
Was ist nur mit dem Trauzeugen verkehrt?
Eine Hochzeit planen ist nichts für schwache Nerven. Obwohl Nick alles im Griff zu haben scheint, raubt ihm ein Trauzeuge ganz besonders seine Nerven.
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Bloß ein Gefallen
Wenn man einmal in seinem Leben hautnah an der Organisation einer Märchen-Hochzeit beteiligt war, überlegt man sich zweimal, ob man sich dies selbst antun möchte. Warum einen Hochzeitsplaner einstellen, wenn jemand im Umfeld doch in der Eventbranche tätig ist? Das haben sich zumindest meine zwei besten Freunde Nadine und Stefan gedacht. Mit Nadine war ich schon seit der Schulzeit unzertrennlich gewesen. Stefan trat vor fünf Jahren in ihr Leben und die beiden passen einfach wie Arsch auf Eimer zusammen. Daher hatten wir uns auch schnell angefreundet, weshalb es öfter in der Woche vorkam, dass wir am Abend zusammensaßen. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ich nur zwei Häuser von ihnen entfernt wohne.
Seit seinem Antrag gab es für Nadine nur noch ein Thema: ihre Märchenhochzeit.
»Bitte Nick, du kennst dich doch mit solchen Events aus. Hilfst du uns auch bei unserer Planung?«, fragten sie mich gleich, nachdem sie aus dem Urlaub zurückkamen.
Wie konnte ich da bitte schön nein sagen? Natürlich würde ich sie dabei unterstützen. Sofern sie durch mich auch einiges an Geld sparen konnten, um ihre Traumhochzeit zu verwirklichen. Seitdem waren wir fest mit der Planung beschäftigt. Ich versuchte, sie bei jedem Termin zu begleiten. Angefangen bei der Location bis hin zur Anprobe von ihrem Brautkleid oder seinem Anzug. Gerade das Brautkleid hatte ihr viele Tränen gekostet, da sie beinahe die Hoffnung aufgab, das Richtige zu finden. Doch auch da fand ich noch eine junge Schneiderin, die ihren Traum wahrmachen konnte. Nach der Anprobe heulte sie rotz und Wasser, aber diesmal wenigstens aus Freude.
Die Location mussten wir zwischendrin auch wechseln. Selbstverständlich ist die Wahl auf ein Schloss gefallen, doch der Kostenvoranschlag hatte es in sich. Klar war es uns bewusst, dass solch ein Ambiente teuer werden würde, aber die aufgeschlagenen Preise waren der pure Wucher. Deswegen sind sie dann zur Konkurrenz gewechselt. Die Räumlichkeiten waren genauso schön, aber dafür wurde am Ende die Hausdame zu meiner persönlichen Hölle. Zum Glück wurden wir vorgewarnt, weshalb ich zwei Monate vorher alles zusammengefasst und von allen unterzeichnen ließ. Damit konnte sie sich nicht rausreden, eher war sie dazu verpflichtet zu sehen, dass alles Versprochene eingehalten wurde. Alternativ würden einen Teil der Endrechnung einbehalten.
Die Ehre, sie als Trauzeuge an ihrem besonderen Tag zu begleiten, lehnte ich jedoch ab. Am liebsten hätten mich beide an ihrer Seite gehabt, doch ich konnte mich schlecht zerreißen. Außerdem wollte ich nicht noch einen Junggesellenabschied planen. Ich hatte mit der Hochzeit und meinem eigentlichen Job schon genug zu tun. Damit fiel ihre Wahl auf Stefans Bruder Nico und Miriam, eine von Nadins besten Freundinnen. Zwei Wochen vorher wurde ich in eine WhatsApp-Gruppe eingeladen, wo Miriam ihren Plan für Nadins Junggesellinnenabschied hineinschrieb. Bis dato wusste ich nur, dass ich dabei sein sollte, aber kannte keine Details. Nur als ich das las, wusste ich bereits, dass es in einer finanziellen Vollkatastrophe enden wird. Ich kannte ihre Brautjungfern und Freundinnen. Einige davon studierten noch. Ihre Ideen waren nicht schlecht, doch viele hätten sich den Tag einfach nicht leisten können.
Nachdem auch eine hitzige Diskussion deswegen in der Gruppe entstand, hatte ich sofort Miriam angerufen. Glückwunsch, denn ab dem Zeitpunkt durfte ich den Tag mitorganisieren und plante ihn von Grund auf neu. Ich verstand sowieso nicht, wieso sie gleich früh am Morgen starten wollten. Schnell stand ein neuer Plan, womit alle zufrieden waren. Eine Woche später kam die Frage auf, was mit Stefan wäre. Seinem Bruder hatte niemand Bescheid gegeben, weshalb er für das Datum keinen Urlaub eingereicht hatte. Außerdem wollte er einen Tag später in den Urlaub fliegen. Nie im Leben hätte er es mit der An- und Abreise geschafft, seinen Flieger pünktlich zu erreichen. Gemeinsam mit seinem besten Freund stellten wir in einer Woche noch ein Programm für ihn auf die Beine. Wobei ich das Organisatorische erledigte und er nur die Aufgabe hatte, am besagten Tag zuzusehen, dass alles genauso stattfand. Im Endeffekt war ich es wieder, der im Hintergrund die Fäden zog.
Die Planung hatte mich in meinen anderen Aufträgen so weit zurückgeworfen, dass ich den Freitag vorher noch bis spät in die Nacht arbeiten musste. Mein Lichtblick war der Aufenthalt beim Badesee, den wir eingeplant hatten, denn bereits beim Essen vorher sind mir meine Augen fast zugefallen. Direkt, nachdem wir uns einen Platz ausgesucht hatten, schmiss ich meine Klamotten von mir.
»Kommt noch wer mit schwimmen?«, fragte ich die Mädels, welche mich kichernd anstarrten.
»Sicher, aber ich muss mich erst umziehen«, meinten Nadine und ein paar der Mädels.
»Na dann los. Ich passe hier so lange auf die Klamotten auf«, scheuchte ich sie auf.
Irgendetwas tuschelten sie beim Weg in die Umkleide, denn sie sahen öfter über die Schulter zu mir herüber.
Interessant, was sie unter schwimmen, verstanden. Sabine stürzte sich direkt mit mir ins Wasser. Die anderen gingen gerade einmal bis zum Bauchnabel in den See hinein. Eine hatte sogar keine Badesachen eingepackt. War auch praktisch, denn so konnte sie auf unsere Sachen aufpassen. Die Abkühlung tat mehr als gut. Zurück bei unserem Platz ließ ich mich aufs Handtuch fallen, setzte die Sonnenbrille auf, ehe ich es mir gemütlich machte.
»Einfach ein bisschen dösen und neue Energie tanken«, dachte ich mir.
Für einen Moment hätte nicht mehr viel gefehlt, dass ich eingeschlafen wäre. Ihre Stimmen entfernten sich immer weiter, bis sie wohl dachten, dass ich wirklich schlafe.
»Das ist das erste Mal, dass ich Nick oberkörperfrei sehe. Ist er noch Single? Meinst du, ich habe eine Chance bei ihm?«, wollte eine von Nadines Brautjungfern wissen.
»Ja, ist er, aber nein, sorry, da hast du keine Chance«, kicherte sie.
»Wieso steht er nicht auf Blond?«, fragte eine andere.
»Daran liegt es nicht. Er steht generell nicht auf Frauen«, klärte sie Nadine auf.
»War ja mal wieder klar, aber er ist echt eine Sahneschnitte.«
»Glaubt ihr ernsthaft, dass ein Hetero freiwillig einen ganzen Tag allein mit euch Hühnern verbringt«, sagte ich trocken mit einem Grinsen auf den Lippen.
»Schlaf lieber weiter, Opa, damit du heute Abend durchhältst«, neckte mich Nadine.
»Dann leg dich besser zu mir. Immerhin sind wir beide gleich alt.«
»Falsch, ich werde erst in einer Woche siebenundzwanzig. Noch bin ich jünger«, protestierte sie.
»Meinetwegen, dann bist du eben dann erst eine alte Schachtel.«
Diese Aussage brachte mir einen eiskalten Schwall aus ihrer Wasserflasche ein, was mich zischen ließ.
»Ist es jetzt schon so weit, dass mich sogar Frauen anspritzen? Wenn das dein Zukünftiger erfährt. Aber warte nur ab, meine Rache kommt später. Ich habe mir schöne Aufgaben für dich ausgedacht.«
Damit war an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich wurde von den Mädels gelöchert. Sicher kannten wir uns von Feiern, aber so offen wurde meine Sexualität noch nicht angesprochen. Bei jedem Typen, der an uns vorbeiging, bekam ich nun die Frage, ob er mir gefällt, ehe ich ihn von eins bis zehn bewerten sollte. Es wurde dadurch ein sehr witziger Nachmittag. Im Anschluss machten wir Nadine für ihren nächsten Programmpunkt fertig. Ich hatte mir eine Schnitzeljagd durch die Stadt überlegt. An gewissen Punkten musste sie Aufgaben erfüllen, bei denen sie sich zum Affen machte, damit sie einen Hinweis zum nächsten Ziel bekam. Nur waren die Fragen so gemein, dass sie bei falscher Antwort eine Strafaufgabe erledigen musste. Wir haben stundenlang Tränen gelacht, da sie mit vollem Körpereinsatz dabei war. Auch ihren Bauchladen hatte sie mit einem großartigen Umsatz an die Leute gebracht, bevor wir uns mit der Männergruppe trafen. Nach einem guten Essen feierten wir noch bis spät in die Nacht.
