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Scheiß auf Prinzessin

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Ein etwas anderes Es war einmal…

Für Erik lief sein Leben nie perfekt, aber dieser Prinz lässt sich von niemandem unterkriegen. Bekommt auch er sein „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“?

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96–144 Minuten
Ein etwas anderer Prinz 

»Es war einmal in einem weit entfernten, großen Königreich. Dort gab es einen schönen Prinzen. Tag für Tag beugte er sich dem Willen seines Vaters, obwohl er sein ganzes Leben spürte, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Seit seinem sechzehnten Lebensjahr versuchte er, zu rebellieren… «

»Dass ich nicht lache, von wegen rebellieren. Das war doch gar nicht möglich, wenn man in diesem scheiß Schloss wie ein Gefangener gehalten wurde. Lass mich es lieber erzählen. Niemand kennt meine Geschichte besser als ich selbst. Deine geschwollene Sprache hält doch niemand bis zum Ende aus. Reicht, wenn ich mit der älteren Generation so hochtrabend reden muss.«

Fangen wir noch einmal ganz von vorne an. Hi, ich bin Erik der vierzehnte. Genau, meine Familie war in der Namenswahl sehr kreativ. Die Nummer geht nach oben, der Name bleibt derselbe. Mich wunderte es nie, dass ich verkorkst war bei solch einer Familie. Schon mein Urahne war so verstrahlt, dass er eine Meerjungfrau vögelte. Im Grunde trugen all unsere Gene Fisch in sich. Mein eigener Vater musste sich vor Jahren unbedingt mit einer Hexe anlegen, welche ihn zur Strafe in einen Frosch verwandelte. Anscheinend kam dies schon einmal vor, weshalb meine Mutter eine Information bekam, wie man diesen Fluch brechen konnte. Viele Tage verbrachte sie am Teich hinter dem Schloss. Ich will gar nicht wissen, wie viele Frösche sie abgeknutscht haben musste. Aus Zufall hatten wir ihn in der Küche gefunden. Selbst als Frosch blieb seine Lieblingsbeschäftigung Fressen. Irgendetwas musste mit dem Fluch schiefgelaufen sein, denn seitdem konnte es vorkommen, dass er quakend durchs Schloss hüpfte.

Meine Mutter hingegen war bis auf ihren Schönheitswahn auszuhalten, zumindest bis ihr mein Vater einen magischen Spiegel schenkte. Ich hatte sie einmal dabei beobachtet, wie sie ihn benutzte. Dabei wäre ich vor Lachen beinahe gestorben, als sie ihn fragte, wer die Schönste ist.

»Meine Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber im ganzen Land gibt es sehr viele, die viel schöner sind als Ihr.«

Sie schreite den Spiegel danach so lange an, bis er seine Antwort so eingrenzte, dass sie die Schönste war. Gut, er begrenzte sich dabei auf das Zimmer hier, aber sie gab danach wenigstens Ruhe. Ich konnte es mir nicht nehmen, ihren Spiegel selbst auszuprobieren.

»Prinz Erik, Ihr seid der Schönste hier, aber Lord Balerion ist viel schöner als Ihr«, sprach der Spiegel.

Zu meiner Überraschung projizierte mir der Spiegel sogar ein Bild von ihm. Mir blickten diese roten, geheimnisvollen Augen entgegen, welche ich nur zu gut aus meinen Träumen kannte. Doch seine restliche Erscheinung war mir neu. Er musste nur ein paar Jahre älter sein als ich. Seine Augen waren umrahmt von einem makellosen Gesicht und pechschwarzen, langen Haaren. Auch der Rest seiner Erscheinung wirkte ebenso atemberaubend. Das Bild von ihm grinste mir entgegen, was meinen Körper augenblicklich reagieren ließ.

Damit wären wir bei meinem Geheimnis angelangt. Es fing an, als ich heimlich einige unserer Ritter bei ihrer abendlichen Wäsche beobachtete. Zufällig bin ich an diesem Abend an den Ställen vorbeigegangen. Ich hörte Stimmen und sah Licht brennen. Neugierig, wie ich bin, spähte ich durch einen Schlitz zwischen den Holzbrettern. Da sah ich sie. Alle waren sie nackt und wuschen ihre gestählten, vom Kampf gezeichneten Körper. Am meisten faszinierten mich zwei von ihnen. Sie küssten sich, während sie sich dabei überall berührten. Beide schienen eine gewaltige Lust zu empfinden. Auch bei mir zeigte es seine Spuren. Ich konnte nicht anders, als mich selbst zu berühren. Bei den Männern blieb es nicht bei einfachen Berührungen, sogar die anderen stiegen in ihr Spiel mit ein. Sie nahmen gegenseitig ihre Schwänze in den Mund. Drangen am Ende sogar ineinander ein. Obwohl ich mir schon längst Erlösung verschafft hatte, sah ich ihnen bis zum Schluss zu.

Seitdem drehte ich jeden Abend meine Runde in der Hoffnung, sie wieder dabei zu beobachten. Es gelang mir nicht jeden Tag, aber ich bekam dennoch viel zu sehen. Eines Abends war sogar mein eigener, hübscher Knappe unter ihnen. Ich sah zu, wie sie sich an ihm zu schaffen machten. Das war meine Chance, selbst einmal so etwas zu erleben. Zum ersten Mal bereute ich es nicht, ein Prinz zu sein. Gleich am nächsten Tag bestellte ich ihn in meine Gemächer.

»Ich habe gesehen, wie du dich mit den anderen Rittern gestern Nacht vergnügt hast«, sprach ich zu ihm, als er vor mir kniete, um meinen Befehl in Empfang zu nehmen.

»Es tut mir leid, dass eure Lordschaft es mit ansehen musstet. Es war uns nicht bewusst, dass ihr anwesend wart.«

»Darum geht es nicht. Ich möchte, dass du das Gleiche mit mir machst«, machte ich ihm klar.

»Ich mit euch? Das kann ich nicht tun, Eure Lordschaft.«

»Doch kannst du. Leg deine Sachen ab und verliere nie ein Wort darüber, was in meinen Gemächern zwischen uns passiert«, befahl ich ihm.

Ich hatte gehofft, er würde freiwillig auf mein Angebot eingehen. Mir hätte bewusst sein müssen, dass es sein Stand niemals erlauben würde, solche Dinge mit mir zu tun. Für mich war es jedoch die einzige Gelegenheit, in den Genuss dieses Spektakels zu kommen. Das erste Mal mit ihm war zäh, aber je öfter wir es wiederholten, fand auch er Spaß daran. Unser tägliches Schwertkampftraining endete daher befriedigt in meinen Gemächern. Zumindest bis wir einmal unvorsichtig waren und von einer älteren Dienstmagd erwischt wurden, als ich gerade tief in ihn eindrang.

Die alte Schrapnelle diente natürlich meinem Vater, weshalb sie ihm alles berichtete. Wegen ihr wurde sofort mein Knappe aus dem Königreich verbannt und ich durfte das Schloss ohne ihre Begleitung nicht mehr verlassen. Meine werten Eltern dachten sofort, dass ich verflucht sein musste. Aus dem ganzen Land bestellten sie Feen zu uns, welche mich »heilen« sollten, aber keine von ihnen konnte einen Fluch an mir feststellen. Ihre letzte Hoffnung blieb die große, gute Fee. Wie eine Irre wedelte sie vor mir mit ihrem Zauberstab umher, womit sie Unmengen an Feenstaub über mir verteilte. Schon mal das Zeug eingeatmet? Keine gute Idee, denn noch am Abend hustete ich kleine rosa Glitzerwolken aus. Obwohl ich funkelte wie ein Edelstein, konnte auch sie nichts Ungewöhnliches feststellen. Etwas sah sie in mir, aber es war kein Fluch.

»Euer lieber Sohn muss wahrscheinlich nur die richtige Frau an seiner Seite finden. Damit sollte sich das Problem ein für alle Mal lösen«, war ihr guter Rat an meine Eltern.

Zwischen Prunk und Ogern

Damit begann mein Albtraum erst richtig. Am liebsten hätte mein Vater sofort jede Prinzessin aus dem gesamten Reich zu uns eingeladen. Doch zu meinem Glück funktionierte dies nur andersherum. Dafür durfte ich seitdem ausrücken, sobald ein anderer König einen Gemahl für seine Tochter suchte. Der Vorteil daran war, dass ich so ein paar Tage aus dem Schloss rauskam. So ging es mit meinem Wachhund, von grimmiger Anstandsdame, auf die Reise. Die alte musste sogar mit in meinem Zelt schlafen. Bei der Größe des Zelts war es mir zwar egal, aber sie schnarchte wie ein Schwein. Dazu noch so laut, dass ich mit dem Gedanken spielte, sie abzustechen. Die Königreiche veranstalteten einen gewaltigen Aufriss. Das Schloss war geschmückt. Überall wurde gesungen, getanzt und gefeiert. Kurz um, der blanke Wahnsinn. Beim ersten Mal ging ich sogar direkt zum König, um ihm klarzumachen, dass ich kein Interesse an seiner Tochter hätte. Ich wollte bloß so schnell wie möglich weg von diesem Affentheater. Das war leider eine ganz dumme Entscheidung gewesen. Fast wären wir deswegen im Kerker gelandet, da er sich zutiefst beleidigt fühlte. Es war der Magd zu verdanken, dass wir heil aus der Sache rauskamen. Anscheinend war die alte doch zu etwas gut.

Seitdem musste ich mir immer wieder aufs Neue den ganzen Mist antun. Das Essen war noch ok. Sie tischten halt viele Köstlichkeiten ihres Landes auf, um die potenziellen Anwärter zu beeindrucken. Danach ging es zum Ball über. Der große Tänzer war ich nie gewesen, was meine Lust darauf immens schmälerte. Ich war geschockt, was die anderen Königreiche für Prinzen hervorbrachten. Nicht einer von ihnen traf nur annähernd meinen Geschmack. Manche konnten sogar mein Vater sein. Kein Wunder, dass die Prinzessinnen als Erstes bei mir ihr Glück versuchten. Ich stellte mich extra an wie der letzte Hinterwäldler ohne Manieren. Das half gut, auch wenn ein paar von ihnen recht hartnäckig waren. Einer zerbrach ich aus Versehen ihren gläsernen Schuh beim Tanzen, als ich auf ihren Fuß trat. Sie hat geschrien wie am Spieß, aber wer bitte war so dämlich und zog so etwas Unpraktisches an? Außerdem war sie selbst schuld, da sie keine Ruhe gab und unbedingt tanzen wollte. Ich hatte sie gewarnt.

Allgemein sah ich in dieser Zeit viele kuriose Dinge oder Gestalten. Weit im Osten gehörte ein kleiner, roter, vorlauter Drache zur Königsfamilie. Er lag mir stundenlang mit seinem sinnlosen Gelaber in den Ohren. Als er mir aber den Hintern verbrannte, damit ich tanzen ging, steckte ich ihn in einen der großen Krüge hinter mir. Sonst gab es das Übliche. Sprechende Tiere oder das Skelett eines Riesen, der aus den Wolken stammte, bis hin zu einem Königreich in einem Hasenbau mit einer debil grinsenden Katze. Die war vielleicht gruselig.

Meine Eltern waren wegen mir am Verzweifeln. Sie verstanden nicht, was sie mit mir falsch gemacht hatten. Ich hingegen fand mich mit meinem Leben ab. Jeden Tag trainierte ich allein auf dem Hof. Verfeinerte meine Kampftechniken, bis ich nicht mehr konnte. In meinen Gemächern wurde ich sogar immer kreativer dabei, mir selbst Lust zu bereiten. Leider kam es nicht an das heran, was ich mit meinem Knappen erleben durfte. Einen Tag vor meinem zwanzigsten Geburtstag kam der nächste Brief in unserem Schloss an. Diesmal suchte der König aus dem Nachbarland einen Ehemann für seine Tochter. Die dazugehörige Feier war bereits für den nächsten Tag angesetzt. Wir waren wohl die letzten, welche diese Nachricht erhielten, was auch Sinn ergab. Ihr Schloss war keinen Tagesritt von uns entfernt. Damit begab ich mich mit unserer Magd auf die nächste zum Scheitern verurteilte Reise.

König Edward war in unseren Kreisen als sehr gierig bekannt. Das konnte man allein daran erkennen, wie arm seine Untertanen waren, an denen wir vorbeikamen. Einzig allein das Schloss sprühte vor Prunk und Glanz. Die Feierlichkeiten hingegen fielen komplett aus. Er kam lieber direkt zur Sache und wir standen alle versammelt bei ihm in seinem Thronsaal. Den sprechenden Esel fand ich sehr amüsant, aber um Gottes Willen, was da neben ihm saß, sah nicht aus wie eine Prinzessin, sondern ging eher als Oger durch. Sie hatte wohl alles von ihrem Vater geerbt, da die Königin sehr hübsch aussah. Ich wollte mich hinter dem einen riesigen Kerl verstecken, wurde aber zur Seite geschubst und kam hinter einem Zwerg zum Stehen.

»Vater da. Der ist hübsch. Den will ich haben«, ging es schrill durch den Thronsaal.

Dabei zeigte sie genau in meine Richtung. Augenblicklich machten alle Platz um den Zwerg. Auch ich trat einen Schritt zurück, in der Hoffnung, sie würde ihn meinen.

»Nicht der Zwerg. Der süße Blonde dahinter«, quietschte sie voller Aufregung.

»Du, Junge, tritt vor«, befahl er mir.

Nur widerwillig trat ich nach vorn, bis ich wenige Meter vor ihnen zum Stehen kam. Mein Hirn raste. Wie sollte ich diesmal aus dieser Situation rauskommen? Die Prinzessin lächelte. zeigte dabei ihre Zähne, die so schön waren wie Sterne. So schön gelb und so weit auseinander. Es lief mir kalt den Rücken herunter.

»Wer bist du?«, wollte König Edward von mir wissen.

»Prinz Erik aus den Nachbarlanden«, presste ich hervor.

»Also gut, Prinz Erik. Willst du meine liebreizende Tochter zu deiner Gemahlin nehmen?«, stellte er mir offiziell die Frage.

»Nie im Leben«, ging es mir durch den Kopf, aber das konnte ich nicht sagen, ohne danach seinen Zorn auf mich zu ziehen.

Abhauen? Vielleicht totstellen? Was zum Henker sollte ich bitte machen?

»Nun sprich endlich«, grollte der König.

»Würdet Ihr mir bitte einen Tag Bedenkzeit gewähren, Eure Hoheit?«, versuchte ich mein Glück.


»Nein, du …«, begann er, wurde aber von einem gewaltig lauten Knall unterbrochen.

Im nächsten Moment sprang die Tür des Thronsaals auf, ehe eine Gestalt in einem schwarzen Umhang gehüllt hereintrat. Geradewegs bewegte er sich auf mich zu, bis er vor mir zum Stehen kam. Diese rotglühenden Augen waren unverwechselbar. Es war der Kerl aus dem Spiegel.

»Lord Balerion, was wollt ihr hier?«, kam es panisch vom König, aber der Besucher schenkte ihm keine Beachtung.

Stattdessen sah er mir tief in die Augen, was mein Herz rasen ließ. Etwas tief in mir fühlte sich an, als würde es jeden Moment explodieren. Im gleichen Zug wurde ich von seinem Blick magisch angezogen.

»Geh mir aus dem Weg, oder du wirst den nächsten Tag nicht mehr erleben«, kamen drohend die Worte aus seinem Mund.

Mich an der Schulter packend, warf er mich mit einer gewaltigen Kraft zur Seite, bis ich gegen die Wand prallte. Mit einer einzigen Handbewegung erschuf er eine Feuerwand, welche uns alle von ihm und der Königsfamilie trennte.

»Unsere Abmachung wurde gebrochen, Edward. Du weißt genau, weshalb ich hier bin. Ich werde dir das Liebste nehmen, was du besitzt«, sprach er laut, dass ihn alle hören konnten.

»Nein, nicht meine Tochter. Nimm dir, was du willst, aber nicht sie!«, bettelte der König.

»Zu spät. Verabschiede dich von ihr«, dröhnte es machterfüllt durch den Raum.

Lord Balerion hob seine Hand und die Prinzessin schwebte in seine Richtung.

Sie schrie, wie am Spieß, ihren Vater um Hilfe an, was einem die Ohren bluten ließ.

»Sei still«, befahl Balerion, schnipste mit dem Finger, ehe die Prinzessin verstummte.

Augenscheinlich schien sie noch zu schreien, aber kein Ton war mehr von ihr zu hören.

»Wachen!«, brüllte König Edward, worauf sich seine Männer in Position brachten.

»Ein Schritt weiter und ihr werdet es mit eurem Leben büßen.«

Wahnsinn, wie seine tiefe, machtvolle Stimme meinen Körper erzittern ließ. Nicht vor Angst, sondern Begierde.

Plötzlich löste sich ein Schuss, aber der Pfeil prallte einfach von Balerion ab, ehe er zu Boden ging. Sekunden später schoss ein Feuerball aus seiner Hand in Richtung des Angreifers. Von ihm blieb nicht mehr als ein Häufchen Asche. Panisch durch seine Tat rannten alle schreiend aus dem Thronsaal. Sie wussten, dass sie gegen ihn machtlos waren.

»Nimm mich an ihrer Stelle«, platzte es aus mir heraus, nachdem alle, bis auf die Königsfamilie, den Saal verlassen hatten.

»Interessantes Angebot, nur bist du kein Teil der Abmachung.«

Er sprengte ohne weiteres ein Loch in die Mauern, packte sich die Prinzessin und sprang mit ihr aus dem Fenster.

Das anschließende Brüllen ließ selbst die Burgmauern erzittern, bevor ein gewaltiger schwarzer Drache den Himmel emporstieg.

Dies war also der Grund seiner gewaltigen Macht. Balerion war ein Drache. Ein riesiger noch dazu.

»Bitte, du musst meine Tochter aus den Klauen dieses Drachen retten«, flehte mich König Edward an, nachdem Balerion am Horizont verschwunden war.

»Das werde ich«, sagte ich fest entschlossen.

Jedoch interessierte mich dabei nicht seine Tochter. Sie war eher ein guter Vorwand, um aus dem Schloss rauszukommen.

Mit meinem falschen Versprechen machte ich mich somit auf den Heimweg. Nur um mich gleich am nächsten Tag in mein Abenteuer zu stürzen. Meine Eltern waren von der Neuigkeit nicht sehr begeistert. Doch ich flehte sie an, auf die Rettungsmission meiner Auserwählten gehen zu dürfen. Sie bedeutete mir doch schließlich alles. Ganz im Ernst, hätte er sich keine hübschere zum Entführen aussuchen können? Wie sollte es auch anders sein, hatte ich wieder meine Anstandsdame an der Backe. Mich hätte man sonst nicht mit drei strammen Rittern losschicken können. Doch bei denen handelte es sich auch nur um Auslaufmodelle, die mein Vater wohl gerne loswerden wollte. Sollte mir recht sein. Irgendwie würde ich es schon schaffen, sie loszuwerden.

In der Nacht passierte aber etwas Seltsames. Mein Traum von den glühenden roten Augen hatte sich verändert. Ich konnte Balerion klar und deutlich vor mir sehen. Mehr noch, er berührte mich. Seine Hand fuhr langsam über meine nackte Brust. Das Gefühl dabei war dasselbe wie in Edgars Thronsaal, nur stärker. Selbst meine Haut schien dabei silbern zu schimmern. Die Stelle an meinem Arm, wo er mich berührt hatte, kribbelte immer stärker. Sie fing sogar an zu brennen, bis es schmerzte. Panisch wurde ich aus meinem Traum gerissen. Mein Gemach war ungewöhnlich hell erleuchtet, doch alle Lichter waren aus. Beim Blick auf meinen Arm musste ich feststellen, dass ich selbst der Grund dafür war. Ich sprang auf und ging zum Spiegel. Entweder träumte ich noch immer, oder etwas stimmte mit mir ganz und gar nicht. Wie im Traum ging von mir ein silberner Schimmer aus. Dort, wo mich Balerion berührte, waren schwache Symbole zu erkennen. Fassungslos, was mit mir passierte, wollte ich mich am Bettgestell abstützen, doch als ich meine Hand um den Holzbalken schloss, zerbrach er in tausend Stücke. Dabei hatte ich doch kaum zugedrückt. Um mich zu beruhigen, schloss ich die Augen.

Versuchte, langsam und gleichmäßig zu atmen. Vieles hatte ich mir bereits in meinem Leben gewünscht, aber darunter war nicht, wie ein Glühwürmchen rumzulaufen. Die Stärke hingegen war ganz nett. Als ich mich wieder unter Kontrolle hatte, öffnete ich langsam die Augen. Es war stockfinster. Obwohl mein Arm noch immer kribbelte, war das Glühen verschwunden. Leider war auch die immense Kraft nicht mehr vorhanden. Die Splitter auf dem Boden bestätigten, dass es sich nicht um einen Traum handeln konnte. Damit hatte ich noch einen Grund mehr, Balerion zu finden, um zu verstehen, was mit mir passierte.  

