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I Will Survive

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Im Club der Zweifler, Träumer und Schwerenöter – Teil 1

Antonio hatte es in seinem Leben schon nicht leicht und ist stolz, dass er mittlerweile mitten im Leben steht. Doch ein beschissener Abend jagt den nächsten und dann auch noch das? Wie wird er damit umgehen?

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87–130 Minuten
Ist es das Geld wert?

Wieder einer dieser anstrengenden und nervigen Abende hier im Club. Es reichen schon ein paar Drinks und die Typen fangen wegen Kleinigkeiten an sich in die Haare zu bekommen. Würden sie dabei wenigstens nur Worte benutzen, aber nein, heutzutage muss gleich alles mit den Fäusten geregelt werden. Wer bekommt diese dann meist ab – richtig, ich! Schlimmer ist noch, wenn sie gar keinen Grund dafür haben und nur, weil ihnen anscheinend langweilig ist, auf jemanden losgehen. Nur weil angeblich jemand seinem Freund auf den Hintern geschaut hat, muss man ihm die Fresse polieren? Sorry Leute, dann bleibt doch bitte zu Hause, wenn ihr Angst habt, dass euch jemand ansehen könnte oder eure Eifersuchtsgrenze gegen null geht. Leider wird die Aggressivität immer höher und solche Abende häufen sich. Manchmal komme ich mir sogar vor wie ein Bodyguard, weil vereinzelt Kerle meine Nähe suchen, damit sie sichergehen können, dass niemand auf sie losgeht.

Jetzt bin ich schon im dritten Jahr einer der Türsteher hier im Club, doch langsam gelange ich an einen Punkt, den Job zu schmeißen. Ich kann mir sehr gut Gesichter merken und habe ein gutes Gespür dafür, zu erkennen, wenn ein Gast nur so nach Ärger schreit. Ein paar von ihnen drehen sogar schon um, wenn sie mich am Eingang stehen sehen. Normalerweise gilt hier eine Null-Toleranz-Politik. Du bist zu stark alkoholisiert oder unter 18? Kein Zutritt! Gefälschte Ausweise, Ausreden oder Anmachen helfen dabei auch nicht weiter. Gäbe es da nicht einen der Chefs – Stefan schleust jeden in den Club. Hauptsache, der sieht gut aus und er kann seinen Spaß mit dem Typen haben. Falls sie Probleme machen, ist es dann wieder eins meiner Probleme. Noah, sein Freund und zweiter Chef, ist das Gegenteil. Er liebt seinen Club und tut alles, dass es den Gästen an nichts fehlt und sie eine angenehme Nacht im Club verbringen konnten. Ihn kannte ich vom Training und wir verstanden uns super. Er war es auch, der mich auf den Job hier ansprach, und wenn ich ihn nicht so gut leiden könnte, wäre ich hier schon nach dem ersten Abend verschwunden gewesen.

Aber die, welche an mir vorbeimüssen, bleiben meistens friedlich. Sie wissen, dass sie gegen mich keine Chance haben, doch es gibt auch Ausnahmen. Für sie stellte sich die Konfrontation als schlechte Idee heraus. Ich bezeichne mich selbst gerne als Schrank und bin mehr als gut in Form. Nicht umsonst verbringe ich die meiste Zeit im Fitnessstudio und gebe nebenbei noch Kurse in Selbstverteidigung. Dementsprechend zogen sie immer den Kürzeren, aber schlauer wurden sie dadurch nicht. Wenn sie es nicht mit Fäusten schafften, kam es auch vor, dass sie ein Messer zückten. Sie endeten dann schneller auf dem Boden, als sie schauen konnten, und hatten dazu jetzt noch eine Anzeige am Hals. Am liebsten würde ich diesen Idioten etwas Verstand einprügeln, aber dann rennen sie schnell zu ihren Eltern und die Anzeige gegen mich wäre vorprogrammiert. So hielt ich die Füße still und machte meinen Job.

Wenn sie versuchen, aufzumucken, half die Aussage, dass ich gerade frisch aus dem Knast kam und Typen wie ihn mit dem kleinen Finger fertig machte. Danach wurden sie schnell ganz kleinlaut. Natürlich habe ich nie gesessen, aber mein Aussehen würde dazu passen. Ich bin mit 1,95 m recht groß und die breiten Schultern waren harte Arbeit. Wenige können gegen meine 105 Kilogramm pure Muskelmasse etwas aussetzen. Dazu bin ich noch bis unter die Mandeln tätowiert. Von meinen Waden über den gesamten Oberkörper bis zum Hemdkragen ziehen sich Symbole oder ganze Bilder der nordischen Mythologie. Sie erzählen meine persönliche Geschichte, denn meine Vergangenheit verlief nicht sehr rosig und ich bin darauf stolz, endlich fest im Leben zu stehen.

Eine prägende Kindheit

Als übergewichtiges Kind wurde ich immer öfter Ziel von Streichen oder Hänseleien, wodurch mein Selbstbewusstsein im Keller war. Mein Leben bestand aus Angst und Hass gegen meinen eigenen Körper. Die Schulzeit war die reinste Qual und nachdem ich endlich den Realschulabschluss in der Tasche hatte, ging ich ab. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und hätte sicher mehr aus meinem Leben machen können, aber ich wollte und konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Zu sehr hatte ich die Schnauze voll, von einfach allem. Wenn das noch nicht reichte, schien selbst mit mir irgendetwas nicht zu stimmen. Mädchen haben mich nie interessiert, jedenfalls nicht auf der romantischen Ebene. Dafür habe ich heimlich die Jungs beobachtet Selbst, wenn sie mich hänselten, faszinierten mich ihre Körper. Anfangs konnte ich damit nichts anfangen, aber bemerkte durch das Internet schnell, dass ich wohl schwul bin.

Nun kam ich auch nicht aus dem besten Elternhaus. Meine Eltern waren beide arbeitslos und verbrachten ihre Zeit lieber vor der Glotze oder betranken sich. Seit ein paar Jahren hat es auch meine Mutter aufgegeben, etwas an der Situation zu ändern, und fand es einfacher, sich meinem Vater anzupassen. Outen kam bei den beiden nicht in Frage, denn die Einstellung von meinem Vater zu homosexuellen Menschen war ganz klar – sie waren Abschaum in seinen Augen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu verstecken und die letzten zwei Jahre auszuhalten, bis ich endlich aus dieser Hölle herauskam. Tagsüber war ich deswegen nie daheim und kam immer erst spät nach Hause, damit ich so wenig Zeit wie möglich mit ihnen verbringen musste. Auch weil ich versuchte, irgendwo eine Ausbildung zu finden, um etwas Geld zu verdienen. Aber ich hatte die Anmeldefristen verpasst und die meisten Betriebe hatten schon ihre Auszubildenden für dieses Jahr.

Es war schon nach halb elf, als ich die Wohnungstür aufschloss, und es kam mir schon seltsam vor, dass überall das Licht brannte. Normalerweise würden sie jetzt beide betrunken vor dem Fernseher auf der Couch pennen.

»Beweg deinen Arsch sofort in die Küche«, donnerte mein Vater.
Das konnte nichts Gutes bedeuten und am liebsten wäre ich verschwunden, aber da stand er schon im Türrahmen und sein Blick sprühte vor Wut und Hass. Als ich langsam nähertrat und in seiner Reichweite war, packte er mich am Oberarm, zog mich ruckartig in die Küche und stieß mich Richtung Tisch. Meine Mutter saß auf einem Stuhl und heulte. Auf dem Küchentisch stand mein Laptop und mir wurde eiskalt, als ich auf den Bildschirm sah. Ich muss vergessen haben, den Browserverlauf zu löschen, denn dort war ein Standbild von dem Porno, welchen ich mir gestern angesehen hatte.

»Erklär mir sofort diesen Dreck!«, schrie er, doch ich brachte keinen Ton heraus. Er wurde ungeduldig und kam auf mich zu und packte mich am Kragen und schnitt mir beinahe die Luft ab, als er mich daran hochzog. Er war stark und brachte mich auf seine Augenhöhe. Ich versuchte, mich zu wehren und heulte, aber je mehr ich es versuchte, desto enger wurde sein Griff.
»Mein eigener Sohn eine dreckige Schwuchtel.« Er stank nach Alkohol und als Nächstes hatte ich seine Faust im Magen, bevor ich zu Boden ging.

»Das ist alles deine Schuld, weil du ihn immer verhätscheln musstest«, ging er nun auf meine Mutter los, da sie aufschrie, als er mich schlug. Er war gerade dabei, zum Schlag nach ihr auszuholen, aber ich hielt ihn am Arm fest.
»Pack mich nicht an du Abschaum!«, schrie er und schlug stattdessen auf mich ein. Selbst als ich schon am Boden lag, trat er noch auf mich ein. Meine Mutter schrie, aber auch sie konnte mir nicht mehr helfen. Viel bekam ich nicht mehr mit, aber ich war froh, als er endlich aufhörte. Dies tat er aber auch nur, um mich wieder am Kragen zu packen, mich aus der Wohnung zu schleifen und aus der Tür des Mehrfamilienhauses zu werfen.
»Verpiss dich und trau dich nicht, hier jemals wieder einen Fuß hineinzusetzen!«, brüllte er und schlug die Tür zu. Ich schaffte es, aufzustehen, aber mein ganzer Körper schmerzte und auf einem Auge konnte ich nichts mehr erkennen. Ich schleppte mich bis an die Mülltonnen, doch dann brach ich zusammen.

Erst im Krankenhaus wurde ich wieder wach. Mein Körper fühlte sich an wie Blei, ich bekam kaum Luft und mein Sichtfeld war eingeschränkt. Eine Krankenschwester versuchte, mich zu beruhigen, und gab mir etwas gegen die Schmerzen. Erst die Polizei hatte mich darüber aufgeklärt, dass mich unsere Nachbarin fand, als sie von der Arbeit kam, und womöglich verdanke ich ihr mein Leben. Mein alter Herr hatte es beinahe geschafft, mich umzubringen. Ich erzählte dem Polizisten genau, was passiert war, und er verständigte noch am gleichen Tag das Jugendamt. Mir war klar, dass ich nie im Leben wieder zurück zu meinen Erzeugern wollte, und sie brachten mich in ein betreutes Jugendwohnen. Meine Eltern sah ich das letzte Mal vor Gericht und selbst dort wollte mein Vater vor versammelter Mannschaft auf mich losgehen, doch diesmal schaffte er es keinen Meter. Die beiden bekamen ihre gerechte und verdiente Strafe.

Ich stand nun an einem Wendepunkt und konnte entscheiden, ob ich mich davon weiter herunterziehen lasse oder endlich etwas ändere. Aufgeben wollte ich nicht und so schwor ich mir, mich nie mehr von jemandem rumschubsen zu lassen. Nachdem ich mich von den Verletzungen erholt hatte, ging ich ins Fitnessstudio und fing an zu trainieren. So wurde durch das Training und Therapien aus dem dicken, ängstlichen Jungen über die Jahre ein muskulöser, selbstsicherer Mann. Auf Wunsch des Amtes fing ich eine Ausbildung als Bürokaufmann an, doch als mir das Fitnessstudio eine Ausbildung zum Personal Trainer anbot, nahm ich dieses Angebot sofort an. Es lag mir eher, als ein langweiliger Bürojob und so bin ich dabei hängengeblieben. Es folgten weitere verschiedene Trainerscheine und dann landete ich zufällig nebenberuflich hier im Club.

Für mein großes Liebesglück stand ich mir selbst im Weg. Noch im betreuten Wohnen lernte ich einen netten Kerl in meinem Alter kennen und es hielt sogar fast vier Jahre, doch kristallisierte sich schnell heraus, dass ich ein gewaltiges Problem mit dem Vertrauen hatte. Wir stritten uns immer häufiger wegen Kleinigkeiten, bis er mir endgültig den Laufpass gab. Von ihm verlassen zu werden, zog mich in ein weiteres Loch, aus dem ich es wieder herausschaffte. Auch wenn seine Nachfolger meist liebe Kerle waren, reichte nun schon ein kleiner Fehler und ich zog mich aus Selbstschutz zurück. Nach dem letzten gab ich die Hoffnung endgültig auf und versuchte mich an schnellem anonymen Sex. Es war nicht schwer, dafür jemanden im Club zu finden, aber auch das war nur eine kurze Befriedigung und mir fehlte die Nähe. Somit war dies auch keine Lösung. Freundschaft Plus wäre noch eine Option gewesen, aber auch da verliebten sich die Typen entweder in jemand anderen oder in mich und es war wieder vorbei. 

Alle liebten immer das Gefühl, einen heißen Kerl an ihrer Seite zu haben, der sie beschützt, aber wer beschützte mich? Wer gab mir dieses tiefe Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit? Ich sehe nach außen vielleicht aus wie ein harter Kerl, aber innerlich sehne ich mich nur nach jemandem, der all das für mich ist und mir meine Ängste nimmt. Seit nun fast zwei Jahren lasse ich niemanden mehr an mich ran und wenn ich Lust habe, leg ich einfach selbst Hand bei mir an. So wird niemand enttäuscht und ich habe mich damit abgefunden, allein zu bleiben.

Ein grausiger Fund

So auch wie an diesem Abend. Sicher haben wieder ein paar süße Typen versucht, bei mir zu landen und ich bin halt auch nur ein Mensch. Ganz spurlos geht es nicht an mir vorbei. Jetzt war endlich Feierabend und ich wollte nur noch nach Hause. duschen, ab in mein Bett, endlich abspritzen und dann schlafen. Ich machte noch einen letzten Kontrollrundgang und verschwand dann durch die Hintertür. Prima, irgendein Idiot hatte die Lampe über der Tür mal wieder zertrümmert und es war stockdunkel. Heute war ich froh, die dickere Jacke mitgenommen zu haben, denn die Temperaturen der letzten Tage waren für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig. Sogar Schnee hatten sie die nächsten Tage schon angesagt. Aber die frische Luft tat gut und ich nahm mir einen Augenblick, die Stille zu genießen. So lehnte ich mich gegen die Wand und atmete ein paarmal tief durch, um den Stress des Abends abzuschütteln, bevor ich nach Hause ging.

Plötzlich raschelte es und ich vernahm ein kaum hörbares Wimmern Ich schärfte meine Sinne und tatsächlich, da war es wieder. Ich holte mein Handy aus der Hosentasche, machte die Taschenlampe an und leuchtete die Umgebung ab. Wir waren in einer Sackgasse und ich ging erst in den hinteren Bereich, aber dort war nichts Unauffälliges festzustellen. So ging ich Richtung Straße. Das Wimmern war verstummt, aber mein Gefühl sollte mich nicht täuschen. Hinter dem einen Müllcontainer schauten Schuhspitzen hervor. Wahrscheinlich war es nur wieder irgendein Betrunkener, der ein paar Drinks zu viel hatte. Doch aufgrund der Temperaturen war es unverantwortlich, ihn hier liegenzulassen. So ging ich schnellen Schrittes auf ihn zu. Als ich mein Handy auf die Person dahinter richtete, war ich in Sekundenschnelle hellwach und Adrenalin schoss durch meine Adern. Der junge Mann dahinter war alles andere als betrunken. Er war vielleicht Mitte zwanzig und bot ein grausames Bild.

Er lehnte gegen die Hauswand und weinte stumm. Seine rechte Gesichtshälfte war geschwollen und aus seiner Nase floss Blut. Weitere Verletzungen waren nicht sichtbar, dennoch war ersichtlich, dass dies vermutlich nicht seine einzigen Blessuren waren. Er sah abgemagert aus, seine Lippen fingen schon an blau anzulaufen, und er zitterte. Verständlich, denn er trug nur ein T-Shirt und der Rest seiner Klamotten war nass und dreckig. Ich zog schnell meine Jacke aus, ging in die Hocke und packte ihn darin so vorsichtig wie möglich ein. Ein Zischen entwich ihm, als ich seinen Oberkörper berührte.

»Hey, was ist passiert? Wer war das? Warte, ich rufe schnell einen Krankenwagen. Bleib bitte wach.«, sagte ich zu ihm und war gerade dabei, den Notruf zu wählen.
»Nein! Verschwinde!», krächzte er und versuchte, mir mein Handy aus der Hand zu schlagen.
»Bist du wahnsinnig?  Ich kann dich doch nicht hier liegen lassen. Du hast Schmerzen und brauchst dringend Hilfe.«, versuchte ich, ihm einzubläuen.
»Kein Krankenwagen, ich komme schon klar. Das ist nicht so schlimm. «, presste er heraus und versuchte sogar, aufzustehen. Dabei verzog er sein Gesicht und sackte vor Schmerzen wieder zusammen. Ich wohnte nicht weit von hier. Vielleicht ließ er mich mal einen Blick draufwerfen. Etwas kannte ich mich mit solchen Verletzungen aus. Ich hoffte nur, es war nichts Ernsteres.

»Pass auf, du hast zwei Möglichkeiten. Entweder ich rufe sofort den Notruf, oder ich bring dich zu mir und sehe es mir an. Wenn alles gut ist, kannst du danach gerne gehen. Nur zuerst musst du aus der Kälte raus.«, sagte ich streng zu ihm. Den Krankenwagen kann ich zur Not dann heimlich bei mir rufen. Doch jetzt wirkte er ängstlich und zuckte bei meinen Worten zusammen, schüttelte wild den Kopf und sah mich angsterfüllt an.

»Los, komm schon. Du brauchst vor mir keine Angst zu haben und hast nichts zu befürchten. Ich will mir das nur ansehen und sicherstellen, dass dir nichts Ernstes fehlt. Ich gehe nicht, bevor ich nicht sichergehen kann, dass es dir gut geht.«, versuchte ich es ein wenig sanfter und als er mich verunsichert ansah, schenkte ich ihm ein freundliches Lächeln. Das schien Wirkung zu zeigen, denn er gab sich geschlagen und murmelte ein leises »Ok«.