Den Sonntag drauf hatte ich nur im Bett verbracht. Eigentlich wollte ich mich am Abend noch mit einem aus dem Club treffen, habe aber kurzfristig abgesagt. Mir ging es zwar nicht schlecht, aber auf einen One-Night-Stand hatte ich den Tag einfach keinen Bock mehr. Lieber traf ich mich am Abend mit meinem Lieblingsbrautpaar in Spe auf ein kühles Getränk bei ihnen im Garten. Im Gegensatz zu mir sahen sie relativ zerstört aus.
»Na, vertragen die alten Knochen nix mehr?«, zog ich beide auf, als wir uns begrüßten.
»Arsch, du musstest ja nicht mit jedem einen Schnaps saufen«, meckerte Nadine.
»Du hättest sie sehen müssen. Sie hat die ganze Nacht die Kloschüssel umarmt und angeschrien«, setzte Stefan zu ihrem Unmut noch einen drauf.
»Passiert. Ich hoffe aber, ihr hattet wenigstens Spaß und einen unvergesslichen Tag«, meinte ich lässig.
»Das auf jeden Fall, wobei ich mich frage, was ich Miriam getan habe, dass sie mir solche Aufgaben oder unmögliche Fragen stellte. Stefan musste so etwas Peinliches nicht machen.«
»Ne, dafür hätte ich keine Zeit mehr gehabt, noch eine Schnitzeljagd mir aus den Fingern zu saugen«, rutschte es mir heraus.
»Hä? Ich dachte, die Mädels und Nico haben das alles organisiert?«, kam es verdutzt von Nadine.
»Fuck. Ja, ne, nicht ganz. Miriams Ideen waren zwar gut, aber das hätten sich die meisten nicht leisten können. Ich habe es dann ein wenig kostengünstiger gestaltet, aber die Grundideen von ihr aufgegriffen. Nico hätte es in der einen Woche auch nicht geschafft, das alles zu organisieren. Sie sollten auch nichts sagen, aber ich Idiot habe mich gerade selbst verraten. Behaltet es bitte für euch. Sie haben sich echt Mühe gegeben, aber da fehlt es einfach an Erfahrung«, erklärte ich, ehe ich eine feste Umarmung von ihnen bekam.
Wobei ich schon etwas sauer auf Nico war. Er hatte immerhin zugesagt, Stefans Trauzeuge zu sein. Da sollte man wenigstens erwarten, dass er die damit verbundenen Pflichten auch kennen sollte. Mich hatte es bei der Familiengeschichte eh gewundert, dass er ihn gefragt hatte, denn in den ganzen Jahren hatte ich seinen Bruder nicht einmal gesehen. Allgemein kannte ich niemanden von ihrer Familie, bis auf Nadines Vater. Vom Rest kannte ich nur Geschichten, weshalb ich schon sehr gespannt auf die Hochzeit war. Allein den Sitzplan zu erstellen, war die reinste Katastrophe, dass ja alle weit genug von Expartnern oder neuen Partnern entfernt saßen. Streitigkeiten konnte an so einem Tag niemand gebrauchen. Ich erst recht nicht, denn wenn, war es meine Aufgabe, sie nach draußen zu begleiten.
Der letzte Monat verging rasend schnell. Das Wort »Hochzeit« löste in mir Stress aus. Gefühlt jeden Tag ein neues Drama, das es galt, zu erledigen. Doch das war alles nichts gegen die letzte Woche vor der Hochzeit. Den Mittwoch hatte ich leider selbst einen wichtigen Termin, weshalb ich beim Aufbau erst später dazustoßen konnte. Bereits als ich aus dem Auto stieg, konnte ich die gute Frau vom Schloss schreien hören. Als ich jedoch sah, wen sie anschrie, haute es mir die Sicherungen raus. Nadin hockte aufgelöst vor ihr auf dem Boden. Stefan, ruhig auf sie einredend, hielt sie im Arm. Nun hatte mich die Dame gesehen, weshalb sie direkt mit mir anfing zu schreien. Für mich hörte es sich alles wirr an, weshalb ich sie gleich unterbrach.
»Gehen Sie bitte sofort rein, bevor ich anfange zu schreien. Ich regele das hier und komme im Anschluss zu ihnen«, versuchte ich ruhig zu sagen, doch meine Stimme bebte.
Diese Wahnsinnige hatte es geschafft, alle Dienstleister zu vergraulen, was dazu führte, dass Nadine einen Nervenzusammenbruch erlitt. Sie war sogar so kurz davor, selbst die Hochzeit abzublasen. Ich schickte die beiden nach Hause, nachdem ich ihnen versprach, mich um alles zu kümmern. Bevor ich mich jedoch um die Dame des Hauses kümmern konnte, rief ich Caterer, Floristen und die Konditorin der Hochzeitstorte an. Ab sofort liefen alle Absprachen über mich. Sie sollten die Anrufe von ihr einfach ignorieren. Nachdem die Dienstleister wieder beschwichtigt waren, brauchte ich eine Zigarette zum Runterkommen. Sonst wäre das nächste Gespräch eskaliert.
Wir wurden von so vielen Ecken gewarnt, dass eine Hochzeit in diesem Schloss mit Stress verbunden wäre. Egal bei welchem Dienstleister wir anfragten, wurden wir gewarnt. Auch die Google-Rezensionen ließen nichts Gutes an der Dame, doch bisher war sie immer freundlich und zuvorkommend gewesen. Wie konnte man nur selbst gegen das eigene Geschäft sein? Wenigstens hatte ich noch eine Geheimwaffe gegen sie in der Hand. Ich brauchte sie nicht einmal suchen, denn wie ein bockiges Kind saß sie in einem ihrer Sessel. Direkt fing sie an, sich bei mir zu beschweren, was mir einfalle, so mit ihr zu reden.
»Es reicht jetzt. Haben sie Alzheimer? Eine Woche vor der Hochzeit können sie sich plötzlich an keine Absprache mehr erinnern? Räume, welche wir angemietet hatten, sehen katastrophal aus. Versprochenes Equipment haben sie verliehen und die Dienstleister terrorisierte sie persönlich. Beinahe wären uns alle wegen ihnen abgesprungen. Sind sie gegen ihr eigenes Geschäft? Ab sofort läuft die Kommunikation nur noch über mich. Sollten Sie also ein Problem haben, wenden Sie sich an mich. Alle anderen haben die Anweisung, ihre Anrufe zu ignorieren.«
Schnell kramte ich die unterschriebenen Vereinbarungen hervor und knallte diese vor sie auf den Tisch, bevor sie etwas sagen konnte.
»Hier steht alles. Darunter ihre Unterschrift. Das Dokument haben Sie in Kopie von uns persönlich erhalten, also stellen Sie sich jetzt gefälligst nicht unwissend. Ich komme aus der Eventbranche und wir scheuen uns nicht, damit zum Anwalt zu gehen. Doch dann verspreche ich ihnen, dass sie für alle bisherigen Kosten aufkommen werden. Darüber hinaus wissen sie vielleicht auch nicht, welche Familie hinter der Braut steckt. Der Name dürfte selbst ihnen bekannt sein. Wir haben nun zwei Möglichkeiten. Entweder sie fahren weiter so einen Film und ruinieren die Hochzeit, oder sie reißen sich zusammen und bringen den Tag wie versprochen über die Bühne. Alternativ haben sie eine Anzeige, schlechte Publicity in der Region und die nächste grottenschlechte Google-Rezension am Hals. Dann können sie lange warten, dass bei ihnen noch jemand freiwillig heiraten möchte. Also?«
»In so kurzer Zeit findet ihr sowieso keine Alternative mehr«, meinte sie bissig.
»Selbst wenn wir die Feierlichkeiten verschieben müssten, braucht das nicht ihre Sorge zu sein. Wir haben alle keine Lust auf diesen Stress. Es liegt an Ihnen, ob wir die Hochzeit wie besprochen durchziehen werden oder ob Sie mit Konsequenzen vom Vertrag zurücktreten«, sagte ich ruhig.
Da schien auch die gute Frau zu wissen, dass sie keine Chance hatte.
»Okay, was fehlt jetzt noch?«, gab sie sich geschlagen.
Ich ging mit ihr in Ruhe noch einmal alle Punkte durch. Bat sie sogar mitzuschreiben, damit sie nichts davon wieder vergaß.
»Robert, du hast auch alles mitbekommen?«, fragte ich Nadins Vater ins Handy, als ich es auf Lautsprecher stellte.