Die Voraussetzung, unausgeschlafen ein Abenteuer zu beginnen, war nicht die beste, doch ich wollte keinen Tag länger warten. König Edward erklärte mir grob, wo ich seine Tochter finden würde. Leider hatte ich von einem Reich namens Merebahr noch nie vorher gehört. Laut ihm läge es irgendwo im Norden, also sollte uns sicher jemand weiterhelfen können, wenn wir uns an diese Richtung hielten. Meine Angst hielt sich in Grenzen. Viel zu verlieren hatte ich nicht. Lieber hier draußen umkommen als im Schloss zu verrotten. Auf den Thron meines Vaters war ich noch nie besonders scharf.

Im verwunschenen Wald kamen wir an dem alten, verrottenden Lebkuchenhaus vorbei.

»Schau mal, wäre das nicht genau die richtige Behausung für dich alte Hexe«, zog ich die Magd auf, welche mir nur einen finsteren Blick zurückwarf.

Ich verstand sowieso nicht, wieso sie nicht einfach verschwand. Sie könnte doch einfach abhauen, um irgendwo friedlich ihre letzten Tage zu verbringen. Im Nachhinein wäre es auch besser für sie gewesen, denn in der zweiten Nacht wurden wir von einer Vampirin und einem Werwolf überrascht. Die Ritter, samt mir, konnten entkommen, während sich das seltsame Duo an ihr die Zähne ausbissen. War ich traurig darüber? Nein. Hatte ich Angst, dass die Alte als Vampir zurückkehrt? Ja! Doch möge ihr Geist in Frieden ruhen, aber ich hatte ein Problem weniger. Bis auf den einen Verlust schafften wir es unbeschadet durch den Wald. Ich fand sowieso, dass er seinem Namen nicht gerecht wurde. Sicher, aus Büchern wusste ich, dass hier früher ein paar üble Dinge passierten. Großmütter wurden gefressen, ein Mädchen wurde als Geisel in einem Turm gefangen gehalten, sogar eine Hexe sollte hier ihr Unwesen treiben. Das war aber noch lange vor meiner Zeit.

Unser Weg führte uns weiter ins Feenreich. Der wohl friedlichste Ort unserer gesamten Reise. Das Einzige, was einen hier in den Wahnsinn trieb, war ihr ständiges Gekicher oder dass man aufpassen musste, sie nicht zu zerquetschen, wenn man aus Versehen auf eine Blume trat. Hier konnten wir aber rasten, ohne Angst haben zu müssen, von irgendetwas in der Nacht überfallen zu werden. Ich musste selbst eingestehen, dass ich am Ende meiner Kräfte war. Drei Tage hatte ich nicht geschlafen, damit nicht noch einmal dasselbe wie im Schloss passierte. Nun musste ich mir mein Zelt nicht mehr teilen. Außerdem brauchte ich dringend Schlaf. So legte ich mich in mein provisorisches Bett, ehe mir vor Erschöpfung die Augen zufielen.

Mein Traum war diesmal noch länger und intensiver. Balerion berührte mich nicht nur. Nein, er verteilte Küsse auf meinem Oberkörper. Je häufiger er es wiederholte, desto heller strahlte ich. Mehr von diesen Symbolen erschienen auf meiner Haut, bis sie klar erkennbar waren. Nie zuvor hatte ich solche Schriftzeichen gesehen. Mir wurde durch seine Nähe unsagbar heiß, so als würde ich von innen heraus brennen.

»Wacht auf, junger Herr«, flüsterte er in mein Ohr.

»Junger Herr, bitte«, wurde er lauter.

»Jetzt macht schon. Wacht endlich auf«, schrie er schließlich, ehe er mich von sich stieß.

Ich fiel ins Nichts, bis meine Schultern auf etwas Hartes trafen, ich meine Augen aufriss und in das schockierte Gesicht eines der Ritter blickte.

Überall um mich herum loderten grüne Flammen. Ich selbst lag in einem kleinen See. Meine Haut schimmerte wie in der einen Nacht.

»Was ist passiert?«, fragte ich panisch.

»Wir wissen es nicht. Die Schreie der Feen haben uns geweckt. Wir sind ihnen gefolgt, bis wir euch so hier vorfanden. Geht es euch gut?«

Das Feuer musste gelöscht werden. Doch sobald ich aufsprang, verschwanden die Flammen wie von Zauberhand. Zurück blieben nur die verkohlten Reste.

»Wir sollten zurückkehren, mein Lord. Anscheinend wurdet ihr doch verflucht. Euer Körper, er leuchtet.«

»Nein, ich werde sicher nicht zurück zum Schloss gehen. Ich muss diesen Drachen finden. Macht, was ihr wollt. Geht oder folgt mir, aber haltet mich nicht auf«, befahl ich, bevor ich zum Lager ging.

Schnell zog ich meine Sachen an, packte das Nötigste zusammen, ehe ich auf mein Pferd sprang. Ich ließ meine drei Begleiter einfach stehen. Es war für uns alle das Beste, wenn ich diesen Weg allein bestritt. Einer von ihnen versuchte, mich zu verfolgen, aber zu Fuß hatte er keine Chance. Phönix rannte wie der Wind. Er war seit ein paar Jahren mein treuester Begleiter, mein einziger Freund. Wie ein Blitz schossen wir aus dem Feenreich hinaus in die Steppe. Wir legten einiges an Strecke zurück, doch auch ihm ging irgendwann die Kraft aus. Hier draußen gab es außer Löwen oder Hyänen nicht viel, was uns gefährlich werden könnte. Trotzdem brauchten wir einen geschützteren Schlafplatz und unbedingt Wasser. Es musste unser Glückstag sein, dass wir auf unserer Suche auf eine kleine Nomadengruppe stießen, die dabei war, selbst ihr Lager für die Nacht aufzuschlagen. Ich fragte sie zwar nur nach etwas Wasser für uns, doch sie luden mich direkt dazu ein, die Nacht bei ihnen zu verbringen.

Eine arabische Nacht 

Sahid, ihr junger Anführer, war selbst Sohn eines Königs, aber als jüngster Bruder von neun Geschwistern stand er an der untersten Nahrungskette.

»Wo führt euch eure Reise hin?«, fragte ich ihn neugierig.

»Wir wollen noch weiter in die Wüste. Ich habe eine Legende von einer Zauberlampe gehört. Sie soll ihrem Besitzer drei Wünsche erfüllen. Ich habe es satt, immer von meinen Geschwistern herumgeschubst zu werden und du, mein Freund?«

»Ich bin auf dem Weg nach Merebahr. Schon mal davon gehört?«

»Sicher. Das Land des schwarzen Drachen, aber was willst du dort?«

»Ich muss mit dem Drachen sprechen und nebenbei eine Prinzessin retten.«

»Ok, also der normale Prinzenalltag. Hoffen wir, dass der Drache dein hübsches Gesicht nicht verunstaltet«, meinte er mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen.

»Ich auch. Weißt du, ob ich auf dem richtigen Weg bin? Ist es noch weit?«, interessierte mich viel mehr.

»Ja, bist du. Morgen solltest du mittags den Elbenwald erreichen. Nur reit nicht einfach hinein, sondern warte am Rand, bis du in Empfang genommen wirst. Bitte anschließend um eine Audienz beim König. Danach sind es noch ein bis zwei Tage. Je nachdem, wie gut du dich mit den Zwergen stellst. Doch, du bist sicher auch hungrig. Meine Männer haben vorhin ein Warzenschwein und ein Erdmännchen gefangen. Die müssten langsam durch sein. Lass uns etwas essen«, erklärte er mir.

»Erdmännchen? An denen ist doch nichts dran?«, fragte ich verwundert.

»Sind Ihnen wohl zusammen in die Falle gegangen. Einer meiner Männer meinte, sie schmecken wie Hühnchen.«

Wie Hühnchen schmeckte es bei weitem nicht, aber dafür war das Schwein ausgezeichnet. Sogar für Phönix hatten sie eine Ration Futter über. Wir saßen noch lange gemeinsam unter dem Sternenhimmel. Sahid und seine Männer erzählten mir viel über ihre erlebten Abenteuer, ehe sie sich in ihre Zelte verkrochen.

»Komm, junger Prinz, du kannst bei mir übernachten«, sagte Sahid.

Obwohl ich dankend ablehnte, ließ er nicht locker. Für mich war an Schlaf nicht zu denken, nachdem was im Feenwald passierte. Doch ein gemütliches Lager war sicher besser als der harte Boden. Sahids Zelt war nicht so groß wie meines, aber der komplette Boden war mit mehreren Decken ausgelegt, sodass eine weiche Liegefläche entstand.

Sahid begann, seine Kleidung abzulegen, bis nur noch eine kurze Leinenhose seinen Intimbereich bedeckte. Das Licht aus der kleinen Laterne spielte auf seiner karamellfarbenen Haut und betonte seinen schönen Körperbau. Ohne Zweifel war er mit einer der schönsten Männer, die ich bisher zu Gesicht bekam. Ich hingegen entkleidete nur meinen oberen Bereich, um zu verhindern, dass er sehen konnte, welche Reaktion mein Körper auf ihn hatte. Sobald wir uns beide lagen, löschte er die Laterne. Meine Augen geschlossen, versuchte ich, mich zu entspannen.
»Noch drei Tage, dann bin ich an meinem Ziel«, dachte ich, bevor ich mich in Gedanken verlor, was dort auf mich warten würde.

»Dein Körper scheint nicht viel Sonne abzubekommen«, stellte Sahid leise fest.

»Schwierig, wenn man seit fast vier Jahren im Schloss eingesperrt lebt.«

»Ist das bei euch normal?«, wollte er interessiert wissen.

»Nein. Ich habe etwas nicht Standesgemäßes getan. Seitdem durfte ich nur in Begleitung einer Magd das Schloss verlassen«, erklärte ich ihm.

»Was kann so schlimm sein, dass man jemanden wegsperrt? Für einen Mörder würde ich dich nicht halten.«, bohrte er weiter nach.

»Nein, nie im Leben würde ich einen Mord begehen.«

»Komm, junger Prinz, erzähl es mir, sonst finde ich keinen Schlaf.«

»Ich wurde von der Magd mit meinem Knappen erwischt«, gestand ich leise.

»Du meinst, ihr habt das Bett miteinander geteilt«, korrigierte er meine Aussage.

Ich hatte schon damit gerechnet, dass seine Gastfreundschaft damit ein Ende fand, doch stattdessen spürte ich plötzlich seine Hand auf meinem Bauch.

Vor Schreck zuckte ich unter seiner Berührung zusammen.

»Entschuldige, junger Prinz. War ich zu forsch? In meinem Land ist es nicht verboten, auch Männer anziehend zu finden«, sagte Sahid ruhig, ließ seine Hand dennoch auf mir ruhen.

»Dann hast du dir schon einmal das Bett mit einem geteilt?«

»Ich selbst noch nicht, aber ein paar meiner Brüder. Du hingegen faszinierst mich sehr. Deine Haut sieht beinahe aus wie weißer Marmor, aber sie ist so weich und warm. Würdest du mich auch gerne berühren?«

»Würdest du es gerne wollen?«, stellte ich ihm die Gegenfrage.

Anstatt einer Antwort nahm er meine Hand und führte sie zu seinem Bauch. Mit seinen Haaren fühlte es sich anders an als bei meinem Knappen, auch seine Muskulatur war viel ausgeprägter. Ich konnte nicht genug davon bekommen, ihn zu berühren, aber ihm ging es gleich. Langsam erkundeten wir unsere Oberkörper. Mein Knappe war mir unterwürfig, doch mit Sahid stand ich auf einer Ebene. Ich konnte und wollte in diesem Moment nichts erzwingen. Allein seine Berührungen hätten mir ausgereicht, doch da spürte ich seine Lippen an meinen. Vorsichtig, zärtlich, gar schüchtern erlebte ich meinen ersten Kuss. Dieses Gefühl war selbst für mich neu, denn dies war das Einzige, wozu ich meinen Knappen nie überreden konnte.

Auf den ersten Kuss folgten weitere, bis sogar unsere Zungen anfingen, miteinander zu tanzen. Im Rausch legte sich Sahid auf mich. Küssend pressten sich unsere Oberkörper aneinander. Nicht nur das, denn ich konnte spüren, was unser bislang harmloses Spiel bei Sahid anrichtete. Sein Schwanz konnte sich in dem dünnen Stoff leicht entfalten, aber meiner drückte schmerzlich gegen meine Hose. Erst recht, wenn er sich fest dagegen presste.

»Hättest du etwas dagegen, wenn ich mich meiner Beinkleider entledige?«, wisperte ich gegen seine Lippen.

»Nein«, gab er mir aufgeheizt zurück, ehe er seine Hüfte anhob.

Seine Leinenhose war schon so weit heruntergerutscht, dass es unmöglich war, ihn nicht zu berühren, als ich die Bindung meiner Hose löste. Unaufhörlich küsste er mich dabei und brachte kleine Seufzer hervor, sobald ich über seinen Schwanz strich. Es war eine Befreiung, meine Hose, samt Unterhose, soweit es ging, von meinem Körper zu streifen. Bevor er sein Becken wieder senkte, schob ich auch seine Leinenhose ein Stück weiter herunter. Nun fing er an, sich fester an mir zu reiben, was unsere Lust nur weiter vorantrieb.

Diese Reibung, seine Haut unter meinen Händen und unsere Küsse hätten ausgereicht, um meine Lust auf den Höhepunkt zu treiben. Er löste aber unseren Kuss, damit er sich aufrichten konnte. Gebannt sah er an sich herab, als er erst meinen Schwanz berührte, ehe er beide zusammen mit der Hand umschloss. Zögernd fing er an, uns gemeinsam zu massieren. Meine Hände ruhten auf seinen Oberschenkeln, doch je schneller er wurde, desto fester wurde mein Griff. Ich wand mich bereits unter ihm. Jeden Moment war es soweit, aber da hielt er inne, keuchte auf und entleerte sich pumpend auf meinem Körper. Für mich reichte dies als Auslöser, ihm zu folgen. Mein Saft der letzten Tage schoss nur so aus mir heraus.

Damit war es vorbei. Sahid säuberte mich noch mit einem Lappen, ehe er sich mit einem letzten Kuss wieder mit seiner Hose bedeckte.

»Danke für diese Erfahrung, junger Prinz. Jetzt kann ich verstehen, wieso meine Brüder auch Männer in ihrem Harem willkommen heißen. Ich wünsche dir eine gute Nacht«, sagte Sahid, bevor er sich schlafen legte.

»Es war mir eine Ehre«, erwiderte ich, während ich mich anzog.

Von Sahid hörte ich daraufhin nur noch ein leises, gleichmäßiges Atmen. Er musste sofort eingeschlafen sein. Somit legte ich mich in Gedanken an das gerade Erlebte auch nieder. Ich musste selbst eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen öffnete, war es bereits hell. Schlagartig wuchs in mir die Panik, dass wieder etwas mit mir im Schlaf passiert sein musste, doch ich lag noch immer im Zelt. Alles schien normal, sogar Sahid lag noch schlafend auf der anderen Seite. Ich konnte mich auch nicht daran erinnern, wieder von Balerion geträumt zu haben. Dennoch trieb mich etwas in mir an, so schnell wie möglich meine Reise fortzusetzen.

Ich schlich leise aus dem Zelt, um mich einer schnellen Morgenwäsche zu unterziehen. Zumindest die Spuren der Nacht wollte ich beseitigen. Zurück im Zelt lächelte mir Sahid entgegen.

»Entschuldige, habe ich dich geweckt? Ich möchte nur so schnell wie möglich aufbrechen, um keine Zeit zu vergeuden.«

»Nein, hast du nicht. Doch dann wünsche ich dir für deine Reise, dass du findest, wonach du suchst. Sollte es dennoch nicht der Fall sein, kannst du jederzeit zu mir kommen. An meiner Seite hättest du einen Platz, bei dem du nicht in Gefangenschaft leben musst.«

»Vielen Dank, Sahid. Nicht nur für dein Angebot, sondern auch für deine Gastfreundschaft. Ich werde es sicher nie vergessen. Leb wohl und auch dir weiterhin viel Glück«, verabschiedete ich mich von ihm.

»Leb wohl, junger Prinz Erik.«

Eine erste Erklärung 

Es beruhigte mich ein wenig, diese Option zu haben. Sollte ich mit meinem Vorhaben scheitern, geschweige denn lebend aus Merebahr herauskommen, konnte ich nach Sahid suchen. Nach Hause zurückzukehren, kam für mich nicht mehr in Frage. Mit neuer Kraft brachte mich Phönix in Windeseile an den Rand des Elbenwaldes. Wie auf Sahids Geheiß ging ich nicht hinein, sondern wartete. Ich ging am Waldrand auf und ab. Rief sogar mehrmals »Hallo«, aber es passierte nichts. Meine Geduld war am Ende und ich beschloss, es einfach zu riskieren. Doch als ich einen Schritt in den Wald wagte, schlug ein Pfeil neben meinem rechten Fuß ein.

»Bleib, wo du bist, die Wächter sind bereits auf dem Weg zu dir«, erklang es irgendwo aus dem dichten Wald.

Ich sah mich um, konnte aber niemanden sehen. Auch auf die Frage, wie lange es noch dauern würde, bekam ich keine Antwort.

Damit hieß es wieder warten. Ich setzte mich zu Phönix ins Gras und starrte auf den Wald.

Irgendwann nahm ich eine Bewegung wahr. Tatsächlich rührte sich etwas und sechs bewaffnete Elben traten aus dem Schatten der Bäume.

»Was ist dein Begehr?«, fragte mich ihr Anführer.

»Ich möchte eine Audienz bei eurem König«, rief ich zurück.

»Dann steh auf, händige uns deine Waffen aus und folge uns«, wies er mich an.

Nachdem ich mein Schwert überreichte, gingen sie wortlos voran. Gemeinsam mit Phönix gingen wir tief in den Wald hinein, bis wir an einem See mit gewaltigem Wasserfall ankamen.

Der Anführer gab einen lauten Schrei von sich, bevor die Erde anfing zu beben. Im nächsten Moment hob sich langsam eine Brücke aus dem See und der Wasserfall begann sich zu teilen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen. Nachdem sich die Erde wieder beruhigt hatte, setzten wir unseren Weg fort. Am Ende der Höhle angelangt, erstreckte sich ein riesiges Dorf mit unzähligen kleinen Hütten überall in den Bäumen. Ich war so überwältigt, dass ich erschrak, als einer der Männer mir die Zügel aus der Hand nehmen wollte.

»Wir kümmern uns solange um dein Pferd, während du mit dem König sprichst«, erklärte er mir.

Auf direktem Weg führten sie mich in das größte der Gebäude. Wie es aussah, wurde ich erwartet, denn der König saß bereits auf seinem Thron, finster auf mich herabblickend.

»Sag mir, was verschlägt dich in unseren Wald, Mensch?«, fragte er, nachdem ich mich würdevoll verbeugt hatte.

»Ich bin auf dem Weg nach Merebahr und bitte, euer Land durchqueren zu dürfen.«

»Was will ein einfacher Mensch wie du im Land des schwarzen Drachens? Suchst du den Tod?«

»Ich will eine Prinzessin retten«, sagte ich, was ihn zum Lachen brachte.

»Die ist sicher längst nicht mehr am Leben. Kehr um, wenn dir dein Leben lieb ist.«

»Nein, werde ich sicher nicht«, meinte ich stur.

»Was bitte ist an dieser Prinzessin so besonders, dass du dein Leben für sie aufs Spiel setzt?«, fragte er neugierig.

»Nichts«, platzte es mir heraus.

»Dann verschwinde. Ich verbiete dir, mein Land zu durchqueren. Hüter, geleitet ihn wieder zurück an den Waldrand«, befahl er.

Sofort packten mich seine Männer an den Armen, um mich aus dem Thronsaal zu befördern.

»Bitte. Nein. Ich muss unbedingt nach Merebah und dieses Weibsstück befreien. Bitte lasst mich gehen«, flehte ich.

Es schien den König nicht zu interessieren. Ich wehrte mich gegen seine Männer und versuchte, mich zu befreien. Plötzlich spürte ich wieder meinen Arm kribbeln. Es wurde immer stärker, je mehr ich die Hoffnung verlor, hier zu scheitern. Diese immense Kraft kehrte zurück, weshalb die Männer keine Chance mehr hatten, mich nur einen Millimeter zu bewegen.

»Ich bin nicht so weit gereist, um hier aufzugeben. Ich muss endlich zu ihm«, sagte ich mit fester Stimme.

Mein Körper begann zu schimmern, was alle um mich herum in Staunen versetzte. Die Hüter machten einen Schritt zurück und ließen von mir ab.

»Majestät. Lasst mich bitte mit dem Fremden reden. Wartet bitte noch mit einer endgültigen Entscheidung«, mischte sich ein sehr alter Elb ein.