»Lass es uns zusammen versuchen, dich wieder auf die Beine zu bekommen«, meinte ich und griff unter seine Achseln. Augenblicklich zuckte er wieder zusammen und verkrampfte, als ich ihn nur leicht berührt hatte. Schmerzen konnten es nicht sein, dafür war die Berührung zu sanft. »Was ist diesem armen Kerl nur passiert?«, ging es mir die ganze Zeit durch den Kopf. Ok, so wird das nichts.
»Pass auf, ich erkläre dir genau, was ich mache und wo ich dich berühre. Du musst mir sagen, ob es geht oder du Schmerzen hast. Verstanden?«

Er nickte und so schafften wir es tatsächlich, ihn wieder auf die Beine zu bekommen. Zwar hing er jetzt mehr in meinen Armen, aber wenigstens war er von dem kalten Boden weg. Jetzt konnte ich ihm meine Jacke auch richtig anziehen. Er ging darin zwar komplett unter, aber wenigstens hielt sie ihn warm. Beim ersten Schritt schoss ein Schmerz durch seinen Körper und er jaulte auf. Anscheinend hat auch sein rechter Fuß etwas abbekommen.
»Komm, leg einen Arm um meinen Nacken und stütz dich an mir ab«, wies ich ihn an und er folgte auch.

Es kostete ihn dennoch viel Kraft und auf halbem Weg schlug ich vor, ihn zu tragen, und zum Glück war er einverstanden. Sein Fliegengewicht war für mich kein Problem und so waren wir schneller unterwegs. Vor meiner Wohnung setzte ich ihn wieder ab, da ich meinen Schlüssel aus der Jackentasche kramen musste. Endlich hatte ich ihn auf einem Küchenstuhl platziert und kochte uns einen warmen Tee. Er schwieg und beobachtete aufmerksam mein Tun.

»So darf ich mir schnell deine Verletzungen ansehen, bis der Tee gezogen hat?« Er blickte mich weiterhin ängstlich an, doch dann nickte er zögerlich. Behutsam tastete ich sein Gesicht ab, konnte jedoch keine Verletzungen erkennen. Dann ging ich auf die Knie, um sein T-Shirt anzuheben und zu überprüfen, ob er dort ebenfalls verletzt war.
»Nicht!«, ermahnte er mich und schlug meine Hände beiseite.
»Kann ich dich kurz abtasten, um innere Verletzungen auszuschließen?«

Er ließ es zu, dass ich ihn untersuchte. Er war sehr abgemagert; seine Rippen waren deutlich spürbar. Alles war intakt, aber sein Zustand war keineswegs gesund. Vermutlich hatte er Prellungen und eine Verstauchung am Fuß. Der Kleine kam glimpflich davon. Obwohl ich mich anfangs sicher fühlte, zitterte er unaufhörlich, während wir schweigend unseren Tee tranken.

»Oberflächlich sieht alles unbedenklich aus, aber lass es sicherheitshalber von einem Fachmann prüfen. Es wäre mir nicht recht, dich einfach wieder gehen zu lassen. Wenn Du möchtest, kannst Du die Nacht hier verbringen. Später bringe ich dich entweder ins Krankenhaus oder nach Hause.«
»Wieso bist du so nett zu mir?«, fragte er mich schüchtern.
»Ich war mal in einer gleichen Situation und war auf Hilfe angewiesen und du siehst aus, als würdest auch du sie brauchen. Ich würde mir nur Sorgen machen, wenn ich dich jetzt wegschicken würde, also bleibst du?«

Erst schaute er mich nur unsicher an, aber entschloss sich dann doch zu bleiben und ich ging ins Schlafzimmer, um ihm ein paar trockene Klamotten von mir zu holen. Ich brachte sie ins Bad und ging wieder zu ihm in die Küche.
»Komm, du gehst jetzt heiß duschen und dann ist dir auch nicht mehr so kalt. Ich habe dir auch ein paar Klamotten von mir hingelegt, denn deine sind reif für die Waschmaschine. Danach versorgen wir deine Wunden.« Diesmal brauchte es weniger Überzeugung und er ließ sich von mir ins Bad bringen. Ich stellte ihn in der Dusche ab und legte ihm alles in Reichweite.
»Du brauchst nur zu rufen, wenn du fertig bist, dann helfe ich dir zurück in die Küche«, sagte ich und verließ das Badezimmer. Kurz darauf hörte ich das Wasser rinnen. Jetzt hatte ich Zeit, mir etwas Bequemeres anzuziehen, und fing an uns ein paar Sandwiches zu machen. So wie er aussah, hatte er bestimmt Hunger.   

Damit hatte ich nicht gerechnet, um vier Uhr morgens in der Küche zu stehen und für einen wildfremden jungen Mann Sandwiches zu machen. Doch ich hatte Mitleid mit ihm und zerbrach mir den Kopf, welches Schicksal wohl er auf seinen Schultern trägt. Sein Timing war perfekt, denn gerade, als ich fertig war, hörte ich ihn rufen.
»Ähm, ich bin gleich fertig.« Da fiel mir auf, dass ich in der ganzen Aufregung vergessen hatte, mich bei ihm vorzustellen und auch seinen Namen kannte ich nicht.
Ich ging schnell ins Badezimmer und als ich die Tür öffnete, traute ich meinen Augen nicht. Er stand mit dem Rücken zu mir und zog sich gerade den Pulli über den Kopf. Sein kompletter Rücken war übersät mit Hämatomen in allen unterschiedlichen Stadien. Von seiner eigentlichen Hautfarbe war nicht viel zu erkennen. Ich musste ihn darauf ansprechen, aber ohne ihn zu verschrecken. Ich tat so, als hätte ich nichts gesehen und half ihm, wieder zurück in die Küche. Als er wieder auf dem Stuhl saß, verband ich seinen Fuß und drückte ihm ein Kühlpack für sein Gesicht in die Hand.

»Ich habe mich ganz vergessen vorzustellen. Ich bin Antonio, aber du kannst mich gerne Toni nennen.«
»Ich heiße Erik«, sagte er nur leise. Ich griff mir einen Teller und stellte ihn vor Erik auf den Tisch.
»Dann, hallo Erik. Greif zu und lass es dir schmecken. Du hast sicher Hunger.«, sagte ich und lehnte mich gegen die Küchenzeile.
Ich wollte mir gerade auch meinen Teller greifen, da ging er vor mir auf die Knie und fing an am Bund meiner Jogginghose zu fummeln.

»Alter, geht’s noch? Was soll denn der Scheiß?«, blaffte ich ihn an. Wie ferngesteuert griff ich ihm unter die Arme und setzte ihn wieder auf den Stuhl. Wieder schaute er ängstlich, bevor er bitterlich anfing zu weinen und sein Gesicht in seinen Händen vergrub. Ich wusste nicht, was ich in diesem Moment machen sollte. Ihn trösten, weil er versucht hat, mir einen zu blasen? Nein, das kam mir zu seltsam vor. Oder war es, weil ich ihn so angefahren bin?

»Sorry, ich wollte dich nicht anschreien«, entschuldigte ich mich zur Sicherheit, aber es wurde nicht besser. Ich stand nur da und sah ihm still zu. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er sich wieder beruhigt hatte. Ich war gerade dabei, mein Sandwich zu verputzen, als er die Stille durchbrach.
»Tut mir leid, aber ich kenne es nur so.“
»Du kennst was nur so?«, fragte ich ihn verwirrt.
»Wenn ich etwas zu essen bekomme, muss ich mich dafür revanchieren und bedanken.«, klärte er mich auf.

Er verarscht mich hoffentlich gerade, aber so schuldbewusst, wie er aussah, bezweifelte ich es.

»Nochmal für mich zum Verständnis. Du musst, wenn du was zu essen bekommst, dem anderen einen blasen? Wer zum Henker hat dir so einen Scheiß eingebläut?«
Er sah zu Boden und wisperte leise: »Mein Freund«. Jetzt war ich fassungslos. Denn diese Aussage hatte gesessen.
»Sag mal, ist das irgendein krankes Sexspielchen?“, rutschte es mir heraus.
»Nein, nur seine Regeln.«, meinte Erik, als wäre es das Normalste der Welt.Sofort hatte ich wieder die Bilder von seinem Rücken vor mir und da traf es mich wie ein Blitz.
»Hat dein Freund dich so zugerichtet? Hast du deswegen die ganzen Blutergüsse über deinen Rücken verteilt?«
Ich habe nicht nachgedacht und es platzte einfach so aus mir heraus. So viel zu vorsichtig darauf ansprechen. Er zuckte wieder zusammen und sah mich schockiert an wie ein Reh im Scheinwerferlicht, als ich seinen Rücken erwähnte.

»Das … also … das … er ist nicht immer so, ich war ja selbst schuld«, stammelte er
»Was hast du bitte gemacht, dass er dich so zugerichtet hat?«, hakte ich weiter nach.
»Ich habe mich mit jemandem Fremden unterhalten und das will er nicht.«, gestand er und sah dabei sogar noch schuldbewusst aus. Versuchte er gerade, das Verhalten seines Kerls zu rechtfertigen? Der Typ konnte froh sein, dass ich nicht mitbekommen habe, wie er Erik so zugerichtet hat.

Ich musste rausfinden, wer der Kerl ist. Die Sau gehört angezeigt, aber damit brauchte ich Erik jetzt nicht zu konfrontieren. Also versuchte ich, meine Wut runterzuschlucken.
»Iss jetzt etwas und ich brauch dafür keine Gegenleistung. Danach gehst du schlafen und erholst dich ein bisschen und morgen reden wir weiter. Ok?«, versuchte ich, so ruhig wie möglich zu sagen.

Er bedankte sich leise und verschlang das Sandwich in Windeseile. Er musste echt riesigen Hunger haben. Ich überließ ihm mein Schlafzimmer und nahm freiwillig die Couch, denn dann kann er sich nicht rausschleichen, wenn ich schlafe. Der Kleine raubte mir den Schlaf. Ich lag noch lange wach und überlegte, wie ich ihm helfen konnte. Bevor ich einschlief, hatte ich womöglich eine Idee, aber dazu musste ich später erst telefonieren.

Ein unerwarteter Besuch

Am Morgen wurde ich unsanft durch klimperndes Geschirr geweckt. Erst kannte ich mich nicht aus und meine Augen waren noch zu schwer, um sie zu öffnen. Als ich nachsah, stand Erik vor der Spüle und machte den Abwasch.
»Was machst du denn da und wieso bist du schon wach?«, fragte ich ihn und machte mir einen Kaffee.
»Tut mir leid, aber anders durfte ich mich ja nicht bedanken.«, meinte er und sah schon wieder aus, als hätte er Angst vor den Konsequenzen. Da tat er mir schon wieder leid.
»Dankeschön, aber das musst du wirklich nicht machen. Es war doch nur ein einfaches Sandwich und ich habe es gern gemacht. Ich brauche dafür keine Gegenleistung«, bedankte ich mich und setzte mich an den Tisch. Als er fertig war, unterhielten wir uns ein wenig über Belangloses. Er sah für seine Verhältnisse schon ein wenig besser aus.

Als ich auf die Uhr schaute, war es kurz vor eins. Ohne eine vernünftige Mahlzeit wollte ich ihn ungern aus dem Haus lassen. Außerdem wollte ich mich danach mit ihm hinsetzen und über das eigentliche Thema sprechen.
»Erik, pass auf. Ich werde jetzt schnell etwas einkaufen gehen und bitte warte hier so lange auf mich. Ich versuche, mich auch zu beeilen. OK?«
Zu meiner Verwunderung stimmte er sofort zu und ich zog mich schnell um. Als ich das Haus verließ, saß er auf dem Sofa und daddelte an seinem Handy. Ich war nicht begeistert, ihn allein sitzen zu lassen, aber leider hatte ich nichts mehr im Haus, woraus ich uns annähernd etwas Gutes kochen konnte. Falls er jetzt verschwinden sollte, war immerhin mein guter Wille da. 

Auf dem Weg zum Supermarkt rief ich noch einen Freund von mir, Emanuel, an. Er war Therapeut und hat auch mir schon oft geholfen. Ich wusste, dass er auf häusliche Gewalt spezialisiert war, und berichtete ihm von Erik. Er verstand schnell das Problem und ich sollte mit Erik reden. Falls er möchte, könnte ich ihn morgen direkt zu ihm bringen. Egal, ob es ein Sonntag war. Er verstand, dass ich und vor allem Erik seine Hilfe brauchten.

Danach beeilte ich mich mit meinem Einkauf und war keine Dreiviertelstunde später wieder zurück an meiner Wohnung angekommen. Mich wunderte schon, wieso die Haustür des Mehrfamilienhauses offenstand, aber das Gebrüll aus dem Inneren verhieß nichts Gutes.

»Du dreckiges kleines Miststück, verkriechst dich vor mir? Du kennst die Strafe, wenn du nicht wieder nach Hause kommst?«, brüllte die Stimme.
Ich rannte nur so die Treppen hoch und hörte Schmerzschreie und ein Flehen. Das kam definitiv von Erik. Ich ließ die Tüten fallen und rannte schneller und kurze Zeit später stand ich in meiner Wohnung. Da schlug tatsächlich ein gewaltiger Typ auf den wehrlosen Erik ein. Mir brannten alle Sicherungen durch und mit drei schnellen Schritten war er in meiner Griffweite. Ich packte den Kerl an seinen Kragen, zog ihn von Erik runter und schleuderte ihn gegen die Wand. Da traf mich der nächste Schlag. Ich kannte seinen widerwärtigen Freund aus dem Fitnessstudio.

Da stand Ali vor mir. Der widerlichste Proll von allen. Er führte sich immer auf, als wäre er der King und behandelte alle im Studio wie Dreck. So, als wären sie seine Leibeigenen. Mit den Anfängern konnte er dies auch machen, wurde von uns aber schnell in seine Schranken gewiesen. Ich hatte ihn mir einmal zur Brust genommen und ihm seine Grenzen aufgezeigt und seitdem war dann halbwegs Ruhe. 

Nur als er mitbekommen hat, dass ich auch auf Kerle stand, versuchte er, jedes Mal bei mir zu landen. Natürlich ohne Erfolg, was ihm so gar nicht passte. Zumindest wusste ich jetzt, wer die Bitch war, von der er immer abwertend sprach und die zu Hause auf ihn wartete. Sein Gegrapsche wurde mir zu viel und ich wusste, dass er immer zur gleichen Zeit im Studio auftauchte, also änderte ich meinen Kursplan. Bei unserem letzten Aufeinandertreffen packte er mir ungeniert in den Schritt und bekam dafür meine Faust ins Gesicht. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen und habe ihm auch geraten, einen großen Bogen um mich zu machen. Zumindest bis jetzt.

Als Ali aufstand und realisierte, wer ihn gerade von Erik geschleudert hatte, flammte purer Hass in ihm auf.
»Ach, hast du, alter Sack, versucht, dir meine Bitch zu angeln? Vergiss es. Die Schlampe gehört mir!“, spie er heraus.
»Halt deine verdammte Fresse, sonst poliere ich sie dir gleich noch einmal und wenn du nicht augenblicklich diese Wohnung verlässt, rufe ich die Bullen.«, schrie ich ihn an.
Ich hoffte, er kapiert, dass er keine Chance haben wird, und verschwindet. Wichtiger war gerade Erik. Ich ging schnell zu ihm herüber, um mich zu vergewissern, dass er keinen zu großen Schaden davongetragen hatte. Ich half ihm auf die Beine und da wurde er panisch.
»Toni, hinter dir«, schrie er und hatte mir damit Schlimmeres erspart.

Durch seinen Aufschrei drehte ich mich um und Ali erwischte mich mit seinem Messer nur am Oberarm. Ich zog Erik einfach mit und brachte Abstand zwischen uns und Ali.
»Los, hol schnell Hilfe«, wies ich ihn an und er rannte zur Tür hinaus.

Vor mir stand Ali in Angriffsposition und ich fixierte ihn mit meinem Blick. Ich spürte, wie mir Blut den Arm herunterlief und der Schnitt brannte. Zur Sicherheit spannte ich meine Muskeln an und machte eine Faust. Alles funktionierte noch ohne Schmerzen, also hatte er mich nicht ernsthaft verletzt. Gut für mich – schlecht für ihn. Er hätte besser zielen sollen, denn so schnell konnte er nicht reagieren, wie das Messer zu Boden ging und kurz darauf er. Da erschien Erik mit meiner Nachbarin im Schlepptau. Sie hat den Krach mitbekommen und war wie gelähmt, als sie mich auf Ali erblickte, wie ich ihn auf dem Boden fixierte und meinen mit Blut verschmierten Arm.

»Sarah, geh und ruf bitte sofort die Polizei!«, schrie ich sie an und holte sie aus ihrer Starre Wenigstens hatte sie ihr Handy mit und wählte sofort die Nummer.
Bis die Polizei vor Ort war, tobte der Proll unter mir und spie eine Beleidigung und Drohung nach der nächsten aus sich heraus. Es war auch das Einzige, was er konnte, denn bei meinem Griff hatte er keine Chance, sich zu bewegen. Endlich kam die Polizei und nachdem ich ihnen erklärte, was passiert war, führten sie Ali auch direkt ab. 

Ich merkte, wie das Adrenalin meinen Körper verließ und sackte auf der Couch zusammen. Der Sanitäter sah sich sofort meinen Arm an. Anscheinend hatte mich Ali doch heftiger erwischt, als ich dachte, denn das war kein Kratzer und musste definitiv genäht werden. Ich bat ihn dennoch, sich zuerst Erik genauer anzusehen. Bei ihm war ich mir nicht sicher, was Alis Gewaltausbruch angerichtet hatte, und er verschwand mit ihm in der Küche.

