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Mein Auftrag in Bella Italia

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Wie eine ungewöhnlichen Bitte mein Leben auf den Kopf stellte… 

Vincents Leben hätte perfekter nicht sein können. Einen erfolgreichen Job, einen bildhübschen Verlobten und die eigenen vier Wände. Warum konnte er also nicht glücklich sein? Irgendetwas passte nicht.

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113–170 Minuten
Der Schein trügt

Mein Leben war perfekt! Zumindest könnte man das meinen, wenn ich jemandem davon erzählte. Mit meinen 28 Jahren hatte ich schon so einiges erreicht, wovon manche zu dieser Zeit nur träumen konnten. Ich habe es über die Jahre geschafft, mir einen Namen zu machen, und war ein erfolgreicher Eventmanager. Privat sah es auch nicht schlecht aus. Ich hatte einen Verlobten und wir wohnten gemeinsam in einer atemberaubenden Eigentumswohnung. Er hatte mir vor fast drei Jahren einen Antrag gemacht und zu dieser Zeit hätte ich ihn auch sofort geheiratet. Viele unserer Freunde verstanden nicht, wieso wir den nächsten Schritt nicht wagten.
»Ihr seid doch so ein perfektes Traumpaar«, waren immer ihre Aussagen und sicher, optisch waren wir es, aber hinter der freudigen Fassade brodelte es gewaltig.

Es fing alles damit an, dass er seinen Job verlor. Seine Stelle wurde der Firma zu teuer und sie hat ihn mit einer guten Abfindung entlassen. Ich dachte, dass er sich auch wieder etwas Neues suchen würde, und anfangs hatte er es auch tatkräftig versucht, doch er fand es bequemer, den ganzen Tag auf der faulen Haut zu hocken. Zwischendrin hatte er auch die wahnsinnige Idee, ein Fitness-Influencer zu werden, aber auch dazu fehlte ihm die nötige Motivation. Erst recht, als er bemerkte, was für eine Arbeit wirklich dahintersteckte.

Als wir beide arbeiteten, war noch alles zwischen uns harmonisch. Jeder hatte seine Zeit für sich genutzt und es kam zu keinen Reibereien. Nun war ihm aber langweilig und er lag mir stets und ständig in den Ohren, dass ich doch einfach mal einen Tag freimachen könnte, weil er genau jetzt unbedingt etwas unternehmen wollte. Natürlich ging das nicht so einfach, was er absolut nicht verstehen wollte. Nach ein paar Monaten wusste nichts mit dem Tag anzufangen und als ich fertig war mit meiner Arbeit lag er mir so lange in den Ohren, bis wir jeden Abend nur unterwegs waren. Es nervte mich gewaltig und ich hätte schon gerne mal einen Abend auf der Couch verbracht, aber tat es ihm zuliebe. Schlimmer wurde es sogar noch, wenn ich beruflich in der Welt unterwegs war und er mal eine ganze Woche am Stück allein daheim verbrachte. Unsere gemeinsame Zukunft begann zu bröckeln, denn ich war jedes Mal aufs Neue froh, endlich in den Flieger oder Zug zu steigen.

Ich besaß einen größeren Bekanntenkreis und auch durch meinen Job kam ich mit vielen Menschen ins Gespräch. Dadurch kamen bei mir teilweise wilde Geschichten über meinen Verlobten an. Anfangs glaubte ich nicht, dass sie meinen Freund beim Flirten beobachtete hätten, oder wie er angeblich Arm in Arm mit anderen Kerlen gesehen wurde. Ich vertraute ihm und wahrscheinlich verwechselten sie ihn nur. Bis sich die Anschuldigungen anfingen zu häuften und mir sogar Bilder geschickt wurden. Angeblich passierte es nur, wenn ich beruflich unterwegs war, und es ließ mir keine Ruhe mehr. Ich wollte dem ganzen auf den Grund gehen und so erzählte ich ihm, dass ich beim letzten Mal erst am Montag wieder heimkommen würde, flog aber schon am Samstagnachmittag wieder zurück.

Als ich am frühen Abend zur Tür hereinkam, war er nicht daheim und sicher wieder im Fitnessstudio, wie sonst auch um diese Zeit. Ich fing an, meine Sachen zu verstauen, und setzte mich anschließend ins Wohnzimmer, um auf ihn zu warten. Zwei Stunden später betrat er sogar die Wohnung, nur schien er nicht allein zu sein.
»Wow, krass, was für eine schicke Bude«, hörte ich eine fremde Stimme sagen.
»Warte erst, bis du das Schlafzimmer siehst. Komm her, ich will dich endlich vögeln.«

Das hat gesessen. Denn es war definitiv die Stimme meines Verlobten. Anscheinend flirtete er nicht nur, sondern schleppt die Kerle direkt ab. Es versetzte mir einen gewaltigen Stich und ich brauchte einen Moment, damit ich nicht sofort in Tränen ausbrach. Denn bis zu diesem Moment hatte ich ihn noch geliebt. Ich konnte ihr Treiben bis ins Wohnzimmer hören und es war Zeit, dem ein Ende zu setzen. Ich stand auf, straffte meine Schultern und setzte mich in Bewegung. Die beiden haben mich nicht einmal mitbekommen, als ich im Türrahmen stand, und ich schaltete einfach das Licht ein. Ich war gerade dankbar dafür, dass sich die Trauer in mir in blanke Wut verwandelte, als sie mich geschockt ansahen.

»Scheiße, Vincent, wieso bist du schon hier?«, platzte es aus Florian heraus.
»Wer ist der heiße Kerl?«, fragte sein Betthäschen dämlich und ich hoffte ernsthaft das er schon volljährig war.
»Der heiße Kerl ist sein Verlobter. Warte, nein, Moment, er war sein Verlobter und jetzt raus aus meiner Wohnung! Beide!«, gab ich den Befehl und er sprang von Flo herunter und zog sich eilig seine Klamotten wieder an.
»Du hast mir nichts von einem Verlobten erzählt«, protestierte sein Lover, während er sich sein Shirt über den Kopf zog, bevor er mich musternd langsam an mir vorbeiging und die Wohnung verließ.

Flo lag nackt im Bett und starrte mich noch immer schockiert an.
»Spreche ich undeutlich? Zieh deine Klamotten an und verpiss dich. Deine restlichen Sachen kannst du die Tage abholen, aber jetzt verschwinde!«, brüllte ich ihn an.
»Bitte Vincent, es war nur ein Ausrutscher. Eine einmalige Sache. Ich verspreche dir das es nie wieder vorkommen wird. Wir sind doch verlobt und ich liebe dich doch.«, fing er an zu jammern, aber verarschen konnte ich mich allein.
»Ach ja? Soll ich mal in deinem Fitnessstudio vorbeigehen und fragen, wem du alles deine Zunge in den Hals geschoben hast? Ich hoffe für dich, dass du wenigstens ein Kondom benutzt hast, wenn du es mit den Kerlen getrieben hast. Mir wurde nicht nur einmal gesagt, dass du mit jemandem im Arm verschwunden bist. Ich kann dir auch gerne ein paar interessante Bilder zeigen. Anscheinend erzählten sie alle die Wahrheit und jetzt verpiss dich aus meiner Wohnung, oder du kannst gleich deine Klamotten auf der Straße einsammeln«, drohte ich ihm.
»Die Verlobung ist hiermit aufgelöst«, schoss ich noch hinterher und warf ihm den Ring entgegen.

Er war geschockt von meiner Ansage, das ich schon länger darüber Bescheid wusste und traute sich darüber kein Wort mehr zu verlieren. Auch verzog er seltsam das Gesicht, als ich die Verhütung ansprach. Na prima, das auch noch. Endlich begann er, sich langsam anzuziehen, und schlich an mir vorbei zur Tür. Die ganze Zeit über schaute er mich verletzt an, als hätte er noch die Hoffnung, ich würde es mir anders überlegen, bis er endlich im Hausflur stand.
»Den Schlüssel!«, gab ich ihm noch die Anweisung und er händigte ihn mir widerwillig aus.
»Du bist doch selbst daran schuld. Wenn du dich mehr um mich als um deinen beschissenen Job gekümmert hättest, wäre es nie so weit gekommen«, gab er mir noch mit auf den Weg.

Ich schlug ihm die Tür vor der Nase zu und es war mir egal, wo oder mit wem er die Nacht verbrachte. So viel zu „Mein Leben wäre perfekt“. Es war ein verdammter Scherbenhaufen. Ich ließ mich an der Tür herabsinken und nun überkamen mich meine Tränen. Er hatte mir das Herz gebrochen und mich monatelang verarscht, wenn nicht sogar jahrelang.

Am nächsten Tag nutzte ich die angestaute Wut und den Frust dazu, seine ganzen Sachen in den Keller zu räumen. Danach nahm ich noch die Bilder von den Wänden, auf denen wir gemeinsam posierten, zerriss sie und warf sie in den Papierkorb. Diese Wohnung würde er nicht noch einmal betreten und es war befreiend, einen Teil von ihm beseitigt zu haben. Dennoch ging es mir dreckig und ich vergrub mich in Arbeit. Das half immer, um meine Nerven zu beruhigen, oder Sport, aber in meinem aktuellen Zustand wollte ich die Wohnung nicht verlassen. Am Nachmittag klingelte es und ich dachte schon, Flo würde schon seine Klamotten holen, aber stattdessen kam sein Lover die Treppe hoch.

»Was willst du denn noch hier? Was vergessen?«
»Nein, aber ich wollte mich entschuldigen. Ich wusste wirklich nicht, dass er vergeben ist. Mir hatte er erzählt, dass er Single wäre«, erklärte er und kam verdammt dicht vor mir zum Stehen.
»Passt schon, kannst du ja nichts für«, meinte ich und er machte keine Anstalten zu gehen.
»Sonst noch irgendwas?«, hakte ich nach, da er mich so seltsam ansah.
»Nun ja, du bist ja jetzt sicher Single und schaust echt richtig heiß aus«, flötete er und legte mir seine Hand auf meine Brust.
»Sag mal, geht’s noch? Deswegen bist du hier? Nein, danke. Kein Interesse und jetzt sieh zu, dass du Land gewinnst«, knurrte ich und schlug seine Hand weg.
»Schade, aber einen Versuch war es wert«, meinte er, zwinkerte mir zu und ging, ohne zu protestieren.
Ich fühlte mich wie im falschen Film.

Am Abend hatte ich mich gerade mit einer Flasche Wein auf das Sofa verkrochen, um meinen Kummer damit zu ertränken. Gerade als der Film ein paar Minuten lief, klingelte es erneut.
»Wer denn nun schon wieder? Können die mich nicht einfach nur in Ruhe lassen?«, dachte ich mir und ging zur Tür.
»Was gibt’s?«, meldete ich mich durch die Sprechanlage.
»Ich bin es, Anja, mach mal auf«, meldete sich meine beste Freundin und ich machte ihr auf.
Zu meinem Entsetzen kam sie aber nicht allein die Treppe herauf, sondern Flo schlich hinter ihr her und ich stellte mich provokant in die Tür.
»Willst du uns nicht hereinlassen?«, fragte sie verwundert.
»Dich gerne, aber er hat hier nichts mehr verloren«, machte ich ihnen klar.
»Komm schon, Vincent. Er hat mir schon die ganze Nacht und den ganzen Tag die Ohren vollgeheult, wie leid ihm der Seitensprung tut und wie sehr er dich liebt. Ich weiß, es war mies von ihm, aber ihr seid schon so lange zusammen. Denkst du nicht, dass du es ihm verzeihen kannst?«, meinte sie und legte mir eine Hand auf den Arm.

»Interessant. Hat er dir auch von den Unzähligen davor erzählt? Ich weiß nicht, wie viele es genau waren, aber der von letzter Nacht war definitiv nicht sein erster. Das kann und werde ich ihm niemals verzeihen, geschweige denn ihm jemals wieder vertrauen. Es ist aus und seine Sachen sind bereits im Keller.«
Anjas Gesichtszüge entglitten und ich wollte gerade nicht in Flos Haut stecken. Anja war der liebste Mensch, aber wenn man sie verarschte, konnte sie auch anders.
»Stimmt das?«, fuhr ihn Anja an.
»Es waren ein paar, aber ich liebe dich dennoch. Es war nur Sex und mehr nicht«, versuchte er sich zu erklären.
Die Ohrfeige von Anja danach hatte es in sich und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Verdient hatte er sie allemal.
»Spinnst du?«, fuhr er sie an und Anja fing an zu toben.
»Willst du mich verarschen? Gestern war es noch ein kleiner Fehltritt, weswegen du heulst und so lange bettelst, bis ich für dich ein gutes Wort bei Vincent einlege. Dabei vögelst du fröhlich in der Weltgeschichte rum und erwartest ernsthaft, dass man dir das verzeiht? Wie erbärmlich bist du bitte? Verschwinde und denk nicht dran, mich noch einmal zu fragen, ob du bei mir unterkommen kannst.«

Die Ansage hatte gesessen und er wusste, dass es hier und jetzt das Ende bedeutete. Heulend und ohne ein weiteres Wort verzog er sich und Anja nahm mich in den Arm.
»Sorry Vincent, das habe ich nicht gewusst. Es tut mir so leid für dich.«
»Brauch es nicht, aber komm rein, dann erzähle ich dir alles bei einem Glas Wein.«

Ich wusste, dass ich ihr vertrauen konnte, und erzählte ihr die ganze Geschichte hinter unserer ach so großartigen Fassade, auch dass mir viele Anschuldigungen gegen Flo zu Ohren kamen. Ich verstand auch nicht, wieso er bei meiner besten Freundin Unterschlupf suchte, aber wahrscheinlich war sie die Einzige, welche ihn aufgenommen hatte.
»Ich hatte schon vermutet, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Sei froh, dass ihr nicht geheiratet habt. Anscheinend hatte dein Bauchgefühl recht und er war nicht der Richtige für dich. Du wirst sehen, sobald es dir wieder besser geht, wird schon der nächste vor deiner Tür stehen«, versuchte sie, mich aufzubauen.
»Möglich, aber aktuell brauche ich niemanden. Es waren acht verschwendete Jahre, auch wenn nicht alles daran schlecht war.«
»Mach einen Strich drunter und wenn du noch bei irgendetwas Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid, oder wenn er dir zu lästig wird. Dann kümmere ich mich um ihn.«
Damit brachte sie mich zum Lachen, denn wenn Anja einmal in Fahrt war, wollte man sich nicht mit ihr anlegen. Wir wechselten auch schnell das Thema und es tat gut, mal nicht an meine versaute Beziehung denken zu müssen. Wenigstens für ein paar Stunden.

Einen bitteren Nachgeschmack hatte die ganze Geschichte aber dennoch. Ich hatte natürlich die Zeit über mit Flo geschlafen und wir benutzten schon lange keine Kondome mehr. Sein Blick sah auch nicht danach aus, als hätte er daran etwas geändert. Ich konnte nur hoffen, dass er mir nicht noch etwas angehängt hatte. Deswegen war meine erste Amtshandlung am Montag der Gang in eine Testeinrichtung, damit sie mir Blut abnahmen und ich mich auf HIV und sonstige Krankheiten testen lassen konnte. Danach vergrub ich mich in Arbeit und noch mehr Arbeit. Es war eine schlimme Zeit der Ungewissheit. Obwohl der erste Test negativ ausfiel, musste ich nun drei Monate warten und erst dann konnte ich entweder aufatmen oder hatte die gewaltige Arschkarte gezogen. Bis auf Anja zog ich mich komplett aus meinem Bekanntenkreis zurück. Ich wollte niemanden sehen und auch mit keinem über meine aktuelle Situation reden. Mein Alltag bestand also nur aus Arbeiten, Sport und ab und zu mal auf dem Sofa Chillen bei einem guten Film oder einer Serie. Ich war froh darüber, dass meine Kapazitäten zu dieser Zeit auch ordentlich ausgebucht waren. Bis auf die Sommermonate war ich komplett geblockt, aber das war normal. Im Sommerloch machten die wenigsten Firmen ihre Events, wenn alle in ihren wohlverdienten Urlauben unterwegs waren. 

Ein wenig mehr als drei Monate und vier erfolgreiche Events später war es wieder so weit. Ich hatte mich jeden Monat per Selbsttest davon überzeugt, dass sich nicht doch etwas änderte, aber auch diese blieben negativ. Leider konnte man nicht hundertprozentig auf sie vertrauen und so ließ ich mir wieder Blut abzapfen. Es hieß wieder eine Woche warten, bis ich mein Ergebnis abholen konnte. Es war schon mal ein gutes Zeichen, dass sie mich nicht angerufen hatten, aber dennoch war mir speiübel auf dem Weg dorthin. Doch es war zum Glück alle Aufregung umsonst gewesen. Alles negativ und ich konnte endlich seit drei Monaten wieder aufatmen und der gewaltige Druck in meinem Inneren verschwand augenblicklich. Ich schrieb sofort Anja die guten Nachrichten.
»Klasse, Vincent, das muss gefeiert werden. Lass uns morgen Abend ausgehen und darauf anstoßen«, bekam ich neben dem Daumen nach oben ihre Antwort.
Schon wieder absagen wollte ich ihr auch nicht und vielleicht tat es ja gut, mal wieder rauszukommen, also sagte ich zu.

Auch wenn ich niemanden aufreißen wollte, machte ich mich den Abend zurecht, bevor ich zu Anja fuhr, um sie abzuholen.
»Hey, du schaust ja richtig hübsch aus. Hast du es dir doch anders überlegt und begibst dich wieder auf die Jagd?«, flötete sie und hatte anscheinend schon ein paar Drinks intus.
»Nein, aber ich kann ja schlecht unrasiert und in Jogginghose in den Club gehen. Lass uns einfach Spaß haben und etwas tanzen. Falls dir aber eine gefällt, dann tu die wegen mir keinen Zwang an.«
Wir fuhren in den gleichen Gay-Club wie immer, denn Anja stand auf Frauen und damit war es auch ihr Jagdrevier. Anfangs war es auch ganz in Ordnung und wir hatten unseren Spaß, doch es dauerte nicht lange, bis Anja eine neue Bekanntschaft machte und sich ihre Aufmerksamkeit verlagerte. Ich gönnte es ihr, doch nun zog ich auch die Aufmerksamkeit der anderen Kerle auf mich. Die ersten konnte ich noch mit »Kein Interesse« schnell wieder loswerden, doch je später der Abend wurde, desto aufdringlicher wurden auch sie dank ihrem Alkoholspiegel.

Sogar der junge Blondschopf erkannte mich wieder und kam freudestrahlend auf mich zu.
»Hey Süßer, hast du die Trennung endlich überwunden und hältst wieder Ausschau? Habe ich jetzt vielleicht eine Chance bei dir?«, säuselte er und fing wieder an, mich zu betatschen.
»Gleiche Antwort wie damals. Nein! Jetzt lass den Scheiß und verzieh dich«, fuhr ich ihn an und schlug seine Hand erneut weg.
»Man, was habe ich euch denn getan? Ich wusste nichts von euch und auch von Flo habe ich heute schon eine Abfuhr bekommen.«

Bei der Aussage schlugen bei mir alle Alarmglocken an. Ich habe ihn das letzte Mal zwei Wochen nach seinem Rausschmiss gesehen, als er endlich seine Sachen abholte.
»Was? Flo ist hier?«, fragte ich ihn schockiert.
»Ja, da drüben auf der Tanzfläche zwischen den zwei Kerlen«, meinte er und zeigte in die Menge.
Ich folgte seinem Finger und tatsächlich war dort mein Ex. Er tanzte lasziv zwischen zwei muskelbepackten Typen und schob abwechselnd seine Zunge in ihre Münder. Er kam anscheinend besser mit unserer Trennung zurecht als ich, aber ich hätte nie erwartet, dass er so drauf war. Wie konnte ich mit so einem Kerl nur verlobt gewesen sein? Mir wurde schlecht und ich wollte schleunigst hier raus.

Ich versuchte, Anja zu finden, aber konnte sie nirgends im Club sehen und beschloss, nach draußen zu gehen. Vor der Tür angekommen liefen wir uns fast in die Arme.
»Vincent, ist alles gut? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«, fragte sie mich beunruhigt.
»Nein, Flo, er ist hier. Ich werde jetzt fahren. Bleibst du noch oder soll ich dich mitnehmen?«
»Oh Shit. Ich wollte dich eh gerade suchen und dir sagen, dass wir beide …«, sie zeigte auf ihre neue Bekanntschaft, »… uns ein Taxi rufen wollen, um zu mir zu fahren«, erklärte sie mir.
»Kein Ding, ich fahre euch heim, aber lass uns bitte los.«
Sie holten noch ihre Jacken und wir gingen zum Auto. Auf dem Weg und der Fahrt sprach ich kein Wort. Ich verstand es selbst nicht, aber ich war innerlich aufgewühlt und verletzt. Es dauerte nicht lang, bis wir bei Anja ankamen.
»Nimm es dir nicht so zu Herzen und vergiss ihn endlich. Er ist es nicht wert, dass du dich wegen ihm so fertig machst«, sagte Anja und gab mir einen Kuss auf die Wange, bevor die beiden ausstiegen.
»Schreib mir auf jeden Fall, wenn du zu Hause angekommen bist«, rief sie noch, bevor sie die Tür schloss.

Es nervte mich, dass Flo mit seiner Anwesenheit noch so eine Macht über mich hatte und diese Gefühle in mir auslöste. Wie automatisch flossen mir die Tränen auf dem Weg nach Hause über die Wange und tropften auf mein Shirt. Wenigstens waren die Straßen leer und ich brauchte nicht lange für den Heimweg. Ich schrieb noch schnell Anja, nachdem ich den Wagen geparkt hatte, und ging anschließend nach oben. So konnte es nicht weitergehen und der Lichtblick war mein nächstes Event. Es war vorerst mein letztes vor der Sommerpause und danach musste sich etwas drastisch ändern. So vergrub ich mich also wieder in meine Arbeit und absolvierte auch dieses Event wieder mit einem erstaunlich positiven Abschlussmeeting. Die nächsten Aufträge im Herbst wurden schon gebucht und von der Firma geblockt. Nur wie es so mit guten Vorsätzen ist, änderte sich auch nach dem Event vorerst nichts und ich versank wieder in meinem Loch.

Mittlerweile war es April und die Temperaturen kletterten herauf und ich beschloss, wieder laufen zu gehen. Seit zwei Tagen versuchte mich auch eine italienische Nummer zu erreichen, aber sobald ich rangehen wollte, wurde aufgelegt. Ich dachte mir nichts dabei, bis ich eine Mail von einem Weingut bekam. Ich habe den Betreiber letztes Jahr kennengelernt, da ich dort für einen Kunden eine Veranstaltung betreute. Der Inhaber war ein freundlicher Italiener und sein Weingut war traumhaft schön. Er hatte mir damals angeboten, noch eine Woche dort zu bleiben, um mir Verona und die Gegend anzuschauen. Es gefiel mir dort, aber Flo lag mir schon in den Ohren, wann ich denn endlich wieder nach Hause kommen würde, also sagte ich schweren Herzens ab.