»Ja, klar und deutlich. Danke, Nick«, sagte dieser, bevor er auflegte.
»Damit hätten wir auch einen Zeugen. Danke für ihre Zeit und bis Freitag zum Aufbau. Nicht vergessen, wir kommen um elf Uhr.«
Ohne ein weiteres Wort gab sie mir noch die Hand. Mit gemischten Gefühlen verließ ich das Schloss.
Am Abend bekam erst Nadine einen Anruf von ihr, in dem sie sich zutiefst für ihr Verhalten entschuldigte, ehe ich denselben von ihr bekam. Witzig war nur, dass wir uns dabei gegenübersaßen.
»Danke, Nick. Dad meinte, du hast es hier heut Nachmittag ordentlich gegeben.«
»Was heißt gegeben? Ich habe ihr nur vor Augen geführt, was passiert, wenn sie meint, uns verarschen zu wollen. Mehr nicht.«
»Trotzdem. Ohne dich hätten wir alles abgeblasen und wären sicherlich noch auf den Kosten sitzengeblieben«, bedankte sich auch Stefan bei mir.
»Hoffen wir nur, dass sie sich nun daranhält. Samstag kann ich auf solche Überraschungen verzichten. Ihr sicher auch.«
»Apropos Überraschung. Wir wollten dich noch etwas fragen«, druckste Nadine herum.
»Bitte keine neue verrückte Idee, was ihr gerne noch zusätzlich hättet«, sagte ich resigniert, da ich echt fertig war.
»Nein, aber wir bräuchten noch einen Schlafplatz für Nico. Eigentlich sollte er bei einem meiner Eltern schlafen, aber darauf hat er absolut keinen Bock. Würdest du ihm vielleicht dein Sofa anbieten? Bei uns ist leider auch schon alles voll«, bat mich Nadine.
»Dein ominöser Bruder soll bei mir pennen? Solange er weiß, dass ich auf Kerle stehe, meinetwegen. Nicht, dass er Stress macht oder mir etwas unterstellen will.«
»Damit hat er kein Problem. „Danke, Nick, auf dich ist einfach immer Verlass«, meinte Stefan zum Abschluss.
Immerhin handelte es sich auch nur um eine Nacht. Was sollte dabei schon groß schiefgehen?
Der Aufbau am Freitag lief reibungslos. Die Schlosshexe hatte wie vereinbart nun alles Versprochene hergerichtet. Damit stand dem großen Tag nichts mehr im Wege. Am liebsten wäre es Nadine gewesen, dass ich bereits am Samstag um acht Uhr morgens mit ins Schloss gekommen wäre, doch ich konnte sie noch auf zehn Uhr vertrösten. Lieber genoss ich die eine Stunde länger schlafen, als dabei zuzusehen, wie ihre Brigade hergerichtet wurde. Sobald ich im Schloss ankam, schaute ich einmal nach dem Rechten, doch alles war an seinem Platz. Daher schnappte ich mir die Brautjungfern, um ihnen ihre Aufgaben je nach Kompetenz zu verteilen. Zwei von ihnen hätte man getrost irgendwo als Deko aufstellen können. Ich bat sie auch, Nico zu mir zu schicken, falls sie ihn sehen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Plan, wie er ausschaut.
Ich stand gerade vor dem Schloss an der Bar, um mir etwas zu trinken zu holen, als mich jemand von der Seite anquatschte.
»Hey, du musst Nick sein, oder? Die Mädels meinten, ich soll zu dir kommen.«
Ich muss echt blöd geschaut haben, als ich mich umdrehte. Man war der Kerl groß. Selbst ich musste aufschauen, damit ich ihm in die Augen sehen konnte. Mein erster Gedanke war: Echt sexy der Typ. Vielleicht zwei bis drei Jahre älter als Stefan, die gleichen markanten Gesichtszüge, blonde stylische Kurzhaarfrisur und die wahnsinnig schönen blau-grün gesprenkelten Augen. Doch dieser Pornobalken unter seiner Nase ging gar nicht.
»Hey, ja, freut mich. Du weißt, was du heute zu tun hast?«, erkundigte ich mich, während wir uns die Hand gaben.
»Na, ich denke doch mal, für Stimmung sorgen, damit es eine geile Party wird«, sagte er nur locker, was mich meine Augen verdrehen ließ.
»Auch, aber in erster Linie weichst du deinem Bruder nicht von der Seite. Du bist da, wenn er etwas braucht. Sieh zu, dass er genug über den Tag trinkt, damit er uns nicht umkippt. Wenn er ein Problem hat, wird es automatisch zu deinem. Hat sich echt niemand von euch im Vorfeld informiert, was es heißt, Trauzeuge zu sein?«, sagte ich genervt, weil ich den gleichen Text auch ihrer Trauzeugin predigen durfte.
»Wir müssen auch mit unterschreiben«, fügte er noch klug hinzu.
»Bitte, sieh einfach zu, dass Stefan den Tag gut übersteht«, war mein letzter Kommentar, bevor ich in den Innenhof musste, um dort die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Mehr als hoffen, dass er meinen Rat ernst nahm, konnte ich nicht.
Ich hatte an diesem Tag mit dem Schlimmsten gerechnet, aber es lief alles nach Plan. Selbst die Schlosshexe war mehr als zuvorkommend. Die Trauung war traumhaft schön und Nadine sprang mir danach freudestrahlend in die Arme, als ich ihr gratulieren wollte. Auch Nico blieb brav an Stefans Seite. Jeder Dienstleister tat das, was er sollte, weshalb ich nur ein einziges Mal eingreifen musste. Das lag aber mehr am viel zu heißen Wetter, dass ihre Oma fast umgekippt wäre. In den Tagen zuvor war es im Schloss schön kühl gewesen, doch durch die Menge an Menschen wurde es zur Sauna. Auch mir klebte schnell mein Hemd wie eine zweite Haut am Körper.
Um kurz nach einundzwanzig Uhr waren bis auf den Brauttanz alle Programmpunkte durch. Die Stimmung war gut, doch ich brauchte mal eine kurze Pause. Deswegen schnappte ich mir eine Flasche Wasser, Wein und ein Glas, ehe ich mich nach unten, in den kleinen Pavillon vor das Schloss, zurückzog. Hier konnte ich für einen Moment die Beine hochlegen, gemütlich eine rauchen und neue Energie für den restlichen Abend tanken. Leider blieb ich nicht lang unentdeckt.
»Hey Nick, darf ich mir vielleicht eine bei dir schnorren?«
»Sicher, aber was machst du denn hier unten? Solltest du dich nicht um deinen Bruder kümmern?«, fragte ich Nico.
»Der hat mich weggeschickt, also bin ich runter heimlich eine rauchen. Hier ist es aber viel angenehmer als oben.«
»Muss ich verstehen, wieso du das heimlich machen musst, wenn doch beide von deinen Eltern, samt ihren neuen Partnern, Raucher sind? Sie kommen mir jetzt nicht vor, als würden sie dich dafür verurteilen.«
»Tja, da kennst du halt meine Eltern schlecht. Wir können es ihnen nie recht machen. Sie suchen regelrecht nach Punkten, um uns zu kritisieren. Was denkst du, wieso ich so weit wie möglich von ihnen weg wohne oder bei dir übernachte? Danke schon mal dafür. Lieber dem Streit aus dem Weg gehen. Aber was ich dich fragen wollte. Muss ich auch eine Rede halten wie Miriam eben?«, fragte er, bevor er sich neben mich setzte.
»Es hätte dir nicht geschadet, vorher mal zu googeln, welche Aufgaben ein Trauzeuge bei einer Hochzeit übernimmt. Müssen tust du es nicht…«, fing ich an.
»Boah, Gott sei Dank«, platzte er heraus.
»Aber es wäre für das Brautpaar schon sehr schön, ein paar nette Worte von dir zu hören. Es ist immerhin auch eine Ehre für dich, dass Stefan dir diese Position anvertraut hat.«
»Hmm, aber ich bin in sowas grottenschlecht. Was soll ich da bitte sagen?«, fragte er mich etwas verzweifelt.
»Na, eben genau das. Sag ihnen, was für eine Ehre es für dich ist, sprich ein paar liebe Worte über Nadine. Wie froh du bist, dass er sie gefunden hat, wie gut sie ihm tut. Du kannst auch eine witzige Geschichte auspacken, welche du mit deinem Bruder erlebt hast. Etwas, das euch verbindet, aber bitte nichts zu Peinliches. Am Ende wünschst du ihnen alles Glück der Welt. Mehr ist es nicht. Fokussiere dich dabei einfach auf die beiden und blende den Rest der Gesellschaft aus«, erklärte ich ihm.
»Bei dir klingt das alles so leicht, aber klar, wenn du Hochzeiten organisierst, musst du auch sowas können.«
»Das ist meine erste Hochzeit. Ich zwinge dich auch zu nichts. Mach es oder lass es bleiben. Ist deine Entscheidung«, sagte ich wohl ein wenig zu streng.
