Unterkunft nicht. Sobald wir zur Tür reinkamen, ließen wir die Hüllen fallen. Für uns gab es nur Chillen, Schwimmen, Sex und pure Erholung. Ganz exzessiv ging es dabei zu, wenn wir uns gegenseitig mit Sonnenschutz eincremten. Ich nahm mir immer besonders viel Zeit, Pascal einzuschmieren. Anfangs lag er mit dem Bauch auf der Sonnenliege und ich setzte mich einfach auf seinen Hintern. Ich massierte die Sonnencreme sorgfältig auf jeden Zentimeter seines Oberkörpers. Schon dabei hatte ich eine ordentliche Latte, die derweil über seinen Hintern rieb. Danach waren seine Beine an der Reihe und bei den Oberschenkeln massierte ich so tief, dass meine Hände seine Eier berührten. Das brachte ihn schon ordentlich in Fahrt, was ich an seinem leisen Stöhnen ausmachen konnte.

Nachdem ich damit fertig war, setzte ich mich so auf seine Oberschenkel, dass meine Eichel seine Eier berührte und sie mit meinem Vorsaft einsaute. Allein ihn so zu berühren, machte mich tierisch an. Erst recht, wo ich nun seinen geilen Hintern in den Händen hielt. Natürlich konnte ich es nicht lassen, dabei wieder und wieder mit den Daumen fest über sein Loch zu fahren. Willig kam er mir dabei entgegen und ich drang in ihn ein. Erst nur mit dem Daumen, was ihn schon wilder werden ließ, aber diesen ersetzte ich schnell durch meinen Zeige- und Mittelfinger. Sobald ich dann seine Prostata massierte, wurde ich mit seinem tiefen, heißen Stöhnen beschenkt.

Ab dem Zeitpunkt gab es zwei Optionen. Entweder er bekam meinen Schwanz tief in sich zu spüren, oder ich befahl ihm, sich umzudrehen. Meistens nahm ich aber die Zweite, ließ ihn sich drehen und setzte mich auf seine Hüfte. Seinen Schwanz platzierte ich dabei zwischen meinen Arschbacken.

Wie ein Pascha mit verschränkten Armen hinter dem Kopf ließ er sich von mir verwöhnen und eincremen. Zwar stahl ich mir zwischenzeitlich immer mal wieder einen Kuss von ihm, aber reizte ihn auch bis an die Grenzen. Ob ich nun an seinen Nippeln spielte oder mich so lasziv auf ihm bewegte, dass sein Schwanz feuchte Spuren durch meine Kimme zog. Er ließ es sich laut stöhnend gefallen. Zumindest bis ich seinen Punkt erreichte und sich das Stöhnen in ein geiles, tiefes Knurren verwandelte. Wenn das passierte, lag ich Sekunden später selbst mit dem Rücken auf der Sonnenliege und mein Schatz steckte bis zum Anschlag in meinem Arsch. Er krallte sich dabei in meine Hüfte und trieb sich schnell und hart in mich. Wenn ich mich wichsen wollte, ließ er es nicht zu. Stattdessen fixierte er nun meine Handgelenke über meinem Kopf und küsste mich, während er mich wild weiter nahm. Meine Eier brodelten und sobald er anfing, meinen Hals zu küssen oder daran zu saugen, verdrehte ich die Augen. Ein gewaltiger Orgasmus überkam mich jedes Mal aufs Neue und unkontrolliert schoss meine Sahne nur so auf meinen Oberkörper. Er hörte danach nicht auf, sondern machte weiter, bis er tief in mir kam.

Doch war es noch lange nicht das Ende gewesen. Manchmal leckte er mir meine Sahne vom Körper oder wischte sie mit einem Handtuch ab, bevor er mich eincremte. Der Unterschied dabei war nur, dass er die ganze Zeit über in mir stecken blieb und das Ganze so weit lief, dass er erst zufrieden war, wenn ich meine Ladung in seinen Darm schoss. Unsere Spuren beseitigten wir anschließend immer mit einer Poolsession. Es kam nicht nur einmal am Tag vor, dass dies passierte, denn wir konnten einfach nicht genug voneinander bekommen und dort konnten wir es so oft wir wollten auskosten. Mir kam es vor, als wären dies schon unsere Flitterwochen gewesen.