Nun wusste ich auch, wer mich versuchte anzurufen, denn die Nummer gehörte zu genau diesem Weingut. Die Anfrage klang mehr wie eine Bitte. Er war damals begeistert von meiner Arbeitsweise und der Liebe zum Detail. Sie wollten Ende Juni selbst ein Event auf die Beine stellen, um die Übergabe des Familienunternehmens an die nächste Generation bekannt zu geben. Anscheinend hatte sich seine Tochter nun doch entschlossen, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Dazu wollten sie nun die gesamte Familie, alle Lieferanten und auch Freunde einladen. Es sollte ein gewaltiges Fest daraus gemacht werden. Sie baten mich um Unterstützung, aber das Budget dafür fehlte. Ich hatte dem alten Herrn damals erzählt, dass mein Tagessatz bei fast fünfhundert Euro lag, und er konnte sich sogar noch gut daran erinnern. Dafür machte er mir aber einen viel interessanteren Vorschlag. Dreitausend Euro pauschal, aber dafür zwei Monate freie Verpflegung und Unterbringung bei ihnen auf dem Weingut, während ich meine Arbeit vor Ort erledigte. Start wäre sogar schon nächste Woche. Ich glaube, selbst ohne die Bezahlung wäre ich auf ihr Angebot eingegangen. Diese Auszeit konnte ich gerade sehr gut gebrauchen.

Ich griff gleich zum Telefon und rief die Nummer zurück und kam diesmal durch.
»Hallo, hier ist Vincent. Ich habe gerade eure Mail gelesen und bin damit einverstanden«, erklärte ich und dachte, ich hätte den älteren Herren direkt am Telefon.
»Oh, ciao Vincenzo, Papa erzählte mir, dass er dich versuchte zu erreichen. Moment, ich hole ihn.«, flötete Isabella, seine Tochter, ins Telefon.
Das fand ich letztes Jahr schon Wahnsinn, diese melodische Aussprache aus Deutsch und Italienisch. Allein das hob schon meine Stimmung.
»Ciao Vincenzo, come va? Hast du meine E-Mail erhalten?«, meldete sich Fabrizio.
»Hallo Fabrizio, mir geht es gut und dir hoffentlich auch. Ja, ich habe sie erhalten und wäre damit einverstanden. Ich stehe euch sofort zur Verfügung«, bestätigte ich ihm.
»Fantastico. Du bist immer bei uns willkommen. Ich sage gleich Francesca, dass sie dir bis Montag dein Zimmer fertig macht.«
»Danke, Fabrizio, dann sehen wir uns nächste Woche. Ich freue mich darauf, endlich mehr von eurer Heimat sehen zu dürfen«, sagte ich und wir verabschiedeten uns.

Nun hatte ich noch fünf Tage, um alles zu planen. Gleich nach unserem Telefonat checkte ich Zugverbindungen und Flüge, doch die Preise schlugen dem Fass den Boden aus. Die Flüge waren überteuert und dabei hatte ich noch kein Gepäck dabei. Die Züge waren mir mit ihren kurzen Umsteigezeiten zu unsicher und am Ende müsste ich noch irgendwo an einem Bahnhof übernachten. Außerdem bräuchte ich nicht viel länger als mit dem Auto. Dabei fiel mir die Wahl nicht schwer und mit einem Cabrio durch Italien zu fahren, hatte bestimmt seinen Reiz. Klamotten für zwei Monate hatte ich auch nicht, aber ich konnte sicher irgendwo bei ihnen meine Sachen waschen und packte nur das Nötigste ein, damit ich für alle Wetterlagen versorgt war. Gleich am nächsten Tag verabredete ich mich mit Anja, um ihr die Neuigkeiten zu erzählen.

»Du glaubst gar nicht, wie ich dich gerade für deinen Job beneide. Das klingt für mich nicht nach Arbeit, sondern nach einem kostenlosen zweimonatigen Urlaub. Dazu noch gerade du, der guten Wein zu schätzen weiß. Kannst du mich nicht als deine Assistentin mitnehmen?«, schwärmte sie.
»Hey, so ein Kinderspiel ist es auch nicht, ein Event auf die Beine zu stellen. Ich kenne noch nicht einmal das Budget, welches ich zur Verfügung habe. Vielleicht kann ich dich vor dem Event nach Italien holen, damit du mir bei den letzten Vorbereitungen etwas unter die Arme greifst. Wenn du magst. Aber solange würde ich dich bitten, nach meiner Post und nach der Wohnung zu schauen.«
»Auf jeden Fall. Wenn du mich brauchst, gib einfach Bescheid und den Rest mache ich gerne.«, meinte sie und mir ging es seit Monaten wieder viel besser. Ich freute mich gewaltig auf die Zeit in Italien und schon der Gedanke daran zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht.

Auf nach Bella Italia

Schon nach zwei Tagen hatte ich schon alles gepackt und war abfahrbereit. Sogar neue Klamotten hatte ich mir noch besorgt und brauchte nur noch alles in mein Auto zu laden. Ich konnte es kaum erwarten, mich auf den Weg zu machen. Die Autofahrt würde gute elf Stunden dauern, wenn ich gut durchkäme. Auf der Strecke kam es öfter zu Staus und ich beschloss, einfach die Nacht durchzufahren, um gut durchzukommen. So schlief ich den ganzen Sonntag und machte mich am Abend gegen zweiundzwanzig Uhr auf meine Reise nach Italien. Musik und Kaffee hielten mich die Fahrt über wach und es war die richtige Entscheidung. Die Autobahnen waren frei und ich kam bis Italien gut durch. Es dämmerte bereits, als ich über die italienische Grenze fuhr, und es schien ein wunderschöner Tag zu werden. Ich wartete noch, bis die Sonne komplett aufging, und suchte mir eine Raststätte zum Frühstücken. Schon hier am frühen Morgen wurde ich mit einer Freundlichkeit begrüßt, von der sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden konnten. Ich bestellte mir einen Cappuccino in Kombination mit einem gefüllten Cornetto und setzte mich damit auf die Terrasse. Der Blick ging weg von der Straße und dem ganzen Treiben. Hier war es ruhig, die Sonne strahlte und setzte die italienische Landschaft in Szene. Das hob meine Vorfreude und ich konnte es kaum erwarten, endlich an meinem Ziel anzukommen.

Wieder zurück im Wagen öffnete ich nun auch mein Verdeck und setzte meine Reise fort. Je weiter ich nach Süden kam, desto beeindruckender wurde auch das Landschaftsbild und obwohl ich schon lange unterwegs war, machte ich einen kleinen Umweg. Statt weiter der Autobahn zu folgen, nahm ich die Route entlang des Gardasees und wurde nicht enttäuscht. Still lag er neben mir und die Sonnenstrahlen brachen sich an der Wasseroberfläche. Umrahmt von Bergketten und kleinen Städtchen. Ich freute mich schon darauf, in den zwei Monaten vieles davon zu erkunden, und es stimmte mich schon jetzt passend auf mein neues Abenteuer ein. Diese Aussicht war einfach herrlich und ließ mich den Stress der letzten Monate vergessen. Nachdem ich wieder auf der Autobahn und näher an Verona war, kam mir die Gegend sofort bekannt vor. Wie oft bin ich letztes Jahr den Weg von Peschiera del Garda zum Weingut gefahren. Täglich mindestens zweimal für eine ganze Woche, nur um den Rest des Tages mit Vorbereitungen auf dem Weingut beschäftigt zu sein. Ab hier konnte ich mein Navi ausschalten und meinem Instinkt folgen.

Damals waren wir im März hier gewesen und obwohl das Klima nicht annähernd so schön war wie heute, sah das Weingut aus wie aus einem Märchen. Doch heute kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überall blühte es und die weiße Fassade des gewaltigen Haupthauses stach einem schon von weitem regelrecht ins Auge. Umrahmt von den Farben der Blüten und grünen Blätter der Ranken, welche sich an den Seiten der Fassade hinaufwanden. Auch die Rebstöcke leuchteten grün rechts und links neben mir, als ich die kleine Straße zum Haupthaus hinauffuhr. Auf den letzten paar Metern fiel mir ein junger Italiener auf. Er lief die Straße hinauf und als er das Geräusch von meinem Wagen bemerkte, drehte er sich um. Als sich unsere Blicke trafen, fing er sofort an zu lächeln. Ihn nur als attraktiv zu bezeichnen, wäre untertrieben gewesen. Er sah umwerfend aus und ich bekam Schwierigkeiten, mich auf die Straße zu konzentrieren. Fast hätte ich die letzte Kurve nicht erwischt, als ich mich noch einmal zu ihm umdrehte Nach seiner Kleidung zu urteilen, musste er bestimmt einer der Arbeiter gewesen sein.

Nach dem Schreck, fast die Mauer mitgenommen zu haben, parkte ich meinen Wagen neben dem Anwesen. Ich war endlich angekommen und nachdem ich ausstieg, ließ ich meinen Blick durch die Gegend schweifen. Es war noch schöner als in meinen Erinnerungen. Fasziniert sah ich über die weiten Weinberge, als das große Eingangstor aufging und Fabrizio mir entgegenkam.
»Ciao Vincenzo, du bist früh. Wie war die Fahrt?«, sagte er und gab mir die Hand, bevor er mir ein Küsschen rechts und links gegen die Wange hauchte.
An diese Begrüßung musste ich mich bei meinem ersten Besuch hier gewöhnen, aber heute freute ich mich darüber. Es bedeutete, dass uns mehr als eine einfache Geschäftsbeziehung verband.
»Ciao Fabrizio, die Fahrt war anstrengend, aber ich bin gut durchgekommen. Ich bin extra schon gestern Nacht losgefahren, um nicht in einen Stau zu geraten«, erklärte ich ihm.

»Vincenzo«, rief Isabella, als sie aus dem Haus gelaufen kam. Im Gegensatz zu Fabrizio war ihre Begrüßung stürmischer. Sie schlang ihre Arme um mich und drückte direkt ihre Lippen rechts und links auf meine Wange. Kein Hauch. Mit ihr habe ich letztes Jahr die meiste Zeit verbracht. Sie war ein Jahr älter als ich und nachdem die Arbeit getan war, verbrachten wir die Abende bei einer guten Flasche Wein und redeten viel miteinander. Sie war auch die Einzige in ihrer Familie, die wusste, dass ich auf Männer stand, und ich war der Einzige, der wusste, dass sie sich auch lieber eine Partnerin an ihrer Seite wünschte. Wir hatten noch lange regen Kontakt gehalten, aber nach der Sache mit Flo ist auch dieser eingeschlafen.
»Ciao Isabella, sag mal, wirst du immer schöner? Das gibt’s ja nicht«, sagte ich zu ihr und sie wurde rot.
Isabella war wirklich eine Schönheit mit ihrer dunklen, vollen, gelockten Haarpracht und ihrem hübschen Gesicht. Wie die meisten Italiener hatte sie einen goldbraunen Teint und einen grandiosen Körper.
»Grazie, aber schau dich doch mal an. Noch immer ein Traum von einem Mann«, bekam ich als Antwort.

»Andrea, komm schnell, ich muss dir Vincenzo vorstellen«, rief Fabrizio neben uns und als ich seinem Blick folgte, sah ich den schönen Mann von der Auffahrt auf uns zukommen.
Ich wusste, dass Isabella einen Bruder mit dem Namen Andrea hatte, aber damals war er gerade im Ausland unterwegs gewesen.
»Das ist dein Bruder?«, flüsterte ich Isabella erstaunt zu.
»Si, das ist Andrea.«
»Wahnsinn ist der heiß«, rutschte es mir leise heraus.
»Liegt halt in der Familie«, tuschelte Isabella und fing an zu kichern.
»Ciao Vincenzo«, sagte er mit einem umwerfenden Lächeln im Gesicht und umarmte mich genau wie Isabella. Auch seine Küsschen waren kein Hauch, sondern ich spürte seine Lippen auf meinen Wangen.
»Schön, dich kennenzulernen. Mir wurde schon viel von dir erzählt«, fuhr er nach seiner Begrüßung fort. Seine Berührungen und vor allem die Küsschen brachten mich aus der Fassung. Mir stieg schlagartig die röte ins Gesicht und ich war froh das Fabrizio gerade mit Isabella in einem Gespräch vertieft war.
»Hallo Andrea«, brachte ich nur verlegen heraus, da mich zwei hellbraune, freundliche Augen und ein atemberaubendes Lächeln in ihren Bann zogen.
Normalerweise war ich sehr wortgewandt, aber dieser Kerl raubte sie mir.

Als Letztes kam auch noch Francesca aus dem Haus und sagte irgendetwas auf Italienisch, aber so froh sah sie dabei nicht aus. Dafür wurde ihre Miene schlagartig weicher, als sie mich sah.
»Vincenzo, ragazzo mio. Schön dich wiederzusehen«, begrüßte sie mich und zog mich an ihre Brust.
Sie war die original italienische Mama mit einer gewaltigen Herzlichkeit und viel Liebe.
»Ciao Francesca, es ist schön, wieder bei euch Gast sein zu dürfen.«
»Komm, Vincenzo, das Essen ist fertig und du hast sicher Hunger nach deiner langen Reise«, sagte sie und wir alle folgten ihr nach drinnen.

Niemand schaffte es, eine so perfekte Pasta zuzubereiten wie Francesca und die Soße dazu erst recht. Allgemein konnte diese Frau kochen wie keine zweite. Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen wie heute, aber es schmeckte einfach zu köstlich. Das ganze Essen über trafen sich die Blicke von Andrea und mir. Ein kleines Lächeln und dann weiter in die Mahlzeit vertiefen. Bis auf Isabella bekam dies auch niemand am Tisch mit, denn ihr Schmunzeln konnte ich aus dem Augenwinkel erkennen.

»Vincenzo, magst du dich nach dem Essen etwas ausruhen nach der langen Fahrt?«, fragte mich Fabrizio und ich fühlte mich im ersten Moment gar nicht angesprochen, da ich noch immer dachte, er würde mit seiner Frau sprechen.
»Vincenzo?«, kam es erneut von der Seite und ich sah auf. Alle grinsten und Fabrizio wiederholte seine Frage.
»Ich würde mich gerne danach umziehen, denn bei euch ist es um einiges wärmer als in Deutschland, aber eigentlich bin ich fit. Ich würde lieber etwas über euer Event erfahren, damit ich mir ein Bild machen kann, was mich die nächsten Wochen erwartet.«
»Das ist deutscher Arbeitsgeist«, sagte Fabrizio und lachte.
»Dafür sind meine Kinder zuständig. Aus dem Thema halte ich mich raus. Wenn ihr keine Siesta braucht, legt meinetwegen direkt los. Andrea, Isabella, kümmert euch gut um Vincenzo und zeigt ihm nach dem Essen alles«, meinte er und damit war das Thema vom Tisch.

Nachdem wir fertig waren, half Isabella ihrer Mama noch beim Abwasch und Francesco verzog sich in seine vorher erwähnte Siesta. Es blieben also nur noch Andrea und ich. Er half mir dabei meine zwei Koffer in meine Unterkunft im Obergeschoss zu bringen. Neben ihm fühlte ich mich wie ein Lauch. Ich, der drahtige Bürohengst, und er, gezeichnet von seiner Arbeit auf dem Weinberg. Muskulös, trainiert und einen halben Kopf größer als ich. Er trug meinen Koffer, als würde er nicht bis zum Bersten gefüllt sein, dabei war es der schwerere der beiden. Ich bemerkte dafür, dass ich mein Training über die Monate doch zu sehr habe schleifen lassen, aber auch das wollte ich hier ändern. Wir waren in meinem Reich für die nächsten zwei Monate angekommen und ich war überwältigt. Es war kein Zimmer, sondern eine ganze Wohnung. Zwar ohne Küche, aber dafür mit einem kleinen Wohnbereich, einem Schlafzimmer mit riesigem Himmelbett, einem angrenzenden Badezimmer und einem Balkon mit Blick zum hinteren Bereich des Anwesens.
»Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?«, fragte ich Andrea verwundert.
»Si, gefällt es dir nicht?
»Bist du verrückt? Das ist der Wahnsinn und erst recht diese Aussicht«, schwärmte ich.

Ich legte meinen Koffer aufs Bett und suchte mir ein kurzärmliges Leinenhemd und eine kurze Hose heraus. Dabei wurde ich aufmerksam von Andrea beobachtet und er machte auch keine Anstalten, den Raum zu verlassen.
»Du … also … Ich würde mich gerne umziehen. Könntest du vielleicht kurz nach drüben gehen?«, fragte ich zurückhaltend.
»Oh, certo, mi scusi.«, meinte er und verschwand nach drüben.
Ich musste echt langsam anfangen, etwas Italienisch zu lernen, damit ich nicht immer nur Bahnhof verstand. So konnte ich mich aber schnell umziehen und genau zur richtigen Zeit, denn als ich zu Andrea in den Wohnraum ging, klopfte es an der Tür. Isabella kam herein und hielt eine Flasche Wein mit zwei Weingläsern in der Hand. Andrea sagte wieder etwas auf Italienisch, als er mich wieder von oben bis unten ansah, wurde aber von seiner Schwester aus dem Zimmer gescheucht.
»Über was habt ihr gerade gesprochen, dass er jetzt die Flucht ergriffen hat?«, fragte ich sie verwirrt.

»Nichts Schlimmes. Nur dass du jetzt erstmal mir gehörst und ich in Ruhe ein Glas Wein mit dir trinken möchte. Du musst mich doch auf den neusten Stand bringen, wie es um dich und deinen Verlobten steht. Hatte er nichts dagegen, dass du ganze zwei Monate zu uns nach Italien kommst?«, fiel sie gleich mit der Tür ins Haus und eigentlich wollte ich hier keinen Gedanken an ihn verschwenden.
Dementsprechend trübte es auch direkt meine Stimmung.
»Es gibt ihn nicht mehr in meinem Leben. Ich bin Single«, meinte ich betrübt.
»Was? Ist ihm etwas passiert?«, fragte Isabella geschockt.
»Nein, er lebt, keine Sorge, aber es ist etwas komplizierter.«
»Komm mit, Vincenzo, trink mit mir ein Glas und erzähl mir alles«, sagte sie und wir gingen auf den Balkon und machten es uns bequem.

Ich erzählte ihr die ganze Geschichte und auch, dass ich mich deswegen nicht mehr bei ihr meldete. Das alles noch einmal so detailliert zu erzählen, wühlte mich innerlich wieder auf und brachte die alten Gefühle wieder zum Vorschein. Doch da war Isabella sofort zur Stelle, gab mir einen Kuss auf die Wange und hielt meine Hand.
»Vincenzo, das tut mir sehr leid, aber jetzt bist du hier. In Verona, der Stadt der Liebe. Bisher wurden hier alle gebrochenen Herzen geheilt. Selbst meines, dann wird es auch für dich eine neue Chance geben.«
Es war eine ihrer Stärken, aus allem immer nur das Positive zu sehen.
»Danke, Isabella, aber ich glaube nicht, dass ich so schnell wieder jemandem das Vertrauen schenken kann, welches er vielleicht verdient hätte. Erzähl mir lieber, was bei dir los war. Wer hat ihr das Herz gebrochen?«

Sie erzählte mir mit einem lachenden und einem weinenden Auge von ihrer viermonatigen Beziehung mit Beatrice. Sie waren verliebt, aber leider war es für Beatrice nur eine kurze Romanze und sie hatte es sich anders überlegt. Sie ließ Isabella sitzen und ging wieder zurück zu ihrem Exfreund. Sie zeigte mir auch Bilder von den Beiden und Beatrice hatte ein bisschen Ähnlichkeiten mit Anja.
»Mama und Papa wissen auch darüber Bescheid, auch über dich, aber keine Sorge, sie gehen sehr gut damit um. Ihm ist es egal, wen man liebt, solange die Liebe echt ist. Doch ich muss sie, was deinen Verlobten betrifft, aufklären, damit sie dich nicht darauf ansprechen.« 
»Da habe ich das Jahr über ja einiges verpasst, aber du findest sicher bald eine großartige Partnerin. Ich meine, wer könnte dich nicht lieben. Ich würde dich sofort nehmen, wenn du ein Mann wärst«, meinte ich und wir fingen beide an zu lachen.
»Magst du mir nicht schon ein wenig über euer Event erzählen?«
»Si, aber lass uns austrinken und Andrea suchen«, meinte Isabella und wir leerten unsere Gläser.

Ich schnappte mir mein Tablet und wir machten uns auf den Weg. Bevor wir uns auf diesem Anwesen einen Wolf suchten, rief sie ihn an und wir verabredeten uns im Arbeitszimmer.
»So, dann schießt mal los. Wie habt ihr euch das Event vorgestellt?«, fragte ich neugierig, als wir versammelt und am Tisch Platz nahmen.
»Im Grunde wie letztes Jahr. Es soll ein großes Dinner geben, auf dem unser Vater die Übernahme verkündet, mit anschließender Party. Genauere Vorstellung haben wir noch nicht«, fing Isabella an zu erklären.
»Gut, fangen wir mal so an. Wie viele Leute habt ihr bisher eingeladen?«
»Noch niemanden«, platzten beide gleichzeitig heraus.
»Wie jetzt? Ihr habt zwei Monate vorher noch keine Einladungen versandt?«, fragte ich verdutzt.
»Hätten wir das tun sollen? Aber wir Italiener sind sehr spontan. Es handelt sich auch nur um die Familie, Freunde, Bekannte und unsere wichtigsten Geschäftspartner aus der Umgebung«, erklärte mir Andrea.

»Ok, trotzdem sollten wir dann am besten schon morgen die Einladungen per Mail rausschicken und um schnellstmögliche Zu- oder Absage bitten. Mit wie vielen Leuten rechnet ihr?«
»Wenn alle kommen, so um die zweihundert.«

Gut das war eine Hausnummer, aber der Hof auf der Rückseite würde auch dieser Menge einen Platz bieten und das Wetter im Juni sollte hoffentlich auch mitspielen. Letztes Jahr waren es nur ein paar weniger und wir hatten noch ausreichend Platz.
»Fein, wie steht es um das Budget?«, fragte ich.
Die beiden sahen sich an und drucksten etwas herum.
»Papa gab uns 15.000 als Richtlinie. Denkst du damit können wir etwas auf die Beine stellen?«, meinte Isabella.
Das war ein Schlag. Damit fielen Dienstleister für die Dekoration und den Aufbau schon einmal aus.
»Es ist nicht viel und ich sag es euch, wie es ist. Wir können damit schon etwas Großes auf die Beine stellen, aber ich werde eure Hilfe benötigen und wahrscheinlich noch mehr. Das meiste wird für das Essen draufgehen und die Dekoration müssten wir selbst anbringen, beziehungsweise auch die Tische eindecken. Je mehr Dienstleister wir uns sparen und selbst Hand anlegen, umso günstiger wird es für euch«, schlug ich ihnen vor.
»Fantastico«, bekam ich nur als Antwort und beide strahlten.

»Gebt mir mal kurz ein paar Minuten. Ich habe schon etwas im Kopf«, sagte ich und suchte die alten Fotos auf meinem Tablet heraus.
Ich war künstlerisch ein wenig begabt und konnte meine Vision grob in vorhandene Bilder zeichnen, damit auch sie eine Vorstellung davon bekamen. Während ich also vor mich hin zeichnete und in Gedanken versunken war, wurde ich von den Geschwistern beobachtet. Zwischendrin fing Andrea wieder an, irgendetwas auf Italienisch zu erzählen, und als ich aufsah, trafen sich wieder unsere Blicke. Allein sein Blick ließ mich unruhig werden und ich sah schnell wieder auf das Tablet. Er redete weiter und irgendwann stieg auch Isabella mit ein. Sie fing an, mit ihm zu diskutieren, auch wenn es sich bei ihnen so anhörte, als würden sie streiten. Ihre Blicke trafen dabei immer wieder mich. Auch wenn ich es nicht direkt sah, konnte ich sie spüren. Irgendetwas musste ihm Isabella gerade gesagt haben, denn plötzlich kehrte Stille ein. Ich war auch fast fertig, sah von meinem Tablet auf und mir blickte ein erstaunter Andrea entgegen. Isabella saß nur neben mir und grinste.