Derweil mache ich meine Aussage bei den Polizisten. Ich fing an, wie ich Erik die Nacht vorgefunden hatte, aber die Frage, wieso Ali in meiner Wohnung war, konnte ich ihnen nicht beantworten. Der Sanitäter bestellte auch einen der Polizisten in die Küche und nach kurzer Zeit kam er mit Erik ins Wohnzimmer.

»Wie hat sich der Herr Zugang zu dieser Wohnung verschafft?«, wollte nun der Polizist von Erik wissen. Aber er sah mich nur mit verheulten Augen an und brachte kein Wort raus.
»Hast du ihm gesagt, wo du bist und ihn reingelassen? Komm, sag schon. Ich bin dir auch nicht böse.«, versuchte ich, ihn zu ermutigen und tatsächlich half es.
»Er … er … trackt mich mit einer App und stand plötzlich vorm Haus. Er war nett und wollte sich bei mir für gestern entschuldigen. Er wollte mir ein Geschenk geben, weil er so ein schlechtes Gewissen hat. Aber ich hatte dir versprochen, hier auf dich zu warten, also ließ ich ihn rein und machte die Tür hier oben nur einen kleinen Spalt auf. Doch als er oben war, trat er einfach gegen die Tür und ging danach sofort auf mich los.«, schluchzte er bitterlich.

Ich konnte nicht anders und nahm den Kleinen in den Arm. Er krallte sich richtig an mich und ich hob den Pulli ein Stück, damit der Polizeibeamte seinen unteren Rücken sehen konnte. Nun wusste auch die Polizei, womit sie es hier zu tun hatte.
»Fahren Sie bitte schleunigst mit ins Krankenhaus. Wir schicken nachher Kollegen vorbei, die alles genau protokollieren werden.«, wies uns der eine Polizist an und das traf sich gut, denn ich musste ja sowieso hin. Erik hatte Angst, aber ließ sich von mir überreden, als ich ihm versprach, nicht von seiner Seite zu weichen.

Kurz darauf brachte uns der Krankenwagen ins Krankenhaus. Als meine Wunde versorgt wurde, klammerte sich Erik die gesamte Zeit an meinem gesunden Arm fest. So viel Nähe hatte ich schon lange nicht mehr zugelassen, aber es war nun mal das Einzige, was ihn beruhigen konnte, also ließ ich es einfach zu.

»Er scheint sie wirklich zu mögen.«, sagte die Ärztin freundlich, während sie meinen Arm nähte. Ich ließ es einfach unkommentiert stehen und Erik brachte sowieso kein Wort mehr heraus.
Erst als sein Arzt mich aufforderte, den Raum zu verlassen, damit die Untersuchung stattfinden konnte, begann er wieder zu sprechen und zeigte Anzeichen von Unruhe.
»Bitte nicht. Schicken Sie ihn nicht weg.«, murmelte er an meine Schulter.
»Ok, aber so können wir sie nicht untersuchen. Meinetwegen kann er hierbleiben, aber Sie müssen ihn loslassen.«, meinte der andere Arzt.
»Pass auf, ich setze mich dort hinten auf den Stuhl und warte so lange, bis du fertig bist. Ich rühre mich nicht von der Stelle. Versprochen.«

Dies half und er lockerte seinen Griff, wenn auch etwas widerwillig. Ich setzte mich auf den Stuhl und ließ den Arzt machen. Nachdem er seine Diagnose oberflächlich abgeschlossen hatte, forderte er ihn auf, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, woraufhin er mich verunsichert ansah.

»Komm, Kleiner, du schaffst das. Und danach hast du alles hinter dir.«, versuchte ich, ihn zu ermutigen und zögerlich schlüpfte er aus dem Pulli und der Jogginghose. Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen, als ich das komplette Bild der Grausamkeit zu sehen bekam. Nicht nur sein Rücken war betroffen, sondern sein gesamter Körper. Er muss einen stabilen Körperbau haben, denn bis auf Prellungen konnte der Arzt nichts feststellen, aber auch die müssen schon schmerzhaft genug gewesen sein. Unter jeder Berührung zuckte er zusammen. Natürlich musste der Arzt auch seinen Genitalbereich untersuchen und ich drehte mich aus Respekt vor seiner Privatsphäre um. Danach kam noch ein Polizeibeamter dazu und hielt alles auf Bildern fest.

Er durfte sich wieder anziehen und sofort danach klebte er wieder an mir. Die Polizei ging mit und in einen ruhigen Raum und fing an mit der Befragung. Ich bekam gleich wieder Flashbacks zu damals, aber diese zwei Beamten machten ihren Job echt gut und Erik fing auch an sich ihnen gegenüber zu öffnen. Es überraschte mich, als er angab, 25 Jahre alt zu sein. Ich hätte ihn deutlich jünger eingeschätzt, wenngleich er dennoch acht Jahre jünger war als ich. Das Dreckschwein Ali war sein erster Freund und seit sechs Jahren ist er schon in dieser Hölle gefangen. Für ihn wurden seine Grausamkeiten zur Normalität. Genauso, dass er von allem und jedem isoliert wurde. Er hatte keinen Kontakt mehr zu Freunden, Familie oder Verwandten. Niemand wollte mehr etwas mit ihm zu tun haben. Sein Lebensmittelpunkt wurde Ali.

Das Krankenhaus wollte ihn gerne eine Nacht zur Überwachung hierbehalten, aber damit war Erik überhaupt nicht einverstanden. Sich selbst überlassen wollte ich ihn aber auch nicht. Nicht, dass er gleich wieder in der Gosse landete.
»Willst du noch einmal mit zu mir kommen? Dann kann ich ein Auge auf dich werfen, wenn das ok wäre?«
Erik war sofort einverstanden und auch das Krankenhauspersonal gab grünes Licht und gab mir Anweisungen, worauf ich achten müsste. Ich war echt froh, als wir am Abend endlich aus diesem Gebäude rauskamen. 

Meine Einkäufe muss Sarah in meine Wohnung geräumt haben, aber an Kochen war jetzt nicht mehr zu denken. Ich bestellte uns einfach etwas und freute mich auf eine ausgedehnte Dusche und saubere Klamotten. Erik war noch im Badezimmer, als das Essen kam und ich alles auf Tellern anrichtete. Als er aus dem Badezimmer kam, stürzten wir beide uns regelrecht darauf. Ich hatte wieder einmal zu viel bestellt, da meine Augen größer waren als mein Magen. Ich war schon längst satt, aber Erik schaufelte einfach weiter und hatte tatsächlich alles weggeputzt. 

Beim Essen sah er sogar ein wenig fröhlicher aus, aber als ich den Tisch abräumte, wich die Fröhlichkeit und wurde durch eine tiefe Traurigkeit ersetzt. Erik fing wieder an zu weinen. Ich kniete mich vor ihn und legte eine Hand auf sein Knie.
»Hey, was ist denn los? Kommt jetzt der ganze Schock hoch?«
Doch er legte nur seine Hände auf meine, drückte zu und fing noch heftiger an zu schluchzen.
»Es tut mir so unendlich leid, dass du meinetwegen verletzt wurdest und deine Wohnung verwüstet wurde. Ich mache dir nur Schwierigkeiten und trotzdem schickst du mich nicht weg, sondern bestellst sogar noch Essen. Das kann ich doch nie wieder gutmachen.«, wimmerte er. Sein Selbstbewusstsein muss so dermaßen im Keller sein, aber mit den ganzen Entschuldigungen muss er schleunigst aufhören.

»Kleiner, dir muss rein gar nichts leidtun. Der kleine Kratzer bringt mich nicht um, Hauptsache, es geht dir gut und du kommst endlich aus dieser Teufelsspirale raus. Du kannst mir damit danken, indem du mir versprichst, nie wieder zu diesem Arschloch zu rennen und so einen Dreck mit dir machen zu lassen. Ich habe heute auf dem Weg zum Supermarkt mit einem Freund von mir telefoniert. Er ist Therapeut und auf solche Fälle spezialisiert. Ich würde morgen gern einmal mit dir hingehen und dich ihm vorstellen. Ist das ok für dich? Er kann dir sicher helfen, glaub mir.« Unter der Voraussetzung, dass ich die ganze Zeit an seiner Seite blieb, sagte er auch zu.

Wir schauten uns noch einen Film an und ich wäre dabei fast eingeschlafen. Die kurze Nacht und die Aufregung vom Tag zollten ihren Tribut. Erik schlief schon an meinen gesunden Arm gelehnt und ich versuchte, langsam aufzustehen und legte ihn vorsichtig aufs Sofa. Ich war gerade dabei, den Fernseher auszuschalten, und hatte schon eine Decke unterm Arm, mit der ich ihn zudecken wollte. Aber da öffnete er verschlafen die Augen.

»Wo gehst du hin?«, fragte er mich ganz verschlafen.
»Ich wollte ins Bett. Ich bin fertig, aber wenn du willst, kannst du auch im Bett schlafen und ich nehme wieder die Couch«, bot ich ihm an.
»Darf ich mitkommen? Ich möchte nicht allein sein. Bitte.« Er schaute mich so lieb an und ich konnte ihn auch verstehen.
»Ok, komm mit, aber deine Finger behältst du schön bei dir. Ich bin gerne für dich da, aber nicht mehr.»
Er nickte und trottete hinter mir her ins Schlafzimmer. Ich muss echt fertig gewesen sein, denn sobald ich im Bett lag, fielen mir die Augen zu und ich schlief ein.

Mein neuer Mitbewohner

Am nächsten Morgen wurde ich doch tatsächlich mit Erik in meinen Armen wach. Seine Haare kitzelten in meiner Nase und als ich realisiert hatte, was hier vor sich ging, war ich froh, dass er noch geschlafen hatte. Ich stand schnell auf und verschwand im Bad und zu meiner Überraschung hatte er schon Kaffee gekocht, als ich fertig war. Er war noch weit davon entfernt, fröhlich zu wirken, aber immerhin schenkte er mir zum ersten Mal ein kleines Lächeln. Ich rief Emanuel an und der meinte, dass wir jederzeit bei ihm vorbeikommen konnten. So frühstückten wir noch eine Kleinigkeit und machten uns danach direkt auf den Weg zu ihm.

Für Emanuel war es eine Leichtigkeit, zu Erik vorzudringen und sein Vertrauen zu gewinnen. Er fiel nicht direkt mit der Tür ins Haus, sondern fragte gezielt drumherum, bis man von sich aus erzählte, was einem auf dem Herzen lag. Ich kannte viele seiner Fragen von unseren Sitzungen und freute mich, dass Erik Vertrauen zu ihm aufbaute. Er entspannte sich mehr und mehr. Sein Griff um meinen Arm wurde immer lockerer und irgendwann löste er ihn sogar ganz. Er war mit Emanuel richtig in ein Gespräch vertieft. So viel habe ich die letzten Tage nicht von ihm gehört.

»Das klingt doch alles sehr vielversprechend. Erik, wenn du magst, würde ich mich freuen, dich weiterhin begleiten zu dürfen. Aber ich müsste dir Toni kurz mal entführen.« Er war damit einverstanden und wir gingen ins Nebenzimmer.

»Also, nach meiner Einschätzung wird es zwar einige Sitzungen brauchen, aber ich glaube, er hat, wie du damals, gute Chancen, dass er es schaffen wird. Hat er ein sicheres Umfeld, wo er für die Zeit unterkommen könnte?«, wollte Emanuel von mir wissen.
»Puh, keine Ahnung. Ich kenne ihn selbst erst einen Tag und was ich so rausgehört habe, gibt es aktuell niemanden.«
»Ok, hmm.« Er überlegte. »Toni, ich weiß, das könnte viel verlangt sein. Du hast es selbst durchgemacht, aber dir scheint er zu vertrauen. Hast du eventuell die Möglichkeit, dich um ihn zu kümmern?«

Ich habe tatsächlich auch schon darüber nachgedacht, weil mir der Gedanke keine Ruhe ließ, ihn einfach wieder wegzuschicken.
»Naja, den Platz hätte ich schon, aber denkst du, er würde freiwillig zu einem Fremden ziehen? Außerdem bin ich den ganzen Tag im Studio beschäftigt. Was soll ich dann mit ihm machen?«, erläuterte ich meine Bedenken.
»Wir müssten ihn fragen und nimm ihn doch einfach mit. Ein wenig Sport könnte ihn ablenken. Hat dir damals auch geholfen und ein Selbstverteidigungskurs kann sicher auch nicht schaden. Es würde sein Selbstvertrauen stärken. Vielleicht redest du auch mal mit ihm über deine Erfahrungen, dann merkt er, dass er nicht allein ist.«
»Na gut, dann lass uns mal hören, was er davon hält. Ein Versuch kann nicht schaden.«, schlug ich vor und wir gingen wieder zu Erik.

Emanuel nahm wieder seinen Platz gegenüber von Erik ein und ich lehnte mich in den Türrahmen.
»Hast du jemanden, bei dem du die nächste Zeit unterkommen kannst, für die Zeit der Therapie?«, aber Erik schüttelte nur den Kopf und verneinte. Danach sah er mich mit großen Augen an.
»Könntest du dir vorstellen, so lange bei mir zu wohnen?«, fragte ich ihn und davon war er sofort begeistert. »Ok, dann machen wir das so, aber gleich vorweg – nur als Mitbewohner. Keine versuchten Liebesdienste mehr aus Dankbarkeit.« Dafür bekam ich von Manu einen überraschten Blick und Erik wurde verlegen, aber war damit einverstanden.
Wir verabschiedeten uns von Emanuel und dieser gab Erik die ersten Termine für seine Sitzungen, bevor wir uns mit dem Auto auf den Heimweg machten.

»Danke, dass du das alles für mich machst.«, sagte Erik schüchtern.
»Lass es mich nur nicht bereuen. Du wirst bei mir kein Gefangener sein und ich kann dich nicht rund um die Uhr überwachen, daher brauchen wir auch ein paar Regeln. Ich möchte, dass du mir sagst, wenn du die Wohnung verlässt. Du musst mir nicht detailliert erklären, was du vorhast, aber ich möchte mir keine Sorgen machen, wo du steckst. Weiterhin möchte ich, dass du mich ins Studio begleitest. Du kannst dort mittrainieren und auch an meinem Selbstverteidigungskurs teilnehmen. Das schenkt dir neues Selbstvertrauen. Die wichtigste Regel von allen: Halt dich von solchen Wichsern wie Ali fern. Falls dich jemand bedrängen sollte, ruf mich sofort an. Das wäre es auch schon. Abgemacht?«
Das Wort „Regeln“ hörte er nicht gerne, aber dennoch versicherte er mir, sich daran zu halten. Im Gegensatz zu seinen alten waren diese auch harmlos.

Meinen Trainingsraum funktionierten wir zu seinem Zimmer um. Damit hatte er einen eigenen Bereich, wenn er sich tagsüber einmal zurückziehen wollte und natürlich zum Schlafen. Eine Schlafcouch stand sogar auch drin, also brauchte ich nicht extra ein Bett kaufen. Einen großen Schrank hatte ich noch im Schlafzimmer stehen. Damit er etwas Geld verdienen konnte, stellten ihnen meine beiden Bosse für kleinere Hilfsjobs ein. Im Studio half er beim Aufräumen und im Club konnte ihn Fabian gut hinter der Bar gebrauchen. Da musste ich mir auch keine Sorgen machen, dass ihm etwas passierte.

Die ersten Wochen mit ihm waren äußerst herausfordernd. Ihm brauchte nur etwas runterzufallen, da zuckte er schon zusammen und erwartete Schläge. Als er beim Staubwischen aus Versehen eine Vase zerbrach, hat er sich aus Angst in seinem Zimmer eingeschlossen. Ich brauchte Stunden und viele tröstende Worte, bis er sich wieder aus dem Zimmer traute. Seine Entschuldigungen wegen jeder Kleinigkeit brachten mich öfter an meine nervlichen Grenzen. Aber er war absolut kein Taugenichts, der nur faul auf seinem Hintern herumsaß. Wenn man die kleinen Dinge ausblendete, war das Zusammenleben mit ihm durchaus sehr angenehm. 

Anfangs wich er kaum von meiner Seite, doch beim Selbstverteidigungskurs machte er deutliche Fortschritte. Dank der richtigen Techniken konnte sogar jemand wie er es schaffen, mich auf die Matte zu werfen. Zu den ersten beiden Sitzungen begleitete ich ihn noch zu Emanuel, doch zur dritten sollte er zum ersten Mal allein gehen. Natürlich war ich an dem Tag nicht weniger nervös als er, aber Emanuel schrieb mir, dass er gut bei ihm ankam. Damit war auch ich beruhigt und konnte meiner Arbeit nachgehen.

Es ging immer weiter bergauf. Nicht nur, dass er sich wieder traute, allein auf die Straße zu gehen, sondern auch zwischen uns wurde es nach und nach ruhiger. Ich musste nicht mehr aufpassen, was und wie ich etwas sagte. Auch kleine Scherze oder Anspielungen nahm er nun an und konterte. Wenn ihm nun ein Missgeschick passierte, musste er selbst drüber lachen. Jetzt, wo er vernünftig aß und regelmäßig Sport trieb, sah man erst, wie hübsch er in Wirklichkeit war. Den abgemagerten, verängstigten Jungen gab es nicht mehr. Er hatte mittlerweile einen schönen, definierten Körper bekommen, den er mir jedes Mal, wenn er aus dem Bad kam, unter die Nase rieb. Ich verfluchte ihn immer wieder, wenn er nur in engen Boxershorts in der Wohnung rumlief. Nur seine Mähne und sein Bart sahen noch etwas verwildert aus. Er hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit Tarzan. Es fehlte nur noch die Lendenshorts. Ich wollte ihm aber nichts sagen, um ihn zu verunsichern.