Er trat an den König heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

»Du hast Glück, junger Mensch. Geh mit unserem Weisen. Danach überlege ich mir erneut, ob ich dir meine Erlaubnis gebe, das Land zu durchqueren.«

»Komm, Junge, folge mir«, sagte der Alte aufgeregt.

Für einen alten Tattergreis war der flink unterwegs. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen, also ergab ich mich meinem Schicksal.

»Setz dich. Setz dich«, drängelte er, als wir so etwas wie eine Bibliothek erreicht hatten.

Noch immer vom Schimmer umgeben nahm ich auf dem nächsten Stuhl Platz.

»Erzähl mir genau, was mit dir los ist. Passiert das häufiger, dass du so leuchtest?«, wollte er wissen, während er mich von allen Seiten ansah.

»Es ist das dritte Mal. Bisher trat es nur auf, wenn ich aus einem Traum erwachte. Doch das eben ist selbst für mich neu.«

»Begegnet dir der schwarze Drache in deinen Träumen?«, fragte er direkt.

»Ja, aber woher wisst ihr das?«

»Hast du auch Runen auf deinem Körper?«, bekam ich stattdessen als Gegenfrage.

»Wenn das so seltsame Zeichen sind, dann ja, aber nur dort, wo mich Balerion vor ein paar Tagen berührte«, erklärte ich ihm.

»Darf ich sie sehen?«

In der Hoffnung, mehr herauszufinden, entblößte ich meinen Oberkörper. Die Zeichen waren schwach, aber wohl genau das, was der alte Elb erhofft hatte zu finden.

»Interessant«, gab er von sich.

»Wisst ihr vielleicht, was mit mir nicht stimmt?«

»Vielleicht, aber gib mir einen kurzen Moment.«

Wie ein Wiesel fing er an, durch den Raum zu rennen. Anscheinend suchte er nach einem bestimmten Buch.

»Ich könnte schwören, dass es hier sein muss… Ah, da haben wir es ja«, meldete er sich nach einiger Zeit und kam zu mir an den Tisch zurück.

»So, jetzt noch die richtige Stelle finden… hier: Im Jahr des Drachen wird ein Kind geboren werden, welches die Kraft in sich tragen wird, uns von der Tyrannei des schwarzen Drachen zu befreien. Sein silberner Glanz und sein grünes Feuer werden wieder Frieden in unser Land bringen«, zitierte er.

»Den silbernen Glanz hätten wir bereits. Fehlt nur noch das Feuer.«

»Das haben wir auch. Ich habe fast den Feenwald abgefackelt. Doch was bedeuten die Worte? Heißt es, dass ich ihn töten muss?«, fragte ich niedergeschlagen, weil der Gedanke schmerzte, ihm etwas anzutun.

»Diese Frage kann selbst ich dir nicht beantworten, Junge. Ich denke, das wirst du erfahren, wenn ihr euch gegenübersteht«, sagte der alte Elb ratlos.

»Können wir überhaupt sicher sein, dass ich es bin, von dem dieser Text handelt? Woher stammt er?«

»Es handelt sich um eine fast zweihundert Jahre alte Überlieferung einer Moira. Sicher können wir uns bei einer Prophezeiung nie sein, aber ich kann mir deine Erscheinung nicht anders erklären. Willst du deine Reise trotzdem fortsetzen?«

»Ja. Ich kann nicht umkehren.«

»Gut, dann lass uns mit dem König reden«, sagte er und wir gingen zurück in den Thronsaal.

Nach der Schilderung des alten Elbs ließ mich der König meine Reise fortsetzen. Laut den Hütern gab es zwei Wege nach Merebah. Entweder über den Berg, durch das Reich der Eiskönigin, oder direkt durch den Berg des Zwergenreichs. Der Weg durch den Berg würde mir einen Tag ersparen, daher wollte ich dort zuerst fragen, ob ich passieren dürfte. Zur Not konnte ich noch immer den längeren Weg einschlagen. Die Eiskönigin sollte gern Besucher empfangen, nur würde sie angeblich unaufhörlich singen, wie mir die Hüter berichteten.

Die Zwergenstadt war vom Waldrand aus nicht zu verfehlen. Schon von weitem konnte man die im Felsen eingemauerten Behausungen erkennen, geschützt von einer gewaltigen Mauer. Wie auch bei den Elben bat ich um eine Audienz bei ihrem König. Mürrisch gewährten sie mir Zutritt.

»Prinz Erik, was verschafft uns die Ehre eures Besuchs? Ihr wollt doch nicht etwa dieses schreckliche Weibsbild befreien?«, wurde ich im Thronsaal vom Prinzen begrüßt.

Ich erkannte ihn sofort als den Zwerg, hinter dem ich noch vor ein paar Tagen stand, bevor mich König Edwards Tochter auserwählte.

»Freut mich, euch wiederzusehen. Ja, genau deswegen bin ich hier. Ich muss dringend nach Merebah und bitte um Erlaubnis, euren Tunnel nutzen zu dürfen.«

»Seid ihr des Wahnsinns? Selbst unsere Frauen sind reizender als dieses Walross. Nehmt doch eine von ihnen und spart euch den sicheren Tod.«

Ich verlor langsam die Geduld, mich immer erklären zu müssen, wieso ich gerade diese schreckliche Gestalt retten wollte.

»Vielen Dank für das Angebot, aber ich gab mein Wort, sie ihrem Vater wohlbehütet zurückzubringen«, versuchte ich es auf die Weise.

»Na, wenn ihr unbedingt wollt. Vater, du hast sicher nichts dagegen, wenn ich ihn schnell durch die Tunnel begleite?«

»Nein, mein Sohn, wobei ich nach deinen Erzählungen nicht verstehen kann, wieso man diesen Weg freiwillig auf sich nimmt«, gab der König lachend von sich.

»Dein Pferd wirst du leider nicht mitnehmen können, aber es wird hier bei deiner Rückkehr auf dich warten«, sagte der Prinz.

Als wir vor einer Lore standen, verstand ich auch, weshalb.

»Hier, nimm den Eimer. Den wirst du vielleicht nötig haben«, meinte er, ehe wir in die Lore stiegen.

Der Bezug dazu war mir anfangs unklar, doch nach einem kurzen Stück nahmen wir Fahrt auf, bis wir nur so durch den Berg rasten. Es war der reinste Horror. In einer Sekunde ging es nach rechts, dann nach unten, wieder links. Alles in einem gewaltigen Tempo. Die Wände rasten nur so an uns vorbei. Augen schließen war noch schlimmer. Ich konnte nichts anderes, als mich am Rand der Lore mit all meiner Kraft festzuhalten. Plötzlich wäre mir der Weg über den Berg tausendmal lieber gewesen. Ich hatte die Befürchtung, dass die Fahrt niemals enden würde, aber da wurden wir endlich wieder langsamer.

»Gleich geschafft«, meldete sich der Zwergenprinz zu Wort, aber ich stand gewaltig unter Schock.

Nachdem mein Verstand wieder mitspielte, war ich sehr froh über den Eimer, denn ich ließ mir das Warzenschwein samt Erdmännchen nochmal durch den Kopf gehen. Dies amüsierte ihn umso mehr.

»Ich dachte, der Weg durch den Berg würde einen Tag dauern?«, fragte ich noch würgend über dem Eimer hängend.

»Wir hätten auch den Fußweg nehmen können, aber es schien mir, dass du es nicht abwarten könntest, endlich deine Angebetete zu retten.«

Angebetete, von wegen, aber er gab mir noch Zeit, bis sich mein Magen wieder beruhigte.

»Hier, Prinz Erik, nehmt das, damit ihr euch vor dem Kampf noch etwas stärken könnt«, sagte er und überreichte mir einen Beutel, wofür ich mich bedankte.

»Von hier aus ist es nicht mehr weit. Seht ihr den Berg dort hinten? Am Fuße ist der Eingang zu seiner Höhle«, erklärte er mir.

»Ich wünsche euch viel Glück, dass ihr lebend wieder zurückkehren werdet«, verabschiedete er sich von mir, bevor er zurück in die Lore stieg und verschwand.

Er lebt in dir 

Da war ich nun also – Merebah. Ich weiß zwar nicht, was ich erwartet hatte, aber auf diesem Reich lag etwas Düsteres. Gar verzweifeltes. Alle Wiesen, Felder und Wälder waren verbrannt. Asche, wohin das Auge reichte. Dazu diese komplette Stille. Nur den Wind hörte man manchmal leise wehen. Ich verstand nicht, wieso man sein eigenes Reich so dermaßen verwüsten konnte. Gedankenversunken suchte ich mir einen nahegelegenen Felsen, um mich zu setzen. Im Beutel fand ich Brot, Wurst und Wasser. Obwohl ich meinem Ziel so nah war, sollte ich tatsächlich etwas essen, denn immerhin könnte es meine letzte Mahlzeit sein. 

Gestärkt machte ich mich kurze Zeit später auf den Weg. Ungewiss, was mich erwarten würde, sobald ich die Höhle erreichte. Viel wusste ich bisher nicht über Balerion, aber diese pure Verwüstung und die Worte aus dem Buch des alten Elben ließen mich zweifeln. Darüber zu grübeln, hätte nichts geholfen. Es war endlich an der Zeit, es herauszufinden.

Kurz vor Einbruch der Nacht erreichte ich den Höhleneingang. Ein schwaches Licht drang aus dem Inneren. Eine Hand an meinem Schwert betrat ich die Höhle. Es stellte sich heraus, dass das Licht von Kristallen in den Wänden kam. Diese beleuchteten den Gang gerade einmal so weit, dass man den Weg erkennen konnte. Dieser führte mich tiefer in den Berg hinein, bis sich vor mir ein riesiges Gewölbe auftat. Fackeln tauchten den Raum in ein schummriges Licht. Sie ließen die Massen an Gold und Edelsteinen glänzen, doch alles wirkte ruhig. Unvorsichtig stieß ich mit meinem Fuß gegen einen Kelch, dessen blecherner Klang laut von den Wänden widerhallte. Im nächsten Moment erklang ein tiefes, furchteinflößendes, lautes Grollen, ehe sich der schwarze Drache erhob.

»Wer wagt es, ohne Einladung in meine Gemächer einzudringen?«

»Ich, Prinz Erik, aus den südlichen Landen«, sagte ich so laut, dass meine Stimme den Raum erfüllte.

»Dann bist du sicher hier, um die Prinzessin zu retten. Sie gehört mir.«

»Was mich retten? Ich bin hier. Endlich komme ich aus diesem Käfig raus. Hiiiiier, Hiiilfe«, plärrte das Weibsbild mit ihrer unerträglichen Stimme, was nicht nur mich zusammenzucken ließ.

»Sei still!«, brüllten Balerion und ich im Chor.

Wobei er die Macht besaß, dass sie auch tatsächlich Ruhe gab.

»Mach mit ihr, was du willst, aber du hättest dir wenigstens ein hübscheres Modell zum Entführen aussuchen können. Einige halten mich jetzt sicher für verrückt, dass ich wegen dieser Gestalt solch einen Weg auf mich nahm. Also nein, Scheiß auf die Prinzessin, ich bin nicht wegen ihr hier, sondern wegen dir«, machte ich ihm klar.

»Wegen mir also. Warum? Willst du mich töten?«

»Auch falsch. Ich will, dass du dich zurück in einen Menschen verwandelst und mich berührst, wie in meinem Traum.«

Um zu verdeutlichen, dass ich es ernst meinte, ließ ich mein Schwert fallen, ehe ich mir mein Hemd vom Leib riss.

»Dass ich nicht lache. Du Schönling hast diesen Weg nur auf dich genommen, damit ich dich berühre. Was haben sie dir versprochen? Ewiges Glück? Ewiges Leben oder sogar Macht?«

»Niemand hat mir etwas versprochen. Du erscheinst in jedem meiner Träume. Seit über vier Jahren. Erst nur deine Augen und seitdem du mich im Thronsaal berührtest, in deiner menschlichen Gestalt. Von mir aus töte mich, aber ich würde gerne wissen, was dies zu bedeuten hat.«

Endlich verwandelte er sich. Es dauerte nur einen Wimpernschlag, bis dieser schöne Mann komplett nackt auf mich zukam.

»Ich muss den Verstand verlieren, dass ich dir diesen Wunsch erfülle und dich nicht auf der Stelle umbringe. Dabei seid es gerade ihr Menschen, die am schlimmsten von allen seid«, sprach er, ehe er nur wenige Zentimeter vor mir zum Stehen kam.

Genau das war die Szene aus meinem Traum. Dieser stechende Blick aus Augen, die aussahen wie Rubine. Langsam hob er seine Hand. Schon als seine Fingerspitzen meine Haut berührten, fing sie darunter an zu leuchten.

»Das ist unmöglich«, sprach er überrascht und zutiefst ehrfürchtig.

Je mehr er von meiner Haut berührte, desto heller wurde der Schimmer. Runen erschienen auf meinem gesamten Oberkörper. In mir breitete sich eine extreme Hitze aus.

»Eros, das… Wie?«

»Ich heiße Erik«, korrigierte ich ihn.

»Nein. Du bist Eros, mein geliebter Eros«, hauchte Balerion, ehe er mich an sich zog und mich küsste.

Es fühlte sich an, als würde ich explodieren. Mein Herz raste, während wir uns in diesem Kuss verloren. Als wir uns voneinander lösten, traute ich meinen Augen nicht. Balerion war in einen goldenen Schimmer getaucht. Überall auf seiner Haut leuchteten dieselben Runen wie bei mir.

»Wie ist das möglich? Sie haben mich dir doch genommen. Du bist vor über dreihundert Jahren in meinen Armen gestorben und plötzlich stehst du hier vor mir. Noch schöner als damals. Oh, Eros«, sprach er mit Tränen in den Augen.

Obwohl mir der Name tausendmal besser gefiel als Erik, verstand ich absolut nichts. Außerdem kribbelte mein gesamter Körper nach diesem Kuss, was meinen Verstand zusätzlich außer Gefecht setzte.

»Warte bitte. Es ist klasse, dass du mich nicht mehr umbringen willst, aber ich bin denke ich nicht derjenige, für den du mich hältst. Außerdem dreihundert Jahre? Du siehst kaum älter aus als ich«, gab ich verwirrt von mir.

»Entschuldige, Geliebter… Ich meine Erik. Ich bin gerade selbst sehr überwältigt. Sicher bist du nicht mein Eros von damals, aber es scheint, als wäre seine Seele in dir wiedergeboren. Das würde den Grund erklären, warum es dich zu mir gezogen hat. Uns verbinden mehr als fünfhundert gemeinsame Jahre. Zumindest bis die Menschen anfingen, uns zu jagen. Es entstanden Mythen, dass ihnen unser Blut ewiges Leben schenken würde, wir gewaltige Schätze beherbergten oder unsere Schuppen Glück im Übermaß bescherten. Bis sie ihn eines Tages erwischten. Ohne ihn wurde mein Leben sinnlos. Die Wut und der Zorn beflügelten meine Macht. Aus Rache brannte ich alles nieder, bis ich den Großteil von Ihnen ausgerottet hatte. Doch auch dies half mir nicht über den Schmerz hinweg, weshalb ich mich ins letzte Eck des Landes verzog. Ich wurde zu dem Monster, welches sie immer in uns Drachen sahen. Wenn auch nur ein Teil von Eros in dir schlummert, wirst du mich hassen, denn er war immer der Gutherzige von uns beiden«, beendete er seine Erklärung.

»Warum habe ich nie etwas darüber gelesen oder gehört?«

»Weil ich alle Schriften eigenhändig verbrannt habe, bis es über die Jahrhunderte in Vergessenheit geriet.«

»Aber du musst die Menschen doch weiterhin tyrannisieren. Nicht ohne Grund bist du im Thronsaal aufgetaucht, um das dort oben zu entführen.«

»Dass Erik, ist der Grund, wieso die Menschheit nur fast ausgerottet wurde. Ein stilles Abkommen. Sie zahlen mir Tribut und ich verschone sie im Gegenzug oder entreiße ihnen nicht das, was ihnen am wertvollsten ist. Woher sonst sollte all dieses ganze Gold stammen.«

»Auch mit meinem Königreich?«

»Gewiss, junger Drache.«

»Was ist dann für meinen Vater das Wich…. Moment mal, hast du Drache gesagt?«, platzte es ungläubig aus mir heraus.

»DU bist nicht das Wichtigste für ihn, wenn du das erst fragen wolltest, sondern seine Krone. Aber ja, du hast richtig gehört. Du bist ein Drache. Eine Reinkarnation meines geliebten Eros«

»Dann kann ich mich genauso verwandeln wie du?«, war die erste von hunderten Fragen, die aus meinem Mund kam.

»Ja, doch damit sollten wir noch warten. Die Verwandlung verlangt einiges an Konzentration. Du kannst aber noch viel mehr als das«, meinte er, ehe er mir beibrachte, wie ich eine Flamme in meiner Hand beschwören konnte.

Gebannt starrte ich in die grüne Flamme, welche über meiner Handfläche schwebte. Eine kleine Bewegung genügte, um sie verschwinden zu lassen oder erneut zu beschwören. Ich war so fasziniert davon, dass ich es Stunden hätte tun können.

»Ich werde dir gern alles beibringen. Ich beantworte dir auch all deine Fragen, aber meine wichtigste wäre, ob du an meiner Seite bleiben wirst, Erik.«

»Sicher bleibe ich bei dir, aber nenn mich bitte Eros. Dieser Name gefällt mir sehr viel besser«, meinte ich, ehe er mir erneut den Atem bei einem Kuss raubte.

Ja, er hatte viele Menschen auf dem Gewissen und tyrannisierte sie, aber war ich nicht schließlich da, um sie davon zu befreien? Okay, die Menschen würden dadurch nicht wieder lebendig werden, aber ich fühlte mich in seinen Armen, als würde ich schon immer genau dorthin gehören.

»Hör endlich auf, den Drachen zu knutschen und befreie mich endlich. Was bist du bitte für ein Prinz? Hiiiilfe. Ich will endlich zu meinem Vater«, fing es über uns wieder an zu kreischen.

Balerion schnipste nur mit dem Finger, bevor wieder Ruhe einkehrte.

»Wieso lebt sie eigentlich noch?«, musste ich fragen, weil ich sie an seiner Stelle schon längst losgeworden wäre.

»Sie war als meine nächste Mahlzeit gedacht, aber jetzt teilen wir sie uns natürlich.«

»Du willst sie essen?«, meinte ich und musste leicht würgen.

»Ja. Mit ihrem Umfang würden wir beide ein halbes Jahr satt sein. Du musst wissen, wir Drachen brauchen nicht viele Mahlzeiten«, erklärte er mir.

»Oh, ne, danke. Da nehme ich gerne eine Alternative. Bei der vergeht mir der Appetit. Außerdem habe ich König Edward mein Wort gegeben, sie ihm in einem Stück zurückzubringen.«

»Gut, dann bringen wir sie ihm meinetwegen wieder zurück, aber erst, wenn du gelernt hast, dich zu verwandeln. So lange soll sie ruhig noch dort oben rumzappeln.«

»Damit bin ich einverstanden. Gibt es hier zufällig einen Ort, wo wir ungestört sein können? Nicht, dass uns dieser Oger dort oben noch einmal unterbricht«, fragte ich ihn in der Hoffnung, dass seine Behausung nicht nur aus diesem einen Gewölbe bestand.

»Ja, mein Geliebter, folge mir. Ich muss dir unbedingt etwas zeigen«, sagte er, ehe er mich durch das Gewölbe führte.

Ganz am Ende gab es eine Tür, welche uns in seine privaten Gemächer führte. Ein Unterschied von Tag zu Nacht. Hier war alles prunkvoll eingerichtet. Ein großer Kamin spendete Wärme, was die nasskalte Luft der Höhle vertrieb. Das große Himmelbett lud ein, sich darin zu entspannen und sogar eine Sitzecke mit Kissen hatte er sich neben einem großen Bücherregal eingerichtet. Doch er zog mich hinüber zum Spiegel.

»Sieh an, was aus dir geworden ist. Wie schön du bist«, sagte er sanft.

Es war zweifelsfrei magisch. Für einen Moment glaube ich, mich selbst nicht mehr zu erkennen. Meine Augen leuchteten wie zwei Smaragde. Die blonden Haare waren weiß wie Schnee. In dem Schimmer sahen sie sogar wie pures Silber aus. Balerion strahlte mir durch den Spiegel entgegen. Er hielt mich fest in seinen starken Armen.

»Was bedeuten all diese Zeichen auf unseren Körpern und besitze ich sie auch überall?«, fragte ich leise, während ich vorsichtig mit dem Finger über sie fuhr.

»Dies sind Machtrunen. Dank ihnen besitzen wir unsere Fähigkeiten. Auch du bist am ganzen Körper von ihnen gezeichnet. Sieh ruhig nach, wenn du möchtest«, erklärte er mir.