»Wie stellst du dir denn unsere Trauung vor?«, fragte mich Pascal, als wir gerade in einem Restaurant zu Abend aßen.

»Puh, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Meinetwegen könnten wir uns auch gleich hier auf der Insel trauen lassen, oder hast du etwas anderes im Sinn?«, sagte ich ehrlich, denn für mich zählte mehr der Gedanke dahinter.

»Hmm, schon irgendwie. Eine große Feier mit unseren Freunden und Lieblingskollegen. Mit allem Drum und Dran. Einen Tag, den wir niemals mehr vergessen werden. Ich habe mir auch schon einen Tag überlegt«, meinte er und sah mich dabei einfach hinreißend an.

»Und der wäre?«

»Unser Jahrestag von damals. Im November.«

»Schatz, das ist nicht mal ein halbes Jahr hin? Wie wollen wir das so schnell organisieren? Ich find die Idee wirklich süß, aber das schaffen wir niemals, wenn du eine opulente Trauung möchtest«, sprach ich meine Bedenken laut aus.

»Wäre es denn überhaupt für dich in Ordnung?«

»Wenn du dir unseren Tag so wünschst, bin ich natürlich damit einverstanden, aber die Organisation wird heftig werden. Als Erstes müssten wir fragen, ob der Termin auf dem Standesamt noch frei ist.«

»Ist er«, kam wie aus der Pistole geschossen überglücklich von meinem Schatz.

»Und sogar schon reserviert«, kam verlegen hinterher, gefolgt von seinem Hundeblick.

Damit hatte er mich ein wenig überrumpelt.

»Wann hast du das bitte gemacht?«

»Noch bevor ich dich überhaupt gefragt habe. Becca und ich haben an einem Abend, als du eine Probe hattest, zusammengesessen und ich hatte ihr davon erzählt, dass ich dir einen Antrag machen will. Sie war sofort von meiner Idee und meinem Plan begeistert. Nur spannen wir gleich weiter, wie unsere Hochzeit aussehen sollte. Da kam ich auf den Termin und habe gleich am nächsten Tag auf dem Standesamt angerufen. Er war noch frei und ich nutzte die Chance. Apropos, da haben wir die Woche nach unserem Urlaub auch einen Termin«, erzählte er mir begeistert.

»Euch zwei kann man echt nicht allein lassen«, gab ich nur lachend meinen Kommentar dazu ab.

»Sorry, Schatz, aber deswegen würde auch schon vieles stehen. Becca ist ein Genie, wenn es ums Planen geht. Sie nervt mich schon die ganzen Tage, wann ich endlich mit dir darüber rede, damit sie richtig loslegen kann.«

»Na dann erzähl mir mal, was ihr schon alles geplant habt«, meinte ich und Pascal legte los.

Er musste felsenfest damit gerechnet haben, dass ich seinen Antrag annahm, denn im Grunde war die gesamte Hochzeit schon fast durchgeplant. Als Location hatten sie beim Stadtschloss angefragt, der Inn-Location, wenn es um Hochzeiten ging, und grünes Licht bekommen. Einladungskarten waren bereits liebevoll designt und sogar einen DJ hatten sie bereits an der Hand. Es würde nur noch meine Zustimmung fehlen und Rebecca würde sich um alles kümmern. Mit der Gästeliste hatten sie auch bereits begonnen, welche ich dabei war, mir anzusehen.

»Es fehlen nur noch deine Personen, welche du gern einladen möchtest«, sagte mir Pascal, und ich las erst einmal zu Ende.

»Eigentlich sind alle vertreten, nur bitte streicht meinen Vater von der Liste«, meinte ich hart.

»Bist du dir sicher? Meinst du nicht, er würde auch gerne dabei sein?«

»Nein! Er hat klar und deutlich gemacht, dass er nie wieder ein Wort von mir hören will. Nicht nur, weil ich keinen seiner großartigen Ratschläge jemals mehr befolgen wollte, sondern dazu noch schwul bin. Also ja, ich bin mir mehr als sicher. Er würde unseren Tag nur versauen«, machte ich Pascal klar und war mir sicher, dass meine Mum auch nicht erfreut gewesen wäre, ihren Ex-Mann bei der Hochzeit wiederzusehen.