»Ist irgendetwas?«, fragte ich verwundert.
»No!«, kam es von Andrea wie aus der Pistole geschossen.
»Vielleicht sollte ich Vincenzo einmal übersetzen, worüber wir gerade gesprochen haben«, sagte Isabella und ihr Grinsen wurde breiter.
»Isabella!«, kam laut tadelnd von ihrem Bruder.
Ich verstand mal wieder nichts und wollte ihnen lieber meine Idee präsentieren. Ich drehte das Tablet herum, damit beide einen guten Blick hatten, und begann.

»So schaut mal. Das hier wäre meine Vision. Inspiriert von einem White-Gala-Dinner bei euch hinter dem Haus. Wir könnten einen Baldachin aus weißen Stoffbahnen spannen und die Blumendekoration gestalten wir in Rottönen. Damit vereinen wir euren Weiß- und Rotwein. Den Dresscode für die Gäste würde ich im gleichen Zug damit festlegen. Alles in Weiß und Rot. Euer Budget würde für ein großes Buffet ausreichen und während des Dinners könnte ich mir einen Violinisten oder Pianisten vorstellen. Vielleicht kennt ihr jemanden, der sich für eine kleine Gage bereit erklären würde das Essen musikalisch zu untermalen. Nach dem Dinner können wir das Buffet abbauen und den Platz als Tanzfläche benutzen. Dazu bräuchten wir einen DJ. Ich hoffe, auch da könnt ihr aushelfen«, präsentierte ich ihnen meine Idee.

»Si, si, si, das wird traumhaft schön«, sagte Isabella strahlend und war wohl von meiner Idee begeistert
Auch Andrea lächelte, schaute von meinem Entwurf auf und mir wieder direkt in die Augen.
»Vincenzo Ich verstehe, wieso alle in meiner Familie von dir begeistert sind.«
Jedes Mal, wenn er meinen Namen aussprach, bekam ich eine Gänsehaut. Allgemein hatte seine tiefe Stimme etwas Melodisches, was mich faszinierte. Diesmal hielt ich auch seinem Blick stand und wurde erst durch Isabella wieder in die Wirklichkeit gerissen.
»So Jungs, kommt, lasst uns nach draußen gehen und Papa die Idee präsentieren. Ich bin schon gespannt, was er davon hält«, sagte sie und wir folgten ihr.

Schnell hatte sie Fabrizio und Francesca zusammengetrommelt und wir saßen zusammen auf dem großen Balkon mit Blick auf die wunderschöne Landschaft. Auch ihnen präsentierte ich nun meine Idee und auch sie waren begeistert.
»Ich werde mich selbst um das Essen kümmern«, meinte Francesca plötzlich.»Bist du dir sicher? Ich meine, wenn es wirklich zweihundert Gäste werden, dann wird das schon ein gewaltiger Aufwand.«
»Niemand kocht besser als Mama und ich werde mir Hilfe organisieren. Wir brauchen nur Geschirr. Den Rest überlasst mir.«
Es war zwecklos, sie davon abzubringen, denn ihren Zorn wollte ich nicht auf mich ziehen. Für unser Budget bedeutete dies eine gewaltige Entlastung. Insgeheim freute ich mich jetzt auch schon darauf, welche Köstlichkeiten sie für diesen Anlass auf den Tisch zauberte.
Wir saßen noch ein wenig zusammen und besprachen weitere Details, bis sich Fabrizio und Francesca entschuldigten und uns allein ließen.   

»Dann werde ich mich gleich morgen früh an die Einladung setzen, damit wir diese so schnell wie möglich unter die Leute bringen. Ich werde aber jemanden von euch brauchen, der sie mir auf Italienisch übersetzt«, sagte ich in die Runde.
»Das wird Isabella übernehmen«, kam es sehr direkt von Andrea, was mich etwas überraschte.
Allgemein wirkte er plötzlich sehr abweisend und wich auch meinen Blicken aus.
»Sicher mache ich das und jetzt lasst uns in die Stadt fahren. Ich lade euch auf einen Kaffee ein und wir können Vincenzo etwas von Verona zeigen«, schlug sie vor.
Wieder verfielen Andrea und Isabella in eine rege Diskussion und ich saß dazwischen. Etwas mit Amore, also Liebe, konnte ich heraushören, aber den Zusammenhang verstand ich leider nicht.
»Meinetwegen«, sagte Andrea resigniert und stand auf.
»Los, komm, Vincenzo, du kannst bei mir mitfahren«, meinte Isabella und sprang auf.

Ich folgte ihr nach draußen vor das Haupthaus. Statt zu einem Auto steuerten die beiden auf zwei Motorroller zu, setzten sich einen Helm auf und stiegen darauf. Isabella sagte noch etwas zu Andrea und er fuhr, ohne auf uns zu warten, los.
»Spring auf und halt dich an mir fest«, gab mir Isabella die Anweisung, hielt mir einen Helm hin und sobald ich saß, gab sie auch schon Gas.
Die Fahrt über die Landstraße war klasse, aber sobald wir der Stadt näherkamen, wurde es wild. Nicht nur einmal hatte ich Todesangst bei diesem Verkehr und Isabellas Fahrweise. Ich war heilfroh, als wir endlich unser Ziel erreichten und ich wieder festen Boden unter meinen Füßen hatte.

»So schlimm fahre ich nun auch nicht«, sagte Isabelle und fing an zu lachen bei meinem Anblick.
»Gewöhnungsbedürftig«, meinte ich, als ich den Helm abnahm.
Isabella war die geborene Reiseführerin und hatte früher sogar Gruppen durch Verona geführt. Sie kannte viele versteckte Gassen und Details. Es machte Spaß, ihr durch die Stadt zu folgen, und sie redete am laufenden Band. Andrea hingegen ging still neben oder hinter mir her. Wenn ich meinen Kopf zu ihm drehte, schaute er weg. Es war seltsam, wieso er nun so distanziert wirkte.
»War es meine Schuld oder hatte ich irgendetwas Falsches gesagt?«, ging es mir durch den Kopf, aber ich wusste nicht, was. Statt nur einen Kaffee trinken zu gehen, landeten wir in einem kleinen romantischen Restaurant und sie bestellte uns allerlei kleine Köstlichkeiten. Sie mussten den Inhaber kennen, denn dieser zog sie sofort in eine angeregte Konversation.
»Unsere ersten Gäste haben soeben zugesagt«, sagte sie freudig, als sich der Mann wieder in die Küche verzog.

Wie damals war ich mit Isabella so in einer Unterhaltung vertieft, dass wir die Zeit vergaßen und es schon langsam dunkel wurde. Viel hatte Andrea in der Zeit nicht von sich gegeben, sondern nur das Essen genossen und uns zugehört. Isabelle sah auf ihr Handy und erschrak.
»Oh, ich muss zurück. Ich habe versprochen, Mama zu helfen. Andrea, geh du doch noch mit Vincenzo zu Giulietta. Um die Uhrzeit ist dort jetzt nicht mehr so viel los«, sagte sie und war schon im Gastraum verschwunden.
Andrea wollte protestieren, aber keine Chance, so schnell wie Isabella zahlte und davonflitzte. Nun saß ich allein und überrumpelt mit ihrem hübschen Bruder hier.
»Na dann komm, lass uns gehen«, meinte er und auch wir verließen das kleine Restaurant.

»Zu wem gehen wir?«, wollte ich von ihm wissen und vor allem diese unangenehme Stille zwischen uns durchbrechen.
Ich fragte mich die ganze Zeit, was er hatte. Sein hübsches Lächeln war verschwunden und ich versuchte, nur mit ihm Schritt zu halten.
»Siehst du gleich«, sagte er nur und wir gingen schweigend weiter.
Vor einem Durchgang blieb er stehen und deutete mir mit einer Kopfbewegung an, dass ich dort hineingehen sollte. Als ich den kleinen Innenhof betrat, wusste ich auch, wo wir waren. Ich hatte davon im Internet gelesen. Die Statue der Julia. Wie Isabella sagte, war es bis auf ein weiteres Paar menschenleer und um die Statue waren Kerzen aufgestellt. Es war ruhig und die Stimmung magisch. Eine Berührung ihrer rechten Brust sollte ewiges Glück in der Liebe bringen, weshalb gerade glückliche Paare diesen Ort aufsuchten. Aber auch diejenigen, welche genau diese suchten. Sicher wünschte ich es mir ebenfalls, aber der Schmerz saß noch tief und mein Herz war noch immer gebrochen. Aber ich war nun schon einmal da und ehrfürchtig trat ich an die Statue heran und legte meine Hand auf ihre Brust. Das Metall war kühl auf meiner Haut und ich wünschte mir in diesem Moment nichts mehr als wahre, ehrliche Liebe. Es mochte seltsam aussehen, wie ich so ein paar Minuten lang vor diesem Symbol stand und meine Hand an ihrer Brust lag. Auch wie eine Träne den Weg aus meinen Augen fand und meine Wange hinablief, aber seltsamerweise spendete sie mir ein wenig Trost.

»Quanto vorrei poterti baciare in questo momento«, sagte Andrea neben mir und riss mich in die Wirklichkeit zurück.
»Was sagtest du?«, fragte ich ihn mit brüchiger Stimme und musste mich räuspern.
»Schon gut, komm, Vincenzo, lass uns wieder heimfahren.«
Er verriet es mir nicht, war aber nun selbst in Gedanken vertieft, als wir zurück zu seinem Roller gingen. Erst da wurde mir bewusst, was mir nun bevorstand. Ich musste bei ihm mitfahren und mich an ihm festhalten. Ich setzte mir also den Helm auf und nahm hinter ihm Platz. Schon dabei spürte ich die Wärme, welche von seinem Körper ausging und sich auf mich übertrug. Um ihm nicht zu nahe zu treten, hielt ich mich rechts und links an seinem Shirt fest.
»Du kannst deine Arme ruhig um mich legen. So können wir nicht fahren, das ist zu gefährlich auf den holprigen Straßen«, sagte er und scheu legte ich meine Arme um ihn.
Ich spürte den Ruck deutlich, welcher durch seinen Oberkörper ging, als ich meine Hände auf seinen muskulösen Bauch legte und sich mein Oberkörper gegen ihn lehnte. Andrea war also nicht weniger angespannt. Er atmete tief durch, startete den Motor und wir fuhren los.

Sein Fahrstil war angenehmer als Isabellas, aber vielleicht lag es auch nur daran, dass ich von seiner Wärme und Nähe abgelenkt war. Dabei spürte ich noch das Spiel seiner Muskeln unter meinen Händen und sein unwiderstehlicher Geruch stieg mir in die Nase. Es war etwas Herbes, Männliches mit einer Note Vanille. Nicht aufdringlich, aber betörend. Ich versuchte, so gut es ging, dagegen anzukämpfen und mich auf etwas anderes zu konzentrieren, auch wenn es mir gerade sehr gefiel. Die ganze Fahrt über war ein Wechselbad der Gefühle. Er fuhr langsamer, je näher wir dem Weingut kamen. Wenigstens diese Aussicht beruhigte meine Gedanken für einen Moment. Die Beleuchtung musste neu sein und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie ihr Anwesend in Szene gesetzt wurde. Es glich einer Filmkulisse. Wieder zurück auf dem Parkplatz schaltete er den Motor aus und wir stiegen ab. Er verstaute noch unsere Helme und wir gingen zur Eingangstür.
»Buonanotte, mio bellissimo«, sagte Andrea, gab mir einen Kuss auf die Wange, bevor er ins Haus ging.
Dieser Kerl war mir ein Rätsel, denn dieser Kuss war bestimmt keine normale Verabschiedung und was hatte er da wieder gesagt? Am liebsten hätte ich es gegoogelt, aber er sprach so leise, dass ich es niemals zusammenbekommen hätte.

Ich ging in meinen Bereich und sprang noch unter die Dusche, bevor ich mich aufs Bett legte. Nicht einmal vierundzwanzig Stunden und Florian verliert komplett an Bedeutung. Dafür hatte sich nun Andrea in meine Gedanken geschlichen. Als ich die Augen schloss, hatte ich sofort sein markantes Gesicht vor Augen, wie er mich ansah und mir eins sein Lächeln schenkte. Ich ließ meine Schwärmerei für den Moment zu, denn seit Monaten fühlte ich mich wieder einmal gut. Meine neue Situation und der Gedanke an ihn ließen mich grinsen und in einen erholsamen Schlaf fallen.

Gleich am nächsten Morgen machte ich mich mit Isabelle nach dem Frühstück an die digitale Einladung. Es war einfach, sie zufrieden zu stellen, und es dauerte nicht lange, bis der Entwurf stand. Sie schickte es direkt an Andrea und auch er gab sofort sein Ok. Damit schickten wir sie direkt an den Verteiler der Geschäftskunden und mussten nur noch abwarten. Die Familie würden sie so einladen, da bräuchte es nicht extra eine E-Mail. Wir saßen wieder bei mir auf dem Balkon und konnten uns jetzt zurücklehnen.

»Jetzt erzähl mal. Wie war dein Besuch gestern bei Giulietta?«, fragte Isabella.
»Es ist ein magischer Ort. Als könnte man die Liebe greifen. Es war schön und half mir ein wenig.«
»Perfetto. Hattet ihr also noch einen schönen Abend? Ich hoffe, ohne meine Anwesenheit hat Andrea sich getraut, mit dir zu reden.«
»Viel gesprochen hat er nicht. Nur etwas auf Italienisch bei der Statue und nachdem er mir einen Kuss auf die Wange gab, nachdem wir wieder hier waren«, sagte ich und sie wurde ganz hibbelig.
»Hast du ihm auch eins gegeben?«
»Was? Nein! Das war doch sicherlich nur eine normale gute Nacht-Geste, oder habe ich da jetzt etwas falsch gemacht?«, meinte ich und hatte schon die Befürchtung, eine Tradition gebrochen zu haben.
»Nein, Vincenzo, keine Angst, du hast nichts falsch gemacht.«
Mehr sagte sie dazu nicht und wir machten uns weiter an die weitere Planung.

Wohingegen mein Verhältnis mit Isabella immer enger wurde, blieb Andrea auf einer geschäftlichen Ebene. Er war höflich, freundlich und zuvorkommend, aber viel Privates gab er nicht preis. Nur immer wieder diese scheuen Blicke und seine italienischen Aussagen. Er sah dabei immer so süß aus, wenn er etwas zu mir sagte, nur ich verstand kein Wort. Wenn Isabella dabei war, räusperte sie sich sofort, sobald er damit anfing, und schon konzentrierte er sich wieder verlegen auf unsere Arbeit.

Um wieder mehr in Form zu kommen, fand ich meine eigene Laufrunde am Morgen. Vorbei an den Weinbergen, einen kleinen Bach entlang und wieder zurück zum Weingut. Jeden Morgen war ich gut anderthalb Stunden unterwegs und manchmal beobachtete mich Andrea aus der Ferne, wenn ich loslief oder wiederkam. Wenn wir an den Abenden einmal versackten und auch Andrea ein Glas Wein zu viel hatte, wurde er gesprächiger und da mochte ich ihn sehr gerne, obwohl er zwischendrin immer wieder etwas auf Italienisch sagte. Sobald aber Isabelle genervt etwas zu ihm sagte, entschuldigte er sich direkt darauf und verschwand. Es war seltsam, irgendetwas zog mich zu ihm hin, aber ließ mich im gleichen Moment auch Abstand halten. Doch das Küsschen auf die Wange bekam ich öfter, aber auch Isabelle, also machte ich mir dadurch keine großen Hoffnungen, aber es tat verdammt gut. Meine Zeit hier war sowieso nur auf zwei Monate begrenzt und dennoch schlug mein Herz schneller, wenn Andrea in meiner Nähe war. Genauso wusste ich, dass es keine Zukunft hatte, und fand mich damit ab. Wahrscheinlich war er sowieso hetero und ich bildete mir das alles nur ein. Mit meiner kleinen Schwärmerei konnte ich aber Florian ganz vergessen.

Ein Eis und ein Geständnis

So vergingen die ersten vier Wochen wie im Flug und wir konnten schon einiges besorgen. Fast alle Einladungen waren bereits bestätigt und auch den Stoff für den Baldachin fanden wir in einem kleinen Stoffladen in Verona. Sogar die Blumendekoration hatten wir bereits bestellt, als ich mit der Hilfe von Isabella der Floristin genau beschrieben habe, was wir alles brauchten und wie wir es uns vorstellten. DJ und Violinistin hatten sich Andrea und Isabella angenommen und auch Erfolg gehabt. Es fehlten nur noch das Geschirr und die Bestuhlung, aber da war ich schon dran. Immer wenn etwas Zeit war, fuhr ich Richtung Gardasee, sah mir dort die Orte an und vertrieb mir allein meine Zeit.

»Gefällt dir mein Bruder eigentlich?«, wollte Isabella eines Abends von mir wissen, als wir wieder bei einem Glas Wein bei mir auf dem Balkon saßen.
»Wieso willst du uns verkuppeln?«, scherzte ich und hatte wohl auch schon ein Glas zu viel.
»Nein, aber es würde mich einmal interessieren«, meinte sie verschwörerisch.
»Ich find ihn wahnsinnig hübsch. Wenn er mich aus seinen warmen braunen Augen ansieht und mir ein Lächeln schenkt, könnte ich dahinschmelzen. Was ich bisher über ihn erfahren habe, find ich auch großartig, nur dass er alles auf Italienisch zu mir sagt, macht mich wahnsinnig. Die Fahrt von Verona hierher geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Abgeneigt wäre ich auf keinen Fall, aber eine Sommerromanze würde mir nicht guttun. Irgendetwas hat er an sich, was mich magisch anzieht, und ich glaube, ein Kuss von ihm und ich wäre verloren. Zum Glück ist er hetero und das wird niemals passieren«, schwärmte ich und Isabella kicherte nur neben mir.
»Sorry, ich weiß, es ist dein Bruder, aber du wolltest es wissen«, fügte ich noch hinzu.
»Wenn du wüsstest«, sagte sie geheimnisvoll, aber ich dachte mir nichts dabei.
Damit war auch das Thema vom Tisch und ich quetschte sie aus, auf was für einen Typ Frau sie stehen würde. Nachdem wir auch dies geklärt hatten, wünschten wir uns eine gute Nacht und gingen schlafen.

»Kann ich dich nach Riva begleiten?«, fragte mich überraschenderweise Andrea am nächsten Morgen beim Frühstück.
Dass Isabella ab und zu mal mitkam, war normal, aber er hatte mich bisher nie gefragt. Wahrscheinlich hatte auch sie ihm erzählt, dass Riva heute auf meinem Plan stand.
»Ja klar kannst du«, sagte ich verwundert.
»Klasse, ich muss nämlich zufällig dort etwas ausliefern.«
Ah, daher wehte der Wind. Na egal, vielleicht verging die Fahrt dann etwas schneller.

So luden wir die Weinkartons bei mir in den Wagen und machten uns auf den Weg. Das Verdeck geöffnet, fuhren wir über die Landstraße schweigend am Gardasee entlang. Nur die Musik drang aus dem Radio und wir summten leise mit. Es lag eine Spannung in der Luft und ich versuchte, mich auf die Straße zu konzentrieren. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Andrea mich immer wieder ansah, doch beim kleinsten Ruck meines Kopfes sah sie sofort wieder weg. Erst bei Riva fing er an, mich durch die Gassen zu leiten, bis zu seinem Ziel. Immerhin konnten wir, nachdem wir den Wein abgeliefert hatten, den Wagen dort stehen lassen.

»Soll ich dich nachher irgendwo wieder einsammeln?«, fragte ich Andrea, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass er mit mir den Tag verbringen wollte.
»Oh, darf ich dir keine Gesellschaft leisten, Vincenzo?«, kam von ihm überrascht als Antwort.
»Doch klar, wenn du das möchtest, gern«, meinte ich perplex und er bat mich, ihm einfach zu folgen.

Wie Isabella bei unserem Besuch in Verona, erzählte er mir einiges über Riva und führte mich durch die Straßen. Er wirkte wie ausgewechselt, aber schweifte zwischendrin immer wieder ins Italienische ab. Trotz seiner Sonnenbrille wusste ich, wie er darunter schaute. Er suchte uns ein schönes Restaurant mit Seeblick und wir aßen dort zu Mittag. Unsere Knie berührten sich dabei zufällig unter dem Tisch und ich erwartete, dass er sich zurückzog, doch im Gegenteil, er hielt den kleinen Kontakt zwischen uns.

»Gefällt es dir hier bei uns?«, durchbrach er unser Schweigen beim Essen.
»Und wie. Ich mag das Klima, die Natur, den Wein, die Menschen und deine Familie sehr. Ihr seid alle so furchtbar nett. Da kann man sich nur wohlfühlen«, schwärmte ich und das freute ihn sehr.
»Könntest du dir auch vorstellen, hier zu leben?«
»Grundsätzlich schon, bis auf meine Wohnung bindet mich nichts Materielles.«, überlegte ich laut.
»Aber?«, hakte er interessiert nach.
»Würdest du ohne Grund deinen Wohnsitz verlegen?«, gab ich ihm als Gegenfrage und wieder sagte er etwas auf Italienisch und aß weiter.
Der Kerl machte mich langsam wahnsinnig. Wenn ich nachfragte, bekam ich nie eine befriedigende Antwort, also ließ ich es gleich.

Der Tag war das reinste Auf und Ab. Er suchte förmlich meine Nähe. Seine Hand auf meiner Schulter oder meinem Rücken, wenn er mir was zeigte. Seine Finger streiften meinen Arm, während wir durch die Straßen gingen. Es war elektrisierend, aber auch schnell wieder vorbei.
»Wollen wir noch ein Eis essen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen?«, fragte er mich, als wir an einer Eisdiele vorbeikamen.
»Sehr gerne«, meinte ich und er bat mich, auf ihn am Geländer zu warten, bevor er zur Eisdiele ging.
Zurück kam er mit zwei Kugeln Schokoladeneis und überreichte mir eine Waffel.
»Woher wusstest du, dass ich Schokolade am liebsten mag?«, fragte ich überrascht und er lächelte.
»Ich höre dir und Isabella zu, wenn ihr euch unterhaltet. Du sagtest ihr mal, dass es deine Lieblingssorte ist, genauso wie meine.«
Das war schon eine sehr süße Geste und auch, wie er mich dabei wieder ansah.
Ich bedankte mich und wir lehnten uns mit den Armen aufs Geländer. Wir sahen auf den See und wieder berührten sich dabei unsere Arme. Zum Eis stieg mir auch sein Duft immer wieder in die Nase und seine Nähe brachte mein Herz zum Rasen.

Wir aßen unser Eis und wieder sah er mich dabei die ganze Zeit von der Seite an.
»Habe ich etwas im Gesicht?«, fragte ich ihn und sah ihn nun direkt an.
»No, ma mi piacerebbe davvero tanto darti un bacio in questo momento.«, kam wieder nur aus seinem Mund und damit zerstörte er mal wieder den Moment.
»Mensch Andrea, du weißt, dass ich dich nicht verstehe. Kannst du es mir nicht einfach auf Deutsch sagen? Ich weiß mittlerweile, dass „bacio“ Kuss bedeutet. Also was, willst du mich küssen?«, sagte ich ernst und es zeigte Wirkung.
»Ja, es bedeutet, dass ich dich gerade wirklich gern küssen würde«, gestand er.
Endlich sagte er mal, was in ihm vorging.
»Und warum tust du es dann nicht einfach?«, meinte ich mutig, weil auch ich ihn wirklich sehr gerne küssen würde.
»Weil ich Angst habe, mich noch mehr in dich zu verlieben, und das möchte ich nicht.«
Wow, ok, das hatte gesessen und war eine deutliche Abfuhr, gepaart mit einem Stich ins Herz.