Doch das übernahm dafür Monika, eine Freundin von mir. Sie kam uns sonntags auf einen Kaffee besuchen, weil sie neugierig auf meinen neuen Mitbewohner war und als wir in der Küche zusammensaßen, ließ sie die Bombe einfach platzen.
»Erik, Sweety, willst du morgen nicht mal bei mir im Salon vorbeischauen, damit wir deinen Unfall auf dem Kopf mal in Form bringen? Du hast so ein hübsches Gesicht und lässt es so verwildern. Das ist eine richtige Schande.«, meinte sie toternst und ich musste aufpassen, dass ich meinen Kaffee nicht zurück in die Tasse spuckte. Ich habe schon befürchtet, er nimmt seine Verteidigungsposition wieder ein und zieht sich zurück, aber nichts dergleichen.
»Meinst du echt? Das wäre cool, aber ich muss um 14 Uhr im Studio sein. Passt das?«, sagte er etwas verlegen und wurde sogar leicht rot.

Ich dachte, ich höre nicht richtig, aber ich denke auch, dass es ein Schritt in die richtige Richtung wäre. Die beiden quasselten nun den ganzen Tag über mögliche Frisuren und Monika fummelte an seinen Haaren rum. Ich war echt neugierig, was sie aus dem Kleinen machen würde.

Am nächsten Tag war ich gerade an der Hantelbank am Trainieren, als sich ein hübscher Kerl in mein Blickfeld schob und mich anstrahlte. Erst beim zweiten Blick fiel mir auf, dass es Erik war. Sein Anblick brachte mich kurz aus der Fassung und mir wäre fast die Langhantel aus der Hand gerutscht.
»Hey, Großer«, begrüßte er mich. »Und was sagst du dazu?«
Ich war sprachlos. Wo war Tarzan hin? Vor mir stand ein atemberaubend hübscher junger Mann mit moderner Undercut-Frisur und einem in Form gebrachten 7-Tage-Bart. Seine blauen Augen funkelten und sein Lächeln erst.

»Fuck, kann ich nicht ein paar Jahre jünger sein?«, dachte ich mir. Vor mir stand ein absoluter Traumtyp.
»Gefällt es dir nicht?«, holte er mich aus meinen Gedanken, welche ich sehr schnell wieder beiseiteschob.
»Sorry, doch und wie. Du siehst klasse aus. Jetzt wirst du hier und allen im Club den Kopf verdrehen.«, gab ich ihm schnell ein positives Feedback. Ich konnte schlecht sagen, dass er verdammt heiß aussah und mir gerade den Kopf verdrehte, aber das tat er in Kombination mit seinem Trainingsoutfit. Sein Lächeln wurde danach noch breiter und er machte sich selbst ans Training. 

Es wurde immer mehr zu einer süßen Qual, wenn er aus dem Badezimmer kam. Immer mehr Fortschritte waren an seinem Körper sichtbar und aus dem Jungen ist ein atemberaubender, erwachsener Mann geworden. Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich anfing, ihn zu mustern. Danach fühlte ich mich sofort schlecht, dass ich ihn so ansah. Es kam mir manchmal auch so vor, als würde er sich mit Absicht so vor mir strecken und dehnen. Ich hatte das Bild von ihm öfter als mir lieb war vor Augen, wenn ich mich selbst befriedigte.

Emanuel hatte bisher reife Arbeit geleistet und Erik hatte sich tatsächlich komplett erholt. Bei seinen Fortschritten machte ich mir eher Sorgen um denjenigen, der sich mit ihm anlegte. Er strotzte vor Selbstbewusstsein und von dem alten Erik war keine Spur mehr. Doch als ich eines Abends nach Hause kam, fand ich ihn zitternd auf dem Wohnzimmerboden sitzen. In den Händen hielt er einen Brief und das Logo ließ sofort erkennen, worum es sich handelte. Es war die Vorladung zur Gerichtsverhandlung von Ali und wir mussten beide als Zeugen aussagen. Uns beiden war klar, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Als die einstweilige Verfügung damals ausgesprochen wurde, informierte man uns bereits, dass es zur Verhandlung kommen würde. Mich hat es eher gewundert, dass er sich tatsächlich an diese Anordnung gehalten hatte und wir ihn nie wieder zu Gesicht bekamen. Gemeinsam würden wir es aber schaffen, auch diesen Schritt zu bestreiten.

Am Tag der Verhandlung zogen wir uns beide ein weißes Hemd mit Anzugshose an. Meine war mir etwas knapp geworden und spannte etwas an den Oberschenkeln, aber für das eine Mal wird sie noch ausreichen. Als ich aus dem Schlafzimmer kam, stand mir Erik gegenüber und Scheiße, sah er sexy aus. Nicht nur das, er nahm mich plötzlich in den Arm. An seine unauffälligen kleinen Berührungen war ich mittlerweile gewöhnt, oder die freundschaftlichen Schulterklopfer, aber das hier war neu. Wieso machte mich diese Nähe nur so an? Ich versuchte, an schreckliche Dinge zu denken. Hässliche. Eklige Dinge, aber es half nichts. In diesem Moment verfluchte ich Mutter Natur, mich mit so einem Schwanz ausgestattet zu haben. 21 Zentimeter versteckt man nicht mal so einfach. Erst recht nicht bei einem Durchmesser von sechs Zentimetern in einer Anzugshose, welche eine Nummer zu klein war.

»Toni, ich habe Angst. Sag mir bitte, dass alles gut wird.«, sagte Erik leise an meiner Schulter und ich zog ihn ein wenig von mir weg und sah ihn an.
»Alles wird gut und jetzt komm, wir müssen echt los, sonst kommen wir zu spät.«
Zwar hatten wir noch genügend Zeit, aber ich musste schnell Abstand gewinnen und hoffte, er hatte nichts bemerkt.

Je näher wir dem Gerichtsgebäude kamen, desto nervöser wurde Erik. Ich musste ihn sogar an die Hand nehmen und ins Gebäude zerren, sonst wäre er mir davongelaufen. Er brach mir fast die Hand, als wir im Gerichtssaal saßen und darauf warteten, dass die Verhandlung endlich begann. Da brachten sie Ali rein. Mich hat er sofort erkannt, aber als er Erik sah, konnte man ihm seine Verwunderung ansehen. Er hätte wohl niemals erwartet, was aus dem Kleinen einmal werden würde. Die Verhandlung begann und wir beide machten nacheinander unsere Zeugenaussage. Ali tobte dabei und hätte uns am liebsten in der Luft zerrissen.

»Ich bring dich Schwein um und wenn ich es nicht schaffe, werde ich jemanden finden, der es für mich erledigt.«, brüllte er mir entgegen.
»Und du kleiner Wichser magst zwar jetzt anders aussehen, aber trotzdem bist du noch immer die kleine, dreckige Bitch, mit der ich alles machen konnte, was ich wollte.«, galt sein Zorn nun Erik.
Am liebsten hätte ich ihm eigenhändig den Kopf umgedreht, aber das sollte man vor Gericht besser lassen. Es kostete mich einiges an Selbstbeherrschung, ruhig auf meinem Platz sitzen zu bleiben. Die Genugtuung erfolgte aber kurz darauf, als die Richterin das Urteil verkündete. Acht Jahre Haft, ohne Bewährung. Unser Verfahren war nicht das erste, das sie wegen Ali führen musste. Schon mehrfach stand er wegen Körperverletzung vor Gericht und stand sogar schon unter Bewährung. Diesmal ließ sie aufgrund der Schwere keine Gnade walten. Ich konnte mir mein Grinsen nicht verkneifen. Am Ende bekam doch jeder das, was er verdiente.

»Dein dämliches Grinsen wird dir noch vergehen. An eurer Stelle würde ich ab sofort nur noch mit offenen Augen schlafen. Ich kriege euch, Wichser.«, gab uns Ali noch mit auf den Weg.
Ich ließ mich davon nicht beeindrucken und wir verließen den Gerichtssaal. Wir waren ihn los. Zumindest für acht Jahre und so dämlich, wie dieser Kerl war, würde er es schaffen, diese Strafe zu verlängern.

Zur Feier des Tages lud ich Erik zu einem Essen bei meinem Lieblingsitaliener ein. Perfekt dafür angezogen waren wir und verdient haben wir es auch. Seit wir das Gerichtsgebäude verlassen haben, ist er still und nachdenklich. Wirklich zu freuen, scheint er sich auch nicht über das Urteil. So bestellten wir erstmal unser Essen und die Getränke.

»Ist alles ok? Du wirkst so nachdenklich. Wir haben vor dem Kerl nichts mehr zu befürchten. Der ist nun erst einmal weg vom Fenster.«
»Geht so, seine Drohungen waren schon sehr eindringlich. Bist du dir da sicher?«, fragte er und schaute mich verunsichert an.
»Ich denke schon. Er wollte uns nur Angst machen. So ein großer Fisch ist der Typ nicht, dass er Auftragskiller an der Hand hat und selbst wenn, ich passe auf dich auf.«, versuchte ich, Erik zu beruhigen und er schaffte es, ein kleines Lächeln hervorzubringen.

Da kam auch schon unsere Vorspeise und wir waren beide so hungrig, dass wir sie in Windeseile vertilgt hatten. Das Essen allgemein war sehr gut und wir diskutierten noch lange über Alis Worte. So ganz ließ es Erik nicht kalt, doch zwischen Körperverletzung und Mord liegt ein gewaltiger Unterschied. Soweit würde selbst dieses Spatzenhirn nicht gehen. Da war ich mir sicher.  

Als wir wieder zu Hause waren, hatte ich Erik endlich davon überzeugt, dass er sich keine Sorgen machen musste. Wir würden schauen, was die nächsten Tage und Wochen bringen und dann weitersehen. Ich für meinen Teil wollte nur endlich aus diesen Klamotten raus und verschwand mit einer frischen Boxershorts im Bad.

»Gute Nacht, Kleiner.«, wünschte ich ihm, als ich frisch geduscht aus dem Bad kam. Er lag noch auf dem Sofa und daddelte an seinem Handy rum. Im Gegensatz zu mir mustert er mich immer, wenn ich mal leicht bekleidet herumlief. Aber er war von meinen Tätowierungen fasziniert. Zumindest sagt er das immer.
»Nacht, Toni«, erwiderte er und ich verschwand im Schlafzimmer.
Ganz so müde war ich dann doch noch nicht und entschloss mich, noch ein bisschen meinen Thriller zu lesen. Erik war kurz drauf auch im Bad verschwunden und danach konnte ich hören, wie auch er in sein Zimmer verschwand. Aus einem Kapitel wurden am Ende doch drei und nun wollte ich wirklich schlafen. Ich legte das Buch auf den Nachttisch, schaltete das Licht aus und drehte mich auf die Seite.

Viel hätte nicht gefehlt und ich wäre weg gewesen, aber da spürte ich, wie sich die Bettdecke anhob und sich jemand von hinten an mich anschmiegte. Bis auf die zweite Nacht hatte er es nicht wieder versucht, da ich ihm klarmachte, dass er diese Grenze nie wieder überschreiten sollte.

»Erik, was soll das?«, sagte ich und drehte mich zu ihm um. Er muss gedacht haben, dass ich schon schlafe und hat sich dermaßen erschrocken, dass er fast aus dem Bett fiel, als er von mir wegsprang. Ich schaltete wieder das Nachtlicht an und er sah so traurig aus.
»Du weißt doch, was wir vereinbart hatten.«, versuchte ich, ihn nett rauszuschmeißen, weil ich genau wusste, was seine Nähe bei mir anrichtete.
»Ich weiß«, sagte er niedergeschlagen. »Aber bitte, Toni, wirklich nur heute. Mich hat das alles echt fertig gemacht und ich möchte nicht allein sein. Bitte, darf ich?«

Ich verstehe nicht, wieso er es immer wieder schaffte, mich weichzuklopfen. Vielleicht lag es daran, dass ich genau wusste, wie elend ich mich damals nach der Verhandlung fühlte und mir auch gewünscht hätte, dass jemand da gewesen wäre. Mein Verstand sagte mir, es wäre das Beste gewesen, ihn wegzuschicken, aber ich brachte es einfach nicht über das Herz.

»Na los, komm schon, aber nur heute.«, sagte ich und hob die Bettdecke an. Aber statt sich nur neben mich zu legen, sprang er in meine Arme, kuschelte sich eng an mich und legte seinen Kopf auf meine Brust.
»Danke. Ich bin so froh, dass ich dich habe.«, murmelte er vor sich hin und schlief seelenruhig ein.

Im Gegensatz zu ihm war ich nun hellwach und mir gingen drei Dinge durch den Kopf. Zum Glück hatte ich meine Boxershorts angelassen, denn normalerweise schlief ich nackt. Warum hatte er nicht wenigstens ein T-Shirt angezogen und ließ es zu, dass ich seine warme, weiche Haut an mir und unter meinen Handflächen spüren durfte? Und viel schlimmer noch: Warum gefiel es mir so sehr, seine Nähe zu spüren, dass ich ihn am liebsten noch enger an mich pressen würde?

Ich lag wach und meine Gefühle fuhren Achterbahn. Der Gedanke, aufzustehen, war da, aber einerseits umklammerte er mich so stark, dass ich niemals weggekommen wäre, und andererseits genoss ich das Gefühl, nach so langer Zeit einem Menschen mal wieder so nahe zu sein. Ich versuchte, mir alles einzureden, wie so oft, wenn diese Gefühle in mir hochkamen.

»Du bist viel zu alt für ihn. Er braucht dich als Freund und nicht als seinen Freund. Am Ende vermasselst du es doch sowieso wieder.«, sagte ich zu mir selbst, aber sobald er sich bewegte und sogar seine Hand auf meine andere Brust legte, kribbelte es in meinem gesamten Körper. Nein, es durfte nicht passieren!
Irgendwann mussten mir vor Müdigkeit die Augen zugefallen sein. Zumindest hoffte ich das. Ich träumte doch tatsächlich, dass ich mit ihm geschlafen hätte und er mich die ganze Zeit dabei küsste. Der Traum verstärkte nur meine Gefühle zu ihm. 

Nur als ich die Augen öffnete, war Erik schon aufgestanden und zur Absicherung schaute ich unter die Bettdecke. Ich war erleichtert, dass meine Shorts noch an ihrem Platz war, aber dafür schrie etwas anderes nach meiner Aufmerksamkeit.
Ich schlich mich schnell ins Bad unter die Dusche und musste mir Erleichterung verschaffen. Ich schämte mich, dass ich dabei an Erik dachte, aber er kam wie automatisch in meine Gedanken. Nachdem ich angezogen aus dem Bad kam, stand wie jeden Morgen frischer Kaffee auf dem Küchentisch und Erik saß wie jeden Morgen dort und scrollte durch sein Handy.

»Guten Morgen«, begrüßte er mich. »Danke, dass ich gestern bei dir schlafen durfte. Ich weiß, du möchtest es nicht, aber ich bin in meinem Zimmer fast wahnsinnig geworden.«, erklärte er.
»Ist schon ok, aber heute schläfst du wieder bei dir.«, stellte ich klar.
Kam es mir nur so vor, oder war er darüber enttäuscht? Egal, ich musste die Grenze für uns beide setzen. Es geht nicht anders. Sehnsucht hin oder her.

Mehr haben wir über diese Nacht nicht gesprochen. Alles blieb beim Alten, zumindest oberflächlich. Ich war mir nun bewusst, dass ich tatsächlich Gefühle für ihn entwickelt hatte. Gefühle für meinen liebenswerten, hübschen, jungen Mitbewohner, welche von Tag zu Tag schwerer wurden zu unterdrücken. Manchmal erwischte er mich dabei, wenn ich ihn heimlich ansah. Nicht aus Begierde, sondern aus Sehnsucht nach seiner Nähe. Er wurde in meinen Träumen ein fester Bestandteil. Genauso lag ich im Bett und wünschte mir, dass er zur Tür reinkam, weil er nicht schlafen konnte. Ich weiß, dass es bescheuert war und was auf dem Spiel stand, aber ich konnte es nicht abstellen. Es ging sogar so weit, dass ich mir wünschte, er würde jemand anderen kennenlernen. Potenzielle Verehrer hatte er reichlich. Viele Kunden im Studio und Kerle im Club fingen an mit ihm zu flirten, aber er ging nie darauf ein.

So vergingen weitere Wochen und ich riss mich, so gut es ging, zusammen. Nie ließ ich mir etwas anmerken und blieb so unauffällig wie nur möglich. Jeden Tag trainierten wir gemeinsam und auch eine Ausbildung zum Personal Trainer fing er an, genau wie ich damals. An dem Selbstverteidigungskurs nimmt er nur noch teil, damit er mich dabei unterstützen konnte oder um den Teilnehmer vorzuführen, wie die Griffe funktionierten. Mit Leichtigkeit schaffte er es, mich auf die Matte zu befördern. Es könnte daran liegen, dass er mich mit seinen Berührungen aus der Fassung brachte, oder er verdammt stark geworden ist.

Die offene Rechnung

Zum Feierabend waren wir zwei immer die Letzten im Studio. Wir räumten gemeinsam auf. Kontrollierten, ob auch wirklich alle Leute verschwunden waren und schoben noch eine Trainingseinheit ein. Entweder gemeinsam oder ich allein. Nachdem wir heute fertig waren, wollte Erik nach Hause und noch etwas lernen für seine anstehende Prüfung. Wir verabschiedeten uns und unsere Wege trennten sich. Ich machte mich auf zur Hantelbank und steckte mir auf dem Weg die Kopfhörer in die Ohren, bevor ich die Gewichte auflegte. Dann konnte es losgehen. Beim ersten Set kam es mir vor, dass ich eine Bewegung wahrnahm und unterbrach. Aber als ich mich umblickte, konnte ich niemanden sehen, auch auf meine Rufe reagierte niemand. Ich lehnte mich also wieder zurück und begann, das Set zu wiederholen.