»Hmpf, du hältst nicht viel von mir, oder? Irgendwo kann ich es verstehen. Als Trauzeuge war ich bis jetzt eine Niete. Wenn du den Junggesellenabschied nicht organisiert hättest, wäre der auch ins Wasser gefallen«, meinte er niedergeschlagen.
»Quatsch, sorry, falls es so rüberkam, aber ich bin einfach nur fertig. Gleich nur noch den Brauttanz hinter mich bringen. Danach ist mein Job erledigt.«
»Scheiße, der kommt ja auch noch. Den sitze ich am besten hier unten aus.«
»Wo liegt dabei bitte das Problem? Du musst nur ein paar Takte mit Nadine tanzen.«
»Genau, ich kann keinen Walzer oder sonst einen Tanz. Da blamiere ich mich nur bis auf die Knochen.«
»Meine Fresse, das ist doch das Einfachste auf der Welt. Los, aufstehen!«, befahl ich ihm.
Keine Ahnung, ob er nervös war, weil er tanzen sollte, oder ich ihn an mich gezogen hatte.
»Stell dir einfach vor, ich wäre Nadine. So, die rechte Hand legst du hier auf die Hüfte. Mit der linken Hand hältst du ihre. Damit hätten wir die Tanzhaltung. Nun zählst du immer bis drei. Auf eins, den rechten Fuß nach vorn. Zwei, den linken Fuß diagonal nach vorn und auf drei ziehst du deinen rechten Fuß an den linken«, erklärte ich die Theorie, bevor wir mit der Praxis begannen.
»Vor, Seite, ran… Vor, Seite, ran… Vor, Seite, ran… eins, zwei, drei…«, zählte ich.
Nach ein paar Minuten Übung gab ich die Führung an ihn ab. Zumindest das schien er schnell zu lernen.
»Nicht schlecht. Jetzt mach dich mal ein bisschen locker. Du bist steif wie ein Brett. Komm jetzt mit Musik«, meinte ich, bevor ich leise einen langsamen Walzer anmachte.
Es machte eine gute Figur. Leider war ich es, der aus dem Takt geriet, weil mich sein strahlendes Lächeln, gepaart mit seinem lieben Blick, aus dem Konzept brachte. Als das Lied aus war, klatschte plötzlich jemand hinter uns, weshalb wir vor Schreck zusammenzuckten.
»Das war klasse, Jungs, aber kommt ihr bitte mit hoch? Gleich geht der Brauttanz los«, sagte Miriam, die wohl dabei war, alle zusammenzutrommeln.
»Jetzt kannst du gleich beweisen, was du gelernt hast. Einen Grund, dich davor zu drücken, hast du nicht mehr«, meinte ich zu Nico, der mich verlegen ansah.
Im Saal blieb ich hinter ihm, damit er keine Chance hatte, sich zu drücken, aber er zog es mit Bravour durch. Konnte dabei sogar mit Nadine tuscheln. Als Nächster war ich an der Reihe. Wir waren damals zusammen im Tanzverein gewesen, was man auch bei diesem kurzen Tanz gut erkennen konnte. Mitten in einer Drehung gab ich sie auch an ihren nächsten Tanzpartner weiter, was die Gesellschaft applaudieren ließ. Ein bisschen flexen darf man als Gast auch mal. Nico stand mit seinen Eltern neben mir. Er war stolz wie Oskar und sogar seine Eltern lobten ihn, dass er tanzen konnte. Das gab ihm denke ich das Selbstvertrauen, das Brautpaar mit seiner Rede zu überraschen. Als alle getanzt hatten, schnappte er sich das Mikrofon und legte spontan los. Es wurde eine lustige, aber doch emotionale Rede, weswegen nicht nur den dreien Tränen in den Augen standen. Am meisten überraschte mich doch sein Zusatz.
»Ach, eins noch kurz. Ich möchte mich sehr bei Nick bedanken. Ohne ihn hätte mein kleiner Bruder nicht den Junggesellenabschied bekommen, welchen er verdient hätte. Ich glaube, ich spreche auch im Sinne des Brautpaares, dass es für seine erste geplante Hochzeit ein riesiger Erfolg war. Danke, dass du diesen Tag so unvergesslich gemacht hast.«
Der nachfolgende Applaus und der laute Jubel waren für mich. Nicht nur das, auch seine Worte rührten mich. Plötzlich rannte Nadine aus dem Saal.
»Wir wollten ihn dir geben, bevor du fährst. Lies ihn irgendwo in Ruhe und wir sind dir so dankbar. Wir haben dich wahnsinnig lieb«, sagte sie, ehe mir ein Brief überreicht wurde.
»Danke, ich euch auch, aber das passt super. Unten wartet noch eine angefangene Weinflasche auf mich«, sagte ich lachend mit kratziger Stimme.
Während sich also die Grüppchen wieder zusammenfanden, zog ich mich wieder nach unten in den Pavillon zurück. Es stellte sich als die beste Entscheidung heraus, denn der vierseitige Brief hatte es in sich. Vor allem der Teil, dass sie mich als einen Teil ihrer Familie ansahen, ließ meine Tränen vor Glück fließen. Meine eigenen Eltern waren vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem war ich auf mich allein gestellt. Das so von ihnen zu hören, war wohl das schönste Geschenk, welches sie mir machen konnten. Allgemein war dieser Brief das Süßeste, was mir jemals geschenkt wurde.
Als ich mich einigermaßen beruhigt hatte, musste ich feststellen, dass die Hochzeitsgesellschaft sehr geschrumpft war. Ein paar sind mir unten aufgefallen, wie sie das Schlossgelände verließen. Sogar fast die gesamte Familie hatte sich auf den Heimweg begeben. Einzig Nadines Vater war noch unter den Anwesenden. War auch besser, denn so bekamen nicht alle mit, wie mir wieder die Tränen kamen, als Nadine mich umarmte. Sobald sie anfing zu heulen, konnte ich nicht mehr an mich halten.
»So, jetzt hör gefälligst auf. Denk an dein Make-up, das war schließlich teuer, oder willst du auf den letzten Fotos aussehen wie ein Panda?«, sagte ich vor Lachen, damit wir uns endlich unter Kontrolle bekamen.
»Blödmann, aber genau dafür mag ich dich. Los komm, lass uns nochmal tanzen«, meinte sie strahlend, ehe wir für die nächsten Songs die Tanzfläche eroberten.
Nassgeschwitzt und außer Atem ging ich auf den Balkon. Ich ließ mich auf den erstbesten Stuhl fallen, um runterzukommen.
»Hier, das kannst du jetzt sicher brauchen«, hörte ich Nicos Stimme.
Er war so lieb und hat mir eine Weißweinmischung mitgebracht, die ich definitiv dringend nötig hatte. Ich trank nicht, sondern stürzte sie in einem Zug herunter.
»Danke, das war gerade meine Rettung.«
»Dafür warst du meine. Damit sind wir quitt. Wahnsinn, wie du tanzen kannst, das sah wirklich professionell aus.«
»Hat sich das harte Training von damals wenigstens bezahlt gemacht.«
»Ohhhh ja. Ach so, entschuldige, dass ich dir die Überraschung von Stefan und Nadin versaut habe. Ich wusste nicht, dass sie noch etwas anderes geplant hatten für dich.«
»Meinst du den Brief?«, fragte ich, was er mit einem Nicken bejahte.
»Ach, das passt schon. Er hat mich nur ein wenig aus der Bahn geworfen. Ich fand es aber klasse, dass du dich getraut hast. Auch die lieben Worte über mich.«
»Du scheinst ihnen wirklich sehr viel zu bedeuten. Selbst mein Bruder konnte seine Tränen nicht zurückhalten.«
»Ich denke, das beruht alles auf Gegenseitigkeit. Sie sind für mich zur Familie geworden.«
»Na dann hast du eine bessere als ich. Sag mal, was hast du eigentlich gegen meinen Schnurrbart?«, wollte er plötzlich wissen.
»Miriam?«, fragte ich nur, was ihn grinsen ließ.
»Keine Ahnung. Ich find solche Pornobalken schrecklich. Dazu noch mit deiner Sonnenbrille sahst du heut Nachmittag aus wie ein Zuhälter. Der kann man aber echt nichts anvertrauen.«
»Wenigstens meintest du, dass der Rest heiß aussieht, da stehe ich über dem Kommentar zu meinem Schnurrbart.«
Oh, wie gerne ich gerade eine gewisse Trauzeugin erwürgen würde. Das war mir absolut peinlich. Jedoch schien es Nico nicht zu stören.
»Wieso bist du eigentlich noch Single?«, wollte er stattdessen wissen.