Meine Neugier überwog. Ich entblößte meinen gesamten Körper, schließlich war er selbst nackt. Wie er sagte, waren diese Runen überall, doch seltsamerweise fühlte ich mich ohne Kleidung besser. So blieb jedoch nichts mehr verborgen.

Bereits bei unseren Küssen konnte ich spüren, wie hart ihn diese werden ließen. Nun presste er sich fest gegen meine Rückseite, bis es mir klar wurde.

»Bal, ist es möglich, dass ich wegen der Verbindung zu dir ein solches Interesse an Männern habe?«

»Das kann ich dir leider nicht mit Sicherheit beantworten. Vorstellbar wäre es, aber es freut mich zu hören, dass du so empfindest. Dann gestatte mir die Frage. Bist du noch jungfräulich, mein Geliebter?«

»Ja und Nein. Ich durfte erfahren, wie es ist, in einen Mann einzudringen, aber nie, wie es sich andersherum anfühlt.«, erklärte ich ihm verlegen.

»Das muss dir doch nicht peinlich sein, mein Hübscher. Mit Freude wäre ich gern der Erste, welcher dir diese Lust bereiten darf, wenn du dazu bereit bist.«

»Bitte, ich bin schon viel zu lang bereit dazu«, säuselte ich, gefolgt von einem tiefen Seufzer, da er bereits dabei war, meinen Hals zu küssen.

»Dann komm, mein Geliebter, lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich begehre und mich nach dir gesehnt habe.«  

Ich hatte bereits seine immense Stärke vergessen. Als wäre ich eine Feder, hob er mich auf seine Arme, um mich küssend hinüber ins Bett zu tragen. Vorsichtig legte er mich ab, ehe er begann, meinen Körper mit seinen Lippen zu liebkosen. So gut wie möglich versuchte ich, unseren Blickkontakt zu halten. Aber je tiefer er sich vorarbeitete, desto intensiver wurden die Wellen der Lust, welche durch meinen Körper jagten. Sie machten es mir unmöglich, die Augen offen zu halten. Erst recht, als er an meinem Schwanz ankam, wo er anfing, mich mit seinem Mund zu verwöhnen. Zum ersten Mal berührte mich dabei ein anderer Mann an meinem Hintereingang. Auch mit meinen Fingern bin ich bereits selbst in mich eingedrungen, doch bei ihm war es um vieles intensiver. Er verfügte über mehr Erfahrung, wusste genau, was er tat. Sogar seine Zunge setzte er ein. Bisher wusste ich nicht einmal, dass dies Teil dieses Spiels sein konnte.

»Bal… ich… nicht mehr lange«, drang es abgehackt stöhnend aus meinem Mund.

»Schon gut, mein Geliebter. Lass dich einfach fallen.«

Ob es seine Bestätigung war, die ich brauchte, oder sein gezielter Druck in meinem Innern. Egal, was es war, aber mich überkam eine gewaltige Welle der Lust. Ein lautes, tiefes Grollen drang aus meiner Kehle, während ich nicht aufhören konnte zu kommen. Dass er meinen Samen dabei in sich aufnahm, bekam ich erst mit, als ich mich wieder beruhigt hatte.

»Ich wusste nicht, dass ich solche Geräusche von mir geben kann«, meinte ich außer Atem.

»Es schien meinem jungen Drachen sehr zu gefallen.«

Balerion kam zu mir nach oben, um mich zu küssen, wodurch ich schnell wieder an Energie gewann.

»Bitte, Bal, ich möchte mehr«, bat ich, was ihm ein Knurren entlockte.

»Bist du bereit, mich in dir aufzunehmen, mein Geliebter?«, stellte er mir die Frage, wobei er sich bereits fordernd an mir rieb.

Ein Blick und ein stummes Nicken reichten aus, um das zu bekommen, was ich so dringend wollte. Vorsichtig drang er in mich ein, aber ich fühlte keinen Schmerz, sondern die pure Lust. Es war alles andere als unangenehm, eher fühlte es sich an, dass ich dazu bestimmt wäre, ihn in mir aufzunehmen. Je tiefer er vordrang, desto mehr wollte ich ihn. Unsere Auren begannen sich zu verschmelzen, bis sie den ganzen Raum in helles Licht tauchten.

Dies war anders, als ich es damals bei den Rittern heimlich beobachten konnte oder mit meinem Knappen erlebte. Es stand nicht der Trieb im Vordergrund, sondern eine sehr tiefe Verbindung. Balerion bewegte sich nur langsam in mir, während er mich unaufhörlich küsste. Ich musste einfach meine Arme um ihn schlingen, damit ich ihn berühren konnte. Ich verlor das Zeitgefühl. Jede Faser meines Körpers gab sich ihm hin. Sein konstantes langsames Tempo hielt uns beide auf einer gleichmäßig bleibenden Welle der Lust. Seine Beherrschung und Ausdauer waren beachtenswert. Nach einer Ewigkeit drehten wir uns im Bett, bis ich auf seiner Hüfte saß. Ich schaffte es nicht, sein Tempo beizubehalten. Viel zu sehr erregten mich seine Berührungen und sein verlangender Blick. Automatisch wurde ich schneller. Ich musste mich sogar auf seiner harten Brust abstützen, so schnell fing ich an, mich auf ihm zu bewegen. Zum ersten Mal drangen auch tiefe, erregte Geräusche aus seiner Kehle. Sie hallten von den Wänden wider und ließen meinen Körper beben. Ich lehnte mich nach hinten und als ich mich wieder auf ihn herabsenkte, traf er einen Punkt in mir, der mir wahnsinnige Lust bereitete. Davon konnte ich nicht genug bekommen und trieb mich willenlos wieder und wieder auf ihn, bis ich wahrhaftig schreiend mich erneut entleerte. Dies schien auch Balerion den Verstand zu rauben. Im nächsten Moment fand ich mich auf dem Rücken wieder und er stieß so lange tief in mich, ehe er mir laut brüllend folgte. Wie selbstverständlich nahm ich seinen Samen in mir auf.

Ich hatte mich zum Ende versucht, am Pfeiler seines Bettes festgehalten. Doch als ich ihn losließ, fiel er krachend zu Boden, ehe uns der Vorhang entgegenkam.

»Entschuldige, Bal, ich habe diese Kraft nicht unter Kontrolle«, sagte ich, doch aus seiner Kehle drang nur ein tiefes Lachen.

»Normalerweise bin ich von uns beiden für die Zerstörung verantwortlich, aber mich wundert es eher, dass das Bett überhaupt noch steht. Du willst nicht wissen, wie oft wir es in deinem früheren Leben in seine Einzelteile zerlegt haben, Eros.«

»Aber was machen wir jetzt? Einen Schreiner wird es hier nicht geben.«

»Na, du reparierst es später einfach«, sagte er, als wäre dies so einfach.

»Ich habe davon doch keine Ahnung. So etwas habe ich als Prinz nicht gelernt.«

»Oh, mein Geliebter, du bist mein Gegenstück. Ich bin die Zerstörung und du kannst heilen. Streck deine Hand aus und konzentriere dich darauf, es wieder in Ordnung zu bringen«, erklärte er mir.

Gleich versuchte ich, was er sagte. Wie von Zauberhand fingen die Teile an, sich zu bewegen. Sie nahmen ihren ursprünglichen Platz wieder ein, ehe der zerbrochene Balken wieder zu einer Einheit verschmolz.

»Du lernst schnell, junger Drache. Jetzt komm, wir gehen uns reinigen.«

Ich folgte ihm durch eine weitere Tür mit einer Treppe dahinter. Diese führte uns weit nach oben, bis wir auf der anderen Seite des Berges nach draußen traten. Das Licht blendete meine Augen.

»Moment, Licht? Es müsste doch Nacht sein«, ging es mir durch den Kopf.

»Wie ist das möglich? Haben wir die ganze Nacht…«, sagte ich überrascht.

»…geredet und uns vereint«, beendete er meinen Satz.

Fassungslos führte er mich zu einer heißen Quelle. Diese verkohlte Umgebung machte sie nicht einladend, doch das warme Wasser fühlte sich gut an. Also schloss ich die Augen, lehnte mich zurück, während ich mir vorstellte, wie schön es hier eigentlich sein könnte.

»Ich hatte vergessen, wie gewaltig deine Macht immer gewesen war«, sagte Balerion ehrfürchtig.

»Was meinst du… ?«, wollte ich fragen und ihn ansehen.

Doch sobald ich meine Augen öffnete, war da nicht mehr das schwarze, verkohlte Land. Alles um uns herum strahlte in einem satten Grün. Erst jetzt bemerkte ich das frische Gras unter meinen Händen.

»Unmöglich. Das soll ich gewesen sein?«

»So ist es, mit deiner Macht kannst du sogar das Land heilen, mein Geliebter.«

Ich musste es einfach mit eigenen Augen sehen. Wie aufgezogen sprang ich aus der heißen Quelle, um etwas von dem toten Land mit meinen Händen zu berühren. Es war faszinierend, wie schnell die Erde unter meinen Händen anfing zu heilen. Je stärker ich mich konzentrierte, desto größer wurde der Bereich. Dieses Gefühl war berauschend, etwas so Schönes mit meinen Händen zu erschaffen. In Windeseile entstand um uns herum ein kleiner Wald.

Wenn dies so einfach funktionierte, musste ich etwas anderes ausprobieren. Ich blieb abrupt stehen und klärte meinen Geist, bis nur noch ein Gedanke übrigblieb – die Verwandlung in einen Drachen. Mein Körper brannte augenblicklich, als würde er in Flammen stehen. Ein Lichtblitz und plötzlich wirkten die Bäume winzig.

»Eros, wie konntest du dich so schnell verwandeln? Du bist so wunderschön«, drang Balerions Stimme in meinen Kopf.

»Ich habe es mir einfach gewünscht«, wollte ich sagen, aber anstatt Worte kamen nur Laute und kleine Flammen aus meinem Maul.

»Nicht sprechen! Du musst erst lernen, wie man in dieser Form redet. Wir können im Geiste miteinander kommunizieren. Denk einfach, was du sagen möchtest«, erklärte er mir schnell.

»Ich bin ein Drache, Bal. Ein verdammter Drache«, jubelte ich in meinen Gedanken.

Auch er verwandelte sich, ehe er mich mit seinem Kopf anstupste.

»Wenn du dich nur sehen könntest, mein Geliebter. Atemberaubend. Komm folge mir«, hörte ich ihn sagen, bevor er abhob.

Er flog Richtung Küste. Auch ich rannte los und versuchte zu fliegen, doch schlug sehr unsanft auf dem Boden vor dem Berg auf. Daher lief ich einfach weiter, bis ich ihn einholte. Das Meer lag ruhig vor uns. Und hinter mir erblühte das Land überall dort, wo ich den Boden berührt hatte.

»Sieh aufs Wasser und wage einen Blick.«

So weit wie möglich beugte ich mich nach vorn. Wahnsinn sah ich gefährlich und schön zugleich aus. Mein gesamter Körper war von weißen Schuppen geschützt. Meine Augen waren noch immer grün strahlend, doch meine Pupillen waren zu Schlitzen geformt. Mein Maul war angsteinflößend mit unzähligen messerscharfen Zähnen versehen.

Eigentlich wollte ich nur »Ahhh« sagen, als ich das Maul aufriss, nur stattdessen schoss ein grüner Feuerstrahl aus mir heraus.

»Verstehst du jetzt, wieso du nicht sprechen sollst«, hörte ich lachend Balerion sagen.

»Aber dein Feuer ist besonders. Es kann nicht nur zerstören, sondern auch heilen. Versuch es einmal. Dreh dich zum Land und konzentriere dich«, wies er mich an.

Die Feen konnten einpacken. Mein Feuer belebte das Land schneller wieder, als sie mit ihren Zauberstäben rumfuchteln konnten.

»Hast du Lust, zu lernen, wie man fliegt, mein Geliebter?«, meldete sich Bal, nachdem er mir geduldig dabei zugesehen hatte, wie ich auch diesen Teil seines Landes verwandelte.

Natürlich wollte ich. Ich platzte regelrecht vor neuer Energie, aber das Fliegen verlangte mehr Präzision. Nicht nur einmal bin ich dabei im Dreck oder im Wasser gelandet. Ich bin sogar in den Berg gedonnert, da ich den Flugradius gewaltig unterschätzt hatte. Den ganzen Tag über brachte er es mir geduldig bei. Schon am Abend sah man mich über sein Reich gleiten und wie mein grünes Feuer jegliche Asche für immer vertrieb. An nur einem Tag hatte ich es geschafft, die karge, verwüstete Landschaft in ein prächtig gedeihendes Land zu verwandeln.

»Du musst erschöpft und hungrig sein, mein Geliebter. Wollen wir uns nicht doch die Prinzessin teilen?«, fragte er mich, als wir zu guter Letzt wieder in der heißen Quelle entspannten.

»Bal, ab sofort stehen keine Prinzessinnen mehr auf unserem Speiseplan. So nervig sie auch sein mögen«, tadelte ich ihn.

»Schon gut, soll ich uns dann geschwind ein Pferd oder eine Kuh besorgen?«, schlug er stattdessen vor.

»Aber wer soll uns dies zubereiten? Einen Koch wirst du sicher nicht irgendwo verstecken.«

»Was meinst du damit? Wir fressen sie einfach so«, erklärte er mir verwundert.

»Hast du noch nie in den vielen Jahren eine gekochte Mahlzeit zu dir genommen?«

»Nein. Ich fraß das, was ich finden konnte, um den Hunger zu stillen.«

»Ich denke, ich verzichte. Lass uns morgen, nachdem wir die Prinzessin abgeliefert haben, einen Halt bei meinen Eltern machen. Dort wirst du überrascht sein, wie gut Essen in Wirklichkeit ist«, machte ich ihm das Angebot.Auch wenn ich nicht dorthin zurückkehren wollte, war es für mich in diesem Moment die einzige Lösung.

Neues Land, neue Möglichkeiten  

Wie ich feststellen musste, brauchten Drachen so gut wie keinen Schlaf. Weswegen mir Balerion all meine Fragen, welche mir auf der Seele brannten, in Ruhe beantwortete, wobei mir eine Idee kam.

»Ich weiß, du magst Menschen nicht besonders, aber wäre es nicht schön, einige von ihnen in dein Land zu holen? Wir könnten ihnen ein schönes Leben ohne Hungersnöte oder Armut ermöglichen. Im Gegenzug wären sie sicher bereit, ihre Nahrung und Handwerkskunst mit uns zu teilen«, schlug ich ihm vor, wobei ich befürchtete, dass er strikt dagegen wäre.

»Zuallererst ist es jetzt auch dein Land, aber ich bin nicht überrascht, dass du mir diesen Vorschlag machst. Ich bewundere dein großes Herz, obwohl du weißt, was sie deinem früheren Ich angetan haben. Wenn du es wünschst, versuchen wir es. Ich stehe an deiner Seite, werde aber nur ein stiller Beobachter sein. Das Reden unterliegt dir.«

»Danke, mein Herz. Ich habe sogar schon eine Idee, würde aber etwas von deinem Schatz benötigen. Ist das in Ordnung?«

Balerion sagte darauf kein Wort, nur eine Träne fand plötzlich einen Weg über seine Wange.

»Habe ich etwas Falsches gesagt? Wenn tut es mir leid. Ich kann mir auch etwas anderes einfallen lassen«, setzte ich schnell verunsichert hinterher.

»Nein, nimm so viel, wie du brauchst. Dieses Metall hat für mich keinen Wert. Doch du hast mich eben »Mein Herz« genannt, genauso wie er es immer getan hat«, brachte er brüchig hervor.

»Das wusste ich nicht. Es kam mir einfach so über die Lippen. Bitte entschuldige.«

»Oh, mein Geliebter. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Etwas Schöneres hättest du nicht sagen können«, meinte er, bevor ich küssend in seinen Armen lag.

Damit rutschte mein Vorhaben in den Hintergrund und wir ergaben uns unserem Verlangen.

Als der Tag anbrach, machten wir uns fertig für unsere Reise. Balerion wollte mir ein paar Kleider von Eros überreichen, doch diese waren über die Jahre von Motten zerfressen worden. Daher musste meine alte Bekleidung vorerst ausreichen. Wenigstens trat der Schimmer nur dann auf, wenn wir uns berührten oder unsere Kräfte einsetzten. Deshalb trug er auch den schwarzen Umhang im Thronsaal, damit er dies verbergen konnte. Wir verpackten unsere Kleidung in einem Beutel, womit nur noch die Prinzessin fehlte. Ihr Geschrei war nur noch ein Krächzen, da wir gestern so beschäftigt waren, dass Balerion vergaß, ihr neues Wasser zu bringen. Nur darum konnten sich bald auch die Diener kümmern. Er versetzte sie schnell in einen tiefen Schlaf, bevor wir uns in die Lüfte erhoben, auf dem Weg in ihr Königreich.

Wir landeten etwas abseits vom Schloss, wo uns niemand sehen konnte. Die Menschen hatten Angst, sobald sie uns sahen. Weswegen sie so schnell es ging in ihre Hütten rannten oder sich versteckten. Verständlich, denn eine Gestalt im schwarzen Umhang ging durch die Straßen, gefolgt von ihrer schwebenden, schlafenden Prinzessin. Ich hingegen sah nur wieder ihre Armut und den üblen Zustand, in dem sie sich befanden. Der Hauptplatz war menschenleer. Nur eine Frau stand vor einer Tür und bettelte um Einlass.

»Bitte, meine Tochter braucht dringend Hilfe«, schrie sie unter Tränen gegen die Tür hämmernd.

»Bal, warte bitte kurz«, bat ich ihn, denn ich konnte nicht einfach so an ihr vorbeigehen.

»Was habt ihr, gute Frau? Kann ich euch vielleicht behilflich sein?«, fragte ich sie freundlich und schenkte ihr ein Lächeln.

»Verschont mich bitte, junger Herr. Aber meine Tochter. Sie hat hohes Fieber. Sie braucht dringend einen Arzt«, flehte sie aus tiefstem Herzen.

»Habt keine Angst. Lasst mich einmal sehen«, bot ich ihr an.

Es muss an ihrer Verzweiflung gelegen haben, dass sie sich mit ihrem Kind zu mir wandte. Genauso achtlos war es von mir, das Kind an der Stirn zu berühren, um es versuchen zu heilen. Es hätte schiefgehen können, da ich so etwas noch nie zuvor gemacht hatte. Doch meine Haut fing bereits an zu schimmern. Ich konzentrierte mich nur darauf, das Mädchen zu heilen. Ihre Krämpfe schienen sich zu lösen, bis sie anfing, ruhig zu atmen, ehe sich ihre Augen öffneten.

»Ich glaube, es sollte ihr bald wieder besser gehen. Danke für euer Vertrauen«, sagte ich ruhig.

»Habt Dank«, hauchte sie, noch unfähig zu begreifen, was vor ihren Augen passierte.

Von Balerion bekam ich nur ein wissendes Lächeln, bevor wir weiter zum Schloss gingen.

Die Wachen ließen uns problemlos passieren, sobald sie die Prinzessin sahen. Alle konnten sich genaustens dran erinnern, was passierte, wenn auch nur einer von ihnen versuchen würde, uns anzugreifen. Ohne ein Wort verloren zu haben, standen wir in König Edwards Thronsaal.

»Prinz Erik, ihr habt euer Versprechen gehalten und sie mir zurückgebracht. Wir können sofort mit den Vorbereitungen eurer Hochzeit beginnen. Euren Tribut, werter Lord, lasse ich sofort von meinem Diener kommen«, meinte Edward, nachdem er seine geliebte Tochter wieder in seinen Armen hielt.

»Ich werde eure Tochter nicht heiraten und auch auf einen Tribut werden wir in Zukunft verzichten. Dafür…«

»Dann werdet ihr im Kerker verr…«, fiel mir der König ins Wort.

Ohne zu zögern, beschwor ich eine Flamme in meinen Händen, ehe ich meine Stimme erhob.

»Schweigt! Ich habe bereits einen Gemahl. Jetzt hört mich an. Keine Hochzeit. Kein Tribut mehr, aber im Gegenzug verlangen wir Frieden. Habt ihr das verstanden?«, grollte meine Stimme durch den Saal.

»Ja«, sagte er mürrisch.

»Gut. Ich habe auch ein Angebot für euch. Wir suchen tüchtige Menschen für unser Reich. Wir zahlen euch zehn Goldstücke für jeden eurer Untertanen, welche sich uns freiwillig anschließen möchten.«

»Zwanzig und ihr könnt so viele von ihnen haben, wie ihr wollt. Dieses Gesindel findet sich überall«, verhandelte er mit Gier in seinen Augen.

»Einverstanden. Danke, dass ihr uns angehört habt, König Edward. Auf bald«, beschloss ich den Handel, ehe wir den Thronsaal verließen.

»Gemahl also«, sagte Bal, als wir uns zurück zum Hauptplatz aufmachten.