»Ich glaube, wir sollten jetzt zurückfahren«, sagte ich, drehte mich um und ging zurück Richtung Auto.
Es war doch klar. Dass er nicht hetero war, hatte ich den Tag über schon vermutet und auch wenn ich mir einredete, dass ich mir keine Hoffnungen machen sollte, tat ich es doch. Nach seiner Frage heut beim Mittagessen wäre er sogar der Grund für mich gewesen, hier zu bleiben.
»Bravo, Vincent, jetzt siehst du, was du davon hast«, dachte ich mir.
Von wegen Stadt der Liebe. Wie konnte ich nur so dumm sein und auch nur denken, dass ich mit solch einem atemberaubenden Kerl eine Zukunft hätte? Bis wir wieder im Weingut waren, musste ich mich jedoch so gut es ging zusammenreißen.
»Vincenzo, per favore, bitte…«, fing er an.
»Andrea, lass es gut sein. Ich habe es schon verstanden. Lass uns das Event über die Bühne bringen und dann bin ich weg. Wenn du willst, kann ich auch gleich morgen abreisen und unterstütze euch aus der Ferne, aber bitte spar mir eine Erklärung«, fiel ich ihm ins Wort.
Es ärgerte ihn und er fluchte etwas auf Italienisch, aber das war besser, als mir anhören zu müssen, wieso man mich nicht lieben konnte.

Endlich erreichten wir das Weingut und ich konnte nicht schnell genug aus dem Auto kommen. Schon auf dem Weg in meinen Bereich lief mir eine Träne die Wange herunter und ich war froh, endlich die Tür hinter mir zu schließen. Nach der Zeit mit Flo dachte ich, mich könnte nichts mehr so tief verletzen und ich hätte genug geheult, aber weit verfehlt. So viel zu »keine Hoffnungen machen«. Sicher hatte sich dieser Kerl unbemerkt in mein Herz geschlichen, nur wollte ich es nicht wahrhaben. Ich setzte mich aufs Sofa, weinte stumm und fragte mich, wie ich die restliche Zeit hier aushalten sollte. Einen großen Kritikpunkt hatte meine Unterkunft. Die Tür konnte man nicht abschließen, da es keinen Schlüssel mehr dazu gab. Prompt platzte Isabella in den Raum und stand vor mir. Sie muss mir direkt gefolgt sein, als sie mich über den Hof laufen sah.

»Mio Dio, was ist in Riva passiert?«, fragte sie schockiert und schloss mich direkt in ihre Arme, was meine Situation nicht besserte.
»Ich, verdammter Idiot, habe mich in deinen Bruder verliebt«, schluchzte ich.
»Und das ist etwas Schlechtes?«, fragte sie verwirrt.
»Anscheinend schon, denn er will mich nicht.«
»Wir sprechen gerade schon von Andrea?«, hakte sie noch immer ungläubig nach.
»Ja, von wem denn sonst?«
»Idiota, er sollte dir endlich seine Liebe gestehen und nicht das hier«, donnerte sie, stand sofort auf und ging schnellen Schrittes aus der Tür.
Mein erstauntes »Was?« bekam sie gar nicht mehr mit und ließ mich verwirrt zurück auf dem Sofa.

Ihre Worte brachten mich zum Grübeln und die Tränen hörten augenblicklich auf. Viel Zeit hatte ich nicht, darüber nachzudenken, denn schon stand sie wieder in der Tür und hatte Andrea im Schlepptau Sie schubste ihn regelrecht in meine Richtung.
»So, und diesmal versau es nicht, und Vincenzo, du hörst dir an, was mein Bruder zu sagen hat. Ihr kommt erst wieder heraus, wenn ihr das geklärt habt«, sagte sie und schloss die Tür.
So zerknirscht hatte ich Andrea die ganze Zeit über noch nie gesehen. Er wirkte unsicher, schüchtern und verlegen. Er sah mich nur an und sagte kein Wort. Nur seine Hand hielt er mir plötzlich hin und als ich sie ergriff, zog er mich in seine Arme.

»Non voglio mai più lasciarti andare – ich will dich nie wieder loslassen«, sagte er nach einiger Zeit in beiden Sprachen, damit auch ich ihn verstand.
»Du bist kein Mann der großen Worte, oder?«

»Doch schon, aber ich fürchte mich vor deinen Antworten«, gab er zu.
»Glaube mir, ich möchte dich so sehr lieben, aber ich habe Angst, dass du mich nach dem Event wieder verlässt. Damit könnte ich nicht umgehen. Ich würde dir überallhin folgen, aber ich kann hier nicht weg«, erklärte er mir und presste mich fest an sich.
»Hast du mich deswegen heut Mittag gefragt, ob ich es mir vorstellen könne, hier zu leben?«, fragte ich ihn verwundert und er sprach ein leises »Si« aus.
»Warum hast du nicht einfach direkt gefragt, ob ich wegen dir bleiben würde?«
»Das habe ich indirekt auf Italienisch, ob ich dir als Grund ausreichen würde, zu bleiben. Würdest du denn?«, sagte er unsicher und schaute mir tief in die Augen.
»Wenn sich bis dahin unsere Gefühle füreinander nicht ändern, dann ja. Sicher würde ich dann liebend gern auf unbestimmte Zeit hier bei dir bleiben, wenn es für deine Familie in Ordnung ist«, erklärte ich ihm.

»Hört auf zu quatschen und küsst euch endlich. Mama wartet mit dem Abendessen«, gab uns Isabella von draußen die Anweisung.
Sie hatte wohl die ganze Zeit vor der Tür gestanden. Taten waren dafür mehr Andreas Ding, denn Sekunden später fand ich mich in einem innigen, leidenschaftlichen Kuss wieder. Es mochte seltsam klingen, aber das war bisher der beste Kuss in meinem Leben. Ich musste meine Arme um seinen Nacken legen, damit meine Beine nicht nachgaben. Ich wusste, was er heute Nachmittag meinte, denn nachdem ich nun wusste, dass er die gleichen Gefühle für mich hatte, und nach dem Kuss war ich ihm endgültig verfallen.
»Gut jetzt. Ich verstehe, dass ihr viel nachzuholen habt, aber Mama wird ungeduldig«, sagte Isabella und platzte in den Raum.
»Wir kommen ja schon. Ich möchte Vincenzo doch nur noch einmal küssen«, meinte Andrea, presste mich an seinen muskulösen Körper und verschloss seine Lippen erneut mit meinen. Bei offener Tür konnten auch wir Francesca nun deutlich rufen hören.

Wir sollten uns besser beeilen. Hand in Hand verließ ich mit Andrea das Zimmer und wir gingen nach unten. Isabella ging uns voraus und schon nachdem sie die Küche betreten hatte, verkündete sie die Neuigkeit.
»Wir haben neuen Familienzuwachs«, flötete sie und alle Blicke waren auf uns gerichtet.
»Das sind doch keine Neuigkeiten. Wir mögen zwar alt sein, aber nicht blind. Ihr hättet nicht so lange warten müssen, um es uns zu sagen«, sagte Fabrizio und lachte.
»Willkommen in der Familie«, meinte Francesca und gab mir einen Kuss auf die Wange, gefolgt von einer festen Umarmung.
Ich schaute nur verlegen Andrea an, aber diese lächelte und zuckte mit den Schultern.
Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus und das Essen schmeckte heute noch besser. Niemand machte aus unserer Zuneigung zueinander ein großes Thema. Es war wie bisher auch.
»Jetzt muss ich dir aber wirklich langsam Italienisch beibringen«, meinte Isabella.
»Das ist jetzt wohl meine Aufgabe«, sagte Andrea und gab mir vor allen einen Kuss.
Direkt wurde ich verlegen und knallrot, doch selbst das machte kein Aufsehen.

»Trinkt ihr noch ein Glas Wein mit mir oder wollt ihr lieber allein sein?«, fragt uns Isabella nach dem Abendessen und sicher tranken wir gerne noch etwas mit ihr.
»Komm dann einfach in mein Zimmer, wenn du hier fertig bist«, meinte Andrea und zog mich aus der Küche.
Zum ersten Mal sah ich seinen privaten Bereich. Von der Einrichtung unterschied er sich nicht groß von meinem, aber sein Zimmer war nicht mit einer Wand getrennt. Auch sein Balkon war größer und die Aussicht noch atemberaubender. Die Sonne stand schon etwas tiefer und tauchte die Weinberge in einen goldenen Ton. Ich stand am Geländer und genoss die Aussicht, während Andrea den Wein und die Gläser holte, bevor er von hinten seine Arme um mich schloss.
»In diese Aussicht habe ich mich damals schon verliebt und jeden Tag aufs Neue«, sagte ich leise, als ich in seinen Armen lag.
»Dann weißt du, wie es mir geht, wenn ich dich jeden Morgen sah«, säuselte er mir ins Ohr.
»Also hast du mir jeden Tag auf Italienisch gesagt, dass du meinen Anblick atemberaubend findest?«, scherzte ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Sein Dreitagebart kitzelte dabei unter meinen Lippen.

»Nein, da ging es meist um deine wunderschönen blauen Augen, wie heiß du doch aussiehst und deinen süßen Hin…«
»Isabella«, grollte Andrea und sie fing an zu kichern.
»Was denn, Bruderherz? Jetzt kann ich ihm doch endlich sagen, mit was du mir den ganzen Monat in den Ohren lagst und sogar, wenn Vincenzo direkt daneben saß.«, sagte sie und lachte.
»Ach so, deswegen hast du mich dabei immer so angesehen«, neckte ich ihn auch etwas.
»Aber nimm es ihr nicht krumm. Ich habe Anja auch damit in den Ohren gelegen, wie hübsch und heiß du bist.«

»Wer ist denn Anja?«, schoss es gleichzeitig aus beiden heraus.
Wir setzten uns in die Loungegruppe und ich erzählte ihnen von ihr. Auch dass sie mir in den letzten Monaten sehr zur Seite stand. Als ich erzählte, dass auch sie lesbisch war, wurde Isabella hellhörig und wollte ein Bild von ihr sehen.
»Bella principessa«, meinte sie, als ich ihr ein Foto zeigte.
Ja, hübsch war sie und auch eine liebe Seele. Das war ein Grund, wieso wir uns so gut verstanden.
»Sie muss uns unbedingt einmal besuchen kommen«, fing Isabella gleich an.
»Gut, dass du es ansprichst. Ich wollte euch eh fragen, ob sie eine Woche vor dem Event zu meiner Unterstützung herkommen könnte. Ich mein, wir können zusätzliche Hände gut gebrauchen.«
»Si, sie kann auch gerne schon eher kommen«, sagte Isabella.
»Ich kann sie ja morgen anrufen und fragen.«
»Wollen wir sie nicht gleich zusammen anrufen?«, fragte Isabelle aufgeregt.
»Wir können es gerne versuchen.«

Statt normal anzurufen, machte ich gleich einen Videoanruf und sie war gerade am Kochen, als sie ans Handy ging.
»Hey Schnucki, was gibt’s? Wie läuft’s mit deinem heißen Italiener? Noch immer nur schmachten aus der Ferne?«, flötete sie ins Telefon und ich wurde knallrot.
»Anja, Principessa, das Schmachten hat ein Ende«, verkündete Isabella.
»Huch, war das Isa?«
Endlich schaute sie auch mal auf ihr Display und ich hielt das Handy weiter weg, damit sie uns drei sehen konnte.
»Ciao Anja«, meldete sich auch Andrea.
»Ihr verarscht mich doch«, platzte sie heraus und machte große Augen.
Da gab mir Andrea einen Kuss und mir wäre fast das Handy aus der Hand gefallen. Isabella nahm es an sich und Andrea gab mir gleich noch einen Kuss.

»Hey, Principessa, nein, sie sind wirklich ein Paar. Mein idiota von Bruder hätte es zwar fast vermasselt, aber alles gut. Vincenzo sagte gerade, du willst uns besuchen kommen und bei unserem Event helfen?«, erzählte Isabella.
»Ja, sehr gerne. Wenn das für euch ok ist, würde ich mir euer Weingut gern einmal ansehen. Vinzent hat sehr davon geschwärmt und von deinem Bruder«, sagte Anja und beide kicherten.
»Principessa, Stören wir dich gerade? Sonst würde ich dich gleich von meinem Handy anrufen. Wir müssen einiges besprechen.«
»Nein, klar, gerne, wenn es dich nicht stört, dass ich mir nebenbei etwas zum Abendessen mache.«
»Fantastico, arrivederci«, sagte Isabella noch und legte auf.
»Vincenzo, schickst du mir schnell ihre Nummer? Prego«, kam direkt aus ihrem Mund, als sie mir mein Handy reichte, und ich glaube, das war der Moment, in dem der Abend mit uns beiden nebensächlich wurde.
Nachdem sie Anjas Nummer hatte, verschwand sie sofort aus Andreas Zimmer.

 »Deine Freundin hat ja fast dasselbe Temperament wie meine Schwester«, sagte Andrea und lachte.
»Ja, sie sind sich sehr ähnlich. Deswegen habe ich mich auch sofort mit Isabella verstanden. Ich bin gespannt, worüber die beiden sich gleich unterhalten.«
»Vielleicht über den heißen Italiener und seinen bildhübschen deutschen Freund?«, säuselte er gegen meine Lippen, bevor er sie mit seinen verschloss.
Andrea schenkte uns ein und wir stießen auf uns an. Danach schmiegten wir uns aneinander und genossen den Sonnenuntergang.
»Was hast du eigentlich sonst noch so in meiner Anwesenheit über mich erzählt?«, fragte ich Andrea neugierig.

»Isabella hat es schon sehr gut zusammengefasst. Ich fand dich vom ersten Tag an unglaublich schön, vor allem deine Augen. Sie sehen aus wie das Meer und je mehr ich dich kennenlernte, wollte ich nichts sehnlicher, als dich endlich in meinen Armen halten zu dürfen und dich zu küssen. Ok, deinen Hintern habe ich vielleicht auch ab und an mal erwähnt. Was hast du Anja erzählt?«
»Klar, auch dass du einfach wahnsinnig gut aussiehst, aber viel öfter habe ich von meinem ersten Tag hier geschwärmt. Deine Nähe auf dem Roller. Deine Wärme. Es fühlte sich sehr geborgen an. Ich war sogar sehr froh, dass du langsamer gefahren bist«, verriet ich ihm und er fing an zu lachen.
»Ich bin so langsam gefahren, da ich sonst Angst hatte, einen Unfall zu bauen, weil mich deine Nähe so aus der Fassung brachte. An dem Tag hast du mir aber gezeigt, dass du an die Liebe glaubst, so ehrfürchtig, wie du die Statue angesehen hast. Schon da hast du dich heimlich in mein Herz geschlichen.«

Ich legte nun meine Arme fest um ihn und meinen Kopf auf seine Brust.
»Halt mich bitte einfach nur fest, ok?«, sagte ich leise und das tat er.
Der Himmel über uns verfinsterte sich langsam und sobald die Sonne verschwand, fingen über uns an, die Sterne zu leuchten. Hier gab es keinen Smog und es war klar.
»Wenn wir jetzt eine Sternschnuppe sehen, würde ich mir wünschen, für immer hier bei dir zu bleiben«, sagte ich, und auch wenn es kitschig hoch zehn war, fühlte ich genau das ganz tief in meinem Inneren.

Die Nacht legte sich über uns und es wurde etwas kühler. Trotz Andreas seiner Wärme zog sich eine Gänsehaut über meinen Körper und ich fing an, leicht zu zittern.
»Sollen wir reingehen? Du bleibst doch hoffentlich die Nacht über bei mir?«, fragte mich Andrea scheu.
»Gern, aber ich hole mir schnell noch ein paar Sachen für morgen.«

Es fehlte direkt etwas, als ich mich nach Stunden von ihm löste und aufstand. Ich bekam noch einen kurzen Kuss und machte mich auf den Weg. Ich kam an Isabellas Zimmer vorbei und hörte sie noch mit Anja telefonieren. Ich war gespannt, was sie uns morgen berichten würde. Sachen für den nächsten Tag hatte ich schnell herausgekramt und betrat nur Minuten später wieder das Reich von Andrea. Meine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, doch ich konnte ihn nirgends sehen. Unter einer Tür konnte ich Licht sehen, legte meine Sachen ab und öffnete vorsichtig die Tür.
»Andrea?«, fragte ich und steckte meinen Kopf hindurch und mir stockte der Atem.
Da stand er nackt unter der Dusche und seifte sich gerade seine dichten, mittellangen Haare ein. Er war nicht geschockt, als er mich sah, sondern lächelte mir nur entgegen.
»Komm herein und leiste mir Gesellschaft, mio caro, du willst doch sicher auch noch duschen«, sagte er und ich betrat, angezogen von seinem atemberaubenden Anblick, sein Badezimmer. Ich durfte ihn schon ein paar Mal oberkörperfrei sehen und schon das vernebelte mir die Sinne. Wie automatisch schlüpfte ich aus meinen Sachen und ging zu ihm unter die Dusche. Nun war er es, der mich staunend ansah und mich musterte. Mich kannte er bislang nur angezogen.

»Vincenzo, sei incredibilmente sexy«, brachte er nur leise heraus, als ich mich an ihn schmiegte und ihn küsste. Das verstand ich auch, ohne dass er es mir übersetzte, denn ich konnte deutlich spüren, welche Wirkung ich auf ihn hatte, und das, was sich gegen mich presste, war nicht gerade klein. Er war nicht frisch rasiert und sein Oberkörper kratzte etwas an meinem, aber es war nicht unangenehm. Wie zwei Ertrinkende standen wir küssend und aneinandergeklammert unter der Dusche. Schüchtern erkundeten wir den Körper des anderen mit unseren Händen. Ohne Eile oder Erwartungen. Sicher hatten wir beide eine Erektion und waren heiß, aber es stand nicht im Vordergrund. Andrea begann damit, meinen Körper einzuseifen, und fing mit meiner Rückseite an. Er ließ keine Stelle aus und entlockte mir sogar ein leichtes Stöhnen, als er an meinem Hintern ankam, aber er hatte eine sehr gute Beherrschung. Danach drehte er mich in seinen Armen und erkundete meine Vorderseite. Seine Lippen lagen dabei an meinem Hals und seine Hände lagen auf meinem flachen Bauch. Ich war wie Wachs in seinen starken Armen. Schüchtern rieb er sich leicht an mir und zögerte, mich zu berühren. Ich drehte meinen Kopf und sah ihn an. In seinen Augen war seine Lust klar erkennbar und er brauchte nur ein Zeichen. Ein Kuss und ich führte seine Hand in meinen Schritt. Selbst da hielt er sich zurück, als er mich massierte, aber nun bewegte ich mich mit und so trieben wir uns langsam gemeinsam dem Höhepunkt entgegen. Er klammerte sich an mich. Stöhnte in unseren Kuss und mit einer Wucht traf mich mein Orgasmus und riss ihn mit. Das Wasser spülte unsere Spuren weg und wir duschten noch zu Ende. Es wäre nicht mehr nötig gewesen, sich wieder etwas anzuziehen, und wir kuschelten uns in sein Bett.

»Du überraschst mich immer wieder«, sagte ich, während ich halb auf ihm lag und mit den Fingern durch seine weichen Haare fuhr.
»Womit denn?«, fragte er und genoss mit geschlossenen Augen meine Berührungen.
»Ich hätte bei deinem Temperament damit gerechnet, dass du über mich herfallen würdest, aber das eben war unbeschreiblich schön und noch viel intimer«, erklärte ich und er zog mich fester an sich.
»Mein Temperament wirst du noch oft genug zu spüren bekommen, aber unser erstes richtiges Mal soll etwas Besonderes werden und keine wilde Nummer unter der Dusche. Ti amo, Vincenzo, und ich möchte es richtig machen.«
»Anch’io ti amo – ich liebe dich auch. Doch wie kommst du darauf, dass du etwas falsch machen könntest?«
Andrea grinste und sah mich nun auch an. Sogar in dem wenigen Mondlicht konnte ich seine Augen leuchten sehen.

»Wir müssen unbedingt an deiner Aussprache arbeiten, aber der Inhalt macht mich sehr glücklich«, sagte er und zog mich in einen Kuss, bevor er fortfuhr: »Isabelle hat mir erst letztens von der Sache mit deinem Ex erzählt und deiner Angst danach. Ich will, dass du mir komplett vertraust und keine Angst hast, mit mir zu schlafen. Ich war letzte Woche beim Arzt und warte noch auf das Ergebnis und sobald das da ist, lernst du den Italiener in mir kennen.«
»Und wieder überraschst du mich. Danke Andrea, du weißt gar nicht, wie viel mir dies gerade bedeutet. Doch wieso hast du so lange damit gewartet, mir deine Gefühle zu offenbaren?«
»Das war mehr Isabellas Schuld. Sie kam gestern Abend zu mir ins Zimmer und meinte, dass entweder ich dir endlich meine Liebe gestehe oder sie würde ab sofort dir alles übersetzen, was ich zu dir sage. Sie meinte auch, dass ich es nicht bereuen werde«, erklärte er mir und brachte mich zum Lachen.
»Ich verstehe, so viel zu: Sie wollte uns nicht verkuppeln, aber ich bin froh, dass es so gekommen ist. Vielleicht konnte ich mich mit Anja dafür bei ihr revanchieren.«

Wir gaben uns noch einen langen Kuss und ich kuschelte mich an seine Seite, sodass ich noch seinen Bauch kraulen konnte, bis ich einschlief. Zwar sagte er noch ein paar Zeilen auf Italienisch, aber es störte mich nicht. Es klang einfach schön aus seinem Mund und bedeutete sicher etwas Schönes. Ich war glücklich, wie seit Jahren nicht mehr, und lag in den Armen meines wundervollen neuen Freundes.

»Buongiorno, cuore mio«, sagte Andrea, als ich wach wurde und er mir einen Kuss gab.
»Guten Morgen. Die Dinge musst du mir zuerst beibringen, damit ich endlich verstehe, was du mir sagst. Das »Guten Morgen« verstehe ich schon.«
»Ich sagte guten Morgen, mein Herz«, übersetzte er mir und ließ meines damit hüpfen.
»Ok, auf Italienisch klingt es tausendmal schöner.«
»Aber so schön es gerade mit dir im Bett ist, muss ich leider aufstehen. Die Arbeit macht sich nicht von allein«, meinte Andrea und erhob sich aus dem Bett.

Ich verfolgte ihn mit meinen Blicken, bis er im Badezimmer verschwand. Ich war schon angezogen, als Andrea nur in Boxershorts aus dem Badezimmer herauskam. Am liebsten hätte ich mich sofort wieder ausgezogen und mich mit ihm aufs Bett geworfen.
»Schade, ich dachte, ich darf noch einen Blick auf deinen wundervollen Körper werfen«, meinte er und ging zu einer Kommode.
»Darfst du heute Abend wieder, oder soll ich mich wieder ausziehen?«
»Bring mich nicht auf dumme Ideen«, grollte er und zog sich an.
»Ich freue mich schon sehr darauf«, sagte er, als er mir noch einen Kuss gab und wir gemeinsam nach unten gingen, um zu frühstücken.