Gerade als ich die Langhantel über meinem Brustkorb hatte, legte sich eine Schlinge fest um meinen Hals und mein Kopf wurde nach hinten auf die Hantelbank gezogen. Vor Panik wäre mir die Halte fast ausgekommen. Dazwischen greifen konnte ich nicht, denn dann würden die Gewichte meinen Oberkörper zertrümmern. Mit letzter Kraft schaffte ich es, noch eine Seite einzuhaken, aber die andere fiel herunter und traf mich auf den rechten Brustkorb. Ein Schmerz schoss durch meinen Körper und die Luft wurde allmählich knapp. Ich rang nach Luft und immer mehr Panik machte sich in mir breit, als ich es nicht schaffte, mit den Fingern unter die Schlinge zu gelangen. Zu lang schnürte man mir bereits die Luft ab und mir wurde schwarz vor Augen. Sollte das jetzt mein Ende sein? 

Alles war dunkel und ich fühlte mich leicht. Ein leises, regelmäßiges Piepen im Hintergrund und Eriks Stimme. Direkt hatte ich sein Bild vor Augen, wie er mich aus seinen wunderschönen Augen ansah.
»Ich liebe dich so sehr«, sagte er immer wieder und hielt dabei meine Hand »Lass mich nicht allein, damit ich es dir endlich sagen kann. Bitte komm zurück.«, flehte er, aber ich war so unsagbar müde. So wurde wieder alles dunkel und still.

Als ich wieder zu mir kam, durchfuhr ein gewaltiger Schmerz meinen Brustkorb, wenn ich einatmete. Doch da war noch etwas. Streichelte da tatsächlich jemand meinen Arm? Meine Augen waren noch immer schwer, aber ich schaffte es tatsächlich, sie einen Spalt zu öffnen. Das Bild war unscharf, aber den Blondschopf würde ich immer erkennen. Es konnte nur Erik sein. Nach und nach bekam ich sie weiter auf und das Bild wurde klarer. Ja, es war tatsächlich Erik, der mit seinen Fingerspitzen die Muster an meinem Arm entlang strich. Er lag mit dem Kopf auf meinem Bett und ihm liefen stumm die Tränen über sein hübsches Gesicht.

»Hey, Kleiner.«, versuchte ich zu sagen, doch ich brachte keinen Ton heraus.
Bewegen konnte ich mich auch nicht, da mein Körper sich so schwer anfühlte. Aber ich wollte mich unbedingt bemerkbar machen. Ich konzentrierte mich nur auf meinen Zeigefinger und schaffte es, ihn ganz leicht zu bewegen. Er erschrak, aber griff direkt nach meiner Hand und schaute mir ins Gesicht.
»Oh mein Gott. Toni, bist du wach?«

Jetzt liefen noch mehr Tränen über seine Wange, als ich versuchte, zu nicken. In der nächsten Sekunde fiel er mir um den Hals. Scheiße, tat das weh, und mir entwich ein schmerzhaftes Keuchen. Er sprang sofort zurück und drückte wild auf den Knopf, um jemanden vom Pflegepersonal zu rufen.
»Es tut mir leid. Ich wollte dir nicht wehtun, aber du bist endlich wieder wach. Ich hatte solche Angst um dich«, brabbelte er schnell vor sich hin.
»Was ist passiert?«, wollte ich ihn fragen, aber außer ein paar seltsame Laute brachte ich nicht heraus.
Da stand auch schon eine Schwester in der Tür und als sie sah, dass ich wach war, verschwand sie direkt wieder.

Kurz darauf kam sie mit einem Arzt zurück und die Schwester gab mir etwas zu trinken. Man tat das gut, als das Wasser meine trockene Kehle hinunterlief.
»Willkommen zurück unter den Lebenden«, meinte der Arzt. »Lassen Sie mich mal sehen.«
Damit fing er an, mich zu untersuchen und wechselte die Verbände.
»Die Wunde schaut gut aus. Sie haben sich zwei Rippen gebrochen, welche wir richten mussten, damit nichts Schlimmeres passiert. Außerdem hatten sie noch einen Herzstillstand, aber auch davon haben sie sich wieder erholt.«, erklärte er.

Ich versuchte, wieder etwas zu sagen, aber bekam weiterhin nur Krächzen heraus.
»Strengen Sie sich nicht zu sehr an. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis sie wieder normal sprechen können. Ihr Angreifer hat ihren Kehlkopf schlimm zugerichtet und dieser muss erst wieder abschwellen. Haben Sie einfach ein bisschen Geduld.«
Herzstillstand? Angreifer? Wer war das? Ich will endlich wissen, was geschehen ist.
»Gute Besserung und wenn die Schmerzen zu schlimm werden, klingeln Sie einfach, dann gibt Ihnen die Schwester ein Schmerzmittel.«, sagte er abschließend und verließ das Zimmer.

Die ganze Prozedur hatte mir meine wenige Kraft geraubt und ich wurde wieder müde. Erik gab mir noch einen Schluck zu trinken und dann war ich wieder weg. Am Morgen wurden wir beide von der Visite geweckt. So wie Erik aussah, hat er die letzte Zeit nicht viel Schlaf bekommen. Auch wenn ich neugierig war und endlich wissen wollte, was passiert war, machte ich mir wie immer mehr Sorgen um ihn. Im Gegensatz zu gestern konnte ich meine Arme schon besser bewegen und hatte die Kontrolle wieder. Meine Stimme leider noch nicht. Ich bat daher die Schwester mit einfachster Körpersprache um einen Block und einen Stift, welche sie mir gleich darauf brachte.

»Du gehst jetzt nach Hause und schläfst dich aus. Iss was Gescheites und dann kommst du morgen wieder. Verstanden?», schrieb ich auf den Zettel und hielt ihn Erik unter die Nase.
»Nein, ich bleibe so lange hier, bis es dir wieder besser geht!«, meinte er, verschränkte die Arme und saß trotzig auf dem Stuhl.
»Doch das machst du, sonst schreibe ich Emanuel und lasse dich hier abholen! Keine Sorge, ich habe hier genug Aufpasser, welche sich um mich kümmern.«, schrieb ich ihm eindringlich auf den Zettel und setzte einen strengen Blick auf.

Er wusste, dass ich es ernst meinte und gab sich geschlagen. Ich bekam noch eine Umarmung und dann schlich er langsam aus dem Zimmer. Als ich sicher sein konnte, dass er weg war, klingelte ich nach einer Schwester. Wie bei Erik zuvor schrieb ich ihr auf, ob ich nicht selbst auf die Toilette gehen und man den Katheter entfernen könnte. Der brannte wie Feuer. Sie klärte es noch mit dem Arzt ab und nachdem wir getestet hatten, dass ich es schaffte, mich auf den Beinen zu halten, konnte er zum Glück raus. Es war unangenehm, aber befreiend, als das Teil endlich draußen war. Den Anblick wollte ich Erik sehr gerne ersparen.

»So, ich habe mir jetzt was zu essen gemacht und lege mich danach etwas hin. Geht’s dir gut?«, schrieb mir Erik und ich versicherte ihm, dass bei mir alles in Ordnung ist.
Am Nachmittag kam auch wieder jemand, um mich durchzuchecken. Er ging mit mir eine kleine Runde und es sah alles gut aus. Auch sollte ich versuchen, zu sprechen und es war nicht laut, aber flüstern funktionierte ein wenig. Ich sollte es weiterhin versuchen, viel trinken, aber nicht übertreiben.

Mich wunderte es nicht, dass Erik noch am Abend wieder auftauchte. Wie heute Morgen bekam ich eine Umarmung und er zog sich einen Stuhl an mein Bett.
»Hey, du müffelst ja gar nicht mehr, aber du siehst noch immer müde aus. Hast du geschlafen, Kleiner?«, schrieb ich auf einen Zettel, den ich ihm unter die Nase hielt, als er sich setzte. Tatsächlich bekam ich ein Lächeln, was ich schon schaffte zu erwidern.
»Eine Dusche hättest du auch dringend mal nötig«, stichelte er, aber da hatte er sogar recht. »Geschlafen habe ich etwas, aber nicht viel. Ich mache mir Sorgen um dich.« und er bekam wieder einen strafenden Blick von mir.

»Dann erzähl mir mal, was da im Studio passiert ist.«, war meine nächste Nachricht. Sein Blick wurde sofort wieder finster und seine Augen wässrig.
»Es ist alles meine Schuld. Toni, es tut mir so wahnsinnig leid. Wenn es mich nicht gäbe, wäre dir das niemals zugestoßen«, wiederholte er in Dauerschleife und krallte sich in meine Hand.
»Schon gut, aber was ging da nun ab?«, presste ich hervor, weil er meine Hand nicht loslassen wollte.
Dass ich wieder sprechen konnte, riss ihn aus seiner Spirale und er sah mich mit großen Augen an. Mit meiner anderen Hand machte ich die Bewegung, dass er bitte weitererzählen sollte.

»Alis Bruder muss sich irgendwo im Gebäude versteckt haben. Ich war schon auf halbem Weg nach Hause, als ich merkte, dass mein Schlüssel noch im Spind lag, und ging zurück zum Studio, um ihn zu holen. Bevor ich wieder ging, wollte ich nochmal kurz zu dir, ob du vielleicht Hilfe beim Training brauchst. Da sah ich nur, wie er hinter dir kniete und dir das Gewicht ausgekommen ist. Ich setzte ihn so schnell wie nur möglich außer Gefecht, aber du warst bewusstlos und hattest kaum noch Puls. Da rief ich schnell die Rettung und die Polizei. Die nahmen mich auch gleich mit aufs Revier und ich machte meine Aussage. Danach kam ich sofort ins Krankenhaus. Du warst fast fünf Tage bewusstlos. Es tut mir einfach so leid. Hättest du mich besser damals einfach liegen lassen, dann wäre dir das niemals zugestoßen. Nur weil du für mich da warst, liegst du jetzt hier und wärst fast gestorben.«

Oh, er weinte so bitterlich, weil er sich solche Vorwürfe machte. Ich hingegen war so stolz auf ihn. Ich kannte Alis Bruder. Er war genauso ein Schrank wie ich und den hatte mein Kleiner überwältigt. Er hat mir das Leben gerettet. Mir!
Ich gab Erik zu verstehen, dass er etwas näherkommen sollte, und er stand sofort auf. Ich zog ihn zu mir herunter, bis sein Ohr dicht an meinem Mund war.
»Ich bin mächtig stolz auf dich, mein Kleiner. Danke, dass du mir das Leben gerettet hast.«, flüsterte ich so laut ich konnte.

Eine seiner Tränen tropfte auf meine Wange und statt einer Antwort drehte er plötzlich seinen Kopf und legte seine Lippen auf meine. Es war eine Kurzschlussreaktion, denn so schnell, wie er mich küsste, sprang er auch wieder von mir weg.
»Sorry, dass … Ich weiß, dass du das nicht möchtest, aber ich hatte so schreckliche Angst, dass ich dich verliere.« Quasselte er schnell vor sich hin.
Eine Möglichkeit gab es noch, damit er endlich einmal schlafen konnte. Ich schnappte mir den Block. »Kuscheln?«, schrieb ich und drehte ihn um.
»Dein Ernst?«, fragte er mich erstaunt.
»Mindestens das hat sich mein Held verdient«, krächzte ich mehr schlecht als recht und rutschte ein Stück zur Seite. »Aber bitte vorsichtig«, schob ich noch schnell nach, weil er immer so stürmisch war.

Ganz vorsichtig legte er sich neben mich und senkte seinen Kopf auf meine nicht angeschlagene Brust. Auch ich legte meinen Arm um ihn und streichelte seinen Rücken. Jetzt wurde er ruhig und hörte auch auf zu schluchzen. Auch ich genoss einfach seine Nähe und war nur froh, dass die Decke schwer genug war, um meinen wachsenden Schritt vor ihm zu verbergen.
»Du musst echt mal duschen gehen«, neckte er mich leise.
»Ich habe eine gute Ausrede dafür, aber du kannst dich auch wieder auf den Stuhl setzen, wenn du willst.«
Doch er blieb und viel Schlaf muss er den Tag über nicht bekommen haben, denn kurz drauf hörte ich ihn leise und gleichmäßig atmen. Er bemerkte nicht einmal die Nachtschwester, als sie ins Zimmer kam und nur das Nötigste bei mir checkte, bevor sie wieder mit einem Lächeln das Zimmer verließ.

Mit mir ging es schnell bergauf und auch die Wunde verheilte wie gewünscht. Es gab keinen Grund mehr, mich weiter im Krankenhaus zu behalten und ich muss gestehen, dass ich mich wieder auf mein eigenes Bett freute. Erik versprach dem Arzt, dass er mich genau beobachten würde und sich um mich kümmert, bis ich wieder komplett gesund wäre. Auch er wusste, dass Erik die Nächte mit bei mir im Bett schlief. Wir waren eines der Top-Gesprächsthemen auf der Station, obwohl ich der Schwester immer versicherte, dass wir nur gut befreundet und Mitbewohner wären.
»Ich glaube ihnen, dass sie sich sehr gut um ihren Partner kümmern werden«, sagte auch der Arzt.
»Wir sind nur Mitbewohner und gute Freunde, aber ich denke, ich bin in den besten Händen«, erklärte ich ihm und Erik sagte dazu kein Wort.
Dann durften wir endlich gehen. Ich hatte genug von Krankenhäusern für die nächste Zeit.

Die erste Amtshandlung daheim war eine ausgedehnte Dusche und meinen Bart wieder auf die gewohnten drei Millimeter zu bringen. Er nervte mich schon selbst. Auch die restlichen Körperhaare stutzte ich gleich mit. Es war eine Wohltat und ich fühlte mich wie ein neuer Mensch, als ich aus dem Bad kam. In der Zwischenzeit hatte Erik für uns gekocht und es schmeckte einfach herrlich. Wir verbrachten den Rest des Tages auf der Couch und schauten eine Serie. Immer wenn ich aufstehen wollte, sprang Erik sofort hoch und fragte, was ich bräuchte. Mir etwas zu bringen war noch in Ordnung und er kümmerte sich wirklich lieb um mich, aber auf die Toilette wollte ich ihn nicht mitnehmen.

»Sorry, Kleiner, aber ich muss aufs Klo. Das schaffe ich allein und danach werde ich mich ins Bett verkriechen.«, sagte ich und ging austreten.
Direkt danach fing er mich nur in Shorts bekleidet an der Tür ab.
»Ich weiß, wir sind nur Mitbewohner, aber darf ich wenigstens weiterhin bei dir schlafen, bis du komplett fit bist? Ich habe dem Arzt doch versprochen, auf dich aufzupassen.«, sagte er und schaute mich wieder mit seinem Hundeblick an.
»Meinetwegen. Wenn ich mich so damit bei dir bedanken kann, dass du mich gerettet hast, bin ich einverstanden.«

Wenn er wüsste, dass er mir damit mehr einen Gefallen tat und ich froh darüber war, seine Nähe zu spüren. Ich hätte ihn auch gerne einmal richtig geküsst, aber sofort kam die Angst wieder, damit alles zu zerstören. Ich war froh darüber, nicht mehr allein zu sein, und das letzte Jahr mit ihm war wirklich schön. Es funktionierte zwischen uns, obwohl wir kein Paar waren.

So schlief er jede Nacht in meinen Armen. Mich wunderte nur, dass er jeden Morgen schon aufgestanden und in seinem Zimmer verschwunden war. Seine Nähe machte mich auch so wuschig, dass ich jeden Morgen den Druck loswerden musste. Gespürt haben musste er es, so wie er sich an mich presste. Ihm ging es definitiv auch nicht anders, zumindest wenn er keine Taschenlampe in seiner Shorts versteckte, aber wir beide behielten unsere Hände bei uns.

Dann kam der Tag, als mir die Fäden gezogen wurden und der Arzt mir das Okay gab, dass ich wieder komplett auf der Höhe sei. Ich könnte wieder arbeiten, aber sollte nur langsam mit dem Training anfangen und es nicht gleich übertreiben. Auf der einen Seite freute ich mich, wieder mehr im Studio übernehmen zu können, denn in letzter Zeit half ich trotzdem mit und wenn es nur darum ging, Kurspläne zu erstellen. Aber es bedeutete auch, dass die Abmachung mit Erik ein Ende fand und er ab sofort wieder in seinem Zimmer schlief. Er wartete sogar immer, bis ich abends im Schlafzimmer verschwand, und es schien mir, dass er hoffte, ich würde ihn bitten, mitzukommen. Bevor ich ins Schlafzimmer ging, wünschte ich ihm noch eine gute Nacht. Er freute sich kurz, hat wohl mit etwas anderem gerechnet, denn sofort schaute er traurig. Er murmelte mir einen Gute-Nacht-Gruß zurück, bevor er in seinem Zimmer verschwand. Es tat mir selbst weh, denn wie gern hätte ich ihn bei mir gehabt, aber so war es einfach besser.

Unausgesprochenes Verlangen

Seine letzte Sitzung bei Emanuel stand an und er bat mich, auch mitzukommen. Ich verstand es nicht, denn als wir dort waren, ging Erik allein mit ihm ins Zimmer und ich wartete draußen im Wartezimmer auf ihn. Wieso sollte ich mitkommen, wenn ich nur herumsaß, bis er fertig war?
Als die Tür endlich aufging und die beiden herauskamen, sah Erik fertig aus. Er muss heftig geweint haben, denn sogar sein T-Shirtkragen war nass. Ich schaute beide verwirrt an.
»Ist bei dir alles ok?«, fragte ich zu Erik gewandt.
»Toni, jetzt bräuchte ich dich einmal kurz«, sagte Emanuel und bat mich per Geste, ins Zimmer zu gehen.
Erik setzte sich einfach auf einen freien Stuhl und sah auf den Boden. Ich wollte sofort wissen, was in dem Zimmer passiert ist und wieso es meinem Kleinen so schlecht geht. Ich ging hinein und setzte mich.