Je mehr mir mein Schatz beim Essen von ihrer Planung erzählte, desto zuversichtlicher wurde ich, dass es mit unserer November-Hochzeit etwas werden würde, und er schaffte es, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Noch am selben Abend gaben wir nach einem langen Telefonat mit Rebecca ihr das Go, zu starten und den Termin überall zu bestätigen.

Damit war unser Teil erledigt und wir gaben uns wieder der puren Entspannung hin. Wenn es nach Rebecca ginge, dann hätte sie uns am liebsten am gleichen Abend unserer Ankunft überfallen, doch wir konnten sie auf den nächsten Tag vertrösten. Wahnsinn, was diese Frau in einer Woche zu Stande brachte. Vor uns lag ein Ordner, gefüllt mit Vorschlägen und Impressionen. Sie hatte wirklich an jedes noch so kleine Detail gedacht und wir brauchten nur durchblättern und zu sagen, was uns gefiel. In derselben Woche meldete sich auch mein Management bei mir. Ein Hochglanzmagazin wollte aus unserer Hochzeit eine Exklusivstory machen. Dafür stellten sie uns kostenfrei Fotografen, Videografen, Visagisten und eine noch atemberaubendere Location inklusive der Dekoration zur Verfügung. Im Paket enthalten war sogar ein renommierter Hochzeitsplaner.

Da brauchten wir nicht groß zu überlegen und nahmen das Angebot an. Rebecca bekam Unterstützung und hatte somit auch jemanden zum Rumkommandieren, aber bei ihr waren wir uns sicher, dass unsere Wünsche berücksichtigt werden. Unsere Aufgabe bestand nur darin, ein paar Interviews einzeln oder gemeinsam zu geben und natürlich unsere Anzüge auszusuchen. Von der restlichen Planung bekamen wir so gut wie gar nichts mit, außer wenn wir uns mit Becca trafen und sie ohne Punkt und Komma uns auf den aktuellen Stand brachte.

Einen Junggesellenabschied wollten wir beide nicht. Ich hatte sowieso niemanden, der mir so nahestand, dass ich ihn als Trauzeugen einsetzen konnte, und Rebecca kam auch Pascals Wunsch nach, keine große Party für ihn zu planen. Stattdessen organisierte sie für uns beide eine Woche vorher ein nettes Essen mit all unseren engsten Freunden, meiner Mum und meinen Großeltern. Den Abend vor der Hochzeit verbrachten wir beide gemeinsam, gemütlich auf der Couch, bevor wir am nächsten Morgen sehr früh aus dem Bett geklingelt und getrennt wurden.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich die Ruhe selbst, aber je näher wir der Location kamen, desto nervöser wurde ich. Meine Mum hielt die Autofahrt über sogar meine Hand, da sie nicht aufhören wollte zu zittern. Bis das Visagisten-Team eintraf, hatten wir noch reichlich Zeit und ich beruhigte meine Nerven mit einer kalten Dusche. Anschließend schenkte uns meine Mum ein Glas Sekt ein und wir genossen das Frühstück, welches uns von der Location hergerichtet wurde. Meine Mum war selbst aufgeregt und erzählte immer wieder, wie stolz sie auf mich sei oder was Pascal für ein großartiger Mann wäre. Auch über meinen Dad haben wir kurz ein paar Worte verloren, doch es war die richtige Entscheidung, ihn nicht eingeladen zu haben. Wir waren so vertieft, dass wir die Zeit komplett vergaßen, bis plötzlich die Visagistin ins Zimmer kam, um mich herzurichten. Ich allerdings saß noch immer im Bademantel da und musste nun Gas geben, mich anzuziehen.

Ich war so gut wie fertig und es fehlte nur noch die Krawatte. Die wollte mir meine Mum binden und schon, als sie mich in meinem hellblauen Anzug sah, konnte sie ihre Tränen nicht mehr halten. Sie zu beruhigen, lenkte mich selbst von meiner eigenen Nervosität ab, aber ich musste mich auch anstrengen, nicht mit einzusteigen und das Werk der Visagistin zu ruinieren. Dann war es endlich so weit und wir machten uns auf den Weg.     