Im Sturm erobert

»Endlich. Sonst schläfst du doch nie so lange, Andrea«, wurden wir aufgeregt von Isabella in Empfang genommen.
»Bisher hatte ich auch keinen Grund, im Bett zu bleiben«, meinte er und machte uns Kaffee.
»Die Principessa kommt schon am Montag«, platzte Isabella mit ihren Neuigkeiten heraus.
»Wow, doch schon so früh. Dann hast du sie wohl sehr beeindruckt. Wie lange habt ihr denn noch telefoniert?«, fragte ich sie.
»Warum hast du sie nicht gleich mitgebracht? Ich glaube, es war so um drei, als wir uns verabschiedeten. Andrea, ich habe Anja versprochen, ihre Reisekosten zu übernehmen. Schließlich hilft sie uns auch bei unserer Veranstaltung und das ist das Mindeste, was wir tun können.«
»Ich denke, das sollte sich ausgehen«, sagte Andrea.

»Ihr könnt mein Budget auch gerne dafür nehmen und für andere Dinge einplanen. Ich werde sicher kein Geld von euch annehmen. Vielleicht solltet ihr es auch nehmen, um ein Geschenk für eure Eltern zu besorgen. Über die Geste würden sie sich sicher freuen.«
Beide schauten mich mit großen Augen an.
»Das wäre eine großartige Idee, aber bist du dir sicher?«, fragte mich mein Freund.
»Sehr sogar, ich hätte es sowieso nicht angenommen, selbst wenn wir nicht zusammen wären. Ihr behandelt mich so liebevoll und habt mich auch vorher wie einen Teil der Familie behandelt, da käme es mir seltsam vor.«
Noch bevor ich meinen Satz beendet hatte, fand ich mich in Andreas Armen wieder und auch Isabella gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange.
»Und jetzt gehörst du zur Familie«, bestätigten mir beide.

Das Geschenk für Fabrizio und Francesca war schnell gefunden. Sie wollten immer einmal reisen, aber haben es nie in die Realität umgesetzt, da das Weingut viel Arbeit bedeutete. Jetzt sollten sie auch ihren Traum erfüllen und die beiden wollten sich darum kümmern. Andrea und Isabella gingen an die Arbeit. Ich zog mich zurück und ging meine Checkliste für die Veranstaltung durch. Viel war nicht mehr auf meiner Liste und so machte ich mich an den groben Ablaufplan. Meine Konzentration litt darunter, dass meine Gedanken jetzt immer zu Andrea abschweiften, aber immerhin zauberten sie mir ein Lächeln auf die Lippen.

»An was denkst du gerade? Du siehst glücklich aus«, riss mich Andrea aus meinen Gedanken.
Er stand hinter mir und massierte leicht meine Schultern.
»Ich habe an dich gedacht oder besser gesagt an uns«, sagte ich und legte meinen Kopf in den Nacken und grinste ihn von unten an.
»Komm, cuore mio. Das Mittagessen ist fertig.«
Ich stand auf und musste mich erst einmal strecken, bevor wir uns zur Küche aufmachten.
»Heute Abend bekommst du eine Massage. Du bist total verspannt und hast es dringend nötig.«
»Oder gleich ist doch Siesta«, meinte ich verführerisch.
»Du wieder. Nein, da habe ich etwas anderes mit dir geplant und bevor du fragst: Es ist eine Überraschung.«

Ich war während des Essens aufgeregt, mit was Andrea mich überraschen wollte. Isabella schwärmte die ganze Zeit von Anja und ich schaufelte den Eintopf in mich hinein.

»Bereit für deine Überraschung?«, sagte Andrea zu mir und ich nickte.
»Dann los, komm«, meinte er und wir verließen die Küche.
Unser Weg führte uns zu seinem Roller und er reichte mir einen Helm. Dieses Mal war ich nicht so vorsichtig, schlang meine Arme um ihn und presste mich an seinen Rücken. Auch diesmal fuhr er langsamer und unser Ausflug ging wieder nach Verona.

Als er anhielt und den Roller abstellte, atmete er erleichtert aus.
»Ok, auch jetzt machst du mich noch sehr nervös«, sagte er und nahm meine Hand.
So gingen wir durch die Straßen. Nicht mehr als Fremde, sondern als Paar. Wie in Riva kaufte er uns ein Eis und wir schlenderten weiter durch die Gassen. Den Weg kannte ich, aber diesmal erzählte er mir, wo wir vorbeigingen und was es dazu für Geschichten gab. Wir waren tatsächlich wieder bei der Statue der Julia angekommen. Tagsüber war hier sehr viel los und bis rein hätten wir es gar nicht geschafft. Das war auch nicht sein Ziel. Andrea holte einen gelben Zettel und einen Stift aus der Tasche. Darauf schrieb er Vincenzo & Andrea, malte darum ein Herz und faltete den Zettel, bis er so klein war, dass er ihn in eine der Ritzen zwischen den Steinen stecken konnte.

»So, ab jetzt wacht Julia über unsere Liebe.«
Ich war so gerührt von dieser süßen Geste, dass ich in seine Arme sprang und ihn vor allen Besuchern küsste.
»Das war die süßeste und schönste Überraschung, die mir je gemacht wurde. Danke, Andrea.«
»Cuore mio. Du bist ein Geschenk«, sagte er und hielt mich einfach nur fest in seinen Armen.
Solche Gesten waren in meinen Augen die größten Geschenke. Es braucht nichts Materielles, sondern nur das Gefühl und die Gewissheit, dass dich ein Mensch innig liebte, und das tat Andrea. Er hatte es geschafft, mein gebrochenes Herz zu heilen und es für sich zu gewinnen.

Wir tranken noch einen Kaffee und machten uns dann wieder auf den Rückweg. Doch statt der Straße zum Weingut zu folgen, bog er in eine andere Richtung ab. Der Weg war schmal und führte einen Berg hinauf. Andrea fuhr bis fast ganz nach oben und stellte den Motor ab.
»Absteigen, ich will dir noch etwas zeigen«, gab er mir die Anweisung.
Die Helme ließen wir beim Roller und gingen noch ein Stück den Berg hinauf in den kleinen Wald, bis wir die Spitze erreichten. Die Aussicht war atemberaubend und von hier konnte man in der Ferne das Weingut sehen. Er nahm mich von hinten in seine Arme und legte sein Kinn auf meine Schulter.

»Das hier ist mein Lieblingsort. Von hier hast du einen großartigen Blick über das gesamte Weingut«, erklärte er mir.
»Ich verstehe, wieso es dein Lieblingsplatz ist. Es ist traumhaft schön hier.«
»Komm«, meinte er, zog mich unter einen Baum, setzte sich ins Gras und zog mich so auf seinen Schoß, dass ich meine Beine hinter ihm verschränken konnte.

Wir waren auf Augenhöhe und er strich mit seiner Hand durch meine Haare. Unsere Oberkörper berührten sich und ich legte meine Arme auf seine Schultern, um seinen Nacken zu kraulen. Er hatte wieder diesen Blick voller Liebe, Verlangen und Lust, biss sich sogar leicht auf die Lippe. Ich spürte wieder, was für eine Wirkung meine Nähe auf ihn hatte. Auch bei mir wurde es verdammt eng und ich presste mich hart gegen ihn. Schon sein Blick erweckte in mir das Verlangen, mich mit ihm zu vereinen, und mein Verstand setzte aus. Ich fing an, mein Hemd aufzuknöpfen, und er folgte dabei meinen Fingern mit seinem Blick.
»Was hast du vor?«, fragte er mich leise und es war schon fast ein Hauchen.
»Wonach sieht es denn aus?«, wisperte ich gegen seine Lippen.
»Aber…«, begann er.
»Ich vertraue dir«, fiel ich ihm ins Wort und küsste ihn.

Da kam nun mein Italiener zum Vorschein und mein Hemd fiel auf den Boden. Direkt gefolgt von seinem Leinenshirt und danach waren unsere Hosen an der Reihe, samt Boxershorts. Jetzt saß ich nackt auf seinem Schoß. Er küsste meinen Hals und rieb sich wie gestern Abend an meinem Hintern. Es jagte einen Schauer durch meinen Körper, wenn er über meinen Eingang glitt. Ich konnte gar nicht beschreiben, wie sehr ich ihn in diesem Moment wollte. Andrea versuchte, mich langsam auf ihn vorzubereiten und mich mit seinen Fingern zu dehnen. Doch für viel Vorbereitung war keine Zeit, wir wollten es beide schon so lange und ich übernahm das Kommando. Feucht und fest drückte er sich gegen meinen Eingang. Wir küssten uns zur Ablenkung, als ich mich auf ihn presste und er den Widerstand überwand. Dafür, dass ich schon lange niemanden in mir hatte, war es sogar auszuhalten. Es dauerte etwas, seine Länge in mir aufzunehmen, aber es war geschafft und wir waren komplett miteinander vereint. Der Schmerz verging und eine unendliche Lust machte sich in mir breit. Ich fing an, mich zu bewegen, und der erste Stoß von Andrea ließ Blitze durch meinen Körper schießen. Ab da an brauchte ich mich nur in seinen starken Rücken krallen, denn er nahm mich so lange, bis ich laut stöhnend kam und mich tief auf ihn setzte.

»Merda, Vincenzo«, sagte Andrea noch, legte seine Lippen an meinen Hals und fing an, in meinem Inneren zu pumpen. Sein ganzer Körper zuckte unter mir und es dauerte, bis er sich wieder beruhigte.
»Scusami, cuore mio. Es tut mir leid. Ich wollte nicht in dir kommen«, entschuldigte er sich und schaute mich bedrückt an.
»Wieso ist es dir unangenehm?«, fragte ich verwirrt nach.
»Nein, aber für dich ist es das jetzt«, erklärte er mir.
Er glitt aus mir heraus und normal, dass dabei bei der Menge ein Schwall hinterherkam.
»Dann musst du halt gleich ohne Boxershorts heimfahren. Es ist nichts, was eine Waschmaschine nicht regeln kann«, meinte ich und endlich strahlte auch er mich an.

»Ist wenigstens nicht so eine Sauerei wie auf deinem Oberkörper. Muss ich mich jetzt dafür entschuldigen?«, fragte ich belustigt, denn das war selbst für mich eine gewaltige Ladung gewesen.
Zu meiner Überraschung fing er etwas mit seinem Finger auf und steckte ihn sich in den Mund. Er hatte auch nichts dagegen, dass ich es übernahm, den Rest von ihm abzulecken und ihn damit zu küssen.
»Ich glaube, dieses erste Mal werden wir nie vergessen.«
»Aber ich wollte dich doch mit einem romantischen Abend überraschen, den du nie mehr vergisst.«, sagte Andrea und hielt mich fest in seinen Armen, während der sanfte Wind unsere aufgeheizten Körper abkühlte.
»Du bist hier an deinem Lieblingsplatz und du bist mein Lieblingsmensch. Außerdem sehen wir den Berg von deinem Balkon aus. So werden wir jeden Tag daran erinnert. Aber den romantischen Abend nehme ich trotzdem sehr gerne. Hauptsache, du bist ein Teil davon und die Massage heute Abend steht hoffentlich trotzdem noch.«
»Ti amo, cuore mio. Ja, die steht noch. Ich breche nie ein Versprechen.«

Wir kuschelten noch ein wenig und genossen die Zweisamkeit, bevor wir uns säuberten, zum Weingut fuhren und noch schnell unter die Dusche sprangen. Wir mussten uns ein wenig beeilen, denn die Siesta war schon fast vorbei und Andrea hatte noch einiges zu erledigen. Er war schon in seinem Schlafzimmer, als ich noch mit dem Handtuch um die Hüften vor dem Spiegel stand. Ich dachte, ich sah nicht richtig, als ich mir meinen Hals begutachtete.

»Andrea!«, sagte ich etwas lauter und er kam ins Bad gelaufen.
»Si«, sagte er und ich zeigte auf meinen Hals, an dem sich schon Knutschflecken abzeichneten.
Es sah aus, als hätte sich eine Herde Blutegel über meinen Hals hergemacht.
»Entschuldige, cuore mio, aber ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle, aber zieh dich an, ich habe da etwas.«
Kopfschüttelnd brachte ich noch meine Haare in Ordnung, verließ das Badezimmer und zog mich an. Komplett angezogen stand Andrea mit einem Tuch in der Hand vor mir und legte es mir um den Hals.
»Schau, es passt perfekt zu deinen Augen. Das Modebewusstsein eines Italieners«, meinte er und strahlte mich durch den Spiegel an.
Es sah schick aus und verdeckte wenigstens alles.
»Jetzt muss ich aber wirklich los. Bis heute Abend, Vincenzo«, verabschiedete er sich mit einem Kuss und war weg.

Vor der Feier musste ich dringend noch zu einem Friseur, denn langsam wurden mir meine Haare echt zu lang und sahen recht wild aus. So ging ich auch nach unten.
Isabella saß auf der Hauptterrasse und war am Telefonieren. Sie winkte mich sofort zu sich heran, als sie mich entdeckte.
»Principessa, warte Ich mache dich auf laut. Vincenzo ist gerade gekommen.«
»Hi Anja, na, schon aufgeregt, deine neue Freundin zu treffen?«, fragte ich sie und Isabella gab mir einen Stoß in die Rippen.
»Und wie, auch darauf Andrea kennen zu lernen. Was war denn seine Überraschung heute?«, wollte sie wissen.
»Das würde ich auch gerne wissen«, hakte Isabella nach.
»Wir waren in Verona Eis essen und dann hat er einen Zettel mit unseren Namen in die Wand bei Julias Statue gesteckt, damit sie über unsere Liebe wacht. Das war echt süß«, schwärmte ich.
»Und dann hat er ihn vernascht«, schoss Isabella hinterher.
»Was?«, sagten Anja und ich gleichzeitig, nur dass ich dabei knallrot anlief.
»Wenn mein Bruder eins draufhat, dann sind das Knutschflecke. Du kannst das Tuch ruhig abnehmen, wir sind hier unter uns«, sagte sie lachend und zog mir das Tuch vom Hals.

»Dios mio, Anja, das musst du dir ansehen«, platzte Isabella heraus, schaltete auf Videoanruf um und hielt die Kamera auf meinen Hals.
»Scheiße, Vincent, was habt ihr denn getrieben?«, sagte Anja fassungslos.
»So schlimm sieht es doch gar nicht aus, wie ihr tut.«
»Komm mit, Vincenzo, ich habe etwas dagegen. So kann ich dich dann doch nicht herumlaufen lassen«, meinte Isabella und ich folgte ihr.
In ihrem Zimmer stellte sie mich vor ihren Spiegel und heiliges bisschen, mein kompletter linker Hals leuchtete in Rot- und Blautönen.
Die beiden kicherten und Isabelle schmierte mir eine Salbe auf die Stellen, aber nicht ohne vorher ein Beweisfoto zu machen.

»Würdest du mich am Montagabend vom Flughafen in Verona abholen?«, fragte mich Anja.
»Sicher mach ich das. Sag mir einfach, wann ich dort sein soll.«
»Die Zeiten habe ich und du nimmst mich doch sicher auch mit?«, fragte Isabella.
»Auch das mache ich gerne. Bis dahin habe ich meine Sachen auch aus meinem Zimmer geräumt, außer Isabella verschleppt dich gleich in ihres.«
Die beiden kicherten nur und Isabelle deckte meinen Hals mit etwas Make-up ab.
»So, und jetzt raus mit dir, Vincenzo. Du hast doch sicherlich noch etwas für die Feier zu erledigen«, schmiss mich Isabella freundlich aus ihrem Reich.
Sie hatte damit gar nicht so Unrecht. Es gab noch ein paar Punkte auf meiner Liste, die dringend meine Aufmerksamkeit brauchten.

Ich verzog mich mit meinem Tablet und machte den Plan fertig. Zumindest soweit es ging. Erst beim Abendessen sah ich alle wieder und heute Abend wollte Isabella wirklich noch ein Glas Wein mit uns trinken.
»Hast du es noch immer nicht gelernt, Knutschflecken dort zu machen, wo es nicht gleich jeder sehen kann«, fing sie direkt an, als sie auf den Balkon kam. Andrea schaute nur verlegen und Andrea sah sich meinen Hals an.
»Wieso, ist doch kaum noch etwas zu erkennen«, meinte er und sah noch einmal genauer hin.
»Idiota, das ist Make-up. Hier, so sieht es darunter aus«, sagte Isabella und hielt ihm ihr Handy hin.

Andreas Blick entglitt ihm und er schaute mich so schuldbewusst an. Es tat ihm auf einmal unendlich leid und er fing an, sich in Dauerschleife bei mir zu entschuldigen, während er mich fest in seinen Armen hielt.
»Andrea, so schlimm ist es doch nicht. Das geht schon wieder weg. Außerdem hast du es nicht absichtlich gemacht, nur ab sofort gehst du etwas vorsichtiger mit meinem Hals um. Küssen gerne, aber nicht mehr saugen«, beruhigte ich ihn.
»Versprochen, cuore mio.«
»Was läuft denn da zwischen dir und Anja?«, wollte ich jetzt mal von Isabella wissen und auch das Thema wechseln.
»Principessa ist großartig. Sie ist süß, witzig und liebenswürdig. Sie gefällt mir.«, fing sie an zu schwärmen.
»Ich glaub, du wirst sie sehr mögen. Ich gebe dir einen Tipp: Kleine persönliche Gesten, so wie von meinem Großen hier heute, bedeuten auch ihr mehr als materielle Dinge.«
»Danke, Vincenzo«, sagte sie und wir stießen an.

Es wurde noch ein richtig schöner geselliger Abend. Isabella fragte mich noch einiges über Anja aus und auch Andrea wollte am Montag mitkommen, um sie direkt am Flughafen zu begrüßen. Ich mochte diese Abende mit ihr, aber umso schöner war es, dabei in Andreas Armen zu liegen und mich zu entspannen.
»So, ihr Süßen, ich lass euch jetzt allein und höre mal, was die Principessa macht. Buona notte«, verabschiedete sie sich.
»Endlich. Ich dachte schon, sie geht nie«, sagte Andrea und zog mich in einen langen, intensiven Kuss. »Und jetzt löse ich mein Versprechen ein. Komm, cuore mio.«
Er zog mich mit auf die Beine und wir gingen nach drinnen. Wie selbstverständlich half er mir beim Ausziehen, bis ich komplett nackt vor ihm stand. Auch seine Hüllen fielen und ich presste mich hart und eng an seinen wundervollen Körper.
»Du bringst mich um den Verstand«, hauchte er gegen meine Lippen, bevor er sich von mir löste.
Er verschwand kurz im Bad und kam mit einem großen Handtuch wieder, welches er auf dem Bett ausbreitete.
»Leg dich mit dem Bauch darauf und dann entspann dich«, wies er mich an und schaltete eine leise Musik an.

Ich platzierte mich auf dem Handtuch und legte meinen Kopf auf meine Hände. Andrea stieg über mich, setzte sich auf meine Oberschenkel und kurz darauf spürte ich seine Hände, wie er ein Massageöl auf meinem Rücken verteilte. Es roch fantastisch nach Orangen mit einer herberen Note und tat so unbeschreiblich gut, wie er mich mit seinen starken Händen bearbeitete. Seine Massage war entspannend und unsagbar heiß zugleich. Er rieb sich dabei leicht an meinem Hintern und ich hoffte, ihn schon bald wieder spüren zu dürfen. Doch er nahm sich Zeit, sehr viel Zeit. Zwischendrin küsste er meine Schultern und war erst zufrieden, als ich tiefenentspannt unter ihm lag. Mit seinen Massagekünsten hatte er jegliche Verspannung aus meinem Rücken- und Nackenbereich gelöst. Er selbst war dabei so verdammt hart und presste sich gegen mich.
»Wie fühlst du dich, cuore mio«, wisperte er mir ins Ohr, gefolgt von seinen zärtlichen Küssen meinen Hals hinab, über meine Schulter.
»Einfach wunderbar, hör bitte nicht auf«, sagte ich leise und drückte ihm mein Becken entgegen.

Ich war bereit und wollte mich nur noch mehr mit ihm vereinen, doch Andrea rutschte weiter nach unten und kniete sich zwischen meine gespreizten Beine, um mich dort zu massieren. Meine Waden, Oberschenkel, bis hin zu meinem Hintern. Schon als er mit seinem Daumen über meinen Eingang fuhr, atmete ich tief ein, aber als ich plötzlich seine Zunge spürte, entwich mir ein tiefes, langgezogenes Stöhnen. Wahnsinn, konnte er das gut. Er benutzte keine Finger, sondern nur seine Zunge, welche mich unaufhörlich reizte, bis er es schaffte, mit ihr in mich einzudringen. Ich war mehr als bereit für ihn und dachte schon, dass ich ihn jetzt endlich spüren dürfte. Nur hatte er wieder andere Pläne, kam ein Stück höher und kniete über meiner Hüfte.
»Dreh dich um, cuore mio«, sagte er sanft und obwohl ich mich darüber wunderte, drehte ich mich unter ihm.

Er war so wunderschön und heiß, wie er sich jetzt wieder auf meine Oberschenkel setzte und anfing, meinen Oberkörper zu massieren. Es glich einer süßen Qual, wie er dabei meine Nippel reizte. Er hielt die ganze Zeit über Blickkontakt und ich war wie hypnotisiert. Meine Hände ruhten auf seinen Oberschenkeln und ich fühlte die Hitze, welche von ihm ausging. Nun war er es, der sich langsam auf mir bewegte und sich an mir rieb. Er beugte sich zu mir herab und küsste mich. Seine Hand wanderte in meinen Schritt, umschloss mich fest und verteilte das Massageöl, bevor er mich in Position brachte. Nun war auch mir klar, was er vorhatte, und damit überraschte er mich erneut. Uns beiden entwich ein Stöhnen in den Kuss, als ich den Widerstand überwand und in ihn hineinglitt. Ich war zwar nicht so gewaltig gebaut wie er, aber auch mehr als normal.

Er nahm sich Zeit und schob sich langsam auf mich, bevor er sich aufrichtete. Das Gefühl war unbeschreiblich, als er mich komplett in sich aufnahm. Seine Beine zitterten, als er anfing, sich auf mir zu bewegen. Mit beiden Händen stützte er sich auf meiner Brust ab und fing an, mich langsam zu reiten. Sein Anblick war so verdammt heiß und auch ich wollte ihn endlich berühren. Streichelte über seine Brust und seinen Bauch, spielte an seinen Nippeln. Er unterdrückte sein Stöhnen und es kam nur ein tiefes Grollen aus seiner Kehle. Auch mir fiel es schwer, mein Stöhnen zu unterdrücken, so sehr er mich gerade reizte. Er schloss sich so fest um mich und bereitete uns eine gewaltige Lust. Nachdem er sich nach hinten gelehnt hatte und schneller wurde, fiel es mir schwer, meinen Höhepunkt zurückzuhalten.