»Was ist mit Erik los? So aufgelöst habe ich ihn das letzte Mal im Krankenhaus gesehen, aber da war ich der Grund und seine Schuldgefühle.«, platzte es mir heraus, noch bevor ich mich setzte.
»Du weißt, dass ich als Therapeut eine Schweigepflicht habe.«, fing er an, aber grinste dabei.
»Nicht dein Ernst. Bitte Manu, ich mache mir wirklich Sorgen um ihn. Wenn du mir nichts sagen willst, dann wenigstens, ob er es schafft, damit umzugehen und nicht wieder in ein Loch fällt.«, sprach ich so schnell aus, dass er gar nicht zu Wort kommen konnte.
Bisher schätzte ich seine Ruhe immer, aber gerade machte sie mich wahnsinnig.

»Wenn du mich ausreden lassen würdest, wüsstest du es bereits. Ich sag dir das als dein Freund und nicht als sein Therapeut. Der Grund, wieso Erik so aufgelöst ist, bist noch immer du. Mensch Antonio, bist du wirklich so blind?«, erklärte er.
»Aber wieso? Ich gebe ihm keine Schuld an dem Angriff und bin ihm dafür dankbar, dass er mich gerettet hat. Außerdem geht’s mir wieder blendend.« Jetzt fing er auch noch an zu lachen.
»Sorry Manu, aber ich find das Thema wirklich nicht lustig.«, setzte ich noch hinterher und wusste langsam nicht mehr weiter.
»Du bist echt blind und ein Idiot. Dein Kleiner ist über beide Ohren in dich verschossen und versteht einfach nicht, wieso du ihn immer abweist. Er hat mir schon davon erzählt, bevor dir diese Scheiße passierte. Er will nicht dein Mitbewohner, sondern dein Freund sein. Bitte erzähl mir nicht, dass du davon nichts bemerkt hast, denn ein paar brisante Details kenne ich dann doch.«, ließ er die Bombe platzen.

»Bin ich deswegen hier?« und nun war ich es, der traurig wurde.
»Du hast es erfasst. Erik rief mich vorgestern an und suchte bei mir Rat. Ich schlug ihm vor, dass er dich mitbringen soll, damit ich dem Ganzen einmal auf den Grund gehen kann. Zwar kann ich es mir schon denken, aber ich würde es gerne von dir hören. Allein deine Reaktionen zeigen, dass er dir mehr bedeutet als ein einfacher Mitbewohner«, gab er den Startschuss und lehnte sich zurück.
Ich hingegen verschränkte meine Hände, sackte etwas zusammen und begann zu erzählen.

»Du hast recht. Ich habe sehr starke Gefühle für ihn. Aber du weißt, dass ich bisher all meine Beziehungen zerstört habe, aber ihn möchte ich auf keinen Fall verlieren. Nicht, wenn ich es verhindern kann. Was, wenn wir uns nur in etwas verrennen und er schnell feststellt, dass er mich gar nicht braucht? Er sieht in mir doch auch nur seinen starken Beschützer und verwechselt das, was ich für ihn getan habe, nur mit Liebe? Außerdem schau ihn dir doch mal an, was aus ihm geworden ist. Er könnte doch jeden haben. Was will er dann mit mir? Dazu ist er noch so viel jünger als ich.« Da musste selbst ich nun um meine Fassung ringen, als ich es laut aussprach.
Das brachte selbst Emanuel ins Grübeln, zumindest dachte ich das, weil es so still geworden war. Doch als ich ihn ansah, hatte er nur ein Lächeln auf den Lippen und zog eine Augenbraue hoch.

»Kannst du mir mal verraten, wo dieser Kerl da draußen einen Beschützer nötig hätte? Du solltest lieber froh sein, dass du ihn trainiert hast, sonst würden wir heute nicht hier sitzen. Ich glaube sogar, dass er dich fertig machen könnte, wenn er wollte. In dem Punkt nehmt ihr euch nichts. Punkt eins.« Er gab mir keine Chance, darauf zu antworten.
»Außerdem hast du dich mal im Spiegel angeschaut? Ich glaube, viele, einschließlich ich, sind neidisch auf dein Aussehen und die Sache mit dem Alter ist nur ein Problem, wenn es einen von euch stört. Den Kleinen ist es völlig egal.«, schoss er direkt hinterher.

»Ja, aber wenn ich es wieder vermassele? Ich will ihn nicht verlieren. Versteh das doch.«
»Überdenke bitte Folgendes. Hast du je schon mal so für jemanden gefühlt wie für ihn?» Ich wollte antworten, aber er winkte ab. »Hat er dir jemals das Gefühl gegeben, sich für jemanden anderen zu interessieren, oder missbrauchte er jemals dein Vertrauen?« Ich versuchte zu antworten, aber er sprach sofort weiter. »Ich will die Antwort nicht hören. Denk darüber nach und rede mit ihm, wenn ihr zu Hause seid«, sagte Emanuel und stand auf, ging zur Tür und bat mich, ihm zu folgen.
»Abschließend noch. Er saß die ganzen Tage an deinem Bett, als du bewusstlos warst. Du bedeutest ihm alles, also versau es nicht und versuch einfach mal, glücklich zu sein.«, gab er mir noch mit auf den Weg, bevor wir ins Wartezimmer gingen.

Erik hatte sich wieder gefangen, dafür rasten jetzt meine Gedanken. Wir saßen schweigend im Auto und ich dachte über Emanuels Worte nach. Er hatte recht, dass ich mich noch nie nach jemandem so sehr gesehnt hatte wie nach Erik. Auch hat er mir nie das Gefühl gegeben, mich zu verarschen. Auf Flirts ging er nie ein, was sogar meinen Kollegen aufgefallen war und sie mich immer fragten, ob wir zusammen wären. Einen Beschützer hatte Erik nicht mehr nötig, eher war ich es, der den Gedanken nicht loslassen wollte, ihn zu beschützen.

Ich spürte seine Blicke auf mir, doch ich musste mich zusätzlich auf den Verkehr konzentrieren und blickte daher starr geradeaus. Ich wollte es auch nicht hier im Auto ansprechen und machte drei Kreuze, als wir endlich zu Hause waren. Auf dem Weg durch den Flur war ich aufgeregt und ging daher etwas schneller als sonst. Erik dagegen sah zerknirscht aus und als ich die Wohnungstür aufschloss und er hineinging, steuerte er schnell auf sein Zimmer zu.

»Liebst du mich?«, platzte es aus mir heraus, da er schon die Klinke seiner Zimmertür in der Hand hielt.
»Ja, schon sehr lange. Bitte Toni, schick mich nicht weg. Ich bekomme das in den Griff. Ehrlich, aber bitte, ich will dich nicht verlieren«, dabei sah er zu Boden und seine Tränen tropften herab.
Es war wie ein Weckruf. Genauso fühlte ich mich immer. Seine Angst war meine. Ohne groß weiter darüber nachzudenken, ging ich schnell zu ihm herüber und nahm ihn fest in meine Arme.

»Oh Kleiner, ich liebe dich auch und ich hatte auch Angst, dass du mich deswegen verlässt.« Es war befreiend, die Worte auszusprechen und als er den Kopf hob, um mich anzusehen, küsste ich ihn. Es war unser erster richtiger Kuss und er drückte so viel Gefühl aus. Ich wollte nicht aufhören, ihn zu küssen, aber nun war er es, der mich ein Stück von sich schob.
»Bitte versprich mir, dass du es dir diesmal nicht anders überlegst. Das könnte ich nicht ertragen.« Wir ähneln uns sehr und ich wischte ihm seine letzten Tränen mit meinem Daumen von der Wange.
»Ich verspreche es. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.« Sein darauffolgendes Strahlen steckte mich an und sofort fand ich mich wieder in einem seiner atemberaubenden Küsse.

Von mir aus hätten wir noch ewig hier stehen können, aber da fing sein Magen an zu knurren. Nicht nur einmal und es scheint, als bräuchte er dringend Aufmerksamkeit.
»Hast du Hunger? Dann koche ich uns etwas.«, säuselte ich gegen seine Lippen und musste dabei lachen.
»Es ist ja leider nicht zu überhören, aber ich will nicht aufhören, dich zu küssen.«
Aber es half nichts. Sein Magen hatte andere Pläne, also löste ich mich von ihm.

»Ich zieh mir nur schnell was Bequemeres an und dann fang ich an. Danach kannst du mich so oft und lange küssen, wie du willst. Du kannst schon mal schauen, was der Kühlschrank noch hergibt.«, meinte ich und ich ging kurz ins Schlafzimmer.
Es war eine Befreiung, aus der Jeans rauszukommen, denn seine Küsse haben mich schmerzhaft erregt. Wenigstens sah man in der etwas weiteren Jogginghose nicht direkt, wie es um mich stand und was seine Küsse bei mir auslösten. Das Shirt konnte ich nun ohne weiteres weglassen und machte mich auf den Weg zu ihm in die Küche.

Anscheinend verstand er unter bequem etwas anderes, denn er stand nur in seinen engen Boxershorts da und schnitt gerade eine Zwiebel.
»Wie soll ich mich denn da jetzt bitte aufs Kochen konzentrieren?«, fragte ich, legte meine Arme um ihn und gab ihm einen Kuss in den Nacken.
»Das fragt derjenige, der mir gerade seinen Schritt gegen den Hintern drückt. Hör du lieber auf, sonst wirst du Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch gleichzeitig. Hilf mir lieber.«
»Zu Befehl!«, meinte ich und gab ihm noch einen Kuss an den Hals, bevor ich mich dem restlichen Gemüse widmete. Irgendwie schafften wir es aber dennoch nicht, die Finger voneinander zu lassen. Entweder stahl ich mir einen Kuss oder er. Wir mussten echt aufhören, sonst würden wir in den nächsten zwei Stunden nichts auf den Tisch bekommen.

»Was habt ihr bei Emanuel eigentlich alles so lange besprochen? Er hat dir hoffentlich nicht alles erzählt, was ich ihm anvertraut hatte.«, wechselte er plötzlich das Thema.
»Sei ihm nicht böse, er ist halt mein Freund. Er hat mir erzählt, dass du in mich verliebt bist, nichts gegen den Altersunterschied hast und im Krankenhaus nicht von meiner Seite gewichen bist. Sonst hat er nur mir geholfen, meine Bedenken aus dem Weg zu schaffen, wieso ich dich nicht an mich heranlassen wollte. Die Gefühle für dich hatte ich schon viel, viel länger.«, fasste ich ihm unser Gespräch zusammen.
»Verrätst du mir den Grund?«, fragte mich Erik vorsichtig.
»Der Hauptgrund war, dass ich Angst habe, es zu vermasseln und dich damit zu verlieren, aber da merkte ich vorhin, dass es dir nicht anders geht. Ein anderer, dass du die Liebe zu mir vielleicht mit Dankbarkeit verwechselst, weil ich für dich da war und dich beschützte.«, gestand ich.

Er hörte schlagartig damit auf, die Paprika zu schneiden und nahm meine Hand.
»Ich verwechsel nichts! Vielleicht war es am Anfang so, dass ich davon beeindruckt war, wie du mich behandelt hast und sicher bin ich dir dafür unendlich dankbar. Heiß fand ich dich schon immer, aber ich habe mich in dein großes Herz verliebt. Es haben viele Kerle versucht, bei mir zu landen, aber dir konnte keiner von ihnen nur annähernd das Wasser reichen. Ich habe so oft gewünscht, du würdest endlich mit mir schlafen, aber dir war es wichtiger, dass es mir gut geht und ich habe wirklich einiges versucht. Ok, manchmal war es echt frustrierend, aber es zeigte mir, dass ich dir als Mensch wichtiger bin als eine schnelle Befriedigung. Aus diesen Gründen habe ich mich in dich verliebt und nicht, weil ich dich als meinen Beschützer sehe. Ich möchte genauso für dich da sein, wie du für mich.«

Ich war so überwältigt von seiner Erklärung, dass ich ihn so fest an mich presste, dass ich ihm die Luft raubte.
»Toooooni, zu fest«, presste er hervor und ich lockerte meinen Griff etwas, ließ ihn aber nicht los und musste ihn einfach wieder küssen.
Es war das erste Mal, dass ich tiefes Glück empfand und mir klar wurde, dass ich Erik nie wieder gehenlassen wollte. Wieder unterbrach uns sein Magen in diesem schönen Moment. Konnte er nicht einmal Ruhe geben. Ich wollte ihn noch nicht loslassen. Es war aber Erik, der sich aus meiner Umarmung herauswand.
»Komm Toni, wir haben es fast geschafft und dann gehöre ich ganz und gar dir.« Wenigstens bekam ich noch einen Kuss und kümmerte mich dann auch weiter um das Gemüse.

»Verrätst du mir auch, welche Geheimnisse mir Manu hoffentlich nicht von dir erzählt hat?«, brannte es mir noch auf der Zunge und ich musste mich ablenken, damit ich meine Hände bei mir behalten konnte.
»Vielleicht nach dem Essen, sonst kommen wir nie dazu und jetzt lass uns beeilen, sonst gibt mein Magen nie Ruhe«, denn der knurrte schon wieder.
Es dämpfte meinen Gemütszustand. Er wirkte nicht niedergeschlagen und ich hoffte, es war nichts Schlimmes. Daher beeilten wir uns nun beide und schafften es auch, endlich etwas auf die Teller zu zaubern. Unser Abendessen brutzelte in der Pfanne und da meldete sich auch mein Magen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich selbst hungrig war. Wäre es nicht so heiß gewesen, hätten wir beide es in Minuten verschlungen, aber auch so waren wir in Windeseile damit fertig. Gemeinsam beseitigten wir noch schnell das Chaos in der Küche, bevor wir uns aufs Sofa kuschelten.

»So, jetzt raus mit der Sprache. Was gibt es Schlimmes, dass es bis nach dem Essen warten musste?«, fragte ich ihn gespannt. Jetzt wollte ich es wirklich wissen und hinter mich bringen.
»Ok, versprich mir aber, dass du nicht lachst oder sauer wirst, ok?«, fragte er unsicher und wurde dabei verlegen.
»Versprochen, aber jetzt mach es nicht so spannend.«
»Hat es dich nie gewundert, wieso ich morgens nie neben dir lag, wenn du aufgewacht bist?«
»Schon ab und zu, aber ich habe nur vermutet, dass du schon vor mir wach warst und einfach aufgestanden bist. Was war denn dann der wahre Grund?« Also steckte da doch mehr dahinter, dachte ich mir.
»Vor dir wach war ich tatsächlich, aber eher, weil du mich wach machtest, indem du dich an mir gerieben hast. Sogar meinen Nacken hast du dabei im Schlaf geküsst. Das machte mich so heiß, dass ich schnell in mein Zimmer flüchten musste, um den Druck loszuwerden.«

Erwartete er ernsthaft, dass ich deswegen sauer auf ihn sein könnte? Ich fand das Ganze sogar recht amüsant und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Dafür erntete ich von Erik einen zerknirschten Blick.
»Sorry, ich dachte, das habe ich alles nur geträumt. Doch dann muss ich mich wenigstens nicht schlecht fühlen, dass ich es mir wegen dir jeden Morgen unter der Dusche besorgen musste und dabei an dich dachte.«, erklärte ich und auch über seine Lippen huschte ein Lächeln.

»Aber ich verstehe nicht, wieso ich deswegen auf dich sauer sein sollte.«, hakte ich nach, denn daran war ja nichts Schlimmes. Doch da wurde er wieder verlegen und Hitze stieg in sein Gesicht.
»Naja … Also … Du hast manchmal so tief geschlafen … und es kann sein, dass ich dir ab und an einen geblasen habe.«, druckste er herum.
Im ersten Moment schaute ich dumm aus der Wäsche, aber sein Blick war auch nicht besser und brachte mich nur noch mehr zum Lachen.
»Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht und dann weißt du wenigstens schon, mit was du es in Zukunft zu tun bekommst. Aber nein, auch deswegen kann ich dir nicht sauer sein.«, bestätigte ich ihm, aber er druckste noch immer herum.

»Es kann sein, dass ich Emanuel davon erzählt habe.«, murmelte er ganz leise und ging in Deckung.
»Nicht dein Ernst? Wie detailliert hast du ihm von der ganzen Sache berichtet?«, wollte ich wissen.
»Naja … sehr. Er wollte immer alles ganz genau wissen. Von der Länge bis zum Orgasmus. Einfach alles.«, gestand er mir.
Jetzt brach ich in Lachen aus und Erik schaute mich ganz schockiert an.
»Mensch Toni, du hast versprochen, nicht zu lachen Ich fühle mich deswegen echt mies, weil er doch so gut mit dir befreundet ist.«, ermahnte er mich und ich zog ihn einfach in meine Arme, bis ich mich wieder beruhigt hatte.
»Jetzt weiß ich endlich, was er heute mit „brisanten Details“ meinte. Soll er doch über meine Ausstattung und meinen Orgasmus Bescheid wissen. Solange du ihm keine Beweisfotos gezeigt hast, ist doch alles gut.« Ich musste noch mehr lachen, denn auf unser nächstes Aufeinandertreffen war ich gespannt.
»Du bist nicht sauer?«, fragte er zur Sicherheit noch einmal nach.
»Nein Erik, absolut nicht. Nur du kennst Manu nicht so gut wie ich. Mach dich darauf gefasst, dass wir von ihm einen Kommentar dazu bekommen werden, wenn wir uns das nächste Mal sehen und jetzt hör auf, so schockiert zu schauen. Ich dachte, du kommst mit einer dunklen Beichte um die Ecke, oder kommt da noch was?«, fragte ich vorsichtshalber nach.

Entspannt sah anders aus. Nun war er nicht mehr schockiert, sondern wurde ganz ruhig und vergrub seinen Kopf auf meiner Brust. Alles konnte es noch nicht gewesen sein, doch es war ihm so unangenehm, dass er mir dabei nicht in die Augen sehen konnte.
»Ehrlich gesagt ja. Emanuel meinte ich sollte das Thema lieber offen bei dir ansprechen. Ich habe ein bisschen Angst, mit dir zu schlafen. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich möchte es schon sehr gerne, aber meine Erfahrungen sind nicht die besten.« Er sprach ruhig und langsam. Die Worte fielen ihm verdammt schwer.
»Hey Kleiner Sag mir einfach, was dich belastet. Ich kann mir schon denken, dass der Kerl nicht gut mit dir umgegangen ist, und du kannst damit ganz offen mit mir drüber reden. Wir brauchen auch nichts zu überstürzen, wenn es dir damit besser geht.«, gab ich ihm meine Unterstützung und er traute sich auch wieder, mich anzusehen.