»Nennen wir es einfach Pech in der Liebe. War wohl der Richtige bisher nicht dabei. Bei dir anscheinend auch nicht, oder gibt es eine, nur deine Eltern sollen nichts davon erfahren?«
»Nein, ich bin auch solo. Aber so einen Tamtam wie die beiden würde ich mir nicht antun wollen.«
»Du meinst heiraten, oder die pompöse Feier?«
»Die Feier. Willst du so etwas?«
»Ne, danke, auf den Stress und die Kosten kann ich gerne verzichten.«
»Wie würde deine Feier aussehen?«
»Ich glaube sehr schlicht. Nur mit den engsten Vertrauten. Standesamt, danach essen gehen und danach einfach irgendwohin feiern gehen. Falls es etwas größer werden sollte, dann am liebsten auf einem Weingut. Diese sind als Locations für Firmenfeiern schon traumhaft schön, dann bestimmt erst recht zu einer Hochzeit. Dort braucht man wenigstens auch keine horrende Miete zu bezahlen«, schwärmte ich ein wenig.
»So wie du es erzählst, wäre ich sofort beim Weingut dabei.«
Je länger wir dort erzählend auf dem Balkon saßen, desto sympathischer wurde mir Nico. Ich war mir schon nicht mehr sicher, was besser war. Keine Eltern mehr zu haben oder Eltern, für die du nur eine Enttäuschung warst, was sie dich immer wieder spüren ließen. Dabei hatte er einen guten Job, war nicht auf den Kopf gefallen und genauso ein lieber Trottel wie Stefan. Ich hatte Nadine nicht nur einmal um ihren gutherzigen Freund beneidet.
»Wir haben noch kein Bild gemeinsam bei der Fotobox gemacht«, meinte er nach einer gefühlten Ewigkeit auf dem Balkon.
»Na dann sollten wir das schleunigst nachholen, auch wenn ich mittlerweile sicher zerstört aussehe«, sagte ich, während wir schon nach drinnen gingen.
»Laber nicht. Der Wet-Look gehört zu dieser Hochzeit.«
Damit stellten wir uns nebeneinander auf. Nico legte seinen Arm auf meine Schulter und startete den Countdown. Auf eins drückte er mir plötzlich einen Kuss auf die Wange. Das Foto war zum Schießen. Ich schaute darauf so entgeistert, dass er sich nicht mehr einkriegte vor Lachen.
»Komm, wir machen noch eins. Diesmal andersherum und ich schaue genauso wie du«, schlug er vor.
Das wäre nebeneinander sicher witzig gewesen, also war ich einverstanden. Im Gegensatz zu ihm lagen meine Lippen von Anfang an auf seiner Wange. Doch wieder bei eins drehte er seinen Kopf zu schnell, sodass unsere Lippen aufeinander lagen. Somit war der Kuss auf einem Foto verewigt.
»Spinnst du? Das Foto darfst gerne du den Beiden erklären, wenn sie die Bilder online abrufen«, sagte ich, woraufhin er nur verlegen anfing zu lachen.
»Oh, ich dachte, die werden gelöscht nach dem Ausdrucken. Naja, war ja nichts Schlimmes.«
»Du solltest sie trotzdem vorwarnen. Nicht dass sie überall aus Versehen herumzeigen, wie wir uns küssen.«
»Ach, das kleine Bussi. Wie ich sie kenne, werden sie darüber herzhaft lachen. Komm, lass uns was trinken und danach tanzen gehen.«
Bis kurz vor zwei feierten wir wie die Verrückten, bis meine Füße dank der Anzugsschuhe so schmerzten, dass ich kaum noch stehen mochte.
»Wollen wir uns langsam ein Taxi rufen? Das Brautpaar möchte auch heim, da wir um zehn bereits wieder hier sein müssen für den Abbau«, fragte ich Nico.
»Na dann trommel sie zusammen. Taxi brauchen wir keins. Ich fahre uns nach Hause«, meinte er, was natürlich noch praktischer war.
Leider dauerte es noch, bis wir alle Gäste liebevoll rausgeschmissen hatten, ehe wir samt dem Brautpaar heimfuhren. Es war bereits nach drei, als ich mit Nico im Schlepptau meine Wohnung betrat.
»Wow, schön hast du es hier«, sagte er, während ich dabei war, alle Fenster aufzureißen, damit sich die Räume etwas abkühlten.
»Danke, brauchst du noch etwas? Im Kühlschrank findest du alles Mögliche an Getränken. Ich wusste nicht, was du magst, deshalb habe ich von allem etwas gekauft.«
Er überrumpelte mich damit, dass er meine Hand ergriff und an sich zog.
»Was passiert hier gerade?«, ging es mir durch den Kopf, da er auch eine Hand auf meine Wange legte.
»Ich könnte tatsächlich etwas brauchen. Darf ich dich küssen?«, fragte er bereits gegen meine Lippen wispernd.
Seit er mir diesen harmlosen Kuss vor der Fotobox gab, stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, diesen heißen Kerl zu küssen, weshalb ich wie automatisch unsere Lippen miteinander verschloss. Durch diesen wahnsinnig leidenschaftlichen Kuss, gepaart mit seiner Nähe, heizten meinen Körper erneut an. Mein Hemd klebte feucht an meinem Oberkörper. Seine Hand lag auf meinem unteren Rücken, was noch mehr Wärme ausstrahlen ließ. Doch auch mit meinen Händen fühlte ich den feuchten Stoff seines Hemdes unter meinen Fingern.
Obwohl ich den Kuss ungern unterbrechen wollte, musste ich endlich aus diesen ekligen, verschwitzten Klamotten raus.
»Sei mir nicht böse, aber ich würde gerne schnell duschen gehen. Ich halte es in den Klamotten nicht mehr aus. Danach sollten wir uns definitiv mal unterhalten. Der Kuss eben war alles andere als harmlos«, sagte ich vorsichtig, während ich mich von ihm löste.
Mit einer Achterbahn an Gefühlen ließ ich ihn stehen und verschwand im Badezimmer. Es war eine Wohltat, aus diesen Klamotten rauszukommen. Dazu hatte mich dieser Kuss so angeturnt, dass mein Schwanz hart aus meiner Shorts sprang. Schon lange hatte mich niemand mehr so geküsst wie Nico. Das kühle Wasser der Dusche spülte den Schweiß von meinem Körper, bewirkte aber nicht, dass sich mein Schwanz wieder normalisierte. Mit geschlossenen Augen prasselte das Wasser über meine Haare, während mein Gehirn Bilder von unserem Kuss projizierte.
Ich erschrak, als sich plötzlich Arme um meinen Körper schlangen. Gleichzeitig wurden Küsse in meinem Nacken verteilt, ehe sich ein fester Körper an meinen Rücken presste.
»Träume ich schon, oder stehst du gerade wirklich nackt hinter mir?«, fragte ich, wobei mir seine Berührungen mehr als gefielen.
»Bei der Knappheit sollte man doch Wasser sparen. Außerdem konnte ich es nicht mehr erwarten, dich zu berühren. Es gibt da nämlich noch etwas, was meine Familie nicht über mich weiß«, säuselte er in mein Ohr.
So hart, wie sich sein Schwanz gegen meinen Rücken presste, konnte ich mir vorstellen, was es war.
Mit einer Drehung in seinen Armen verschlossen sich direkt wieder unsere Lippen. Mein Verstand setzte komplett aus, sobald ich auch seinen heißen Körper mit meinen Händen erkundete. Küssend massierten wir uns abwechselnd gegenseitig, für mehr waren unsere Körper zu erschöpft. Hätte er mich nicht gehalten, während wir zwischen uns abspritzten, wäre ich sicher auf dem Fliesenboden gelandet.
Gegenseitig trockneten wir uns noch ab, bevor ich ihn wie selbstverständlich mit ins Schlafzimmer zog. Nachdem ich mir noch schnell einen Wecker stellte, zog er mich bereits in seine Arme, wo ich schnell mit einem überwältigten Gefühl in mir einschlief. Selbst als mich der Wecker aus dem Schlaf riss, lag ich noch genauso mit meinem Rücken an ihn gepresst. So vorsichtig wie möglich befreite ich mich aus seinem Griff, obwohl ich lieber liegen geblieben wäre. Wecken wollte ich ihn nicht, weshalb ich ihm nur einen Kuss auf die Stirn gab, bevor ich mich anzog und ins Schloss fuhr.
»Wo ist Nico?«, fragte mich Nadine, nachdem ich sie begrüßte.
»Der schläft noch. Ich wollte ihn nicht wecken. Das bisschen schaffen wir auch ohne ihn«, meinte ich, wobei mein Körper sich noch immer schlapp anfühlte.
Keine halbe Stunde später stand er schon im Türrahmen zum Speisesaal. Er beobachtete mich dabei, wie ich die Tischdeko zusammenräumte.
»Stehst du nur rum oder hilfst du mir?«, fragte ich ihn fröhlich.
»Du hättest mich ruhig wecken können«, meinte er, als er mir zur Hand ging.
»Schon, doch ich bezweifle, dass wir dann das Bett verlassen hätten«, flüsterte ich ihm zu.
Nico schaute sich um, ehe er mir einen schnellen Kuss gab.
»Stimmt auch wieder, wobei mir das viel lieber gewesen wäre«, flüsterte er grinsend zurück.
Schon seine pure Anwesenheit ließ mir mein Herz bis zum Hals schlagen, was der Kuss nur verschlimmerte.