»Das bist du doch, mein Herz, oder täusche ich mich?«

»Niemals, mein Geliebter«, meinte er lächelnd.

»Jetzt müssen wir noch die Bevölkerung von uns überzeugen. Ich würde dich bitten, deinen Umhang abzulegen. Auch ich werde mein Hemd ausziehen. Sie sollen sehen, dass von uns keine Gefahr droht.«

Am Hauptplatz angekommen, suchte ich mir schnell den höchsten Punkt, bevor sich die Bewohner wieder in ihren Häusern verkrochen.

»Einwohner von Ehrental, bitte habt keine Angst vor uns und hört mich an. Euer König gab mir die Erlaubnis, zu euch zu sprechen«, begann ich.

Es dauerte kurz, bis sich die ersten aus ihren Häusern trauten, aber schnell versammelten sie sich um den Brunnen.

»Mein Name ist Eros. Ich und mein Gemahl Balerion kommen aus dem Reich der Drachen. Wir sind auf der Suche nach tüchtigen Arbeitern. Handwerker, Bauern, Köche, Bäcker, Schneiderinnen, eben jene, um eine neue Gesellschaft aufzubauen. Wir bieten euch keinen Reichtum, ewiges Leben oder anhaltendes Glück. Dafür aber ein anständiges Leben ohne Armut und Hungersnöte. Wir werden niemanden zwingen, uns zu folgen, doch wer dieser Tyrannei hier entfliehen mag, dem bieten wir Zuflucht. Wir kommen in einer Woche erneut und tragen diejenigen, welche sich uns anschließen möchten, auf unseren Rücken in eine neue Zukunft«, beendete ich meine Ansprache, ehe ich nach Bal seiner Hand griff.

Augenblicklich fing sich an, der Schimmer um uns zu bilden, was die Menschen in Staunen versetzte.

»Wir kommen mit euch. Ich bin Schneiderin.«

Sofort erkannte ich die Frau mit ihrer Tochter wieder. Sie war nicht mehr krank, sondern winkte fröhlich in unsere Richtung.

»Ihr seid uns willkommen. Packt euer wichtigstes Gut und in einer Woche sehen wir uns wieder. Ihr habt mein Wort. Auf bald, Bewohner von Ehrental.«

Hand in Hand gingen wir durch eine Gasse auf ein freies Feld. Schnell verstauten wir unsere Kleider, verwandelten uns, ehe wir Edwards Königreich hinter uns ließen.

Unser nächstes Ziel war das Königreich meines Vaters. Ich war schon gespannt darauf, wie er auf mich reagieren würde. Geschweige denn auf Bal. Daher liefen in Gedanken alle möglichen Szenarien ab.

»In Gefangenschaft wirst du sicher nicht landen. Das lasse ich nicht zu. Wenn er sich uns querstellt, fordern wir einfach seine Krone, dann lässt er uns freiwillig ziehen«, erklang Bal seine Stimme in meinem Kopf.

»Hörst du alles, was ich denke?«

»Ja, alles. Auch was du denkst, wenn du mich ansiehst.«

»Das ist gemein. Wieso kann ich deine nicht immer hören?«

»Das, mein Geliebter, ist jahrelange Übung und bis du so weit bist, genieße ich es still.«

Zur Rache dachte ich an etwas ganz Explizites, was Bal ins Straucheln brachte.

»Gerne, wenn wir daheim sind, mein Geliebter. Jetzt konzentrier dich, nicht, dass du noch eine Bruchlandung hinlegst«, knurrte er in meinem Kopf.

»Du bist gerade fast abgestürzt. Mir geht’s gut«, kicherte ich in Gedanken.

»Schluss jetzt. Wir sind gleich da. Wir landen dort hinter den Bäumen.«

Ich hatte mein Hemd auf dem Marktplatz liegenlassen. Somit musste ich oberkörperfrei die Stadt hinauf zum Schloss laufen. Bal hatte mir seinen Umhang angeboten, aber sie sollten mich ruhig schon von weitem sehen. Dennoch war es ungewohnt, wie sie mich alle anblickten oder hinter meinem Rücken tuschelten. Dass ich dank meiner neuen Sinne alles klar und deutlich verstehen konnte, war ihnen nicht bewusst.

»Macht auf!«, donnerte ich die Wachen am Tor an.

»Prinz Erik, seid ihr das? Ihr lebt? Sofort das Tor auf!“, rief jemand über uns.

Es war einer der Ritter, die mich bis in den Feenwald begleitet hatten.

Damit, dass ich hier noch einmal auftauchte, hatte sicher niemand gerechnet. Zumindest zeigten dies ihre verblüfften Gesichter.

»Wo sind meine Eltern?«, fragte ich eine der Mägde im Schloss.

»Sie sind im Speisesaal, junger Herr«, sagte sie unterwürfig.

»Das trifft sich gut. Richte mir und meinem Gemahl bitte auch eine großzügige Mahlzeit. Ich habe ihm ein Festessen versprochen«, gab ich ihr so höflich wie möglich die Anweisung, da meine Wut meinen Eltern galt.

Ohne anzuklopfen, stieß ich die Tür zum Speisesaal auf. Mein Vater wollte schon anfangen zu schreien, doch als er mich erblickte, blieb ihm beinahe das Essen im Halse stecken.

»Erik, mein Junge, du bist am Leben«, rief meine Mutter.

»Lord Balerion, was verschafft uns die Ehre?«, sagte stattdessen mein Vater.

»Obwohl du ihn kennst, hast du mich zu ihm gehen lassen? Dir scheint viel an meinem Leben zu liegen, Vater.«

»Nein, das…«

»Versuch erst gar nicht, dich zu rechtfertigen. Mein Gemahl sagte mir bereits, dass dir deine Krone das Wichtigste ist«, nahm ich ihm den Wind aus den Segeln.

»Dein Gemahl?«, platzte es meiner Mutter heraus.

»Richtig. Ich gehöre zu ihm.«

Zur Verdeutlichung nahm ich seine Hand, was meine Mutter aufschreien ließ.

»Die Männer hatten recht. Du bist verflucht.«

»So ein Unsinn. Ich bin die Reinkarnation eines Drachen. Erik gibt es nicht mehr. Ich bin Eros.«

»Was wollt ihr dann hier? Das Tribut wurde wie vereinbart bezahlt.«, fragte mein Vater.

»Ein letztes gemeinsames Mahl. Ab heutigem Tage wird auch kein Tribut mehr anfallen. Wir sind mehr an Frieden interessiert. Nutze es für deine Bevölkerung, seid friedlich und ihr werdet uns nie wiedersehen.«

Wie aufs Stichwort kamen die Diener mit unserer Mahlzeit. Sie fiel genauso üppig aus, wie ich sie erbeten hatte.

»Setz dich, mein Herz. Genieß deine erste richtige Mahlzeit«, sagte ich zu Bal.

Ich nahm am anderen Ende der langen Tafel Platz. Meinem Vater genau gegenüber. Sie sahen uns sprachlos dabei zu, bis wir auch den letzten Rest verspeist hatten. Nach dem ersten Bissen fiel Bal regelrecht über seinen Teller her. In dem Moment war von seiner Anmut nichts mehr zu erkennen.

»Wo wirst du jetzt leben? Doch nicht in dieser Einöde im Reich des schwarzen Drachens?«

»Ja, Mutter, aber es ist kein Ödland mehr. Aber eins möchte ich noch wissen. Wohin hast du meinen Knappen verbannt, Vater?«

»Ins westliche Königreich. Er arbeitet dort in den Ställen des Königs. Was spielt er für eine Rolle?«

»Ich brauche jemanden, der sich um mein Pferd kümmert. Er hat ein anständiges Leben verdient. Wir werden jetzt aufbrechen. Habt Dank für das Essen. Lebt wohl.«

Beim Aufstehen zog ich ein kleines Säckchen mit Goldmünzen aus der Tasche und ließ ihn auf dem Tisch zurück.

»Erik, warte.«, meldete sich meine Mutter zu Wort, als wir schon fast zur Tür hinaus waren.

»Eros«, knurrte ich leicht.

»Erik. Eros. Du bleibst dennoch mein Sohn. Kommt uns wenigstens mal wieder besuchen. Nur damit ich weiß, dass es dir gut geht«, sagte sie verletzlich.

»Ich werde es mir überlegen«, waren meine letzten Worte, bevor wir das Schloss verließen.

»Jetzt verstehe ich, was du meintest. Das war köstlich. So satt war ich seit Jahrhunderten nicht mehr«, meinte Bal, als wir die Schlossmauern hinter uns gelassen hatten.

»Siehst du. Irgendetwas Neues muss ich dir auch noch zeigen können. Das ist der Grund, weshalb ich eine eigene Köchin für uns möchte. Selbst wenn wir nicht so viel brauchen, aber anständig sollte es sein.«

»Mir gefällt deine Idee immer besser. Ich denke nicht, dass ich nach diesem Mahl je wieder eine Prinzessin verspeisen könnte«, sagte er schmunzelnd.

»Dann nichts wie heim. Wir müssen noch einige Vorkehrungen treffen, bis die Menschen bei uns anfangen können zu siedeln.«

»Flieg du schon mal vor. Ich muss auf dem Weg noch etwas erledigen.«

»Bal, kein Tribut mehr oder Entführungen und wehe, du fackelst etwas nieder«, sagte ich streng.

»Keine Sorge, mein Geliebter. Es ist eine Überraschung für dich. Ich brauche auch nicht lang. Versprochen«, meinte er, ehe er mir noch einen Kuss zum Abschied gab.

Somit machte ich mich allein auf den Heimweg.

Wenn ich überlege, dass ich mit meinem Pferd fünf Tage unterwegs war, trugen mich meine Flügel in unter einer Stunde bis in meine neue Heimat. Es strengte mich nicht einmal an. Doch als ich ankam, wusste ich nicht, wo ich anfangen sollte. Ich landete ganz oben auf dem Berg, um über das Land zu schauen. Wo sollten wir so viele Menschen unterbringen? Das Gewölbe? Nein, das war viel zu dunkel und zu feucht. Häuser würden wir in der Zeit nicht schaffen zu bauen.

»Zelte, mein Geliebter«, hörte ich es plötzlich in meinem Kopf.

»Das ist es. Danke, mein Herz. Wo bist du?«

»Über dem Schloss der Eiskönigin. Sie singt schon wieder und baut Schneemänner. Komisches Weibsbild. Von weitem könntest du auch als Schnee durchgehen. Warte bei der heißen Quelle auf mich.«

Ich wollte gerade in das Wasser steigen, als zwei große Truhen hinter mir im Gras landeten.

»Warte, geh noch nicht hinein«, rief er kurz nach seiner Verwandlung.

»Warum? Muss ich dir erst tragen helfen? Wo warst du überhaupt?«, wollte ich wissen.

»Komm, mein Geliebter. Schau es dir selbst an. Die Truhe ist mein Geschenk an dich«, sagte Bal, während er den Deckel öffnete.

Zum Vorschein kamen weite, gemütliche Hosen, Hemden und Umhänge. Alles in Weiß, aus den besten Stoffen. Ein Umhang stach aus der Menge heraus. Dieser hatte an den Rändern silberne Ornamente eingenäht.

»Ich hoffe, sie gefallen dir. Ich meine, wenn wir schon gemeinsam vor die Könige treten wollen, dann sollten wir selbst wie welche aussehen. Daher habe ich mir gleich selbst eine neue Garderobe mitgenommen.«

»Ich danke dir, mein Herz. Sie sind alle wunderschön«, sagte ich und fiel ihm in die Arme.

»Wir können morgen noch einmal gemeinsam zum Basar fliegen. Dort finden wir sicher Zelte für unsere neuen Gäste.«

»Gerne, dann können wir auch gleich dem König einen Besuch abstatten.«

So an diesen atemberaubenden Mann gepresst, ließ es meine Gedanken schnell wieder in eine andere Richtung abschweifen.

»Erst die Truhen verstauen, mein Geliebter. Danach darfst du mit mir anstellen, was du willst«, flüsterte er verführerisch in mein Ohr.

Schon da wäre ich mehr als bereit für ihn gewesen.

Geschwind brachten wir die Truhen in unsere Gemächer, ehe ich ihn an der Hand wieder nach draußen zog. Diesmal hatte er auch nichts dagegen, sofort mit mir in die heiße Quelle zu springen. Es mochte auch daran liegen, dass sich unsere Münder sofort bei einem Kuss verschlossen, nachdem wir auftauchten. Den ganzen Tag über konnte ich kaum an etwas anderes denken, als mich wieder mit ihm zu vereinen. Meine Gedanken schienen auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Unsere Küsse waren leidenschaftlich, wild und fordernd. Mit den Händen packten wir fest den Körper des anderen. Dazu noch diese ständige Reibung, welche uns die ersten Töne der Lust entlockte.

»Bitte, mein Geliebter. Lass mich dich spüren. Das ist es doch, was du den ganzen Tag über wolltest. Ich bin mehr als bereit für dich«, übermittelte mir mein unendlich heißer Gemahl in Gedanken.

Er klammerte sich mit den Beinen um meine Hüfte. Leicht wie eine Feder trug ich ihn hinüber ins Gras und legte ihn sanft ab. Obwohl ich es nicht erwarten konnte, in ihn einzudringen, wollte ich ihm die gleiche Lust bereiten wie er es bei mir in der Nacht machte.

Wunderschön lag sein perfekter, glänzender Körper vor mir. Ich sog dieses Bild in mir auf, ehe ich begann, ihn mit meinen Lippen zu erkunden. Was es mir selbst für eine Lust bereitete, ihn so tief wie nur möglich in meinem Mund aufzunehmen oder mit meiner Zunge seinen Hintereingang zu verwöhnen. Mein Geliebter hielt seine Laute nicht zurück. Was anfangs nur ein leises Brummen war, entwickelte sich zu einem heißen Stöhnen. Lauter werdend, je mehr meiner Finger er in sich aufnahm. Auf der Suche in seinem Inneren nach diesem einen Punkt, welcher mir so eine Lust bereitete, ging ein Beben durch seinen Körper. Ich musste ihn gefunden haben. Schnell schloss ich meine Lippen fest um seinen Schwanz, denn ich wusste genau, was passierte, wenn ich ihn dort weiter reizte. Es brauchte nicht lang und mit einem lautstarken Grollen empfing ich seinen Samen. Sein Geschmack explodierte auf meiner Zunge, je mehr er von sich gab. Ich konnte von diesem herrlichen Elixier nicht genug bekommen, weshalb ich so lange an ihm sog, bis die Quelle erloschen war.

»Auch hierbei scheinst du schnell zu lernen, mein Geliebter. Das war überwältigend«, gab er schwer atmend von sich.

»Ich hoffe doch, dass du noch nicht schlappmachst«, neckte ich meinen Liebsten, ehe ich ihn leidenschaftlich küsste.

Während des Kusses brachte er sich so in Position, dass ich in ihn eindringen konnte. Nur besaß ich nicht die Geduld, mich über Stunden so mit ihm zu vereinen. Ich versuchte es zwar, doch beschleunigte schnell mein Tempo. Zu berauschend fühlte es sich an, schnell und tief in ihn zu stoßen. Auch ihm schien es zu gefallen, was mich zusätzlich anspornte. Es dauerte nicht lang, bis ich schrie, ehe ich mich in ihm entlud. Wahrscheinlich konnte man meinen Höhepunkt im ganzen Land hören.

»Bleib bitte noch in mir, mein stürmischer Geliebter. Ich habe dieses Gefühl viel zu lang vermisst, von jemandem ausgefüllt zu werden«, bat er mich, nachdem ich mich in seine Arme fallen ließ.

Danach fiel es mir nicht schwer, unsere Lust auf einem kontinuierlichen Punkt zu halten, bis die Nacht über uns hereinbrach. Unter dem Sternenhimmel liebten wir uns noch bis tief in die Nacht hinein. Aneinander gekuschelt und dösend genossen wir unsere Nähe, entspannt wartend auf den nächsten Morgen.Sobald es anfing zu dämmern, zeigte ich Bal den Platz, wo ich mir unsere erste Siedlung vorstellen könnte. Das Plateau neben dem Berg bot dafür ausreichend Platz. Auf der Ebene darunter könnten Bauern Felder anlegen und Vieh halten. Mit seiner Hilfe entstand so der Grund für unsere neuen Bewohner. Wir rissen Bäume aus, welche später als Baumaterial dienen konnten und planierten das Land so gut wie möglich, bevor ich mit meiner Kraft Gras wachsen ließ. Ich hätte noch den ganzen Tag weitergemacht, wenn er mich nicht daran erinnert hätte, dass wir zum Wüstenkönigreich fliegen wollten.

In allerletzter Sekunde 

Nach einem kurzen Bad packte ich unsere Gewänder, während Bal ausreichend Goldmünzen besorgte. Kurz darauf befanden wir uns bereits in der Luft. Die Wüstenstadt kannte ich bisher nur aus Geschichten. Doch schon von weitem sah sie eindrucksvoll aus, wie sie sich aus dem umliegenden Sand emporhob. Wir landeten direkt vor dem Tor der Stadt. Noch während wir uns ankleideten, öffnete sich dieses, ehe zwei Soldaten heraustraten. Wir legten gerade unsere neuen Umhänge an, als sie sich vor uns verbeugten.

»Willkommen, Lord Balerion, was verschafft uns die Ehre eures erneuten Besuchs? Verzeiht die Frage, doch wer ist euer Begleiter? Wir sind überrascht über die Existenz eines weiteren Drachens.«

»Dies ist mein Gemahl Eros. Er ist erst vor kurzem erwacht. Wir sind hier für eine Audienz bei eurem König«, sprach Bal ungewöhnlich sanft, obwohl er mit Menschen sprach.

»Dann auch ein herzliches Willkommen an euch, Lord Eros. Folgt mir, ich werde euch zu meinem König geleiten.«

Auf dem Weg zum Palast kamen wir an unzähligen Menschen vorbei, doch niemand hier hatte Angst vor Bal. Sie grüßten sogar freundlich. Die einzige Frage, welche sie beschäftigte, betraf meine Persönlichkeit. Zumindest tuschelten sie darüber.

»Warum haben die Menschen hier keine Angst vor dir?«, fragte ich meinen Liebsten in Gedanken.

»Ich komme öfter hierher, um neue Kleider zu kaufen. Sie haben sich bereits an mich gewöhnt. Auch mit dem König habe ich eine etwas andere Vereinbarung getroffen. Er gestattet mir den Handel und im Gegenzug verschone ich sein Land«, erklärte er mir, während wir unseren Weg fortsetzen.

Vor dem Thronsaal glaubte ich, Sahid zu sehen. Nur als ich nach ihm rief und er sich komplett zu uns wandte, stellte sich heraus, dass er es gar nicht war. Der Fremde sah ihm sehr ähnlich, nur etwas älter.

»Seid gegrüßt, Lord Balerion und junger Herr. Mein Name ist Omar. Sahid ist mein jüngerer Bruder. Ihr kennt ihn?«, fragte er mich, nachdem er sich verbeugt hatte.

»Ja, ich habe ihn vor ein paar Tagen getroffen und er bot mir seine Gastfreundschaft an. Doch er wird noch immer auf der Suche nach dieser Wunschlampe sein«, sagte ich, worauf Bal anfing zu lachen.

»Du meinst sicher Wunderlampe, mein Geliebter.«

»Dann eben Wunderlampe. Doch was findest du daran so komisch?«

»Weil es keine Wunderlampe mehr gibt. Der Dschinn ist schon seit sehr langer Zeit ausgeflogen.«

»Was? Dann muss ich nach unserem Besuch los und nach Sahid suchen. Er wird sonst vergeblich in der Wüste umherirren.«

»Das wird nicht nötig sein, junger Herr. Sahid ist bereits hier«, mischte sich Omar ein.

»Großartig. Wo ist er? Darf ich mit ihm sprechen?«, fragte ich freudig, doch Omars Gesichtszüge verfinsterten sich.

»Das wird leider nicht möglich sein, junger Herr. Mein Bruder liegt im Sterben.«

»Was ist passiert? Vor drei Tagen ging es ihm noch blendend«, platzte es überrascht aus mir heraus.

»Ein Schlangenbiss. Seine Männer brachten ihn so schnell es ging her, aber keins unserer Gegengifte scheint zu wirken«, erklärte er mir.

»Bring mich bitte zu ihm. SOFORT!«, donnerte meine Stimme vor Panik.

»Vertraut mir, Prinz Omar. Mein Gemahl kann eurem Bruder helfen«, schaltete sich mein Liebster schnell ein, ehe uns Omar zu Sahids Gemächern brachte.