»Sobald ich ein Kondom sehe oder spüre, bekomme ich Panik. Ali und auch seine Freunde haben mich manchmal ohne Gleitgel, Spucke oder Vorbereitung genommen. Nur Kondom drüber und rein. Die Schmerzen am Anfang waren schlimm und ich konnte manchmal danach kaum laufen. Es kam sogar vor, dass sie meinen Schließmuskel so aufrissen, dass ich ins Krankenhaus musste. Wir können gerne eins benutzen, aber da hatte Emanuel eine andere Idee. Ich sollte auch darüber mit dir reden und dich bitten, einen Test machen zu lassen.  So könnten wir vielleicht auf Kondome verzichten. Nachdem er mir das riet, habe ich es direkt gemacht und kann dir versichern, dass ich zu 100 % gesund bin und keine ansteckenden Krankheiten habe.«, erklärte er und atmete tief durch. Ich wollte antworten, doch da sprach er schon weiter.

»Außerdem verbinde ich Sex nur mit Schmerz und Erniedrigung. So etwas möchte ich nie wieder in meinem Leben ertragen müssen. Ich hoffe, du stehst nicht auf sowas. Das war’s dann auch wirklich. Sonst gibt es nichts, was du noch nicht von mir weißt.«
In mir stieg Wut auf. Was hatte dieser Dreckskerl meinem Kleinen nur angetan? Ich hasste ihn dafür und mein gesamter Körper spannte sich an. Ich wusste, dass es hier gerade nichts zu suchen hatte, aber es fiel mir schwer, es zu unterdrücken.
»Bist du jetzt wütend auf mich?«, fragte Erik und schaute mich verunsichert an. Was meine Wut milderte.
»Nein, mein Kleiner, nicht auf dich, sondern auf die anderen Drecksschweine, die dir das antaten. Aber warte kurz.«, meinte ich und schob ihn von mir herunter, um aufstehen zu können.

Ich hatte den Ausdruck meines letzten Blutbildes und die Testergebnisse auf alle möglichen Geschlechtskrankheiten noch herumliegen. Ich fand den Zettel auch schnell und drückte ihn Erik in die Hand.«
»Hier, ich lasse es aus Routine immer mitmachen. Da hast du es schwarz auf weiß, dass auch ich gesund bin. Wir können also gerne auf Kondome verzichten. Bei mir brauchst du dir auch keine Sorgen machen. Ich sehe zwar aus wie der harte Kerl, aber auch beim Sex mag ich es lieber etwas ruhiger. Außerdem würde ich dir nie Schmerzen zufügen.«, versicherte ich ihm und endlich schenkte er mir wieder sein umwerfendes Lächeln und war nicht mehr betrübt.

»Aber du sagtest, deine Erfahrungen sind nicht die besten. Diese klingen alle schrecklich Hattest du jemals Sex, den du von Anfang bis Ende genossen hast?«, wollte ich von ihm wissen.
»Nur mit mir selbst«, gab er offen zu.
»Dann müssen wir das schleunigst ändern.« Und ich wusste schon genau, wie ich dies anstellen würde.

Die erste gemeinsame Nacht

Ich stand auf und zog ihn mit ins Schlafzimmer und vor dem Bett nahm ich ihn in den Arm und begann, ihn leidenschaftlich zu küssen, bis er wieder in Fahrt kam.
»Und jetzt leg dich auf den Bauch, mach es dir gemütlich und entspann dich.« Ich holte kurz das Massageöl aus dem Nachtschrank und zog mir meine Jogger samt Shorts aus, bevor ich Erik auch von seiner Shorts befreite. Der Anblick war einfach heiß, da musste ich mich zusammenreißen, nicht gleich mit seinem Hintern anzufangen. Ich kniete mich über ihn und bevor ich das Öl ins Spiel brachte, küsste ich jeden Zentimeter seines Nackens und Halses, bevor ich mich tiefer vorarbeitete. Jeder seiner Muskeln zog sich zusammen, wenn meine Lippen ihn berührten. Als ich bei seinem Hintern ankam, wollte ich ihm nur einen Kuss darauf geben, aber als er ihn mir entgegenreckte, nahm ich mir die Freiheit, auch einmal über sein Loch zu lecken. Er seufzte, aber darum kümmere ich mich später.

Jetzt wollte ich ihm eine Massage geben, bis er Wachs in meinen Händen wäre. Ich verteilte das Öl auf seinem Rücken und fing an, die einzelnen Muskelpartien zu lockern. Er war verspannter, als ich dachte, und gab immer mal wieder ein Zischen von sich. Gut, durch ein wenig Schmerzen musste er jetzt durch, aber als alles locker war, konnte er sich komplett entspannen und es nur noch genießen. Immerhin wurde er durch meinen Ständer abgelenkt, der zwischen seinem Hintern rieb. Allein meinen Kleinen so zu bearbeiten, machte mich tierisch an. 

Wie meine Hände über seine Muskeln gleiten und sie sich unter meinen Händen anspannten. Je näher ich seinem Hintern kam, desto unruhiger wurde er und fing an, mit den Hüften zu kreisen, und stimulierte damit auch mich. An seinem Rücken konnte ich nun keine verspannte Stelle mehr ausmachen und so drehte ich mich herum und kümmerte mich um seine Beine. Ich fing an seinen Waden an und arbeitete mich weiter nach oben vor. Für seine Oberschenkel ließ ich mir besonders viel Zeit, da ich mit den Händen so tief ging, dass ich seinen Sack dabei berührte. Erst stoß ich nur mit den Fingerspitzen an, aber dann spreizte er so sehr seine Beine, dass ich ihn einfach in die Hand nehmen musste und ihn auch dort massierte. Dabei entwich ihm sein erstes Stöhnen und es war wie Musik in meinen Ohren. Davon wollte ich mehr.

So kletterte ich von ihm herunter und platzierte mich zwischen seinen Beinen, nur um mein Gesicht in seinem Hintern zu versenken. Weit musste ich seine Arschbacken nicht auseinanderziehen, um den Punkt meiner Begierde zu erreichen. Meine Zunge tanzte um sein Loch und es zuckte jedes Mal, wenn ich darüber leckte. Wo er anfangs noch ruhig vor mir lag, wand er sich nun, bis er sich automatisch hinkniete und mir seinen Prachthintern entgegendrückte. Er stützte sich auf seinen Ellenbogen ab und nun konnte ich mit meinen Händen dabei auch seinen Oberkörper erkunden. 

Während meine Zunge weiter an seiner Rosette beschäftigt war, massierten beide meiner Hände seine Brust und spielten an den herrlich harten Nippeln. Jeder seiner Muskeln war angespannt und zog sich noch mehr zusammen, als meine Finger über sein Sixpack strichen. Schon lange konnte er seine Erregung nicht mehr verbergen. Er fing sogar an zu zittern, als ich von seinen Eiern bis hoch über sein Loch leckte. Meine Hände lagen auf seinem Unterbauch und stießen gegen seine Schwanzwurzel. So konnte ich mit dem Daumen seinen harten Schwanz reizen und er zuckte unter meinen Berührungen und ich entlockte ihm immer wieder ein tiefes Stöhnen. 

Erst recht, als ich meine Hand um ihn legte und ihn nach hinten drückte. Sein Schwanz war viel kleiner als meiner, aber dennoch nicht weniger anziehend. Dazu war er noch beschnitten und ich sah, wie ein Tropfen seines Vorsaftes davon herunterhing. Ich musste ihn kosten und fing ihn mit meiner Zunge auf, nur um danach auch an seiner Eichel zu lecken. Er stöhnte und zuckte so heftig, dass sich auch seine Eier anfingen zusammenzuziehen. Weit war er nicht mehr von seinem Orgasmus entfernt. Sollte ich jetzt seinen Finger in ihn einführen, wusste ich, dass es zu spät war.

Ich drehte Erik auf den Rücken und revanchierte mich für seine Blowjobs. Wir hielten Blickkontakt, als ich ihn komplett in mir aufnahm und sachte anfing, zu saugen. Jetzt stöhnte er laut und als ich ihn mit dem Daumen noch an seinem Loch massierte, legte er ruckartig den Kopf in den Nacken und krallte sich in meine Schultern. Er kam mit einer gewaltigen Wucht und ich presste mich auf seinen Schwanz, welcher heftig in mir zu zucken begann. Ich war erstaunt über die Menge, die er aus sich feuerte. 

Erst nach dem achten Schub fing er an, sich zu beruhigen, und ich konnte die letzten Tropfen aus ihm heraussaugen, was einen Schauer über seinen Körper zog. Ich entließ seinen Schwanz aus meinem Mund und arbeitete mich mit Küssen zu ihm nach oben vor, bis ich seine Lippen mit meinen verschloss. Er war noch immer wie im Rausch und schlang seine Arme um mich. Er presste mich auf sich, doch mein Gewicht würde er nicht lange aushalten, so drehten wir uns, bis er auf mir lag.

»Oh mein Gott Toni, das war der absolute Wahnsinn. So einen Orgasmus hatte ich noch nie.« Strahlte er mich noch immer außer Atem an.
»Das war doch noch harmlos. Willst du mehr?«, grinste ich ihn an und war schon wieder dabei, seinen Hintern zu massieren.
»Worauf du dich verlassen kannst, aber zuerst bist du dran«, meinte er und fing schon an, mich am Hals zu küssen. Allein das machte mich schon richtig heiß.

Seine Hände und Lippen waren überall an meinem Oberkörper und wie intensiv er sich um meine Nippel kümmerte. Anscheinend machte es ihn selbst an, denn sein harter Schwanz rieb dabei an meinem. Ich presste sein Becken fester gegen mich, um die Reibung zu verstärken, und allein davon hätte ich schon abspritzen können, doch Erik arbeitete sich weiter vor und leckte mir nun meinen Vorsaft von meinen Bauchmuskeln. Meinen Schwanz ließ er sich noch etwas beruhigen, bevor er seine Lippen um meine Eichel schloss. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, wie er ihn Zentimeter für Zentimeter in sich aufnahm. 

Ich sah ihm dabei zu und bin fast vom Glauben abgefallen, als er mit Leichtigkeit meine gesamte Länge in sich aufgenommen hatte. Ohne dabei auch nur ein einziges Mal zu würgen. Das Gefühl, als er jetzt noch anfing, an mir zu saugen, brachte nun mich zum Stöhnen. Sein Grinsen war sogar mit mir in seinem Mund zu erkennen und seine blauen Augen fixierten mich. Er löste den Blick und gab nun Vollgas. Das war bei weitem der beste Blowjob, den mir jemals jemand gegeben hatte.

»Fuck Erik, ich komme gleich«, brachte ich stöhnend hervor, um ihn vorzuwarnen, doch er saugte nur intensiver und packte nun auch meinen Sack.
Länger konnte ich es nicht halten und mich traf der Orgasmus. Alle meine Muskeln spannten sich an und ich krallte mich ins Bettlaken und entlud mich tief im Rachen meines heißen Freundes. Auch er kam danach zu mir hoch, damit er mich küssen konnte, aber im Gegensatz zu mir hatte er noch etwas Sperma von mir in seinem Mund behalten und wir verteilten es mit den Zungen in unseren Mündern.

»Verdammt Kleiner, wie schaffst du es nur, mich gleich komplett in dir aufzunehmen, ohne mit der Wimper zu zucken?«, fragte ich ihn verwundert.
»Ich habe dir doch gesagt, dass ich schon öfter an dir geübt habe, aber so einen gewaltigen Orgasmus hattest du bisher noch nie.« Er grinste und spielte schon wieder mit den Fingern an meinen Nippeln, was nicht hilfreich war, dass sich mein Teil nur ansatzweise beruhigte. Im Gegenteil, es zuckte schon wieder.
»Liegt vielleicht daran, dass ich dieses Mal bei vollem Bewusstsein war und es vollkommen genießen konnte«, sagte ich und Erik lag derweil schon wieder auf mir. Genug hatten wir definitiv beide noch nicht für heute.
»Komm dreh dich mal um«, wies ich ihn an und er folgte.

Wie eine Motte vom Licht wurde ich von seinem Hintereingang angezogen und vergrub meine Zunge darin, was ich gleich darauf stöhnen ließ. Während ich ihn so bearbeitete, packte er mit seinen Händen meinen Hintern und nahm meinen Schwanz wieder in den Mund. Mann, war das heiß, wie er dagegen stöhnte und mir auch etwas mit seinen Fingern am Loch spielte. Ich mochte die passive Rolle nicht, aber schon, wenn ich dort berührt wurde. Das spürte auch Erik, wie ich in ihm nochmal weiter anschwoll und gegen sein Loch stöhnte.

»Mach langsam, sonst komme ich direkt noch einmal«, japste ich heraus und tatsächlich machte er diesmal etwas langsamer.
Ich nahm nun meine Finger zur Hilfe und massierte ihn wieder mit dem Daumen. Er war bereits so weichgeleckt und massiert, dass dieser ohne Probleme in ihn hinein glitt. Deswegen ersetzte ich ihn mit meinem Zeigefinger und dehnte ihn langsam. Auch meinen Mittelfinger nahm er so ohne Probleme in sich auf und ich konnte ihn bearbeiten. Dass es ihm gefiel, erkannte ich daran, dass er aufhören musste, mich zu blasen und nur noch stöhnte. Sein Schwanz drückte fest gegen meine Brust. Noch ein dritter Finger und nun suchte ich gezielt nach seiner Prostata. 

Schon die erste leichte Berührung ließ ihn aufstöhnen und zucken. Ich intensivierte die Massage und er schrie beinahe vor Verlangen. Es war unüberlegt, auch noch an seinen Eiern zu lecken, denn diese zogen sich augenblicklich zusammen und er krallte sich in meinen Arsch. Mit seinem Aufschrei, gedämpft durch meinen Schwanz, fing er an, zwischen uns abzuspritzen. Er entließ mein Teil aus seinem Mund und brach regelrecht auf mir zusammen und atmete schwer gegen meine Eier.

Ich dachte schon, ich habe meinen Kleinen geschafft, aber er brauchte wohl nur einen Moment, bis wieder Leben in ihn kam. So schnell wie er aufstand und sich drehte, nur damit er mir einen wilden, heißen Kuss geben konnte, war beeindruckend. Noch während wir uns küssten, konnte ich spüren, wie er mich in Position brachte und er sich auf meine Eichel drückte. Ohne das kleinste Keuchen seinerseits glitt sie in ihn hinein und weitere Zentimeter folgten. Als er unseren Kuss löste, sich aufrichtete und sich nun komplett auf mir pfählte, konnte ich in seinem Gesicht keinerlei Schmerz erkennen. 

Sein Mund stand offen und er sah mich mit einer Gier in seinen Augen an, dass mich sein Anblick nur noch mehr antrieb. Er gönnte sich keine Pause, sondern stützte sich auf meinem Bauch ab und fing an, auf mir zu reiten. Anfangs lag ich nur da und betrachtete sein Treiben auf mir. Das Gefühl, so intensiv mit ihm verbunden zu sein und wie eng er sich um mich schloss, hätte schon gereicht, mich irgendwann zum Höhepunkt zu bringen. Doch ihn dabei noch zu berühren und im gleichen Rhythmus mich vorsichtig in ihn zu stoßen, heizte auch Erik an. Unsere Bewerbungen wurden schneller und das Stöhnen lauter. Ich musste es entschleunigen und zog ihn zu mir herunter, um ihn zu küssen. Nur leicht stieß ich dabei weiter in ihn. Es half, damit wir beide wieder etwas herunterkamen.

Ich unterbrach unsere Verbindung. ich, als ich mich mit ihm drehte, bis er unter mir auf dem Rücken lag. Er legte seine Beine um meinen Körper und mit den Fersen presste er mich so fest und tief wie möglich in sich. Meine Bewegungen wurden wieder ausladender und mein Süßer stöhnte so stark in meinen Mund, dass ich unseren Kuss lösen musste, ohne aber den Blick von ihm zu nehmen. Ich stützte mich neben ihm ab und begann, ihn zu nehmen.

Er versuchte, auch mich dabei anzusehen, doch verdrehte die Augen vor Lust, sobald ich mich wieder in ihn trieb. Nach ein paar weiteren tiefen Stößen fing er an zu krampfen und sein Loch zog sich wie ein Schraubstock um mich. Er kam und pumpte Schub um Schub auf seinem glänzenden, verschwitzten Oberkörper. Schnell stieß ich noch ein paarmal tief in ihm, bevor auch ich mich tief in seinem Darm entlud. Ich richtete mich auf und er lag komplett befriedigt vor mir. Als ich seinen Oberkörper streichelte und seine Ladung auf ihm damit verteilte, zitterte er, als mein Finger seine Eichel berührte.

»Ich glaube, wir sollten schnell duschen gehen, bevor du mir hier einschläfst«, schlug ich vor und grinste ihn glücklich an.
»Dann musst du mich aber tragen«, brabbelte er und streckte seine Arme nach mir aus.

Das bekam ich ohne Probleme hin. Wie ein Klammeraffe schlang er seine Arme und Beine um mich. Als ich umständlich versuchte, mit ihm aufzustehen, glitt ich nun aus ihm heraus und musste meine Hand an seinen Hintern halten, damit wir unterwegs nicht alles vollsauen. Erst unter der Dusche rutschte er von meinem Körper und ließ mich unsere Spuren von seinem Körper waschen. Er war tatsächlich müde, denn kaum als wir uns im Bett aneinander kuschelten und uns noch einen Kuss gaben, ist er auf meiner Brust eingeschlafen. Diesmal ließen mich auch meine Gedanken in Ruhe und ich sank selbst kurz darauf glücklich mit ihm in meinen Armen in den Schlaf.