Leider sollte ich nicht recht behalten. Es dauerte bis nach achtzehn Uhr, bis wir alles aufgeräumt, verpackt und noch mit der Schlossdame gesprochen hatten. Dementsprechend verabschiedete sich Nico noch auf dem Schlossparkplatz von uns. Er hatte noch eine dreistündige Fahrt vor sich. Dazu musste er am nächsten Tag wieder früh zur Arbeit. Es machte mich ein wenig traurig, da ich gerne mehr Zeit mit ihm verbracht hätte. Genauso gern wollte ich ihn zum Abschied küssen, aber das war in der Anwesenheit von Stefan und Nadine nicht möglich. Dafür bekam ich eine feste Umarmung. Mir kam es sogar vor, dass auch er etwas betrübt wirkte.
»Du scheinst Nico beeindruckt zu haben. Sonst ist er nicht so großzügig mit seinen Umarmungen«, sagte Stefan.
»Ich bin halt ein liebenswürdiger Mensch«, wiegelte ich das Thema ab.
Den Rest des Abends half ich den beiden noch, alle Geschenke fein säuberlich aufzulisten, wobei meine Gedanken mehr bei Nico waren. Erst spät abends war ich zurück in meiner Wohnung. Ich erwischte mich dabei, wie ich mir wünschte, dass er auch hier wäre.
»Habe ich mich tatsächlich nach einem Tag in ihn verschossen?«, war mein erster Gedanke.
Doch sobald ich nach dem Duschen das Bild von unserem harmlosen Kuss auf dem Bett vorfand, war es mir richtig bewusst geworden.
»Danke für diese wundervolle Nacht. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder«, hatte er hinten draufgeschrieben.
Am liebsten hätte ich ihm geschrieben, doch da fiel mir auf, dass ich keine Nummer von ihm hatte. Irgendwie musste ich mir etwas einfallen lassen, wie ich sie mir besorgen konnte. Doch auf der anderen Seite keimte bereits die Angst, dass es nur wieder eine unglückliche Liebe werden könnte. Deswegen beschloss ich am nächsten Tag, die Füße stillzuhalten, um abzuwarten, ob von ihm etwas kam.
Nur wartete ich vergebens. Ich bekam kein Lebenszeichen von ihm. Nadine und Stefan waren noch in den Flitterwochen, während ich mich in Arbeit vergrub. Durch die letzten Wochen war einiges liegengeblieben.
»Ist bei dir alles in Ordnung?«, bekam ich auf einmal die Nachricht von Nadine.
»Ja sicher, alles gut. Genießt noch euren letzten Tag. Wir sehen uns morgen am Flughafen«, schrieb ich zurück, auch wenn ich mich über die Frage wunderte.
»Gut, machen wir. Bis morgen.«
Sobald sie am nächsten Tag bei mir im Auto saßen, fingen sie an, mir genau zu berichten, was sie alles erlebt hatten. Kurz bevor wir zu Hause ankamen, wurde ich aber neugierig.
»Was sollte eigentlich die ominöse Nachricht gestern?«, fragte ich die beiden.
»Ach, Nico hatte uns nur geschrieben, ob bei dir alles in Ordnung wäre, weil er nichts von dir hört. Hat er sich bei dir gemeldet? Wir verstanden es nicht, also habe ich dir lieber geschrieben«, erklärte mir Nadine.
»Nein, ich habe von ihm seit der Hochzeit nichts mehr gehört«, sagte ich bitter.
»Dann verstehe ich es noch weniger. Naja, Nico eben«, meinte Stefan mit einem Schulterzucken.
Über zwei Wochen höre ich nichts von ihm, aber bei Ihnen fragte er nach, wie es mir geht? Das verstand ich absolut nicht. Nur konnte ich mit ihnen schlecht darüber reden, ohne ihn zu outen, weshalb ich schwieg.
An dem darauffolgenden Samstag bat mich Nadine, am Nachmittag zu ihnen zu kommen. Sie müsste mir unbedingt etwas zeigen. Zur besprochenen Zeit machte ich mich auf den Weg. Schon an der Haustür wurde ich mit einem seltsamen Grinsen von ihr empfangen.
»Was gibt es denn so Dringendes, dass du mir zeigen willst?«
»Komm erstmal rein«, meinte sie, bevor wir in den Garten gingen.
Dort saßen auch Stefan und Nico. Er sah mich genauso überrascht an wie ich ihn. Wobei sich unsere Umarmung zur Begrüßung distanziert anfühlte. Was mich noch mehr wunderte: Sein Pornobalken unter seiner Nase war verschwunden. Er hatte ihn um einiges gekürzt, was ihm meiner Meinung nach viel besser stand.
»Wir haben etwas Interessantes unter den Fotos gefunden«, sagte Nadine, ehe sie uns unsere zwei Bilder der Fotobox zeigte.
»Haben wir irgendetwas nicht mitbekommen?«, schob sie die Frage direkt hinterher.
Nico neben mir schwieg. Versuchte zwar ein paar Mal anzusetzen, aber schloss direkt wieder seinen Mund.
»Das sind doch nur Spaßfotos. Ich habe Nico dazu überredet, weil wir eure Gesichter sehen wollten, wenn ihr sie bekommt. Oder Nico?«, versuchte ich, die Situation zu entschärfen.
Ich dachte, damit würde ich ihm einen Gefallen tun, doch weit gefehlt.
»Dann war der Rest wahrscheinlich auch nur ein Spaß für dich«, sagte er verletzt, stand auf und ließ uns perplex zurück.
Einen kurzen Schreckmoment später sprang auch ich auf. Gerade noch rechtzeitig konnte ich vor sein Auto springen, damit er nicht losfahren konnte.
»Geh bitte weg«, kam mehr als Flehen statt einer Bitte aus seinem Mund.
»Vergiss es. Erst wenn du mir erklärst, was dieser Mist da eben zu bedeuten hatte«, sagte ich, aber auch Nadine und Stefan kamen zu uns auf die Straße.
»Würdet ihr uns das bitte kurz unter vier Augen klären lassen?«, bat ich sie, weshalb sie sich schnell wieder verzogen.
Da Nico nicht aussteigen wollte, setzte ich mich halt auf den Beifahrersitz, denn so ließ ich ihn bestimmt nicht einfach davonkommen.
»Erklärst du mir jetzt bitte, warum du vor den beiden so eine Szene gemacht hast?«
»Ich dachte, dir bedeutet das zwischen uns etwas mehr als nur Spaß«, sagte er traurig.
»Ist auch so, aber ich wollte dir eben nur helfen. Ich oute dich sicher nicht vor ihnen«, erklärte ich ruhig.
»Was? Warum hast du dich dann nicht gemeldet? Ich habe jeden Tag gehofft, dass du mir schreiben würdest.«
»Nenn es Selbstschutz. Am Sonntag, nachdem du gefahren bist, hätte ich dir am liebsten sofort geschrieben. Leider hatte ich keine Nummer von dir. Am nächsten Tag bekam ich dank meiner schlechten Erfahrungen Zweifel. Du bist ungeoutet und wohnst fast hundert Kilometer weit weg. Ich wollte sehen, wie ernst es dir ist, ob es sich lohnen würde, meine Freunde anzulügen, für wen ich Gefühle entwickle. Du hättest mir schreiben sollen, anstatt ihnen«, klärte ich ihn auf.
»Es bedeutet mir so viel, dass ich gleich am selben Tag meinen Bart abrasiert hatte. Am liebsten wäre ich noch am Abend wieder zurückgefahren. Ich habe dich die zwei Wochen sehr vermisst und das, obwohl wir nur einen Tag miteinander verbrachten.«
Mir ging es nicht anders. Statt etwas zu sagen, zog ich ihn sofort in einen langen Kuss.
»Komm, lass uns wieder in den Garten gehen. Später kommst du mit zu mir und dann reden wir in Ruhe«, schlug ich vor, womit Nico einverstanden war.
Noch bevor wir in den Garten gingen, nahm er strahlend meine Hand. Die beiden grinsten uns auch über beide Ohren an, als wir so zu ihnen kamen.
»Wohl doch kein Spaßkuss, aber der eben im Auto war besser als der auf dem Foto«, war Nadines erster Kommentar.
»Nein, den auf dem Foto habe ich mir von ihm gestohlen. Stefan, würdest du bitte unseren Eltern noch nichts davon erzählen? Ich mag mir nicht anhören müssen, was ich doch für eine Schande für sie bin. Natürlich hoffe ich auch, dass du damit kein Problem hast«, meinte Nico zu seinem Bruder.
»Wenn es nach ihnen ging, hätte ich niemals Nadine heiraten sollen. Scheiß auf ihre Meinung, aber keine Sorge, ich halte dicht«, versprach er seinem Bruder, weshalb Nico ein Stein vom Herzen fiel.
»Also seid ihr jetzt zusammen?«, brannte es Nadine auf der Zunge.
»Wenn Nick das auch möchte«, sagte Nico und sah mich dabei hinreißend an.