Mir stockte der Atem, als ich ihn sah. Seine Haut bleich, ein kaum sichtbares Bewegen seines Brustkorbs. Der Herzschlag selbst für meine Sinne kaum hörbar. Ich musste schnell handeln, trat an sein Bett und legte meine Hände auf seine Brust. Sofort begann ich zu schimmern. Ich flehte innerlich, dass ich meinen Freund retten musste, doch es passierte nichts. Ich dachte an seine Güte, die er mir entgegenbrachte. Natürlich auch an die folgende Nacht, was meinen Liebsten innerlich zum Knurren brachte. Mir trieb es Tränen in die Augen, als sein Herz für einen Moment verstummte. Wie aus dem Nichts tat es plötzlich einen kräftigen Schlag. Als hätte er einen Albtraum gehabt, riss Sahid die Augen auf, gefolgt von einem tiefen Atemzug. Der Reihe nach blickte er seinen Bruder, Bal und mich an.
»Wo bin ich?«, fragte er noch verwirrt.

»Du bist daheim, in deinen Gemächern«, brachte sein Bruder stockend hervor, noch geschockt vom gerade Erlebten.

»Prinz Erik, Bist du es? Und der Schwarze Drache? Was…«, sprach er überfordert.

»Beruhige dich erst einmal, Sahid. In gewisser Weise bin ich es, aber man nennt mich nun Eros. Ich erkläre dir alles in Ruhe. Wie fühlst du dich?«, wollte ich wissen.

»Einfach großartig.«

»Der Schlangenbiss ist auch verschwunden«, verkündete sein Bruder, als er sich Sahids Knöchel ansah.

»Ich werde gleich unserem Vater davon berichten. Ich danke euch, junger Drache, dass ihr meinem Bruder das Leben gerettet habt. Wir stehen tief in eurer Schuld«, sagte Omar, ehe er aus Sahids Gemächern verschwand.

»Drache?«, platzte es Sahid heraus.

Ich erzählte ihm alles, was nach meiner Abreise passierte. Auch dass es keine Wunderlampe mehr gab, die es zu suchen lohnte, was ihn sichtlich betrübte. Nachdem er alles gehört hatte, zog er mich in eine feste Umarmung.

»Danke, dass du mir das Leben gerettet hast.«

»Gern geschehen. Sieh es als Dank für deine Gastfreundschaft. Wer weiß, wo ich ohne deine Hilfe gelandet wäre. Noch etwas…«

»Bleib jetzt bitte ganz ruhig und warte ab«, sagte ich in Gedanken zu meinem Liebsten, da ich Sahid im nächsten Moment einen sanften, harmlosen Kuss gab.

»Verrate es niemanden, aber ein Kuss eines Drachen wird dir auf ewig Glück bringen.«

»Danke, Er…os«, meinte Sahid sich noch im richtigen Moment korrigierend.

»Du bist dir hoffentlich im Klaren, dass dies Humbug ist. Damit erschaffst du im schlimmsten Fall nur einen weiteren Mythos«, brummte mein Liebster in meinem Kopf.

»Möglich, doch er schöpft daraus Kraft. Selbst wenn ein Mythos entsteht, ist ein Kuss noch immer harmloser als Schuppen herausreißen.«

»So Sahid, ich denke, dein Vater wird mich und meinen Gemahl nun langsam erwarten.«

»Wartet, ich werde mich schnell bekleiden und euch begleiten. Apropos, dein neues Ich steht dir ausgezeichnet.«

»Anziehen«, knurrte mein Liebster hinter uns.

Gemeinsam mit Sahid betraten wir den Thronsaal.

»Werte Drachen, seid mir aufs Herzlichste gegrüßt. Ich habe bereits erfahren, was ihr getan habt. Ich danke euch und stehe zutiefst in eurer Schuld, doch was ist der eigentliche Grund für euren erneuten Besuch? Mir wurde berichtet, ihr wärt erst gestern auf dem Basar gesehen worden, Lord Balerion«, wurden wir freudig empfangen.

»Seid gegrüßt, werter König. Man nennt mich Eros. Mein Gemahl hat am gestrigen Tag neue Kleider für mich besorgt. Ich weile noch nicht lang an seiner Seite. Der eigentliche Grund unseres Besuches ist es, Zelte zu besorgen. Wir möchten Menschen aus Armut und der Tyrannei anderer Könige die Möglichkeit bieten, bei uns ein neues, glücklicheres Leben zu führen. Euren Untertanen scheint es prächtig zu ergehen, aber dennoch benötigen wir viele helfende Hände, um eine Siedlung aufzubauen. Falls ihr tüchtige Arbeiter besitzt, welche ihr uns gegen Bezahlung zur Verfügung stellen würdet, wären wir sehr dankbar.«

»Dies ist ein sehr ehrenwertes Vorhaben, Lord Eros. Ich werde sicher ein paar tüchtige Arbeiter finden, die einwilligen, euch zu unterstützen. Über eine angemessene Bezahlung werden wir uns sicher auch einig werden«, richtete sich der König an uns.

»Wachen, geht und holt jedes Zelt, das ihr finden könnt. Ich werde jeden Bewohner belohnen, der uns eines zur Verfügung stellt.«, wies er seine Wachmänner an, welche sich sofort auf den Weg machten.

»Ich bitte euch, sie als mein Geschenk anzusehen im Gegenzug für das Leben meines Sohnes.«

»Vielen Dank. Das wissen wir sehr zu schätzen«, bedankte sich mein Liebster.

»Lasst mich bitte mit ihnen gehen, Vater. Du hast reichlich Thronerben und ich konnte dem Leben im Palast noch nie viel abgewinnen. Dort kann ich mich nützlich machen. Mir ein eigenes Leben aufbauen«, bat Sahid plötzlich.

»Du willst das alles hier aufgeben, um in einem Zelt zu schlafen?«, fragte einer seiner Brüder verwundert.

»Ja und wenn es nichts für mich sein sollte, komme ich wieder zurück.«

»Tatsächlich wäre es von Vorteil. Die Männer kennen dich und würden dir vertrauen. Würdet ihr meinen Sohn bei euch aufnehmen, werte Drachen?«

»Uns ist jeder willkommen, der bei uns leben möchte«, sagte ich.

»Ich werde sofort packen und euch begleiten«, meinte Sahid, bevor er aus dem Thronsaal verschwand.

»Werter König, leider müssen wir noch ein weiteres Königreich besuchen. Wir werden ein paar Stunden brauchen, aber auf dem Rückweg holen wir euren Sohn ab. Sofern er uns noch immer begleiten möchte. Die Zelte würden wir in fünf Tagen holen kommen, wenn es euch genehm ist«, richtete ich mich an den König.

»Einverstanden, Lord Eros.«

»Auf bald und habt Dank«, verabschiede ich mich mit einer Verbeugung.

Die Rückseite des Palasts bot genügend Platz, damit wir uns verwandeln konnten. Die Palastdiener, Wachen und die Königsfamilie sahen uns gebannt dabei zu, wie wir in den Himmel emporstiegen.

»Was hast du vor, mein Geliebter?«, drang Bals Frage erneut an mich.

Er hatte es bereits im Thronsaal gefragt, doch da bat ich ihn, abzuwarten.

»Wir müssen den Höhleneingang verschließen, wenn schon jetzt Besucher in unser Land kommen. Ich mag die Menschen, aber ich kenne sie auch. Sobald sie den Schatz sehen, übernimmt die Gier in ihnen. Dies sollten wir von Anfang an verhindern.«

»Das ist weise von dir. Gestatte mir doch eine Frage. Hast du vor, das Bett mit ihm zu teilen?«

»Du musst mir unbedingt beibringen, wie ich meine Gedanken vor dir verbergen kann. Nein, mein Herz. Auch wenn ich ihn schön finde, würde ich ihn dennoch in einem schwachen Moment mit einer Hand zerquetschen. Mein alter Knappe könnte ihm jedoch zusagen, falls er uns überhaupt begleiten möchte. Weshalb ich dort vorher auch noch hin möchte. So wäre Sahid nicht allein in unserem Land. Warum aber erzähle ich dir alles? Du müsstest es doch bereits wissen.«

»Weil ich es lieber von dir erfahre, mein Geliebter. Ich lese nicht ständig deine Gedanken… Was? Hör auf, schon wieder etwas Unanständiges zu denken. Sonst wird sich unser Besuch verzögern.«

»Zuerst musst du mich aber zu fassen bekommen«, spornte ich ihn an, ehe ich beschleunigte und an ihm vorbeizog.

Für andere sah es sicherlich so aus, als würden wir bis aufs Blut in der Luft kämpfen. In Wirklichkeit jedoch tollten wir wie zwei Kinder, bis wir uns vor der Höhle verwandelten. Noch immer lachend und raufend durchs Gras wälzend. Unser Ablauf verzögerte sich damit doch ein wenig, aber dafür konnte niemand mehr erahnen, dass es hier jemals einen Zugang zum Berg gegeben hatte.

König Philipp war nicht sonderlich über unseren Besuch überrascht, dafür aber mein ehemaliger Knappe, mich wiederzusehen. Das Angebot, welches wir den Bewohnern von Ehrental bereitet hatten, drang bereits bis in sein Königreich vor, doch er behandelte seine Untertanen gut. Auch er war erfreut zu hören, dass es keine Tribute mehr geben wird und stimmte unserem Frieden zu. Sogar mein alter Knappe war direkt einverstanden, weshalb wir ihn sofort beim König auslösten. Die harte Arbeit hatte seinen Körper über die Jahre stark verändert. Er war ein sehr ansehnlicher junger Mann geworden.

»Verrätst du mir jetzt deinen Namen, wo ich nicht mehr dein Herr bin?«, fragte ich, weil er ihn mir damals nicht verraten wollte.

»Aber ihr seid doch noch immer mein Herr. Ihr habt schließlich für mich gezahlt.«

»Nein, du bist frei. Du darfst auf unserem Land leben, aber wir sind nicht deine Herren. Also? Dein Name?«, stellte ich klar.

»Ich habe keinen. Mir wurde nie einer verliehen.«

»Dann such dir einen aus, wie wir dich nennen sollen«, sagte ich, ehe er anfing zu überlegen.

»William«, schoss es aus ihm heraus.

»Gut, William, dann klettere auf meinen Rücken, sobald ich mich verwandelt habe. Nach einem weiteren Halt bringen wir dich in unser Land.«

Ich konnte ihn nicht einmal spüren, weshalb ich langsam flog, aus Angst, ihn zu verlieren. Er hatte so einen Spaß auf meinem Rücken, dass er vor Freude jauchzte. Hinter dem Palast wurden wir bereits von Sahid erwartet, der große Augen machte, als wir in voller Pracht vor ihm standen. Ich hatte nicht mehr an William gedacht und verwandelte mich direkt, als ich Boden unter den Füßen hatte. Dank Bal seiner guten Reflexe landete er in seinen Armen, statt auf den Boden aufzuschlagen.

»Da seid ihr ja endlich. Ich dachte schon, ihr habt mich vergessen«, meinte Sahid, während wir uns schnell die Umhänge überwarfen.

»Entschuldige, mein Liebster hat mich noch etwas aufgehalten. Darf ich dir meinen alten Knappen William vorstellen? Auch er möchte sich in unserem Land ansiedeln.«

An Sahids Lächeln konnte ich genau erkennen, dass er wusste, wieso ich ihm William als meinen alten Knappen vorstellte. Er gab ihm auch unauffällig lange die Hand.
»Wollen wir gleich wieder aufbrechen?«, wollte ich wissen.

»Mein Vater würde gern noch mit euch speisen. Er hat extra zu deinen Ehren ein Festmahl herrichten lassen, Lord Erik … Entschuldige, Lord Eros. Seine Diener sind auch gerade dabei, die ersten Zelte zu verschnüren, damit ihr sie besser tragen könnt.«

»Eros genügt. Du kannst ruhig auf das Lord verzichten. Gut, zwei Stunden sollten wir noch haben. Dann solltet ihr noch genügend Zeit haben, euer Lager für die Nacht zu errichten, bevor es dunkel wird.«

Ich habe noch nie so viel Essen auf einmal gesehen. Die riesige Tafel war mit Bergen von Köstlichkeiten gefüllt, sodass kaum die Teller einen Platz fanden. Sahid nahm William direkt an seine Seite, welcher das erste Mal in seinem Leben solch einem Prunk ausgesetzt war. Noch satt von dem Essen bei meinen Eltern knurrte selbst mir bei diesem Anblick der Magen. Mein Liebster hingegen saß bereits fröhlich kauend neben mir. Bereits eine Stunde später befanden wir uns auf dem Heimweg. Ich bat die beiden, mich bei der Landung vorzuwarnen, dass sie auf meinem Rücken waren, damit sich das Ungeschick mit William nicht wiederholte. Gleich nach der Landung suchten sie sich einen Platz und wir halfen ihnen, ein großes Zelt zu errichten. Zum besseren Schutz ließ ich rundherum ein paar Bäume wachsen, was beide in Staunen versetzte. Mein Liebster entzündete ihnen noch ihr Lagerfeuer, als die Dunkelheit über uns hereinbrach.

»Da ihr die ersten Bewohner hier seid, liegt die Entscheidung für den Namen der Siedlung bei euch. Ich bin gespannt, für welchen ihr euch entscheidet. Wir wünschen euch eine gute und erholsame gute Nacht«, sagte ich, bevor wir sie allein ließen.

Der Tag war trotz meiner neuen Kräfte anstrengend, doch ich war mit unseren Fortschritten sehr zufrieden. Schon zwei Menschen bei uns. Mit der Frau und ihrer Tochter waren es bereits vier. Ich konnte kaum erwarten, wie viele es letztendlich werden würden. Umso besser tat das Bad in der warmen Quelle, was auch meine Gedanken treiben ließ.

»Ich habe mich schon gefragt, wann du mit dieser Frage an mich herantrittst. Ich bin so alt wie die Zeit selbst. Unsere Energie ist unendlich. Wir finden nie den Tod«, sprach mein Liebster, weil er wieder meine Gedanken verfolgte.

»Doch wie haben es die Menschen dann geschafft, Eros zu bezwingen?«

»Unsere Körper sind hart wie Stein. Keine Klinge kann ihnen etwas anhaben, doch unser Schwachpunkt ist unsere Kehle. Beschütze sie bitte mit deinem Leben. Dich noch einmal zu verlieren, würde ich nicht ertragen.«

»Ich verspreche es dir, mein Herz. Doch dasselbe gilt auch für dich.«

Auch er gab mir sein Versprechen, ehe ich mich in seine Arme legte.

An seiner Brust kamen meine Gedanken zur Ruhe. Meine einzige Beschäftigung war es, die Runen auf seinem Oberkörper mit meinen Fingern nachzuzeichnen. Er ließ es über sich ergehen, bis er plötzlich anfing zu lachen.

»An was denkst du gerade, dass es dich zum Lachen bringt?«

»Es sind deine Menschenfreunde. Sie scheinen sich prächtig zu verstehen.«

»Belauschst du sie etwa? Hör auf damit. Es reicht, wenn du das bei mir machst. Lass ihnen ihre Privatsphäre.«

»Sei bitte kurz still, mein Geliebter. Es wird gerade spannend.«

Mit aller Anstrengung versuchte ich auch, etwas zu hören, aber außer dem Rauschen des Meeres konnte ich nichts wahrnehmen. Wieder fing Bal an zu schmunzeln.

»Das ist unfair. Was ist so lustig?«, beschwerte ich mich.

»Ich erfahre gerade einige neue, interessante Dinge über dich. Zum Beispiel, dass du das hier sehr gerne magst«, meinte er, bevor er anfing, meinen Hals zu küssen, was ich liebte.

»Oder das hier.«

Von meinem Hals wanderte er zu meiner Brustwarze, ehe er sie mit seiner Zunge liebkoste und leicht hineinbiss.

»Das ist nicht dein Ernst. Darüber reden sie miteinander?«, fragte ich fassungslos.

»Ja, wie schön du bist und was sie mit dir erleben durften. Sahid war schnell fertig, aber mit William scheinst du sehr experimentierfreudig gewesen zu sein.«

»Schon, aber bei William kam ich mir immer schlecht vor, da es sich anfühlte, als würde ich ihn zu etwas nötigen.«

»Mit Nichten, mein Geliebter. Glaub mir, er hatte sogar große Freude daran.«

»Na, immerhin scheinen sie sich zu verstehen.«

Auf einmal sprang mein Liebster aus dem Wasser. Er kniete sich sehr breitbeinig an den Rand und präsentierte mir auf Augenhöhe sein Hinterteil.

»Was wird das jetzt?«, knurrte ich bereits leicht erregt.

»Laut William mochtest du es so am liebsten. Diese Position ist mir neu, aber ihr Gespräch ist so erregend. Bitte, mein Geliebter, lass mich in diesen Genuss… ahhhhh.«

Er konnte seinen Satz nicht beenden, da ich bereits mit meiner Zunge in ihn eindringen musste. Noch von seinen Küssen an meinem Hals erregt, war dieses Angebot zu verlockend. Warum ich diese Position so mochte? So konnte ich tiefer in ihn vordringen. Ihn schneller und härter nehmen, was nicht nur mir, sondern auch ihm eine gewaltige Lust bereitete. Auch meinem Liebsten schien es sehr zu gefallen. Er verlor komplett seine Beherrschung. In die Wiese krallend stöhnte er laut seine Lust heraus, während ich mich unaufhörlich in ihn trieb. Selbst ich hielt mich nicht zurück. Sollten sie ruhig hören, was wir hier oben trieben. Unser Spiel gipfelte in einer wahren Explosion. Beinahe zur selben Zeit verteilte er seinen Samen im Gras und ich meinen tief in seinem Inneren.

Ich lag noch immer mit ihm vereint auf seinem Rücken, als ich leise Geräusche wahrnahm, nachdem sich mein Atem beruhigt hatte.

»Tun Sie gerade wirklich das, was ich gerade denke«, fragte ich meinen Liebsten, der wieder zu lachen begann.

»Ja mein Geliebter. William widerfährt in diesem Moment die gleiche Behandlung wie mir eben. Es scheint den Beiden große Freude zu bereiten.«

Aus meiner Kehle erklang ein tiefes, erregtes Grollen, denn ihre Laute feuerten meine Leidenschaft erneut an.

»Dann, mein Herz, sollst du nun in Genuss kommen. Nimm mich auf dieselbe Weise. Lass mich erfahren, weshalb euch diese Stellung solch eine Lust bereitet.«

Anfangs noch vorsichtig steigerte sich schnell sein Verlangen, bis er mich ungezügelt nahm. Wenn William nur ansatzweise das empfand, was gerade in meinem Innern tobte, verstand ich, weshalb ihm unser Spiel damals Freude bereitete. Noch während mein Liebster sich in mich stieß, drang Williams‘ und Sahids‘ Höhepunkt deutlich in mein Ohr. Dies in Kombination mit den harten Stößen meines Liebsten beförderte auch meinen Samen erneut aus mir heraus.

»Schau, mein Geliebter. Dort hinten sind sie«, meinte Bal, als wir anschließend im Gras saßen und auf unser Land herabblickten.Dank unserer übernatürlichen Sehkraft konnte ich sie von dem Plateau gut erkennen. Sie rannten ins Meer. Sich küssend tollten sie im Wasser herum. Es war wohl die richtige Entscheidung gewesen, sie einander vorzustellen. Wir saßen still da und beobachteten unsere Gäste, bis sie sich schließlich wieder zu ihrem Lager aufmachten. Danach zogen auch wir uns in unsere Gemächer zurück.

Ein Land erwacht zum Leben 

Erst als Bal sie am nächsten Morgen reden hörte, gesellten wir uns wieder zu ihnen.

»Ich hoffe, ihr hattet eine angenehme erste Nacht«, fragte ich sie, als sie unbekleidet aus dem Zelt heraustraten.

Vor Schreck bedeckten sie verlegend ihre Körper mit einem Teil der Zeltplane.

»Es muss euch vor uns nicht unangenehm sein. Wir selbst verzichten noch so lange auf Kleidung, bis unsere weiteren Gäste kommen. Außerdem haben wir euch gestern bereits bei eurem nächtlichen Bad gesehen.«

»Also kam dieses Licht oben auf dem Berg doch von euch. Wir waren uns nicht sicher, weil es nicht aussah wie Feuer. Wir konnten euch zwar hören, aber waren uns nicht bewusst, dass ihr so weit sehen könnt«, sagte Sahid verblüfft.

»Wir besitzen weitaus sensiblere Sinne als ihr Menschen. Darunter auch ein sehr gutes Gehör«, meinte mein Liebster mit einem Schmunzeln.

Als sie dies hörten, schoss ihnen erneut die Röte ins Gesicht.

»Zieh sie doch nicht damit auf, mein Herz. Lass ihnen ihre Freude«, sagte ich und legte meine Hand auf seine Brust.

Augenblicklich fingen unsere Körper an zu schimmern. Gefolgt von den Runen, was die beiden zum Staunen brachte.

»Dieses Licht war es, das ihr vermutlich gesehen habt.«

Ich gab ihnen einen Augenblick, uns anzustarren, aber es gab Wichtigeres zu bereden.