»Andrea, ich halt’s nicht mehr aus.«
»Cuore mio, halt es nicht zurück«, meinte er und wurde noch etwas schneller.
Ich stand kurz davor, doch bevor es bei mir so weit war, entwich ihm ein tiefes nasales Stöhnen und ich sah dabei zu, wie er sich zuckend heftig auf mir ergoss. Er war so eng und presste sich an mich. Damit zog er mich mit in seinen Höhepunkt. Ich hielt mich an seiner Hüfte, während ich mich tief in ihm entlud.
Es musste an ihm liegen, dass meine Orgasmen so gewaltig waren. Schon heute Nachmittag wurde ich davon überwältigt. Selbst wenn es gerade das genaue Gegenteil von unserem ersten Mal war. Diesmal war es intensiv, leidenschaftlich und so verdammt gut.
Er entließ mich aus sich und beugte sich zu mir herunter. Wir beide waren noch außer Atem, aber dieser Blick voller Verlangen und Liebe war umwerfend.
»Ich bekomme nicht genug von dir«, meinte er, bevor er mir die Sinne mit einem Kuss raubte.
Unter der anschließenden Dusche zeigte er mir wieder seine Wurzeln und ließ mich ihn tief in mir spüren.

Andrea war so schockiert, als er meinen Hals ohne das Make-up sah, und versprach mir, von jetzt an vorsichtiger zu sein. Ich hatte schon gar nicht mehr daran gedacht, denn ich war so tiefenentspannt und einfach nur glücklich, in seinen Armen zu liegen und mich an ihn zu kuscheln.
»Versprich mir, dass du mich nie wieder loslassen wirst. Du bist wie mein wahrgewordener Traum«, sagte ich leise.
Er gab mir ein tiefes Gefühl von Geborgenheit, Wärme und Glück. Ich fühlte mich, als wäre ich endlich angekommen.
»Versprochen, cuore mio.«
Mehr brauchte ich nicht zu hören, um in einen tiefen und erholsamen Schlaf zu sinken.

Ja, es war verantwortungslos, ungeschützt miteinander zu schlafen, obwohl die Gewissheit so nahe war, aber ich vertraute ihm tief in mir und wenn er keine Bedenken hatte, dass etwas sein könnte, glaubte ich ihm. Er ließ sich immerhin extra neu testen, damit ich mich sicher fühlte. Trotzdem waren wir froh, als wir zwei Tage später das richtige Ergebnis bekamen, dass alles gut war. Aber schon vorher kannten wir kein Halten mehr.

Eine unvergessliche Zeit

Ab sofort gingen wir nach dem Aufstehen auch gemeinsam joggen und räumten meine Sachen herüber in Andreas Zimmer. Er machte mir sogar Platz in seinen Schränken, was sich insgeheim schon wie ein Einzug anfühlte. Wenn er nicht auf dem Weingut beschäftigt war, verbrachte er seine restliche Zeit mit mir. Es war Wahnsinn, wie schnell die Zeit bis Montag verging und wir auf dem Weg zum Flughafen waren. So aufgeregt hatte ich Isabella noch nie erlebt. Sie redete in einer Tour. Mal auf Deutsch, mal Italienisch, wobei Andrea bei den italienischen Passagen neben mir grinste. Kaum hatte ich mein Auto geparkt, sprang Isabella heraus und lief vor zur Wartehalle.

»Wow, na, das kann ja gleich was geben«, meinte ich lachend und auch wir beiden stiegen aus, nachdem das Verdeck geschlossen war.
»Sie ist halt meine Schwester und verliebt. Wir lieben halt ganz oder gar nicht«, erklärte Andrea amüsiert.
»Du hast wild vergessen, mein Schatz«, sagte ich und legte einen Arm um ihn, bevor wir auch langsam zum Ankunftsbereich gingen.

Es war noch nicht viel los, da der nächste Flieger erst in einer halben Stunde landen würde, und wir setzten uns auf eine freie Bank. Isabella stand schon an der Absperrung und sicherte sich den besten Platz. Ich lehnte mich an meinen Schatz an und er legte einen Arm um mich.
»Müsstest du nicht da vorn bei Isabella stehen? Du freust dich doch sicher auch, dass Anja herkommt.«
»Sehr sogar, aber ich find, den Moment sollten wir den beiden gönnen. So wie Anja über Isabella spricht, mag sie deine Schwester sehr. Außerdem weißt du genau, dass ich nur sehr schwer von dir loskomme«, meinte ich und verschränkte seine Finger mit meinen.

Ich war nie der anhängliche Typ und war sogar froh, zwischendurch meine Ruhe zu haben. Es nervte mich sogar, wenn Flo anfing, herumzuzappeln, wenn wir kuschelnd auf dem Sofa lagen. Andrea dagegen ist der Ruhepol schlechthin. Er hält mich einfach ruhig in seinen Armen und genießt genauso still wie ich. Ich vermisste ihn sogar, wenn er tagsüber seiner Arbeit nachging. Allgemein wurde in ihrer Familie mehr miteinander kommuniziert als bei uns. Hier hing niemand an seinem Handy oder am Fernseher. Lieber saß man bei einem Kaffee oder Glas Wein zusammen. Es wurde erzählt, gelacht oder gespielt. Auch Andrea hatte keinen Fernseher bei sich im Zimmer. Wenn wir im Bett lagen, erzählte er mir von sich oder hörte sich meine Geschichten an. Genau wie jetzt, als ich ihm erzählte, was für verrückte Dinge ich bislang an Flughäfen erlebt hatte.

Die Halle füllte sich langsam und lange konnte es nicht mehr dauern, bis Anja herauskam, denn ihre Maschine war soeben gelandet. Als die ersten Menschen herauskamen, stellten wir uns hin, um einen besseren Blick zu bekommen. Wir hätten auch sitzenbleiben können, denn Isabellas »Principessa« konnte man laut und deutlich durch den gesamten Wartebereich hören. Hui, also ihr Empfang hier war stürmisch, denn der Kuss von Isabella hatte gesessen.
»Stell dir mal vor, so hättest du mich empfangen, als wir uns das erste Mal sahen«, meinte ich lachend zu Andrea.
»Ob du es glaubst oder nicht, aber den Gedanken hatte ich«, gestand er mir.
Dafür bekam er jetzt einen langen Kuss von mir. Ich hörte hinter mir nur ein lautes »Vincent« und schaffte es gerade noch so, mich umzudrehen, als mir Anja in die Arme sprang.

»Hey Süße, willkommen in Italien«, begrüßte ich sie und als sie mich losließ, stand sie vor Andrea.

»Sag mal, seid ihr Winzer oder Topmodel?«, platzte sie heraus und schaute von Andrea zu Isabella.
»Ciao, Anja«, sagte mein Freund und begrüßte sie.
»Sei froh, dass Flo so ein Arsch war, der hier passt hundertmal besser zu dir«, versuchte sie zu flüstern, war aber so aufgeregt, dass sie lauter sprach und es alle mitbekamen.
»Kommt, lasst uns nach Hause, ich will der Principessa endlich unser Heim zeigen«, kommandierte Isabella, schnappte sich Anjas Hand und wir gingen zum Auto.  

Auch Anja kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir die Einfahrt zum Weingut hinauffuhren. Die Sonne stand gerade richtig und setzte es perfekt in Szene.
»Wow, ist das schön hier. Jetzt verstehe ich, wieso du dich in diesen Ort verliebt hast«, sagte sie ehrfürchtig.
»Nicht nur in den Ort«, meinte ich und griff nach Andreas Hand und drückte sie fest.

Sobald wir ausgestiegen waren, schnappte sich Isabella Anja und zog sie hinter sich her nach drinnen. Sie wollte sofort mit ihrer Führung beginnen und ließ uns mal wieder stehen. Wir brachten Anjas Gepäck in die Gästeunterkunft und zogen uns anschließend bis zum Abendessen zurück, da auch Andrea schon am Morgen alles erledigt hatte. Wir liebten uns und lagen nach dem Duschen noch kuschelnd auf dem Bett, als es an seiner Tür klopfte, welche sich im nächsten Moment öffnete. Wir hatten gerade noch Zeit, eine Decke über unsere nackten Körper zu ziehen.

»Und hier wohnen Andrea und Vincenzo«, erklärte Isabella, als sie den Raum betrat und anfing zu lachen, als sie uns erblickte.
»Isabella, raus!«, donnerte Andrea, aber sie war davon unbeeindruckt.
»Dann schließ das nächste Mal wenigstens ab und stell dich nicht so an. Wir haben doch gar nichts gesehen«, meinte Isabella und Anja kicherte hinter ihr.
»Zieht euch an. Mama ist gleich mit dem Essen fertig. Komm, Principessa, jetzt lernst du die originale italienische Küche kennen«, sagte sie noch, bevor sie das Zimmer verließen und die Tür hinter sich schlossen.
»Na, da werden wir uns nachher wieder etwas anhören dürfen«, meinte ich amüsiert, aber Andrea war richtig sauer.
»Sei doch nicht sauer. Sie haben nichts gesehen außer deinem heißen Oberkörper, und den stellst du doch freiwillig zur Schau, wenn du draußen herumläufst«, beschwichtigte ich ihn und gab ihm einen Kuss.
»Si, aber wenn wir gerade dabei gewesen wären. Sie kann doch nicht einfach hier hereinplatzen«, brummte er.
»Ist sie aber nicht und dann schließen wir das nächste Mal einfach ab. Dann kann es nicht passieren, und jetzt komm, lass uns runtergehen, bevor wir von deiner Mama einen Anschiss bekommen.«

Wenigstens musste auch Isabella am nächsten Morgen ihren Aufgaben nachgehen und ich hatte Anja bis zum Mittag für mich. Es war schön, wieder real mit ihr zu sprechen und nicht nur über das Telefon. Wir waren gerade dabei, dass ich ihr alles erklärte, was die Feier betraf und was noch zu erledigen wäre, als Andrea kurz vorbeikam. Er stahl sich auf dem Weg zum Weinkeller einen Kuss von mir und ging wieder seiner Arbeit nach.
»Es ist sehr ernst zwischen euch, oder?«, fragte mich Anja.
»Ist es so offensichtlich? Ja, ich hätte zwar niemals damit gerechnet, aber ich liebe ihn sehr. Sogar um einiges mehr, als ich Flo jemals geliebt habe.«
»Das sieht man. So wie ihn hast du Flo niemals angesehen. Selbst nicht, als ihr frisch verliebt wart, aber auch dir sieht man an, wie gut es dir geht. Ich bin froh, dass du nach der ganzen Scheiße endlich wieder glücklich bist. Ich hatte mir wirklich Sorgen um dich gemacht«, erklärte sie mir.

»Er ist mit Flo nicht zu vergleichen. Der kannte nur Party, seinen Sport und wollte sich präsentieren. Andrea dagegen ist bodenständig, strahlt eine gewaltige Ruhe aus und hängt nicht ständig am Handy oder hockt vor dem Fernseher. Er ist auch der perfekte Gentleman und wahnsinnig romantisch«, meinte ich und schon sehnte ich mich wieder nach ihm.
»Du wirst nicht wieder mit nach Deutschland kommen. Habe ich recht?«, fragte sie etwas traurig.
»Zum jetzigen Zeitpunkt nicht, aber warten wir mal ab, wie sich die nächsten drei Wochen entwickeln. Ich hoffe jedoch, dass sich nichts daran ändern wird, aber jetzt genug von mir. Wie findest du Isabella?«, wollte ich nun neugierig von ihr wissen.
Natürlich war auch Anja von ihr fasziniert und schwärmte in den höchsten Tönen von ihr. Ich wusste, dass sie sich auch schon länger eine feste Partnerin an ihrer Seite wünschte, aber nie blieb eine länger als ein paar Wochen. Sie hatte bisher auch kein Glück in der Liebe und wer weiß, vielleicht funktionierte es ja mit Isabella.

Mit Anja zur Unterstützung ging die Woche auch einiges voran. Wir hatten vieles an Dekoration besorgen können und bereiteten schon einiges vor. Auch das Geschirr und die Tische samt Bestuhlung wurden mir bestätigt. Wenn es so weiterging, blieben wir weit unter dem Budget und jetzt musste nur noch das Wetter mitspielen. Zur Siesta wurde Anja meist von Isabella beschlagnahmt und im Gegenzug unternahm ich viel mit meinem Schatz. Zwar war ich in den Städten schon allein gewesen, aber er kannte sich besser aus. Er führte mich weg von den Touristenattraktionen und zeigte mir die schönsten versteckten Plätze. Wenn wir nicht unterwegs waren, hörten wir Musik, erzählten und genossen die Nähe des anderen. Nach dem Abendessen saßen wir jeden Abend nun zu viert bei einem Glas Wein zusammen und ließen den Tag ausklingen. Es fühlte sich so an, als würde die Zeit rennen und die Wochen vergingen wie im Flug. Isabella hatte Anjas Herz erobert und auch meine Liebe zu Andrea wuchs jeden Tag mehr.  

Am Montag vor dem Event sprang Isabella nach dem Mittagessen nervös auf.
»So, jetzt lasst uns los. Andrea und ich haben eine Überraschung für euch«, platzte sie heraus und ich wusste bereits, was Überraschungen bei ihnen bedeuteten. Man musste auf alles gefasst sein, aber es war immer sehr schön und richtig romantisch.

Statt meines Wagens nahmen wir die Roller. Andrea hatte sich bereits etwas daran gewöhnt, dass ich mich eng an ihn schmiegte. Er schlich nicht mehr die Straßen entlang, aber sein Fahrstil war um einiges angenehmer als Isabellas. Unser Weg führte uns in einen Teil von Verona, welchen ich noch nicht kannte. Es sah aus wie ein Handwerksviertel, mit vielen kleinen Läden, aber es war gerade Siesta, da hatte doch alles geschlossen. Was wollten sie hier? Wir schlenderten durch die Straße und vor allem Anja und ich schauten interessiert in die Schaufenster, was dort alles angeboten wurde. Vor allem von der Glaskunst waren wir beide beeindruckt und kamen nicht von dem Schaufenster weg, da wir immer etwas Neues entdeckten, was uns gefiel.

»Komm, Schatz, wir haben einen Termin und müssen langsam weiter«, sagte Andrea und zog mich von dem Schaufenster weg.
»Wo wollen wir hin?«, fragte ich ihn.
»Sei nicht so neugierig und lass dich überraschen.«
Nun führten uns die beiden zielsicher zu einer Schneiderei und klopften an die Tür. Tatsächlich kam auch eine Dame und begrüßte uns herzlich. Ich versuchte zwar, Italienisch zu lernen, und Andrea brachte mir immer etwas Neues bei. Nun konnte ich ihm sagen, wie sehr ich ihn liebte, aber von dem, was gerade gesprochen worden war, verstand ich natürlich so gut wie nichts. Die Dame bat uns, Platz zu nehmen, und kam kurz darauf mit vier Kleiderhüllen aus dem Lager. Sie hängte diese an eine Stange und begann, sie auszupacken. Zum Vorschein kamen zwei Kleider und zwei Anzüge. Jeweils in Rot und in Weiß.

»Was wird das?«, fragte ich perplex.
»Das sind die Outfits für unsere Party. Wir haben ihr eure Maße gegeben. Es war gar nicht so einfach, diese heimlich von euch zu bekommen«, erklärte Andrea.
»Aber wir halten uns doch im Hintergrund auf und sind nur da, damit alles nach Plan verläuft.«
»Im Hintergrund? Du wirst neben Andrea sitzen und meine Principessa neben mir. Damit sieht jeder sofort, dass wir zusammengehören. Ihr seid genauso Teil von unserer Familie«, sagte Isabelle und Anja kamen schon die Tränen, bevor sie ihr um den Hals fiel.

Auch ich bekam einen Kloß im Hals. So genau hatte ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Normalerweise bekam man mich bei solchen Veranstaltungen nie zu Gesicht, sondern ich agierte im Hintergrund und kommandierte die einzelnen Gewerke umher. Alles nur, damit der Gastgeber und seine Gäste ein perfektes Erlebnis hatten.
»Cuore mio, du dachtest doch nicht ernsthaft, dass ich dich an meinem großen Tag nicht an meiner Seite haben möchte. Jetzt probiere ihn an«, erklärte mir mein wundervoller Freund und rührte mich damit wieder so sehr, dass auch meine Augen feucht wurden.
Es war nicht der Anzug, der diese Gefühle in mir auslöste, sondern seine Worte und die Tatsache, dass er an diesem Abend jedem zeigen wollte, dass ich zu ihm gehörte. Zu seiner Familie.
»Man, wieso muss ich bei deinen Überraschungen immer heulen. Danke, du weißt nicht, wie viel es mir gerade bedeutet«, sagte ich, nahm auch ihn in den Arm und gab ihm einen Kuss.

Wir zogen uns alle um und ich weiß nicht, wie er es geschafft hatte, aber der Anzug saß perfekt. Als ich aus der Umkleide herauskam, sah ich Andrea zum ersten Mal in einem Anzug und er schaute einfach umwerfend aus. Auch die Kleider der Mädels sahen sehr elegant aus. Es war das gleiche Kleid, aber in Isabellas Kleid wurden rote Akzente eingearbeitet und diese waren bei Anja in Weiß. Nun hatte mich auch Andrea gesehen und staunte.
»Du siehst so wahnsinnig heiß aus«, entfuhr es ihm.
»Nicht weniger als du, mein Schatz«, meinte ich und ging zu ihm herüber, damit wir uns gemeinsam im Spiegel ansehen konnten.
Ich hätte nie erwartet, dass mir ein weinroter Anzug stehen würde, aber wir sahen perfekt zusammen aus und sehr glücklich, wie wir uns gegenseitig durch den Spiegel anstrahlten.

»Voi due formate una coppia adorabile ed è evidente quanto siate felici«, sagte die Dame und lächelte uns an.
»Wir sind ein hübsches Paar und man sieht uns an, wie glücklich wir sind, sagt sie. Ich finde, damit hat sie vollkommen recht«, übersetzte mir Andrea.
Ich war schon oft verliebt oder hatte für jemanden geschwärmt. Ich dachte, Flo würde ich lieben, aber bei diesen tiefen, intensiven Gefühlen, welche Andrea in mir auslöste, zeigte er mir erst, was es hieß, jemanden wahrhaft zu lieben.
Die Schneiderin steckte noch die letzten Änderungen bei uns allen ab und versprach, alles am Samstag zum Weingut zu liefern. Auf der Rückfahrt musste mich Andrea ein paarmal ermahnen, denn ich raubte ihm die Luft, weil ich meine Arme so fest um ihn schlang.

Am nächsten Tag traf uns ein gewaltiger Sturm und auch der Wetterbericht für die nächsten Tage sah nicht gut aus. Ich war schon am Verzweifeln, denn eine Schlechtwetteralternative gab es nicht. Im Haus selbst war nicht genügend Platz und so kurzfristig eine andere Location zu finden, war unmöglich. Andrea versuchte, mich zu beruhigen, dass es normal sei und dass es nach einem ordentlichen Unwetter meist noch viel schöner wurde. Ich hoffte nur, dass er recht behielt, und bereitete weiter alles mit Anja vor. Am Donnerstag bestellte uns Isabella einen Friseur aufs Weingut. Ich war froh darüber, denn den hatte ich mittlerweile zwingend nötig. Ich bat sie, ihm zu übersetzen, dass er alle Freiheiten hatte. Hauptsache, es sähe gut aus. Er begann damit, mir die Seiten kurz zu rasieren und abzustufen, aber von dem Rest meiner Haare schnitt er nicht viel weg. Es gab keinen Spiegel und ich konnte nicht sehen, was er machte. Nach den Gesichtern der anderen zu urteilen, musste es aber gut aussehen, was mich beruhigte. Er war fertig mit dem Schneiden, stylte sie mir noch und hielt mir anschließend einen Spiegel vor die Nase. Ein krasser Undercut auf beiden Seiten und die oberen Haare mit Volumen nach hinten gestylt.

»Wow, cuore mio, jetzt siehst du aus wie ein echter Italiener«, sagte Andrea, bevor wir die Plätze tauschten.
»Si, aber ich hoffe, dass ich es so auch übermorgen hinbekomme. Molte grazie«, bedankte ich mich noch beim Friseur und dann war schon Andrea an der Reihe.
Ihn beneidete ich schon sehr um seine schönen Naturlocken. Ich liebte es, mit meinen Fingern durch sie zu fahren, und war etwas enttäuscht, als die Hälfte davon der Schere zum Opfer fiel.

Zu schön, um wahr zu sein

Es war der Tag vor der großen Feier und Andrea sollte recht behalten. Das Wetter hatte sich gebessert und zeigte sich seit gestern wieder von seiner schönsten Seite. Sogar die restlichen Tage sollten so bleiben. Wir hatten Glück und die Vorbereitungen liefen super. Die Tische standen alle an ihrem Platz. Der Stoff hing in Bahnen gespannt von oben herab und bildete einen schönen Kontrast zum restlichen leuchtenden Grün der Umgebung. Die Tische für das Buffet mussten noch aufgestellt werden und der DJ würde heute noch kommen, um die Boxen und sein Equipment zu installieren. Um eine schönere Atmosphäre zu schaffen, hatte ich noch weitere Beleuchtung geordert und die Techniker waren gerade dabei, diese aufzubauen. Ich ging meine Liste durch, um nachzusehen, ob noch irgendetwas fehlte, als ich über ein Kabel stolperte und fiel.

Ich sah mich schon auf dem Boden, aber anstatt auf den Steinen aufzuprallen, wurde ich von zwei starken Armen aufgefangen. Wahrscheinlich war Andrea wieder zur rechten Zeit am richtigen Ort, aber als ich meine Augen öffnete, blickte mir ein schöner junger Mann entgegen. Er half mir auf die Beine und fing an, auf mich einzureden. Ich verstand nur Bruchstücke wie schön, heiß und atemberaubend ich doch aussehen würde. Er hatte aber etwas Schmieriges in seiner Stimme und auch sein Blick gefiel mir nicht. Dazu war er noch einen ganzen Kopf größer als ich. Ich versuchte, nach hinten auszuweichen, da er mir immer näherkam, bis ich mit dem Rücken gegen die Wand stieß. Trotzdem kam er mir näher, bis er nur noch Zentimeter von meinem Gesicht entfernt war. Er sah mich an wie ein Raubtier und plötzlich packte er mich ungeniert in den Schritt und versuchte, mich zu küssen. Da sah ich rot und schob ihn mit aller Kraft von mir weg.

»Verpiss dich, du Wichser«, schrie ich und er fing sofort an, auf Italienisch zu toben.
»Adriano«, schrie nun Isabella, gefolgt von wilden Gesten und weiterem Geschrei. Sie diskutierten lautstark miteinander, bis er sich endlich vom Acker machte.
»Vincenzo, ist bei dir alles in Ordnung? Was hat der Kerl mit dir gemacht?«, fragte Isabelle sofort besorgt und kam zu mir.
»Nichts Schlimmes. Er hat mir in den Schritt gepackt und versucht, mich zu küssen, aber da konnte ich den Schrank wegdrücken. Wer ist dieser Wichser?«, wollte ich wissen.
»Der Sohn von einem unserer Geschäftspartner und Andrea sein Ex. Ich wusste nicht, dass er sich traut, hier aufzutauchen«, sagte sie.
»Dieser schmierige Schrank da eben war mit Andrea zusammen?« Ich dachte, ich höre nicht richtig.
»Si, damals war er noch nicht so arrogant, aber er hatte trotzdem Andrea das Herz gebrochen. Bitte sag Andrea nichts von dem Vorfall. Ich weiß nicht, was er sonst mit Adriano anstellt. Prego?«, meinte Isabella und ich gab ihr mein Wort.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich ein mulmiges Gefühl im Magen. Sein Exfreund hier? Einen Tag vor der eigentlichen Veranstaltung? Was wollte er hier? Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf. Dazu sah er noch verdammt gut aus, was auch Zweifel in mir hervorrief. Ich versuchte, mich weiter auf die Vorbereitungen zu konzentrieren, und hielt nach Andrea Ausschau, doch er war wie vom Erdboden verschluckt. Nachdem er auch beim Abendessen fehlte, machte ich mich auf den Weg und suchte nach ihm. Er war nirgends zu finden. Auch Isabella oder seine Eltern wussten nicht, wo er steckte. Obwohl ich ihm vertraute, wurde das mulmige Gefühl in meinem Magen immer stärker. Ich wollte noch einmal in seinem Arbeitszimmer nachsehen und auf dem Weg nach oben fand ich ihn. Doch nicht nur ihn, sondern sie beide. Keine fünf Meter von mir entfernt stand Andrea gegen die Wand gepresst und Adriano presste sich an ihn. Sie küssten sich und sogar Andreas Hand lag auf seinem Rücken. In diesem Moment kamen die Bilder wieder in meinen Kopf, wie ich Flo damals erwischte, und mein Herz zersprang erneut. Ich machte auf der Stelle kehrt und rannte die Treppe herunter. Panik machte sich in mir breit und ich musste so schnell wie möglich weg von diesem Ort. Zum Glück hatte ich meinen Autoschlüssel dabei, falls ich noch etwas besorgen musste. Ich rannte zu meinem Wagen, sprang hinein und fuhr mit quietschenden Reifen vom Hof. Weg von meiner großen Liebe, meinen Freunden und der erhofften neuen Familie.