»Was für eine blöde Frage«, meinte ich, bevor ich ihm einen Kuss gab, was Nadine quieken ließ.
Zumindest vor ihnen brauchten wir uns nicht mehr zu verstellen. Das Schöne daran war, dass er genauso nähebedürftig war wie sein Bruder. Auch Nico hielt mich den restlichen Tag in seinen Armen, was ich mehr als genoss.
»Wenn du dich mir früher anvertraut hättest, dann hätten wir euch schon früher verkuppelt. Das Nick mich heiß findet, wusste ich ja bereits von Nadine«, sagte Stefan locker, was mir die Röte ins Gesicht trieb.
»Na, jetzt kannst du deine Fantasien mit mir ausleben«, setzte Nico noch einen drauf.
»Dir sage ich nie wieder etwas im Vertrauen«, meckerte ich Nadine an.
»Habe dich nicht so. Er hätte dich auch genommen, wenn er auf Kerle stehen würde«, sagte Nadine.
»Oh ja. Also, Bruderherz, vermassele es nicht. Nick ist ein guter Fang«, stimmte er ihr zu.
»Ich gebe mein Bestes«, gab er gepaart mit einem Kuss auf meine Stirn von sich.
»Ihr spinnt doch alle«, kam nur kopfschüttelnd von mir.
»Viel Spaß heut Nacht. Hoffentlich treibt es ihr genauso wild wie wir gleich«, sagte Nadine, als wir uns verabschiedeten.
Auch was dieses Thema betraf, waren die beiden immer sehr offen gewesen.
»Ich kanns kaum erwarten«, knurrte mir Nico erregt ins Ohr.
Woraufhin ich meine Hand in seinen Schritt legte. Seine Latte war durch die Hose gut spürbar.
»Dann nichts wie nach Hause. Ich denke mal bis morgen?«, verabschiedete ich mich nochmals im Gehen.
»Du hast hoffentlich alles daheim? Ich habe leider nichts mit«, fragte er mich, als wir um die Hausecke bogen.
»Was meinst du?«
»Na, Kondome und Gleitgel.«
»Sicher, eins müsste ich noch rumfliegen haben.«
»Nur eins? Das wird niemals ausreichen.«
»Dann müssen wir noch schnell zur Tanke. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich brauchte schon lange keine mehr.«
»Du treibst es nur ohne?«, fragte er etwas geschockt.
»Nein, aber seit einem Jahr bin ich nur mit Arbeit und Hochzeitsplanung beschäftigt gewesen, da blieb keine Zeit für irgendwelchen Spaß.«
»Du hattest seit über einem Jahr keinen Sex mehr? Meine Quote ist zwar noch schlechter, aber bei dir stehen die Kerle doch sicher Schlange«, platzte es ungläubig aus ihm heraus.
»Nope. Anfragen gab es einige, aber die One-Night-Stands reizten mich nicht mehr. Da war ich mit der Hand schneller«, erklärte ich ihm.
»Bist du gesund?«, wollte er plötzlich wissen.
»Beim Check-up vor drei Monaten war alles im grünen Bereich. War auch immer vorsichtig.«
»Ich bin es auch. Wäre es dann für dich okay, wenn wir drauf verzichten? Ich möchte gerade nichts lieber, als dir endlich die Klamotten vom Leib zu reißen«, fragte er mich, noch immer an der Hausecke stehend.
Wobei seine Hand schon unter meinem Shirt auf meinem Rücken lag.
Ohne zu zögern, zog ich ihn schnell die Straße entlang zu meinem Wohnblock. Bereits im Hausflur machten wir auf jeder Etage Halt, um uns wild zu küssen. Sogar seinen Gürtel öffnete ich bereits. Die Tür war noch nicht ins Schloss gefallen, da flogen schon unsere T-Shirts auf den Boden. Es waren keine leeren Worte seinerseits, denn mit einem Zug riss er mir meine Hose samt Boxershorts herunter. Schon lehnte ich stöhnend an der Wand, während er meinen Schwanz regelrecht verschlang. Ich musste ihn bremsen, denn sonst wäre ich bei diesem geilen Blowjob fast gekommen. Wir wechselten nach einem Kuss die Position. Ich konnte ihm nicht schnell genug die Jeans samt seiner Shorts herunterziehen. Seine Eichel klatschte mir bereits feucht ins Gesicht, ehe ich sie tief, samt seinem Schwanz, in meinem Rachen aufnahm. Sein Vorsaft schmeckte köstlich und je fester ich an ihm saugte, umso mehr belohnte er mich damit.
»Warte«, stoppte er mich, denn auch er stand so kurz davor, zu kommen.
Unter den Achseln packend, zog er mich auf die Beine.
»Ich will dich so sehr, oder magst du erst mich?«, hauchte er mir erregt gegen die Lippen.
»Erst du… dann ich… aber nicht hier«, sagte ich, zwischen unseren Küssen, ehe ich ihn ins Schlafzimmer zog.
Sofort sprang ich auf allen Vieren aufs Bett. Ihm meinen Hintern präsentieren, vergrub er direkt sein Gesicht darin. Stürmisch fing er an, mich zu lecken, bevor er seine Finger ins Spiel brachte. Ich musste seine Hand von meinem Schwanz nehmen, denn sonst wäre ich sofort gekommen. Meine Konzentration reichte gerade mal so weit, dass ich sein Spiel an meinem Loch überstand, ohne abzuspritzen.
»Das reicht. Nimm mich bitte«, bettelte ich bereits, als sein dritter Finger ohne Probleme in mich hineinglitt.
»Leg dich bitte auf den Rücken. Ich will dich dabei ansehen«, bat er, weshalb ich einen Augenblick später willig vor ihm auf dem Rücken lag.
»Gleitgel. Oberste Schublade«, gab ich ihm zu verstehen.
Bei seiner Größe war es ein Leichtes, die Schublade zu erreichen. Danach dauerte es nicht lange, bis er es verteilt hatte. Ein kurzer Schmerz zuckte durch meinen Körper, bevor seine Eichel den Widerstand überwand. Nico war vorsichtig. Langsam schob er sich in mich, bis mich sein harter Schwanz ausfüllte.
»Fuck, das fühlt sich unglaublich intensiv an«, sagte er, nachdem er anfing, sich in mir zu bewegen.
Da musste ich ihm recht geben, auch ich genoss es um einiges mehr. Er nahm mich schneller, härter. Wir stöhnten um die Wette unsere Lust heraus. Ohne mich einmal zu berühren, traf mich mein Orgasmus. Unfähig, ihn vorzuwarnen, entlud ich meine Ladung stoßweise auf meinem Oberkörper. Jeder seiner Stöße förderte mehr aus meinen Eiern hinaus.
»Darf ich… Shit… Sorry«, kam es abgehackt von ihm, ehe er sich noch einmal so tief wie möglich in mich trieb.
Er kam mit so einer Gewalt, dass ich nicht nur seinen pulsierenden Schwanz in mir spüren konnte, sondern auch jeden Schuss seines Spermas.
Noch immer in mir zuckend, küsste er mich eng umschlungen. So schnell wollte er sich nicht aus mir zurückziehen, also genoss ich unseren innigen Moment.
»Ich wollte dich wirklich fragen, ob ich in dir kommen darf, aber es war unmöglich. Du sahst einfach zu heiß aus, als es dir kam. Dafür darfst du dich gerne revanchieren.«
»Worauf du wetten kannst, doch jetzt muss ich erst einmal zusehen, dass ich nicht alles mit deiner gewaltigen Ladung einsaue.
Tatsächlich lief sie mir auf dem Weg ins Bad schon das Bein herunter. Nach einer kurzen Dusche lagen wir schon wieder kuschelnd im Bett. Ich konnte nicht aufhören, diesen atemberaubend schönen Mann zu küssen. Ohne den störenden Pornobalken kitzelte nichts mehr an der Nase.
»Wie stellst du dir unsere Beziehung eigentlich vor? Du kannst dir sicherlich denken, dass ich nicht von hier weggehen werde, aber ich komme dich gerne an den Wochenenden besuchen«, fragte ich ihn, weil ich mit Fernbeziehungen keine guten Erfahrungen hatte.
»Das würde ich auch niemals von dir verlangen. Dein Angebot klingt auch gut, doch ich hatte mir überlegt, Stefan zu fragen, ob ich ihr Gästezimmer in Beschlag nehmen kann, bis ich etwas Neues in der Nähe gefunden habe.«
»Du willst wegen mir jeden Tag sechs Stunden pendeln? Sorry, so süß ich das finde, aber das ist Wahnsinn«, meinte ich, doch er fing nur an zu lachen.
»Noch ein weiteres Geheimnis gegenüber meiner Familie. Damals habe ich erzählt, dass ich wegen des Jobs weggezogen bin, aber eigentlich war der Grund mein Ex-Freund. Nur bin ich dann dort in der Wohnung hängengeblieben. Arbeiten tue ich noch immer bei derselben Firma, keine halbe Stunde von hier. Bevor du fragst: Ja, ich bin extra jeden Tag fünf Stunden unterwegs gewesen, nur um so weit es ging von meiner Familie entfernt zu sein. Ich hatte sowieso vor, demnächst umzuziehen, damit der Weg kürzer wird«, erklärte er mir.