Die letzten Hürden in eine gemeinsame Zukunft

An unserem Zusammenleben hatte sich nichts geändert. Wie auch vorher bestritten wir so gut wie alles gemeinsam, nur mit dem Unterschied, dass nun jeder wusste, dass wir zusammengehörten, so oft wie wir uns küssten. Auch wachte ich morgens nicht mehr allein im Bett auf, sondern wir mussten den Wecker eine halbe Stunde früher stellen, wenn wir nicht immer zu spät kommen wollten. Als wir Arm in Arm im Club erschienen und uns küssten, machten alle große Augen.

»Wusstest du eigentlich, dass Fabi auf dich steht? Der ist extrem eifersüchtig auf mich, weil wir zusammen sind.«, erzählte Erik, als wir auf dem Nachhauseweg waren.
»Das tut er schon lange, aber er hat es nie geschafft, mein Herz zu erobern. Im Gegensatz zu dir. Doch der bekommt sich schnell wieder ein.«, sagte ich und bekam direkt einen Kuss.

Die beiden wurden mit Mirko ein richtig gutes Team hinter der Bar und verdrehten jedem Gast den Kopf. Interessanterweise hatte ich tiefstes Vertrauen zu meinem Kleinen. Auch wenn andere Kerle mit ihm flirteten, wusste ich, dass sein Herz genauso für mich schlug.

 Am besten war aber der Blick von meinem Kleinen, als wir bei Emanuel zum Kaffee eingeladen waren. Er hoffte ja, dass er uns nicht drauf ansprechen würde, aber die Breitseite kam schon, nachdem er uns die Tür öffnete.
»Hey Erik, du kannst ja noch laufen, also scheint ihr heute noch nicht miteinander geschlafen zu haben.« Er brachte das so trocken herüber und Erik stand nur starr vor ihm und wurde knallrot.
»Du hast ihm alles detailliert beschrieben und ich habe dich gewarnt«, flüsterte ich in sein Ohr, als ich ihn an mich zog, und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.

Wir durften den Rest des Tages noch ein paar zweideutige Dinge über uns ergehen lassen, aber Erik schaffte es sogar, nicht bei jedem knallrot anzulaufen. Bei unserer Verabschiedung nahm mich Manu nochmal zur Seite.
»Hast du mal mit ihm über seine Eltern gesprochen? Ich glaube, das ist noch ein Thema, was ihn belasten könnte. Vielleicht schaffst du es, ihn zu überzeugen, sich wieder bei ihnen zu melden. Es sollte ihm guttun, auch mit dem Kapitel ins Reine zu kommen.«, gab er mir den Rat und über das Thema haben wir tatsächlich noch nie gesprochen.
Ich gab ihm mein Wort, es einmal zu versuchen, und wir fuhren nach Hause.

Wie üblich lagen wir abends gemeinsam auf dem Sofa und kuschelten. Da er entspannt war, nutzte ich die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen.
»Wie ist eigentlich das Verhältnis zu deinen Eltern gebrochen? Gab es einen Auslöser?«, fragte ich vorsichtig und konnte richtig den Ruck spüren, welcher durch seinen Körper ging.
»Emanuel hat dich darauf angesprochen. Stimmt’s? Müssen wir unbedingt darüber jetzt reden?«, kam es nur leise von ihm und er schmiegte sich fester an mich.
»Irgendwann müssen wir es so oder so. Lass es uns einfach hinter uns bringen. Hatten sie etwas gegen deine Sexualität?«, denn damit kannte ich mich aus.

»Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich schon mit 16 bei ihnen geoutet und für sie war es kein Problem. Erst als ich Ali kennenlernte, wurde unser Verhältnis schlimmer. Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, weiß ich, dass er uns gegeneinander aufgehetzt hat. Am Ende habe ich ihnen ein paar richtig üble Dinge an den Kopf geschmissen und vor allem meine Mum damit sehr verletzt. Es ging so weit, dass mich mein Vater aus dem Haus warf. Danach habe ich nie wieder etwas von ihnen gehört. Es tut mir alles sehr leid und ich wünschte, es wäre nie passiert, aber ich denke nicht, dass sie wieder etwas von mir wissen wollen.«, gestand er und wurde ganz traurig.

»Würdest du sie denn gerne wiedersehen?«, fragte ich ruhig.
»Schon ja, denn sie sind ja meine Eltern. Ich hatte eine schöne Kindheit und sie standen immer hinter mir, egal, was ich für einen Mist verzapft hatte.«
»Wenn ich mit dir hinfahre, würde dir das vielleicht helfen?«, kam mir die Idee. Bisher hat es immer funktioniert, dass es für ihn leichter war, wenn ich an seiner Seite war.
»Das würdest du machen? Ich meine, ich kann dir nicht versprechen, es durchzuziehen, aber ich würde es gerne versuchen.«
»Du weißt, dass ich das liebend gerne für dich mache, erst recht, wenn es dir dadurch besser geht. Wir können gleich Samstag nach dem Aufstehen zu ihnen fahren und schauen, ob sie daheim sind.« Ich fand die Idee besser als anzurufen. Es war etwas anderes, wenn jemand vor einem steht.

Freitag nach unserer Schicht im Club war er schon verzweifelt, ob die Idee wirklich so gut war. Ich brauchte noch lange, bis ich ihn beruhigen konnte und er endlich einschlief. Zur Sicherheit stellte ich uns einen Wecker für 12 Uhr, denn es war mittlerweile fünf Uhr morgens. Mann, gut, dass ich ihn gestellt hatte, denn er riss uns beide aus dem Schlaf und ich zog ihn direkt mit unter die Dusche.
»So, und jetzt zieh dir etwas Schickes an und dann machen wir uns auf den Weg«, meinte ich, als wir uns abgetrocknet hatten.
»Bist du sicher, dass es eine gute Idee ist?«, fragte er nervös, als er sich gerade das Shirt überzog.
»Ich bin die ganze Zeit an deiner Seite. Mehr als uns wieder wegschicken können sie nicht, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Also komm, lass uns losfahren.«, sagte ich und gab ihm noch einen Kuss.

Er gab mir die Adresse und das Navi lotste mich in einen kleinen, schönen Vorort aus Einfamilienhäusern. Auf dem Weg besorgten wir noch einen kleinen Blumenstrauß. Wir hielten vor einem kleinen schicken Häuschen mit einladendem Vorgarten. In der Auffahrt stand sogar ein Auto, also mussten seine Eltern zu Hause sein. Ich sah noch einmal zu Erik herüber, strahlte ihn an und nickte ihm zustimmend zu. Er atmete einmal tief durch und stieg aus. Ich nahm noch die Blumen vom Rücksitz und war danach an seiner Seite. Schon nahm er meine Hand und wir gingen auf das Haus zu. 

Mein Kleiner war so aufgeregt und zitterte, als er die Klingel betätigte. Für einen Moment passierte nichts, doch dann waren Schritte zu hören und die Tür ging auf. Vor uns stand eine kleine, blonde Frau mit den gleichen schönen Augen wie Eriks. Das konnte nur seine Mutter sein. Ihr Blick ging zwischen uns hin und her. Auf unsere verschränkten Hände. Den Blumenstrauß und blieben schließlich an mir haften.

»Entschuldigung, aber Sie müssen sich wohl im Haus geirrt haben. Zu wem wollten sie denn?«, fragte sie und machte schon einen Schritt zurück.
»Hi Mum«, sagte Erik leise neben mir und die Frau fing an zu staunen.
»Erik, Schatz, bist du es wirklich?«, jetzt sah Erik sie auch an und da erkannte seine Mutter erst ihren Sohn.

Statt zurück ging sie zielstrebig auf ihn zu und schloss ihn fest in ihre Arme. Sogar Erik ließ meine Hand los und legte seine Arme fest um sie. Beide weinten stumm und hielten sich fest.
»Mom, es tut mir so wahnsinnig leid, was ich euch alles an den Kopf geworfen habe. Ich wollte das alles nicht und es tut mir so wahnsinnig leid. Ich habe euch so sehr vermisst.«, brachte Erik schluchzend hervor, und ich musste aufpassen, dass mir nicht die Tränen kamen.
»Oh Schatz, ich bin so froh, dass es dir gut geht. Ich habe mir jeden Tag Sorgen um dich gemacht, dass es dir gut geht.« Sie löste sich und musterte ihren Sohn. »Aber so wie du aussiehst, habe ich mir umsonst Sorgen gemacht.«

Erik nahm wieder meine Hand und sah zu mir herüber. Auch sie folgte ihrem Blick.
»Ja, dank Antonio, hier geht es mir blendend», sagte er.
»Freut mich, Sie kennenzulernen«, meinte ich und reichte ihr meine Hand, die sie ergriff und mich noch immer mit einem misstrauischen Blick ansah.
»Kommt mit rein und dann erzählst du mir alles. Möchtet ihr einen Kaffee?«, fragte sie, eher an Erik gewandt.
»Ja, gerne«, meinte Erik und wir gingen ins Haus.

»Wer war denn an der Tür?«, hörten wir, als ich noch meine Schuhe auszog und Erik mit seiner Mutter weiterging. Da erschien ein gutaussehender Mann im Türrahmen, der zweifelsfrei Eriks Vater war.
»Hi Dad!«, sagte Erik und dann ging alles ziemlich schnell. Auch sein Vater zog ihn in eine Umarmung und führte ihn direkt ins Wohnzimmer, gefolgt von seiner Mutter.

Ich stand im Flur mit dem Blumenstrauß in der Hand und fühlte mich etwas fehl am Platz. Sofort waren sie in ein Gespräch vertieft und Erik schilderte, was ihm in den letzten Jahren passiert ist. Warum er sich von ihnen abgewandt hatte und dass es ihm schrecklich leidtat, wie er sie damals beschimpfte. Ich hatte mich derweil auf eine der Treppenstufen gesetzt, damit ich ihnen den Raum geben konnte, welchen sie brauchten. Nachdem er mit dem Ali-Teil fertig war, setzte er gleich den Rest an. Von dem Tag, als ich ihn gefunden habe, über die Therapie, den Überfall auf mich bis zu dem Tag, als wir uns unsere Liebe gestanden.

»Wenn Toni nicht wäre, hätte ich mich niemals getraut, herzukommen. Ich hatte riesengroße Angst, dass ihr mich nicht sehen wollt oder mit mir sprecht.«, schloss er seine Geschichte ab.
»Oh Schatz, wir haben immer gehofft, dass du eines Tages wieder herkommen würdest, und wollten dich nicht dazu drängen«, sagte seine Mutter und sie musste geweint haben, so gebrochen wie ihre Stimme war.
»Du musst uns diesen Toni unbedingt einmal mitbringen, damit wir uns bei ihm bedanken können«, meinte sein Vater und erst da fiel ihnen auf, dass ich gar nicht mit im Zimmer war.

Es war seine Mutter die aus dem Wohnzimmer zu mir geflitzt kam.
»Oh mein Gott bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie einfach hier stehen gelassen haben. Sie hätten doch einfach mit ins Wohnzimmer kommen können«, rechtfertigte sie sich und man konnte ihr ansehen, wie unangenehm es ihr war.
»Alles gut. Ich verstehe, wie aufgeregt und verwirrend die Situation für sie sein muss, dass ihr Sohn nach so vielen Jahren plötzlich vor der Tür steht. Ich bin nur zu seiner emotionalen Unterstützung mitgekommen und bin froh, dass sie ihn so in Empfang genommen haben. Aber bitte, Sie dürfen mich gerne duzen.«, erklärte ich ihr, hielt ihr den Blumenstrauß entgegen und lächelte.

»Sie … ich meine, Du hast so viel mehr getan. Darf ich dich umarmen?«, fragte sie mich und ich saß noch immer auf der Treppe, aber als ich nickte, fand ich mich in einer festen Umarmung wieder. Ich fragte mich echt, woher diese kleine, schmale Frau diese Kraft nahm.
»Danke, dass du für meinen Sohn da warst und ihm geholfen hast, als wir es nicht konnten. Auch dass du mir meinen Sohn wiedergebracht hast.« Ich bekam sogar einen kleinen Kuss auf die Wange.
In der Zwischenzeit kamen auch Erik und sein Vater aus dem Wohnzimmer und schauten zu, wie seine Mutter mich immer fester umarmte.

»Mensch Gisela, übertreib nicht, sonst läuft er ja gleich blau an.«, meinte sein Vater lachend und Erik kicherte nur.
»Uff, sie haben echt Kraft«, sagte ich, als sie mich losließ und die Blumen abnahm.
Jetzt konnte ich auch aufstehen und Eriks Vater schaute mich verdutzt an, denn er war mehr als einen Kopf kleiner als ich. Aber ich ging zu ihm herüber und hielt ihm meine Hand hin.

»Freut mich, Sie kennenzulernen. Ich bin Antonio, oder auch einfach Toni.«
»Johann.«, stellte er sich vor, als er meine Hand nahm. »Wie um Himmels willen konnte ich dich übersehen? Der furchterregende Berg da ist dein Freund?«, fragte er ungläubig Erik.
»Mensch Dad, ja, das ist er und wenn du ihn kennenlernst, wirst du schnell merken, dass er der liebste und hilfsbereiteste Mensch auf der Welt ist. Er ist nicht so ein Schwein wie Ali und bevor du fragst – nein, er war noch nie im Gefängnis.«, meinte mein Kleiner, schmiegte sich an meine Seite und gab mir einen kleinen Kuss.

Nach der ersten Aufregung gab es dann auch den versprochenen Kaffee und seine Eltern hatten noch viele Fragen an uns und die beantworteten wir ihnen gerne. Auch sein Vater bedankte sich bei mir, dass ich für Erik so viel getan hatte. Sogar unser Altersunterschied störte sie nicht. Sie waren einfach begeistert, zu was für einem selbstbewussten Mann ihr Sohn geworden war, und freuten sich, wie glücklich er war. 

Wir haben den ganzen Nachmittag bei ihnen verbracht und mussten langsam los, da unsere Schicht im Club bald anfing. Wir versprachen auch, sie ab sofort regelmäßig zu besuchen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Noch bevor wir losfuhren, legte er eine Hand auf meinen Oberschenkel und seinen Kopf an meine Schulter.

»Danke, dass du mich dazu gedrängt hast. Ohne dich hätte ich mich nie im Leben getraut, hierherzukommen.«
»Bist du glücklich?«, fragte ich ihn, nahm seine Hand und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.«
»Ich war es vorher auch schon, aber jetzt noch mehr. Ich liebe dich so sehr.«, sagte er und gab mir einen umwerfenden Kuss.
»Ich liebe dich auch, mein Kleiner.« und wir fuhren los, aber seine Hand hielt ich dennoch die ganze Fahrt über fest.

Wie auch bei Ali zuvor blieb uns der Gang zum Gericht nicht erspart, aber im Gegensatz zu Ali war sein Bruder geständig. Ali hat ihn so lange dazu gedrängt und erpresst, bis er sich schließlich überzeugen ließ. Für beide bedeutete es nun, dass sie damit ihr Leben endgültig versaut haben. So wie Ali sich bei dem Prozess wieder aufführte, landete er in Isolationshaft und wurde schnell aus dem Gerichtssaal verwiesen. Trotz, dass sein Bruder seinen Fehler mehr als bereute, uns versicherte, dass Ali nichts weiter planen würde und er sich bei uns in aller Form entschuldigte, ließ die Richterin keine Gnade walten. Am Ende der Verhandlung verließen wir mit einem guten Gefühl das Gebäude. Wir hatten uns und mehr war nicht wichtig. Zusammen würden wir alles schaffen und kein Ali, sein Bruder oder sonst jemand konnte daran etwas ändern.

Dennoch bat mich mein Schatz, uns eine neue Wohnung zu suchen. Er wollte endgültig mit dem Thema abschließen und nicht jeden Tag daran erinnert werden, wie Ali hier auf ihn losging. Durch die Schmerzensgelder hatten wir auch ein ordentliches finanzielles Polster und so fanden wir schnell eine schicke Wohnung in einem ruhigeren Bezirk. Es war nun unser gemeinsames Heim und mir war egal, wo ich wohnte. Die Hauptsache war, ich hatte meinen Kleinen an meiner Seite. 

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4 Gedanken zu „I Will Survive“

  1. Wir haben gerade die ganzen Teile auf einmal gelesen, Diese Geschichte ist echt der Wahnsinn und man merkt wie dicht Liebe Gewalt und Angst beieinander liegen. Wir sind wirklich begeistert wie lebensecht und leider auch oft der Tatsache entspricht, das der Sex nur zweitrangig ist und erst zum Schluss etwas mehr bedeutet bekommt. Zwar schön geschrieben aber nicht den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Genau das mögen wir an Dir. Nicht nur Sex egal in welcher Stellung ständig wechselde Partner sondern einen tieffen und schönen Eindruck hinterlässt. Wir danken Dir dafür. Einen dicken Knutscher von uns und liebe Grüße

  2. Die Geschichte ist der Wahnsinn. Danke, dass du sie hier veröffentlicht hast. Ich habe sie am Stück durchgelesen. Ich hoffe nur, sie bekommt die Reichweite die sie verdient.
    Lieb grüßend und hoffend auf mehr
    Ein MfM Autorenkollege

    PS:
    Ich kann leider die epubs nicht runterladen. Wäre klasse, wenn man die auch direkt auf der Seite lesen könnte 🙂

    1. Gern geschehen und Danke für das klasse Kommentar. Ich habe leider es nur auf Apple testen können, wie sich die EPUBs verhalten. Für Android braucht man eine entsprechende App, aber die neuen Geschichten bereite ich auch so vor, das man sie auch hier lesen kann.

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