Es war bereits dunkel und mein Weg führte mich in die Stadt hinein. Außerhalb suchte ich mir einen Parkplatz und ging zu Fuß weiter. In einem Restaurant kaufte ich mir eine Flasche Wein und schlich weiter durch die Straßen. Ich hatte ein bestimmtes Ziel. Genau wusste ich nicht, wieso es mich dorthin zog. War es die Verzweiflung? Oder die quälende Frage, wieso es mir erneut passierte. Vielleicht auch das gebrochene Versprechen, welches mir Andrea gab. Andrea! Bei seinem Namen kamen mir endgültig die Tränen. Ich liebte ihn. Noch mehr, als ich Flo jemals geliebt hatte. Von wegen Stadt der Liebe. Wenn ich einfach nur meinen Job gemacht hätte, wäre jetzt alles gut, aber nein, ich hatte mich davon einlullen lassen. Ich ging jede Straße ab, die mir bekannt vorkam, bis ich es gefunden hatte. Das Haus von Julia. Sie sollte über unsere Liebe wachen. Oder hatte er das auch nur erfunden, damit ich mich noch mehr in ihn verliebte? Der Zettel kam mir in den Sinn. Ich musste den dämlichen Zettel finden.

Ich nahm mein Handy aus der Hosentasche und schon wieder vibrierte es. Es war Anja, aber ich wollte mit niemandem reden, drückte sie weg und schaltete die Taschenlampe ein. Ungefähr wusste ich noch die Position und fing an zu suchen. Viele waren schon alt und ich wusste, dass er gelb war. In einer Spalte blitzte er mir entgegen. Es war schwer, ihn herauszubekommen, aber es war tatsächlich unserer. Ich wollte ihn genauso zerreißen, wie es mich gerade innerlich zerriss, doch schaffte es nicht, weil ich zu sehr an ihm hing. Also betrat ich den Innenhof und wie damals war er von Kerzen erleuchtet. Auch heute hatte diese Stimmung etwas Beruhigendes, aber im Gegensatz zum letzten Mal waren die Gefühle frisch. Stumm schrie ich die Statue in Gedanken an, wieso sie mir das antat. Wieso wird mir eine neue, noch schönere Liebe geschenkt, welche mir nur wieder das Herz brach? Wieso hatte sie nicht darauf aufgepasst? War ich es nicht wert, geliebt zu werden und glücklich zu sein?

Ich setzte mich im Schneidersitz vor die Statue und weinte still vor mich hin. Den gelben Zettel in meinen Händen und die Flasche Wein vor mir. Gern hätte ich jetzt einen Schluck getrunken, aber leider war sie mit einem Korken verschlossen. Nicht einmal der Wein wurde mir gegönnt. Ich wusste nicht, was ich nun machen sollte. Zurück konnte ich auf keinen Fall und wollte aber auch Anja nicht im Stich lassen. Sie konnte dafür nichts, aber sie müsste das Event allein über die Bühne bringen. Am besten ich suchte mir hier eine Unterkunft für die Nacht, war aber unfähig, mich zu bewegen. Das Loch, in welches ich fiel, war noch dunkler und tiefer als damals. 

Dazu waren auf einmal Schritte zu hören. Wahrscheinlich ein verliebtes Paar, das zu Julia wollte. Ich hielt meinen Blick gesenkt, damit sie nicht sehen mussten, was sie bei mir angerichtet hatte.
»Vinzent, endlich.«, konnte ich Anja hören und noch bevor ich aufsah, hatte sie ihre Arme um mich geschlungen.
Gleich darauf folgte ein weiteres Paar.
»Vincenzo, was machst du hier? Wieso bist du verschwunden und warum weinst du?«, fragte Isabella.
»Ich schaffe es nicht, ihn zu zerreißen. Ich bringe es einfach nicht über’s Herz. Warum muss ich erneut zusehen, wie ich betrogen werde?«, schluchzte ich und noch mehr Tränen rannen meine Wange hinunter.
»Andrea! …«, donnerte Isabella und ich gab mir keine Mühe, den Rest zu verstehen.

Es schockierte mich mehr, dass anscheinend auch er hier war. Ihn wollte ich gerade am wenigsten sehen und auch nicht, dass er mich so sah.

»Vincenzo, cuore mio, bitte lass es mich dir erklären. Es ist nicht so, wie du denkst«, meldete sich nun Andrea, nachdem er aufhörte, mit Isabella zu diskutieren.
»Was? Dass du ihn nur geküsst hast, um zu sehen, ob noch Gefühle zwischen euch sind, oder der alten Zeiten willen. Seitdem er mich angegrapscht und versucht hatte, mich zu küssen, war er verschwunden. Genauso wie du den ganzen Tag und dann erwische ich euch im Flur bei einem sehr eindeutigen Kuss«, spie ich schluchzend aus.
Andrea fing daraufhin an, schnell und undeutlich auf Italienisch zu reden. Sofort stieg auch Isabella ein und mir platzte der Kragen.
»Hört sofort auf damit! Ich komme mir dabei dämlich vor, wenn ich kein Wort von euch verstehe, und mir geht’s gerade beschissen genug, da brauche ich das nicht auch noch. Am besten ihr verschwindet einfach«, sagte ich etwas lauter mit kratziger Stimme.

Aber statt zu gehen, kam Andrea zu mir herüber, kniete sich vor mich und nahm meine Hände.
»Vincenzo, liebst du mich?«, fragte er ganz ruhig.
»Was denkst du denn? Mehr als alles auf der Welt, sonst würde dieser Zettel hier in Fetzen vor dir liegen.«
»Dann hör mir jetzt bitte genau zu. Adriano kam schon heute Morgen zu mir unter dem Vorwand, für seinen Vater neue Konditionen auszuhandeln. Schon dort wurde er übergriffig und ich wies ihn zurecht, dass er schnellstmöglich verschwinden sollte. Sonst würde ich morgen gleich als Erstes unseren Vertrag aufheben. Danach war ich auf dem Weinberg unterwegs, um herunterzukommen. Ich wusste nicht, dass er sich traut, wiederzukommen. Als ich mich wieder im Griff hatte, wollte ich direkt zu dir, aber er fing mich ab und bettelte, dass ich ihm noch eine Chance geben sollte. Als auch das fehlschlug, drängte er mich plötzlich gegen die Wand und presste seine Lippen auf meine. Genau das hast du gesehen, aber ich habe den Kuss nicht erwidert. Ich liebe dich. Nur dich. Er ist und bleibt Geschichte, aber du bist meine Zukunft und wenn du es mir nicht glaubst, sieh her.«

Andrea holte ein kleines Kästchen aus der Tasche, klappte es auf und hielt es mir vor die Nase.
»Ich habe es für dich anfertigen lassen und wollte es dir morgen Abend geben. Es ist unser Familienwappen. Dreh es einmal um«, gab er mir die Anweisung.
Es war ein schön geflochtenes Lederarmband mit einem silbernen Wappen in der Mitte. Ich nahm es vorsichtig aus der Schatulle und sah auf die Rückseite. Dort war das Datum eingraviert, als wir uns unsere Gefühle gestanden, darunter unsere Namen und ein Unendlichkeitszeichen.
»Das ist wunderschön«, sagte Anja neben mir, und damit hatte sie vollkommen recht.
Das war es und mir kamen schon wieder die Tränen, aber diesmal, weil er mich damit wieder sehr berührte. Er nahm mir das Armband aus der Hand und legte es mir an, bevor er meine Hand auf seine Brust legte.
»Mein Herz schlägt ganz allein für dich. Du bist meine Heimat und ich habe dir versprochen, dich nie wieder loszulassen, und du weißt, dass ich meine Versprechen nie breche. Ti amo, cuore mio.«

»Komm, Principessa, lassen wir die Jungs mal allein. Die kommen jetzt sicher auch ohne uns zurecht.«, sagte Isabella und sie setzten sich in Bewegung.
»Isabella, warte bitte daheim auf mich. Ich muss noch etwas mit dir besprechen«, sagte Andrea zu seiner Schwester, bevor sie mit Anja im Schlepptau verschwand.

»Es tut mir leid, dass ich an dir gezweifelt habe. Du weißt, wie viel du mir bedeutest und wie sehr ich dich liebe. Ich bin einfach so ein verdammter Idiot.«
»Solange du meiner bist, bin ich zufrieden«, sagte er, zog mich in seine Arme und gab mir einen Kuss.
»Geht es wieder?«, fragte mich mein Schatz, als ich mich etwas beruhigt hatte und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.
»Ja, aber es tut mir sehr leid, dass ich dir deine Überraschung verdorben habe. Dein Geschenk ist wirklich wunderschön und die Bedeutung dahinter macht es umso kostbarer.«
»Ich wollte einfach, dass du etwas von mir bei dir hast, wenn du beruflich unterwegs bist, und immer weißt, dass ich bei dir bin, egal, wo du auch gerade bist. Und jetzt komm, morgen haben wir alle einen großen Tag vor uns, aber den bringen wir wieder an einen sicheren Platz«, sagte er, hob den Zettel auf und auf dem Rückweg steckte er ihn wieder zwischen die Steine.

Andrea hielt mich fest an seiner Hand und ich hatte noch immer ein schlechtes Gewissen, dass ich wegen eines dummen Zufalls so einen Aufriss veranstaltete.
»Andrea?«, fragte ich leise, als wir durch die Gassen schlenderten.
»Si, cuore mio?«
»Es war dumm von mir, gleich wegzulaufen. Ich hätte erst mit dir reden sollen.«
»Si, doch ich verstehe es und ich weiß nicht, wie ich an deiner Stelle reagiert hätte. Deswegen mach dir darüber keine Gedanken mehr. Wir sind wieder vereint und mehr ist nicht wichtig.«

Die Fahrt über ließ Andrea meine Hand nicht los. Erst als wir zu Anja und Isabella stießen, ging er mit seiner Schwester nach oben. Ich setzte mich zu Anja und wir warteten gemeinsam auf unsere Lieben.
»Vinzent, ich werde hierbleiben und du hoffentlich auch«, sagte Anja plötzlich.
Ich hatte mich wieder im Griff und durch Andreas Worte war ich mir noch sicherer, dass er der richtige Mann an meiner Seite war.
»Denkst du ernsthaft, dass ich diesen Mann verlassen könnte? Natürlich bleibe ich auch hier. Ist schon seltsam, dass wir beide erst nach Italien kommen mussten, um unser Glück zu finden.«
»Und dann sind unsere Partner auch noch Geschwister«, meinte sie und fing an zu lachen.
»Was hältst du davon, mit mir eine Agentur zu gründen? Ich habe so viel zu tun, dass ich Unterstützung gut gebrauchen könnte, und du müsstest dir keinen neuen Job suchen«, machte ich ihr den Vorschlag und ohne zu überlegen war sie sofort damit einverstanden.

Alles, was sie dafür wissen musste, konnte ich ihr auch beibringen und ihr machte der Job sogar Spaß.
»Dann lass uns die zwei damit morgen nach dem Fest überraschen«, sagte ich noch und wir stießen darauf an.
»Auf was stoßt ihr an?«, fragte Isabella und setzte sich zu Anja, gefolgt von Andrea, die neben mir Platz nahm.
»Auf unsere wundervollen Partner und was wir für ein Glück haben, an eurer Seite sein zu dürfen«, wich ich aus, und ganz gelogen war es nicht.
Wir erzählten noch etwas und verzogen uns dann auf unsere Zimmer.
»Niemals werde ich dich loslassen, glaub es mir«, bestätigte mir Andrea erneut, als er mich in seinen Armen hielt.
Für mich war es zuvor schon klar, dass es genau der Platz war, wo ich hingehörte.

Der Große Tag 

Der nächste Tag begann früh und auch wenn ich am liebsten mit Andrea im Bett geblieben wäre, war dennoch einiges zu erledigen. Anja und Isabelle teilte ich für das Eindecken der Tische ein. Ich zeigte ihnen ein Beispiel, wie ich es mir vorstellte, und sie legten los. Dazwischen half ich der Floristin beim Verteilen der Blumendekoration. Sie hatte sich übertroffen und trotz des günstigen Preises waren die Arrangements opulent und wunderschön. Beim Buffet hatte Francesca alles unter Kontrolle und ich checkte noch einmal die Technik. Gegen vier Uhr nachmittags hatten wir alles erledigt und betrachteten unser Werk vom oberen Balkon, wo der DJ später auflegen wird. Die lange, gerade Tafel mit fünfzig Plätzen zog sich in der Mitte von vorn bis hinten durch. Ganz oben stand ein Tisch quer, an dem die Familie heut Abend sitzen wird. Rechts und links davon standen runde Tische und boten weiteren hundertfünfzig Gästen Platz. Ich freute mich schon darauf, wenn am Abend die Kerzen sowie die Lichter den Hof in eine atemberaubende Stimmung versetzten.

»Vincenzo, das sieht wunderschön aus. Ich kann es kaum erwarten«, meinte Isabella.
»Oh ja, aber jetzt sollten wir anfangen und uns in Schale werfen. In nicht einmal zwei Stunden kommen die ersten Gäste.«
Das war das Stichwort und die beiden rauschten davon. Ich machte mich auch auf den Weg, denn ich musste schon in einer Stunde das Servicepersonal briefen.

Als ich unser Zimmer betrat, lagen schon unsere Anzüge auf dem großen Bett parat, mit allem Drum und Dran. Sogar die passenden Schuhe hatte Andrea noch besorgt.
»Es sieht unglaublich schön aus, was du gezaubert hast«, erschreckte mich Andrea, die auf dem Balkon saß.
»Ich finde es noch schöner als damals auf dem Event. Aber ohne eure Hilfe hätte ich es niemals geschafft.«
»Papa wusste, wieso er dich haben wollte, und ich bin glücklich, dass du hergekommen bist. Wollen wir jetzt duschen gehen?«, fragte Andrea, kam auf mich zu und half mir beim Ausziehen.

Unter der Dusche hatten wir die Zeit ein wenig übersehen und mussten uns daher beim Anziehen etwas beeilen. Die Schneiderin hatte reife Arbeit geleistet, denn unsere Anzüge saßen wie angegossen. Andrea ließ sich Zeit, als er mir die Krawatte band.
»Du siehst wunderschön aus, cuore mio«, sprach er leise und strich mir über die Wange.
»Du auch, mio caro«, meinte ich und legte meine Hand auf seine Brust, bevor er mir einen Kuss gab.
Wir hatten uns zwar schon einmal gemeinsam in den Anzügen im Spiegel betrachtet, aber diesmal passte auch das Gesamtpaket.
»Oh warte, ich habe noch etwas vergessen«, sagte ich, flitzte los und holte eine kleine Schachtel von unten.

Ich hatte die Floristin noch gebeten, uns jedem eine Ansteckrose und Armbänder anzufertigen. Für Andrea und Isabella eine rote und eine weiße für Anja und mich.
Wir steckten uns die Rosen gegenseitig an und unser Outfit war komplett.
»Dios mío! Wir sehen aus, als würden wir gleich heiraten«, meinte Andrea leise, als wir uns ansahen.
»Dann haben wir ja zumindest schon mal die Anzüge und die Location, wenn wir heiraten«, bekam er meine Antwort, denn ich konnte mir sehr gut vorstellen, irgendwann mit ihm diesen Schritt zu gehen.
»So, jetzt muss ich aber wirklich nach unten.«
Die Dienstleister warteten sicher schon auf mich.

Obwohl mich Andrea noch immer verwundert ansah, musste ich los und verließ das Zimmer. Auf dem Weg brachte ich Anja und Isabella noch die Rosenarmbänder. Das Servicepersonal wartete wirklich schon auf mich und auch die Violistin war bereits angekommen. Ich erklärte ihnen allen, was wann und wie zu tun war, und dann kam auch schon der DJ, welcher mir die Mikrofone überreichte. Bevor ich mich zu den anderen gesellte, schaute ich noch einmal bei Francesca in der Küche vorbei.

»Hey Francesca, bei dir alles in Ordnung, oder brauchst du noch Hilfe?«, fragte ich und sie drehte sich zu mir um.
»Dios mío! Vincenzo Du siehst so hübsch aus«, sagte sie überrascht.
»Du solltest erst einmal deine Kinder sehen, aber auch du siehst in deinem Kleid wunderschön aus«, gab ich ihr das Kompliment weiter.
»Geh zu den anderen. Ich komme sofort zu euch.«

Also machte ich mich auf die Suche nach den anderen und fand sie vor dem Anwesen. Fabrizio, Andrea und Isabella waren schon dabei, die ersten Gäste zu begrüßen. Ich stellte mich an die Seite zu Anja. Ich glaube, so schön hatte ich sie noch nie zuvor gesehen und auch Isabella sah großartig aus. Es war sehr auffällig, dass Andrea immer Blickkontakt suchte, wenn er gerade nicht mit jemandem beschäftigt war.

»Was hat denn dein Schatzi, dass er immer so debil grinsend zu dir herübersieht?«, fragte mich Anja belustigt.
»Ich habe ihm, bevor ich runterging, indirekt gesagt, dass ich mir vorstellen könnte, ihn irgendwann zu heiraten.«
»Nicht dein Ernst. Du hast doch erst eine geplatzte Verlobung hinter dir«, sagte sie perplex.
»Sicher, aber Andrea ist nicht Flo. Es war auch kein Antrag, aber bei Flo hatte ich nie das Gefühl, dass es richtig wäre, bei ihm jedoch schon. Schwer zu beschreiben«, versuchte ich es ihr zu erklären.
»Ich kann es ein wenig verstehen. Irgendetwas haben die beiden an sich, dass man sie nicht mehr gehen lassen möchte«, sagte Anja und sah Isabella dabei verliebt an.
»Komm, lass uns drinnen nach dem Rechten sehen.«

Eins musste man den Italienern lassen. Sie waren pünktlich. Zu meinem Entsetzen ließ es sich Adriano nicht nehmen und ist auch erschienen. Diesmal war aber noch ein älterer Herr bei ihm und vom Aussehen her schätzte ich, dass es sein Vater sein müsste. Sie wollten sich schon dicht an den Familientisch setzen, aber ich wies jemanden vom Servicepersonal an, dass er sie doch bitten sollte sich einen anderen Platz zu suchen, da die Plätze angeblich reserviert waren. Es gab eine kleine Diskussion mit Andriano, aber dann setzten sie sich an einen der runden Tische. Es war kurz vor neunzehn Uhr und die Gäste waren versammelt. Auch die Familie hatte Platz genommen und das Buffet stand bereit. Ich gab Fabrizio das Mikrofon, damit er alle willkommen heißen konnte und das Buffet eröffnete. Nach einem kurzen Applaus machten sich alle über das Buffet her. Francesca hatte sich selbst übertroffen und allerhand Köstlichkeiten aufgetischt. Auch die musikalische Untermalung war perfekt und bisher war es ein gelungener Abend. Wir warteten, bis es dunkler wurde und ich schaltete die Lichter ein. Erst jetzt kam unser Arrangement richtig zur Geltung. Die Gäste staunten, waren satt und zufrieden. Das Buffet wurde abgeräumt und Platz geschaffen. Es war also an der Zeit, dass Fabrizio seine großen Neuigkeiten verkündete.

Gemeinsam mit Andrea und Isabella stand Fabrizio vor dem Balkon in weiches Licht getaucht und fing mit seiner Rede an. Leider war sie auf italienisch und ich verstand nur Bruchteile, aber an den Reaktionen der Gäste musste es wohl schön sein, was er erzählte. Es folgte der große Moment und Fabrizio verkündete, dass er mit sofortiger Wirkung zurücktreten würde und seinen beiden Kindern das Weingut anvertraute. Staunen ging durch die Reihen. Nun sagten sie ein paar Worte und die drei bekamen einen lauten Applaus.

»Mama, Vincenzo, vi preghiamo di venire a trovarci«, sagte Andrea und ich schaute nur verwirrt zu Francesca, weil ich darauf nicht vorbereitet war und nichts verstand.
Sie kam zu mir herüber und nahm meine Hand.
»Sie wollen, dass wir nach vorne kommen«, übersetzte sie mir leise und wir gingen zu den Dreien nach vorne.

Andrea verschwand kurz und Isabella übernahm das Reden. Fabrizio strahlte und Francesca schlug überrascht die Hände vor den Mund. Dann kam auch Andrea wieder und hielt das Geschenk für die beiden in den Händen. Jetzt konnte ich erahnen, über was sie sprachen, aber verstand nicht, wieso ich hier vorne mitstand. Jetzt übernahm Andrea das Mikrofon und ich konnte meinen Namen verstehen und kurz darauf fand ich mich in Francescas Armen wieder.

»Grazie. Grazie infinite, ragazzo mio. Das ist ein wundervolles Geschenk«, sagte sie mir, als ihr die Freudentränen in den Augen standen.
Auch Fabrizio umarmte mich und ich war gerührt, dass sie sich so freuten. Aber wieso bekam ich die Aufmerksamkeit? Ich hatte damit doch nichts zu tun. Nachdem sie mich losließen, bedankten sie sich auch bei ihren Kindern und die Rede war vorüber, nachdem sie das Geschenk überreicht hatten Es war das Zeichen für den DJ, jetzt mit der Musik zu beginnen. Die Musik ertönte und Andrea hob die Hand.
»Jetzt pass auf, Vincenzo. Ich übersetze es für dich«, flüsterte Isabella, bevor Andrea begann.

»Einen Moment noch bitte. Bevor wir mit der Party beginnen, muss ich noch etwas loswerden.«
Er holte einen Umschlag aus seinem Sakko und setzte sich in Bewegung.
»Zuerst die schönen Neuigkeiten. Ich möchte hier nun ganz offiziell Anja und Vincenzo in unserer Familie willkommen heißen«, sagte er und reichte Anja die Hand, bis sie aufstand.
Sie blickte genauso verwirrt drein wie ich vorhin und Andrea flüsterte ihr etwas ins Ohr und sie kam zu uns nach vorne und stellte sich neben Isabella. Er wartete noch den Applaus ab, bevor er fortfuhr.