Endlich sah ich meinen Schatz. Er stand keine drei Meter von mir entfernt mit Rebecca an seiner Seite. In seinem beigen Anzug sah er atemberaubend aus und nun dauerte es nicht mehr lang, bis ich ganz offiziell sein Mann wurde. Die Musik setzte ein und das war unser Zeichen. Noch ein letztes liebevolles Lächeln und die beiden setzten sich in Bewegung. Mit etwas Abstand folgte ich ihm mit meiner Mum an meiner Seite. Unsere Gesellschaft bestand aus fast einhundert Freunden, Verwandten und Kollegen. Der Saal war lichtdurchflutet und traumhaft schön nach unseren Vorstellungen geschmückt. Alle schauten uns mit freudigen Gesichtern an, andere trockneten schon die ersten Freudentränen mit Taschentüchern und eine Dreiviertelstunde später jubelten sie, als wir uns das Ja-Wort gaben. Nun war ich tatsächlich sein Mann und ich hätte nicht glücklicher sein können.

Nach der Trauung nahm uns der Fotograf in Beschlag und das Shooting führte uns einmal quer über das Gelände, aber es machte riesigen Spaß. Ich war schon auf die fertigen Fotos gespannt, denn das, was wir auf dem kleinen Bildschirm der Kamera zu sehen bekamen, sah grandios aus. Nach den Fotos nahmen wir uns einen kurzen Augenblick für uns, bevor wir uns unter die Gäste mischten. Wir wurden von allen Seiten gedrückt, beglückwünscht und genossen unseren besonderen Tag. Vor dem Essen war es an der Zeit für unsere Rede. Pascal begann damit, unsere gesamte Geschichte zu erzählen und mir zu sagen, wie sehr er mich liebte. Ich hatte gar nicht mehr viel zu sagen außer: »Wegen dir wurde ich zu dem Menschen, der ich jetzt bin. Du warst meine erste große Liebe und für mich stand immer fest, dass du es auf ewig bleiben wirst.«

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7 Kommentare zu „Ein Blick hinter den Vorhang“

  1. Ein letztes mal mein lieber.
    Machst du uns schlecht und läßt uns nicht in Ruhe.Hast du keine Geheimnisse mehr.Wenn du uns vernünftig behandelst bleibt alöes wie bisher bei mir .Wir lassen uns nicht öffentlich ohne Grund beleidigen.Wenn das Okay ist schreibst du unten nochmal Tim .Ich lese ein Okay und die Sache ist vergessen.
    Ich Idiot mag dich leider immer noch,aber dann kommt nichts mehr.Und fange nicht Erpressung an.Wir möchten nur Ruhe

    1. Du merkst es nicht oder? Wo habe ich euch beleidigt? Richtig nirgends. Du hättest genauso dein Kommentar in der allgemeinen Rubrik auf MfM schreiben können. Richtig hast du nicht, weil dann alle die nächste Drohung schwarz auf weiß gesehen hätten. Zum Verständnis: Hast du keine Geheimnisse mehr ist in dem Fall eine Drohung. Das einzige was ich getan hab ist die Tatsache auf den Punkt zu bringen, das du den Leuten erzählst was sie hören wollen. Oder ist es gelogen, das du unter eine Story geschrieben hast das deine Ex eine wirklich gute Freundin ist. Ist es gelogen, das du mir geschrieben hast das du sie verklagt hast, das sie in deinem Namen die ganzen Hasskommentare geschrieben hat? Merkst selbst, das es da einen Widerspruch gibt? Hör damit auf dich als Opfer darzustellen. Lass mich ein für alle mal in Ruhe. Mich interessieren eure Mails nicht mehr, oder eure Kommentare. Wie gesagt ich kann nicht verbieten das ihr meine Geschichten lest. Tut es meinetwegen, aber bitte behaltet eure Meinung für euch! Ihr seid es die mir nicht aufhören zu schreiben oder mich in Kommentaren erwähnen. Lasst es und ihr habt vor mir Ruhe. Ganz einfach!

    2. Eine wunderbare Geschichte. Über einen langen Zeitraum handelnd und dich kurzweilig. Nie langatmig und mitreißend. Ich habe die Zeit beim Lesen sehr genossen. Solche Geschichten sind die besonderen Momente, die mich innerlich zur Ruhe kommen lassen und für einen kleinen Zeitraum einfach ein schönes Gefühl erzeugen. Danke dafür.

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