»Genug gestarrt. Nicht, dass euch noch die Augen herausfallen. Habt ihr euch einen Namen für eure Siedlung überlegt?«, holte ich die beiden aus ihrer Starre.

»Gewiss. Wir würden sie gerne Drachenruh nennen. Seid ihr damit einverstanden?«, richtete sich William an uns.

»Obwohl wir nicht ruhen, finde ich es einen passenden Namen. Gut, da wir dies erledigt hätten, würde ich euch bitten, die Verantwortung für Drachenruh zu tragen. Ich möchte, dass ihr meine Vision für mich verwirklicht.«

»Wir? Aber es ist doch euer Land? Solltet ihr nicht über alles bestimmen?«, platzte es aus Sahid heraus.

»Nein, wir bieten euch lediglich den Grund für ein neues Leben. Am Anfang werden wir euch beim Aufbau tatkräftig unterstützen, doch danach seid ihr auf euch allein gestellt. Ich vertraue euch. Es gibt auch nur wenige Bedingungen.«

Nachfolgend erklärte ich ihnen, wie ich mir unser Zusammenleben vorstellte. Dabei merkten sie schnell, dass ihnen eine herrliche Zukunft blühte.

»Aber wir werden Wasser brauchen. Auf dem Weg hierher konnte ich keine Flüsse erblicken«, äußerte William seine Bedenken.

Erst da fiel mir auf, dass sich das Land dank meiner Kräfte wieder erholt hatte, aber bis auf die kleine Quelle am Rand der Ebene gab es tatsächlich kein Süßwasser.

»Es gab einmal einen Fluss, der sich durch dieses Land zog, aber sobald die Eiskönigin ihr Land bezog, versiegte der Wasserfall, der als Quelle diente«, erzählte mein Liebster.

»Dann los, mein Herz, lass uns ihr gleich einen Besuch abstatten, um den Grund zu erfahren«, sagte ich aufgeregt, verwandelte mich und hob ab.

»Du und dein Tatendrang. Warte auf mich, mein Geliebter«, hörte ich Bal zu mir sprechen, doch statt zu warten, beschleunigte ich noch.

Ihr Schloss war imposant. Prachtvoll aus Eis gefertigt thronte es auf dem Berg. Ich war noch am Staunen, ehe mich ein gewaltiger Schneeball traf, welcher mich beinahe abstürzen ließ. Vor ihrem Schloss bauten sich plötzlich riesige Schneekreaturen auf, bis ein Schneeball dem nächsten folgte. So gut es ging, versuchte ich, sie abzuwehren, als mein Liebster hinter mir einen markerschütternden Brüller losließ.

»Wieso greift ihr uns an? Wir kommen in Frieden. Ich gebe euch eine letzte Chance, sonst werden nur noch Pfützen von euch übrigbleiben«, donnerte er.

»Schneeball runter, Eisbärnd, du hast den Drachen gehört«, erklang eine weiche, melodische Stimme.

»Was bist du nur für eine wunderschöne Kreatur. Ich habe mich schon gefragt, wann ihr mich einmal besuchen kommt«, erklang es, während sie die eiserne Treppe herabstieg.

Ich musste mich kräftig schütteln, damit ich den ganzen Schnee loswerden konnte, ehe ich mich verwandelte.

»Seid gegrüßt, werte Königin, entschuldigt bitte, dass eure Diener dachten, wir würden euch angreifen wollen. Wir…«, fing ich an, doch sie fiel in lautes Gelächter.

»Bitte, junger Drache, wir können uns ganz normal unterhalten. Du brauchst dich nicht anstrengen so geschwollen mit mir zu sprechen.«

»Danke«, sagte ich und schenkte ihr ein erleichtertes Lächeln.

»Wir sind hier, weil aus eurem Land ein Wasserfall entspringen soll. Doch mein Gemahl erzählte mir, dass er versiegte, sobald ihr in dieses Land kamt. Wir brauchen dringend Wasser für unsere neuen Bewohner. Könnt ihr uns helfen?«, fragte ich sie.

»Das tut mir leid. Ich hatte einen winzig kleinen Nervenzusammenbruch, als ich auf diesen Berg kam, wobei ich alles in Eis verwandelte. Natürlich werde ich euch helfen, wenn ihr mir zeigt, wo die Quelle ist. Darf ich auf deinem Rücken reiten? Ich wollte schon immer einmal fliegen.

»Folg mir einfach«, sagte mir Bal in Gedanken.

»Na dann. Aufsteigen bitte«, meinte ich freudig, denn ihre Art steckte mich an.

»Was hast du gegen sie? Ich mag ihre Art«, fragte ich Bal.

»Warte ab, bis sie anfängt zu singen. Schon beim Gedanken stellen sich mir die Schuppen auf«, erwiderte er nur.

Mein Liebster flog auf geradem Weg zu der Stelle, wo der Wasserfall damals entsprang. Ich hingegen drehte mit der Königin eine Extrarunde. Auch sie jauchzte und begann sogar zu singen. So schlimm fand ich es gar nicht, weshalb sich automatisch mein Kopf im Takt mitbewegte. In Gedanken hörte ich sogar Bal sein »Oh nein, bitte nicht«, was mich zusätzlich amüsierte.

Als sie fertig war, landete ich direkt neben ihm im Schnee. Riesige spitze Stacheln aus Eis ragten aus einer Höhle heraus, was sehr bedrohlich wirkte.

»An dieser Stelle war früher ein Wasserfall«, erklärte mein Liebster, weiterhin in Drachengestalt.

Die Königin fing an, ihre Hände zu bewegen, worauf das Eis verschwand. Wenige Augenblicke später schoss das Wasser aus dem Berg und fiel herab in unser Land. Von hier oben war sogar der alte Flusslauf zu erkennen. Nicht lang und er würde sich wieder mit Wasser füllen.

»Sag ihr bitte, dass ich sie noch nach Hause bringen werde. Du kannst gerne schon heimfliegen. Ich muss dringend lernen, auch in dieser Form zu sprechen.«

»Vielen Dank, Eiskönigin. Mein Gemahl wird euch noch zu eurem Schloss begleiten. Auf bald«, sagte er, ehe er verschwand.

Damit hatte mein Liebster seine Ruhe und ich Spaß. Sie konnte nicht genug davon bekommen, auf meinem Rücken durch die Lüfte zu fliegen. Nachdem ich sie dennoch an ihrem Schloss absetzte, machte auch ich mich auf den kurzen Heimweg.

»Was ist das?«, fragte mich Bal skeptisch, nachdem ich landete.

»Schau, mein Herz. Er ist ein Geschenk der Königin an mich. Unser eigener kleiner, lebendiger Schneemann«, sagte ich begeistert.

Alle drei starrten mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Den ganzen Flug über hatte er keinen Ton von sich gegeben, doch plötzlich fing er an, laut und schief zu singen.

Im Bruchteil einer Sekunde schoss eine Flamme aus Bals Hand. Schon war aus meinem Schneemann eine traurige Pfütze geworden.

»Auf keinen Fall«, sagte mein Liebster nur trocken.

»Bal! Warum? Was sage ich jetzt der Königin, falls sie uns einmal besuchen kommt?«

»Du kannst alles von mir haben, mein Geliebter. Doch, das halten meine Nerven nicht stand. Du musst dir etwas einfallen lassen, auch falls sie dir noch so eine Gestalt andrehen will.«

Gut, ich musste zugeben, dass mir bei dem Gesang auch früher oder später die Hand ausgerutscht wäre. Stumm hingegen war der kleine Kerl niedlich gewesen.

In unserer Abwesenheit waren unsere Gäste nicht untätig gewesen. Sie hatten bereits angefangen, weitere Zelte aufzubauen. Andere lagen noch verpackt an weiteren Stellen. So planten sie bereits einen logistischen Aufbau der entstehenden Siedlung. Währenddessen mein Liebster loszog, um für die Zwei etwas Nahrung zu besorgen, half ich ihnen weiter. Bereits am Ende des Tages konnte man sich vorstellen, wie es einmal aussehen könnte. Am Tag, bevor wir die Einwohner Ehrentals abholen wollten, begann ich nach Williams Vorstellungen, Felder anzulegen. Er hatte auf meine Bitte angefangen, diese mit Stöcken abzustecken, ehe ich sie mit meiner Macht formen würde. Schnell erstreckten sich erntereife Felder mit den unterschiedlichsten Gemüsearten und Getreide über unser Land. Sogar an einen Obstgarten hatte er gedacht. Mit diesen Lebensmitteln sollten die Bewohner vorerst alle überleben können. Zur Not brauchte ich nur mit den Händen den Boden berühren, um Nachschub zu erzeugen.

Endlich war der Tag gekommen, nach Ehrental zu reisen. Ich war die ganze Nacht über unruhig, ob überhaupt jemand den Schritt wagen würde, mit uns zu kommen. Mein Liebster musste mich sogar zurückhalten, nicht bereits in den sehr frühen Morgenstunden zu fliegen. Als Bal nach einer gefühlten Ewigkeit eine Truhe mit Goldmünzen aus dem Gewölbe holte, waren wir endlich bereit, aufzubrechen.
»Langsam, mein Geliebter. Sie werden schon auf uns warten«, versuchte er, meine Geschwindigkeit zu zügeln.

»Ich weiß, mein Herz. Doch ich bin so aufgeregt.«

»Verständlich, doch sei bitte vorsichtig. Schenke ihnen bitte noch nicht zu viel Vertrauen.«

»Ich werde auf mich aufpassen und so schwer es mir fallen mag, werden wir bei dem kleinsten Anzeichen von Gewalt wieder aufbrechen.«

»Danke. Das beruhigt mich ein wenig.«

Wir landeten auf einem Hügel nahe Edwards Schloss. Zu meiner Überraschung schienen noch weitere Menschen angereist zu sein, welche in Zelten vor der Stadt auf uns gewartet hatten. Wir bekleideten schnell unsere Körper, ehe bereits die ersten auf uns zukamen.

»Lord Balerion, Lord Eros. Ich bitte um Erlaubnis, das Wort an euch zu richten.«, meldete sich die junge Frau an ihrer Spitze.

»Seid gegrüßt. Wie ich sehe, ist eure Tochter noch immer wohlauf. Wie heißt Ihr, gute Frau?«, sprach ich.

»Madeleine, Lord Eros.«

»Es freut mich, Madeleine, was kann ich für dich tun?«

»Ich habe versucht, so viele Menschen wie nur möglich zu überzeugen, doch sie haben Fragen. Würdet ihr euch bitte die Zeit nehmen, sie ihnen zu beantworten?«

»Gewiss. Würdet ihr die Nachricht überbringen, dass sich die Menschen im Schlosshof versammeln? Dann werde ich jede einzelne davon beantworten, sobald wir mit dem König gesprochen haben.«

»Ich werde mich sofort auf den Weg begeben. Ich danke euch, Lord Eros.«

»Habt Dank, werte Madeleine.«

Nachdem das geklärt war, machten wir uns auf ins Schloss. Sobald Edward die Truhe mit Gold erblickte, wurde er unruhig vor Gier.

»Wir benötigen einen eurer Schreiber mit einem Einwohnerregister. Zwanzig Goldstücke für jeden, der aus diesem Buch von ihm gestrichen wird. Wir erwarten ihn umgehend am Tor eures Schlosses«, setzte ich König Edward in Kenntnis, ehe wir seinen Thronsaal wieder verließen.

Madeleine hatte in der Zwischenzeit reife Arbeit geleistet, denn der Schlosshof platzte vor Menschen fast aus allen Nähten. Keine Ahnung, wo wir sie alle unterbekommen sollten, aber auch dafür würde uns eine Lösung einfallen. Sobald sie uns sahen, fielen sie mit ihren Fragen über uns her. Die meisten davon konnte ich mir selbst schon denken. Ich hörte sie mir alle an, bevor ich um Ruhe bat.

»Werte Menschen, ich kann verstehen, dass unser Angebot euch seltsam erscheinen mag, doch wir möchten euch damit eine einmalige Chance anbieten. Wir werden dabei nicht eure Gebieter sein. Ihr bildet eure eigene Gemeinschaft. Wir werden keine Steuern erheben. Dafür soll es einmal im Monat für alle Bewohner ein Festmal geben, an dem wir euch bitten, teilnehmen zu dürfen. Ihr werdet nicht für eure Dienstleistungen von uns entlohnt. Währungen werden euch in unserem Land nicht weiterbringen. Es wird eure tüchtige Arbeit sein, welche euch das Überleben ermöglicht. Wer von euch also Reichtum erhofft, wird ihn bei uns nicht finden. Für den Anfang haben wir euch reichlich Zelte besorgt, die ihr nutzen könnt, bis eure neuen Behausungen von euch selbst oder weiteren Arbeitskräften fertiggestellt werden. Wir setzen darauf, dass jeder von euch seine Stärken in die Gemeinschaft einbringen wird. Selbst für ausreichende Nahrung haben wir gesorgt. Nur müsst ihr diese ernten und zubereiten. Ausreichend, um für eure Kinder und Alten zu sorgen. Niemand muss Hunger leiden. Es gibt bereits zwei Einwohner in unserem Land. Diese werden unsere Werte in der Gemeinschaft vertreten. Sollte jemand faul sein, Gewalt anwenden oder uns schaden wollen, dann wird er uns umgehend wieder verlassen müssen. Meinen Gemahl und mich braucht ihr nicht zu fürchten. Konnte ich damit all eure Fragen beantworten?«, schloss ich meine Ansprache.

»Also kein Gold oder Edelsteine?«, kam es aus der Menge.

»Nein, kein Reichtum. Nur ein glückliches, unbeschwertes Leben fernab von Armut, Krankheit oder Hungersnöten.«

»Wir können mitfliegen und uns ihren Schatz unter den Nagel reißen«, konnte ich aus der Menge leise wahrnehmen.

»Einen Schatz sucht ihr bei uns vergebens. Dieser liegt gut versteckt auf einer weit entfernten Insel. Hoch oben in einem Berg. Ihr würdet nie die Möglichkeit haben, ihn zu erreichen.«

»Du hast doch jetzt nicht etwa vor, das ganze Metall aus dem Gewölbe auf eine Insel zu schleppen?«, fragte mich mein Liebster in Gedanken.

»Nein, keine Sorge, aber so fangen sie nicht an, bei uns danach zu suchen. Außerdem trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen.«

Tatsächlich begannen einige zu murmeln. Andere verließen sogar den Burghof.

»Gibt es sonst noch Fragen?«, erhob sich meine Stimme über die Menge, doch es gab keine Reaktion.

»Gut, dann bitte ich die Bewohner von Ehrental, welche sich uns anschließen möchten, nacheinander vorzutreten, ihren Namen zu nennen, damit der Schreiber euch aus diesem Buch streichen kann. Anschließend sammelt euch bitte mit eurem Hab und Gut um den Hügel auf der linken Seite des Schlosses. Der Rest, welcher mitkommen möchte, kann sich direkt dort versammeln.«

Es dauerte einen halben Tag, bis sich alle dort versammelt hatten. Zweiundneunzig Menschen hatten sich versammelt, darunter allein neunundsiebzig aus Edwards Königreich. Selbstverständlich galt es dem König, die Ehre, seine Goldmünzen zu zählen. Für weitere tausend Goldstücke wollte er uns sogar seine Frau und Tochter verkaufen, doch da lehnten wir dankend ab.

»Gut festhalten«, grollte mein Liebster, als auch der letzte einen Platz auf unseren Rücken gefunden und sich mit einem Seil an einem Stachel gesichert hatte.

Fast wäre meinem Liebsten einer seiner Passagiere über Bord gegangen, doch ich konnte ihn gerade noch mit meiner Klaue erwischen. Dafür hatte ich den Leuten auf meinem Rücken einen ordentlichen Schrecken eingejagt. So brachten wir doch alle unbeschadet in ihre neue Heimat. Nachdem sie abgestiegen waren, wurden sie von William und Sahid in Empfang genommen. Diese teilten unsere neuen Gäste auf die Zelte auf, je nach Größe der Familien oder ihrer handwerklichen Tätigkeit. Bal flog mit der Truhe aufs Meer hinaus, um sie im Glauben zu lassen, dass wir unseren Schatz wirklich nicht auf der Insel versteckten. Wir würden sie irgendwann in der Nacht zurückholen.

Ich half in der Zeit dort, wo ich gebraucht wurde, bis ich von einem Bauern aufgehalten wurde.

»Entschuldigt die Frage, werter Lord, aber lebt ihr Drachen nur von Gemüse? Ich bin eigentlich Viehbauer und weiß nicht, wie man mit diesem Grünzeug umgeht.«

»Nein, aber sobald ihr Gehege und Zäune errichtet, werden wir entsprechende Nutztiere kaufen, um die ihr euch kümmern könnt. Material zum Bauen werden wir morgen für euch holen.«, erklärte ich ihm, ehe ich weiter mit anpackte. Gerade als ich fertig war, einer Familie zu helfen, ihr Zelt zu errichten, erspähte ich Madeleine und ihre Tochter.

»Mama, der schöne weiße Drache kommt auf uns zu«, rief ihre Tochter, als sie mich sah.

»Seid gegrüßt, Lord Eros. Euer Land ist wunderschön. Ich danke euch, dass ihr uns erlaubt, hier bei euch zu leben.«

»Es freut mich sehr, dass es dir gefällt, Madeleine. Bitte nenn mich bloß Eros. Es braucht keinen unbedeutenden Titel mehr. Kommt, lasst mich euch bei eurem Zelt helfen und habt Dank für eure Unterstützung heute«, sagte ich, ehe wir gemeinsam das Zelt aufbauten.

Sobald Bal zurückkam, half auch er, bis jeder ein Dach über dem Kopf hatte. Es war schön zu sehen, wie sie sich sogar gegenseitig halfen. Gemüse wurde geerntet und die Frauen waren bereits dabei, zu kochen. Es war eine winzige, aber so liebe Geste, dass sie auch uns eine Schüssel davon anboten.

»Ich hoffe sehr, dass deine Vision Früchte trägt. Diese komplette Stille konnte einen wahnsinnig werden lassen. Jetzt kann man sich mit den Gesprächen der Leute etwas ablenken«, sagte Bal, als wir in unserer heißen Quelle saßen.

»Es freut mich, dass auch du dem etwas abgewinnen kannst, mein Herz.«

»Mich macht es schon glücklich, dich so fröhlich zu sehen. Doch der eine ältere Herr ist sonderlich. Der redet ununterbrochen mit seiner Holzpuppe, als wäre sie lebendig.«

»Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Er ist dennoch freundlich, außerdem Tischler. Er wird der Gesellschaft sicher gute Dienste erweisen, auch wenn er mit Puppen spricht.«

 »Das ist seltsam«, sprach mein Liebster.

»Was meinst du?«

»Eine der Frauen hält mich für ein Pferd. Sie wissen doch, dass ich ein Drache bin«, sagte er verwundert.

»Das kann ich mir nicht vorstellen. Du hast dich sicher verhört.«

»Nein. Sie sagte eben: Lord Balerion ist bestimmt wahrlich ein Hengst«, sprach er, weshalb ich schlagartig in ein Gelächter ausbrach.

»Ja das bist du wirklich«, meinte ich tränenlachend, da er mich zusätzlich sehr zerknirscht ansah.

»Ich finde das überhaupt nicht witzig. Anscheinend benötigt sie Augengläser.«

»Oh mein Herz, die braucht sie sicher nicht. Sie meint damit etwas gaaaaaanz anderes«, brachte ich lachend hervor.

»Dann verrate mir endlich, was dies zu bedeuten hat«, wurde er ganz ernst.

»Es bedeutet so viel, dass du im Bett sehr leidenschaftlich, ausdauernd, kraftvoll, aktiv und gar wild bist. Ich kann ihr also nur recht geben.«

»Oh… Dann bist du aber auch einer. Immerhin bist du um vieles leidenschaftlicher, sobald du nur in mich eindringst«, stellte er schief grinsend fest.

»Ach ja? Wer von uns hat mich am ersten Tag die halbe Nacht genommen?«

»Ich würde auch eine ganze Nacht durchhalten!«

»Komm her. Beweis es mir.«

Oh, und wie er es mir bewies. Bis die Sonne wieder auf unsere Körper fiel, liebte er mich leidenschaftlich. Diesmal rissen wir uns sogar mit unserer Lautstärke zusammen. Ich erklärte den Menschen gerne das Licht, doch was darüber hinaus passierte, mussten sie nicht im Detail erfahren. Es reichte, dass unsere beiden Vertrauten wussten, was dort oben vor sich ging.