»Dann erzähl deinen Eltern nur, dass du übergangsweise bei Stefan und Nadine wohnst, aber bleib hier. Die Wohnung ist zwar nicht riesig, doch was haben wir zu verlieren? Entweder es geht gut, oder du kannst dir dann noch immer eine neue Bude suchen, falls wir nicht zusammenpassen.«
Kein Plan, woher dieser plötzliche Enthusiasmus kam, aber für mich war es in dem Moment der logischste Entschluss.
»Du weißt, dass ich dein Angebot nicht abschlagen könnte? Bist du dir sicher, dass es für dich in Ordnung wäre?«
»Ja, weil selbst wenn du bei ihnen drüben wohnen würdest, hätte ich dich am liebsten jeden Tag bei mir. Käme damit aufs Selbe hinaus. Wenn es dir mal zu viel wird, kannst du dich sicher auch mal bei ihnen zurückziehen.«
»Ich sage zu, aber dann würde ich dich bitten, mich zu meinen Eltern zu begleiten, damit ich dich ihnen offiziell als meinen Freund vorstellen kann. Weil verstecken möchte ich mich nicht mehr. Es reicht, wenn eine Beziehung daran zerbrach. Du kennst sie bereits, weshalb du meine Situation verstehst, egal wie es ausgeht. Ich werde auch Stefan bitten, uns zu begleiten.«
»Wenn es das ist, was du möchtest, dann stehe ich hinter dir. Nur mach es nicht mir zuliebe.«
»Nein, ich habe mich lange genug versteckt. Es kam mir schon in den Sinn, als Stefan das mit Nadine erzählt hat. Davon wusste ich nichts. Wenn er sich gegen unsere Eltern durchsetzen kann, dann schaffe ich es auch.«
Damit hatte ich von einem auf den anderen Tag nicht nur einen neuen Freund, sondern zog dieser auch gleich bei mir ein. Natürlich besiegelten wir unsere Verbindung damit, dass ich ihm kurze Zeit später tief in seinen Arsch spritzte. Er kam dabei so heftig, dass er bis an die Tapete spritzte. Damit hatte er sich schon bei mir verewigt. Bereits am darauffolgenden Wochenende kündigten wir uns gemeinsam mit Nadine und Stefan bei seinen Eltern an. Samstag stand der Besuch bei seiner Mutter an. Die freute sich sogar, mich wiederzusehen. Mit ihr hatte ich mich auf der Hochzeit blendend verstanden. Auch ihr neuer Freund war wirklich nett. Anfangs hielten sie es zwar für einen Scherz, doch kapierten an Nicos Reaktion, dass es keiner war. Zu meiner Freude fassten sie es aber gut auf, auch mit seiner Partnerwahl waren sie sehr zufrieden. Doch leider warnte uns seine Mum bereits vor, dass sein Vater wohl nicht damit klarkommen würde.
Ich konnte nicht einmal sagen, ob er damit wirklich ein Problem hatte, da uns seine neue Frau vorher aus dem Haus warf. Sobald sie es hörte, setzte sie uns mit den Worten »So etwas Widerliches möchte ich nicht in meinem Haus haben« vor die Tür. Das Verhalten überrumpelte uns alle, doch nachdem wir uns alle in der Runde verwundert ansahen, brachen wir in Gelächter aus. Was ein Hausdrache. So hatten wir aber noch Zeit für seine Oma gefunden. Ich glaube, bei ihr fiel es ihm am schwersten, da er sie mehr mochte als seine Eltern. Aber ihr Verhalten auf diese Neuigkeit war einfach zuckersüß.
»Mein Junge ist doch nicht schlimm. Hauptsache, du bist glücklich. Dazu noch so einen liebenswerten jungen Mann an deiner Seite. Er ist ein Goldstück. Ich freue mich für dich«, sagte sie ihm, was Nico vor Freude die Tränen in die Augen trieb.
Seine Oma war aber auch großartig. Ich hatte sie bei der Hochzeit immer von A nach B gebracht. Nahm mir dabei für sie Zeit, wobei sie mir Geschichten von ihren Enkeln erzählte. Ich musste sogar mit ihr ein Bild vor der Fotobox machen. Sie hatte es sich sogar wie versprochen an ihre Pinnwand gehangen, damit ihr jeder glaubte, dass sie von einem jungen, hübschen Mann durch das Schloss geführt wurde.
»Jetzt müsst ihr euch aber ranhalten. Eure Hochzeit will ich unbedingt auch noch miterleben. Die wird bestimmt genauso schön wie eure, aber bitte nicht wieder in diesem Schloss mit den vielen Treppen«, sagte sie in die Runde.
»Oma, bitte, wir sind doch gerade mal eine Woche zusammen«, meinte Nico.
»Doch nicht gleich, aber er schien es dir wert zu sein, mir dein Geheimnis nach so vielen Jahren anzuvertrauen. Sogar mit der Angst, dass ich dich verstoßen würde, wie dein Idiot von Vater. Ich konnte diesen Möchtegern noch nie leiden. Und mal unter uns, so wie Nick dich ansieht, ist er sicher dabei.«
Das brachte uns alle zum Lachen. Am Abend war er so glücklich, dass er mich fest umarmte, anhob und im Kreis drehte, ehe er mir einen himmlischen Kuss gab.
»Mit einem muss ich meiner Oma rechtgeben. Du bist es wert, allen die Wahrheit erzählt zu haben, damit ich der Öffentlichkeit zeigen kann, wie sehr ich mich in dich verliebt habe.«
Stück für Stück wurde aus meiner Wohnung unsere. Egal, wo wir hingingen, scheute er sich nicht, meine Hand zu halten oder mich zu küssen. Selbst wenn wir manchmal einen dummen Kommentar zugeworfen bekamen, ließ er ihn einfach an sich abblitzen, eher gab Nick einen zurück. Nach drei Monaten ließen wir den Mietvertrag auf uns beide umschreiben. Mein Schatz liebte es zu kochen, was er verdammt gut beherrschte. Er kochte sogar immer etwas mehr, damit ich am nächsten Tag ein Mittagessen hatte, wenn er auf Arbeit war. Dafür übernahm ich den Haushalt, wobei er so ordentlich war, dass ich nicht mehr zu tun hatte als vorher auch. Allgemein ergänzten wir uns prima. Kleine Streitigkeiten gehörten dazu, wurden aber so schnell sie kamen, wieder beseitigt. Spätestens im Bett suchte einer von uns die Nähe des anderen.
Unser offizieller Jahrestag war der Hochzeitstag von Nadine und Stefan. Seitdem feierten wir ihn jedes Jahr zusammen. Am dritten hatte sich Nico eine besondere Location ausgesucht. Ein Dinner über den Dächern der Stadt bei einem wunderschönen Sonnenuntergang. Schick angezogen saßen wir da, wartend auf unser Dessert. Wir alle bekamen einen Teller mit einer silbernen Kuppel darüber. Nacheinander hoben die Keller diese ab. Zum Vorschein kamen leckere süße Köstlichkeiten. Mein Teller war der letzte, doch auf ihm stand nur eine Ringschatulle. Für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Ich bekam nicht einmal mit, dass sich Nico neben mich kniete.
»Ich hoffe, unser Plan mit dem Weingut steht noch? Schon damals hatte ich dir zugesagt, weil ich die Idee genauso schön fand wie dich. Nick, würdest du mich zum glücklichsten Menschen machen und mein Mann werden?«, fragte mich Nico.
Nur ein krächzendes »Ja« bekam ich heraus. Mir sind sofort die Tränen in die Augen geschossen, als ich das Kästchen sah. Er wusste genau, wie viel er mir bedeutete.
Ein Jahr später saßen wir nicht wieder in einem Restaurant, sondern standen vor dem Altar auf einem der schönsten Weingüter überhaupt. Wie ich es meinem Schatz erzählt hatte, feierten wir im kleinen Familienkreis mit ein paar erlesenen Freunden. Es brauchte kein Schloss oder eine riesige Gesellschaft. Für uns war es auch so der schönste Tag gewesen. Ohne Stress konnten wir ihn genießen, mit seiner Oma als unserem größten Fan.
»Das ist viel schöner als dieses blöde Schloss. Du hast dich selbst übertroffen, mein Junge. Ich freue mich sehr, dich in der Familie willkommen zu heißen. Danke, dass du meinen Enkel so glücklich machst«, sagte sie zu mir, als sie mich nach der Trauung fest umarmte.
Seinem Vater hatten wir anstandshalber auch eingeladen, doch dieser sagte bereits am nächsten Tag ab. Nico war nicht traurig darüber, denn wir wollten ihn sowieso nicht dabeihaben. Erst recht nicht seine bessere Hälfte. Dafür machte Stefan einen besseren Job als Trauzeuge, womit ich ihn noch immer gerne aufziehe.