»Nun zu den schlechten Neuigkeiten. Leider müssen meine Schwester und ich uns schon jetzt von einem unserer Geschäftspartner verabschieden. Meine Familie und ich wurden gestern sexuell bedrängt und unsittlich berührt. Keiner von uns wird ein solches Verhalten tolerieren und wir setzen hiermit ein Zeichen. Niemand fasst meine Familie oder mich an, ohne mit den Konsequenzen leben zu müssen. Wir sehen daher keinen anderen Ausweg, als uns von euch zu trennen.«
Andrea kam vor Adriano und dem älteren Herrn zum Stehen und zerriss den Umschlag.
»Lorenzo es tut mir leid, dass es so weit kommen musste. Wir hatten bisher immer ein gutes Verhältnis, aber vielleicht solltest du dir überlegen deinen Sohn vor zu schicken, um Verhandlungen zu führen. Damit würden wir euch nun bitten unser Anwesen zu verlassen, damit wir die weitere Feier genießen können. Entschuldige bitte Lorenzo für die Demütigung, aber dein Sohn hat bei uns nie wieder etwas verloren«, beendete er seine Rede, überreichte den zerrissenen Umschlag und kam wieder zu uns nach vorne.

Alle Blicke waren nun auf Adriano und seinen Vater gerichtete, wie sie aufstanden und immer schneller den Innenhof verließen, bis man aus der Ferne hören konnte wie Lorenzo seinen Sohn wild beschimpfte.
»Musica!«, rief Andrea und der DJ legte direkt los.

»Ti amo, cuore mio und jetzt Tanz mit mir«, sagte Andrea, gab mir vor allen Gästen einen Kuss und fing an sich zu bewegen. Das Staunen ging durch die Menge. Erst recht als Isabella auch Anja küsste und mit ihr tanzte. Ich glaube sie hatten sich die Konstellation zwischen uns anders vorgestellt. Auch Fabrizio und Francesca tanzen mit uns, so lange bis auch die ersten Gäste anfingen sich auf die Tanzfläche zu trauen. Nach ein paar Songs zog ich ihn hinter mir her in den Garten.

»Seid ihr wahnsinnig? Wie könnt ihr als erste Amtshandlung einen Kunden herauswerfen? Auch wenn ich Adriano widerlich finde, kann doch sein Vater nichts dafür«, platzte es aus mir heraus und er fing an zu lachen.
»Cuore mio. Sie sind nur kleine Fische und bei ihren Konditionen hatten wir keinen großen Gewinn. Lorenzo wird wieder an uns herantreten, aber dann zu unseren Gunsten«, erklärte er mir.
»Ok, aber was war das mit deinen Eltern? Hättest du mich nicht vorwarnen können und was habt ihr bitte gesagt?«
»Na das, was du uns gesagt hast. Dass wir deine Gage verwenden sollten, um ihnen einen Traum zu erfüllen. Immerhin war es deine Idee.«
»Ihr macht mich echt fertig«, sagte ich zu ihm und musste grinsen.
»Deswegen liebst du uns doch und jetzt komm, lass uns die Party genießen.«
»Gleich, vorher haben Anja und ich noch eine Überraschung für euch. Bleib genau hier stehen«, meinte ich und ging zu der Partygesellschaft.

Ich suchte die beiden und zog sie mit nach draußen zu Andrea. Ohne etwas zu sagen, holte ich aus meinem Jackett zwei kleine Karten heraus und überreichte sie ihnen. Ich hatte heute Morgen noch schnell zwei Visitenkarten entworfen. Mit einem einfachen, beispielhaften Logo für unsere gemeinsame Eventagentur. Natürlich stand die Adresse des Weingutes darunter.
»Eine wirkliche Überraschung ist es wahrscheinlich nicht mehr und du konntest es dir sicher denken. Wir haben nicht mehr darüber gesprochen, seitdem du mich gefragt hattest. Ich liebe dich noch mehr als zu diesem Zeitpunkt und kann mir nicht vorstellen, dich zu verlassen.«
»Ich würde auch gerne bei dir bleiben«, sagte Anja schüchtern zu Isabella.
»Oh, Principessa. Natürlich will ich, dass du bleibst«, meinte Isabella und zog Anja in einen Kuss, doch Andrea stand wie angewurzelt da und starrte auf die Karte.
Isabella und Anja waren glücklich und ließen uns allein.

»Ist es nicht das, was du dir gewünscht hast?«, frage ich ihn leise und ging auf ihn zu.
Er sah mich an und seine Augen glänzten. Eine Träne fand den Weg über seine Wange und ich wischte sie mit meinem Daumen weg.
»Was hast du plötzlich, cuore mio?«, fragte ich nun verunsichert.
»Du machst mich gerade unendlich glücklich und nach dem, was du heute sagtest, als du mir die Rose angesteckt hast, würde ich dich gerne etwas fragen …«
»Du willst mich fragen, ob ich dein Mann werden will, oder?«, fuhr ich ihm ins Wort und er nickte.
»Mach das bitte nicht. Ich liebe dich sehr und auch du machst mich nicht weniger glücklich. Wenn du mich jetzt fragst, würde ich ja sagen, aber ich möchte nicht in einem Jahr eine Verlobung lösen und direkt wieder verlobt sein. Wir hatten eine sehr intensive Zeit miteinander und leben schon zusammen. Lass uns erst einmal hier ankommen. Warte, bis wir unseren Umzug abgeschlossen haben und der Alltag eingekehrt ist. Es war vorhin nicht einfach, daher gesagt, dass ich mir vorstellen könnte, dich zu heiraten. Du bist mein Traummann, aber lass uns bitte noch etwas Zeit und frag mich dann.«

Mein Herz schlug in diesem Moment wie wild und nur für diesen wunderbaren Mann, der vor mir stand. Also nahm ich wie er gestern seine Hand und legte sie auf meine Brust, damit er fühlen konnte, was in mir vorging.
»Sei il grande amore della mia vita – du bist die Liebe meines Lebens«, sagte Andrea und endlich bekam ich den Kuss, auf den ich schon die ganze Zeit so sehnsüchtig gewartet hatte.  

Ein Versprechen 

Am nächsten Tag besprachen wir alle, wie unser Umzug aussehen wird. Anja musste wieder nach Hause, damit sie ihre Wohnung und ihren Job kündigen konnte. Ein paar wichtige Sachen musste ich auch noch aus meiner Wohnung holen und so beschlossen wir alle vier, nach Deutschland zu fahren. Ich würde eine Woche später mit Andrea und Isabella wieder nach Italien fahren. Anja käme nach, sobald alles geregelt wurde. Jetzt konnte ich Andrea endlich meinen Eltern vorstellen. Sie waren zwar begeistert von ihm, aber hielten mich für verrückt, hier alles aufzugeben und nach Italien auszuwandern. Doch nachdem sie uns später einmal besuchten, verstanden sie mich, wieso ich hier leben wollte. Den Rest der Woche verpackte ich meine wenigen Habseligkeiten und verkaufte, was noch von Wert war. Dabei trennte ich mich auch von vielen unnötigen Dingen und mit Andreas Hilfe war die Wohnung schnell leergeräumt. Ich bat meinen Vater, sich um die Wohnung zu kümmern. Er war Immobilienmakler und konnte sie vermieten oder verkaufen. Am Samstag wollten wir den beiden einmal den Club zeigen, wo wir vorher unsere Samstage verbrachten, und sogar ich freute mich darauf. Seit der Party wusste ich ja, wie gern Andrea tanzte, und diesmal stand ich nicht, wie bei meinem letzten Besuch am Rand, sondern mitten auf der Tanzfläche. Wir gingen an die Bar und bestellten uns etwas zu trinken und da kam mir ein bekanntes Gesicht entgegen. Wieder der blonde Kerl, wegen dem damals mein Leben zur Hölle wurde. Sollte ich ihm jetzt vielleicht danken? Er strahlte, als er mich sah, und kam zu mir herüber.

»Hey, dich gibt’s ja doch noch. Du schaust gut aus«, meinte Flos Affäre zu mir.
»Versuch es erst gar nicht. Auch wenn es mir besser geht, habe ich noch immer kein Interesse«, versuchte ich, ihn abzuwimmeln.
»Keine Sorge, ich bin gut versorgt. Bin jetzt mit deinem Ex zusammen.«
»Glückwunsch?«, kam mehr als Frage aus meinem Mund und ich musste aufpassen, dabei nicht zu lachen.
»Was ist daran so witzig? Er ist großartig!«, beschwerte er sich.
»Schön, wenn ihr euch gefunden habt. Mein Segen habt ihr.«

Wie aufs Stichwort erschien nun auch Flo, nahm ihn in den Arm und gab ihm einen Kuss.
»Hallo Florian und Glückwunsch zu deiner neuen Beziehung«, versuchte ich, normal zu sagen, ohne es ins Lächerliche zu ziehen.
Bisher ist Andrea hinter mir ruhig geblieben und hielt nur meine Hand hinter meinem Rücken, aber bei dem Namen von Flo wurde er unruhig.
»Was soll das, Vincent? Du hast unsere Liebe weggeworfen, also brauchst du jetzt keine Szene zu machen«, sagte er verbittert.
»Keine Sorge, ich mache hier keine Szene. Du hast fremdgevögelt und ich musste erst nach Italien reisen, um zu erfahren, was wahre Liebe überhaupt bedeutet. Also, grazie, Flo, dass du mich vor einem gewaltigen Fehler bewahrt hast.«, erklärte ich ihm ruhig und Andrea trat hinter mir hervor und zog mich in einen Kuss.
Den beiden fiel die Kinnlade runter, als sie meinen neuen Freund sahen und wie glücklich wir uns ansahen, als wir den Kuss lösten.
»Habt einen schönen Abend«, sagte ich noch zu den beiden.

Wir nahmen unsere Getränke, ließen sie stehen und gingen zu den Mädels.
Sie beobachtete uns den ganzen Abend über und ich konnte sehen, wie es in Flo brodelte. Ich hasste es, immer mit ihm auszugehen, denn für ihn war es nebensächlich, ob ich dabei war oder nicht. Andrea jedoch hatte nur Augen für mich und ließ mich keinen Augenblick allein. Auf dem Heimweg überraschte uns Isabella mit der Bitte, noch bei Anja zu bleiben und ihr beim Auflösen der Wohnung zu helfen. Sicher auch deswegen, weil sie nicht von ihr getrennt sein wollte und Andrea versprach, ihre Aufgaben so lange zu übernehmen. Ich würde ihm auch dabei helfen, so gut es ginge. So kam es, dass wir uns am nächsten Tag allein auf den Weg nach Italien machten. Der Abschied von meiner Heimat fiel mir nicht schwer, denn ich hatte mein Leben neben mir im Auto sitzen.

Während ich nebenbei die Gründung unserer neuen Firma vorbereitete, musste ich wieder normal arbeiten. Die Sommerpause war zu Ende und der Arbeitsalltag hatte mich vollkommen wieder. Siesta kannten meine Kunden nicht und so arrangierte sich auch Andrea anders. Wie ich kümmerte er sich in der Zeit um seine eigenen geschäftlichen Angelegenheiten. Es war so unkompliziert mit ihm. Wir sprachen uns am Morgen ab, was anstand, und wenn wir beide am Nachmittag Zeit hatten, verbrachten wir sie auch miteinander. Keiner von uns war sauer, wenn es einmal nicht funktionierte. Im August musste ich dann aber für eine Woche nach Barcelona. Noch nie hatte ich Schwierigkeiten, in den Flieger zu steigen, und freute mich auch immer auf die Einsätze vor Ort, aber diesmal bekam ich schon bei dem Gedanken Magenschmerzen. Am Abend vor dem Abflug klammerte ich mich regelrecht an Andrea und war den Tränen nahe.

»Cuore mio, was hast du? Du bist die ganze Woche schon so seltsam«, fragte er mich und streichelte meinen Rücken.
»Ich will keine Woche von dir getrennt sein«, sagte ich ehrlich und wunderte mich dabei über mich selbst.
»Oh, Vincenzo. Auch mir gefällt es nicht, aber es ist dein Job. Ich bin in Gedanken immer bei dir und warte hier auf dich. Du kannst mich jeden Abend anrufen, bis ich dich wieder am Flughafen abhole. Du wirst sehen, dass die Woche viel schneller vergeht, als du denkst«, meinte er und tröstete mich damit etwas, dass es ihm genauso erging.
Viel geschlafen haben wir die Nacht nicht und genossen die gemeinsame Zeit, welche uns noch blieb.

Etwas übermüdet brachte er mich am nächsten Morgen an den Flughafen. Der Abschied fühlte sich schlimm an, auch wenn es nur für eine Woche war. Andrea sollte recht behalten und die Arbeit lenkte mich wirklich ab. Doch auch er war furchtbar süß und schickte mir den ganzen Tag Fotos oder liebe Nachrichten. Jeden Abend telefonierten wir miteinander, egal wie spät es bei mir wurde, und erzählten uns von unserem Tag. Die Sehnsucht nach seiner Nähe wuchs von Tag zu Tag mehr. Die Veranstaltung machte Spaß und die Gala am letzten Abend war großartig. Umso glücklicher war ich jedoch, wieder im Flieger zu sitzen und bald wieder bei meinem Freund zu sein. Mein Herz raste, als ich auf meinen Koffer wartete. Wie versprochen stand Andrea in der Ankunftshalle. Mit meinem Koffer dort rannte ich auf ihn zu und sprang in seine Arme. Als er mich küsste, hätte ich vor Glück platzen können. Er ließ mich den ganzen Abend nicht mehr los und war selbst froh, mich wieder bei sich zu haben. Leider musste ich das Jahr über noch dreimal geschäftlich verreisen. Die Abschiede wurden von Mal zu Mal besser, aber die Sehnsucht nach ihm und die Freude bei meiner Ankunft blieben.

Im Oktober kamen auch Isabella und Anja wieder und es wurde ruhiger. Andrea hatte nicht mehr so viel um die Ohren und mit Anjas Unterstützung entlastete sie auch mich. Wenn mich jetzt jemand fragte, konnte ich tatsächlich sagen, dass mein Leben perfekt war, ohne dass ich etwas beschönigen musste. Andreas Geburtstag rückte immer näher und ich wollte ihm eine Überraschungsparty schmeißen. Es schafften sogar alle, nichts zu verraten, und er freute sich riesig darüber. Auch wenn er von mir kein Geschenk wollte, hatte ich trotzdem eine Kleinigkeit für ihn besorgt. Ich wartete, bis wir allein in unserem Zimmer waren, und bat ihn, sich aufs Bett zu setzen. Aus der Schublade holte ich ein kleines Kästchen, setzte mich auf seinen Schoß und überreichte es ihm.

»Happy Birthday, mein Schatz.«
Er öffnete das Kästchen und zum Vorschein kam ein kleiner, goldener, unscheinbarer Anhänger.
»Halte ihn gegen das Licht und schau hindurch«, wies ich ihn an.
Als er durchsah, erhellten sich sofort seine Gesichtszüge, denn jetzt sah er mein absolutes Lieblingsfoto von uns. Isabella hatte es gemacht, als wir uns küssten. Hinter uns der Sonnenuntergang und die Weinberge. Ich nahm seine Kette ab, fädelte den Anhänger drauf und legte sie ihm wieder um.
»Jetzt bin auch ich immer nah an deinem Herzen, wenn ich mal wieder unterwegs bin«, sagte ich noch und diesmal rang er um Fassung.
»Ti amo tantissimo, tesoro mio.«, kam gebrochen aus seinem Mund und in seinen Augen standen die Freudentränen.
»Anch’io ti amo, cuore mio.«, denn ja auch ich liebe ihn über alles.
»Du bist das schönste Geschenk überhaupt«, meinte er, bevor wir wieder eine atemberaubende Nacht miteinander verbrachten.

Weihnachten in Italien war anders als bei uns. Hier drehte sich nicht alles um Konsum und wer das schönste Geschenk machte. Die Familie stand im Vordergrund und das gefiel mir sehr. Es war wahrhaftig das Fest der Liebe und noch einen Grund wieso ich es nicht bereute hierher gezogen zu sein. Zu Sylvester wollten alle eine große Party mit vielen verwandten und dessen Freunde schmeißen. Fabrizio hatte auch ein großes Feuerwerk organisiert. Einige von den Gästen sprachen wenigstens englisch und so konnte auch ich mich gut verständigen. Es war eine großartige Party und es dauerte nicht mehr lange bis das neue Jahr anbracht.

»Komm mit cuore mio«, sagte Andrea und zog mich an der Hand aus dem Gebäude zu seinem Roller.
»Wo willst du hin? Es ist fast Mitternacht«, fragte ich ihn überrascht.
»Vertrau mir und beeile dich«, wies er mich an und ich hüpfte auf den Roller.
Andrea entführte mich zu seinem Lieblingsplatz hoch auf den Berg. Es war mild für diese Jahreszeit und obwohl ich nur einen Pullover trug, war mir nicht kalt. Es lag aber auch an Andrea, welcher hinter mir stand und mich mit seinen Armen gegen ihn presste. Unser Blick war auf das Weingut gerichtet und plötzlich fing Andrea leise an herunterzuzählen. Als er bei null ankam, ging schon in der Ferne das erste Feuerwerk los und kurz darauf folgte auch das von Fabrizio. Es war bombastisch und von hier hatten wir den perfekten Blick.

»Buon anno, amore mio«, wünschte mir mein Schatz, als er mich in seinen Armen drehte und mich küsste.
»Dir auch ein frohes neues Jahr, mein Schatz.«
Ich dachte, wir würden gleich wieder zurück zum Weingut fahren, aber da kniete sich Andrea vor mir auf den Boden. Er holte ein kleines Kästchen aus seiner Hosentasche und ich wusste genau, was jetzt kam. Schon da bekam ich einen Kloß im Hals und Tränen stiegen auf, noch bevor er überhaupt etwas sagte.

»Vincenzo, cuore mio. Ich kann nicht mehr länger warten, wir haben ein neues Jahr und meine Liebe zu dir ist nur noch stärker geworden und kennt keine Grenzen. Du machst mich jeden Tag zum glücklichsten Menschen auf der Welt und ich weiß, dass ich mein Leben nur mit dir verbringen möchte. Du bist jetzt schon ein Teil meiner Familie. Bitte, Vincenzo. Sei il grande amore della mia vita. Willst du mein Mann werden?«

Auch Andrea hatte dabei Tränen in den Augen und schaute mich gespannt an. Ich hingegen war so tief gerührt, dass ich kein Wort herausbrachte, und natürlich war auch er die Liebe meines Lebens. Jedes seiner Worte könnte auch von mir kommen, aber mir liefen nur die Tränen die Wange herunter.

»Zu früh?«, fragte er unsicher und ich konnte nur grinsen und mit dem Kopf schütteln.
»Das heißt…«, begann er und ein Strahlen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
»Ja, ich will. So sehr«, krächzte ich und er steckte mir den Ring an, nur um mir anschließend mit seiner Umarmung die Luft zu rauben.
Auch als ich ihm seinen Ring anstecken durfte, kullerten die Tränen seine Wange herunter. Wir lachten, weinten vor Freude, küssten uns und es war schon jetzt ein Versprechen, das wir uns gaben. Wir warteten noch etwas, bis wir uns beruhigt hatten, und traten den Rückweg an. Als wir auf den Hof fuhren, wurden wir von Isabella und Anja bereits erwartet. Meine Augen waren noch immer feucht und ich musste erstmal tief durchatmen, als ich den Helm abnahm.

»Du hast nein gesagt?«, platzte Isabella heraus, als sie mir ins Gesicht sah.
»Nein hat er nicht«, krächzte Andrea, der sich selbst von den Mädels abgewandt hatte, um seine Tränen wegzuwischen.
Zur Bestätigung hielt ich die Hand hoch an dem sein Ring steckte und Isabella hätte mich fast umgeworfen, als sie in meine Arme sprang, gefolgt von Anja. Isabella wechselte zu Andrea und Anja grinste mich an.
»Bist du dir diesmal sicher und zögerst die Hochzeit nicht heraus?«, fragte sie mich nach meiner letzten Pleite.
»Ja, absolut. Ihn würde ich sofort heiraten«, sagte ich und schaute meinen Verlobten an, der gerade wieder vor Freude in Isabellas Armen weinte.
Jetzt wusste ich, wieso es so eine große Party werden sollte, damit alle, nach einem erfolgreichen Antrag, mit uns feiern konnten. Jeder wusste Bescheid, außer mir. 

»Du bestimmst das Datum und sagst mir einfach, wenn du bereit dazu bist, den nächsten Schritt zu gehen«, sagte mein Schatz ruhig, als wir im Bett lagen.
Ich streichelte seinen Bauch und sah das Armband. Da wusste ich sofort, welches Datum es werden sollte.
»Dieses Jahr im Juni. An genau dem gleichen Datum, welches in das Armband graviert wurde. Egal, welcher Wochentag es auch ist. An diesem Tag möchte ich dein Mann werden«, sprach ich meine Gedanken laut aus.
»Versprochen, cuore mio. An diesem Tag werden wir heiraten.«

Wie der Zufall wollte, fiel der Tag auf einen Samstag. Wenn das kein Zeichen war. Unsere Location stand fest, genau wie der Dresscode, aber die Dekoration war noch opulenter. Dazu war zu den Weinbergen ausgerichtet ein Altar aufgebaut, vor dem wir mit unseren Trauzeuginnen saßen. Vor genau einem Jahr haben wir uns unsere Liebe gestanden, welche seitdem wuchs und immer stärker wurde. Jetzt wurde sie besiegelt mit den Worten:

»TI AMERÒ PER SEMPRE. – ICH LIEBE DICH FÜR IMMER UND EWIG.«  

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8 Gedanken zu „Mein Auftrag in Bella Italia“

  1. Diese Geschichte ist einfach wunderschön geschrieben. Es ist alles dabei von Traurigkeit dem Ende der Liebe, bishin zur neuen großen Liebe die durch Missverständnisse am Anfang zum scheitern verurteilt zu sein scheint und dann doch noch ein wunderschönes Ende findet. Deine Geschichten sind zwar sehr lang aber sie lesen sich einfach wunderschön. Du sprichst mir einfach aus dem Herzen.

  2. Wieder mal eine außergewöhnlich gute Geschichte. Als würde man einen Film schauen oder sogar selbst auf dem Weingut leben.
    Sehr spannend zu sehen wie die beiden umeinander herum getanzt haben und es dann plötzlich doch ganz schnell ging.

    1. Hey Marco,

      danke das dir die Geschichte so gut gefällt und ich freue mich auch das diese Geschichte bei vielen gut ankommt, obwohl sie nicht von Sexuellen Beschreibungen trotzt.
      Dir trotzdem viel Spaß beim weitere Lesen meiner Geschichten 😉

      LG O.G.

  3. Das ist so eine tolle Geschichte voller Romantik und Liebe. Hatte mehrmals Tränen in den Augen. Auch der Sex kommt nicht zu kurz. Eine rundum gelungene Mischung, wie in all deinen Geschichten. Danke für deine Seite und alle deine tollen Geschichten. Die Fortsetzung von der Hochzeitsgesellschaft und die Geschichte mit dem Osterhasen habe ich gleich 2x verschlungen, weil sie so toll sind. Auch diese Geschichte in Italien werde ich mir etwas zeitlichem Abstand ganz sicher nochmal lesen 😊. Jetzt freue ich mich aber mal auf die neueste Geschichte. Werde sie gleich lesen. LG Christoph

    1. Hey Christoph,
      Danke für dein Feedback. Es ist schön zu hören, was du für eine Freude an den Geschichten hast. Ich habe noch so viele im Kopf und in der Rohfassung und weiß gar nicht woher ich die Zeit nehmen soll um diese fertigzustellend 😀 Es wird also noch einiges folgen 😉
      Lg O.G.

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