Die ersten Tage verliefen ruhig. Die Menschen gingen tüchtig an ihr Werk und dank der tatkräftigen Unterstützung der Arbeiter von Sahids Vater entstanden bereits die ersten Rohbauten. Die Menschen waren verblüfft, als sie mit ansahen, wie ich mit einer einfachen Berührung des Bodens Bäume wachsen ließ oder mein Liebster diese mit bloßen Händen herausriss. An Rohstoffen mangelte es uns nicht. Mir war von Anfang an bewusst, dass es Leute geben wird, die aus der Reihe tanzten. Obwohl sie keine Sorgen mehr hatten, ging es einigen von ihnen nicht schnell genug. So kam Unmut auf, da die ersten Häuser an Familien oder Frauen mit Kindern vergeben wurden. Sahid und William konnten so gut wie jede Unstimmigkeit bereinigen, bis ein Bauer mit seiner Heugabel auf William losging. Dank unserem Gehör waren wir sofort zur Stelle, weshalb wir Schlimmeres vermeiden konnten. Sein Glück war es, dass er William nur am Arm verletzte. Die Wunde sah zwar schlimm aus, aber ich konnte sie schnell heilen. Mein Liebster kümmerte sich in der Zeit um den Bauern. Er hatte ihn bereits mit seinen Flammen eingekesselt, damit er nicht fliehen konnte.

»Dafür wird er bezahlen«, schrie er in meinen Gedanken.

»Nein, warte. Das müssen wir anders lösen. Halt ihn einfach im Flammenkreis gefangen«, bat ich ihn.

Alle unsere Gäste hatten sich bereits aufgrund des Aufruhrs um uns versammelt, gebannt wartend, was als Nächstes passierte.

»Er hat, ohne zu zögern, jemanden aus eurer Gemeinschaft angegriffen und verletzt. Einige von euch haben es sogar mit angesehen. Damit hat er gegen eine der wichtigsten Bedingungen verstoßen, weshalb er mit sofortiger Wirkung sein Anrecht verloren hat, hier auf unserem Land zu leben. Wir werden ihn nun in sein Land zurückbringen, also lasst es euch allen eine Lehre sein und kommt gar nicht erst auf die Idee, Hand gegen einen der euren zu erheben«, richtete ich mich an die Gemeinschaft.

»Nun zu dir. Geh und packe deine Habseligkeiten. Danach bringen wir dich augenblicklich von hier weg«, sagte ich zu dem Bauern, ehe Bal die Flammen verschwinden ließ.

»Einen Dreck werde ich tun. Was denkt ihr Monster eigentlich, wer ihr seid? Sterben sollt ihr«, spie er aus, bevor er mit seiner Mistgabel auf meinen Liebsten zu rannte.

Noch ehe er ihn erreichen konnte, war von ihm nur ein Haufen Asche übrig. Alles um uns herum wurde still.

»Es tut mir leid, dass ihr dies mit ansehen musstet, doch dieses Schicksal wird jedem widerfahren, der uns nach dem Leben trachtet. Sollte in dieser Gemeinschaft jemand meinen, einen Mord zu begehen, wird auch dieser mit seinem Leben dafür bezahlen. Ich hoffe, wir haben euch nicht zu sehr verschreckt und ihr könnt unser Handeln nachvollziehen. Wir möchten nicht, dass sich dies bald wiederholen wird. Bitte, geht wieder zurück an eure Arbeit und lasst uns diesen Tag weiterhin nutzen«, schloss ich meine Rede, bevor sich die Menge um uns herum wieder löste.

Zumindest bis auf die Kinder. Die wollten noch einmal sehen, wie mein Liebster einen Feuerball aus seiner Hand schoss, weil es sie so faszinierte. Zum Glück verstanden sie noch nicht genau, was zuvor passierte.

Für viele Jahre blieb es auch der einzige Vorfall dieser Art. All das, was die Menschen anfangs nicht selbst herstellen konnten, oder Vieh, handelten wir mit anderen Königreichen. Im gleichen Zug konnten wir sie über das Ende der Tributzahlungen in Kenntnis setzen. Vereinzelt folgten uns dabei sogar neue Menschen in unser Land. Doch nicht nur sie baten um einen sicheren Unterschlupf. Eine Kolonie Gnome und ein paar Feen suchten auch bei uns Schutz. Für sie legten wir nahe dem Wasserfall einen Wald an, in dem sie sorgenfrei leben konnten. Auch mein geliebter Phönix fand einen Platz bei uns. Der Zwergenprinz war überrascht, mich wohlbehalten wiederzusehen. Erst recht über meine Verwandlung. Sogar sein Volk bot uns Hilfe beim Errichten unserer Siedlung. Wie erwartet stattete uns die Eiskönigin einen Besuch ab. Sie wurde bestürzt, als ich ihr vom Verlust ihres Geschenkes an mich erzählte, wollte mir dennoch einen weiteren kleinen Schneemann schenken. Es war Bal, der ihn danken ablehnte mit der Begründung, dass er in ihrem Reich um einiges besser aufgehoben wäre.

An manchen Abenden nahmen wir William und Sahid mit zu uns hoch auf den Berg. Bei einem angenehmen Bad in der Quelle besprachen wir das weitere Vorgehen oder was wir noch besorgen mussten. Nebenbei erfreuten wir uns auch am Anblick ihrer schönen Körper. Welche Wirkung wir gegenseitig aufeinander hatten, war dabei nicht zu übersehen, doch niemand verlor darüber ein Wort. Wobei mein Liebster mich mehr als einmal an seinen Gedanken teilhaben ließ. Meine blieben ihm ja nicht verborgen. Manchmal lenkte er mich damit so ab, dass ich dem Gespräch kaum folgen konnte.

Gerade als wir eines Abends beschlossen hatten, unsere Freunde wieder nach unten zu bringen, brach William sein Schweigen darüber.

»Warum ladet ihr uns eigentlich nie dazu ein, das Bett mit euch zu teilen? Ich sehe doch, wie sehr euch unsere Anwesenheit erregt«, sprach er das Offensichtliche aus.

»Die Ritter deines Vaters oder die Männer in den Ställen hatten oft gemeinsam Vergnügen miteinander«, fügte er noch hinzu.

»So gern wir es auch wollten, könnten wir euch dabei töten. Es reicht eine Sekunde der Unachtsamkeit, dass eure Knochen in unserem Griff zerbersten oder schlimmeres«, erklärte ihnen mein Liebster.

»Wenn ich das richtig verstehe, dürft ihr uns dabei nicht mit euren Händen berühren?«, hinterfragte Sahid neugierig, ehe er William verschmitzt angrinste.

»So in der Art. Eine Berührung selbst ist nicht schlimm, nur ein fester Griff könnte euch bereits schwerwiegend verletzen. Vor allem habe ich meine Kraft noch nicht gut unter Kontrolle. Doch worauf willst du hinaus?«, wollte ich von ihm wissen.

»Wenn ihr es möchtet, ladet uns ein und wir zeigen es euch«, machte uns stattdessen William ein Angebot.

»Dann begleitet uns nach drinnen«, lud mein Liebster sie ein.

»Dir ist bewusst, zu was du sie damit ermutigt hast?«, fragte ich Bal überrascht in Gedanken.

»Aber gewiss. Dich scheint es sehr zu erregen und ich bin neugierig geworden. Lass es uns gemeinsam herausfinden, was sie mit uns vorhaben, mein Geliebter.«

Sicher hatte er damit recht, aber ich hatte auch meine Zweifel. Zu oft hatte ich bereits das Bett in seine Einzelteile zerlegt. Nur konnte ich dies wieder in seinen Originalzustand versetzen.

»Wofür braucht ihr ein so riesiges Bett, wenn ihr kaum Schlaf braucht? Dazu noch so gemütlich«, sagte Sahid, während er sich darauf fallen ließ und anfing, sich zu wälzen.

»Schaut nicht so. Kommt lieber her. Legt euch zu mir«, fügte er nach kurzer Zeit hinzu.

Noch unsicher begaben auch wir uns mit zu Sahid ins Bett. Ohne Umschweife begann er, erst mich, gefolgt von meinem Liebsten, zu berühren. Auch William folgte direkt seinem Beispiel und erkundete mit seinen Händen unsere Körper.

»Kommt schon. Du sagtest, Berührungen sind harmlos, also traut euch«, spornte nun William uns an, ehe er meine Hand nahm, um sie an seinen Bauch zu führen.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Vorsichtig begann ich, ihn zu streicheln. Es war berauschend, sie alle drei überall berühren zu dürfen. Genauso ihre Hände auf meinem gesamten Körper zu spüren. Ja, es mochte harmlos sein, aber gleichzeitig so erregend.

»Au, Eros, aufhören«, jaulte Sahid auf, als ich seinen strammen Hintern in meiner Hand hielt.

»Jetzt verstehe ich, was du mit festem Griff meintest. Zeit, etwas auszuprobieren. Habt ihr Seile oder Ketten?«, fragte uns Sahid, was Bal zum Lachen brachte.

»Wenn das dein Plan war, muss ich dich leider enttäuschen. Ja, wir haben welche, aber es wäre uns ein Leichtes, die Fesseln zu sprengen«, meinte mein Liebster.

»Hmm, dann legt euch nebeneinander auf den Rücken. Verschränkt eure Hände hinter dem Kopf und behaltet sie dort. Genießt einfach, was wir mit euch anstellen werden«, ließ er sich schnell einfallen.

Ich war erschüttert, dass er vorhatte, uns die Hände zu fesseln. Was war bloß aus dem unschuldigen jungen Mann aus dem Zelt geworden? Wir legten uns dicht nebeneinander. Wie befohlen die Hände hinter dem Kopf verschränkt, fingen die beiden sofort an, unsere Körper stürmisch mit ihren Lippen zu erkunden. So gierig, wie sie uns kurz darauf abwechselnd in ihren Mündern aufnahmen, mussten sie dies schon lang geplant haben. Mehr als erregt schauten wir ihnen dabei zu, bis sie aufhörten und sich verkehrt herum über uns positionierten. Damit war Sahids perfekt geformtes Hinterteil so dicht an meinem Gesicht, dass ich nicht anders konnte, als ihn mit meiner Zunge zu verwöhnen. Dies machte ihn umso wilder. Beim Blick zu meinem Liebsten konnte ich sehen, wie er bereits zwei seiner Finger in William versenkte.

»Trau dich, mein Geliebter. Dabei kannst du ihm keinen Schaden zufügen«, ermutigte mich Bal.

Er sollte damit recht behalten. Statt ihn zu verletzen, lockte ich nur umso heißere Laute aus Sahid heraus. Wieder wechselten sie nach einiger Zeit, damit ich auch William auf diese Weise verwöhnen konnte.

»Los, lass uns endlich herausfinden, wie es sich anfühlt, einen Drachen in sich aufzunehmen, mein Schatz«, wandte sich William nach einiger Zeit an Sahid.

Während eines langen, innigen Kusses ließen sie sich auf uns nieder. William nahm meine Länge problemlos schnell in sich auf. Sahid hatte dagegen etwas zu kämpfen. Doch auch er ließ es sich nicht nehmen, von meinem Liebsten komplett ausgefüllt zu werden. Bal zog mich in einen leidenschaftlichen, wilden Kuss, als sie anfingen, auf uns zu reiten. Immer lauter stöhnten sie ihre Lust heraus, je schneller und härter sie sich auf uns spießten. Nur durch ihre Küsse wurden ihre Laute für einen Moment gedämpft. Auch diesmal wechselten sie, bevor sie sich gegenseitig massierten. Sie ritten uns so lange, bis sie ihren Samen auf uns verteilten, mein Liebster seinen tief in William entleerte und Sahid meinen in sich aufnahm.

»Geht sofort zur Seite«, knurrte ich die beiden erregt an, als sie dabei waren, sich von uns zu erheben.

Bal zog direkt seine Beine fest an seinen Körper. Durch meine Gedanken wusste er bereits, was als Nächstes passieren wird. Das ganze Spiel hatte mich so sehr erregt, dass ich mich augenblicklich tief in ihm versenkte. William und Sahid mussten mit ansehen, wie ich es meinem Liebsten wild besorgte. Ich hatte dermaßen die Kontrolle verloren, dass sogar das Bett unter uns nachgab, ehe es über uns zusammenbrach. Doch auch dies war kein Grund, nachzugeben. Erst als wir erneut unseren Samen vergossen, konnte ich wieder einen klaren Gedanken fassen, ehe wir uns aus den Trümmern erhoben. Die beiden lagen ein Stück entfernt auf dem Steinboden. Obwohl wir in fassungslose Gesichter blickten, spielten sie noch gegenseitig an sich herum.

»Seht ihr, das ist der Grund, wieso wir euch nie in unser Bett einluden. Mein Geliebter kann manchmal etwas stürmisch sein«, erklärte Bal lachend.

»Etwas stürmisch? Ihr habt das Bett komplett zerlegt«, platzte es aus Sahid heraus.

Sie waren noch erstaunter, als ich meine Hand hob und sich das Bett anfing, wieder zusammenzusetzen.

»Es passiert leider jedes Mal, wenn wir uns darin vereinigen«, sagte ich, ehe das Bett wieder unversehrt vor uns stand.

»Aber… aber… wieso hast du dann nicht einfach die Häuser errichtet?«, stammelte William.

»Weil ich nur Dinge in ihren Originalzustand versetzen und nicht erschaffen kann«, erklärte ich ihnen.

»Ihr seid faszinierend«, sprach Sahid voller Ehrfurcht.

»Kommt, meine Freunde, wir gehen uns reinigen und danach bringen wir euch nach unten«, meinte mein Liebster, ehe wir gemeinsam zurück nach oben gingen.Trotz des Schreckens, welchen wir ihnen eingejagt hatten, kam es über die Jahre häufiger vor, dass wir das Bett miteinander teilten. Irgendwann hatte ich mich auch so weit unter Kontrolle, dass ich sie berühren konnte, ohne ihnen Schaden zuzufügen. Dies intensivierte unser gemeinsames Spiel ungemein.

Die Sonnen- und Schattenseite eines ewigen Lebens 

Bei einem Besuch eines Königreiches erreichte mich die Nachricht über den Tod meines Vaters. Umgehend machten wir uns auf den Weg. Es war bereits Jahre her, dass ich meine Eltern das letzte Mal sah. Zwar hatte ich versucht, meiner Mutter zuliebe, sie einmal im Jahr zu besuchen, doch es endete immer aufs Neue im Streit mit meinem Vater. Er wollte die Verbindung zu meinem Liebsten nicht verstehen. Meine Mutter war durch den Tod ihres Gatten am Boden zerstört. Dazu kam noch die Wahl seines Nachfolgers. Mein Onkel Edgar war aus seinem Exil zurückgekehrt. Seiner Ansicht nach hätte der Titel schon immer ihm zugestanden. Nun war es an der Zeit, seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron einzunehmen. Laut Erzählungen hatte mein Vater ihn kurz nach meiner Geburt verbannt, da er seiner sprechenden Schlange befahl, mich zu töten. Laut meiner Mutter würde er das Königreich in den Ruin treiben, weshalb ich ihr anbot, dass sie uns gerne begleiten könnte, wofür sie sich am Ende auch entschied. Es begeisterte sie, mit eigenen Augen zu sehen, was wir in der doch kurzen Zeit geschaffen hatten.

Zu meinem Entsetzen kam Jahre später der Tag, an dem ich begreifen musste, welche Nachteile es mit sich brachte, ewig zu leben. Dank meiner Kräfte hatten Sahid und William ein hohes Alter erreicht. Bereits vor langer Zeit haben sie ihre Position an ihre Nachkommen weitergegeben. Beide hatten sich fortgepflanzt, aber sind sich dennoch immer treu geblieben. Leider war auch ich irgendwann machtlos und Sahids Herz hörte im Schlaf auf zu schlagen. Als ich davon erfuhr, brach eine Welt zusammen. Für mich war er ein Verbündeter, ein wahrer Freund. Erst vor ein paar Tagen, als ich ihn besuchte, sagte er mir noch, wie dankbar er für sein Leben bei uns war. Das mein Kuss ihm tatsächlich ewiges Glück beschert hatte. Nun hatte seine Reise ein Ende gefunden.

Es wurde zur Tradition, dass wir unsere Toten in weiße Leinentücher hüllten, ehe wir sie auf ein Floß betteten. Mit Blumen geschmückt ließen wir sie aufs Meer hinaustreiben, bevor mein Liebster sie mit einer Flamme entzündete. Bei Sahid bekam ich von der Zeremonie nicht viel mit. Für mich war es das erste Mal, dass ich einen geliebten Menschen verlor. Mein Herz war schwer und meine Tränen wollten auch nach Tagen nicht aufhören zu fließen. Um der Toten zu gedenken, hatten Sahid und William eingeführt, farbige Bänder an die Äste eines Kirschbaums zu binden. So konnten unsere Gäste ihrer Liebsten gedenken oder herkommen, wenn sie Trost suchten. Einen Monat hatte ich an den Wurzeln dieses Baumes um meinen werten Freund getrauert. Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass mich sein Verlust so treffen würde. Selbst meiner Mutter erwies ich auf ihrer Beerdigung meinen Respekt, doch es ging mir bei weitem nicht so nahe.

Mein Liebster gab mir den Raum, welchen ich brauchte. Sicher war es auch für ihn schwer, mich so zu sehen, aber er gab sein Möglichstes, in dieser schweren Zeit für mich da zu sein. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, schmerzte ihn der Verlust ebenso, doch hatte er gelernt, damit umzugehen. Gerade als ich mich wieder halbwegs gesammelt hatte, verließ auch William sein Lebenswille. Kein halbes Jahr später folgte auch er seinem Liebsten. Ich hatte alles versucht, damit er uns, vor allem mir, noch ein wenig blieb.

»Es ist ok. Lass mich bitte gehen, mein Freund. Vielleicht werde ich so mit meinem Geliebten endlich wieder vereint sein«, sagte er noch zu mir, während er meine Hand hielt, welche ihm neue Kraft schenken sollte.

Mir blieb somit nichts anderes übrig, als seinen Wunsch zu akzeptieren. So hinterließ er ein zweites Loch in meinem Herzen.

Mein eigener Lebenswille geriet ins Schwanken. Wäre mein Liebster nicht gewesen, würde ich nicht mehr auf dieser Welt verweilen. Seine unendliche Liebe zu mir war es, welche mich aus meinen tiefen Zweifeln und der Trauer zurückbrachte. Es war der Moment, an dem ich beschloss, nie wieder eine andere Person, außer ihm, so nahe an mich heranzulassen. Denn er würde mich nie verlassen.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich die Gesellschaft immer weiter. Drachenruh wurde als die Stadt der Glückseligkeit bekannt. Der technische Fortschritt machte unsere Fähigkeiten nach und nach nutzlos, weshalb wir uns zurückzogen. Doch, was mich am meisten freute, war, dass die Menschen noch immer die gleichen Werte vertraten wie am ersten Tag. Diese sogar beschützten. Einmal im Monat feierten die Einwohner weiterhin ein gewaltiges Fest mit uns als ihren Ehrengästen. Es wurde als »Tag des Drachen« bekannt, wo wir es ihnen ermöglichten, unsere Hilfe anzusuchen. Meist waren es die Schwerkranken, welche mich baten, sie zu heilen. 

Den Rest der Zeit verbrachten wir im Verborgenen in getrauter Zweisamkeit oder zogen in der Nacht unsere Kreise über das weite Land. Im Notfall ließen wir auch heimlich einen Störenfried verschwinden, welcher unserer Gesellschaft Schaden zuführen wollte. Mit meinem Liebsten an meiner Seite besaß ich alles, was ich brauchte.

Damit gab es für uns kein »Es war einmal« oder »Und wenn sie nicht gestorben sind«. Wir sind zwei Herzen, die alle Ewigkeit überdauern. Sich liebend und die Menschen unseres Landes beschützend. Noch immer neugierig darauf, was der nächste Tag für neue Überraschungen mit sich bringen würde.

Wir sind das glücksbringende Licht der Drachenlande. Jedenfalls nennen es die Menschen so, wenn wir uns auf unserem Plateau unter dem Sternenhimmel liebten, bis wir erschöpft ins Gras fielen.

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3 Kommentare zu „Scheiß auf Prinzessin“

  1. Lieber O.G.

    Mit dieser Geschichte ist dir wieder ein absolutes Meisterwerk gelungen. Es gibt eine wunderschöne Handlung, tollen Sex und eine sehr berührende Liebesgeschichte, die zeigt wie Liebe alles heilen kann. Wie aus einem verbitterten Drachen ein liebevoller Gefährte und aus einem verbrannten Land eine wunderschöne Gemeinschaft entstehen kann, in der man selbst gerne leben möchte. Toll sind auch die vielen Verweise zu den vielen Märchen. Da musste ich ganz oft schmunzeln.

    Lieber Gruss Christoph

    1. Hi Christoph,
      bei der Geschichte war ich selbst gespannt wie sie ankommt. Beim Schreiben musste ich selber lachen und heulen wie ein Schlosshund. Aber ja so sollte eine Beziehung sein. Ein Leben in Harmonie, was auch die Gemeinschaft verdeutlichen soll. Es freut mich sehr, das dir die Geschichte so gut gefällt und Disney hat mein Bild zu Beziehungen ruiniert mit ihren Happy Ends, also musste ich sie ein wenig mit einem lustigen Aspekt einbauen.

      LG O.G.

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